Delphin

Zeitloser Forum-Superstar
  

Dabei seit: 18.05.2004
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| Alibi für einen König - Josephine Tey |
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Das Buch ist einTeil der Alan Grant-Reihe, es ist aber in sich abgeschlossen und ich habe auch nur das eine gelesen:
1) Warten auf den Tod/Der Mann in der Schlange (The Man in the Queue/Killer in the Crowd)
2) Klippen des Todes (A Shilling for Candles)
3) Die verfolgte Unschuld/Der große Verdacht (The Franchise Affair)
4) Wie ein Hauch im Wind (To Love and Be Wise)
5) Alibi für einen König/Richard der Verleumdete (The Daughter of Time)
6) Der singende Sand (The Singing Sands)
Zum Buch
In England weiß man, daß Richard III. ein Schurke war und seine zwei Neffen "Die Prinzen im Turm" ermorden lassen hat. Eine Meinung, die sich immerhin 450 Jahre lang gehalten hat. Bis Inspektor Grant gelangweilt im Krankenhaus liegt und zufällig auf ein Portrait von Richard III. stößt, dessen Physiognomie so gar nichts von einem Verbrecher zu haben scheint. Er fängt an, genauer zu lesen. Allmählich wird deutlich: Nicht Richard war das Scheusal.
Über die Autorin
Josephine Tey (1897 - 1952) wurde in Inverness, Schottland, geboren. Sie besuchte die Royal Academy in Inverness und das Anstey Physical Training College in Birmingham, arbeitete als Sportlehrerin und machte sich als Verfasserin zahlreicher Romane und Theaterstücke einen Namen.
Mehr Info
Meine Meinung
Adam Grant liegt nach einem Unfall im Krankenhaus, starrt die Decke an und langweilt sich zu Tode. Da er ein besonderes Faible für Gesichter hat, bringt ihm eine Freundin Portraits von verschiedenen historischen Persönlichkeiten mit und schlägt ihm vor, sich mit einer der Figuren genauer zu beschäftigen. Grants Aufmerksamkeit bleibt an einem Druck von Richard III. hängen, den er intuitiv bei "den Guten" einsortiert hätte. Das Bild, das Grants ganze Nachforschungen auslöst, ist das auf dem deutschen Cover.
Grant beginnt nachzuforschen, was es mit Richard III. auf sich hatte. Dabei muss man bedenken, dass Josephine Tey das Buch 1951 geschrieben hat, und Grant nicht mal eben bei Wikipedia nachgucken konnte. Er hat noch nicht mal ein Telefon in seinem Zimmer, sondern ist darauf angewiesen, dass Leute ihn besuchen und ihm Informationen mitbringen. Es ist also kein Buch, das ein besonders hohes Tempo aufweist. Grants erste Quelle ist ein Schulbuch der dritten Klasse, das ihm eine Krankenschwester leiht und in dem selbstverständlich steht, dass Richard III. ein Schurke war. Von dort arbeitet er sich mit der Hilfe von Freunden, die für ihn mehr oder weniger den Laufburschen spielen, hoch bis zu Originalquellen aus dem British Museum.
Der Schwerpunkt des Buches liegt auf Grants Gedankengängen und die Kernaussage ist wohl, dass man nicht alles glauben soll, was in Büchern steht und schon gar nicht in Geschichtsbüchern. Die Autorin lässt Grant die die Quellen Schritt für Schritt auseinanderpflücken und eigene Schlüsse ziehen, wo wer was verfälscht haben könnte und aus welchen Gründen.
Ich habe das Buch unter Krimis gepackt, die ganze Handlung findet ausschliesslich in der Gegenwart statt, genauer gesagt in Grants Krankenzimmer. Es ist aber eben kein klassischer Krimi, da der Fall mehrere hundert Jahre zurück liegt. Man sollte wohl schon ein Interesse an Richard III. und den Rosenkriegen mitbringen und auch gewisse Vorkenntnisse schaden nicht.
Das Englisch habe ich als eher anspruchsvoll empfunden, ich bin auf den ersten Seiten etwas ins Schwitzen geraten, ich möchte auch lieber nicht wissen, was in der Übersetzung von den zahlreichen Wortspiele übrig geblieben ist. Ich empfehle die englische Ausgabe. Nach einigen Seiten hatte ich mich auch eingelesen.
Das war wirklich mal ein intelligent gemachtes kleines Buch, das mich zum Denken angeregt hat, wie Geschichte gemacht wird.
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Dieser Beitrag wurde 3 mal editiert, zum letzten Mal von Delphin: 05.10.2007 14:29.
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05.10.2007 11:27 |
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Pelican

Moderatorin
  

Dabei seit: 13.07.2004
Beiträge: 4.218
Herkunft: Wörth
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| RE: Alibi für einen König - Josephine Tey |
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| Zitat: |
Original von Delphin
Das war wirklich mal ein intelligent gemachtes kleines Buch, das mich zum Denken angeregt hat, wie Geschichte gemacht wird.
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Wobei man sich scheinbar darüber streiten kann, ob die Autorin nicht das Gleiche macht...
Schöne Rezi, Delphin!
__________________ Herzliche Grüße
Pelican
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05.10.2007 12:17 |
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magali
Zeitloser Forum-Superstar
  
Dabei seit: 15.12.2004
Beiträge: 5.133
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| RE: Alibi für einen König - Josephine Tey |
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Schön! Ein Wort über eins meiner Lieblingsbücher.
Es ist ein sehr intelligent gemachtes kleines Büchlein und spiegelt auch die in seiner Entstehungszeit gerade zu Geltung gelangte Auffassung der offiziellen Geschichtsschreibung wider.
Ja, es wirft einen Blick auf die Frage, wie Geschiche gemacht wird. Das macht es zu einem ziemlich wichtigen Buch, wenn man sich für so etwas überhaupt interessiert.
Es ist sehr spannend, verbindet die klassische detection mit einem historischen Fall.
Es ist ein Kriminalroman, wie er klasssicher kaum sein könnte.
Sprachlich-stilistsich gehört er eher in die Richtung von Sayers als Christie. Der Krimi als literarische Gattung, also.
Anspruch auf historische 'Wahrheit' oder Allgemeingültigkeit erhebt Tey nicht. Wie gesagt, es ist ein intelligentes Buch.
magali
__________________ Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
K. Kraus
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05.10.2007 14:14 |
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Corinna

König
   

Dabei seit: 02.02.2006
Beiträge: 945
Herkunft: Hannover
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| RE: Alibi für einen König - Josephine Tey |
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Vor diesem Buch kannte ich auch nur die Version des "bösen" Richard III. Gerade weil es hier anders geschildert wird, hat es mich neugierig gemacht.
Was nun "wahr" ist oder nicht - mich hat einfach die andere Perspektive und auch die ziemlich originelle Art des "Detektivspiels" gereizt. Und ich wurde nicht enttäuscht!
__________________ Liebe Grüße
Corinna
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09.10.2007 12:21 |
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Darcy

Kaiser

Dabei seit: 03.01.2006
Beiträge: 1.086
Herkunft: Frankfurt
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| RE: Alibi für einen König - Josephine Tey |
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Ich kann mich den positiven Meinungen nur anschließen. Ein etwas altmodisches (im positiven Sinne), kleines Büchlein, das zum Nachdenken anregt über alles, was als gefestigtes Wissen gilt.
Natürlich kann die Autorin genauso mit Fakten jongliert haben wie die Personen des Buches. Aber das macht eigentlich auch den Reiz des Büchleins aus.
Ich hab mich jedenfalls sehr gut dabei unterhalten. Wird endlich mal Zeit, Kendalls Buch zu lesen.
__________________ “Wer kleine Kinder und Hunde nicht mag, kann kein schlechter Mensch sein!”

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19.05.2008 17:55 |
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Delphin

Zeitloser Forum-Superstar
  

Dabei seit: 18.05.2004
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Herkunft: Frankfurt
Themenstarter
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Der Titel der englischen Ausgabe bezieht sich auf ein englisches Sprichwort: Truth is the daughter of time.
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05.10.2007 11:28 |
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€nigma
Kaiser

Dabei seit: 14.02.2005
Beiträge: 1.162
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Dieses Buch (die Originalausgabe) hat mich ebenfalls sehr begeistert. Ich möchte es jedem an der englischen Geschichte Interessierten empfehlen.
In dubio pro Ricardo Tertio...
__________________ Mein Bücherregal
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05.10.2007 12:09 |
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