Nach der 1. Veröffentlichung

  • Hallo!
    Auf die Gefahr hin, dass auch diese Frage schon durchgekaut wurde, stelle ich sie trotzdem nochmal -eigentlich sind's zwei Fragen:


    Nach meiner 1. Romanveröffentlichung bei einem kleinen Verlag halte ich jetzt Ausschau nach der nächstem Stufe der "Schriftstellerkarriere".


    Meine Fragen:
    Stimmt es, dass nach der 1. Veröffentlichung andere Regeln gelten? D.h. - wird jetzt alles leichter? Wie öffnen sich jetzt höhere Türen? ich frage das in Richtung der großen Verlage. Wie nähert man sich denen jetzt? Wird man anders wahrgenommen?


    Und 2.: Welche Möglichkeiten habe ich jetzt, auf ein neues Manuskript aufmerksam zu machen? Das frustrierende Einsenden und Absage kassieren habe ich ja nun zur Genüge hinter mir.
    Bringt es jetzt etwas, sich erstmal telefonisch vorzustellen oder tun sich da jetzt neue Wege auf?


    Dean

  • Hallo, Dean.


    Zitat

    Stimmt es, dass nach der 1. Veröffentlichung andere Regeln gelten? D.h. - wird jetzt alles leichter?


    Prinzipiell schon, aber es hängt auch vom Einzelfall ab. Und zum Beispiel davon, wie gut der erste Titel lief/läuft, wie die Presse aussah, welche Resonanz es grundsätzlich gab. Welche Reputation der Verlag hat. Veröffentlichungen bei kleinen, aber "echten" Verlagen bringen grundsätzlich mehr als Publikationen per BoD oder im Selbstverlag, aber ein echter Türöffner sind sie nicht notwendigerweise. Das hängt, wie gesagt, auch vom Erfolg des ersten Buches ab.


    Zitat

    Wie nähert man sich denen jetzt? Wird man anders wahrgenommen?


    Eigentlich wie vorher, mit dem Unterschied, dass man jetzt einen Eintrag in der Vita hat, den man auch vorzeigen kann.


    Zitat

    Und 2.: Welche Möglichkeiten habe ich jetzt, auf ein neues Manuskript aufmerksam zu machen? Bringt es jetzt etwas, sich erstmal telefonisch vorzustellen oder tun sich da jetzt neue Wege auf?


    Tatsächlich sind die Buchmessen (Leipzig, Frankfurt) hier ein gutes Mittel, um mit dem Erstling unter dem Arm ein paar infragekommende Verlage abzuklappern und gezielt nach anwesenden Lektoren zu fragen. Pressemappe oder ähnliches sind gute Ergänzungen für derlei. Telefonischer Vorabkontakt ist eigentlich grundsätzlich zu empfehlen, alleine um einen Ansprechpartner zu ermitteln, dem man Manuskript und Unterlagen direkt zukommen lassen kann.


    Aber erwarte nicht zu viel. Selbst Autoren, die in größeren Verlagen ihren Erstling veröffentlicht haben, werden nicht notwendigerweise danach mit offenen Armen bei anderen Verlagen empfangen. Entscheidend ist auch hier, wie gut der erste Titel lief. Wenn es ein totaler Flop war, der auch noch von Provinzzeitungen verrissen wurde, kann es sogar sein, dass es danach schwieriger wird.

  • Lieber Dean,


    ganz frisch bei den Eulen bin ich gerade über deine Frage gestolpert und möchte
    Toms Kommentar (dem ich in fast allen Punkten zustimme) noch etwas hinzufügen.


    Veröffentlichung hin, Veröffentlichung her: Meiner Erfahrung nach ist es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, ohne Agent einen Fuß in die Türen der "Großen" zu bekommen. Dann wiederum ist es sogar möglich, dass ein zuvor (unverlangt) eingereichtes Manuskript beim selben Verlag einen richtigen Treffer landet. So etwas passiert tatsächlich!


    Was die Buchmesse anbelangt: Ich persönlich halte sie für den unpassendsten Moment des Jahres, an die Lektoren heranzutreten – es sei denn man hat vorab einen Termin ausgemacht. Das Tempo, mit dem die armen Leute von einem Termin zum nächsten hetzen, ist einfach atemberaubend und lässt den Schluss zu, dass da verdammt wenig Kapazitäten für einen Autor frei sind, den man ja noch gar nicht kennt.


    So, ich wollte dich aber nicht entmutigen, im Gegenteil. An deiner Stelle würde ich mich erstmal auf die Agentensuche konzentrieren. Dann seid ihr nämlich schon zwei, die deinem Buch unbedingt zum Erfolg verhelfen wollen.
    In diesem Sinne: Viel Glück!
    SteffiB

  • Vielleicht hilft eine Zahl - eine sehr kleine -, um sich zu vergegenwärtigen, wie groß bzw. klein die Chancen sind: Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse gab es insgesamt neun (in Zahlen: 9) Debüts deutschsprachiger Autoren bei Publikumsverlagen. Diese Zahl bezieht sich vermutlich auf die Herbstprogramme, vielleicht aber auch auf das gesamte Erscheinungsjahr.

  • Lieber Tom,


    NEUN? Dann wäre ich ja eine von neun ... und das kann ich kaum glauben. Ich war auf der Messe und habe mich umgeschaut und durchaus das Gefühl gehabt, dass es wesentlich mehr sind. Sind denn dabei alle Publikumsverlage in Betracht gezogen worden??????? Das sind mit Sicherheit mehr als neun, und so gut wie jeder hat einen deutschen Debutanten im Gepäck gehabt. Korrigiere mich, wenn ich da einer massiven Täuschung aufgesessen bin.


    Äußerst erstaunte Grüße von
    SteffiB

  • Hallo SteffiB



    Zitat: Veröffentlichung hin, Veröffentlichung her: Meiner Erfahrung nach ist es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, ohne Agent einen Fuß in die Türen der "Großen" zu bekommen.


    Das mit der Buchmesse sehe ich genauso. Man stelle sich vor, als gestresster Lektor werde ich auch noch von Dutzenden Autoren auf der Messe genervt.


    Hast Du für mich irgendwelche Tipps bzgl. Angentensuche? Meiner erfahrung nach gestaltet sich das ähnlich schwierig wie die Verlagssuche


    Dean

  • Hallo Tom


    Wen genau meinst Du mit Publikumsverlagen? Nur die Großen?
    Ansonsten wäre ich ja auch einer dieser 9 Autoren.


    Woran liegt das eigentlich?
    Ich krieg' das immer noch nicht auf die Reihe: Ein Verlag lebt doch davon, Bücher zu machen. Und bei der Menge, die gelesen wird, müssten die doch einen Riesenbedarf an neuen Autoren haben? Oder ist es tatsächlich so, dass man als Verlag mit Übersetzungen bekannter amerikanischer Autoren einfach auf der sicheren Seite ist und das Risko scheut?


    Übrigens hätte ich mich gerne am Samstag in Spaichingen über solche Themen unterhalten. Aber nach 4oo KM Autofahrt und der Lesung hat mich meine Erkältung irgendwann doch vollends außer Gefecht gesetzt.


    Dean

  • Lieber Dean,


    du schriebst:
    ich krieg' das immer noch nicht auf die Reihe: Ein Verlag lebt doch davon, Bücher zu machen. Und bei der Menge, die gelesen wird, müssten die doch einen Riesenbedarf an neuen Autoren haben? Oder ist es tatsächlich so, dass man als Verlag mit Übersetzungen bekannter amerikanischer Autoren einfach auf der sicheren Seite ist und das Risko scheut?


    Die Antwort ist Jein. Ich denke, dass die gesunde Mischung es macht – ein paar deutsche Autoren, ein paar neue, ein paar etablierte, ein paar Übersetzungen, und dann natürlich die, die mit Sicherheit viel Geld einspielen und den ganzen Rest bezahlen ;-) Ich habe gerade mal nachgeschaut: bei Knaur - und das ist kein kleiner Verlag - erscheinen in diesem Herbsthalbjahr 18 Titel im Hardcover. Bei den anderen sieht es ähnlich aus. Nicht gerade eine unüberschaubare Menge, auch in der Gesamtzahl aller großen Publikumsverlage nicht.


    Und einen Agenten finden? Bei Uschtrin schauen, sich einen heraussuchen, der passen könnte, sich eine gute Einleitung zurechtlegen, mehrmals gaaaanz tief atmen und dann zum Hörer greifen. Den Rest muss das überzeugende Konzept und – wenn der Agent/die Agentin interessiert ist – der überzeugende Inhalt erledigen.
    Viel Glück wünscht
    SteffiB

  • Hallo, Dean.


    Du bist bei Nordmann, richtig? Der gilt m.E. als Kleinverlag. Die Zahl bezog sich auf größere Publikumsverlage. Bei kleineren Verlagen ist die Anzahl der Debütanten naturgemäß sehr viel größer (bei einigen sogar die Mehrheit), weil sich viele neue Autoren angesichts der objektiven Chancenlosigkeit bei großen Häusern an solche Verlage wenden, dann aber weggehen, wenn sich Erfolg einstellt.


    Ja, es gibt Bedarf an neuen Autoren, auch übrigens aus wirtschaftlichen Gründen. Etablierte Autoren sind sehr viel teurer, Fremdrechte sowieso, und nicht selten bezahlt ein Buch nicht einmal den - zuweilen gewaltigen - Vorschuss, den der Verlag abdrücken musste, um die Rechte zu bekommen. Aber das Publikum ist bei neuen Autoren deutlich zurückhaltender. Viele greifen ganz automatisch nach Büchern von Leuten, von denen sie schon einmal gehört oder sogar etwas gelesen haben. Der Verlag muss einen ungleich höheren Aufwand betreiben, um solche Titel im Präsenzbuchhandel zu platzieren, zu bewerben und eben zu verkaufen. Häufig verschwinden Debütanten gleich nach dem ersten Buch wieder in der Versenkung, nicht wenige schaffen es - aus vielerlei Gründen - einfach nicht, einen weiteren Roman abzuliefern. Das ist also auch ein Vabanque-Spiel. Deshalb geben es sich viele große Publikumsverlage nur ausnahmsweise, neue Autoren aufzubauen. Es liegt aber auch an der Qualität des verfügbaren Materials. Weit mehr als 90 Prozent dessen, was so durch die Republik geschickt wird, ist tendentiell unverkäuflich oder einfach totaler Schrott. Mein Lektor hat aus den unverlangt zugesandten Manuskripten, die während der vergangenen sechs Jahre über seinen Schreibtisch gegangen sind, ganze zwei (!) herausgepickt, die schließlich zu Büchern wurden. Und er behauptet zumindest, wirklich alles zu lesen, jedenfalls auszugsweise (was ich ihm auch glaube). Ein Manuskript, das ganz okay ist, ist eben längst noch kein marktfähiges Manuskript. Es muss schon wirklich überzeugend sein. Und das gelingt eben tatsächlich den wenigsten. Davon abgesehen, wie gesagt: Die Hemmschwelle der Käufer, nach dem Buch eines völlig unbekannten Autors zu greifen, ist im Normalfall ziemlich hoch. Das kann man leicht an sich selbst ausprobieren, übrigens nicht nur bei Büchern, sondern z.B. auch bei Musik.

  • Hallo Tom


    Hört sich alles ziemlich logisch an. Und nach dem, was ich in letzter Zeit so gehört und erlebt habe, ist es wohl wirklich so, dass 98% der eingesandten Manuskripte noch nicht mal ansatzweise dem entsprechen, was man gemeinhin ein "Buch" nennt. Da kann man schon nachvollziehen, dass ein genervter Lektor schon mal stapelweise Manuskripte zurückgehen läßt, obwohl sich darunter die ein oder andere Perle befindet.
    Aber so ist das eben. Vielleicht gehört das dazu: Man muss sich nach oben durchbeißen und die, die sich nicht entmutigen lassen und vor allem bereit sind, sich zu verbessern und zu lernen, schaffen's dann auch.


    Dean

  • Hallo, Dean.


    Zitat

    Da kann man schon nachvollziehen, dass ein genervter Lektor schon mal stapelweise Manuskripte zurückgehen läßt, obwohl sich darunter die ein oder andere Perle befindet.


    Das mag tatsächlich geschehen, ich habe jedenfalls diesbezügliche Gerüchte gehört, sogar aus relativ zuverlässiger Quelle. <hüstel> Manchmal weisen Lektoren ihre Praktikanten an, einfach einen ganzen Schwung Manuskripte mit Formablehnungen zurückzuschicken, weil sie es nicht schaffen, das ganze Zeug zu prüfen, und das Risiko, dieserart eine vereinzelte Perle ins Meer zurückzuwerfen, in Kauf nehmen.

  • Was die genannten 98% betrifft: Vorgestern habe ich mit der Lektorin eines großen Jugendbuchverlages telefoniert. Sie hat gesagt, von 2000 unverlangt eingesandten Manuskripten, die pro Jahr auf ihrem Tisch landen, kann sie nur 0 bis 2 drucken. Das ist dann bestenfalls eine Promille.


    Da bin ich ja schon richtig stolz drauf, dass ich von ihr eine gute Resonanz bekommen habe!


    Grüßle,
    Judith

    Toni und Schnuffel / Tricks von Tante Trix / Papino und der Taschendieb / Das Dreierpack und der böse Wolf
    Tanz mit Spannung / ... und jetzt sehen mich alle! / Voll drauf / Die Kellerschnüffler u.a.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Judith ()

  • Tom
    "sind die Buchmessen (Leipzig, Frankfurt) hier ein gutes Mittel, um mit dem Erstling unter dem Arm ein paar infragekommende Verlage abzuklappern und gezielt nach anwesenden Lektoren zu fragen."


    Die freuen sich aber, wenn da auf der Messe einer kommt, der nach ihnen fragt. Vor allem, wenn sie ihre Tage mit Gesprächen durchterminiert haben.

    Peter Waldbauer, Jahrgang 1966, ist Betriebswirt und wohnt als freiberuflicher Dozent und Autor in der Nähe von Heidelberg. Er veröffentlichte bisher Essays und elf Bücher.

  • Ich denke auch, dass die Mitarbeiter eines Verlags auf einer Buchmesse etwas anderes zu tun haben als Manuskripte entegegen zu nehmen oder gar zu lesen.


    Agenten werden leider ähnlich "zugemüllt" mit Anfragen wie Verlage, aber ich denke, sie lesen noch eher, was sie bekommen. Es sei denn, sie haben einen grundsätzlichen "Aufnahmestopp" (habe ich ein paar Mal gesehen).

  • Es sind Lektoren auf den Buchmessen, und sie sind nicht die ganze Zeit über beschäftigt. Ich habe schon danebengesessen, als Autoren an den Stand kamen, nach Lektoren gefragt und denen dann auf der Messe ihre Projekte vorgestellt haben. Aber der normale Weg ist das nicht - das hatte ich ja auch nicht (vor nunmehr 8 Jahren) behauptet.


    Ansonsten ist der direkte Verlagskontakt sowieso nur noch in Ausnahmefällen sinnvoll. Das sollte man ab gewissen Größenordnungen gefälligst Agenturen übernehmen lassen.

  • @ Tom
    "Es sind Lektoren auf den Buchmessen, und sie sind nicht die ganze Zeit über beschäftigt. Ich habe schon danebengesessen.."


    Dass die Lektoren von den Zuschussverlagen Zeit haben, hat auch niemand bestritten. ;-)

    Peter Waldbauer, Jahrgang 1966, ist Betriebswirt und wohnt als freiberuflicher Dozent und Autor in der Nähe von Heidelberg. Er veröffentlichte bisher Essays und elf Bücher.

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Peter Waldbauer ()