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Die Zeit des Skorpions - Michael Wallner

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Die Zeit des Skorpions - Michael Wallner Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Verlag: cbt
Seiten: 319

Rückentext:

Europa in naher Zukunft: Unerbittlich breitet sich die Wüste als Folge der Erderwärmung aus und hat bereits den Südrand der Alpen erreicht. Dort schließt sich die vierzehnjährige Tonia, als Junge verkleidet, einer Gruppe von Tuareg an. Die sind in einer spektakulären Mission unterwegs: Sie sollen ein gewaltiges Wasserreservoir freisetzen, das sich in 3000 Metern Tiefe befindet. Doch der mächtige Herrscher des Nordens, der skrupellose Finsøkker, will dies unbedingt verhindern...

Autor:
Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er hat als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Theatern gearbeitet und lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor in Berlin, Italien und dem Schwarzwald. Sein Luchterhand-Bestseller „April in Paris“ wurde in mehr als zwanzig Länder verkauft. „Die Zeit des Skorpions“ ist sein erster Jugendroman.

Eigene Zusammenfassung:
Die vierzehnjährige Tonia lebt in einem kleinen Dorf in Südtirol – ca. 150 Jahre in der Zukunft. In ihrer Welt ist Wasser das kostbarste Gut der Menschen und die Wüste der allgegenwärtige tödliche Feind. Die gegen Ende des 21. Jahrhunderts aufgetretene Klimawandlung hat alles verändert: Die Pole sind abgeschmolzen und haben die Küstenstädte überschwemmt. Doch das war nicht das schlimmste, denn das veränderte Weltklima ließ den Regen aus dem Süden verschwinden. Die Wüste nahm erst ganz Afrika in Besitz, breitete sich dann immer weiter in Europa aus und steht jetzt an der Südgrenze der Alpen. Spanien, Italien, Griechenland und Teile Russlands liegen unter ihr begraben. Tausende von Flüchtlingen, die es über den Todesstreifen im Gebirge geschafft haben, werden in Auffanglagern wie Vieh gehalten. Sibirien ist jetzt die „Kornkammer der Welt“, die Grundstückspreise in den nun grünen Polar-Regionen sind in die Höhe geschossen und Mitteleuropa gehört zu den Tropen.

Als Tonias Vater bei einer Sandumwälzung, die das Haus der Familie zerstört, stirbt, ist die Mutter gezwungen schnellstmöglich einen anderen Mann zu heiraten. Da sie außer Tonia noch zwei kleine Kinder hat, würde sie der Gemeinschaft zur Last fallen und hat nur die Wahl zu heiraten oder in die Wüste zu gehen. Leider will der Mann, der ihr einen Antrag macht, Tonia nicht bei sich haben, weil sie mit 14 schon alt genug wäre für sich selbst zu sorgen. Durch einen Zufall hat Tonia erfahren, dass Tuaregs bei ihrem Pfarrer untergekommen sind, die weiter nach Bozen ziehen wollen um die Menschen zu lehren, besser in der Wüste überleben zu können. Kurzerhand beschließt Tonia, sich als Junge zu verkleiden, nach Bozen zu reisen und die Fremden dort zu bitten, sie als Schüler anzunehmen.

Dort angekommen findet sie in der ungewohnt großen Stadt tatsächlich die beiden Wüstenritter wieder, genau in dem Moment als Mitglieder der „Schützentrachtler“, einer Gruppe von radikalen Traditionalisten, einen Anschlag auf die Tuareg verüben wollen. In letzter Sekunde reißt Tonia mit einem Sprung die Waffe zur Seite... und durch den abgelenkten Schuss wird die Tochter des Anführers der Schützentrachtler getötet. Der einflussreiche Mann verfolgt Tonia und ihre neuen Beschützer, die sie tatsächlich als Schüler angenommen haben, bis nach Rom wo das wahre Ziel von Dulas und Muganabes Reise liegt. In der verwüsteten Stadt treffen sie Kardinal Evangolus Reverricio, der sich hinter den Mauern des Vatikans noch ein kleines grünes Paradies bewahrt hat. Doch der heilige Mann hat große Träume, er plant der Ödnis neues Leben einzuhauchen. Damit kommt er General Noradt Finsøkker in die Quere, der sich anschickt Nord- und Mitteleuropa zu erobern und der den Süden mit teurem Wasser versorgt. Ein Wettlauf beginnt.

