Thema: Peter Heller: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie sah |
|
|
Peter Heller: Das Ende der Sterne wie Big Hig sie sah
Eichborn Verlag 2013. 320 Seiten
ISBN-13: 978-3847905196. 19,99€
Originaltitel: The Dog Stars
Übersetzerin: Eva Bonné
Verlagstext
Eine Liebeserklärung an die Welt, wie sie hätte sein können.
Die Welt ist untergegangen, aber Hig hat überlebt. Ebenso sein einziger Nachbar, ein menschenfeindlicher Waffennarr mit dem Herz auf dem rechten Fleck, der ihn – brutal, aber verlässlich – beschützt. Hig lebt im Hangar eines verwilderten Flughafens und tuckert mit einer alten Cessna übers Gelände, sein Hund Jaspar ist sein treuer Copilot. Man schlägt sich halt so durch. Dann empfängt er plötzlich ein Funksignal. Gibt es doch noch Leben, jenseits seines kleinen Flughafens? Hig beginnt eine abenteuerliche Reise, und was er entdeckt, übertrifft seine schlimmsten Ängste – und seine größte Hoffnung.
Der Autor
Peter Heller, geboren und aufgewachsen in New York, lebt in Denver, Colorado. Er ist ein Spezialist für Extremexpeditionen, er ruderte durch die Tsangpo-Schlucht in Tibet, surfte von Kalifornien an die mexikanische Küste und begleitete Paul Watson in seinem Kampf gegen den Walfang ("Wir schreiten ein" erschien 2008 in dt.Übersetzung). Derart trainiert, konnte er sich mit seinem literarischen Debüt an sein bislang größtes Abenteuer wagen: das Ende der Welt.
Inhalt
Der Mann nennt sich Hig. Big Hig. Mehr braucht er nicht; denn eine Grippe-Pandemie haben nur wenige Menschen überlebt. Hig, sein Hund Jasper und Bruce haben sich auf dem Gelände eines kleinen Flughafens nahe der Rocky Mountains niedergelassen. Bis auf die an einer Käferplage zugrunde gehenden Wälder und das Verschwinden der Bachforellen steht dem Überleben einer begrenzten Anzahl handwerklich geschickter Menschen wie Hig offenbar nichts entgegen. Außer dem Inseldasein auf dem Flugplatz muss es weitere bewohnte Bereiche geben; denn immer wieder tauchen im Revier der beiden Männer andere Überlebende auf. Ohne große Worte teilen Hig und Bruce sich die Bewachung ihrer "Zone" gegen vermeintliche Angreifer. Bruce verfügt über ein umfangreiches Waffenarsenal und hat zu ihrer Verteidigung den Bau eines Wachturms organisiert. Hig konnte bisher immer noch Flugbenzin für seine kleine Cessna 182 auftreiben, mit der er Patrouillenflüge unternimmt. Seine Flüge führen ihn wie einen freundlichen Helfer, den der Himmel schickt, regelmäßig in eine kleine Mennonitengemeinde, deren Bewohner zwar die Grippewelle überlebten, aber an einer unheilbaren Blutkrankheit leiden. Bruce hätte gegen diese Besuche mit Sicherheit allerlei Einwände vorzubringen. Schon bald spürt man als Leser die Unvereinbarkeit der beiden Charaktere. Hig wirkt mit seinem geliebten Hund, dem Gemüsegarten und seinen Flügen wie ein glücklicher Mensch, während Bruce keinen anderen Lebensinhalt als das Abknallen vermeintlicher Konkurrenten kennt. Die Notgemeinschaft mit Bruce steht in völligem Widerspruch zu Higs Persönlichkeit. So lange womöglich der letzte Überlebende in einer auf den Radius des Flugzeugs beschränkten Welt zu sein, bis eines Tages der Treibstoff in den Lagertanks nicht mehr brauchbar sein wird, passt einfach nicht zu einem Mann wie Hig. Schon vor Jahren hat Hig einen schwachen Funkspruch aufgefangen, der ihm vor Augen führte, dass auch andere Menschen noch über Elektrizität verfügen. Der Gedanke an den Funkspruch hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen. Nun stellt sich die spannende Frage, welche Konsequenzen Higs aus seiner unbestimmten Sehnsucht nach der Welt da draußen ziehen wird.
Fazit
Higs in der Ichform erzählte Geschichte sprudelt aus ihm heraus wie aus einem Menschen, der lange keinen Gesprächspartner mehr hatte. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass Hig nicht wagt, glücklich zu sein, solange er in der Zweckgemeinschaft mit Bruce verharrt. Die Symbolik der Geschichte blinkt zwar überdeutlich wie eine Reklametafel, Higs Charakter ist jedoch so interessant, dass sich mit der Moral nicht weiter aufhalten muss, wer das nicht schätzt. Higs Entwicklung von der Formulierung seiner Wünsche bis zu ihrer Umsetzung fand ich ungeheuer spannend. Einerseits wollte ich am liebsten sofort erfahren wie die Geschichte ausgeht, aber das Buch auch möglichst lange auskosten. Auf meiner Leseliste bleibt "Das Ende der Sterne wie Big Hig sie sah" ein aus der Masse der Dystopien herausragender utopischer Roman.
9 von 10 Punkten
|
|
Thema: Der Selbstversorger Dr. Wolf-Dieter Storl |
|
|
Geheimtipp Pötschkes Gartenkalender. Nachdem man als Neugartenbesitzer einige davon durch hat, ist klar, was wann getan werden muss und was Nutzpflanzen von ihrem Gärtner möchten. Vermutlich geht aber auch Pötschke davon aus, dass man als Kind Bohnen und Erbsen gesteckt und schon vor dem Lesen und Schreiben gelernt hat, in welchem Verhältnis Sommergemüse-Beete zu Wintergemüse-Beeten angelegt werden.
Viele Selbstversorger haben eine Gartenzeitschrift abonniert. Meine Idee wäre, sich einen älteren Jahrgang aus der Bücherei auszuleihen. Möglich, dass die Gartenarbeit im Jahreslauf darin brauchbarer vermittelt wird als in Gartenbüchern. In Pötschkes Gartenbuch kommt die Planung meiner Erinnerung nach auch nicht vor.
|
|
Thema: Granta 20 - Nachwuchs in der Königsklasse |
|
|
Es sind nicht alles Migranten der ersten Generation, manche Familien sind schon vor mehreren Generationen eingewandert aus ehemaligen Kolonien oder Commonwealth-Staaten. Etwas neidisch kann man schon auf den spürbaren Ehrgeiz blicken, gutes Englisch schreiben zu wollen.
|
|
Thema: Granta 20 - Nachwuchs in der Königsklasse |
|
|
Interessant finde ich an solchen Listen immer, wie wenige dieser Autoren bei uns bekannt sind, und bei den Granta-Autoren, wie viele Migranten darunter sind.
|
|
Thema: Jesper Juul: Aggression |
|
|
Jesper Juul: Aggression
S. Fischer 2013. 176 Seiten
ISBN-13: 978-3100910639. 16.99€
Verlagstext
Aggression ist unerwünscht, in unserer Gesellschaft und besonders bei unseren Kindern. Aggressives Verhalten gilt als Tabu und wird diskriminiert. Was wir mit der Unterdrückung dieser legitimen Gefühle anrichten, wie wichtig es ist, diese zuzulassen und wie wir mit ihnen konkret umgehen können, zeigt der bekannte und erfolgreiche Familientherapeut Jesper Juul eindrucksvoll in seinem neuen Buch. Er plädiert für ein radikales Umdenken: Aggressionen sind wichtige Emotionen, die wir entschlüsseln müssen, sonst setzen wir die geistige Gesundheit, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen unserer Kinder aufs Spiel. Ein wichtiger Aufruf, für einen konstruktiven und positiven Umgang mit einem wichtigen Gefühl.
Der Autor
Jesper Juul, geb. 1948 in Dänemark, Lehrer, Gruppen- und Familientherapeut, Konfliktberater und Buchautor; bis 2004 Leiter des Kempler Institute of Scandinavia in Odder, das er 1979 gründete. 1972 schloss er sein Studium der Geschichte, Religionspädagogik und europäischen Geistesgeschichte ab. Statt die Lehrerlaufbahn einzuschlagen, nahm er eine Stelle als Heimerzieher und später als Sozialarbeiter an und bildete sich in Holland und den USA bei Walter Kempler zum Familientherapeuten weiter. Jesper Juul ist Autor von mehr als einem Dutzend Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden.
Die Herausgeberin
Ingeborg Szöllösi, Dr. phil., geb. 1968, Studium der Philosophie, Theater- und Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, freie Journalistin und Publizistin.
Inhalt
Jesper Juul ist als Therapeut und Buchautor u. a. so erfolgreich, weil er Konflikte zwischen Kindern und Erwachsenen für jedermann verständlich beschreiben kann. Seine Fähigkeit, ein Problem klar zu benennen, ist bereits der erste Schritt zu dessen Lösung. Wer hat das Problem, wenn ein Kind sich aggressiv verhält?, fragt Juul und antwortet lapidar: Die Erwachsenen und das Kind. Den Umgang Erwachsener mit kindlicher Aggression sieht der Familientherapeut als Tabu moderner Gesellschaften. Fragen wir Kinder doch einfach, warum sie so wütend oder frustriert sind, dass der Topf ihrer Emotionen überkocht, regt Juul an. Die Wut von Kindern moralisch zu bewerten oder sie zur Strafe aus einer Gruppe auszuschließen, betrachtet er dagegen als unprofessionell, gar als Vernachlässigung der Kinder in Betreuungs-Institutionen. Moralische Urteile über kindliche Wutausbrüche sind laut Juul unzulässig, da der Mensch weder gut noch böse sei. Eine konstruktive Reaktion auf kindliche Aggression erfordere kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit. Juuls kurzer Text ermutigt aufgeschlossene Leser, nicht das wütende Kind per psychiatrischer Diagnose zum therapiebedürftigen Probemfall zu erklären, sondern sich zunächst mit der eigenen latenten Aggression auseinanderzusetzen.
Kinder rasten häufig aus, weil sie an ihre Grenzen gestoßen sind oder zwischen Wut und Traurigkeit noch nicht zu unterscheiden gelernt haben. Ihr aggressives Verhalten ist eine Aufforderung zum Gespräch, die Botschaft lautet: Ich fühle mich nicht gut. Ein wütendes Kind ist laut Juul kein Fall für den Psychiater. "Antisoziales Verhalten drückt Hoffnung eines deprivierten Kindes aus," zitiert Juul Donald Winnicott (1988). Als Familientherapeut hat der Autor in verschiedenen Ländern beobachtet, wie Erwachsene Aggressionen unterdrücken oder tabuisieren, die ihnen selbst Angst machen. Häufig wird geschlussfolgert, Aggression führe zu Gewalt, Gewalt führe zu Krieg und deshalb seien Aggressionen unter Kindern unbedingt zu verhindern. Solange Aggression tabuisiert wird, kann Selbsterkenntnis und Empathie sich nicht entwickeln, warnt Juul.
Jesper Juul beurteilt Betreuungseinrichtungen für Kinder äußerst kritisch. Er sieht sie als Kunstwelten, die Risiken und Kritik möglichst ausschließen und Kinder unter dem geltenden Konformitätsdruck an wichtigen sozialen Erfahrungen hindern. Grund für diesen Zustand sei eine Politik, die allein die Zeitspanne bis zur nächsten Wahl im Blick habe. Eltern und Pädagogen sieht Juul gefangen in überholten Rollen, so dass sie Kindern kaum Vorbilder sein könnten. Auch das in die Kritik geratene "Grenzen setzen" sieht Juul kritisch, es maskiere die Aggression Erwachsener als Sorge oder sei eine bemäntelte Bestrafung.
Besonders zwei Überlegungen aus Juuls Buch haben mich zum Umdenken beim Thema kindliche Agression angeregt. Ein herausragender Gedanke ist das Kindern und Erwachsenen gemeinsame starke Motiv, das Leben anderer bereichern zu wollen. Es ist häufig der Anstoß einen sozialen Beruf zu wählen. Die Botschaft "nicht wertvoll" zu sein - die wir aussenden, wenn wir Aggressionen bei Kindern sanktionieren - frustriert und zerstört das Selbstbewusstsein. Nachdenklich hat mich Juuls Definition von Strukturen gemacht, die Mobbing dulden. Mobbing-Prozesse an Schulen und Kitas sind laut Juul nicht zu lösen, indem Kinder als verhaltensauffällig diagnostiziert werden. Mobbing sieht er als Zeichen von Führungsschwäche einer Schulleitung, die den bequemeren Weg suche.
Fazit
Gerade Eltern, die in der Erziehung für ihr Kind das Beste wollen, kann das schmale Buch anregen, über ihre persönliche Wertung von Aggression nachzudenken.
9 von 10 Punkten
|
|
Thema: Vango - Prinz ohne Königreich - Timothée de Fombelle (ab 14 J.) |
|
|
Timothée de Fombelle: Vango. Prinz ohne Königreich
Gerstenberg Verlag 2012. 416 Seiten
ISBN-13: 978-3836954761. 16,95€
Originaltitel: Vango. Un prince sans royaume
Übersetzer: Tobias Scheffel, Sabine Grebing
Vom Verlag empfohlen ab 14
Verlagstext
New York, 1936. Vango versucht verzweifelt, den Mann zu finden, der seine Eltern auf dem Gewissen hat. Und der zugleich der einzige Mensch auf der Welt ist, der Vango Aufschluss über die Nacht geben kann, in der seine Eltern brutal ermordet worden sind. Doch dieser Mann, Cafarello, ist inzwischen eine Größe in der New Yorker Unterwelt und Meister darin, seine Spuren zu verwischen. Und Vango wird weiterhin verfolgt, ohne wirklich zu wissen, wer seine Verfolger sind und was sie von ihm wollen ... Das Rätsel seiner Herkunft führt Vango über New York zurück nach Europa, wo inzwischen der Zweite Weltkrieg entfacht ist. Das Geheimnis, dem er schließlich auf die Spur kommt, ist brisant - und niemand Geringerer als Stalin selbst scheint darin verwickelt zu sein. Der fulminante Abschluss der Saga um Vango, atemberaubend bis zur letzten Seite und voller überraschender Wendungen. Ein Meisterwerk und höchster Lesegenuss!
Inhalt
Inhalt Vango fehlt das Stück seiner Kindheit bevor er mit seiner Amme "Mademoiselle" auf einer winzigen Insel vor Sizilien landete. Sein Kindermädchen, das mehrere Sprachen spricht, zieht Vango auf und nimmt die Rolle einer einfachen Frau an. Die rästelhafte Herkunft der beiden bildete im ersten Band Vango. Zwischen Himmel und Erde nur einen der vielen Handlungsstränge. Die verwickelte Abenteuergeschichte des Paters Zefiro im Kampf gegen den Waffenhändler Voloi Viktor bewegt sich in der Fortsetzung zügig auf die Ereignisse in Europa vor und während des Zweiten Weltkriegs zu. Vango ist auch nach mehreren Jahren noch immer auf der Flucht. Seit er vierzehn war, zog er eine Kette von Gefahren und Dramen hinter sich her. Aus seiner Sicht explodiert jeweils die Welt hinter ihm, nachdem er an einem Ort vorbeigekommen ist. De Fombelles Figuren zeichnen sich durch ungewöhnliche Fähigkeiten aus, die für die Widerstandsbewegung im besetzten Frankreich von großem Nutzen sein können. Wie bei Zefiro, der von einem Moment zum anderen als Pater oder Gauner auftreten kann, muss man jederzeit damit rechnen, dass die Protagonisten ihre Verkleidung und ihre Identität wechseln. Selbst die betagte Mutter Kommissar Boulards reist verkleidet und in geheimer Mission. Neben den Schauplätzen Paris und New York baut der Autor eine Verknüpfung nach Russland zu den Familien Romanow und Stalin ein. In einer actionreichen Handlung wird gedroht, erpresst und gefälscht.
Fazit
Die furiose Abenteuergeschichte streift in Rückblenden den Ausgangspunkt aller Verwicklungen im Jahr 1899, lüftet das Geheimnis von Vangos Herkunft und unterhält mit dem legendären Flug des Zeppelins "Hindenburg" 1937. Auch wenn de Fombelle das Ende aus dem Hut zaubert, ohne die Vielzahl der Handlungsfäden überzeugend zu entwirren, ein atemberaubend spannendes Lesevergnügen.
9 von 10 Punkten
|
|
Thema: Geschwisterehe in der Diskussion |
|
|
Jetzt habe ich mal gesucht, warum das Thema gerade im Moment aktuell ist. Ich kann mir schwer vorstellen, dass eine Partei mit einem neuen Gesetzentwurf zum § 173 in den Bundestagswahlkampf ziehen würde. Auf der Seite des Ethikrates gibt es mehrere Links zu Pressemeldungen aus dem Jahr 2012. Z. B. TAZ und Welt.
Der Welt-Artikel bezieht sich auf den Leipziger Fall - das Paar hat demnach nur 2 behinderte Kinder. Aktuellere Aktivitäten zum Thema konnte ich bisher nicht finden.
|
|
Thema: Geschwisterehe in der Diskussion |
|
|
Über die Mehrfachbehinderungen bei Kindern aus Verwandtenehen gibt es offenbar zuverlässige Daten aus der pakistanisch-stämmigen Bevöllkerung in Großbritannien. Dort wird auch darauf hingewiesen, dass Mehrfachbehinderungen durch Gentests nicht vorauszusagen/auszuschließen sind. Mir fällt kein anderer Weg ein, diese Schicksalsschläge für die Eltern zu verhindern als durch Tabuisierung. Es wurde dort von Familien mit 6 von 7 mehrfachbehinderten Kindern berichtet. England hat die Sache in die Hand genommen, indem sie Gesundheitsberaterinnen aus der pakistanischen Community geschult haben. Bei weißen Beratern hat man wohl befürchtet, dass ihre Informationen von den Betroffenen nicht angenommen würden.
|
|
Thema: Geschwisterehe in der Diskussion |
|
|
40 bis 50% Wahrscheinlichkeit finde ich nicht sooo wenig. Ich erinnere mich an den auffälligen Fall des jungen Paares, das schon verurteilt war und anschließend ein viertes Kind bekam. Sie hatten 3 behinderte Kinder von 4.
In Kulturen, in denen Ehen unter Cousins und Cousinen üblich sind, treten signifikant mehr Mehrfachbehinderungen auf als in anderen Kulturen.
[edit 15.5.:] Laut Welt-Artikel sind es nur 2 Kinder von 4.
|
|
Thema: Geschwisterehe in der Diskussion |
|
|
| Zitat: |
Original von Frettchen
Hallo Ihr,
ich hatte heute eine Diskussion mit einem von mir sehr geschätzten Menschen. Und dieser hat mir berichtet, dass mittlerweile darüber beraten würde, ob die Ehe zwischen Geschwistern evtl. erlaubt werden sollte. ... |
Was heisst das genau? Gibt es einen Gesetzentwurf? Hast du mal einen Link, von wem diese Iniative ausgeht? Soll eine Geschwisterehe erlaubt werden oder soll Inzest nicht mehr strafbar sein? Das sind m. A. zwei unterschiedliche Sachverhalte.
|
|
Thema: Vango - Zwischen Himmel und Erde Timothée de Fombelle (ab 14 J.) |
|
|
Timothée de Fombelle: Vango. Zwischen Himmel und Erde
Gerstenberg Verlag 2012. 400 Seiten
ISBN-13: 978-3836953658
Originaltitel: Vango. Entre ciel et terre
Übersetzer: Tobias Scheffel, Sabine Grebing
Vom Verlag empfohlen ab 12 Jahre
Der Autor
Timothée de Fombelle, geb. 1973, lebt mit seiner Familie in Paris. Seine ersten Schreibversuche machte er schon als Kind. Nach einem Literaturstudium unterrichtete er zunächst als Lehrer in Paris und Hanoi, bevor er begann, für das Theater zu schreiben und zu inszenieren. Sein Erfolgsroman Tobie Lolness wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und in 26 Sprachen übersetzt.
