Anne Stern - Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit

    • Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Taschenbuch
    • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. November 2025
    • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 432 Seiten
    • ISBN-10 ‏ : ‎ 349901341X
    • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499013416
    • Buch 8 von 8 ‏ : ‎ Die Hebamme von Berlin


    Kurzbeschreibung:

    Berlin, 1932: Hulda Gold hat eine neue Wirkungsstätte als Hebamme gefunden. Im berüchtigten Frauengefängnis Barnimstraße versorgt sie inhaftierte Schwangere und entwickelt einen guten Draht zu den oftmals verzweifelten Frauen. Als innerhalb der Gefängnismauern eine junge Insassin völlig unerwartet stirbt, kann Hulda nicht untätig bleiben. Bald kommen Zweifel wegen der Todesursache auf, und der Verdacht fällt auf Anna Marwitz, die bereits wegen Mordes verurteilt ist. Doch Hulda kann nicht glauben, dass diese verschüchterte Frau, die kurz vor der Entbindung ihres ersten Kindes steht, wirklich eine mehrfache Mörderin sein soll. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet Irma Siegel betraut. Hulda und die Kriminalkommissarin kennen sich von früher, und sie gingen nicht als Freundinnen auseinander. Aber während sich die politischen Kräfte in Deutschland immer mehr radikalisieren, müssen sie nun gemeinsam gegen das Unrecht kämpfen – für die Zukunft aller Frauen und auch die ihrer eigenen Familien.


    Über die Autorin:

    Anne Stern ist eine waschechte Berlinerin. Eigentlich wollte sie Kunstrestauratorin werden, hat dann aber auf den Schuldienst umgeschwenkt und jahrelang Literatur und Geschichte unterrichtet. Die Liebe zum Schreiben konnte sie jedoch nie ganz vergessen. Auf ihren zahlreichen Spaziergängen durch Schöneberg und ihren Heimatkiez Steglitz entdeckt sie immer wieder verborgene Geschichten und interessante Schauplätze, von denen sie in ihren Romanen erzählt. Es macht ihr Spaß, Figuren zum Leben zu erwecken, die echte Berliner Originale sind und die ihren Lesern mit Chuzpe und Berliner Schnauze, mit Herz und Verstand ganz nah kommen. Ihre Geburtsstadt Berlin mit deren bewegter, außergewöhnlicher Historie bleibt dabei die wichtigste Protagonistin.

    Meine Meinung:

    Hulda hat einen neuen Arbeitsplatz. Sie arbeitet nun einige Tage in der Woche im Frauengefängnis in der Barnimstraße in Berlin, um dort Schwangere und frische Mütter zu unterstützen. Die Atmosphäre im Gefängnis ist furchtbar, doch die neue Direktorin hat einige Neuerungen eingeführt, unter anderem auch einen Kreissaal und eine Mutter-Kind-Station, bei der man fast vergessen kann, wo man sich befindet. Doch Hulda ist sich nur zu bewusst, dass die Schwangeren verurteilte Straftäterinnen sind, auch wenn sie versucht, Distanz zu wahren.


    Anna Marwitz ist eine von ihnen, wegen Mordes verurteilt, weil sie Nazis durch eine Nachspeise, die mit Zyankali versetzt war, töten sollte und tatsächlich ein Mensch an dieser tödlichen Dosis verstarb. Doch die junge Frau erscheint nicht wie eine Mörderin. Als wieder jemand stirbt, weil Gift im Spiel ist, tritt Irma Siegel auf, die wir schon aus vorherigen Bänden kennen. Die Mordermittlung ist spannend zu verfolgen.


    Doch eine viel größere Rolle spielen die historischen Geschehnisse, die auch einen Einfluss auf Huldas Privatleben haben. Ihre Tochter Meta wird eingeschult, der große Tag wird feierlich begangen und auch Metas Großeltern sind dabei. Das Verhältnis zwischen Hulda und den Eltern von Metas verstorbenen Vater ist immer noch distanziert, doch dem Kind zuliebe reißen sich alle zusammen. Huldas Vater ist sowieso ein Schatz, wenn es um seine Enkelin geht. Dass Meta und ein weiteres Kind jüdischer Abstammung sind, lassen andere die Kinder in der Schule deutlich spüren, dabei ist es erst das Jahr 1932. Hulda merkt auch deutlich, dass sie an ihre Grenzen stößt und sorgt sich, dass sie nicht genug Zeit für ihre Tochter hat.


    Auch der Kioskbesitzer Bert wird von Nazis verfolgt und niedergeschlagen, als er sich unbeobachtet wähnt und Hand in Hand mit seinem Freund durch einen Park geht. Die politische Situation wird immer unsicherer durch das Scheitern der Wahlen und Neuwahlen. Doch Bert ist es wichtig, aufzubegehren, bevor es zu spät ist. Und dann bekommt Max ein Angebot, dass er kaum ablehnen kann...


    Mir hat der achte Band der Serie um die Hebamme Hulda Gold wieder sehr gut gefallen. Die Geschichte las sich sehr flüssig und spannend und ich war mittendrin im Berlin der frühen 30er Jahre. Gerade die politischen Veränderungen in dieser Zeit und wie die Personen damit umgehen, waren berührend geschildert und ich hätte Hulda und ihre Lieben gerne vor den drohenden dunklen Wolken gewarnt.


    Am Ende war eine Leseprobe des 9. Bands aufgeführt, der ziemlich nahtlos an "Der Preis der Freiheit" anzuschließen scheint. Als Erscheinungsdatum ist November 2026 vorgesehen. Darauf freue ich mich sehr, dass wir Hulda zumindest noch einen weiteren Band begleiten können. Mal sehen, wie lange die Autorin das noch fortführt, oder ob sie wie Volker Kutscher ihre Protagonisten vor dem 2. Weltkrieg beschützen möchte und dann aufhört. Aber bis 1939 sind es ja noch einige Jahre.


    9 Punkte von mir


    ASIN/ISBN: 349901341X