Der Bücherdrache - Walter Moers

  • Verlag: Penguin

    Format: Gebunden

    Seiten: 187


    Rückentext:

    "Bücher sind das beste Schmerzmittel, um das Leben zu ertragen." - Nathaviel, der Bücherdrache


    In den Katakomben von Buchhaim erzählt man sich die alte Geschichte vom sprachmächtigen Drachen Nathaviel. Angeblich besteht er aus lauter Büchern, die von der mysteriösen Kraft des Orms durchströmt sind. Die Legende besagt, der Bücherdrache habe auf jede Frage die richtige Antwort.


    Der Buchling Hildegunst Zwei, benannt nach dem zamonischen Großschriftsteller Hildegunst von Mythenmetz, macht sich eines Tages auf den Weg in den Ormsumpf, wo Nathaviel hausen soll. Dabei wagt er sich in Bereiche der Katakomben, in denen es von Gefahren wie den heimtückischen Bücherjägern nur so wimmelt. Und er ahnt nicht, dass die größte Gefahr, die ihm droht, vom Bücherdrachen selber ausgeht.


    Über den Autor:

    Der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz ist der bedeutendste Großschriftsteller Zamoniens. Berühmt wurde er durch seine 25-bändige Autobiographie „Reiseerinnerungen eines sentimentalen Dinosauriers“, ein literarischer Bericht über seine Abenteuer in ganz Zamonien und vor allem in der Bücherstadt Buchhaim.


    Sein Schöpfer Walter Moers hat sich mit seinen fantastischen Romanen und Comics weit über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus in die Herzen der Leser und Kritiker geschrieben. Alle seine Romane wie „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“, „Die Stadt der Träumenden Bücher“, „Der Schrecksenmeister“ und zuletzt „Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ sowie „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ waren Bestseller.


    Meine Meinung:

    Ein Traum in einem Traum in einem Traum...

    Eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte...

    Eine Kurzgeschichte (oder sogar Novelle?) aus dem Herzen der Katakomben von Buchhaim. Vielleicht. Denn durch den einleitenden Comic-Teil hält Walter Moers sich hier geschickt die Tür offen, alles lediglich als Traumgespinst abzutun. Oder eben auch nicht.


    Für mich war es auf jeden Fall schön, endlich mal wieder ins unterirdische Buchhaim einzutauchen und von den Buchlingen und dem Orm zu hören. Nach dem bereits erwähnten Comic als Einleitung zur Geschichte geht es ziemlich zügig voran, Hildegunst der Buchling wird von seinen Mitschülern angestachelt, den vermeintlich nur mythologischen Bücherdrachen im Ormsumpf aufzusuchen. Das Zusammentreffen findet dann erstaunlich schnell und ohne vorherige Hindernisse oder Verzögerungen statt, Hildegunst macht sich auf den Weg und am Ende desselben Kapitels steht er tatsächlich schon dem Bücherdrachen gegenüber.

    Aber das stört nicht, der Sumpf selbst wird dabei sehr eindrücklich geschildert, ein Ort des Verfalls, dunkel und trüb. Die Geschichte des Drachen Nathaviel ist unterhaltsam und wird von den gewohnten schönen Zeichnungen begleitet (meine liebste erstreckt sich sogar über mehrere Seiten). Hier ist es, wo Moers das Meiste seines Könnens versprüht, einerseits erfinderisch, andererseits aber auch etwas düsterer als an manch anderer Stelle in seinen Werken, so als würde sich die Vergangenheit dem Ort der Handlung, dem Sumpf, anpassen.

    Im Hinblick auf Hildegunst Zwei hat die Geschichte sogar eine „Coming of Age“-Komponente. Es ist ein Abenteuer, aufregend und gefährlich zugleich. Es bringt den wahren Charakter zum Vorschein, beflügelt und lässt ihn über sich hinauswachsen.


    Eine Passage fand ich bezeichnend, in der Nathaviel schildert warum Autor zu sein nicht wirklich erstrebenswert ist:

    Zitat

    „Beglückt von seinem Talent ist von denen fast keiner, glaub’s mir! [...] Viel häufiger sind sie irritiert. Bestürzt. Beleidigt! Oder verängstigt. Angst vor dem leeren Blatt Papier! Angst vor dem vollen Blatt Papier! Angst vor dem Publikum! Angst vor zu wenig Publikum! Angst vor zu wenig Ideen! Angst vor zu vielen Ideen! Angst vor Rezensionen! Angst vor keinen Rezensionen! “

    Im Hinblick auf das Hin und Her von Moers Veröffentlichungen in den letzten Jahren, klingen diese Worte auf jeden Fall nach.


    Manch einer mag jetzt fragen: Ist das Orm wieder zurück in Moers Büchern? Für mich erreicht es sicher nicht die sprudelnd-verspielte Kreativität von Blaubär oder Stadt der Träumenden Bücher, aber ich fühlte mich definitiv mehr „zu Hause“ als beispielsweise im Labyrinth oder bei Prinzessin Insomnia. Es ist vielleicht nur ein kurzes Kapitel in den „Buchhaim-Chroniken“, aber es fühlt sich an wie ein wichtiges.

    Überraschenderweise war es sogar noch ein Stückchen kürzer als angenommen, denn am Ende befindet sich auch noch eine Leseprobe zu dem ebenfalls schon länger angekündigten Zamonien-Roman „Die Insel der 1000 Leuchttürme“. Hier begleiten wir Hildegunst (das Original) bei seiner Reise auf die Insel, die mit rauem nautischen Charme und plastischem Seefahrerleid gespickt ist. Klingt auf jeden Fall schon mal vielversprechend. Erscheinungsdatum ist aber leider keines dazu angegeben.


    Fazit: Ich würde mich freuen, wenn diese Geschichte tatsächlich Teil des „realen“ Geschehens um Buchhaim und die Hildegunsts wäre und deshalb vielleicht auch eine Fortsetzung in einem der noch folgenden Romane fände, vielleicht ja sogar im Schloss der Träumenden Bücher, wer weiß...?


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    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

  • Manch einer mag jetzt fragen: Ist das Orm wieder zurück in Moers Büchern? Für mich erreicht es sicher nicht die sprudelnd-verspielte Kreativität von Blaubär oder Stadt der Träumenden Bücher, aber ich fühlte mich definitiv mehr „zu Hause“ als beispielsweise im Labyrinth oder bei Prinzessin Insomnia. Es ist vielleicht nur ein kurzes Kapitel in den „Buchhaim-Chroniken“, aber es fühlt sich an wie ein wichtiges.

    Dem stimme ich absolut zu, ich hab das Buch auch schon gelesen und hatte wirklich meine Freude daran, bin dem kleinen Buchling und den Klassikern gerne durch die dunklen Katakomben gefolgt. Es ist ein Häppchen, aber ein sehr leckeres, eins das wirklich wieder richtig Appetit auf das nächste größere Moers-Buch macht. Ich hatte so gehofft daß es mir gefällt und bin nicht enttäuscht worden.


    In Aussehen und Haptik ist der "Bücherdrache" wieder ein Traum, die Zeichnungen wie immer genial, witzig und liebevoll. Die Zeichnungen mochte ich übrigens auch im Labyrinth. Ich bewundere immer wieder wie unglaublich viel Phantasie, Detailreichtum und Arbeit da drinsteckt.

    "Von den Sternen kommen wir, zu den Sternen gehen wir.
    Das Leben ist nur eine Reise in die Fremde. "


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