Vollendet - Neal Shusterman (ab 14 J.)

  • Der Autor:
    Neal Shusterman hat zahlreiche Romane für junge Erwachsene geschrieben, außerdem Drehbücher für Spielfilme und Fernsehserien verfasst, darunter Animorphs und Gänsehaut. Neal Shusterman ist Vater von vier Kindern und lebt in Südkalifornien.


    Der Inhalt (Quelle: Amazon):
    Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren „umwandeln“ lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber … wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?


    Originaltitel:
    Unwind


    Meine Meinung:
    Bist du noch am Leben, wenn jeder Teil deines Körpers in einem anderen Menschen weiter lebt? Diese Fragen stellen sich alle Jugendlichen, die umgewandelt werden sollen - Kriminelle oder verhaltensauffällige Jugendliche, Waisenkinder, religiöse Opfer, Scheidungskinder - die Liste der Wandler ist lang und jeder hat eine eigene Geschichte.
    So auch Connor, Risa und Lev, die sich auf dem Weg zu ihrer Umwandlung begegnen und gemeinsam fliehen können - doch damit fangen die Probleme gerade erst an...


    Neal Shusterman erschafft mit "Vollendet" eine grausige Zukunftsvision. Stück für Stück erfährt der Leser die Hintergründe dieser Gesellschaft - was zu Beginn noch unvorstellbar wirkt, wird somit von Kapitel zu Kapitel realistischer. Menschen sind zu unglaublichen Gräueltaten fähig, das wird jeden Tag aufs Neue deutlich. Wieso sollte nicht irgendjemand auf den Gedanken kommen, es wäre eine gute Idee ungewollte Kinder als Organspender zu benutzen - ob sie wollen oder nicht?
    Die Charaktere wechseln sich als Erzähler ab, dadurch erhält der Leser Einblick in verschiedene Gedanken, verschiedene Beweggründe und verschiedene Ängste. Durch diese emotionale Nähe zu den Protagonisten erscheint die Geschichte noch viel erschreckender und beängstigender als sie sowieso schon ist.
    Wer einen Thriller in Jugendbuchform erwartet, ist hier allerdings falsch. Die Geschichte ist spannend, aber kein Thriller - das tut der Klasse des Buchs aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: es besticht durch seine unterschwellige Grausamkeit, die Überlebensangst und moralischen Fragen der Jugendlichen. Shusterman hat eine einzigartige Story entworfen, die den Leser von der ersten Seite an fesselt. Er ist ein großartiger Schriftsteller, seine Personen sind individuell, realistisch und sehr detailliert ausgearbeitet. Immer wieder streut er Bemerkungen oder Anspielungen ein, die sich im Laufe der Geschichte verdichten und plötzlich Ungeheuerliches aufdecken. Fantastisch!


    Fazit:
    Eine spannende, unglaublich gute Geschichte, die mich nicht mehr losgelassen und am Ende fassunglos zurück gelassen hat! Ich bin begeistert und warte auf mehr von Neal Shusterman, denn er hat voll meinen Geschmack getroffen :anbet.
    Das Buch werde ich sicher noch öfter lesen, darum: 10 Punkte!

  • Danke für deine Rezi, ich hatte mir unter der englischen Kurzbeschreibung irgendwie eine etwas andere Geschichte vorgestellt. Vielleicht lag es auch an meinen Englischkenntnissen. :gruebel Aber interessant ist die Grundgeschichte auf jeden Fall, jetzt werde ich mal schauen, in welcher Sprache ich mir das Buch zulegen werde. :grin

  • Inhalt: Laut der "Charta des Lebens" ist das Leben schützenswert von der Empfängnis bis zum 13. Lebensjahr. Die Umwandlung (auch "rückwirkende Abtreibung" genannt) zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr ist erlaubt, da das Leben streng genommen nicht endet, denn alle Teile des Jugendlichen werden sozusagen wiederverwertet. Außerdem ist es eine bequeme Art ungewollte und/oder schwierige Jugendliche auf einfache Art loszuwerden. Die Gesellschaft hat sich mittlerweile sehr an die immer zur Verfügung stehenden Körperteile der "Wandler" gewöhnt.


