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Geschrieben von Bodo am 18.03.2012 um 11:54:
Edward Abbey - Die Monkey Wrench Gang
Der Autor: "In all of nature, there is no sound more pleasing than that of a hungry animal at its feed. Unless you are the food."
Edward Abbey
Edward Abbey war vieles, vor allem aber war er als Philosoph und Schriftsteller eine der wichtigsten literarischen Stimmen Amerikas aller Zeiten. Er lebte und schrieb konsequent seinen amerikanischen Traum, er war die ehrliche Verkörperung all dessen, wofür er in seinen Büchern und anderen Schriften eintrat.
Vor allem sein Vater, Paul Revere Abbey, hatte einen großen Einfluss auf Edwards spätere Lebensphilosophie, war er doch Atheist und Anarchist, und gerade letzteres spielte in all seinen Facetten eine nicht unbeträchtliche Rolle in Abbeys späterem Schaffen.
"Anarchism is founded on the observation that since few men are wise enough to rule themselves, even fewer are wise enough to rule others.!"Edward Abbey
Das Buch: Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts endete die Ära des Wilden Westens….
… doch irgendjemand hat vergessen das diesen vier Typen zu sagen:
Seldom Seen Smith, Veranstalter von Wildwasser- und Canyontouren, mehrfach beweibter Mormone und verträumter Naturfreund…
Doc Sarvis und Bonnie Abbzug, tagsüber ein Arzt mit seiner Muse, nachts Zerstörer die Natur verschandelnder Reklametafeln….
George W. Hayduke III, Vietnamveteran und ehemaliger Green Beret mit einer Vorliebe für Bier, Gras und Sprengstoff…
… sie alle treffen sich eher zufällig und stellen dabei recht schnell fest, das sie in einem Punkt einer Meinung sind: Die Zerstörung der Natur durch den Menschen hat ein kritisches Ausmaß erreicht und muß, wenn nicht gestoppt, so doch verlangsamt werden. Und was wäre amerikanischer als das eine kleine Truppe von willigen und fähigen Personen loszieht und das richtige tut? Also machen sie kaputt was die Erde kaputtmacht: Sie sabotieren Baumaschinen, Stromleitungen und sogar eine Zubringerbahn….
… doch ihr größtes Ziel ist „Der Damm“!
Meine Rezension: „Der Held kommt immer über die Ebene…….“ (Fernau/Disteln für Hagen), vor allem in Western(„Man was created to complete the horse.“) Und nicht nur Helden, praktisch jeder kommt erst mal über die Ebene, durch Wüste und Prärie sucht ein jeder Zuflucht in den Städten der Zivilisation. Nur wenige gehen den umgekehrten Weg, wieder hinaus in die Wildnis, in die Einsamkeit und Freiheit, um die unberührte Schönheit der Natur zu erfahren.
„Und wenn wir die ganze Welt durchreisen, um das schöne zu finden: Wir mögen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht!“ (R.W Emerson, 1803 – 1882)
Unsere vier Helden tragen die Schönheit in sich, und sie sehen die Schönheit der Natur in Gefahr, und versuchen diese wieder herzustellen, indem sie alles zerstören oder funktionsuntüchtig machen was die Natur zerstört.
„…Rebellion for a good cause is self-justifying – a good in itself. Rebellion transforms slaves into human beings, if only for an hour!” Edward Abbey.
Vordergründig mag man dieses Buch als Abenteuerroman eines naturverbundenen Idealisten beschreiben, doch was Edward Abbey und hier vorlegt ist sehr viel mehr als das, vor allem durch die Fragen die er hier stellt, an uns als Leser und alle, die sich für mehr interessieren als sich selbst. Natürlich sind Abbeys Ideen recht radikal, aber gerade heute sind die Probleme, gegen welche schon die Monkey Wrench Gang zu Felde zog das auch, und – etwas das diesen Roman möglicherweise aktueller macht als zum Zeitpunkt seines Erscheinens – erfordern radikale Lösungen. Abbeys Roman bekommt hier etwas zeitloses, weit über die Relevanz von Genreliteratur hinaus.
„The function of an ideal is not to be realized but, like that of the north star, to serve as a guiding point” Edward Abbey
Edward Abbeys Prosa wechselt in diesem Roman immer wieder zwischen der reinen Schilderung der zuweilen sehr turbulenten Handlung, großartigen witzigen Dialogen und – ohne dabei seinen Erzählstil zu durchbrechen – der Beobachtung von oft scheinbar banalen Naturereignissen, wie zB einem Sonnenaufgang. Er vermeidet es seine Schilderungen hier romantisch zu überhöhen, es gelingt ihm einfach die Schönheit in der Schilderung von Tatsachen zu beschreiben.
