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Peter Handke - Die morawische Nacht

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Voltaire Voltaire ist männlich
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Peter Handke - Die morawische Nacht Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Titel: Die morawische Nacht
Autor. Peter Handke
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: August 2009
Seitenzahl: 561
ISBN-10: 3518461087
ISBN-13: 978-3518461082
Preis: 14.00 EUR


Ein ehemaliger Autor ruft seine Freunde zusammen. Es sind sieben Personen die sich auf einem Hausboot treffen. Das Boot liegt auf der Morawa, ein Zufluss zur Donau. Der Autor erzählt von einer gerade beendete Reise durch das westliche Europa. Er erzählt von einer Frau, vor der er flüchtete, die ihm mit dem Tode bedrohte. Aber war er wirklich auf der Flucht. Und was hat es überhaupt mit diesem Treffen auf sich? Und die zentrale Frage geht nach der Dauer der Reise.

Peter Handke war, ist und wird es wohl auch bleiben: Der "andere“ Autor. Mit dieser romanlangen Erzählung legt er einen weiteren Beweis für sein außergewöhnliches Können vor. Peter Handke ist sicher kein pflegeleichter Erzähler, er fordert die volle Aufmerksamkeit seiner Leser ein. Er macht es seinen Lesern nicht leicht. Immer wenn man denkt man habe endlich diesen oder jene Satz, diese oder jene Textstelle begriffen, dann macht Handke eine kurze Körpertäuschung und schon ist man als Leser wieder gezwungen, sich durch erneutes Nachdenken dem Text von Handke ein weiteres Mal zu nähern. Handke beherrscht wie kaum ein anderer den „literarischen Stan-Mathews-Trick“ (Ball innen vorbeispielen und dann am Gegenspieler außen vorbeilaufen). Nie macht er das was der Leser erwartet.

Bemerkenswert ist auch, das Handke auch immer die Ränder seiner Erzählungen einbindet, er lässt nichts am Wegesrand liegen. Nichts ist überflüssig, auch wenn es auf dem ersten Blick so erscheinen mag.

Ein großartiges Buch. Sehr empfehlenswert, wenn auch anstrengend. Aber eine angenehme, eine lohnenswerte Anstrengung.

__________________
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)

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Weitere Rezensionen zu Büchern dieses Autors (insgesamt 14):
  • Die morawische Nacht
  • Tage und Werke: Begleitschreiben
  • Der kurze Brief zum langen Abschied.
  • Buchbewertung:
    9.00 Punkte, 1 Stimmen
    08.09.2009 17:35 Voltaire ist offline E-Mail an Voltaire senden Homepage von Voltaire Beiträge von Voltaire suchen Nehmen Sie Voltaire in Ihre Freundesliste auf
    Herr Palomar Herr Palomar ist männlich
    Moderator


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    Dabei seit: 18.04.2006
    Beiträge: 14.646

    Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

    Die Morawische Nacht - Peter Handke

    Mein Eindruck:
    Der Morawische Nacht ist schon ein merkwürdiges Buch. Das liegt zum Teil an der Grundkonstellation, dass ein Exschriftsteller auf seinem Hausboot sieben Freunde empfängt und ihnen von seinen Reisen durch Ex-Jugoslawien, Spanien, Deutschland und schließlich die alte Heimat Österreich erzählt. Im Prinzip ein Monolog. Doch wer ist dieses Zuhörerkollektiv? Warum er gerade diesen Menschen seine Geschichte erzählt, bleibt unklar. Daher empfinde ich die Ausgangssituation als arg konstruiert, was aber nicht so schlimm ist, denn wenn man Peter Handke liest, nimmt man eine eigensinnige Romankomposition in Kauf.

    Den Status der Romanhandlung als jenseits aller Konventionen erlaubt Handke auch ein paar ungewöhnliche Beobachtungen und skurrile Szene, etwa wo er an Tagung teilnimmt, bei der alle Beteiligten schwer Lärmkrank sind. Schon normale Geräusche sind ihnen schmerzhaft.
    Später gibt es noch einmal einen Kongress, kurioserweise ein Welttreffen der Maultrommelspieler.
    .
    Es gibt weitere Begegnungen mit Menschen, die der Welt entrückt sind, verwirrte und Narren!

    Handke lässt viel erzählen, es gelingt ihm aber auch, seine Figuren einmal für einen Moment zum verstummen zu bringen.
    “Zu hören war eine Zeitlang alleine die Morawa…
    Eine Art Flut klatschte gegen die Bootswand und tief unten im Flußbett röhrte es.”

    Nur ein Seufzen des Ex-Autors ist es schließlich, dass die Stille bricht.
    Es ist vielleicht nicht überraschend, dass diese Figur leicht an seinen Schöpfer Peter Handke erinnert. Da ist die dörfliche Herkunft, die Jugoslawien-Affinität, unglückliche Liebesbeziehungen, das Bedürfnis nach Stille und Zurückgezogenheit.

    Bemerkenswert sind weiterhin viele Naturbeobachtungen und literarische Zitate (z.B. S.271 “Und dort gingen Baur und Bindschädleri m Abendlicht“, worin man die bekannten Romanfiguren von Gerhard Meier erkennen kann)..

    Weitere bekannte Handke-Motive sind die tote Mutter, der ferne Vater, die Niemandbucht, Stara Vas, die Jukebox etc.
    Als eine Schlüsselfigur, die besonders schwer fassbar ist, taucht der mysteriöse Melchior auf. Melchior, der Scheinfreund, der Todfeind! Kann er überwunden werden?

    Auch alte Handke-Figuren tauchen auf, z.B. Gregor Keuschnig aus „Stunde der wahren Empfindung“ oder Filip Kobal aus Die Wiederholung. (Solche Details muss man sich zum Verständnis teilweise anlesen, denn wer kennt schon alle Bücher eines Autors)
    Diese ganzen Begegnungen kennzeichnen die Reise des Exerzählers als ein durchwandern der Vergangenheit.

    Die morawische Nacht ist sicher kein einfaches Buch. Wo einem der Schlüssel zum Verständnis fehlt, wirkt es sperrig, aber dennoch wird man durch den Sprachzauber durch das Buch getragen. Das ist die perfekte Welle!

    __________________

    Neue Rezension: Ein Stern am Sommerhimmel - Elin Hilderbrand

    03.05.2016 20:46 Herr Palomar ist offline E-Mail an Herr Palomar senden Beiträge von Herr Palomar suchen Nehmen Sie Herr Palomar in Ihre Freundesliste auf
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