    Drei Jugendliche, die kurz vor der Umwandlung stehen, fliehen (unfreiwillig), treffen aufeinander und versuchen sich durchzukämpfen.


    Meinung: Über größere Teile ist das Buch weniger Dystopie als eine Flucht-/Versteckgeschichte mit leicht grausigem Hintergrund. Alleine dieser Hintergrund hätte ein viel größeres Potential als der Autor ausschöpft. Er kratzt die meiste Zeit nur an der Oberfläche der Möglichkeiten und wird erst zum Ende hin konkreter.


    Blickt man hinter das Setting des Buches ist es aufgrund des hohen Erzähltempos spannend, mit einem durchschnittlichen, einfachen Jugendbuchstil der weder besonders positiv noch großartig negativ auffällt. Die Charaktere sind nicht besonders tiefgründig, was sie aber auch nicht sein müssen. Für meinen Geschmack hätte der Autor sich jedoch auf seine drei Hauptcharaktere konzentrieren sollen und nicht immer wieder (teils extrem kurze) Absätze aus der Sicht anderer Figuren einstreuen sollen, an sich finde ich den Aufbau aber noch okay und bewerte ihn eher neutral.


    Was mir nicht so gefiel: Neal Shusterman versucht seine Geschichte auch noch mit kleinen "Intrigen" und Terror anzureichern, packt aber viel zu schnell den Erklärbären aus um den Leser zu informieren oder sehr deutlich anzudeuten was nun eigentlich gerade vor sich geht, wer der Schuldige ist, was passieren wird ... das geht viel zu schnell (was nützt es wenn man erst versucht die Leser in die irre zu führen, es aber viel zu schnell auflöst?), zu einfach und ist ungefähr so subtil wie ein Elefant im Porzellanladen der laut trompetet sobald er wieder etwas zerdeppert hat.


    Das war aber nur der kleinere Kritikpunkt zu diesem Buch. Der weitaus Größere bezieht sich auf den Hintergrund den Neal Shusterman aufbaut. Bei den derzeit moderenen Jugenddystopien wird ja gerne mal herumgemäkelt das es zu wenig Hintergrundinfos gibt wie es nun zu dieser Situation kam. Ich kann damit normalerweise ganz gut leben wenn die Hintergründe etwas mysteriös sind und zu großen Teilen im Dunkeln bleiben (aber wie gesagt, Subtilität ist nicht des Autors Stärke). Wenn der Autor jedoch anfängt Erklärungs-Bröckchen einzustreuen dann sollten die Entwicklungen nachvollziehbar sein und eine innere Logik aufweisen. Doch Neal Shusterman geht zu oberflächlich an die Sache ran.


    Bereits zu Anfang stellt er in einem kurzen Abriss die "Charta des Lebens" vor, deren Einführung den sogenannten "Heartland-Krieg" zwischen Abtreibungsgegnern und -Befürworten beendete. Innerhalb des Buches versucht er die Entwicklungen durch einen Zeitzeugen zwar näher zu erläutern wobei einige Entwicklungen tatsächlich etwas logischer erscheinen, aber für meine zentralen Kritikpunkte kann er zu keinem Zeitpunkt mit einer glaubwürdigen Lösung aufwarten.


