Dschungelcamp 2026

  • Patrick finde ich aber auch doof "Es ist doch egal, wofür man sich entschuldigt ... ach, bei niemandem und dann ist das einfach vom Tisch". Ganz ehrlich? Auf so eine Entschuldigung ist dann aber auch gesch...


    Was Sonja und Jan dazu sagten, fand ich interessant.

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Nun ja, sie zeigte mir zumindest eine gewisse Einsicht, was ihren Tonfall angeht. Ob das echt ist? Hm.

    Spätestens beim nächsten Beef ist es vergessen. Selbst, wenn sie es sich vornimmt, ruhiger zu sein, könnte ich mir vorstellen, dass sie im Eifer des Gefechts ins alte Muster zurückfällt.

  • Ich war überrascht, wie unspektakulär ruhig und teils reflektiert die Camper heute aufeinander getroffen sind. Einiges wurde für mich erklärt, anderes noch immer versäumt. Fazit für mich: ein Camp der vergebenen Chancen.

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Tut mir leid, aber ich muss mich noch einmal zu Wort melden. Batcat : Wenn Dir/Euch danach ist, kannst Du mich anschließend gerne aus dem Forum werfen. Sollte diese Nachricht gelöscht werden, verstünde ich das als Rückzugsaufforderung, der ich auch Folge leisten würde.


    In diesem Jahr war das „Dschungelcamp“ nicht einfach nur der alljährliche Frühjahrs-TV-Trash, also der möglicherweise unterhaltsame, wahrscheinlich aber hirntötende Müll, den man sich aperolspritzsediert auf der Couch hängend reinzog, die inszenierte Selbstdemontage von Restpromis, die keine oder höchstens zwei Zeilen lange Wikipedia-Bios vorweisen konnten, mit Fähigkeiten wie „Influencing“ glänzten oder mal mit jemandem verheiratet waren, der jemanden kannte, dessen Sohn oder Tochter über vier Ecken mit einer Person befreundet war, die vor Jahrzehnten mal für einige Minuten prominent gewesen ist. Leuten also, die es gewissermaßen nicht besser verdient haben. In diesem Jahr war diese wohldurchdachte und bis ins Detail kalkulierte Nummer nicht einfach nur ein kollektives Ritualopfer dieser bedeutungsreduzierten Menschen, die sich und, vor allem, ihre gesellschaftliche Stellung maßlos überschätzen, unterm Strich aber nur auf die Pipperlinge geil waren, die es am Ende für den Gesamtsieg geben würde (zusätzlich zu den fünf- und sechsstelligen Gagen, die diese Witzfiguren übrigens ohnehin für ihre Teilnahme bekommen) – einem zu vernachlässigend kleinen Bruchteil der Summe, die die verschissene RTL-Sendergruppe mit dem – allerdings recht kostenintensiven – Format umsetzt. Ein 30-Sekunden-Spot in den unzählbaren Werbepausen der außerdem mit Produktplatzierungen getränkten Show kostet bis zu einer Viertelmillion Euro – eine Investition, die sich dennoch lohnt. Selbstverständlich.


    Nein, in diesem Jahr wurde die Veranstaltung rund um den Mann inszeniert, der im Jahr 2021 dem Mitarbeiter eines Hotels in Leipzig eine krasse antisemitische Attacke vorwarf, was nicht nur extreme Folgen für diesen Mitarbeiter (Morddrohungen eingeschlossen), seine Familie, seine Kollegen und das Hotel hatte, sondern auf einer Welle der spontanen Solidarität die Popularität des bis dahin nur sehr wenigen Menschen bekannten „Musikers“ beflügelte, dessen größter Erfolg zuvor darin bestanden hatte, Sohn von Abi Ofarim zu sein, einem israelischen Musiker, der mit seiner ersten Ehefrau Esther in den Siebzigern vergleichsweise große Erfolge gefeiert hatte – ganz anders als der Sohn, der in wunderbaren Produktionen wie „Endlich Sex!“ (Pro7) und bei „DSDS“ herumgurkte, und dessen größter Musikererfolg darin bestand, im Münchener Olympiastadion mal Support von „Bon Jovi“ gewesen zu sein. Eine höhepunktearme Künstlerkarriere wie tausende in der Republik, die irgendwann in der Grundsicherung geendet hätte, wäre da nicht dieser Abend im Oktober 2021 gewesen, an dem sich diese P*ssn*lk* vor das „The Westin Leipzig“ stellte, vor der eigenen Handykamera mit seinem Halsketten-Davidstern herumfuchtelte und den Tränen nahe lamentierte, er wäre (interpolierter Kontext: von verfluchten Faschisten) wegen dieser Kette am Einchecken ins Hotel gehindert worden. Es dauerte nur wenige Stunden, bis es zu ersten Demonstrationen vor dem Hotel kam – ein Umstand, den man hätte begrüßen müssen, hätte es diesen Skandal wirklich gegeben, aber Ofarim hatte sich das nur ausgedacht, wie er zwei Jahre später vor dem Landgericht angesichts einer erdrückenden Beweislast gestehen musste, was übrigens nie mit einer „Verschwiegenheitserklärung“ einherging, die sich der Mann für das „Dschungelcamp“ genauso ausgedacht hat wie vieles andere auch, wahrscheinlich aber: Einfach alles.


    Jemand denkt sich also eine rechtsradikal motivierte, antisemitische Attacke aus und bleibt zwei Jahre lang bei dieser Lüge, um zwei, drei Schritte aus der Bedeutungsarmut machen zu können, und ignoriert die fatalen, fast letalen Folgen für die Betroffenen, vor allem aber für die jüdische Community und die Gesellschaft insgesamt. Erst zwei Dutzend Monate später und nur angesichts einer drohenden Entlarvung und Niederlage vor Gericht gesteht dieser Gesäßkrater seine widerwärtige Lüge. Eine Lüge, die vor dem Hintergrund dessen, was Jüdinnen und Juden angetan wurde und nach wie vor angetan wird, kaum in Worte zu fassen ist, aufgetischt von einem – wie er sich selbst kategorisiert – säkularen Juden, der damit nicht nur seine eigene Bekanntheit um ein Vielfaches der objektiven Möglichkeiten zu steigern versuchte, sondern einen Schaden anrichtete, der sich kaum bemessen lässt, vor allem aber eine moralische Grenze überschritt, die nach menschlich-ethischem Ermessen keinen Rückweg zuließe, jedenfalls keinen in die – wie auch immer geartete – Prominenz. Folgerichtig und konsequent fasste ihn fortan kein Booker mehr auch nur mit einer desinfizierten Kneifzange an.


    Ganz anders aber die „Dschungelcamp“-Redaktion.


    Ich habe selbstverständlich keine einzige Sekunde dieses Drecks gesehen, wie ich auch nicht zu meiner Belustigung als Zuschauer Hinrichtungen, Koloskopien oder Bettwanzenbeseitigungen beiwohne. Ich habe allerdings andernorts die „Krönung“ Ofarims mit so einer Art Gemüsekranz zur Kenntnis genommen und mich außerdem nach bestem Ermessen informiert. Als Mensch, der sich für das soziokulturelle Geschehen seines Umfelds interessiert, komme auch ich an solchen Ereignissen natürlich nicht ganz vorbei.

    Und, ehrlich. Ich kann es nicht verstehen. Ich kann nicht verstehen, wie belesene, intelligente, freundliche Menschen in diesen Enddarm der Unterhaltung kriechen und daran mitwirken, das Podium für dieses Geschehen zu vergrößern, diesem Typen wieder eine Bühne zu bieten und Teil einer von A bis Z durchgeplanten Inszenierung zu sein, die nichts anderes zum Ziel hat, als an dessen widerwärtigem, durch absolut nichts und niemals zu entschuldigendem Verhalten (noch mehr) Schütte zu verdienen. Es macht mich fassungslos, und, wenn das möglich ist, um ein Vielfaches fassungsloser als die Tatsache, dass es dieses Format überhaupt gibt und geben darf, dass es konsumiert wird.


    Was ich sagen will und, wie ich meine, bereits zum Ausdruck gebracht habe: Natürlich ist es okay, sich Quatsch anzuschauen, notfalls auch „Trash“, also richtigen Müll, wenn man das braucht, um mit dem Müll außenrum zurechtzukommen, sich zu kalibrieren, einfach mal Viere gerade sein und das Kognitionszentrum auf wohltuende Weise für ein paar Stunden im Leerlauf zu lassen. Aber um diesen Umstand geht es hier nicht. In diesem Jahr war all das noch mehr als früher nur Kulisse, und jeder Mensch, der sich das angeschaut hat, war Teil von etwas ganz anderem. Nämlich der Aufhebung auch noch der letzten moralischen Grenze, des Aushebelns aller Regulative, die uns bislang davon abgehalten haben, etwas zu tun, was man einfach nicht tut.


    Nämlich über die Opfer zu lachen.


    Und genau das habt Ihr (mit)gemacht.

  • Tom

    Ein großartiger Beitrag. Dieser Widerling Ofarim hat den jüdischen Menschen in diesem Land sehr geschadet. Und ein nicht minder widerlicher Stefan Raab darf antisemitische Witze reißen - und niemand scheint das zu kümmern.

    Aber so ist das wohl: Erst kommen Quote und Werbeeinnahmen und dann ganz hinten die Moral.

    Und die dummen Deutschen schauen weiter RTL.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Tut mir leid, aber ich muss mich noch einmal zu Wort melden. Batcat : Wenn Dir/Euch danach ist, kannst Du mich anschließend gerne aus dem Forum werfen. Sollte diese Nachricht gelöscht werden, verstünde ich das als Rückzugsaufforderung, der ich auch Folge leisten würde.

    Lieber Tom


    selbstverständlich wirst Du deswegen nicht aus dem Forum geworfen. Wie kommst Du denn darauf? Die Büchereule war schon immer ein Ort, an dem diskutiert werden konnte und durfte.


    Es geht nur darum, eine gewisse Tonart beizubehalten, denn das Schlimmste, was passieren kann (und in der Vergangenheit auch immer wieder passiert ist) ist, wenn Eulen derart getroffen wurden, dass sie sich zurück gezogen haben.


    Du weißt selbst, dass es im Verlauf vieler Diskussionen oft an Schärfe und Hitze zunimmt, weil jeder meint, seine Argumente mit der Dampframme anbringen zu müssen. Das wollte ich vermeiden. Diskussion - ja. Kontroverse - ja. Erbitterter Streit - nein.


    Um noch ein - hoffentlich - allerletztes Mal auf Deine Argumente einzugehen. Du würdest vielleicht staunen, in wievielen Punkten ich Dir durchaus Recht gebe. Aber ich möchte das jetzt wirklich nicht hier breittreten, wo ich anderer Ansicht bin. Das können wir aber gerne bei einem Bier (Du) und irgendeinem anderen Gesöff (ich) im Hennies tun, falls wir bis dahin noch das Bedürfnis weiterer Aufarbeitung haben. ;)


    Und ich würde es jetzt aber auch wirklich sehr begrüßen, wenn wir die Diskussion ums Dschungelcamp 2026 an dieser Stelle beenden würden, bevor es wirklich doch noch eskaliert.

    Lieben Gruß,


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    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Wie kommst Du denn darauf?

    Nun, ich habe zweimal Deine Aufforderung ignoriert, Ruhe zu geben. Ich an Deiner Stelle würde mich rauswerfen. 8)


    Und, nein, ich wäre nicht erstaunt darüber, in wie vielen Punkten wir hier übereinstimm(t)en - tatsächlich gehe ich von einer drastisch großen Überschneidung aus. Trotzdem kann ich das "Trotzdem" nicht begreifen, und ich glaube, das ist auch bei/nach mehreren Bieren nicht zu ändern. Auf die ich mich mit Dir und den anderen natürlich dennoch freue.

  • Tom

    Ein großartiger Beitrag. Dieser Widerling Ofarim hat den jüdischen Menschen in diesem Land sehr geschadet. (...)

    Aber so ist das wohl: Erst kommen Quote und Werbeeinnahmen und dann ganz hinten die Moral.

    Und die dummen Deutschen schauen weiter RTL.

    So ist es. Und wohin diese fortgesetzte mediale Volksverblödung führt, kann man heute schon in den USA trefflich beobachten.

    Heute war dazu übrigens in allen Blättern des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages dieser sehr gute Kommentar zu lesen, dem ich nichts hinzuzufügen habe.

    https://flensburgertageblatt.r…/14/articles/2451414/14/2