'Freitags bei Paolo' - Seiten 359 - Ende

  • :unverstanden Weiß ich auch nicht.

    Vielleicht bin ich nur so enttäuscht, dass dieses "Traumpaar" nichts unternimmt, um ihr "Wunder" zu retten.

    Eine Scheidung sollte keine so leichtfertige Entscheidung sein.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Charlotte Link: Schattenspiel

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  • Naja, es ist doch so:
    Der Weg von einem Autor über seinen Text zu einem Leser hat wenig mit dem sinnvollen Aneinanderreihen von Wörtern zu tun, sondern eher mit Telepathie. Ok, keine reine Telepathie, schließlich gibt's tatsächlich Tinte auf Papier oder so. Aber verdammt viel mit Telepathie.

    Und beim Lesen geht's eben nicht darum, den Wörtern ihren Sinn wieder zu entnehmen, sondern sich in eine andere Welt zu begeben.

    Und es ist keine zielgerichtete Telepathie von einem Autor zu einem Leser, den der Autor kennt.

    Da kann schon mal das ein oder andere auf dem Weg verloren gehen...

  • :unverstanden Weiß ich auch nicht.

    Vielleicht bin ich nur so enttäuscht, dass dieses "Traumpaar" nichts unternimmt, um ihr "Wunder" zu retten.

    Eine Scheidung sollte keine so leichtfertige Entscheidung sein.

    Bei mir ist das ja irgendwie ähnlich angekommen..................du bist also nicht allein, Tante Li  ;)

    Ich bin auch ein bissle enttäuscht, hätte ihnen ebenfalls "mehr" zugetraut.


    Aber ich glaube, wir haben wirklich einen ganz anderen Blickwinkel auf die Geschichte und die Personen.:/

    Für mich ist das ok so.:)

  • Vielleicht bin ich nur so enttäuscht, dass dieses "Traumpaar" nichts unternimmt, um ihr "Wunder" zu retten.

    Aber genau darum geht es doch. Also darum, dass "retten" einen Zustand voraussetzt, bei dem schon einiges schiefgelaufen ist, bei dem perspektivisch der Untergang droht, das Versinken usw. Und darum, dass man der Auffassung sein kann (die beiden sind es), dass etwas, das man retten müsste, nach möglicherweise erfolgreicher Rettung nicht mehr dasselbe wie vorher ist. Und dass die Alternative dazu, nun, vielleicht nicht besser ist, aber anders, und dass diese Alternative nicht die guten Erinnerungen und überhaupt das Gute zerstört. Das ist eine Richtungsentscheidung, die die meisten Menschen nicht treffen würden, weil sie sich traditionell verhalten, und irrational oder meinetwegen auch viel emotionaler, und genau davon erzähle ich. Von zwei Leuten, die es anders machen als das alle anderen machen würden. Und davon, was daraus wird.


    Sie stellen fest, dass sie sich nicht mehr lieben. Sie wissen das, sie haben das gemerkt, Marie spricht es aus, und Clemens widerspricht nicht. Es ist nicht üblich, dass Menschen, die in einer ansonsten funktionierenden Beziehung leben, dann alles wegwerfen, sondern es ist üblicher, dass das Arrangement gewählt wird, dass man zu Freunden wird, zu einer Lebensgemeinschaft, zu zwei Menschen, die respektvoll ihr Leben teilen, ohne sich zu lieben. Aber diese beiden eben nicht.


    Mir gefällt die Aufregung darüber gut, und das meine ich rundheraus freundlich, ganz ohne Ironie.

  • Nun gut :| So war es also gemeint. Schade, dass wir von dem Gespräch mit den Zwillingen so wenig mitbekommen haben. Sie haben sicher eine Erklärung haben wollen und so lange nachgefragt bis sie es auch kapiert haben.

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    :lesend Charlotte Link: Schattenspiel

  • Kommen wir zum anderen Thema dieses Romans: Cancel-Culture

    Wie das mit dem "sozialen" Netzwerken und der Meinungsmache im Kulturbetrieb funktioniert, fand ich gut und nachvollziehbar dargestellt. Satiriker und Kabarrettisten leben eben von der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Und die kommentiert teilweise ohne Hemmungen vorzugsweise was ihr nicht gefällt.

    Künstler wie Clemens müssen leider damit rechnen, dass nicht alle über ihre Darstellung lachen können. Dass nur einmal in der ganzen Zeit so eine Störung wie mit der Rassismus-Vorwerferin passiert, ist wohl untertrieben. Die perfide Manipulation des PFUND-Vorsitzenden hätte es nicht unbedingt gebraucht. Aber hier zeigt sich deutlich die Korruption durch Macht, die es leider auch in so einer ökologischen Partei gibt.

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  • Eine Scheidung sollte keine so leichtfertige Entscheidung sein.