    1.) Stellt man uns die Frage vom Klappentext "Wenn jeder Teil von dir am Leben ist nur eben in jemand anderem ... lebst du dann oder bist du tot?" - wer würde dann behaupten das derjenige tatsächlich noch lebt?! Selbst die Figuren im Buch philosophieren darüber und sind nicht der Meinung dass man hinterher noch lebt. Bei ihnen ist es jedoch eine gängige (gelehrte) Meinung dass ein Leben so nicht endet. Der Autor erklärt nicht warum die Menschen plötzlich auf die Idee kommen es würde das Leben nicht beenden wenn man jemanden in Stücke hackt und anderen einpflanzt.
    2.) Gut, die Kriegsseiten haben ihre Anführer ja nach ihrer Position und nicht nach Führungsqualität ausgesucht. Und trotzdem sind beide Parteien mit dem eigentlich als schockierend und nur halbherzig ernst gemeinten Vorschlag einverstanden. Eine sehr seltsame Art einen Krieg zu beenden. "Hey, ich bin gegen Abtreibung, du bist dafür, also einigen wir uns darauf das man es erst ab dem 13. Lebensjahr kann!" ... Hääää???
    3.) Der Autor kann auch nicht erklären warum jemand, der das Leben so befürwortet das er GEGEN die Abtreibung ist plötzlich auf die Idee kommt, dass das Leben nur bis zum 13. Lebensjahr schützenswert ist. Die Ermordung von Abtreibungsärzten, die der Autor hier anführt um zu zeigen dass beide Seiten mitnichten die Moral für sich gepachtet hatten, richtet sich aber gegen Abtreibungsdurchführer nicht gegen das abzutreibende Kind selbst. Logik, wo bist du?!?
    4.) Zusammenfassung: Die Herleitung aus einem Krieg ist ja an sich ganz nett und das die Charta vielleicht nie umgesetzt worden wäre wenn mehr Leute zu Organspenden bereit gewesen wären und es letztendlich die Gier war die über die Moral siegte. Das ist nachvollziehbar. Aber die o.g. Punkte sind das nicht. Und das sind nun einmal die zentralen Stellen der Begründung warum die Welt in diesem Buch nun so ist wie sie eben ist.


    Und das macht es für mich einfach so unglaubwürdig, dass ich mich fast das ganze Buch hindurch geärgert habe.


    Wenigstens endet das Buch nicht mit einem Cliffhanger, für ein Reihenbuch ist es sogar recht abgeschlossen, sodass es nicht schlimm ist wenn man die Reihe hiernach nicht weiterverfolgen möchte.


    Mein Fazit: Ein Jugendbuch mit grausiger Idee, die mehr Potential gehabt hätte, umgesetzt mit einem durchschnittlichen Stil, viel Spannung und wenig subtil. Da der Hintergrund für mich zu unglaubwürdig aufgebaut wurde kann ich dem Buch jedoch nur 4 Punkte geben. Eine neutrale oder positive Bewertung käme bei den o.g. Kritikpunkten beim besten Willen nicht in Frage. Aufgrund der guten Spannung ist der Bewertung mit kleiner Tendenz nach oben zu sehen.


    Anmerkung: Ohne die o.g. Kritikpunkte wäre es wohl bei 7 Punkten gelandet. ;-) Wer sich davon nicht gestört fühlt dürfte also durchaus Spaß mit dem Buch haben.

    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.

