'Feuer über Brandenburg' - Seiten 326 - Ende

  • Ich bin gerade bei der Szene als Karel abgeholt wird und Steffan die Szene beobachtet ...


    Ich kann das nicht ertragen Charlie, hört das auch wieder auf?


    Wie können sie ihn so schlagen und treten ...? Wie können sie ihn Scheusal und Vieh nennen und ihm seine Menschlichkeit absprechen?


    Wie kannst Du uns ihn lieben lassen und ihn und uns dann solche Szenen ertragen lassen?


    Ich bin eigentlich nicht zart besaitet aber dagegen kann ich nicht an ... sie behandeln ihn wie Vieh ! Und nicht mal Vieh hat so etwas verdient

    LG Inge


    Ryle hira - Life is what it is


    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore


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  • "Das ist doch kein Mensch mehr", ist ja immer noch ein Satz, den man nicht selten hört. Den man vielleicht auch selbst schon gedacht hat. (Ich hab das schon gedacht - ich gebe das unumwunden zu.)
    Und vielleicht denkt Karel das ja selbst, nach so vielen entmenschten Jahren.


    Solche Szenen schneiden oder nicht, das ist immer eine schwierige Frage, finde ich. Wo ich kann, schneide ich sie (die schlimmere von beiden ist geschnitten - es kommt nichts nach, versprochen), weil ich keine Figur ohne Not entwürdigen möchte. Aber wenn ich sie brauche, um zu zeigen, was mit den Figuren (vor allem den zweien, die zusehen) dabei passiert, ist das schwierig. Denn es aus zweiter Hand erzählen oder behaupten zu lassen, verpufft meiner Erfahrung nach ohne Wirkung. (Vielleicht kann ich das auch einfach nicht besonders gut - who knows.)


    Gern schreib ich die aber nicht. Wirklich nicht. Mir wird physisch schlecht davon, und das geht tagelang nicht weg.


    Ich biete auch nochmal an, was dazu zu sagen, was spoilert, wenn du willst!


    Und bei allem bin ich dann auch noch so hässlich und freu mich, dass du ihn gern magst ...

  • Ich geb´s zu, ich habe das Buch weggelegt und konnte und wollte nicht weiterlesen ...
    Das mache ich heute Abend, für mich ganz alleine im stillen Kämmerlein, nicht auf der Arbeit


    Ich weiß, man sollte nicht weg sehen bei Gräueltaten sondern man muss hinsehen und hoffen dass man nicht selber entmenschlicht.


    Was das aus Geras und Steffan macht, ja, da bin ich gespannt ... aber wahrscheinlich nichts Gutes


    Sag ruhig noch was dazu, ich lese es auch erst wenn ich ganz durch bin


    Das Schlimme ist, ich verstehe den Gedanken, dieses Gefühl dass jemand "unmenschlich" handelt und man ihn nicht als seinesgleichen sehen will ... und wie will man selber reagieren in so einer Situation


    Was würde ich tun wenn ich einem Menschen/Scheusal gegenüberstehe, sogar die Macht habe es zurückzulassen zum sterben ... diese Frage stelle ich mir seit gestern immer und immer wieder
    Wie viel Mut und wie viel Kraft kostet es dann menschlich zu bleiben

    LG Inge


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  • Wenn Du's gar nicht zu Ende lesen willst, kann ich das wirklich verstehen, Inge!
    Und bin weder enttäuscht noch böse noch sonst irgendwas.


    Den Gedanken, den Du schilderst, den verstehe ich auch. Viel zu gut (Ich habe mich über den Anblick eines Galgens und sogar über den eines Hingerichteten - Joachim Ribbentrop - mal zu Tränen gefreut.) Sonst hätte ich, glaub ich, das Buch nicht schreiben müssen. Das nur ganz leise. Ob ich darüber hier so reden kann, weiss ich gar nicht. Aber über solche Menschen wie Jonata oder Buelent (oder meine Oma, to be honest) höre und lese und erzähle ich gern - Menschen, die sich gar nicht besser, edler, stärker fühlen als ich und du und Hinz und Kunz, sondern die im richtigen Augenblick einfach handeln, ohne viel zu denken. Und dann Dinge anders sehen können.


    Ich finde das nicht sonderlich toll ausgedrückt, to say the least, aber ich finde das per se schwer, und die Woche war so lang und unten warten meine Familie und Freunde ... ich hoffe, es ist wenigstens halbwegs verständlich.


    Macht es euch schön!


    Alles Liebe.
    Charlie

  • Fertig, nur schnell mein Eindruck, bevor ich für heute die Schotten dicht mache: Ein wunderschönes Buch und ein mehr als passendes Ende. Ich habe in meiner Leseliste schon 10 Punkte vergeben, morgen mehr dazu. Das wollte ich jetzt noch loswerden.
    Gute Nacht! :wave

  • Guten Morgen


    Ich habe das Buch natürlich gestern noch beendet ...
    Und bin total überrascht über das Ende
    Mensch Charlie, Happy End ... wie kann denn das?
    Ich war mir soooo sicher dass am Ende noch etwas Schlimmes passiert, selbst als Jonata und Karel da auf dem Karren saßen habe ich die ganze Zeit darauf gewartet dass noch "irgendwer" hinter den Bäumen hervorspringt und alle 4 tötet.