    Dann hat du dir nie Gedanken darüber gemacht wieviele Ehen die Verpackungsindustrie gerettet hat. Früher begann das Ende der Ehe oft mit dem Frust über die Zahnpastatube. Die war entweder — typisch für dich— ordentlich, kleinteilig aufgedreht oder einfach irgendwie zusammengedrückt, beides nervt den jeweils anderen und damit ging es los. Ich habe auch Scheidungen erlebt, bei denen die Eheleute vor dem Gerichtssaal sagten wenn wir vor anderthalb Jahren gewusst hätten, was wir heute wissen hätten wir uns nicht getrennt. Da ist der Reiz des Neuen weg- und nach einem halben Jahr bringt der Neue auch den Müll nur runter wenn man ihn dreimal dazu aufgefordert hat. Aber früher, als Scheidung noch teuer und gesellschaftlich geächtet war wurde intensiver an der Beziehung gearbeitet. Da gab es dann auch viel toxisches, aber die Zahl der Femizide hat eher zugenommen. Daran kann es also nicht liegen.

    Aufgrund meiner Berufserfahrung behaupte ich sagen zu können, es gab in den letzten dreißig Jahren Zeiten, da wurden viele Ehem leichtfertig geschieden, aus einer Laune heraus, nach einem Fehltritt, der schlimmer gemacht wurde als er war. Heute ist Scheidung oft wieder viel rationaler. Doch diese beiden lassen sich nicht leichtfertig scheiden. Sie lassen sich scheiden in dem Bewusstsein dass da etwas war, dass so kostbar war, dass man es nicht zusätzlich zu dem Nichtmehr sein durch falsches Handeln im Nachhinein beschmutzen darf. Es wird immer in der Erinnerung gut bleiben um nicht wie bei vielen Trennungen nur der Hass überleben. Was hier nicht thematisiert wird, aber tatsächlich das Schlimmste in meinem Berufsstand ist, wenn die Eltern aus Rache und Hass aufeinander das Umgangsrecht und das Sorgerecht der Kinder als Waffe benutzen. Die Zwillinge dürften dazu zu alt sein. Aber Auswirkungen auf ihr Leben wird die Trennung der Eltern haben.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend  :lesend

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  • Künstler wie Clemens müssen leider damit rechnen, dass nicht alle über ihre Darstellung lachen können.

    Jeder Künstler und jede Künstlerin auf der Welt und in der Weltgeschichte musste und muss jederzeit damit rechnen, dass (einigen, vielen, allen) Leuten nicht gefällt, was sie tun. Das ist Teil der Jobbeschreibung, es gehört zur Kunst dazu, das ist implizit, und schlicht eine Binsenweisheit. Man kann es nie allen recht machen, und man will das auch überhaupt nicht, oft sogar ganz im Gegenteil - man möchte provozieren, zum Nachdenken anregen, Strukturen aufbrechen, mit der Kunst die Gesellschaft hinterfragen, möglicherweise sogar substantiell. Es ist in Ordnung, wenn Leute nicht über etwas lachen können oder wollen, völlig unabhängig davon, wie harmlos und/oder unpolitisch der Gag, die Show, das Programm ist, das ist immer schon so. Ich verspüre eher das Bedürfnis, Magensekrete oral abzusondern, wenn ich Leute wie Mario Barth sehe, oder Dieter Bohlen oder Florian Silbereisen. Schon dass ich die Namen überhaupt kenne, macht mich ein bisschen fertig.

    Aber darum geht es nicht.

    Es ist eine Verniedlichung, wenn man es in Sätzen wie dem von Dir zitierten zusammenfasst. Was wir seit einigen Jahren erleben (hinter den Kulissen bebt die Kunstwelt), geht über Nichtlachenkönnen weit hinaus. Auch niemand anderes soll darüber lachen dürfen. Die, die nicht lachen können oder wollen, erwarten und fordern nicht nur, dass sich andere ihnen anschließen, sondern sie erwarten, dass es die Kunst nicht mehr gibt, die sie aburteilen, aus welchen Gründen auch immer. Der damit verbundene Standpunkt geht von einer moralisch völlig unzweifelhaften, absoluten Richtigkeit der eigenen Position aus, also vom Wissen um die reine Wahrheit. Wer dem widerspricht, soll nicht mehr sprechen, und das ist existentiell bedrohlich für die Kulturschaffenden und die Kultur selbst. Ich skizziere im Roman höchstens die Spitze dieses Eisbergs, und dabei geht es nicht darum, dafür einzutreten, dass gestrige Positionen weiterhin um jeden Preis salonfähig sein müssen. Es geht auch nicht um die Forderung, dass Künstler und -innen und ihre Programme nicht kritisiert werden sollen. Sondern es geht um alles. Um die Freiheit der Kunst, um die Meinungsfreiheit. Es geht um das Recht, auch Scheißkunst zu machen und eine Scheißmeinung vertreten zu dürfen, keineswegs unwidersprochen, aber ohne den Versuch, daran mehr oder weniger gewaltsam gehindert zu werden. Wobei solche Störungen in Liveprogrammen noch zum weniger subtilen Arsenal gehören. Wie erwähnt, die Kunstszene bebt hinter den Kulissen. Verlage, Veranstalter, Booker, Agenturen, Filmproduktionen, Sender usw. usf. - sie alle beugen sich derzeit zu einem Großteil diesem Druck. Ich bin sicher, dass es auch wieder eine Gegenbewegung geben wird, eine Befreiung von diesem eigenartigen Diktat, aber derzeit ist es wirklich ... schwierig. Und, noch einmal. Es geht nicht um Leute, die nicht lachen können oder wollen.

