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Büchereule.de » Gemeinsames Lesen und Hören! » Leserunden-Archiv » Leserunden-Archiv 2017 - Teil 2 (E - Z) » 'Was vom Tage übrigblieb' - Kazuo Ishiguro » 'Was vom Tage übrigblieb' - Seiten 154 - 240 » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
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'Was vom Tage übrigblieb' - Seiten 154 - 240

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Regenfisch Regenfisch ist weiblich
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Zitat:
Original von Ayasha
Zitat:
Original von Findus
Zitat:
Original von Saiya

In diesem Abschnitt habe ich oft über den Titel des Buches nachgedacht. Was bleibt denn noch vom Tag, wenn man sich selbst so aufgibt? Ist man dann noch in der Lage den Sonnenuntergang zu genießen, diese vermaledeite Würde abzulegen und einfach Mensch zu sein? Kann man das wieder lernen? Was bleibt am Ende des Lebens? Ein trauriges Beispiel dafür haben wir in Stevens Vater gesehen.


Das ist es, was mich auch beschäftigt. Was bleibt vom Tag, vom Leben übrig, wenn man sich selbst so aufgibt, also als Person, um ganz das Leben seines Dienstherrn zu übernehmen. Denn was anderes tut Stevens ja nicht.

Sein Leben ist das seines Herrn, nicht sein eigenes. Miss Kenton versucht ja, ihn aufmerksam zu machen, scheitert aber an seiner undurchdringlichen Fassade.

Ich frage mich nur, merkt er es denn überhaupt noch? Oder ist er innerlich schon so angepasst das Leben eines anderen zu führen, dass er nichts vermisst?

Diese Fragen sind sicher berechtigt. Ich sehe es aber gleichzeitig auch als ein Talent, sich so im Job zu verwirklichen und ich mag da nicht nur an Selbstaufgabe denken. Stevens ist bestimmt ein etwas extremeres Beispiel. Aber ist es nicht auch so, dass die Menschen damals weniger Freizeit und somit weniger Zeit zum Nachdenken und Grübeln hatten? Sie hatten keine Hobbys, in denen sie sich verwirklichen konnten - es war die Arbeit, die ihnen Bestätigung gab. Grübeln

Der Butler-Beruf bringt es zudem ja auch mit sich, dass es kaum Freizeit gibt. Ich denke schon, dass Stevens wusste, worauf er sich da einlässt. Zumal sein Vater ja auch Butler war. Sein Beruf ist die einzige Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen.
Ich kann beide Ansichten verstehen.

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"...Haremsbetreiber sind unsterblich." Tom in "Die Ordnung der Sterne über Como" von Monika Zeiner
22.02.2017 14:49 Regenfisch ist offline E-Mail an Regenfisch senden Beiträge von Regenfisch suchen Nehmen Sie Regenfisch in Ihre Freundesliste auf
Herr Palomar Herr Palomar ist männlich
Moderator


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Beiträge: 14.593

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Als Butler hatte Stevens auch Personalverantwortung, man kann also von einer wichtigen Managerposition sprechen. Die Sache mit der knappen Freizeit ist auch heutzutage bei Führungskräften so eine Sache.

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Neue Rezension: Heidegger/Jünger; Briefwechsel;

22.02.2017 16:21 Herr Palomar ist offline E-Mail an Herr Palomar senden Beiträge von Herr Palomar suchen Nehmen Sie Herr Palomar in Ihre Freundesliste auf
Findus Findus ist weiblich
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Dabei seit: 15.08.2006
Beiträge: 6.456
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Zitat:
Original von Regenfisch
Zitat:
Original von Ayasha
Zitat:
Original von Findus
Zitat:
Original von Saiya

In diesem Abschnitt habe ich oft über den Titel des Buches nachgedacht. Was bleibt denn noch vom Tag, wenn man sich selbst so aufgibt? Ist man dann noch in der Lage den Sonnenuntergang zu genießen, diese vermaledeite Würde abzulegen und einfach Mensch zu sein? Kann man das wieder lernen? Was bleibt am Ende des Lebens? Ein trauriges Beispiel dafür haben wir in Stevens Vater gesehen.


Das ist es, was mich auch beschäftigt. Was bleibt vom Tag, vom Leben übrig, wenn man sich selbst so aufgibt, also als Person, um ganz das Leben seines Dienstherrn zu übernehmen. Denn was anderes tut Stevens ja nicht.

Sein Leben ist das seines Herrn, nicht sein eigenes. Miss Kenton versucht ja, ihn aufmerksam zu machen, scheitert aber an seiner undurchdringlichen Fassade.

Ich frage mich nur, merkt er es denn überhaupt noch? Oder ist er innerlich schon so angepasst das Leben eines anderen zu führen, dass er nichts vermisst?

