Frank McCourt "Die Asche meiner Mutter"      |
killerbinchen

König
   

Dabei seit: 15.01.2007
Beiträge: 937
Herkunft: Schleswig-Holstein
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Original von Faraday
Aber für mich gehört das Buch nicht in die Ecke Belletristik! |
Für mich auch nicht; bei mir steht es bei den Autobiographien.
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Superhero
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30.09.2010 11:00 |
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Lucy1987

Lebende Forenlegende


Dabei seit: 22.07.2007
Beiträge: 1.644
Herkunft: Münsterland
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Mir hat das Buch recht gut gefallen. Es ist anfangs interessant geschrieben, nimmt zwischendurch immer mal zähere Züge an, wird zum Ende hin aber wieder recht spannend. Wobei man es auch nicht unbedingt als spannend bezeichnen kann, sondern eher als handlungsreicher. Es passiert zwischendurch einfach recht wenig, Spannung ist eher wenig vorhanden, weshalb ich es auch eher in den Bereich der Autobiographien einordnen würde. Man bekommt sehr genau die Armut zu spüren und hat sich desöfteren gefragt, wie man anstelle der Mutter gehandelt hätte und ob man die Mutter auch in gewissen Situationen so behandelt hätte. Etwas angenervt war ich zwischenzeitlich von den kirchlichen Themen, natürlich hat die Religion zu der Zeit eine große Rolle gespielt, aber die ausschweifenden Begründungen und Darstellungen nahmen zum Teil überhand. Waren aber vermutlich zu der Zeit auch tatsächlich nervig. Recht erschreckend fand ich, wie wenig Aufklärung zu dieser Zeit bestand und zu was dies führte.
Ich kann als Fazit sagen, dass dieses Buch lohnenswert ist, man jedoch keine wahnsinnige Spannung erwarten sollte. Bei mir hat es lange auf dem SUB verweilt und ich bin froh, es doch mal hervorgeholt zu haben.
__________________ Liebe Grüße,
Lucy
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20.07.2011 21:33 |
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rumble-bee

Tripel-As


Dabei seit: 09.06.2011
Beiträge: 180
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| Angela's Ashes - A Memoir of a Childhood, Frank Mc Court |
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"Och, aye, my arse!" Das ist wohl einer der vielen Aussprüche, die ich aus diesem Buch mitnehmen werde. Dies ist ein Buch, das den einfachen Leuten "direkt aufs Maul" schaut, und das gerade durch seine "mündlichen" Qualitäten lebendig wirkt und fasziniert. Es spielt ungefähr in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts in Irland, und kann ebenso sehr als Biographie wie auch als Milieustudie gelesen werden. Beinahe sogar als Roman! Eine eindeutige Einordnung ist jedenfalls ungeheuer schwierig. Man lebt und lacht mit den Charakteren, man weint auch manchmal. Und man fragt sich mitunter, wie all das mitten im aufgeklärten Westen, direkt nebenan, möglich war.
Man merkt diesen Zeilen sicherlich an, wie aufgewühlt ich immer noch bin. Aufgewühlt ist auch fast das falsche Wort. Da mischen sich die verschiedensten Emotionen: ungeheures Mitgefühl anhand dieser elenden, armen, verdreckten, und auch angsterfüllten irischen katholischen Kindheit. Immense Wut auf die Kirche und ihre angeblichen Diener - wie kann man nur ein ganzes Volk so unter der Fuchtel halten, immer wieder Angst schüren, und gleichzeitig den Leuten die Tür vor der Nase zuschlagen, wenn sie wirklich einmal Hilfe brauchen! Nur ein einziger Priester wird in diesem Buch positiv dargestellt, und das ist erschütternd. Dann wieder gab es bei mir Lachtränen und Schenkelklopfer zuhauf, was vor allem daraus entsteht, dass Frankie aus seiner persönlichen und grenzenlos naiven Sicht die Welt der Erwachsenen zu schildern und zu verstehen sucht. Und last, but not least empfand ich eine packende Spannung. Würde es Frankie eines Tages tatsächlich schaffen, sich aus diesem Milieu herauszuarbeiten, und seinen Traum von einem Leben in Amerika zu verwirklichen?
Alles in mir sträubt sich dagegen, dieses Buch zu zerreden, und den Inhalt fein säuberlich darzulegen. Die Summe ist hier wieder einmal viel, viel mehr als die bloße Addition der einzelnen Teile. Wird man dem Buch wirklich gerecht, wenn man sagt, dass hier ein irisch-stämmiger Amerikaner seine Kindheit und Jugend schildert? Dass er vor allem seiner Mutter mit diesem Buch ein Denkmal setzt? Dass er zwar grenzenloses Leiden beschreibt, aber niemals seinen Humor und Mutterwitz verliert? Dass er sein Land, Irland, trotz aller Schicksalsschläge und Härten des Lebens dort spürbar immer noch liebt? Und dass er immer wieder mit sich gerungen hat, seinen trunksüchtigen Vater trotz aller seiner Fehler zu respektieren und zu lieben? All das sind einzelne Mosaiksteine - doch ein wirkliches Bild ergibt sich erst, wenn man dieses Buch selber liest.
Zuletzt möchte ich noch einmal ausdrücklich Werbung für die Originalfassung machen. Dieses Buch strotzt nur so vor Lokalkolorit und derber Sprache. Ich frage mich, wie es nur möglich sein soll, dieses Buch zu übersetzen! Wer auch immer sich nur halbwegs der englischen Sprache mächtig fühlt, möge bitte zu dieser Fassung greifen. Im Zweifelsfall lese man es sich laut vor, das erleichtert das Verstehen. Man wird belohnt mit einem ganzen Arsenal an Flüchen, Sprichwörtern, Volksliedern (!) und Dialektwörtern. Ein wahres Fest der irischen Volksseele - eindrücklicher und "wahrhaftiger" als jeder Historienband oder Reiseführer.
__________________ Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. (Karl Valentin)
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25.07.2011 19:17 |
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rumble-bee

