'Das Glück unserer Zeit - Das Vermächtnis der Familie Lagerfeld' - Seiten 373 - Ende

  • Ich habe das Buch dann gestern Abend doch noch beendet. Irgendwie ist das ganz langsame Lesen dann doch nichts für mich. Da werde ich einfach grantig ;-) Ich bin schon gespannt auf eure Meinungen zu dem Buch.


    Ebbe war wohl echt ein einsamer Mensch. Sie hat doch in nichts wirklich Erfüllung gefunden. Gut, eine Zeitlang hat Karl ihre Träume erfüllt, aber der hat dann ja auch sein eigenes Leben geführt, in das seine Eltern ja scheinbar nicht so richtig reingepasst haben. Warum sonst hat er sich die ganzen Geschichten ausgedacht?


    Wobei sich mir die Frage gestellt hat, ob das Buch hätte erscheinen können, solange Karl noch am Leben war? Nachdem er ja schon recht ärgerlich war, als die Familie und Freunde einen Teil seiner Geschichten korrigiert haben.


    Otto hat zu mindestens in seiner zweiten Ehe keine Geborgenheit gefunden, was ich recht tragisch finde. Er hat zwar Erfüllung in seiner Arbeit gehabt, aber als das dann zu Ende war, war da halt auch ein schwarzes Loch. Ebbe hat sich ja lieber um Karl gekümmert. Irgendwie wirkte er am Schluss recht einsam und alleingelassen auf mich. Durch den Umzug nach Baden Baden ist dann ja auch der Kontakt zu Kurt weniger geworden. Und seine Mädels haben sich ihr eigenes Leben aufgebaut.


    Was mich ja echt empört hat, war, dass Ebbe dann auch noch Ottos Testament missachtet hat und das Erbe der Kinder verprasst hat. Die beiden Töchter haben ja eigentlich wirklich gar nichts geerbt von dem, was Otto mühsam aufgebaut hat. Karl hat ja schon zu Lebzeiten ordentlich abgesahnt.

    Ich frag mich immer wieder wie Ebbe zu der Erkenntnis kam, sie hätte das alles auch verdient. Sie hat in ihrem Leben mit Otto sicher ihre Träume hinten anstellen müssen, aber das war eigentlich vor der Hochzeit klar. Wenn sie es anders angegangen wäre, hätte sie vielleicht auch mehr umsetzen können. Aber eigentlich war sie immer nur am meckern, nichts war gut genug für sie. Und Otto hat ja mehr als genug Häuser für sie gekauft, die sie ausstatten durfte wie sie es meinte. Nur der Resthof, der ihr am Ende ja auch ein halbwegs sicheres durchkommen durch den Krieg verschafft hat, war ja Ottos eigener Traum, bei allem anderen hat er sich ja ihr angepasst.


    Beruflich hat sich Otto ja wirklich herumschlagen müssen. Die ewigen Anfeindungen zehren ja auch und die Verleumdung nach Kriegsende hat dem Fass ja den Boden ausgeschlagen. Aber am Ende muss auch Otto lernen loszulassen und anderen das Ruder zu überlassen. Ich weiß nicht, ob es für ihn einfacher gewesen wäre, wenn es seine eigene Firma gewesen wäre.


    Danke auf jeden Fall für diese wirklich interessante Dilogie. Wer hätte gedacht, dass Karl Lagerfeld so interessante Vorfahren hatte :-) Und gerade das zweite Buch erklärt auch ziemlich gut, wie er zu dem Menschen wurde, den wir alle aus der Zeitung kennen.

    Mir haben die beiden Bücher wirklich gut gefallen.


    Und jetzt bin ich doch mal auf die Meinungen der Rest der Leserunde gespannt. Ich werde auf jeden Fall hier weiter mitlesen.

  • Du warst ja richtig schnell! :wave

    Ebbe war wohl echt ein einsamer Mensch. Sie hat doch in nichts wirklich Erfüllung gefunden. Gut, eine Zeitlang hat Karl ihre Träume erfüllt, aber der hat dann ja auch sein eigenes Leben geführt, in das seine Eltern ja scheinbar nicht so richtig reingepasst haben. Warum sonst hat er sich die ganzen Geschichten ausgedacht?

    Ebbes Enkelin (Theas Tochter), die in den Internatsferien immer bei den Großeltern war, schilderte sie als eine Frau, die innerlich immer wütend war. Es wurde alles und jedes bemängelt, nichts konnte man ihr recht machen. So erzählten es auch die anderen. Ebbes Art der Kommunikation war eisig und mit demütigenden sarkastischen Sprüchen. (Das kennt man ja auch schon aus Karls Erzählungen, Stichwort Nasenlöcher oder Hintern.)

    Mit dem Umzug nach Paris hat sie sich ihre Träume erfüllt und anfangs war sie ja auch glücklich bei Karl. Die beiden sollen sich manchmal angeschaut haben wie Verliebte (Dazu gibt es auch ein schönes Bild aus der Zeit im Harvestehuder Weg. Das ist auf meinem Collage-Post auf Instagram zu sehen) . Aber irgendwann wurden ihre ständige Einmischungen wohl zu übergriffig. In der Familie wird erzählt, Karl sei erleichtert gewesen, als sie in sein Schloss in der Bretagne zog. Er habe den Bediensteten viel Geld zahlen müssen, damit sie nicht vor ihren Launen davonrennen.


    Dennoch:

    Es liegt mir fern, mit dem Finger auf sie zu zeigen. Es gibt immer Gründe, warum jemand zu dem Menschen wird, der er ist. Und das habe ich im Roman auch dazustellen versucht.

    Ebbe entstammt einer preußisch strengen Familie, in der absoluter Gehorsam gefordert wurde. Ein Kind hatte da gar nichts zu sagen, Liebe und Zuneigung galt als Verzärteln. Gleichzeitig wurde ihr vermittelt, etwas Besonderes zu sein. Der Vater war in der katholischen Zentrumspartei ein hohes Tier und kannte den Kaiser höchstpersönlich. Das Kreisständehaus hatte etwas von einem Schloss, Ebbe war umgeben von Bediensteten. Der tiefe Sturz der Familie nach dem Tod des Vaters und die Folgen der Hyperflation werden natürlich etwas mit ihr gemacht haben. Erstmals hat sie Armut und Not am eigenen Leib erlebt. Ihrer Enkelin erzählte sie von schrecklichen Erlebnissen in Berlin. Und dass die goldenen Zwanziger gar nicht so golden waren.


    Eigentlich hat Ebbe zeitlebens danach gestrebt, wieder in die privilegierte Klasse zu kommen, aus der sie gekommen ist. Nur eben als emanzipierte Frau.

    Otto war für derartige Ansprüche viel zu bodenständig. Und sein Rollenbild war zudem recht antiquiert.


    Wobei sich mir die Frage gestellt hat, ob das Buch hätte erscheinen können, solange Karl noch am Leben war? Nachdem er ja schon recht ärgerlich war, als die Familie und Freunde einen Teil seiner Geschichten korrigiert haben.

    Wenn Karl noch am Leben wäre, hätte ich das Buch wahrscheinlich gar nicht geschrieben. Er hat ja schon die Biografin Alice Drake mit Klagen überzogen, ist aber nicht durchgekommen. Tatsächlich hätte ich auch Respekt vor seinem Geheimhaltungsbedürfnis gehabt. Jeder hat ein Recht auf Privatleben.


    Otto hat zu mindestens in seiner zweiten Ehe keine Geborgenheit gefunden, was ich recht tragisch finde. Er hat zwar Erfüllung in seiner Arbeit gehabt, aber als das dann zu Ende war, war da halt auch ein schwarzes Loch. Ebbe hat sich ja lieber um Karl gekümmert. Irgendwie wirkte er am Schluss recht einsam und alleingelassen auf mich. Durch den Umzug nach Baden Baden ist dann ja auch der Kontakt zu Kurt weniger geworden. Und seine Mädels haben sich ihr eigenes Leben aufgebaut.


    Ja, das ist das wirklich Tragische an der Geschichte. Otto hatte letztlich nur für seine Arbeit gelebt. Die Firma war wie eine zweite Familie. Er ist – so wurde es mir erzählt –, nach dem Umzug nach Baden-Baden regelrecht in sich zusammengesunken.


    Was mich ja echt empört hat, war, dass Ebbe dann auch noch Ottos Testament missachtet hat und das Erbe der Kinder verprasst hat. Die beiden Töchter haben ja eigentlich wirklich gar nichts geerbt von dem, was Otto mühsam aufgebaut hat. Karl hat ja schon zu Lebzeiten ordentlich abgesahnt.

    Doch, die beiden Töchter hatten nach seinem Tod auch Geld bekommen. Nur die Häuser, die zur Alterssicherung gedacht waren, nicht. Thea und Christel haben im Alter entsprechend bescheiden gelebt.


    Ja, auch ich war sehr empört. Und ich habe lange mit dem tragischen Ende der Geschichte gehadert. Als Autorin möchte man ja, dass die Leserinnen und Leser das Buch zufrieden zuschlagen. Aber dann hätte ich die Wahrheit durch Fiktion verdrängen müssen und das widersprach meinem Anspruch, nah an der Wirklichkeit zu schreiben.


    Es ist wie es ist. Ich hätte mir tatsächlich auch gewünscht, dass Karl am Ende Gerechtigkeit herstellt und zumindest den Nachkommen seiner Schwestern etwas von seinem Vermögen hinterlässt. Stattdessen hatte er sich einmal bei Kurts Sohn empört, dass Thea ihn und seine Mutter verklagt hat. Offenbar war er persönlich gekränkt.


    Danke auf jeden Fall für diese wirklich interessante Dilogie. Wer hätte gedacht, dass Karl Lagerfeld so interessante Vorfahren hatte :-) Und gerade das zweite Buch erklärt auch ziemlich gut, wie er zu dem Menschen wurde, den wir alle aus der Zeitung kennen.

    Mir haben die beiden Bücher wirklich gut gefallen.

    Dir vielen Dank, dass Du Deine Gedanken und Leseerlebnisse ausführlich geschildert hast. Das war immer sehr bereichernd. :knuddel1

  • Otto war für derartige Ansprüche viel zu bodenständig. Und sein Rollenbild war zudem recht antiquiert.

    Ich hatte schon das Gefühl dass Otto über das nachgedacht hat, was andere von ihm wollten. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass er bestimmte Dinge, wie das Herabschauen auf Menschen einer anderen Klasse, nicht hätte durchgehen lassen. Dafür war er tatsächlich zu bodenständig.

    Bei Ebbe hatte ich immer das Gefühl, dass sie auf andere herabschaut und der Meinung ist, sie ist ja was besseres und alle anderen nur Dreck....

    Ja, auch ich war sehr empört. Und ich habe lange mit dem tragischen Ende der Geschichte gehadert. Als Autorin möchte man ja, dass die Leserinnen und Leser das Buch zufrieden zuschlagen. Aber dann hätte ich die Wahrheit durch Fiktion verdrängen müssen und das widersprach meinem Anspruch, nah an der Wirklichkeit zu schreiben.

    Nun ja, es war halt nun mal so. Traurig aber wahr.

    Ich finde es für die restliche Familie einfach nur traurig.... Aber so ist das Leben und ein happy End gibt es halt auch nicht immer

    Es ist wie es ist. Ich hätte mir tatsächlich auch gewünscht, dass Karl am Ende Gerechtigkeit herstellt und zumindest den Nachkommen seiner Schwestern etwas von seinem Vermögen hinterlässt. Stattdessen hatte er sich einmal bei Kurts Sohn empört, dass Thea ihn und seine Mutter verklagt hat. Offenbar war er persönlich gekränkt.

    Ich muss sagen, dass das mein Bild von Karl Lagerfeld nur bestätigt hat. Ich war nie ein Fan von ihm, seine Arroganz hat mir immer aufgestoßen. Aber er hat das echt gnadenlos durchgezogen, es machte den Eindruck, als wollte er gar nicht gemocht werden. Da hat er Ebbes Spruch " Neid muss man sich verdienen" einfach zu ernst genommen.

    Ich frage mich ja auch, ob er anders geworden wäre, wenn Otto mehr zu Hause gewesen wäre und sich um ihn gekümmert hätte. Allerdings war das damals einfach nicht üblich, dass Väter sich in die Kindererziehung einmischten. Und Frau Riek kam einfach zu spät zurück.


    Ob Ebbe in einem anderen Leben glücklich hätte werden können? Ich weiß es nicht, sie wirkt so grundsätzlich unzufrieden, ich glaube sie hätte immer etwas auszusetzen gehabt an ihrem Leben. Wo sowas wohl herkommt? Ja, der Vater war gut angesehen und hatte einen großen Haushalt, aber er war ja kein Adeliger und musste bestimmt auch hart arbeiten für seine Privilegien. Dem ist doch bestimmt auch nichts geschenkt worden. Woher also dieser Glaube von Ebbe, dass sie Gottes Geschenk an die Menschheit ist und sie alle auf Händen tragen müssen?


    Man sieht, das beschäftigt mich tatsächlich mehr als Ottos berufliches Leben. Das er ja wirklich ganz bemerkenswert gelebt hat.

  • Man sieht, das beschäftigt mich tatsächlich mehr als Ottos berufliches Leben. Das er ja wirklich ganz bemerkenswert gelebt hat.

    Es beschäftigt einen, weil es zutiefst ungerecht ist. Ebbe hat die Familie, die Otto immer zusammengehalten hat, auseinandergerissen. Von Beginn an. Das ist es, was so sehr nachhallt. Mir ging es – trotz allem Bemühen um eine verständige Herleitung – ähnlich.

    Karl sagte einmal, sein Vater habe genau die Frau geheiratet, die nicht zu ihm passte. Genau so war es.

  • Ich habe das Buch mehr als zufrieden zugeklappt, Du hast mir mit diesem Buch eine sehr große Freude gemacht HeikeK

    Zuerst habe ich erst gar nicht geschnallt, dass dies der zweite Teil ist und hatte mich schon gewundert. Naja, so bin ich eben bei Teil zwei eingestiegen, was mich nicht davon abhalten wird Band eins auch noch zu lesen.

    Zugeben, ich war recht schadenfroh ( und gehässig, mea culpa:grin) als ich über Ebbe's Schicksal gelesen habe. Einsamkeit ist so ziemlich das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann ( sehen wir von schweren Schicksalsschlägen und Gewaltverbrechne mal ab ). Zumindest stelle ich es mir schlimm vor im Alter allein zu sein. Und gewissermaßen hat Karl ihr ja auch einen Spiegel vorgehalten.

    Gewissermaßen verstehe ich, warum Ebbe wurde wie sie gewesen ist, aber nur bis zu einem gewissen grad. Ich mochte sie dennoch nicht und finde, sie am Ende bekommen was sie verdient hatte. Der Höhepunkt war, dass sie das Erbe ihrer Kinder verprasst hat - da kam meine Wut auf diese Frau wieder hoch. Ja, es geschah ihr recht so zu enden. :fetch


    Otto hingegen hat mir so leid getan als sie ihn nach Baden-Baden verfrachtet hatte. Er ist richtig verwelkt und dann echt alt geworden. Muss schlimm sein, wenn man sein Leben lang für etwas gearbeitet hat und dann nicht mehr gebraucht wird, das geht ja leider sehr vielen alten Menschen so.

    Ja, Otto war ein Mann seiner Zeit denke ich und dennoch war er mir sympathisch. Auch wenn er in unseren Augen vielleicht altmodisch war und seine Ansichten über Frau und Ehe hatte.


    Ich muss zugeben, dass das Buch mir auch einen neuen Blickwickel auf Karl Lagerfeld gegeben hat. Dieser ist nicht unbedingt positiv...Authentisch. Das fand ich richtig gut. Denn es erklärt ein Stück weit tatsächlich seine spezielle Art.


    Abschließend sei erwähnt, dass ich dieses Buch sehr genossen habe. Endlich mal wieder ein tolles Buch zu dem ich am Ende sehr gerne gegriffen habe.

    Leider habe ich mich nicht so in der LR einbringen können wie ich wollte, aber mein Job spannt mich gerade so ein...Aber die wichtigsten ( zumeist wütigen Gedanken gegenüber einer gewissen Dame ) Eindrücke konnte ich ja loswerden.


    HeikeK

    Ich danke von Herzen für Deine Zeit, welche Du Dir für uns Leser nimmst! Es ist immer wieder toll, wenn ein Autor sein Werk begleitet, ich sehe das als großes Privileg an und freue mich sehr darüber. Die wertvollen Zusatzinfos mag ich besonders.:-]

    Also, DANKE :blume

  • Ich habe das Buch mehr als zufrieden zugeklappt, Du hast mir mit diesem Buch eine sehr große Freude gemacht HeikeK .

    Wie schön, darüber freue ich mich sehr!


    Otto hingegen hat mir so leid getan als sie ihn nach Baden-Baden verfrachtet hatte. Er ist richtig verwelkt und dann echt alt geworden. Muss schlimm sein, wenn man sein Leben lang für etwas gearbeitet hat und dann nicht mehr gebraucht wird, das geht ja leider sehr vielen alten Menschen so.

    Ja, Otto war ein Mann seiner Zeit denke ich und dennoch war er mir sympathisch. Auch wenn er in unseren Augen vielleicht altmodisch war und seine Ansichten über Frau und Ehe hatte.

    Es gibt ein Foto von der im ersten Kapitel erwähnten Jubiläumsveranstaltung in Schlangenbad. Darauf wirkt er ganz eingefallen und schmächtig. Das ist sehr berührend. Ich hätte ihm einen schöneren Lebensabend gewünscht.


    Ich danke von Herzen für Deine Zeit, welche Du Dir für uns Leser nimmst! Es ist immer wieder toll, wenn ein Autor sein Werk begleitet, ich sehe das als großes Privileg an und freue mich sehr darüber. Die wertvollen Zusatzinfos mag ich besonders.

    Also, DANKE

    Das habe ich sehr gerne gemacht. Ich mag die Leserunden hier, es ist immer wieder spannend, die geschilderten Eindrücke zu lesen. Eure Rückmeldungen sind wertvoll, auch für künftige Romane.

    Vielen lieben Dank, dass Du dabei warst. :knuddel1

  • Ich habe das Buch gestern Abend noch beendet.

    Ottos Ende hat mich traurig gestimmt. Der Umzug nach Baden-Baden war einerseits nicht so schlecht, denn so konnte er auch räumlich Abstand von der Firma gewinnen. Aber ihm hat das zugesetzt. Nicht umsonst heisst es : ein alter Baum lässt sich nicht gern versetzen. Und hier stimmt das auch.

    Die Rituale waren eine gute Sache, nur leider hat Elisabeth sich schnell gelangweilt und Otto immer öfter und länger allein gelassen um nach Paris zu Karl zu reisen.

    Und doch war auch Elisabeth am Ende ihres Lebens einsam. Verbittert war sie ja schon fast ihr gesamtes Leben. In Einsamkeit seinen letzten Atemzug zu tun macht mich traurig, auch für sie. Denn das hat niemand verdient.

    Dass sie die Häuser, die eigentlich für die Kinder als Erbe vorgesehen waren, veräussert war wirklich ein starkes Stück und hat mich wirklich wütend gemacht. Das zeigt doch aber auch, dass sie Otto nie wirklich geliebt hat, denn sonst hätte sie seinen letzten Willen akzeptiert. Ihr ging es finanziell doch nicht so schlecht, dass sie das Geld gebraucht hätte. Ich denke, das war einfach Gier, Raffgier und Egoismus.

    Ich habe beide Bücher gern und mit grossem Interesse gelesen. Vielen Dank HeikeK für die Begleitung der Leserunde und an den Verlag für die Freiexemplare. Man merkt beiden Teilen die akribische Recherche und auch das Herzblut an, die du als Autorin hinein gesteckt hast :wave

  • Und doch war auch Elisabeth am Ende ihres Lebens einsam. Verbittert war sie ja schon fast ihr gesamtes Leben. In Einsamkeit seinen letzten Atemzug zu tun macht mich traurig, auch für sie. Denn das hat niemand verdient.

    Ja, Ottos Ende hat mich schon traurig gemacht, aber ihres war einfach nur bitter. Während er zumindest zufrieden auf sein Leben zurückschauen konnte, musste Ebbe erkennen, dass der Einzige, der außer ihrer Schwester in Münster noch zu ihr hielt – ihr geliebter und geförderter Karl – sein eigenes Leben leben wollte.


    Ich habe beide Bücher gern und mit grossem Interesse gelesen. Vielen Dank HeikeK für die Begleitung der Leserunde und an den Verlag für die Freiexemplare. Man merkt beiden Teilen die akribische Recherche und auch das Herzblut an, die du als Autorin hinein gesteckt hast

    Das freut mich sehr, vielen lieben Dank! Es war schön, dass du wieder dabei warst und deine Leseeindrücke geteilt hast. :knuddel1

  • Danke für diesen Einblick in das Leben von Otto Lagerfeld. Ich fand ihn sehr sympathisch. Und so hat mich das Ende von Otto etwas traurig zurück gelassen. Ich kenne viele, die nur für die Arbeit gelebt haben und mit dem Leben danach nichts anfangen konnten und allein zurückblieben. Aber in seinem Rückblick war er dann im großen und ganzen zufrieden mit seinem Leben. Er hat immer versucht für alle sein Bestes zu geben.


    Gut das Otto nicht alles durchgehen lassen hat von Ebbe, aber trotzdem zu viel. Gott sei Dank hatte er seine Arbeit, die ihn ausgefüllt hat und auch seine Lieben. Aber am Schluss war er doch allein in einer Stadt, in der er nicht leben wollte, obwohl er noch Kontakte hatte zu Kurt und seinen Töchtern. Zwar hat Ebbe am Anfang noch versucht mit Otto in Baden-Baden zu leben, was ich wieder gut fand, aber das hielt nicht lange und als sie dann Karl und irgendwann auch sich in Paris etablieren konnte, war Otto wieder nur finanziell ein Mittel zum Zweck und allein.


    Ebbes Ende finde ich verdient. Ich bin eigentlich nicht schadenfroh, aber in diesem Fall habe ich wirklich kein Mitleid. Und ihr geliebter Sohn hat sie dann auch irgendwann aus seinem Leben ausgeschlossen, verleugnet und war auch auf ihrer Beerdigung auch nicht dabei. Was für ein einsames Leben hat diese Frau geführt. Ohne Freunde und zum Schluss auch ohne Sohn. Leid tun tut sie mir trotzdem nicht. Sie hat es nicht anders gewollt.


    Auch ich habe überlegt, ob Karl ein anderer geworden wäre, wäre Otto mehr zu Hause gewesen und anfangs nicht nur seine Mutter für ihn da. Karl blieb nicht viel anderes übrig als so zu werden, wie er war.


    Wütend hat mich dann noch mal Ebbes Missachten des Testaments gemacht, als sie die Häuser veräußert hat. Was für eine habgierige Frau. Ohne Worte.


    Interessant fand ich das Geschehen rund um die Firma nach Kriegsende. Otto hatte es wirklich nicht leicht gegen die ganzen Verleumdungen anzugehen. Es war richtig dann doch loszulassen.


    Chapeau liebe Heike. Mich hat das Leben von Otto sehr ergriffen und ich danke dir, dass ich diesen Einblick erhalten durfte. So wie ich dich kenne grandios recherchiert und die Lücken so passend aufgefüllt. Ich habe deine Begeisterung, diese Geschichte schreiben zu dürfen, im ganzen Buch gespürt.

    :lesend Tom Liehr - Freitags bei Paolo

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    Hörbuch: Anne Stern - Fräulein Gold. Scheunenkinder

    Hörbuch: Dora Heldt - Jetzt mal unter uns ...

    SuB: 312

  • Danke für diesen Einblick in das Leben von Otto Lagerfeld. Ich fand ihn sehr sympathisch. Und so hat mich das Ende von Otto etwas traurig zurück gelassen. Ich kenne viele, die nur für die Arbeit gelebt haben und mit dem Leben danach nichts anfangen konnten und allein zurückblieben. Aber in seinem Rückblick war er dann im großen und ganzen zufrieden mit seinem Leben. Er hat immer versucht für alle sein Bestes zu geben.

    Ja, ich mochte Otto auch sehr. Das Interessante war, dass sämtliche Familienmitglieder, die ich interviewte, voller Respekt und Wärme von seiner Lebensleistung gesprochen haben. Und alle haben hervorgehoben, wie klug er die Familie durch die harten Zeiten gebracht, jeden Angehörigen großzügig unterstützt und gefördert hat. Er liebte es, anderen Leitstern und Wegbereiter zu sein. Dabei ist er manchmal zu weit gegangen (siehe Kurt mit Manila), das war dann die Kehrseite der Medaille.


    Chapeau liebe Heike. Mich hat das Leben von Otto sehr ergriffen und ich danke dir, dass ich diesen Einblick erhalten durfte. So wie ich dich kenne grandios recherchiert und die Lücken so passend aufgefüllt. Ich habe deine Begeisterung, diese Geschichte schreiben zu dürfen, im ganzen Buch gespürt.

    Vielen lieben Dank. Ja, diese Geschichte hat mich sehr gepackt und nachhaltig beschäftigt und ich freue mich, dass das auch so angekommen ist. Ich danke dir sehr, dass du wieder mitgelesen und kommentiert hast. Tatsächlich hatte ich mich vorab gefragt, wie es dir beim Lesen wohl ergehen wird – gerade in Bezug auf Paul und seine Söhne. Ich hoffe, dass sich das in deiner Familie inzwischen zum Positiven gewandt hat. :*

  • HeikeK tatsächlich hat mich Pauls Schicksal sehr beschäftigt. Irgendwie war er ja ein Getriebener. Er hat weder den Erwartungen seines Vaters Genüge getan, noch haben Ottos Versuche ihn zu unterstützen und zu helfen gefruchtet. Das was die wollten, wollte er einfach nicht. Das war nicht sein Lebensweg. Er musste einfach seinen eigenen Weg gehen, um sein Glück zu finden und das war nun mal nicht mit Getrud. Auch wenn es mir um sie und die Jungs leid tut.


    Danke deiner Nachfrage zu mir. Es geht voran, aber leider nur langsam. Es kommen zwischendurch einfach immer neue Stressmomente dazwischen, um schneller wieder gesund zu werden. Aber irgendwann habe ich es geschafft. Da bin ich sehr optimistisch. Und wir sehen uns auf jeden Fall bei einer deiner nächsten Lesungen in Hannnover wieder :knuddel1:*.

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  • Ich habe das Buch gestern noch beendet.


    Die Zeit des Wiederaufbaus war bestimmt eine der schönsten (und auch anstrengendsten) in Ottos Leben.

    Ich fand es beeindruckend wie er das gemeistert hat.

    Und wie lange er gearbeitet hat.

    Und wie schwer der Abschied von der Arbeit ihm gefallen ist.

    Ich fand die Szenen von seinen Abschiedsfeiern wirklich rührend.

    Schon allein die Tatsache, dass er die Namen aller Mitarbeiter gekannt hat zeigt, dass die Firma für ihn wirklich lebenswichtig war.

    Seine letzten Jahre in Baden-Baden waren bestimmt sehr schwer für ihn. Und von Enttäuschungen geprägt.

    Wenigstens war Ebbe in seinen letzten Stunden an seiner Seite.


    Ihr Verhalten danach - ohne Worte.

    Auch für sie waren ihre letzten Jahre bestimmt nicht schön. Von ihrem geliebten Karl abgeschoben...........aber da war er ihr wohl wirklich sehr ähnlich. ;-)

    Unschöne Dinge schiebt man zur Seite, will man nicht sehen oder wahrhaben. Und schon gar nicht riechen.:lache

    Mir fällt da gerade die Szene mit den Ohrläppchen der Angestellten in der Pension ein.:yikes

    Eigentlich kann einem Karl da ja direkt leid tun.............mit was für Problemen er sich in seinem Leben rumschlagen musste.


    Oder wie raffiniert Ebbe das mit dem Bentley gemacht hat.

    Auch wieder ein Schlag für Otto.


    Danke auch für die ausführlichen Erklärungen am Ende des Buches.

    Und für die informative und freundliche Begleitung der Leserunde, HeikeK  :blume:wave

  • "Dazu gibt es auch ein schönes Bild aus der Zeit im Harvestehuder Weg. Das ist auf meinem Collage-Post auf Instagram zu sehen) ."


    Nach diesem Foto habe ich geschaut, bin mir aber nicht sicher, welches genau es ist.:/

    Es ist der Post vom 31. August. Direkt unter dem Buchcover sieht man ein Foto von Otto, Christel, Ebbe Karl und Thea. Karls Hände liegen auf den Schultern seiner Mutter.

    Unschöne Dinge schiebt man zur Seite, will man nicht sehen oder wahrhaben. Und schon gar nicht riechen.:lache

    Mir fällt da gerade die Szene mit den Ohrläppchen der Angestellten in der Pension ein.:yikes

    Enkeltochter Thoma, die bis zu Ottos Tod viel Zeit mit Karl verbracht hatte, hat mir eine ewig lange Liste der Dinge aufgezählt, die er nicht mochte. Er hatte soooo viele Phobien! Das war schon in jungen Jahren stark ausgeprägt.

    Danke auch für die ausführlichen Erklärungen am Ende des Buches.

    Und für die informative und freundliche Begleitung der Leserunde, HeikeK  :blume:wave

    Sehr gerne! Schön, dass du dabei warst! :knuddel1

  • "Es ist der Post vom 31. August. Direkt unter dem Buchcover sieht man ein Foto von Otto, Christel, Ebbe Karl und Thea. Karls Hände liegen auf den Schultern seiner Mutter."


    Danke, habe es mir eben angeschaut.

    Ja, da schaut er schon sehr liebevoll auf sie herab.

    Eigentlich sehen alle auf dem Foto recht glücklich aus. :-)

  • Zu den Phobien von Karl:


    Er kann nur froh sein, dass er immer ausreichend finanzielle Mittel hatte um diese auch ohne "größere" Probleme in seinem täglichen Leben "auszuleben".

    Wo wäre er gelandet wenn er arm und wirklich mittellos gewesen wäre?

    Das wäre sicher ein sehr hartes Leben für ihn gewesen.


    Ich hoffe, er hat irgendwann noch erkennen können, was sein Vater alles für ihn getan hat.