Möchte gerne...

  • Ein frohes Hallo an alle Autoren...


    Seit längerem beschäftige ich mich mit dem Gedanken, ebenfalls in die Welt der Autoren vorzudringen. Wie bei (wahrscheinlich fast) allen stellt für mich der Anfang jedoch ein sehr großes Problem dar.


    Ich habe Ideen en masse (das gilt in vielen Bereichen), weiß jedoch nicht wie man hier am besten vorgeht.


    Einfach drauf los schreiben und zusehen wie die Idee sich im Laufe dessen entwickelt?


    Oder strukturiert erst einmal ein Grundgerüst von Personen, Handlungen und Endung aufstellen und das dann zur Geschichte verpacken?


    Bin sogar schon soweit, ein ebook (Sachbuch/Anleitung) zu schreiben, um erst einmal in die ganze Welt des Schreibens einzutauchen. Gleichwohl geht dadurch nicht nur Zeit (für das eigentliche Buch) verloren, auch die vielen Ideen könnten auf der Strecke bleiben.


    Würde mich über eure erfahrene Meinung sehr freuen.


    Grüßle vom Mond

  • Hallo,


    da stellst du uns aber vor ein ziemliches Problem. Zu diesem Thema gibt es so viel zu sagen, aber man muss selbst wissen, was einem davon wichtig ist.
    In deinem Fall scheint es erstmal um die Struktur zu gehen. Du möchtest schreiben, aber nicht zu viele Ideen zwischendurch verlieren.
    Ordne also zuerst deine Ideen zu Projekten und verpasse jedem Projekt eine Karteikarte oder Excel-Tabelle, in die du erst mal alles aufnimmst, was dir dazu einfällt. So geht dir schon mal nichts verloren und die Kartei kann ständig erweitert werden. Pack alles da hinein, Charaktere, Handlungen, TExte, die dir dazu schon in den Sinn kommen.
    Dann zieh dir jeden Schreib-Ratgeber rein, den du finden kannst. Schau dir Bücher an, die in die von dir gewünschte Richtung gehen. Nicht jedes Mädchen, das sich von Herzen wünscht, Friseurin zu werden, wird eine gute Friseurin, sondern muss ein Handwerk lernen. Autoren auch, ist doch klar.
    Das von dir erwähnte Grundgerüst muss stimmen. Der Plot muss schlüssig und idealerweise spannend sein, dein Held muss sich verändern, an der Herausforderung wachsen oder aber tragisch untergehen, das geht auch. Wenn du ein Bauchschreiber bist, wird so eine Plotgestaltung eher zum Hinderniss, doch trotzdem brauchst du irgendeinen Grundgedanken, der dich anleitet, sonst verlierst du dich.
    Online-Schreibkurse sind oft sehr lehrreich, dort geht es um Aufbau, Exposé, handwerkliche Sachen en masse.
    Damit hast du erst mal genug Arbeit, denke ich.
    Ich wünsche dir viel Glück.
    Bruni

  • Nur angemerkt: Jeder macht's, wie's fuer ihn passt, aber wenn ich mir jeden Schreibratgeber reingezogen haette, der verfuegbar ist, haette ich, glaube ich, das Schreiben aufgegeben (was ja angesichts der wachsenden Autorenschwemme auch keine echte Tragoedie gewesen waere, aber ...). Ich lese mein Leben lang mit grosser Begeisterung, was die Leute, deren Romane ich gern lese, ueber das Schreiben von Romanen geschrieben haben, aber davon abgesehen habe ich auch ohne Schreibratgeber ueberlebt und kritzele immer noch.


    Lieber raten wuerde ich: Ganz ganz viel lesen. Und ganz ganz viel schreiben. Und dann noch mehr lesen und noch mehr schreiben und noch mehr und noch mehr. Und mit anderen ueber das Schreiben schwafeln und Texte austauschen und zusammen an Texten arbeiten, sehr viel wegschmeissen und dann wieder ganz viel lesen und dann wieder ganz viel schreiben, jeden Tag, auch an Weihnachten, bei Grippe und an Tante Friedas Geburtstag.