  • Obwohl es seit dem „verlieren“ vorhersehbar war, macht mich das Ende traurig. Ich habe irgendwie kein neues „Lieben“ gefunden. Jedenfalls kein Lieben für jemanden anderen bei den beiden, das ähnlich hätte sein können. Natürlich hatten Sie Beziehungen, aber niemals wieder etwas gefunden, was an „Clemens und Marie“ heranreichte. Warum gibt es das letzte „lieben“ und „warum ist es rot“?


    Ich finde, dass beide in Bezug auf die Liebe nicht glücklicher geworden sind, aber sie hatten immerhin das große Glück, wirklich und tatsächliche eine wirklich und wahrhaftige Liebe gelebt zu haben. Das kann nicht jeder von sich behaupten.Und keiner wusste beim "Schluss", was auf ihn zukommen würde. Ob es vielleicht doch noch eine neue Liebe geben könnte. Neu und anders.


    IHRE große Liebe wurde zum Alltagstrott, es war immer wieder das gleiche und nichts änderte sich, aber auch so etwas kann nerven. Am Anfang schmunzelt man über die Dinge, die der andere macht und die man selbst nie so machen würde. Schmunzelt und akzeptiert es, aber irgendwann nervt es dann vielleicht doch. Und an diesem Punkt sind beide angelangt. Gefühlsmäßig gab es keine Steigerung mehr.


    Beide waren dann bereit zu sagen: Schluss. Keiner von beiden hat versucht zu kämpfen. Es war eine beiderseitige Entscheidung mit ganz viel Trauer, aber auch Neugier auf Neues. Sie wussten an dem Punkt beide, dass es nicht mehr besser werden konnte und hofften auf das Neue. Egal, ob in der Liebe oder auch an Gewohnheiten, auf Neues im Leben. Wie Clemens, der auf einmal Freitags auftreten konnte und Marie, die in ihrer Partei durchstartete, weil sie jetzt einfach die Zeit dafür hatte. Sie finden neues im Leben, erfinden sich teilweise neu. Chancen wahrnehmen, wie sie es vorher nicht konnten oder wollten.


    Sie leben, daten, lieben anders (deswegen rot?), aber am Schluss habe ich das Gefühl, dass es für die beiden richtig so war. Dieses andere Leben nach „Clemens und Marie“ hätten sie niemals so gelebt. Und so war die Zeit, die sie zusammen hatten etwas wunderbares, einmaliges, was sich einfach nicht wiederholen lässt. Weder miteinander noch mit jemand anderem. Clemens und Marie gab es nur einmal.


    Und im Nachhinein sehe ich es auch, dass es für DIE beiden besser so war. Wären sie zusammen geblieben hätte sich nichts geändert, Routine und Alltragstrott trotz tiefer Gefühle, aber sie wären immer genervter geworden. Ob es am Ende der Beziehung noch Liebe war, weiß ich nicht. Aber der Respekt ist bis zu Ende des Romans geblieben, trotz Trennung und das ist auch etwas sehr seltenes.


    So richtig fassen und schreiben, was in mir vorgeht, ist schwer. Zuviel Gedanken. Zuviel „Für“, zuviel „Wider“ und doch ist der Roman sooo stimmig und das Ende das einzig richtige. Chapeau mein lieber Tom.

    :lesend Lorenz Stassen - Rosenmontag

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    Hörbuch: Anne Stern - Fräulein Gold. Scheunenkinder

    Hörbuch: Brigitte Riebe - Auge des Mondes

    SuB: 311

  • Also, ich kann dazu sagen, dass die Entscheidung der beiden, sich zu trennen, obwohl sie sich vermissen, total gut zu den Charakteren passt. Ich habe zwar die ganze Zeit gehofft, dass sie es sich noch mal überlegen, aber ich bin jetzt nicht enttäuscht, dass es nichts wurde.

    Ich glaube auch zu verstehen, was sie dazu bringt. Denn eine Beziehung, in der man nur noch wie Bruder und Schwester zusammenlebt, erfordert solche Maßnahmen. Dass die Liebe bei den beiden weg ist, habe ich nicht gesehen, bzw. ist es eine andere Art Liebe. Davon gibt es ja viele.