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Original von Susanne Ruit.
Dieses perverse nicht-wohin-wissen-mit-all-dem-Geld hat mich mehr abgestoßen als die Essgewohnheiten im Urwald. |
Wobei ich es ja immer spannend finde, wie vieles von dem, was uns heute abstoßend oder zumindest ablehnenswert erscheint, auch bei uns vor hundert, vierhundert oder tausend Jahren üblich war. Mit der Meinung, dass man seinen Reichtum nicht allzu ungehemmt zur Schau stellen sollte, steht unsere Kultur (oder zumindest Teile davon) ja auch relativ allein da.
Gewalt in der Ehe gab es sicher damals noch häufiger als heute, aber trotzdem ist Kilian darüber hinaus natürlich ein Sadist. Ins Bordell zu gehen, weil die anständige Gattin normalerweise keine Lust auf Sex hatte - okay. Aber auch dort die Damen zu malträtieren, das mag ich doch nicht für zur damaligen Zeit üblichen Folklore gehörig ansehen.
Meine Anmerkungen zu dem Teil:
Ich finde den Perspektivwechsel am Anfang genial. Ich liebe es, wenn die Pespektive gerade
nicht bei dem ist, der die heftigsten Gefühle hat, sondern wenn man ihn vorher so gut kennenlernen durfte, dass man, selbst wenn gerade aus einer einer anderen Perspektive erzählt wird, genau weiß, wie es ihm gerade geht, und es den Schmerz noch größer macht, weil das Mitgefühl noch dazu kommt.
Schön, dass Amely ihre alte Geige wieder hat.
Schön: ..."fragte sie sich, ob Wunden, die man mit Worten aufriss, nicht ebenfalls gefährlich waren."
Wie klug Amely ist, zeigt sich, als sie das Beispiel mit der Anakonda bringt. Wenn du eine besonders große Anakonda tötest, denkst du dann auch, du hättest alle Anakondas ausgerottet? Ein Beispiel, das Aymáho versteht.
Für mich war der Bezug zum Gläsernen Tor das Korsett, das Rückenschmerzen verursacht, wenn man es nicht mehr anhat. (So wie ja auch Zucker das Zeug ist, das den Kaffee so bitter macht, wenn man es nicht reintut.

)
Auch auf Seite 290 wieder so ein herrlicher Satz: "Wenn man etwas in der Hand verbirgt, denkt jeder, es ist Honig."
(OT: Diese Erkenntnis kommt für Micaela Schäfer leider zu spät ...)
Die Szene ab Seite 296, wo Amely Aymáho von seiner Herkunft zu überzeugen versucht, und die Weise, wie er darauf reagiert, wie er versucht zu verleugnen - das war für die Psychotante ein wahrer Genuss. Für mich wahrscheinlich der Höhepunkt des Buches.
Wobei es mir wurscht ist, wie wahrscheinlich es ist, dass jemand sogar seinen eigenen Nachnamen vergisst. Woher soll ich das wissen? Ich kenne niemanden, der vor einem sadistischen Vater in den Dschungel geflohen ist (OT: Nein, Rocco, das kann man nicht vergleichen) und von Indianern rituell getötet worden ist. Von daher ist es mir nur wichtig, dass man es mir als überzeugend verkauft.