    Ideen kritzele ich in ein einziges kleines Buechl, das ich Kritzelbuechl nenne, und wenn eine Idee den fuenften Eintrag im Kritzelbuechl hat, dann geb ich ihr einen Namen und kaufe ihr ein eigenes Kritzelbuechl. Ist das eigene Kritzelbuechl gut halbvoll, scheint die Idee hartnaeckig genug zu sein, um versuchsweise den Plan zu einer Geschichte daraus zu giessen. Das dauert lange, und viele Ideen sterben mir dabei. Die, die ueberleben, haben dann irgendwann ein Geruest, das befuellt werden kann, und wenn's mir einer abkauft, dann wird's ein Roman.


    Aber wie gesagt, das macht jeder, wie's ihm passt.


    Dir viel Vergnuegen beim Ausprobieren!
    Herzlich,
    Charlie

  • Hallo Charlie,


    danke für die Anregung. Ich lese unglaublich viel, muss mich immer zwingen was zu arbeiten, obwohl die Bücher gleich ums Eck liegen. Natürlich muss ich erstmal schreiben, schreiben und vor allem schreiben. Und genau das werde ich jetzt mal versuchen!


    Die Idee mit dem Kritzelbuch finde ich prima, immerhin kommen die Ideen ja meistens dann, wenn man nicht gerade zuhause im Sessel stitzt.


    Grüßle

  • Schon richtig, Charlie, das mit dem Schreibratgeber. Ich habe es nur erwähnt, weil ich ganz ohne angefangen und aus dem Bauch heraus geschrieben habe. Das hat sich für mich persönlich als kleiner Nachteil herausgestellt. Hätte ich mal früher in einen Schreibratgeber geguckt.


    Allerdings sind Autoren ja oft sowieso niemals zufrieden mit sich selbst und das ist auch gut so ...:-)


    Brunhilde

  • Wie gesagt, jeder so, wie es fuer ihn passt. Dass man aber "ganz ohne" anfaengt und ganz viel wegwirft, ehe man etwas erhaelt, mit dem man zumindest weiterarbeiten moechte, halte ich eigentlich fuer unumgaenglich. Ob man dazu nun einen Schreibratgeber konsultiert oder nicht.


    Vielleicht haett' ich mir zwanzig Jahre Schreiben fuer den Muelleimer ja sparen koennen, wenn ich die neun neunundneunzig fuer den ultimativen Schreibratgeber angelegt haette.
    Ich bin aber ein Mensch mit Holzkopf und bilde mir starrsinnig weiter ein, die zwanzig Jahre hatt's bei mir eben gebraucht. Und wenn ein anderer weniger Zeit braucht, dann liegt's an allem moeglichen, aber sicher nicht am Besitz von "Romanbasteln leicht gemacht fuer jedermann".


    Charlie
    (daraus, dass ich das, was gemeinhin unter "Schreibratgeber" fungiert, fuer voellig entbehrlich halte, hab ich jetzt, fuerchte ich, nicht so richtig einen Hehl gemacht. Aber wie gesagt: Jedem das Seine!)

  • Ehrlich gesagt, habe ich nur einen einzigen Schreibratgeber von H.P. Roentgen, denn mit der Zeit ist bei mir ja der eine oder andere Groschen gefallen. Aber wenn ich zum Beispiel ganz am Anfang gewusst hätte, dass man Adjektive lieber meiden soll, wären mir frühe Fehler erst gar nicht passiert. Wahrscheinlich hätte ich gefragt: wie? warum denn keine schönen Adjektive? Aber im Nachhinein hätte ich mir die Überarbeitung von mindestens zwei Romanen erspart. :grin
    Daher möchte ich gerne Newbis vor dummen Fehlerchen warnen.


    Wie man es macht, muss jeder selbst ausprobieren. Das Feedback kommt ja dann von ganz allein.