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  • Zum ersten Mal seit Langem konnte ich nicht direkt nach dem Lesen eine Rezension schreiben, weil mich das Buch so sehr beschäftigt hat.
    Über den Inhalt möchte ich eigentlich nicht allzu viel schreiben, denn der Klappentext verrät schon einiges.
    Mich hat es schockiert, dass man als Autor auf die Idee kommt, eine Welt zu schaffen, in der Kinder ihren Körper in Einzelteilen "spenden" und die Eltern sie damit los sind. Gewalttätige Kinder, ungewollte Kinder oder Kinder, deren Bestimmung es von Geburt an war sich umwandeln zu lassen.
    Ein wenig Moral kommt in dem Buch auch vor, z. B. dass man sich besser benehmen sollte und nicht immer nur Streit anzetteln sollte, dass zu religiös sein nicht unbedingt erstrebenswert ist.
    Die drei Protagonisten Connor, Risa und Lev konnte ich durchweg gut leiden und habe deren Entwicklung gespannt mit verfolgt. Im Laufe des Buches werden alle drei immer erwachsener und stehen auf die ein oder andere Art einander bei.
    Die Stimmung ist durchweg düster, was mir immer gut gefällt. Der Autor hat sich einige böse Sachen ausgedacht, die so tatsächlich passieren könnten.
    Ich bin mir nicht so sicher, ob das Buch als Jugendbuch geeignet ist. Es ist zwar nicht durchweg brutal, aber die Grundstimmung könnte so manchem Jugendlichen zusetzen. Die kurzen Kapitel verleiten zum weiterlesen und machen es einem schwer einfach aufzuhören.
    Alles in allem hat es mir sehr gut gefallen und ich kann es jedem, der Bücher des Genres Dystopie mag nur empfehlen. Es war zumindest für mich eine völlig neue Idee, die gut umgesetzt wurde.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Ich kann Booklooker nur zustimmen: das Buch ist wohl eher für ältere Jugendliche und junge Erwachsene geeignet.
    Ich für meinen Teil hätte mich als Jugendliche wohl gefürchtet, dass so etwas Wirklichkeit werden könnte.
    Die Geschichte der 3 Protagonisten ist sehr packend erzählt und ich habe bis zum Schluß gehofft, dass alle 3 überleben werden.


    Eines verstehe ich aber nicht ganz: wieso sind Abtreibungsgegner damit einverstanden, dass Kinder ab dem 13. Lebensjahr umgewandelt werden können?
    Gut, das ganze ist eine erfundene Geschichte, aber ich erkenne trotzdem keine Logik dahinter.
    Ein Leben sollte immer geschützt werden und es ist doch ebenso brutal ein Kind mit 13 Jahren zu töten wie ein ungeborenes Kind abzutreiben.
    Die Erklärung dazu hat mir gefehlt und es will immer noch nicht in meinen Kopf rein, warum dieses Gesetz geschaffen worden sein sollte. Vor allem, dass so viel Gebrauch davon gemavht wurde. Wie kann ich mein Kind umwandeln lassen? Mein Kind, dass ich 13 Jahre oder länger großgezogen habe? Auch wenn mein Kind keine gute Noten in der Schule hat oder Streit mit mir als Elternteil beginnt (das war zum Teil die Geschichte von Connor, oder?). Das verstehe ich immer noch nicht.... :hau


    Dennoch hat mir das Buch sehr gut gefallen, habe es in kürzester Zeit ausgelesen und ich würde es jederzeit nochmal lesen.
    Deshalb 8/10 Punkten.


  • Ich schließe mich euch beiden an, das Buch ist sehr spannend und auch in meinen Augen, nur für ältere Jugendliche, junge Erwachsene geeignet. Das ein oder andere Mal, habe ich auch tief schlucken müssen und habe auch nach Beendigung, noch einige Zeit darüber nachdenken müssen.


    Vielleicht kann ich deine Frage beantworten, zumindest möchte ich es versuchen und so erklären, wie ich es verstanden habe.


    Abtreibung ist verboten, weil es einen Tötungsdelikt darstellt. Die Umwandlung ist keine Tötung, sondern in den Augen der Befürworter, die sich ihre eigene Wahrheit zurecht gelegt haben, Leben, weil alle Teile, so sagt man es zumindest immer, wiederverwertet werden. Was und wie das eigentlich genau passiert, erfährt man als Leser ja im letzten Drittel und das war meiner Ansicht nach ganz schön heftig.
    Vorstellen mag ich mir das alles lieber nicht, aber Menschen sind zu allem fähig und wer weiß, was die Zukunft noch bringt. Die Idee ist auf jeden Fall neu, sehr gut umgesetzt und mit den Protagonisten spannend beschrieben und dieses Zukunftsszenario schockt richtig!


    LG :wave

  • Zitat

    Original von Mercymelli
    Abtreibung ist verboten, weil es einen Tötungsdelikt darstellt. Die Umwandlung ist keine Tötung, sondern in den Augen der Befürworter, die sich ihre eigene Wahrheit zurecht gelegt haben, Leben, weil alle Teile, so sagt man es zumindest immer, wiederverwertet werden.


    Ja genau, da ist wieder das Totschlagargument. Diese Gehirnwäsche dichtet der Autor auch seiner Gesellschaft an. Für uns ist es natürlich dasselbe -> Umwandeln = Töten. Deshalb finden wir die Idee des Autors auch abartig, krank, krass. Woran es hier aber hakt ist das der Autor in seinen Erklärungen keinen Grund dafür findet warum die Menschen von unserer heutigen Sicht zur gelehrten und erst einmal weithin akzeptierten Sicht kommen das die Umwandlung keine Tötung darstellt. Das ist unlogisch und hat mir fast den ganzen Spaß an diesem Buch genommen. Aber das habe ich ja auch schon in meiner Rezension ausführlichst bemängelt. *seufz*

    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt.

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  • Stimmt, das ergibt Sinn. Die einzelnen Teile der Kinder leben in anderen Menschen weiter. Ob man allerdings wirklich von "weiterleben" sprechen kann, ist die große Frage. Aber genau diese Frage stellen sich ja auch die Jugendlichen im Buch. Eine Antwort gibt es darauf wohl nicht wirklich, oder? *hm*



    Fasziniert und zugleich geschockt hat mich die Geschichte des Jungen, der den Hirnlappen eines Wandlers bekommen hat.
    Schlimm wenn im eigenen Kopf die Gedanken von jemand anderem sind und diese Gedanken immer wieder von einem selbst Besitz ergreifen.



    Ein wirklich schockierendes Zukunftsszenario, das hoffentlich niemals Wirklichkeit werden wird.

  • Hey ich bin neu hier und hoffe hier dürfen nicht nur Rezensionen rein, sondern auch nachdenkliches zum Buch. Ich wollte das Buch eigentlich an einen 14-jährigen verschenken, da die Bestellung aber verspätet eintraf, hab ich es nun selbst behalten (und schon gelesen) und was anderes verschenkt. Im Nachhinein bin auch ganz froh drüber.


    Die Geschichte hat mich wirklich beeindruckt. Die unterschiedlichen Lebensgeschichten der Charaktere sind gut erfasst und schlüssig erläutert. An manchen Stellen fand ich das Buch fast etwas knapp gehalten, da würde man gerne mehr zu erfahren. Gleichzeitig ist diese Konzentration auf Lev, Risa und Connor auch gut - da bin ich noch unentschlossen. Also natürlich gibts ja auch kleine Nebenschauplätze - aber lange nicht so ausschweifend wie bei anderen Dystopien. Gut finde ich auch, dass das lange Warten auf eine Fortsetzung ausbleibt- die ist zwar möglich, aber in sich ist die Geschichte erstmal rund und beendet.


    Aber was ich eigentlich loswerden wollte (das sollten wirklich nur die lesen, die das Buch schon kennen)

  • Meine Meinung


    Dieser erster Teil der Serie wird aus verschiedene Perspektiven und schnelle Wechsel derselben erzählt. Es ist eine gute Grundidee, welche die Entwicklung von Abtreibung bis hin zur „Entsorgung“ von ungewollten Jugendlichen zur Organspende führt. Leider finde ich die Umsetzung jedoch schlecht, Mitgefühl für diese Jugendlichen hat sich kaum einstellen wollen und der Erzählstil war auch nicht meiner.
    Im Original ist der zweite Teil „UnWholly“ schon erschienen, der dritte „UnSouled“ soll im Herbst folgen. Ich werde sie vermutlich nicht lesen, außer vielleicht ich bekomme sie wieder als eBook aus der Onleihe.

  • Dystopien sind für mich immer wie ein Überraschungsei: Man weiß nie, was drin steckt und manchmal wird man auch enttäuscht. Da ich allgemein dem Genre sehr skeptisch gegenüberstehe, fiel es mir zunächst schwer, mich auf dieses Buch einzulassen, allerdings verschwand dies immer mehr, je mehr ich über die Handlung und die Charaktere erfahren habe.


    Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Die Geschichte liest sich spannend und flüssig. Trotz der Thematik wird die Geschichte nicht allzu dramatisch erzählt, vielmehr informiert sie stellenweise über das Thema Organspende, zum anderen beschreibt die Geschichte das Leben der Menschen, die darunter leiden müssen, dass der Staat seine Machtspielchen an ihnen auslässt. Neal Shusterman hat ein großes Talent, seine Leser an sich zu binden, nur selten konnte ich das Buch aus den Händen legen.


    Gelungen sind auch die Charaktere, die mir zum Großteil sehr sympathisch waren. Connor, Risa und Lev sind alles andere als glücklich und müssen sich täglich mit Dingen befassen, die für andere Jugendliche relativ fremd sind. Connor gerät ständig in Situationen, in denen es zu Ärger kommt, Risa ist eine talentierte Musikerin und lebt in einem Waisenhaus und Lev muss sich mit strenggläubigen Eltern herumschlagen, die das Leben nicht unbedingt angenehm gestalten. Die drei Jugendlichen sind sehr unterschiedlich und haben keinerlei Gemeinsamkeiten, allerdings sind sie auf der Flucht, weil sie nicht in die Fänge des Organhandels geraten möchten. Trotz ihrer Lebensumstände haben sie nur einen Wunsch: Sie wollen leben! Ich konnte mit ihnen mitfühlen, konnte ihre Gedanken, Ängste und Argumente verstehen und man wünscht ihnen einfach ein besseres Leben, um auch einmal auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Obwohl jeder Charakter seine Macken hat und ich nicht direkt mit ihnen warm wurde, sind sie doch am Ende allesamt sehr sympathisch. Vor allem Risa ist eine Protagonistin, die man einfach ins Herz schließen muss. Alle Drei entwickeln sich während der Flucht gut, sie werden quasi erwachsen und können sich und das Leben anderer besser einschätzen und handeln nicht mehr nur aus dem Bauch heraus.
    Die Flucht selbst ist relativ spektakulär geschrieben und hat mir so manchen Gänsehautmoment beschert.


    Das Thema Organspende ist mit Sicherheit nicht neu, allerdings immer wieder interessant. Vor allem die Darstellung, dass man durch seine Organe in anderen Menschen weiterleben soll, ist interessant. Man versucht ein ernstes Thema, bei dem es um Leben und Tod geht, schön zu reden, indem man den Jugendlichen vermittelt, dass sie mit ihrer Spende und ihrem Tod etwas Wunderbares erreicht.
    Gleichzeitig wird aber auch ordentlich aussortiert. Problemkinder, die entweder schlechte Noten haben, Streitereien erzeugen oder keine Eltern mehr haben, werden durch die Organspende ausgesucht. Für mich als Leserin ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Der Staat, der seine Einwohner mit dieser Methode mehr oder weniger bestraft, findet diese Vorgehensweise jedoch vollkommen okay.
    Auch das heikle Thema Abtreibung wird in diesem Buch besprochen. Gleich zwei solcher Themen in einem Jugendbuch ist vom Autor sehr mutig, aber trotz mancher Zweifel sehr gut gelungen. Das Buch ist dadurch nicht nur ein einziger Fingerzeig, sondern auch informativ und dem Leser wird die Chance gegeben, sich selbst seine Gedanken zu machen.