Abbeys Schreibstil: Locker erzählend, pointiert, ohne dabei jemals ins banale abzugleiten. Als Leser ist man sofort nicht nur dabei, man ist Teil der Handlung, ein (für die Protagonisten) unsichtbarer Beobachter der Geschehnisse, welcher alle Sinneseindrücke mit der Gang teilt.
Die vier Gangmitglieder bilden eine Einheit von verschiedenen Charakteren, von denen jeder einzelne seine Berechtigung hat, jeder tritt immer wieder in den Vordergrund, ohne jedoch dauerhaft zu dominieren oder die anderen zu verdrängen.
Ich kann mich an kaum ein Buch in meiner gesamten Lesekarriere erinnern das mich so dermaßen nicht nur beim Lesen sondern nachhaltig so absolut zu begeistern vermochte! Schon nach einem Drittel gehörte es zu meinen „All time favorites“, nach der Hälfte hatte ich bereits einen nicht unbeträchtlichen Teil von Abbeys Werk bestellt (und mittlerweile auch gekauft). „The Monkey Wrench Gang“ ist ein großes, ein bleibendes Werk der amerikanischen Literatur, zusammen mit Emerson, Thoreau und Twain! Diese vier Autoren sind zusammen selber eine literarische „Monkey Wrench Gang“!
Geschrieben von rienchen am 23.03.2012 um 11:25:
Och, Bodo, das hört sich aber schön an, danke für die Vorstellung!

Also rauf damit auf meine Wunschlite, die Bald aus allen Nähten platzt! *heul*
Geschrieben von sapperlot am 22.05.2012 um 11:45:
Gebundene Ausgabe: 470 Seiten
Verlag: Walde+Graf (1. September 2010)
ISBN-13: 978-3037740156
Preis: Euro 24.95 / CHF 34.00
Taschenbuch: Euro 12.99
Autor
Edward Abbey, geboren 1927 in Pennsylvania, verbrachte den Grossteil seines Lebens im Südwesten der Vereinigten Staaten. Dieser Gegend und ihrer kargen Landschaft widmete er sein literarisches Werk. The Monkey Wrench Gang, 1975 erstmals mit Illustrationen von Robert Crumb erschienen, wurde zum Kultroman. Edward Abbey starb 1989.
Kurzbeschreibung / Klappentext
Seit der Veröffentlichung von The Monkey Wrench Gang im Jahr 1975 ist Mr. Edward Abbey ein Held des Underground», schrieb die New York Times. Und das ist nur allzu verständlich. Denn auch jeder, der Abbeys’ schräge Heldengeschichte heute liest, wird insgeheim den Wunsch verspüren, der guten Sache wegen irgendetwas in die Luft jagen zu wollen. Ganz so wie Bonnie Abbzug, Seldom Seen Smith, Doc Sarvis und George Washington Hayduke es tun: Abbeys’ sympathische Saboteure, die mit Unmengen Dynamit und viel Leidenschaft die Projekte derer in Schutt und Asche legen, die die Natur im großen Stil ausbeuten und zerstören.
Dass Robert Crumb dieses Buch illustriert hat, ist ein Glücksfall. Seine Bilder machen aus einer sehr guten Geschichte ein Meisterwerk und – man darf es wohl sagen – ein Kultbuch, das sich niemand entgehen lassen sollte.
Meine Meinung
Der Zufall führt die hübsche Bonnie Abbzug, die mit Doc Sarvis liiert ist, mit dem Mormonen Seldom Seen Smith und dem ehemaligen Green Beret Elite-Soldat George Hayduke zusammen. Jede(r) für sich ein spleeniger, eigenbrötlerischer Charakter oder mit dem Aussehen ein Waldschrats versehen aber sie verstehen sich auf Anhieb und sie vereint die Liebe zur Natur und den Hass gegen die rücksichtslose Ausbeutung und Verschandelung der durch profitgierige Konzerne. In einem Anfall von Idealismus beschliessen sie sprichwörtlich Sand ins Getriebe zu werfen und starten damit nachts Baumaschinen zu sabotieren. Was mit dem durchschneiden von Kabeln und dem befüllen von Tanks mit Sand und Sirup beginnt steigert sich in einen Anschlag auf einen Güterzug und selbst eine Brücke wird zum Ziel. Was wohl aus dem Plan wird einen Staudamm zu sprengen…?