    Gruß
    Bruni

  • Man soll ja nicht "Adjektive lieber meiden" ...
    Genau deshalb - weil sie diese selbst fabrizierten Regeln aufstellen und als allgemeingueltige Regeln verkaufen - meide ich wesentlich lieber Schreibratgeber als Adjektive.


    Aber jetzt halt' ich mich raus. Das muss eben wirklich jeder machen, wie es fuer ihn am besten passt.


    Gruesse von Charlie

  • Zitat

    Original von Charlie
    Man soll ja nicht "Adjektive lieber meiden" ...
    Genau deshalb - weil sie diese selbst fabrizierten Regeln aufstellen und als allgemeingueltige Regeln verkaufen - meide ich wesentlich lieber Schreibratgeber als Adjektive.


    Aber jetzt halt' ich mich raus. Das muss eben wirklich jeder machen, wie es fuer ihn am besten passt.


    Gruesse von Charlie


    Beim Thema Adjektive bin ich der Ansicht, dass die Dosis das Gift macht.


    Mit "einfach mal drauflosschreiben" habe ich keine guten Erfahrungen gemacht, für den letzten Roman den ich so angefangen hab, ist mir immer noch kein schlüssiges Ende eingefallen.
    Das Ende sollte man meinen Erfahrungen nach also schon vorher kennen, sonst weiß man nicht wo man aufhören soll.

    Die Personen vorher festzulegen hat mir nicht geholfen, die entwickeln sich dann doch immer anders. Eventuell funktioniert das für Leute die wissen, was für Charaktere sich perfekt ergänzen - ich merke aber erst immer beim Schreiben, was für Charaktereigenschaften ich für den Plot noch brauche.

  • Ich habe auch kein "Einfach mal drauflosschreiben" propagiert (und auch nie gemacht. Wie einer eine Geschichte schreiben kann, die er nicht im Voraus geplant hat, weiss ich nicht, davon habe ich nicht die geringste Ahnung und auch null Erfahrungswerte).
    Nur empfohlen, sich das Geld fuer Schreibratgeber zu sparen und es lieber in die Buecher zu investieren, die man gerne liest.

  • Ich bin zwar keine Autorin, aber ich habe schon von verschiedensten Herangehensweisen gehört.


    Diana Gabaldon schrieb zum Beispiel in ihrem Serien-Begleitbuch "Der magische Steinkreis" davon, dass ihr zuerst irgendeine Szene des Buches eingefallen ist, die sie geschrieben hat, und dass sie dann, ich zitiere indirekt, einfach den Figuren dabei zusieht, was sie tun, und das dann aufschreibt. Dabei sei ihr Schreibtisch angeblich voller Post-its und Zettelchen über alle möglichen Charaktere ihrer Romane, damit sie nichts über sie vergisst, aber das war es auch schon.


    Andererseits (an dieser Stelle habe ich leider mein schön überlegtes Beispiel wieder vergessen) gibt es auch genug Autoren, die sich vorher ein Skript oder einen Plan anfertigen, an dem sie sich dann beim Schreiben entlanghangeln. Ich zum Beispiel erstelle für jede meiner Kurzgeschichten und generell Texte Mind-Maps, die ich hinterher sortiere und dann in Fließtext verwandele.


    Letztendlich kommt es wohl sehr auf den Typ Mensch an, wie jemand seine Werke verfasst. Erstere Methode bietet sich wohl an, wenn man geistig in der Lage ist, ständig alles und jeden und die ganze bisherige Handlung im Kopf zu haben, um überblicken zu können, ob das, was man gerade spontan niederschreibt, in die restliche Handlung passt. Zweitere Methode erscheint mir die einfachere, weil es mehrere kleinere Schritte gibt, die man zu erledigen hat, die aber für sich genommen auch einfacher zu erledigen und besser zu überblicken sind.

  • Thomas Mann konnte beides. Haufenweise Notizen für seine großen Romane fabrizieren und wenn ihm die zu schwer für die Ferien waren, schrieb er einfach eine Novelle aus dem Kopf runter. :lache
    Und John Irving schreibt wohl erst den zweiten und dann den letzten Satz.


