Endzeit - Frauke Buchholz

  • Frauke Buchholz: Endzeit. Kriminalroman. Der vierte Fall für Ted Garner, Bielefeld 2026, Pendragon Verlag, ISBN 978-3-86532-924-0, Klappenbroschur, 323 Seiten, Format: 13,4 x 2,3 x 20,4 cm, Buch: EUR 20,00, Kindle: EUR 17,99.


    Auf dem Monitor war das Foto eines kleinen Jungen zu sehen. Er hatte blonde Locken, war ziemlich mager und sah blass und kränklich aus, dennoch erkannte Garner sofort die Ähnlichkeit.
    „Sieht aus wie Felix Ross!“ Er spürte, wie das Adrenalin plötzlich mit Macht durch seine Adern schoss.
    (Seite 209)


    Der Psychologe Ted Garner, Mitte 40, verheiratet, 2 Kinder, ist ein kultivierter und gebildeter Mann, und er hält damit nicht hinter dem Berg: Ständig wirft er mit Zitaten von Arthur Schopenhauer um sich. Besonders lernfähig ist er jedoch nicht. Seit 12 Jahren arbeitet er als Profiler für das Regina Police Department in Saskatchewan/Kanada und hat einen fatalen Hang zu Selbstüberschätzung und lebensgefährlichen Alleingängen.


    Der Profiler gibt auf


    Garner weiß genau, dass er nicht „Dirty Harry“ ist, sondern „nur“ ein Theoretiker, der gerne Rätsel löst. Trotzdem hat er sich im letzten Band mit der Mafia angelegt, was sich jetzt bitter rächt: Seine Familie wird bedroht und ein ihm nahestehender Mensch als Warnung ermordet. Nun hört er endlich auf seine Frau, hängt den Profiler-Job an den Nagel und eröffnet eine psychologische Praxis.


    Oh je, denkt der Leser, der die vorigen Bände kennt. 😊 Wir wissen nämlich, dass Garner null Interesse an den Problemen seiner Klienten/Patienten hat. Ihn langweilt, was sie ihm erzählen und er findet, sie sollen sich nicht so anstellen.


    Zwei Jahre später …


    Zwei Jahre quält er sich als Therapeut durch, dann steht Ethan Walker, sein ehemaliger Chef bei der Polizei, auf der Matte und bittet um Hilfe.


    „Vor drei Tagen ist in einem abgelegenen Haus bei Moose Jaw ein abscheuliches Verbrechen passiert. Eine Frau und zwei Kinder wurden bestialisch ermordet.“  (Seite 47)


    Die drei wurden mit einer Axt erschlagen. Jason Ross, der Vater, ist allem Anschein nach schwer verletzt. Er und sein dreijähriger Sohn Felix werden vermisst. Sind sie entkommen? Wurden sie anderswo getötet? Entführt? Walker braucht ein Täterprofil und Ted Garner ist nur zu gerne bereit, es ihm zu liefern. Er schließt die Praxis und macht sich an seine Recherchen.


    Überraschend schnell steht für Garner und Walker der Täter fest: Charlie Byrd,


    Hat Garner den Fall zu schnell gelöst?


    Dann geht bei der Familie der ermordeten Melanie Ross ein Erpresserschreiben ein. Für eine Million Dollar kämen Jason und sein Sohn frei. Hm … Charlie Byrd kann für diese Forderung nicht verantwortlich sein. Hat er einen Komplizen? Ist das ein Trittbrettfahrer? Oder waren die Ermittler auf dem Holzweg?



    Ist das Findelkind der vermisste Felix?


    Zwei Monate später findet die Ärztin Genevieve Paradis rund 1.500 Kilometer vom Tatort entfernt, in Hay River/North West Territories, ein schwer krankes Kleinkind. Jemand hat es vor Notaufnahme der Klinik abgelegt. Ist es der vermisste Felix Ross?

    Das Kind spricht nicht. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass jemand hinter dem Kleinen her ist. Und diese Person geht über Leichen.


    Bis zum Hals im Schlamassel – wieder mal!


    Spätestens bei der Begegnung mit der resoluten Hannah Beaver von der Deneh Tribal Police und ihrem wortkargen Kollegen Adam Hunter wird Garner klar, dass er durchaus nicht frei ist von rassistischen Gedanken und Vorstellungen. Und dass er die Mordsache Ross gründlich vergeigt hat. Aber da steckt er schon wieder bis zum Hals im Schlamassel, und es sieht gar nicht gut für ihn aus …


    Ted Garner ist einer der wenigen Romanhelden, die ich zwar nicht leiden kann, mit denen ich aber trotzdem mitfiebere. Er ist großspurig und unbelehrbar und sein Tablettenkonsum gefällt mir auch nicht, doch er gibt alles, um die Wahrheit herauszufinden. Das klappt mal mehr und mal weniger gut und geht selten ohne Blessuren ab.


    Wie sich dieser schnöselige Stadtfrack zusammen mit den taffen Leuten aus dem Deneh-Reservat durch die winterliche kanadische Wildnis kämpft, das hat was! Diese sture Zähigkeit nötigt mir durchaus Bewunderung ab.


    Wie passen die Weltuntergangs-Szenarien ins Bild?



    Ist das jetzt echt letzte Band der Reihe? Das wäre schade! Die Kriminalfälle fand ich immer packend und Kanada und das Leben der First Nations hochinteressant. Ich war nicht immer begeistert von dem, was Ted Garner getan hat, aber wie er sich gedanklich an Täter und Motiv heranpirscht, das imponiert mir.


    Die Autorin


    Frauke Buchholz wuchs in der Nähe von Düsseldorf auf. Sie studierte Anglistik und Romanistik und promovierte über zeitgenössische indigene Literatur. Ihre Leidenschaft gilt dem Reisen und fremden Kulturen: So besuchte sie zahlreiche Reservate in Kanada und verbrachte einige Zeit in einem Cree-Reservat in Alberta. Heute lebt sie in Aachen und schreibt Kriminalromane sowie Kurzgeschichten. Innerhalb der Ted Garner-Reihe sind folgende Bände erschienen: »Frostmond« (2021), »Blutrodeo« (2022) und »Skalpjagd« (2024).


    ASIN/ISBN: 3865329241

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner