'Die Hochzeit der Chani Kaufman' - Kapitel 10 - 15

  • Das Vermittlungsgespräch zwischen Baruchs Mutter und der Heiratstante war ja köstlich beschrieben. Die Vorzüge der beiden Heiratskandidaten werden gegeneinander abgewogen und letztendlich verliert Chani weil sie nicht auf dem College für jüdische Mädchen war. Wegen ihrer Widerspenstigkeit, was zwar nicht ganz deutlich gesagt wird aber Mrs. Levy ein willkommener Anlass sie abzulehnen. Bin ja auf Baruchs Reaktion gespannt, da er sie ja dann doch bekommt.


    Was hat es denn nun mit diesem Avromi auf sich?? Eine zusätzliche Liebesgeschichte mit Komplikationen?? Ich glaube die Autorin will uns die ganze schwierige Lage der streng religiösen Juden aufzeigen, das Leben spielt eben anders als Gesetze und Vorschriften.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Mir gefällt das Buch inzwischen immer besser. Die Situationskomik und der Wortwitz haben einen hohen Stellenwert was mir immer Freude macht. So wird der Ernst und die Strenge der Religion doch etwas aufgelockert.

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  • Was hat es denn nun mit diesem Avromi auf sich?? Eine zusätzliche Liebesgeschichte mit Komplikationen??

    Dass Avromi der Sohn der Rebbetzin ist, wird im 1. Abschnitt schon mal kurz erwähnt. Ich denke, seine Geschichte ist die eines Jugendlichen, der aus der orthodoxen Gemeinschaft ausbricht. Interessanterweise geht er damit den umgekehrten Weg seiner Eltern und ich bin gespannt, ob sich komplett von der orthodoxen Lebensweise lossagen wird. Mit Sholi hat er jedenfalls eine äußerst verständnisvolle Freundin gefunden - seine Einführung in das säkulare Studentenleben hätte auch ganz anders ablaufen können!

    Ich finde das eh ganz schön mutig von ihm: wenn ich mir das so vorstelle, ein orthodoxer Student, vermutlich mit Schläfenlocken, dazu die Kippa auf dem Kopf und den unförmigen schwarzen Anzug plus Gebetsschal - das erfordert schon einiges an Überwindung, sich so unter die anderen Studenten zu mischen. Zu Vorlesungen zu gehen, ist ja eine Sache, aber dann auch noch abends in die Student Union... das ist schon echt mutig.

    Das Vermittlungsgespräch zwischen Baruchs Mutter und der Heiratstante war ja köstlich beschrieben.

    Da habe ich mich auch köstlich amüsiert. Dieser Eiertanz der beiden Frauen, das taktische Geplänkel - das war echt herrlich zu lesen. Da sieht man auch mal wieder, wieviel Geschäftemacherei letztlich auch bei diesen Ehevermittlungen im Spiel ist.

    Mir hat übrigens die Szene zwischen Baruch und Avromi gut gefallen - wo sie Chani bei einer Hochzeit beobachtet haben.

    Die Szene fand ich auch sehr lustig. Ich könnte mir vorstellen, dass Baruch sehr viel lebenslustiger sein könnte, wenn er nicht durch seine Erziehung und die Regeln der orthodoxen Lebensweise so gehemmt würde.


    LG, Bella

  • Die Szene fand ich auch sehr lustig. Ich könnte mir vorstellen, dass Baruch sehr viel lebenslustiger sein könnte, wenn er nicht durch seine Erziehung und die Regeln der orthodoxen Lebensweise so gehemmt würde.


    LG, Bella

    Die Regeln und die bestimmte Kleidung, die Riten und das Einhalten von gesellschaftlichen Normen erinnert mich ganz stark an die Amishen. Auch da ist ja keine Möglichkeit, sich mit Mädchen oder Jungen aus anderen sozialen Schichten eine Beziehung einzugehen oder sich zu treffen. Wobei, es da ja eine Zeit gibt, wo sich die jungen Mitglieder austoben können. Wer dann allerdings entscheidet, nicht in der gewohnten Gemeinschaft zu leben, wird ebenso ausgestoßen wie es vermutlich auch bei den Chassiden der Fall ist.

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  • Ich schreib jetzt einfach hier mal rein, was mir die ganze Zeit schon durch den Kopf geht.


    Von den Rabbinern haben wir ja eindeutige Bilder vor Augen und man sieht sie auf Fotos bzw. TV/Film. Aber bereits im 1. Abschnitt war ja zu lesen wie sich die Frauen "verkleiden" müssen. Habt ihr dazu auch Bilder vor Augen bzw. könnt ihr euch an Fotos erinnern? Ich habe zwar meine persönlichen Vorstellungen aufgrund von Beschreibungen, aber an Fotos kann ich mich nicht erinnern.


    Wißt ihr was ich meine???

