"Kleine Missis Langzopf" von Edith Grotkop

  • Ich war mir erst nicht sicher, ob ich meine Kritik als Rezi einstellen soll - aber andererseits wußte ich auch nicht, wohin sonst damit und schließlich habe ich das Buch komplett gelesen und mir meine Gedanken dazu gemacht. :gruebel


    Meine Rezension

    Dieses 1966 erschienene Buch spielt zur Kolonialzeit in „Ostafrika“.


    Die kleine Sonja, 11, kehrt nach einem vierjährigen Aufenthalt bei ihrer Tante in Deutschland auf die elterliche Plantage zurück. Dieses Buch erzählt von ihrem Leben dort und den Abenteuern, die sie mit ihrer Familie und ihren Tieren, dem Zebra Charly, dem Geparden Ciska und dem Löwenbaby Simba erleben darf.


    Doch die Idylle ist zeitlich begrenzt: die anscheinend problematische Schwangerschaft der Mutter bereitet den Abschied bereits vor, das nahende Ende der Kolonialzeit besiegelt das Ende ihres afrikanischen Abenteuers und läutet die Rückkehr in die deutsche Heimat endgültig ein.


    Eigentlich ist das Buch voller Geschichten, wie sie ältere Kinder gerne lesen: die Exotik Afrikas, Abenteuer im Busch mit wilden, gefährlichen Tieren und die nicht ganz so gefährlichen „Haustiere“, die ebenfalls fürs eine oder andere Abenteuer sorgen. So etwas habe ich als Kind auch sehr gerne gelesen. Das Buch hat ein bißchen „Daktari-Vibes“ versprüht.


    Allerdings wundere ich mich sehr, dass das verwendete Vokabular selbst im Jahr 1966 nicht „anstössig“ war. Ganz klar, damals wurde in Büchern noch ganz selbstverständlich von Negern geschrieben. Doch hier war bereits auf Seite 10 mehrfach von schwarzen Kindermädchen und kleinen Negerlein die Rede. Selbst wenn es nicht zwingend nötig war, die Hautfarbe zu erwähnen (weil man anhand des Namens den Protagonisten bereits kannte), wurde dies oft getan.


    Und auch sonst ist dieses Buch so dermaßen reaktionär, dass es mich gegraust hat: so finden sich Aussagen, dass Männer keine guten Kindermädchen sind (selbst bei ihren eigenen Kindern nicht), es werden uralte Erziehungsmethoden geschildert (erst ein paar auf den Hintern und dann „hat Mama eben keine Zeit zum gemeinsamen Spiel“) und immer wieder Sätze wie „so kann man die schwarzen Wilderer besser in Schach halten“ (Weiße Wilderer gibt es wohl nicht?) oder „all die kleinen schwarzen Nackedeis“ oder „dieser schwarze Mohrenkopf macht mich nervös“. Echt gruselig.


    Die kleine Sonja relativiert diese Vorurteile zwar an der einen oder anderen Stelle – sie ist ein sehr (welt)offenes und direktes Mädchen - dennoch fand ich den offen zur Schau getragenen Rassismus wirklich unerträglich. Das ist ein Buch, das ganz schlecht gealtert ist. Klar, es spielt in Afrika und das auch noch zur Kolonialzeit, da gibt es natürlich mehr Minenfelder als bei einem Kinderbuch, das in Europa spielt. Dennoch nur ganz schwer auszuhalten.


    Warum ich das Buch überhaupt gelesen habe? Ich habe es neulich aus dem Verschenkregal gezogen und war ehrlich gesagt genau darauf gespannt: Wie rassistisch heute ein Buch wirkt, das vor 60 Jahren geschrieben wurde. Naja, und vor dem afrikanischen / Plantagen-Hintergrund ist das Ganze natürlich noch viel übler. Würde man dieses Buch „entdiskriminieren“, wäre vom ursprünglichen Buch vermutlich nicht mehr viel übrig...


    ASIN/ISBN: B006NX42ZW

    Lieben Gruß,


    Batcat batsmile.gif


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)