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In der Kreide. - Philippe Djian

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magali
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Dabei seit: 15.12.2004
Beiträge: 5.133

In der Kreide. - Philippe Djian Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

OT: Ardoise 2002

Man kann Schriftstellerinnen und Schriftstellern auf ganz unterschiedliche Weise nahekommen. Man kann ihre Bücher lesen. Wenn sie dazu bereit sind, laden sie einen zuweilen auch ein, ihre Briefe und ihre Lebensgeschichten zu lesen. Das ist dann schon ziemlich nahe. Hin und wieder aber erlauben sie einem eine Nähe besonderer Art. Sie gewähren uns Einblicke in das, was sie ausmacht, das Schreiben nämlich.

Djians ‚In der Kreide’ ist ein solcher Einblick mitten ins Herz eines Schriftstellers. In zehn Kapiteln äußert sich Djian zu zehn Schriftstellern, deren Romane oder Gedichte ihn geprägt haben, als Mensch und als Schreibender. Bei denen er ‚in der Kreide steht’ - für einmal entsprechen sich Originaltitel und Titel der deutschen Übersetzung genau. Die deutschsprachige Ausgabe gibt noch den Untertitel ‚Die Bücher meines Lebens’ auf dem Umschlag dazu und nennt die zehn Autoren.
Es sind ausschließlich Männer, ein Franzose, Céline, ein Schweizer, Blaise Cendrars, und acht US-Amerikaner. Salinger und Kerouac, Faulkner und Melville, Henry Miller und Carver, Hemingway und Brautigan.

Djians Ton ist leicht, das Buch schmal, hundert Seiten vielleicht. Diese hundert Seiten aber enthalten eine solche Leidenschaft, ein Glühen für die Literatur wie fürs Schreiben, die das Buch einfach riesig machen. Es geht nicht darum, die Bücher und Autoren vorzustellen, es geht auch nicht darum, die Texte zu verteidigen oder für sie zu werben. Djians einziges Anliegen ist es, zu erzählen, wie diese Bücher auf ihn gewirkt haben und welche Konsequenzen sie für ihn als Schriftsteller hatten.

Daraus entwickelt sich dann, ohne daß man es merkt, eine kleine Literaturgeschichte ganz eigener Art, Djian’scher Art eben, aber auch eine von eigenen ästhetischen Gesetzmäßigkeiten. Die Frage nach dem, was ‚Stil’ ist, die Suche nach Echtheit, der Blick von der Straße, nicht der aus den Salons, das Gewicht von Wörtern, aus denen Worte und Sätze geworden sind. Soll man Sätze bis zum Äußersten eindampfen? Was ist das Wesentliche einer Aussage? Was ist Pornographie?
Daraus wiederum entwickelt sich eine Art Monolog Djians über sein eigenes Schreiben. Und der liest sich ebenso spannend.

Das Buch ist keine Bibel und erhebt keinen anderen Anspruch als den der Beschreibung persönlicher Erfahrungen bei der Lektüre. Es ist leidenschaftlich, es ist subjektiv, parteiisch.
Eben durch die persönliche Auswahl aber wird es ungemein intim. Man ist dem Schriftsteller Djian so nahe, daß man meint, sein Herz schlagen zu hören.
Die beschriebenen Bücher werden dabei lebendig und wirken völlig neu durch den ganz eigenen Blick, den Djian auf sie hat. Seine Beschreibungen machen nicht nur neugierig. Es geht, wenn man länger in dem Büchlein liest, eine regelrechte hypnotische Kraft von ihm aus. ‚Lies mich’, scheinen Kerouac oder Faulkner zu sagen, ‚Sofort’ ruft Henry Miller, Ist lange her. Zeit für einen zweiten Blick’ Salinger. Und Cendrars raunt ein ‚Wie wär’s mit uns beiden?’

„Es geht um folgendes“, schreibt Djian in der Vorbemerkung. „Eines Tages nahm ich ein Buch zur Hand, schlug es auf, und plötzlich geschah es. Ich las einen Augenblick wie gebannt, wie jemand, der Gold auf dem Müllplatz findet.“

Und gerade so kann es einem mit seinem ‚In der Kreide’ ergehen.

__________________
Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
K. Kraus


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    15.11.2007 12:21 magali ist offline E-Mail an magali senden Beiträge von magali suchen Nehmen Sie magali in Ihre Freundesliste auf
    magali
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    Dabei seit: 15.12.2004
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    Themenstarter Thema begonnen von magali
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    Hier noch die französische Ausgabe, weil ich das Cover mit der Schiefertafel (Ardoise heißt auch Schiefer) und der Namensliste so gelungen finde.

    Winken

    magali

    __________________
    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus


    Ardoise.
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    Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von magali: 15.11.2007 12:24.

    15.11.2007 12:23 magali ist offline E-Mail an magali senden Beiträge von magali suchen Nehmen Sie magali in Ihre Freundesliste auf
    Voltaire Voltaire ist männlich
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    Dabei seit: 10.05.2005
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    Djian ist mir mit seinem Buch "Reibereien" unheimlich auf den Senkel gegangen, seitdem leben wir getrennt von Tisch und Bett (literarisch gesehen smile ) - das hat er nun davon, der Schlingel.

    Nur muss ich nach dieser Buchvorstellung wohl dann doch mal wieder allen Vorsätzen untreu werden, und mir die Djian-Kreide reinpfeiffen. smile

    Ich bewundere mich gerade mal wieder selbst, wie knallhart ich doch zur eigenen Meinung stehe....... Grinsen

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    15.11.2007 12:54 Voltaire ist offline E-Mail an Voltaire senden Homepage von Voltaire Beiträge von Voltaire suchen Nehmen Sie Voltaire in Ihre Freundesliste auf
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