Meine Rezension:
Eine Geschichte die bereits von den ersten Seiten an fesselt. Kaum hat man begonnen zu lesen steckt man schon knietief in den Ereignissen, die mit dem Tod von Tonias Vater so dramatisch beginnen. Faszinierend ist die Darstellung des Alltags in dieser traurigen Zukunft. Alle mussten sich anpassen, selbst die starre Kirche. Die zunehmende Versandung Roms zwang den Papst und seinen Hofstaat, nach Ulm zu ziehen, Männern ist es erlaubt mehrere Frauen zu heiraten, damit diese versorgt sind und selbst der Satz „Asche zu Asche und Staub zu Staub“ hat sich gewandelt in „Er ist aus dem Wasser gestiegen, und zu Wasser soll er nun wieder werden.“ Diese Worte begleiten das Ritual, das mich am tiefsten bestürzt hat: Die „Heilige Rückgewinnung“. Es ist grausam und logisch zugleich. Der Mensch besteht zu ca. 70% aus Wasser und kein Tropfen darf verschwendet werden. „Ein erwachsener Mann liefert 15 Liter Flüssigkeit“...

Gerade dieser nüchterne Umgang mit dem was sich als notwendig erwiesen hat, macht das ganze so glaubhaft und gleichzeitig erschreckend für einen Menschen unserer Zeit. Michael Wallners Schilderung erstreckt sich über alle Ebenen. Egal ob Privatleben, geänderte Standpunkte der Kirche, Wandlung der sozialen Werte oder sich ergebende politische Verwicklungen die Kriege nach sich ziehen, fast alles ist bedacht. Ich hab mich nur einmal gefragt, was eigentlich aus den großen USA geworden ist, die im Buch überhaupt nicht erwähnt werden. Von Naturkatastrophen zerstört oder so mit eigenen Problemen beschäftigt, dass sie sich nicht am Krieg in Europa beteiligen können/wollen?

Obwohl mich der Anfang so tief beeindruckt hat, gab es leider auch Kritikpunkte. Am meisten störte mich die Art auf die das geheime Wasserreservoir entdeckt wurde. Eine mysteriöse Kiste aus dem Meer mit einem Skorpion drauf die eine „intelligente“ Flüssigkeit enthält (welche eine Karte formen kann) von der niemand weiß woher sie kommt (Zukunft? Hochentwickelte Zivilisation der Vergangenheit? Aliens???). Irgendwie passte dieser fantastische Einschub so überhaupt nicht zum Rest und wirkte wie ein Fremdkörper, war einfach da, wurde nicht erklärt und tauchte später nie wieder auf! Besser hätte ich gefunden, man wüsste durch wissenschaftliche Bohrungen oder dergleichen davon.

Es wird ja in der Beschreibung erwähnt, dass dies das erste Jugendbuch des Autors ist und ich finde, das hat man auch an der einen oder anderen Stelle gemerkt. So detailliert und spannend die Handlung geschildert ist, so wirkte die Ausdrucksweise wenn es um Tonia selbst ging, speziell in den Szenen die das Erwachen der ersten romantischen Gefühle schilderten, doch irgendwie unbeholfen.

Fazit: Ein absolut gelungenes und auch beängstigendes Buch, dass deutlich zeigt wie die Welt aussehen könnte, wenn nichts getan wird um dem Klimawandel entgegenzuwirken. Stellenweise wie ein richtiger Zukunfts-Thriller zu lesen und somit auf jeden Fall auch für Erwachsene interessant. Wäre eigentlich ein klarer Kandidat für 9 Punkte gewesen, die es leider durch den unpassenden fantastischen Einschub knapp verwirkt hat. 8 von 10 Punkten.

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    Die Taschenbuch-Ausgabe kommt im April 2010. Winken

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