Inhalt
Ein Schuss verhindert, dass Vango vor der Kirche Notre Dame in Paris zum Priester geweiht wird. Ethel, das Mädchen mit den grünen Augen, zeichnet eine verblüffend treffende Täterskizze. Vango ist nun auf der Flucht vor der Polizei, vor den Hintermännern des Schützen und vielleicht sogar vor weiteren Schatten, die sich diesen Hintermännern an die Fersen geheftet haben. Vango erträgt keine geschlossenen Räume, er ist keiner, der einfach durch Türen geht. Seit seiner Kindheit läft er über Dächer, erklettert Felsen und Türme und scheut sich nicht, auf der Außenhaut eines Zeppelins zu balancieren. Ethel aus Schottland und Vango sind sich als Kinder auf der legendären Weltreise der "Graf Zeppelin" begegnet, die bis nach Brasilien führte. Seitdem verbindet sie eine enge Freundschaft. Ethel und Vango sind beide elternlos. Noch nicht erwachsen, doch immer noch Kind genug - aufgrund ihres Waisenstatus ungestört von besorgten Erwachsenen - aberwitzige Abenteuer zu wagen. Dennoch beobachten wir beide als erwachsen genug, um wie der Teufel Auto zu fahren, zu reiten oder zu schießen. Die Erwachsenen in diesem Abenteuer haben den ersten Weltkrieg erlebt. Vom Kommandanten des Zeppelins, Eckener, ist zu ahnen, dass er sich mit den Machthabern des nationalsozialistischen Deutschlands angelegt hat und deutschen Boden besser nicht mehr betreten sollte. Eine viel versprechende Nebenfigur scheint das Mädchen Maulwurf zu werden.
Fazit
Mit jeder Seite, die man in Vangos Abenteuern aufblättert, zaubert Timothée de Fombelle Neues aus dem Hut. Neue Schauplätze, neue Figuren, neue historische Ereignisse, die durch Landkarte, einen Zeitstrahl und ein Originalfoto des Zeppelin belegt werden. Die spannendste Frage war für mich, wer Vango überhaupt ist und wie er als Kind mit seiner Amme, die er Mademoiselle nennt, auf eine winzige äölische Insel vor Sizilien gelangte. Auf Pollaro und in der Person des Paters Zefiro scheinen die Fäden dieser historischen Abenteuergeschichte zusammen zu laufen.
Eine auch für erwachsene Leser spannende Verfolgungsjagd mit Piraten, Priestern und einem Luftschiff.
9 von 10 Punkten
|
|
Thema: Zeitgenössisches aus Istanbul gesucht |
|
|
Das Thema sephardische Juden in Istanbul fand ich auch interessant.
Für die sephardischen Juden, die 1492 aus Spanien vertrieben wurden, heißt Istanbul noch Konstantinopel. Hier erblickt Rebecca Gategno zu Beginn dieses Jahrhunderts das Licht der Welt, in einer buena familia, die strengen religiösen Traditionen verhaftet ist. Doch das junge Mädchen träumt von Bildung und Selbständigkeit, und nach Überwindung heftiger Widerstände darf sie zum Studium nach Paris - der Erste Weltkrieg ist gerade zu Ende gegangen. Schließlich aber siegt doch der unerbittliche Druck der Familie: Nach dem Tod ihrer Schwester muß Rebecca den langweiligen, ungeliebten Schwager heiraten und dessen drei Kindern eine Mutter sein. Sie beugt sich, aber schwört, daß diese Ehe keusch bleiben wird... Eines Tages wird sie ihren Mann wieder verlassen, um in Caracas ein neues, heiteres Leben zu beginnen.
|
|
Thema: Zeitgenössisches aus Istanbul gesucht |
|
|
Das hat sich bei jedem einzelnen Buch so ergeben.
Orhan Pamuk lege ich dir natürlich noch besonders ans Herz.