  • Ich erinnere mich an den Film "Yentl" mit Babra Streisand. Ein wunderbarer Film. Aber an verheiratete Frauen, und nur die müssen sich ja mit Scheitel versehen, kann ich mich nicht erinnern. Und an der Kleidung des Mädchens fand ich nichts besonderes. Ehrlich gesagt, kommen wohl die Frauen in diesen Filmen zu kurz.

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  • Dass Avromi der Sohn der Rebbetzin ist, wird im 1. Abschnitt schon mal kurz erwähnt. Ich denke, seine Geschichte ist die eines Jugendlichen, der aus der orthodoxen Gemeinschaft ausbricht.


    LG, Bella

    Das hatte ich schon wieder vergessen. Danke bella

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  • Ich vermute, die orthodoxen Frauen sind optisch so unauffällig, dass man sie auf Bildern nicht extra wahrnimmt. Die Männer fallen dagegen schon auf.


    Übrigens stelle ich mal wieder fest, dass ich auch bei diesem Buch den Originaltitel viel treffender finde als den deutschen. Bei "Die Hochzeit der Chani Kaufman" denkt man ja erstmal nur an das Fest, doch darum geht es ja eigentlich nur am Rand - darum war ich beim Lesen auch etwas irritiert, dass es gleich mit der Hochzeit losging. Im Original heißt es "The marrying of Chani Kaufman" - das impliziert viel mehr das Drumherum und durch die Formulierung "the marrying of" wird auch gleich deutlich, das Chani bei dem ganzen Prozess eine eher passive Rolle spielt. Allerdings wüsste ich jetzt so spontan auch nicht, wie man das treffend im Deutschen wiedergeben und dabei auch noch möglichst viele potentielle Leser ansprechen könnte. :gruebel


    LG, Bella

  • belladonna


    Das stimmt, der englische Titel würde es besser treffen. Aber mir fällt dazu auch kein treffender ein.


    Mit der Unauffälligkeit, das mag stimmen. Ich habe so Bilder vor Augen wo viele Männer mit ihren Schläfenlocken, Talmud unter dem Arm dahin eilen - und da sehe ich zumindest keine Frau in der Nähe :gruebel

  • Ich finde es interessant, dass sie mit Avromi nun eine Figur eingeführt hat, die offensichtlich gegen die strengen Regeln rebelliert - sie allerdings anfänglich noch sehr stark verinnerlicht hat (z.B. as er seiner Kommilitonin nicht die Hand reichen will).


    Ich weiß nicht, wie die Regeln bei orthodoxen Juden hinsichtlich ehemaligen Gemeindemitgliedern sind. Die Amish sind da ja knallhart und ignorieren eine geächtete Person weitestgehend. Grausam in meinen Augen.


    Der Titel ist wirklich im Original besser - Verheiratung trifft es vielleicht, allerdings klingt das mir ein wenig zu stark nach Zwangsehe. Es ist zwar eine arrangierte Ehe, aber offensichtlich haben beide die Möglichkeit, ihre Meinung dazu kundzutun. Die Ehevermittlerin denkt ja darüber nach, dass Chani bereits mehrere potentielle Kandidaten abgelehnt hat und sie selbst auch mehrfach abgelehnt wurde.

  • So, in der Mittagspause den Abschnitt beendet. Mir gefällt das Buch wirklich gut - Liebesgeschichten ohne Schmalz, dazu lehrreich und humorvoll. Es hat etwas vom echten Leben, nicht wie die meisten Liros. Obwohl Baruch ja anscheinend von der Liebe auf den ersten Blick (Rücken) getroffen wurde :lache


    Die Jüdinnen dürften weitaus weniger auffallen als die Juden. Eine gute Perücke fällt nicht weiter auf, und Rock und Strumpfhose in gedeckten Farben wirken eventuell altmodisch, aber nicht auffällig.


    Interessant fand ich die Lösung mit der Brosche: Wenn sie diese trägt, weiß er gleich, die nächsten 7-14 Tage ist keine körperliche Berührung erlaubt. Dafür danach aber echte Leidenschaft - auch nicht schlecht.


    Die Vorgeschichte von Baruch und Chani ist schon irgendwie süß - wie ein klassisches Liebesdrama (hoffentlich mit Happy End), mit kontrollsüchtiger Schwiegermutter und Schwiegervater steht unter dem Pantoffel.


    Bei Rebecca und Chaim kann man die Entwicklung gut nachvollziehen. Der Abend in der Schul klingt nach einem echten Erlebnis mit Musik und Tanz - da würde ich vielleicht auch wieder in die Kirche gehen. Hoffentlich bekommen die beiden wieder die Kurve.


    Dass Avromi Chaims und Rebeccas Sohn ist hatte ich ganz übersehen, aber wo ihr es erwähnt, fällt mir auch wieder ein, dass es da doch Ärger gab, der nicht näher erläutert wurde. Der Vater redet derzeit anscheinend nicht mit ihm. Jetzt wissen wir zumindest, wie der Ärger heißt ... Das dürfte noch spannend werden.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis