Herausgeber: Rosenthal (19. November 2025)
Print: 518
ISBN-10:
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ASIN/ISBN: 3384672755 |
Kurzbeschreibung
„Um die Welt zu retten, hatten wir alles geopfert, was den Menschen ausmachte. Amatea war nur noch die letzte Bastion der Menschheit – nicht aber mehr der Menschlichkeit.“ Ruth Bernstein träumt schon als Kind davon, Stadtplanerin zu werden – grüner, nachhaltiger, gerechter soll die Welt durch ihre Ideen werden. Als Schülerin entwirft sie das zukunftsweisende Projekt Amatea – eine Stadt der Nachhaltigkeit. Doch ein schwerer Schicksalsschlag wirft sie aus der Bahn. Sie gibt ihren Traum auf – und ahnt nicht, dass Amatea längst von einem mächtigen Konsortium übernommen wurde. Was bleibt von einer Idee, wenn andere sie zum eigenen Vorteil formen? Und wie viel Wahrheit kann man ertragen, wenn jene, die man liebt, Teil der Katastrophe sind? Ruth muss sich fragen, wie viel Einfluss ein einzelner Mensch wirklich hat – und wie weit man gehen darf, um den Planeten zu retten. Solarpunk trifft auf Dystopie – erzählt als intime Biografie zwischen Hoffnung, Schuld und Apokalypse.
Autorin
Saskia Karges wurde 1986 in Lohr am Main geboren. Schon als Kind verbrachte sie die meiste Zeit mit der Nase in Büchern. Mit dem Schreiben begann Saga 2005 auf der Online-Platform Animexx, als Autorin von Fanfictions, die ihr heute entsetzlich peinlich sind. Nach dem Chemiestudium in Mainz und Marburg ging sie für die Doktorarbeit in den Neurowissenschaften nach Bologna, Italien. Heute arbeitet sie dort im Management eines internationalen Lackherstellers. Wenn sie nicht gerade schreibt oder zeichnet, reist oder verrückte Kochexperimente wagt, borgt sie sich die Hunde ihrer Freunde aus um lange Spaziergänge in der Natur zu machen.
Rezension
AMATEA: Memoirs of the Last City nimmt sich Zeit, manchmal sehr viel Zeit, und genau das ist auch seine Stärke. Saskia Karges legt keinen einfachen Zukunftsroman vor, sondern eine intensive, oft unbequeme Auseinandersetzung mit Verantwortung, Schuld und der Frage, wie viel Menschlichkeit man zu opfern bereit ist, wenn man glaubt, für eine größere Sache zu handeln.
Im Mittelpunkt steht Ruth Bernstein. Schon als Kind weiß sie, wohin ihr Weg führen soll: Sie will Stadtplanerin werden. Städte sollen gerechter, nachhaltiger, lebenswerter sein. Unterforderung und Mobbing, nicht nur durch Mitschüler:innen, sondern auch durch Lehrkräfte, prägen ihre Schulzeit. Erst später wird erkannt, dass sie hochbegabt ist.
Ein Stipendium führt Ruth an die Universität. Dort entwirft sie Amatea: eine visionäre Zukunftsstadt, ressourcenschonend und autark, gedacht als Modell für eine bessere Welt. Doch ein schwerer familiärer Schicksalsschlag reißt sie aus allem heraus. Ruth bricht ab, lässt Studium, Karriere und Amatea hinter sich und beginnt noch einmal gänzlich neu.
Jahre später holt sie ihre Vergangenheit ein. Amatea existiert noch, übernommen und weiterentwickelt von einem mächtigen Konsortium. Aus der einstigen Vision ist ein gigantisches Projekt geworden, das zunehmend beängstigende Züge annimmt. Lügen, Machtspiele und moralisch fragwürdige Entscheidungen bestimmen nun das Bild. Aus Solarpunk wird Dystopie.
Besonders eindrucksvoll ist dabei die moralische Grauzone, in der sich der Roman bewegt. AMATEA stellt unangenehme Fragen: Darf man Menschen opfern, um den Planeten zu retten? Wie viel Schuld trägt jemand, dessen Idee missbraucht wurde? Ab wann wird Wegsehen zur Mitschuld?
Kleinere Schwächen gibt es bei der Länge, einigen sehr ausführlichen Passagen und etwas abrupten Zeitsprüngen. Dennoch überwiegt klar die Atmosphäre: Der Wandel von Hoffnung zu Verzweiflung ist glaubwürdig und wirkt lange nach.