Der reiche Kemal trifft die mittellose Füsun, die sich mit der Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb die Verachtung der ganzen Familie zugezogen hat, heimlich wieder. Er nimmt sie mit in seine Wohnung und verbringt die Nacht mit ihr. Allmählich wächst sich die Leidenschaft aus zu wahrer, aber auch tragischer Liebe, in deren Verlauf Kemal Füsun ein eigenes Museum widmet. Und der Roman Das Museum der Unschuld des türkischen Bestsellerautors Orhan Pamuk weitet sich zu einer stark an Thomas Mann gemahnenden, fast epischen Geschichte, in der ein verwöhnter und von den Lockungen der modernen Großstadt faszinierter Außenseiter der traditionellen türkischen Gesellschaft immer wieder auch die Schuld empfindet, nicht hinreichend bürgerlich und standesgemäß zu sein.
|
|
Thema: Zeitgenössisches aus Istanbul gesucht |
|
|
Stellt den krassen Unterschied zwischen Dorfleben und Stadtleben dar.
Mit 15 vergewaltigt. Zur Sühne soll sie sterben.
Ein kleines ostanatolisches Dorf ist in Aufruhr: Die 15-jährige Meryem wurde missbraucht – und nun droht ihr der Tod, weil sie ihre Familie entehrt hat. Cousin Cemal, gerade aus dem Krieg gegen die kurdische PKK zurück, erhält den Auftrag, sie zu töten. Dafür soll er sie in die anonyme Großstadt Istanbul bringen. Dort treffen die beiden jungen Leute auf eine ganz andere Türkei ..
--> Eulenrezi
|
|
Thema: Börte Sagaster [Hrsg.]: Liebe, Lügen und Gespenster |
|
|
Börte Sagaster [Hrsg.]: Liebe, Lügen und Gespenster
Unionsverlag 2006. 288 Seiten
ISBN-13: 978-3293100060. 19,90€
Verlagstext
Entlarvende Familiengeschichten, flüchtige Skizzen über die moderne Metropole Istanbul, Satiren und verballhornte Mythen: Ihnen allen ist der unerschöpfliche Reichtum an Fantasie gemein. Die Autorinnen und Autoren brechen mit herkömmlichen Erzählweisen und erst recht mit Tabus. Dieser Erzählband bietet einen spannenden Querschnitt durch die modernste türkische Prosa. Skeptisch, ironisch, verblüffend. Die moderne Türkei.
Inhalt
Kurzgeschichten von Mehmet Açar (*1963), Erendiz Atasü (*1947), Nalan Barbarosolu (*1961), Faruk Duman (*1974), Nazli Eray (*1945), Nedim Gürsel (*1951) Gürsel Korat (*1960), Müge Iplikçi (*1966), Sebnem Isigüzel (1973), Cemil Kavukçu (1951), Gönül Kivilcim (1963), Mario Levi (*1957), Cem Mumcu (*1966), Leyla Ruhan Okyay (*1952), Mehmet Zaman Saçliolu (*1955); Hakan Senocak (*1961), Izzet Yasar (*1951), Siir Erkök Yilmaz (*1948) und Tahsin Yücel (*1933).
Die Erzählungen berichten von alltäglichen Erlebnissen aus Familie, Partnerschaft und Armee, über LKWs und Zahnarztbesuche. Meine Favoriten sind zwei utopische Geschichten: Gürsel Korat berichtet aus dem Jahr 2999, als eine gesamteuropäische Sprache Wordisch das Türkische, wie auch alle anderen Einzelsprachen abgelöst hat. Der Icherzähler beschäftigt einen schriftstellernden Roboter, der seinen Herrn autoritär herumscheucht und sich schließlich in dessen Schwester verliebt. In einer weiteren Geschichte von Izzet Yasar steigt aus einem Ufo eine kleine grüne Frau, die Ince Mehmed unbedingt mit auf ihren Heimatplaneten nehmen möchte.
Die Geschichten sind überraschend, sehr direkt, einige verspotten frech Gewohntes, wie das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Die Herausgeberin berichtet im sehr lesenswerten Nachwort von Kritik an zeitgenössischen türkischen Autoren, die das Überschreiten von Genregrenzen in der modernen türkischen Literatur als Zeichen von Werteverlusten und nachlassender Bildung interpretiert. Die Autoren der Erzählungen und ihre Übersetzer werden in Kurzbiografien vorgestellt; einige der Autoren wurden für diese Anthologie zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt.