Tripel-As


Dabei seit: 09.06.2011
Beiträge: 180
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| RE: Angela's Ashes - A Memoir of a Childhood, Frank Mc Court |
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Hier ist ja schon mehrfach diskutiert worden, in welche Ecke das Buch gehört. Tja, ich als Eulen-Neuling hatte meine Rezension zuerst unter "Belletristik" hochgeladen, weil es für mich doch viel mehr war als eine Biographie. Es hat so viele literarische Qualitäten! Doch offenbar war die "Eulen-Verwaltung" anderer Meinung, und hat meinen Beitrag nun hier einsortiert. Auch OK; nix für ungut!
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Aber eine Frage hätte ich doch mal. Gibt es keine gesonderten Threads für Original-Versionen? ich wollte das Buch ausdrücklich nicht unter den deutschen Versionen abspeichern, aber anscheinend ging das ja nicht. Ich finde, gerade dieses Buch sollte unbedingt im Original gelesen werden; wenn man die Besprechung aber unter dem deutschen Thread suchen muss, geht es leicht unter. Schade!
__________________ Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. (Karl Valentin)
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27.07.2011 11:15 |
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buzzaldrin

Unsterbliche Forenlegende
 

Dabei seit: 31.12.2007
Beiträge: 3.769
Herkunft: Bremen
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| RE: Angela's Ashes - A Memoir of a Childhood, Frank Mc Court |
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| Zitat: |
Original von rumble-bee
Gibt es keine gesonderten Threads für Original-Versionen? ich wollte das Buch ausdrücklich nicht unter den deutschen Versionen abspeichern, aber anscheinend ging das ja nicht. Ich finde, gerade dieses Buch sollte unbedingt im Original gelesen werden; wenn man die Besprechung aber unter dem deutschen Thread suchen muss, geht es leicht unter. Schade! |
Ich glaube, dass das doch etwas zu viel und vor allem auch zu unübersichtlich werden würde, wenn nun auch noch zu jedem Buch zwei Threads eingerichtet werden müssen: der eine für das Original und der andere für die Übersetzung. Es reicht doch der jeweilige Hinweis, dass man das Buch im Original gelesen hat und das auch jedem anderen nur empfehlen kann
Die, die das Buch auch auf Englisch lesen wollen, werden deine Rezension schon finden - auch hier zwischen all den Rezensionen für die deutsche Ausgabe.
__________________ flickr
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27.07.2011 11:21 |
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JaneDoe