    Ich finde die einzelnen Arbeitsschritte von Autoren total spannend. Immer unterschiedlich=)
    Erzählt mal ein bisschen, ihr lieben Autoren. :-)

  • Ich bin vom" Bauchschreiben" etwas abgekommen. Es hat zwar irre Spaß gemacht, die Geschichte drauflos zu schreiben, die Figuren handeln und sich entwickeln zu lassen, aber letztendlich stand dagegen die Arbeit, die man am Ende hatte. Der Plot war scheiße, die Figuren nicht ganz ausgereift, diese und jene Szene überflüssig. Also alles noch einmal überarbeitet. Um mir diese Arbeit zu ersparen, gehe ich nun etwas disziplinierter vor, d.h. Plot und/oder Exposé entwerfen, Figuren entwerfen, Szenenplan erstellen. All dies mache ich nicht ganz ausgefeilt, denn ich weiß, dass sich die Personen trotzdem noch etwas schräger als geplant entwickeln und dass diese und jene Szene sich doch noch ändern wird. So bin ich nun mal. Aber ich fühle das Geländer an der Hand, das mich die Treppe hinaufführt. Die Beine bewegen, also auf mein Bauchgefühl hören, das muss ich aber noch. Wenn ich oben angekommen - sprich fertig bin, ist das Werk schon fast zufriedenstellend. Dann nimmt die Agentur das MS unter die Lupe. (Und dann bete ich um das OK :pille


    Gruß
    Bruni

  • Zitat

    Einfach drauf los schreiben und zusehen wie die Idee sich im Laufe dessen entwickelt? Oder strukturiert erst einmal ein Grundgerüst von Personen, Handlungen und Endung aufstellen und das dann zur Geschichte verpacken?


    Ganz ehrlich: Einfach, wie es dir am besten passt. Es gibt da keine "allgemeine Vorgehensweise".

  • Wie die Vorredner schon erwähnten, gibt es da sicher kein allgemeingültiges Rezept, daß für alle Autoren gültig und anwendbar ist. Oder wie wir in Kölle sagen - "Jeder Jeck is anders".


    Aber ich kann dir zumindest subjektiv sagen, wie ich vorgehe. Die modernen Textverarbeitungsprogramme wie Word erlauben uns ja heutzutage ein Höchstmaß an Flexibilität, da hatte es die Schreibmaschinengeneration schon schwerer.


    Also lege ich mir einige Word-Dokumente für ein neues Buch an. Eins für die Charaktere, eins für den Plot, eins für die Geographie und Welt und eins für den eigentlichen Schreibtext. Wann immer ich einen Charakter erschaffe, landet er dann in dem Charakter-Dokument, so stelle ich sicher, daß ein großgewachsener blonder Mann mit Tätowierung auf der linken Schulter drei Kapitel später auch noch genauso aussieht und sein Tatoo nicht plötzlich rechts hat.


    In das Plot-Doc schreibe ich die grundlegende Idee der Geschichte. Hier habe ich auch immer klar den Anfang und das Ende definiert. Besonders das Ende ist für mich wichtig, damit ich nicht ins Nirwana schreibe, sonder weiß, wo es hingeht.


    In dem eigentlichen Textdokument schaffe ich dann erst einmal einige Kapitel, die ich mit Stichworten fülle, so das ich die Handlung meines Plots schon einmal grob auf verschiedene Kapitel verteilt habe. Im nächsten Schritt unterteile ich die Kapitel dann auch schon einmal in die Unterkapitel, die ja meist der Vorstellung eines Charakters oder einem gewissen wichtigen Geschehen zugeordnet sind.


    Wenn das getan ist, werden die strukturierten Stichworte dann eben mit Leben gefüllt und es wird eine Geschichte draus. Beim Schreiben ändere ich natürlich dann sehr viel, daß heist das ich das Grundgerüst, daß ich vorab erschaffen habe, dann doch meist wieder komplett ändere. Aber ich denke, daß ist normal, viele Ideen ergeben sich einfach beim Schreiben.