Fazit
Die lesenswerte Auswahl türkischer Gegenwartsliteratur zeigt ein vielfältiges Bild des Landes zwischen Kaffeesatzlesen und moderner Mediengesellschaft.
|
|
Thema: Zeitgenössisches aus Istanbul gesucht |
|
|
Behiye ist rebellisch, wütend, intelligent und unglücklich – auch wenn sie letzteres niemandem anvertrauen würde, ihrer überängstlichen Mutter nicht und schon gar nicht dem herrischen Bruder, der sie am liebsten in einer untergeordneten Frauenrolle sähe. Bis die 16jährige auf Handan trifft, die Schöne, die Strahlende, die Süße, der man alles verzeiht. Die Teenager sind voneinander fasziniert, es entspinnt sich eine ungestüme, intensive Freundschaft, mitten in der Metropole Istanbul. Jetzt scheint alles möglich. Sie wollen ein anderes Leben, als ihre Mütter es führen, und sie wollen weg aus diesem Land. Aber ihre Beziehung ist gefährdet. Handans Mutter, dem Wesen nach selbst noch ein Kind, wird eifersüchtig. Der junge Erim, stolzer Besitzer eines Mitsubishi Lancer, interessiert sich mehr für Handan, als Behiye es für richtig hält. Und schließlich wird ein gefährliches Spiel in Gang gesetzt, das zunehmend außer Kontrolle gerät. Eine rasante, wilde Geschichte von Freundschaft und Rebellion in Istanbul, vom Leben Jugendlicher in der modernen Türkei. Perihan Magdens Kultroman, von Kutlug Ataman verfilmt, ist in ihrer Heimat ein Bestseller.
|
|
Thema: Zeitgenössisches aus Istanbul gesucht |
|
|
Dies ist biografisch und spielt zur Hälfte in Istanbul, zur anderen Hälfte in Berlin.
Eine junge Türkin im Berlin und im Istanbul von 1968 zwischen Heimweh und Erwachen, zwischen Aufbruch und Alptraum
Sie ist jung. Sie will etwas erleben und die Welt entdecken. Also setzt sie sich in Istanbul in den Zug, der die zukünftigen “Gastarbeiter” nach Berlin bringt. Mit dem Blick des 17jährigen Mädchens, das zuerst kein Wort Deutsch spricht und deswegen soviel sieht in dem Film, der vor ihren Augen abläuft, erzählt Emine Sevgi Özdamar über das Berlin der 60er Jahre, über ihre Leute, die, wie sie, bei Telefunken arbeiten, im Wohnheim wohnen und bei _Aschinger _ Erbsensuppe essen. In einer Sprache, deren Bilder und Rhythmen aus der türkischen Kultur stammen, erzählt sie die Geschichte ihres Aufwachens als Frau zwischen zwei Welten, der politischen Explosionen und Aufbrüche um sie herum und ihrer Sehnsucht nach dem Theater.
Und dann geht sie mit dem, was sie im brodelnden Berlin der Studentenunruhen gehört und gesehen hat, als junge Schauspielschülerin zurück nach Istanbul, wo sie in ein ganz anderes 68 hineingerät: brutaler und alptraumhafter als alles, was man aus Westeuropa kannte. Eine Welt zwischen türkischer Tradition und Moderne erlebt der Leser hier, zwischen hungernden anatolischen Dörfern und verrückten Künstlerlokalen in den Städten, ein Istanbul voller Träume und panischer Ängste, wo die Fährschiffe auf dem Marmara Meer die Menschen täglich hin und her fahren zwischen dem europäischen und dem orientalischen Teil.
|
|
Thema: Zeitgenössisches aus Istanbul gesucht |
|
|
Diese Kurzgeschichten mag ich sehr:
Entlarvende Familiengeschichten, flüchtige Skizzen über die moderne Metropole Istanbul, Satiren und verballhornte Mythen: Ihnen allen ist der unerschöpfliche Reichtum an Fantasie gemein. Die Autorinnen und Autoren brechen mit herkömmlichen Erzählweisen und erst recht mit Tabus. Dieser Erzählband bietet einen spannenden Querschnitt durch die modernste türkische Prosa. Skeptisch, ironisch, verblüffend. Die moderne Türkei.
|
|
|