Super Moderator
    

Dabei seit: 14.12.2006
Beiträge: 6.692
Herkunft: NRW
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| RE: Angela's Ashes - A Memoir of a Childhood, Frank Mc Court |
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| Zitat: |
Original von rumble-bee
Hier ist ja schon mehrfach diskutiert worden, in welche Ecke das Buch gehört. Tja, ich als Eulen-Neuling hatte meine Rezension zuerst unter "Belletristik" hochgeladen, weil es für mich doch viel mehr war als eine Biographie. Es hat so viele literarische Qualitäten! Doch offenbar war die "Eulen-Verwaltung" anderer Meinung, und hat meinen Beitrag nun hier einsortiert. Auch OK; nix für ungut!
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Aber eine Frage hätte ich doch mal. Gibt es keine gesonderten Threads für Original-Versionen? ich wollte das Buch ausdrücklich nicht unter den deutschen Versionen abspeichern, aber anscheinend ging das ja nicht. Ich finde, gerade dieses Buch sollte unbedingt im Original gelesen werden; wenn man die Besprechung aber unter dem deutschen Thread suchen muss, geht es leicht unter. Schade! |
Ich habe deine Rezension an den bereits bestehenden Thread angehängt. Es gibt keine gesonderten Threads für Originalausgaben. Wir unterscheiden nur zwischen gedruckten Büchern und Hörbüchern. LG JaneDoe
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Daniel Wolf - Das Salz der Erde
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27.07.2011 11:21 |
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Original von rumble-bee
Zuletzt möchte ich noch einmal ausdrücklich Werbung für die Originalfassung machen. Dieses Buch strotzt nur so vor Lokalkolorit und derber Sprache. Ich frage mich, wie es nur möglich sein soll, dieses Buch zu übersetzen! Wer auch immer sich nur halbwegs der englischen Sprache mächtig fühlt, möge bitte zu dieser Fassung greifen. Im Zweifelsfall lese man es sich laut vor, das erleichtert das Verstehen. Man wird belohnt mit einem ganzen Arsenal an Flüchen, Sprichwörtern, Volksliedern (!) und Dialektwörtern. Ein wahres Fest der irischen Volksseele - eindrücklicher und "wahrhaftiger" als jeder Historienband oder Reiseführer. |
Es ist ja letztlich immer besser, das Original zu lesen. Allerdings finde ich, dass Harry Rowohlt (ja genau, der Penner aus der Lindenstraße) Angelas Ashes wirklich gut übersetzt hat. Er ist schon seit langem mit den irischen Gegebenheiten vertraut und wohl auch deshalb in der Lage, sehr viel an Stimmungen, Nuancen und Feinheiten, die man zwischen den Zeilen liest, ins Deutsche hinüber zu retten. Man achte auch mal auf seine Übersetzungen von Flann O'Brien. Das sind wahrlich kaum wiederzugebende Texte. Harry Rowohlt sind sie aber dennoch ganz ohne Zweifel geglückt.
__________________ Es kann nur glücklich werden, wen auch der Ernst des Lebens glücklich macht. (Reinhard Mey)
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von SUBunternehmer: 02.08.2011 23:30.
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02.08.2011 23:29 |
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DraperDoyle

Lebende Forenlegende


Dabei seit: 16.12.2006
Beiträge: 2.523
Herkunft: Leipzig
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Für mich ist dieses Buch mal wieder ein Beweis dafür, dass der Satz "am meisten leiden die Kinder" totaler Quatsch ist. Denn auch wenn McCourts Kindheit tatsächlich eine ziemliche Katastrophe war, überzeugte mich die Lebenslust, die doch immer wieder aufblitzte.
Während ich das Buch gelesen habe, fühlte ich mich ähnlich wie in meiner Kindheit, wenn meine Omma von Früher erzählte: wie ihre Schwester Zillie im Plumpsklo einbrach, aber auch wie ihre Geschwister an Typhus und Diphterie gestorben sind. Wahrscheinlich hat mir deshalb das Buch so gut gefallen
__________________ Ist das System relevant?
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11.05.2012 15:44 |
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Dieter Neumann
König
   

Dabei seit: 20.03.2012
Beiträge: 843
Herkunft: Ostseeküste S-H
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| Zitat: |
Original von SUBunternehmer
Allerdings finde ich, dass Harry Rowohlt (ja genau, der Penner aus der Lindenstraße) Angelas Ashes wirklich gut übersetzt hat. Er ist schon seit langem mit den irischen Gegebenheiten vertraut und wohl auch deshalb in der Lage, sehr viel an Stimmungen, Nuancen und Feinheiten, die man zwischen den Zeilen liest, ins Deutsche hinüber zu retten. Man achte auch mal auf seine Übersetzungen von Flann O'Brien. Das sind wahrlich kaum wiederzugebende Texte. Harry Rowohlt sind sie aber dennoch ganz ohne Zweifel geglückt. |
Harry Rowohlt ist ohne Zweifel einer der größten Könner unter den lebenden Romanübersetzern aus dem Englischen. Das trifft vor allem auch auf seine Übertragungen amerikanischer Texte ins Deutsche zu. Ein wahrhaft kongenialer Partner für die guten anglo-amerikanischen Romanciers!
Übrigens gibt es in Ausgabe 3 / 2012 von "Bücher" ein herrliches Interview mit diesem genialen Kauz - lesenswert!
__________________ DIDI
Es gibt keine Seligkeit ohne Bücher! (Arno Schmidt)
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11.05.2012 15:57 |
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