    Die Covergestaltung ist kaum der Rede wert. Das Cover ist sehr schlicht, leicht silbrig und der Titel springt direkt ins Auge. Allerdings ist bei dieser Geschichte auch kein großes Cover nötig, denn die Geschichte überzeugt einfach ohne kitschige Bilder. Die Kurzbeschreibung liest sich spannend und hat sofort mein Interesse geweckt.


    Insgesamt ist “Vollendet” ein Buch, dass Dank der Thematik zum Nachdenken anregt und einen so schnell nicht wieder loslässt. Endlich mal wieder eine Dystopie, die mich überzeugen konnte. Empfehlenswert.


    :lesend :lesend :lesend :lesend

  • Nach dem sogenannten Heartland-Krieg zwischen Abtreibungsgegnern und Befürwortern wurde die "Charta des Lebens" verabschiedet. Darin ist festgelegt, dass das Leben vom Zeitpunkt der Empfängnis an geschützt ist. Doch ab dem 13. Lebensjahr dürfen Kinder von ihren Eltern zur Umwandlung freigegeben werden. Jedes Körperteil wird als Organspende für jemand anderen verwendet. Nach Auffassung der Gesellschaft wird man somit nicht getötet, sondern lebt in unzähligen Einzelteilen in anderen Personen weiter.


    Connor hat seinen Eltern einigen Ärger bereitet und so unterzeichnen sie letztlich die Verfügung und schicken ihn zur Umwandlung. Risa ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und dort wird Platz gebraucht, daher steht ihr derselbe Weg bevor. Und Lev kommt aus einer strenggläubigen Familie und ist ein Zehntopfer das zehnte Kind, welches freiwillig und aus dem Glauben heraus der Umwandlung und somit dem Wohl anderer Menschen geopfert wird. Während Lev seine Umwandlung als Ehre betrachtet, wollen Connor und Risa ihr entkommen. Auf dem Weg zu einem sogenannten Ernte-Camp gelingt ihnen die Flucht und zufällig gerät Lev mit ihnen zwischen die Fronten.


    Lange Teile des Buches befassen sich dann mit der Flucht der Jugendlichen, ihren unterschiedlichen Einstellungen und den Ansichten und Gegebenheiten in dieser Welt. Ein Buch, über das man auf jeden Fall angeregt diskutieren kann, denn es werden reichlich interessante Fragen aufgeworfen. Für mich nur schwer nachvollziehbar war der Punkt, dass Eltern ihre Kinder, die sie mehr als 13 Jahre lang aufgezogen haben, in die Umwandlung schicken. Denn trotz aller Schönrederei wird der Mensch, der man einmal war, durch das Aufteilen in zig Einzelteile ja zerstört.


    Das Erzähltempo ist recht hoch und die Sprache eher einfach gehalten, dadurch liest sich das Buch recht zügig. Ein bisschen gestört hat mich ein Handlungsstrang, der mir persönlich zu viele Intrigen, Machtspiele und Verschwörungstheorien beinhaltete. Aber insgesamt auf jeden Fall ein spannendes Lesevergnügen mit nachdenklichem Hintergrund.

  • Ich habe das Buch recht schnell durch gelesen. Und es hat mir gut gefallen. Wie alle Zukunftsszenarien liegt hier auch schon eine gewisse Wahrheit, Schon heute lassen sich Leute für Geld eine Niere entfernen und wer sagt, das es Menschenhandel wegen Organen nicht schon gibt!? Auch heute werden Kinder schon abgeschoben und keiner will was von Ihnen wissen. Und das die Leute viele Sachen ignorieren, wenn Sie es nicht wissen wollen, das gibt es schon so oft in der Geschichte, da müssen wir doch gar nicht lange suchen.

  • Connor ist 16 und hat eine Menge Probleme. Risa lebt in einem Waisenhaus und kann Klavier spielen. Levi ist das jüngste von 10 Geschwistern und glaubt an Gott. Sie alle haben eines gemeinsam: sie sollen umgewandelt werden. Während Levi dieses Schicksal herbeisehnt, wollen Risa und Connor sich nicht einfach so in ihres fügen. Und so beginnt eine Flucht voller Gefahren, Verrat und Schrecken...


    "Vollendet" war mein erstes Buch von Neal Shusterman und es hat mich begeistert und entsetzt. Der Autor zeichnet eine düstere Zukunft, in der Jugendliche von 13 bis 18 Jahren kaum Rechte haben und nur eine wertvolle Sache besitzen: ihren Körper. Und über diesen dürfen sie nicht mal selbst bestimmen.


    Die Geschichte um die 3 Jugendlichen hat mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen. Neal Shusterman fackelt nicht lang mit einem Leser und wirft ihn mit seiner "Charta des Lebens" direkt ins kalte Wasser. Diese Charta legt fest, dass Jugendliche rückwirkend abgetrieben werden können und ihre Körper vollständig umgewandelt, sprich gespendet, werden sollen. Diese Realität, die der Autor erschafft, ist so erschreckend und wird doch vollkommen von seinen Figuren akzeptiert. Dass etwas so lebensfeindliches und abstoßendes einen Krieg beendet hat, konnte ich fast nicht glauben. Aber auf der anderen Seite, wenn ich mir die ganzen Debatten um das Thema Abtreibung und Leben anschaue, kann ich sehr gut nachvollziehen, warum Shusterman genau diese Lösung gewählt hat. Er legt damit den Finger in eine große Wunde unserere Zeit.


    Connor, Risa und Levi agieren in ihrer Welt realitätsnah und nachvollziehbar. Mir sind alle 3 ans Herz gewachsen, wobei ich bei allen zwischendrin ins Schwanken geraten bin. Und das hat mir sehr gut gefallen, denn jeder der Drei ist menschlich und nicht einfach nur ein Held beziehungsweise Antiheld. Endlich hat mal ein Autor Protagonisten erschaffen, die nicht alles können oder wissen. Toll!


    Das Ende von "Vollendet" ist rund, aber offen. Neal Shusterman beendet genug Stränge, lässt aber auch so manchen unvollendet, so dass ich mich schon jetzt auf Band 2 freue.


    Der Stil des Autors ist sehr gut und flüssig zu lesen. Seine Erzählweise ist direkt und teilweise schonungslos, wobei er nie blutig oder grausam wird. Er beschreibt Tatsachen, wie sie sind und beschönigt nichts. Das hat mir sehr gut gefallen.


    Fazit: ein grandioser Auftakt zu einer dunklen Trilogie. Für Dystopie-Fans eine klare Leseempfehlung.

  • In den letzten Wochen komme ich nur schwer in ein Buch rein und brauche zum Teil ewig, bis ich mal eins beende... Aber das hier habe ich seit längerer Zeit mal wieder innerhalb eines Tages gelesen. Was zwar auf der einen Seite für das Buch spricht, auf der anderen konnte es mich aber trotzdem nicht komplett überzeugen.


    Die Hauptfiguren zwaren zwar ganz nett zu lesen aber ich konnt mich mit keinen der dreien richtig "anfreunden".
    Außerdem hatte ich beim lesen ab und zu das Gefühl, dass der Autor die Geschichte einfach so weitergeschrieben hat, weil es eben gerade gut passt aber ohne groß zu überlegen, ob das ganze auch wirklich Sinn macht...


    Positiv (wenn man es denn so nennen kann) war das Thema Abtreibung bzw. Umwandlung. Das hab ich so bisher noch nie gelesen und ich fand es richtig spannend und teilweise natürlich auch echt abartig.


    Ob ich die anderen Teile noch lesen will, weiß ich noch nicht genau. Vielleicht, wenn ich sie irgendwo günstig bekomme oder sogar ausleihen kann.


    7 Punkte!