Willkommen zu einer schrägen Gaunergeschichte um vier kauzige Gestalten die zu ihrer Naturverbundenheit stehen und sogar bereits sind für ihre Überzeugung Gesetze zu brechen und das Recht in ihre eigene Hand nehmen. Sie verfolgen leidenschaftlich ihre Ziele und sind in ihrer Weltanschauung doch herrlich naiv, stets den Blick auf das gerichtet was unmittelbar vor ihrer Nase liegt. Vom Adrenalinkick berauscht und vom Abenteuer belebt halten sie sich über Wasser und schaukeln sich gegenseitig hoch, immer in der Einbildung das Richtige zu tun und für andere ein Vorbild zu sein. Sie verlieren sich in der Euphorie und fühlen die alchemistische Macht der Glückshormone. Dabei sind sie doch nur ein winziger Splitter in der Maschinerie der Industrialisierung die sich längst verselbstständigt hat.
Diesem Buch haftet zu Recht der Nimbus an ein Kultroman zu sein. Geschrieben vor mehr 35 Jahren hat es nichts von seiner Aktualität eingebüsst. Würde es heute geschrieben wäre vom Wutbürger die Rede, von Menschen die sich gegen die Ausbeutung der Natur von Grosskonzernen auflehnen und auf ihre Weise dagegen protestieren. Natürlich sind die Methoden der vier freakigen Ökoterroristen grundfalsch und zu verurteilen aber dadurch das der Focus fast vollständig auf den Protagonisten liegt vermag man als Leser Verständnis aufzubringen und sich sogar in sie hineinzuversetzen. Ganz ehrlich, wir sind doch Gefangene in den eisernen Klauen eines technischen Molochs, einer seelenlosen Maschinerie mit einem schnellen Brüter als Herz. Eine weltweite Hochindustrialisierung die wie ein Krebsgeschwür wächst. Wachstum um des Wachstums willen, Macht um der Macht willen. Da sind Menschen die sich dagegen auflehnen irgendwie sympathisch oder nicht?
Geschrieben ist das Buch im Stil und dem Humor der 70er Jahre, auch mit einem Blick auf die Westernfilme dieses Jahrzehnts. Es hat etliche witzige bis pathetische Dialoge und bei der Beschreibung der Natur und ihrer Schönheit geht einem Leser zwischendurch das Herz auf. Die wunderbaren comichaften Illustrationen machen dieses Buch zu einem echten Prachtexemplar.
Die Geschichte ist gewiss kein Kinderkram aber heutzutage schon fast ein harmloses Werk, zumindest wenn ich schaue welche brutalen Thriller in den Regalen der Buchhandlungen stehen. Ziviler Ungehorsam in einer kriminellen, radikalen Art aber immer darauf bedacht das keine Menschen zu Schaden kommen. Ein kurzweiliger Lesegenuss abseits des Mainstreams und ein echter Geheimtipp. Begeisterte 9 Eulenpunkte von mir.
Edit: Vielen Dank an Büchereule Bodo für den Buch-Tipp in Hannover am frühen Sonntagmorgen so gegen sechs Uhr...
Geschrieben von Voltaire am 22.05.2012 um 12:06:
Wenn die Herren Bodo und Sapperlot über dieses Buch ein positives Fazit ziehen - dann kann man davon ausgehen, dass es sich um ein lesenswertes Buch handelt. Herzlichen Dank für die Buchvorstellung, meine Herren.
Geschrieben von Bodo am 22.05.2012 um 23:44:
| Zitat: |
Original von Voltaire
Wenn die Herren Bodo und Sapperlot über dieses Buch ein positives Fazit ziehen - dann kann man davon ausgehen, dass es sich um ein lesenswertes Buch handelt. Herzlichen Dank für die Buchvorstellung, meine Herren.
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Stets zu diensten, Vicomte de Voltaire!
Wiederentdeckt wurde dieses Juwel - ich erwähnte es oben - von einem schweitzer Verlag namens "Walde & Graf", deren Program man nur als ausserordentlich in jeder Beziehung bezeichnen kann!
Auch Rowohlt hatte es vor 100 Jahren schon mal, aber es ist der Verdienst der in jeder Hinsicht herausragenden Sünje Redies - ihres Zeichens Lektorin bei Rowohlt - das dieses Buch in der vorliegenden Form wieder veröffentlicht wurde!
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