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Zoé Ferraris: Totenverse |
Sisch

Routinier
 

Dabei seit: 09.11.2006
Beiträge: 373
Herkunft: Hannover
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Zoé Ferraris lichtet mit Totenverse ein wenig den Schleier für einen Blick auf Saudi Arabien, einen Staat zwischen kaufkräftiger Modernität und strenger muslimischer Tradition
Eine junge Filmemacherin wird tot am Strand von Dschidda in Saudi Arabien aufgefunden. Ist sie wegen ihres Filmprojektes umgebracht worden, in dem sie über die absurde Sexualmoral des streng muslimischen Königreichs berichten wollte? Und in welchem Zusammenhang steht das plötzliche Verschwinden des Ehemanns der jungen US-Amerikanerin Miriam Walker zu dem Todesfall?
Die staatliche Pathologin Katya und ihr männlicher Begleiter, der strenggläubige Wüstenführer Nahir, gehen der Sache nach und stoßen auf einen Fall, der sich ganz anders entwickelt, als anfänglich angenommen.
Mein Fazit:
Strikte Geschlechtertrennung und allgegenwärtige Glaubenswächter, doch auch unverhohlene Doppelmoral und kreative Schlupflöcher für Verliebte: Wie schon in ihrem Debütkrimi „Die letzte Sure“ beschäftigt sich Zoe Ferraris in „Totenverse“ (im englischen Original: City of Veils – Stadt der Schleier) mit der besonderen gesellschaftlichen Situation im Wüsten- und Ölstaat Saudi Arabien, dem strenggläubigsten muslimischen Land der Welt. Erst jüngst schlug dort die Eröffnung einer gemischt-geschlechtlichen Universität durch den pro-westlichen König Abdullah hohe politische Wellen.
Neben ihrem clever inszenierten Kriminalfall beschreibt sie das alltägliche Leben aus der Sicht der Frauen, die weder Autofahren noch alleine einkaufen dürfen und dennoch nach Wegen aus der häuslichen Isolation suchen. Zoe Ferraris, die selbst ein Jahr in Dschidda am Roten Meer verbrachte, lichtet ein wenig den Schleier für einen Blick auf einen Staat zwischen kaufkräftiger Modernität und strenger muslimischer Tradition - spannend und lesenswert zugleich.
__________________ Sisch, hallo-buch.de
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12.10.2009 10:51 |
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Delphin

Unsterbliche Forenlegende
 

Dabei seit: 18.05.2004
Beiträge: 4.914
Herkunft: Frankfurt
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Das muss ich unbedingt lesen, das erste hatte mir schon so gut gefallen. Leider kommt es auf Englisch erst in einem halben Jahr raus. Weiss der Geier warum.
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12.10.2009 12:55 |
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beowulf
Zeitloser Forum-Superstar
  

Dabei seit: 09.08.2006
Beiträge: 6.388
Herkunft: Hohenloher Schlitzohr, jetzt seit 1990 in Leipzig
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Ein beeindruckender Krimi, zwar eigentlich ein klassischer Who-dune-it, aber hier geht es mehr um die Suche nach dem Warum. Dabei bringt die Autorin dem Leser so viel über die Kultur im heutigen Saudi- Arabien nahe, dass die Motive der handelnden Personen begreifbar werden- begreifbar heisst nicht verstehbar und nachvollziehbar, den diesen kulturellen Graben schaffe zumindestens ich nicht zu überwinden. Eine Kultur in der Frauen nicht Autofahren dürfen, in der ein Polizist sich weigert eine Frau zu verhaften weil er dann alleine mit ihr im Auto sitzen müsste, in der der Anblick einer Frau selbst im verhüllenden Gewand unrein macht vor dem Gebet- in der aber die Männer im Dessousgeschäft als Verkäufer arbeiten, Männer Pornovideos besitzen oder eine "Ehe auf Zeit" eingehen und die Ehefrau in der Zeit versorgen- weil das dann ja keine Prostitution ist- diese Welt ist zu weit weg um sie verstehen zu können. Aber- und das gelingt Zoe Ferraris- einen Einblick, einen kurzen Blick hinter den Schleier, den gewinnt der Leser von diesem Buch und das macht seinen Reiz aus. Das daneben noch viele falsche Spuren verfolgt werden, bis die Bestrafung des Mörders erfolgt steigert die Spannung und damit Lesefreude, aber dies ist kein Actionkrimi oder Thriller, bei dem die Spannug durch die Seiten treibt, mehr ein Regionalkrimi, der Land und Leute näherbringt und letztlich die Erkenntnis, wie unterschiedlich die Kultur, die Bräuche und die Religion- Menschen handeln als Menschen mit menschlichen Motiven überall auf der Welt.
Wirklich empfehlenswert.
__________________ Nemo tenetur
Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet
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29.06.2010 10:11 |
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Impressum
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