Christine Brand - Der Bruder

  • Christine Brand, geboren und aufgewachsen im Emmental in der Schweiz, ist Schriftstellerin und freie Journalistin. Bevor sich Christine Brand selbständig machte und sich entschied, als schreibende Nomadin zu leben, arbeitete sie zehn Jahre lang als Reporterin bei der «NZZ am Sonntag». Zuvor war sie als TV-Reporterin und als Gerichtsberichterstatterin tätig. Nebst zahlreichen Kurzgeschichten in Krimi-Anthologien hat sie mit «Schattentaten - wahre Verbrechen ans Licht gebracht» einen Sammelband mit authentischen Kriminalfällen veröffentlicht. Christine Brand lebt heute die Hälfte des Jahres in Zürich, im Winterhalbjahr schreibt sie oft auf Sansibar oder von unterwegs. http://www.christinebrand.ch


    Auf der Suche nach Fabio und der Vergangenheit Irenas


    "Er hat in seiner Karriere vieles gesehen. Er weiß, dass der Mensch zu allem fähig ist, zu viel mehr, als sich ein normaler Verstand vorstellen kann." (Buchauszug)

    Viele Jahre ist es her, das Rechtsmedizinerin Irena Jundt ihren 11-jährigen Bruder Beni verloren hat. Nun ist ihr Vater gestorben und reißt die alten Wunden wieder auf, die Irena längst vergessen wollte. Zur Hausauflösung kehrt sie ins Berner Unterland und muss erkennen, das an der alten Geschichte etwas nicht stimmen kann. Plötzlich kann sie sich nicht mehr vorstellen, dass der Mörder, der damals verurteilt wurde, wirklich Beni getötet hat. Doch wer dann, Irena muss das unbedingt herausfinden und merkt, dass die Dorfbewohner etwas verbergen. Währenddessen sucht das Team von Sandro Bandini nach den kleinen Fabio Della Fortuna. Jede Minute zählt, um den Jungen lebend wiederzufinden, das weiß auch Journalistin Milla Nova und macht sich ebenso auf die Spur.


    Meine Meinung:
    Wieder ein düsteres, einfaches Cover, das gut zur Milla Nova Reihe passt. Dies ist der dritte Kriminalfall, bei dem nicht nur das Team um Leib und Leben, sondern außerdem Journalistin Milla Nova ermittelt. Und natürlich erfahren wir zudem, wie es dem blinden Nathaniel mit seiner Hündin Alisha weiter ergeht. Er gehört einfach schon irgendwie dazu, seit er in Band eins seinen großen Auftritt hatte. Dass dieser Fall teils auf wahren Begebenheiten basiert, hat mich wirklich am meisten schockiert. Den die Autorin nimmt uns mit in einen Kriminalfall, der vor vierzig Jahren die ganze Schweiz erschüttert hat. Diese Kinder, die damals allesamt vermisst wurden, hat die Autorin hier zu Beginn des Buches aufgeführt. Einige davon wurden später tot aufgefunden, doch von den meisten fehlt bis heute jede Spur. Dass sie dies selbst noch immer nicht vergessen kann, verstehe ich gut. Darum hat Christine Brand hier das Geschehen für sich selbst verarbeitet, was mit diesen Kindern passiert sein könnte. Dass sich diesmal wieder Sandro und Milla beruflich in die Quere kommen, war fast naheliegend. Dass Milla wieder viel zu viel ausplaudert, was die Öffentlichkeit nicht wissen soll, passt Sandro mal wieder gar nicht. Kein Wunder also, das es erneut zu einem schweren Krach zwischen den beiden kommt. Genauso halten mich Nathaniel und Silas wieder in Atem. Den durch Nathaniel Alleingänge mit Blindenhund Alisha wird es mitunter gefährlich. Kein Wunder also, dass er dabei gerne ins Fettnäpfchen tritt und dann Millas Hilfe braucht. Jedoch diesmal ist es andersherum, den Milla braucht erstmals seine Hilfe. Auffällig gut sind diesmal die Szenenwechsel eingebaut. Sodass ich durch Spannung, humorvolle Szenen und die kurzen Kapitel kaum mehr das Buch weglegen kann. Selbst wenn die Thematik nicht gerade einfach zu verdauen ist. Den gerade die Ungewissheit, was genau passiert ist, belastet mich als Leser schon. Besonders wenn man dann am Buchende erfährt, es diese Vermisstenfälle wirklich gegeben hat. Was mag wohl wirklich mit diesen Kindern passiert sein? Das scheint Autorin und Reporterin Christine Brand ebenfalls noch immer zu belasten. Ebenso wie Ungewissheit der vielen Familien, die genauso mit ins Buch einfließt. Dass es diesmal ausgesprochen viele Tote gibt, erstaunt mich dagegen weniger. Vielmehr bin ich fasziniert, wie sie diese alle in ihre Geschichte mit einbaut. Trotzdem ich recht früh eine Ahnung habe, erwarten mich noch einige unerwartete, spannende und brisante Szenen, mit denen ich nicht rechnen konnte. Zudem erscheint der Fall wesentlich anspruchsvoller, wie ich es am Anfang erwarten hatte. Nicht nur das die Autorin wieder einmal ihre Protagonisten in Gefahr bringt, erzählt sie außerdem einiges aus dem Privatleben ihrer Hauptcharaktere. So heiratet zum Beispiel Nathaniel zum Schein, um Carole und Silas zu helfen. Humorvoll wird es erst, als er sich ausgerechnet in eine extravagante Frau verliebt, mit der er selbst nicht gerechnet hat. Mehr möchte ich jedoch nicht verraten. Alles, was sonst noch passiert, darf man gerne selbst nachlesen. Ich jedenfalls freue mich auf einen weiteren Kriminalfall und gebe 10 Eulen.
    :thumbup:


    ASIN/ISBN: 3764507454

    "Lebe jeden Tag so, als ob du dein ganzes Leben lang nur für diesen einen Tag gelebt hättest."

  • Nach dem Tod ihres Vaters kehrt die Rechtsmedizinerin Irena Jundt in ihr Heimatdorf zurück, um alles zu klären. Dabei kehren auch Erinnerungen an ihren Bruder Beni zurück, der seit fast 30 Jahren vermisst wird. Der Täter soll zwar hinter Gittern sitzen, doch nach einem Gespräch mit ihm, glaubt Irena an seine Unschuld. Währenddessen ermittelt Sandro Bandini im Entführungsfall eines kleinen Jungen in Bern, auch seine Freundin Milla Nova, eine Journalistin, stellt auf eigene Faust Ermittlungen an.

    Das Cover ist ein echter Hingucker. Es passt perfekt zur bisherigen Reihe um Milla Nova und natürlich auch zum vorliegenden Buch. In seiner Düsternis zeigt es doch auch Licht. Besonders hervorzuheben ist auch noch die Haptik an den Ecken.

    Der Schreibstil der Autorin ist ausgezeichnet; Orte und Charaktere werden bildhaft beschrieben. Obwohl es für mich das 1. Buch der Autorin war, konnte ich mich schnell in die Protagonisten einfühlen.

    Die Spannung ist von der ersten bis zur letzten Seite auf höchstem Niveau.

    Hervorzuheben sind neben den Perspektivwechseln und verschiedenen Handlungssträngen auch die des Öfteren vorkommenden Cliffhanger am Ende des Kapitels, die es einem unmöglich machen das Buch wegzulegen.

    Neben sehr interessanten Charakteren kann das Buch auch mit einigen überraschenden Wendungen aufwarten und punkten.

    Zudem war es natürlich auch sehr emotional, v.a. da es in den 1980ern in der Schweiz tatsächlich eine Reihe von verschwundenen Kindern gab bzw. zum Teil noch immer gibt.

    Außerdem überraschte mich das Buch mit der Feststellung, dass Mord in der Schweiz tatsächlich (nach 30 Jahren) verjährt, und man dafür nicht mehr verurteilt werden kann.

    Da mir dieser Teil so gut gefiel, habe ich mir gleich mal die vorhergehenden Teile als E-Book gekauft.

    Fazit: Genau so muss ein Krimi sein. Spannend von Anfang, facettenreich bis zum Ende mit einigen Wendungen und interessanten Charakteren. 5 von 5 Sternen, da es nicht mehr zu vergeben gibt.

  • Hier vergibt man Eulen 10 Eulen sind das beste. :)

    "Lebe jeden Tag so, als ob du dein ganzes Leben lang nur für diesen einen Tag gelebt hättest."

  • Inhalt lt. Amazon:


    Irena Jundts Vater ist tot. Um das Elternhaus zu räumen, muss die Rechtsmedizinerin der Berner Kripo zurück in das abgelegene Bergdorf ihrer Kindheit. Eine Kindheit, die mit dem Verschwinden ihres Bruders abrupt endete. Damals wurde ein brutaler Kindermörder für Benis Tod verurteilt. Doch bei ihrer Rückkehr erkennt Irena, dass irgendetwas an der Geschichte nicht stimmt, und die Dorfbewohner etwas verbergen. Wenig später wird in Bern ein kleiner Junge vermisst gemeldet – Sandro Bandini, Chef der Abteilung Leib und Leben bei der Berner Polizei, beginnt mit Hochdruck zu ermitteln und auch seine Freundin, Journalistin Milla, versucht mit gewohnt unkonventionellen Mitteln die Spur des Kindes zu verfolgen. Noch ahnt niemand, welche Kreise der Fall ziehen wird – und dass die Vergangenheit noch immer dunkle Schatten in die Gegenwart wirft …



    zur Autorin:


    Christine Brand, geboren und aufgewachsen im Emmental in der Schweiz, ist Schriftstellerin und freie Journalistin. Mit ihrem Kriminalroman «Blind» gelang ihr 2020 ein Bestseller, der nicht nur in der Schweiz wochenlang in den Topten zu finden war, sondern es auch auf die Spiegelbestsellerliste landete. 2021 doppelte sie mit «Die Patientin» nach, im April 2021 erscheint der dritte Teil, «Der Bruder.» Ebenfalls 2021, Ende Juli, erscheint beim Kampa-Verlag der Roman «Bis er gesteht» - eine literarische Nacherzählung eines realen Kriminalfalls. Im Buch «Wahre Verbrechen», das im Herbst 2021 bei Blanvalet erscheint, erzählt Christine Brand in Form von langen Kriminalreportagen sechs große, wahre Verbrechen nach.

    Bevor sich Christine Brand selbständig machte und sich entschied, als schreibende Nomadin zu leben, arbeitete sie zehn Jahre lang als Reporterin bei der «NZZ am Sonntag». Zuvor war sie als TV-Reporterin und als Gerichtsberichterstatterin tätig. Nebst zahlreichen Kurzgeschichten in Krimi-Anthologien hat sie mit «Schattentaten - wahre Verbrechen ans Licht gebracht» einen Sammelband mit authentischen Kriminalfällen veröffentlicht. Anschliessend folgten vier Kriminalromane, in denen die umtriebige TV-Reporterin Milla Nova ihre Nase immer zuvorderst hat und nicht selten die Ermittlungen der Polizei durchkreuzt: «Todes-Strich», «Das Geheimnis der Söhne», «Kalte Seelen» und «Stiller Hass». 2016 erschien ihr Buch «Mond – Geschichten aus aller Welt»: Ein Sammelband mit 30 alten Sagen über den Mond, gesammelt in 25 Ländern und in moderner Sprache neu erzählt. Christine Brand lebt heute die Hälfte des Jahres in Zürich, im Winterhalbjahr schreibt sie oft auf Sansibar oder von unterwegs. http://www.christinebrand.ch



    Meine Meinung:

    "Der Bruder" ist der dritte Teil einer schweizerischen Krimireihe aus der Feder von Autorin Christine Brand. Ich kenne den ersten Band und hat mir dieser schon gut gefallen, so konnte der neue Band meine Begeisterung sogar noch toppen.


    Die Darsteller waren mir von Anfang an sympathisch und ihre pivate Entwicklung über die Reihe bilden einen sehr unterhaltsamen Rahmen für eine trickreiche spannende Krimiunterhaltung. Aber keine Sorge, auch Quereinsteiger finden sich zurecht in diesem Buch. Das Charakterbuilding spielt eine große Rolle und man kommt auch den Opfern und den Opferfamilien emotional sehr nahe. Ich freue mich, dass die Rolle des Blinden Nathaniel (siehe Band 1 "Blind") und seiner eigenwilligen Blindenhündin weiterhin eine wichtige ist und dass die Ermittlungen auf zwei Ebenen, Journalismus und Kriminalistik, aufgerollt werden. Durch Wechsel in den Erzählsträngen wird das Tempo von Anfang an hoch gehalten und man weiß viel aber wird immer wieder überrrascht von unerwarteten Wendungen und neuen Erkenntnissen. Es geht diesmal u.a. um das Schicksal einiger vermisster Kinder, was dem Ganzen eine tragische Note gibt. Die Autorin findet eine kluge Art und Weise, um dieses brisante Thema mit all seinen schrecklichen Facetten zu beleuchten und es wirkt dabei trotzdem nie reißerisch oder aufgesetzt. Es ist außerdem kein besonders blutiger Krimi was der Spannung keinen Abbruch tut.


    Ich wurde von der ersten Seite an hervorragend unterhalten. Schon lange keinen so spannenden unterhaltsamen Krimi aus deutschsprachiger Feder mehr gelesen. Auch wenn ein, zwei Täter dem geübten Leser natürlich schnell verdächtig waren. Dennoch bangte ich mit unseren Heldinnen und Helden. Klasse fand ich die ungewöhnlichen Konstellationen bei den professionellen aber auch den privaten Ermittlungen. Ich freue mich sehr, wenn die Reihe bald fortgesetzt wird. Und meiner Meinung nach schreit sie nach einer Verfilmung. (Es gäbe nun auch eine Rolle für Christine Urspruch. :))


    9 von 10 Eulenpunkten (Tendenz nach oben)


    ASIN/ISBN: 3764507454

    Hollundergrüße :wave




    :lesend


    Beate Rygiert - Die Ullsteinfrauen und das Haus der Bücher

    Anthony Doerr - Wolkenkuckucksland


    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)