'Dunkelblum' - Seiten 174 - 258

  • Ich bin verwirrt. Es passiert so viel, Die Tante Elly war verheiratet, mit einem ungarischen Juden, das weiß aber keiner mehr. Und natürlich durften sie nicht im Dorf bleiben. Ihr Sohn, Sascha, hat wohl versucht zurück zu kommen. War er bei denen dabei, die den Wall gebaut haben? ISt er da lettzendlich verhungert?

    Und ihr Mann wollte nach Kriegsende zu ihr fliehen wurde aber brutal daran gehindert.

    Also Dunkelblum hat nicht nur eine Leiche im Keller, ob dieser Horka wieder auftaucht?

    Eigentlich graust es einen ja, das alles zu lesen ich kann mir aber gut vorstellen, dass es nicht nur in Dunkelblum so abgelaufen ist. Nichts gegen Österreicher aber sie haben ja besonders gejubelt beim "Anschluss".

    Dieses Kapitel und das bittere Ende, aber auch das Desinteresse der Russen sich damit zu beschäftigen, das wird in dem Abschnitt allzu deutlich.

    Immer noch fehlt mir der Durchblick bei den einzelnen Verwandtschaften.

  • Nach und nach werden die Familienverhältnisse deutlicher - spätestens im nächsten Leseabschnitt.


    Grausen tut es mich auch bei all den Schrecken. Es erinnert mich ein wenig an den Jugoslawienkrieg im letzten Jahrhundert. Da leben Menschen halbwegs friedlich Tür an Tür und dann kommen ein paar Irre daher, die ihnen die Mitmenschlichkeit absprechen.

    Ein bewährtes Rezept.

  • Ganz schön harter Tobak, den man da in diesem Abschnitt zu lesen bekommt. Wie stark einen solche unmenschlichen Taten und Erfahrungen traumatisieren und ein Leben lang begleiten, kann man sich wohl nicht annähernd vorstellen, wenn man das Glück hat, keinen Krieg zu kennen. Ich finde es aber gut, wie Eva Menasse von dem Grauen erzählt: kein bisschen voyeuristisch, sondern sehr zurückhaltend, nüchtern und dadurch umso eindringlicher.


    "Sie ging einfach, so wie das Wasser dort entlangläuft, wo es kann." (S. 251)


    Dieser Satz scheint mir so passend zu sein; nicht nur für die alte Graun, sondern für alle Menschen, die im und nach dem Krieg irgendwie weitermachen mussten, pragmatisch sein mussten.


    Bei "Die ganze Wahrheit wird [...] von allen Beteiligten gemeinsam gewusst. Deshalb kriegt man sie nachher nie mehr richtig zusammen." (S. 253) kam mir der Gedanke, dass am Ende dieses Romans womöglich auch nicht alle Fragen beantwortet sein werden.

  • "Sie ging einfach, so wie das Wasser dort entlangläuft, wo es kann." (S. 251)


    Dieser Satz scheint mir so passend zu sein; nicht nur für die alte Graun, sondern für alle Menschen, die im und nach dem Krieg irgendwie weitermachen mussten, pragmatisch sein mussten.

    Ein ganz toller Satz, so einfach und leicht, und doch so viel aussagend. Es gibt so viele schöne Sätze in dem Buch, finde ich toll, dass Du sie immer mal wieder raus schreibst.

  • Ja mich graust es auch bei diesem ganzen Schrecken und die nüchterne, distanzierte Erzählweise macht das Ganze für mich noch eindringlicher.

    "Sie ging einfach, so wie das Wasser dort entlangläuft, wo es kann." (S. 251)

    Diesen Satz fand ich auch toll und ich kann sehr gut verstehen, dass die alte Gaun so und nicht anders gehandelt hat, nur dass sie ihrem Sohn so sein Lebensglück verbaut, dass kann ich ihr nicht verzeihen.


    Ich bin verwirrt. Es passiert so viel, Die Tante Elly war verheiratet, mit einem ungarischen Juden, das weiß aber keiner mehr.

    Da bin ich absolut nicht drauf gekommen, dass das die Tante Elly war.:wow

  • Dieser Abschnitt klärt einiges und verwirrt einen - zumindest mich - aber ebenso. Häppchen für Häppchen bekommen wir die Familiengeschichten serviert und Andeutungen aus den vorherigen Abschnitten erhalten eine ganz andere Bedeutung, wie zum Beispiel bei der Auswahl des Lehrmädchens durch die ehemalige Hotelbesitzerin Frau Tüffer. Wir wissen jetzt, wer die alte Graun ist, aber warum sie so eine starke Alkoholikerin geworden ist, ist mir immer noch nicht klar. Ebenso die Vergangenheit der Tante Elli, die oben schon von Findus erwähnt wurde, und wo nun gar nicht klar ist, was aus Sascha geworden ist. Ich habe schon mutmaßt, ob das wohl der neugierige Fremde im Hotel des Jahres 1989 sein könnte .. . Aber der duzt den Antal Grün, also müsste dieser wiederum eigentlich weitergesagt haben, wer er ist ... . Rätsel über Rätsel.
    Und dem großen Geheimnis, was bei dem Fest auf dem Schloss passiert ist, kommen wir in diesem Abschnitt ein wenig näher, aus der Perspektive von Jenö und Sascha Goldman, danach von der Kellnerin Vroni, der späteren alten Graun. Aber es geht immer nur bis zur Waffenkammer und zur Waffenausgabe, dann stoppt die Erzählung.

    Ich denke, Menasse kultiviert dieses Durcheinander, dieses Erinnern bis zu einem Punkt und multiperspektivisch, um den Leser das nachvollziehen zu lassen, was Sidonie in #4 unten zitiert hat. Und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass wir am Ende nicht völlig aufgeklärt sind. Das ist einerseits unbefriedigend, andererseits entspricht es wohl dem ganz normalen Leben und dem, was Historiker dann irgendwann nur noch an Informationen bekommen.

  • Ich merke gerade, wie schwierig es ist, auf Beiträge einzugehen, wenn man schon mehr weiß ... Verraten möchte ich ja auch nichts.


    Andeutungen aus den vorherigen Abschnitten erhalten eine ganz andere Bedeutung

    Das ist einer der Gründe, weshalb mir das Buch so gut gefällt: all die kleinen Details, die zunächst isoliert für sich stehen und dann irgendwann, viele Seiten später, in einen Kontext gestellt werden. Das ist total raffiniert gemacht, finde ich!


    Das ist einerseits unbefriedigend, andererseits entspricht es wohl dem ganz normalen Leben und dem, was Historiker dann irgendwann nur noch an Informationen bekommen.

    Das stimmt. Und wer weiß, wie viele Verbrechen und Gräueltaten aus dem Krieg und der ersten Zeit nach Kriegsende auch in der realen Welt heute noch gänzlich unbekannt sind, weil sie jahrzehntelang unter den Teppich gekehrt wurden ...