Diese Fragen sind sicher berechtigt. Ich sehe es aber gleichzeitig auch als ein Talent, sich so im Job zu verwirklichen und ich mag da nicht nur an Selbstaufgabe denken. Stevens ist bestimmt ein etwas extremeres Beispiel. Aber ist es nicht auch so, dass die Menschen damals weniger Freizeit und somit weniger Zeit zum Nachdenken und Grübeln hatten? Sie hatten keine Hobbys, in denen sie sich verwirklichen konnten - es war die Arbeit, die ihnen Bestätigung gab. Grübeln

Der Butler-Beruf bringt es zudem ja auch mit sich, dass es kaum Freizeit gibt. Ich denke schon, dass Stevens wusste, worauf er sich da einlässt. Zumal sein Vater ja auch Butler war. Sein Beruf ist die einzige Möglichkeit, Anerkennung zu bekommen.
Ich kann beide Ansichten verstehen.


Sicher hat Stevens kein anderes Leben kennen gelernt, sein Vater scheint ja auch Butler ohne Grenzen gewesen zu sein. von der Mutter hört man garnichts, sie scheint keine Einwirkung auf seine Entwicklung gehabt zu haben.
Allerdings ist das Buch ja in den 1920ern angesiedelt bis weit nach dem Krieg, da hatten die Leute schon auch Hobbies und Freizeit.

Dass Stevens sein eigenes Leben und seine Bestätigung jedoch nur aus den Erfolgen seines Dienstherrn also Lord Darlingtons zieht, das vermag ich nicht nachzuvollziehen.
Dass man allerdings in seinem Beruf sein Bestes gibt, und bei Fehlern an sich rumkrittelt, das kann ich gut verstehen.

__________________
"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg "

22.02.2017 18:16 Findus ist offline E-Mail an Findus senden Beiträge von Findus suchen Nehmen Sie Findus in Ihre Freundesliste auf
Ellemir Ellemir ist weiblich
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Beiträge: 852
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Dieses Wochenende bin ich auch zum Lesen gekommen.

Dieser Abschnitt hat mich sehr bewegt. Aber der Reihe nach:

Ich empfinde Stevens Erzählungen in diesem Abschnitt so, als würde er nach und nach zu einer gewissen Selbsterkenntnis kommen. Er gibt (vor sich selbst) zu, dass Lord Darlington die falschen Verbündeten gewählt hat und dass seine Verbindungen zu Nazis falsch war. Ebenfalls in die Richtung geht seine wachsende Erkenntnis, dass er in den Brief von Miss Kenton wahrscheinlich Dinge hineingelesen hat, die nicht da sind. Allerdings spricht er von ihr immer noch als Miss Kenton, nicht von Mrs Benn.

Mir ging es auch so wie Saiya, dass ich über den Titel nachdenken musste. Eigentlich müsste er lauten: "Was vom Leben übrigbleibt". Was bleibt von Stevens übrig, wenn der Gentleman, dem er dient und daraus seine Würde zieht, sich als zweifelhaft erweist, und er die einzige Person verliert, zu der er so etwas wie ein persönliches Verhältnis hat?

Bedrückend finde ich die Rückblenden - er glaubt, selbst das Lesen eines Liebesromans damit vor sich selbst rechtfertigen zu müssen, dass er sich sprachlich weiterbilden möchte - eigentlich eine fürchterlich traurige Einstellung, nicht einmal vor sich selbst zugeben zu können, dass man Gefühle, wenn auch nur aus zweiter Hand, empfinden möchte. Im "echten Leben" vermeidet er Gefühle, indem er Miss Kenton auf Abstand hält, die gemeinsamen Abende, die ihm offensichtlich viel bedeutet haben, beendet, bevor sie ihm zu nahe kommt.

Ob Miss Kenton wohl eigentlich gehofft hat, dass Stevens eifersüchtig reagiert, als sie von ihrer möglichen Hochzeit erzählt? Sie weiß genau, wie er ist und kann das eigentlich nicht erwarten. Mir kommt sie hier ziemlich verzweifelt vor. Ob sie Mr Benn den Laufpass gegeben hätte, wenn Stevens aktiv geworden wäre?

Sein Verhalten gegenüber den Dorfbewohnern erkläre ich mir mit dem Wunsch nach Anerkennung, was ihm später aber eigentlich peinlich ist. Sehr nett von dem Arzt, dass er ihn nicht auffliegen lässt, obwohl er ihn durchschaut. Auch hier die Rückblende sehr bedrückend. Die Art, wie Stevens vorgeführt wird, um zu beweisen, dass das dumme Volk gar nicht in der Lage ist, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, hat mich regelrecht wütend gemacht.

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lesend Joel Dicker: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
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26.02.2017 21:14 Ellemir ist offline E-Mail an Ellemir senden Beiträge von Ellemir suchen Nehmen Sie Ellemir in Ihre Freundesliste auf
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Nein, ich habe nicht aufgegeben, ich habe das Buch gerade beendet und muss mich an euch orientieren, weil ich ja übers Kapitel hinaus gelesen habe.

Zitat:
Original von Clare
Zitat:
Original von Herr Palomar
In diesem Abschnitt möchte ich unbedingt den Vorfall 1935 ansprechen.
Der Lord hat wieder Gäste und ein Mr.Spencer will beweisen, dass der einfache Mann von einer Machtelite regiert werden muss.
Um das zu beweisen stellt er Mr.Stevens Fragen, die niemand ohne Spezialwissen beantworten kann. Das beweist also nichts! Dennoch demütigend! das merkt sogar der Lord und entschuldigt sich bei Stevens am nächsten Tag, jedoch nicht ohne die eigentliche Absicht hinter den Fragen zu rechtfertigen.

Eigentlich hatte Stevens sich sogar mit seinen unverfänglichen Abwehren der Fragen ganz gut geschlagen. Ich an seiner Stelle hätte vielleicht versucht, die Fragen zu beantworten und hätte mich unweigerlich dabei blamiert.


Diese Szene hätte ich auch angesprochen. Mich erschüttert etwas, dass sich Stevens wirklich gar nicht gedemütigt fühlt. Er selbst benennt diese Episode als weiteren Beweis der Wichtigkeit der "Würde". Damit ist nicht die Menschenwürde an sich gemeint, sondern eine Grundeinstellung des Butlers. Als Mensch der unteren Schicht wurde er, finde ich, sehr wohl beleidigt und in seiner Würde verletzt. Stevens aber hält sich zu Gute, wie gleichmütig er diese Situation meisterte, indem er sie aushielt.


Als ich das gelesen habe, wäre ich am liebsten ausgerastet. Stevens ist so ein netter Mann, der ganz und gar nicht blöd ist und sich Gedanken über alle möglichen Dinge macht und dann so über ihn zu reden, obwohl er dabei ist... Das ist wirklich krass. Der arme Mann. Ich hätte das nicht so gut weg stecken können und meiner Meinung nach hat das gar nichts mit Würde zu tun, denn seine Würde wurde total verletzt. Wie ich im ersten Abschnitt schon schrieb, wäre das niemals ein Job für mich.

Ob die Charaktere stark sind, kann ich gar nicht so sagen Grübeln
Miss Kenton bestimmt. Ich finde sie einfach toll. Sie sprudelt vor Energie und ich meinte die ganze Zeit über zu merken, dass sie gerne mit Stevens anbandeln wollte. Er dagegen versteckt sich dauernd hinter seinem Beruf. Er kann dies oder jenes nicht machen oder zulassen, weil er ein Butler ist. Dass er je Feierabend hat und vielleicht auch mal einfach nur gesellig mit Miss Kenton Kakao trinkt, kam ihm nicht in den Sinn.
Ich finde seine Figur ganz schön tragisch, obwohl ich nicht das Gefühl habe, dass er sehr unglücklich ist. Über seine Person denkt er ja eher weniger nach.

Zitat:
Original von Clare
Zitat:
Original von Ayasha

Miss Kenton (ich finde es übrigens sehr bezeichnend, dass Stevens sie immer noch so nennt) ...


Das ist mir auch aufgefallen. Und so lange er in der Vergangenheit an sie denkt, wird das auch so bleiben. Vielleicht hätte er es ja auch lieber, dass man die Zeit zurück drehen könnte.


Ich glaube, er kommt überhaupt nicht damit klar, wenn sich irgendwas ändert. Erst geht Miss Kenton und dann stirbt auch noch ein Dienstherr und ein Amerikaner kommt, der so gar nicht britisch ist und ihn mit seiner Art total überfordert.

Zitat:
Original von Ellemir

Ob Miss Kenton wohl eigentlich gehofft hat, dass Stevens eifersüchtig reagiert, als sie von ihrer möglichen Hochzeit erzählt? Sie weiß genau, wie er ist und kann das eigentlich nicht erwarten. Mir kommt sie hier ziemlich verzweifelt vor. Ob sie Mr Benn den Laufpass gegeben hätte, wenn Stevens aktiv geworden wäre?



Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Immerhin war ihr letzter Brief sehr verzweifelt. Ich glaube, sie hat wirklich damit gerechnet, dass Stevens darauf eingeht und dass er etwas anders als Glückwünsche dazu sagt.

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Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden, unseren vertrauten Lebensgefährten.

12.03.2017 14:36 Booklooker ist offline E-Mail an Booklooker senden Homepage von Booklooker Beiträge von Booklooker suchen Nehmen Sie Booklooker in Ihre Freundesliste auf
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