    Die Idee dass Bernau von Frauen und Bier gerettet wurde finde ich wunderbar
    Ist das wirklich so passiert?


    Mir fehlte ein Nachwort, eine kleine Info darüber was historisch ist und was nicht ... und ich hätte auch gerne gewusst was mit den Hussiten letztendlich passiert ist


    Die Geschichte von Jonata und Karel hat mich tief berührt und die Gedanken an die Beiden wird mich wohl noch länger nicht los lassen ...
    können sie ihr Glück finden
    Ich finde es übrigens wunderbar dass auch Kilian mitgegangen ist, und seine jüdische Freundin deren Name irgendwie nach Hatschepsut klingt


    Steffan , über den kann ich mich so aufregen, er hat sein verdientes Ende bekommen ... das waren meine ersten Gedanken
    Und dann musste ich direkt an die Gedanken im Buch denken und musste feststellen ... niemand hat den Tod verdient
    Noch nicht mal Bohdan, auch wenn es wohl genau das richtige Ende für ihn ist, er hat nur für diesen Kampf gelebt und er hatte eine Niederlage und den Verlust von Karel wohl nicht verwunden


    Danke für die Geschichte ... für mich hätten es auch gerne noch ein paar mehr Seiten sein dürfen, ein paar Teilen wurden doch sehr schnell "in der Zusammenfassung" erzählt, das war schade (zB wie Jonata und Karel Hilfe bekommen um gemeinsam gehen zu können)

    LG Inge


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  • Liebe Inge, liebes schwarzes Schaf,


    vielen Dank, dass Ihr's zu Ende gelesen habt.
    Ich freu' mich, finde das, was Du, Inge, geschrieben hast, sehr interessant und möchte dazu auch noch etwas sagen, bin aber heute furchtbar in Eile.
    Ich melde mich so schnell wie möglich.


    Bis dahin wünsche ich euch allen ein sehr schönes Wochenende.
    Herzlich,
    Charlie

  • Keinen Stress, wir sind nach dem Wochenende auch noch hier

    LG Inge


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  • Ich bin schon vor zwei Tagen fertig geworden. Mit Beginn des dritten Abschnitts konnte ich einfach nicht mehr aufhören zu lesen.


    Natürlich bin ich froh für das Ende von Jonata und Karel. Ich wünsche ihnen von Herzen alles Gute auf ihrer Reise. Womit mein Kopf nicht ganz zurecht gekommen ist, ist Karels Alter. Dafür, dass er erst circa zehn Jahre alt war, als sein Dorf untergegangen ist, hat er irgendwie verdammt viel aus der Zeit mitgenommen. Sicher, mir ist schon klar, dass Kinder früher womöglich früher gereift sind, trotzdem ist ein Zehnjähriger immer noch ein Kind. Dass er in diesem Alter nicht nur schon ein begnadeter Schachspieler war, sondern auch schon super nähen konnte, den ganz klaren Wunsch hatte Arzt zu werden und fließend Latein gesprochen hat, kann ich ihm einfach nicht so ganz abnehmen. Aber sei's drum. Diese kleinen Fragezeichen in meinem Kopf konnten nicht daran ändern, dass ich diesem Kerl natürlich mit Haut und Haaren verfallen bin. So viel Seelenleid und gleichzeitig die Fähigkeit, das Schöne in der Welt mit solchem Eifer zu umarmen, musste man ja lieben.


    Einen bitteren Beigeschmack hat bei mir Geras. Am Anfang mochte ich sie so gerne. Doch das, was aus ihr geworden ist, war einfach sehr bitter. Während Jonata über sich hinausgewachsen ist, hat sich Geras in ihrem Leid gebadet, bis es sie total zerfressen hat. Ich sehe sie als alte, verbohrte Hexe vor mir, wenn noch ein paar Jahre vergangen sind, und das tut mir so leid, wenn man denkt, was für ein liebes Mädchen sie war und was für eine gute Frau sie hätte werden können.


    Steffan: Nun, um den ist es nicht schade, wobei mich sein Ende nicht wirklich berührt hat. Weder in die eine noch in die andere Richtung. War einfach so.


    Bodhans Tod - nun, das musste wohl so kommen. Ich glaube, im Endeffekt ist er erlöst.


    Am Ende will ich Charlie einfach noch mal danke sagen, für dieses wunderbare Buch. Ich hab es sehr genossen, es zu lesen und freu mich schon auf das nächste Buch aus deiner Feder.

    "Für eine kurze Weile war Silas Sturmrauschen und Flockentreiben, Eiswind und whiskeywarme Augen. Eine Naturgewalt, die alles mit sich riss und das Land veränderte, über das sie hinwegfegte." KIM HENRY - POLARFIEBER

  • Bohdan, der Mann heisst Bohdan! :-)


    Mich hat das auch alles ziemlich erschüttert und es ging manches zu rasch.


    Ich hab mal mein eben im 3. Abschnitt Gepostetes sicherheitshalber herkopiert:

    Zitat

    Original von colimuc


    Ich glaube ja, das hatte weniger mit Karel als viel mehr mit Jonata selber zu tun.


    :write

    Zitat

    Und ein gemeinsames Ziel verbindet.


    :write


    Wie heisst es so schön im zweitwichtigsten Satz nach "Man sieht nur mit dem Herzen gut - das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!" in Antoine de Saint Exupérys "Der kleine Prinz":
    "Die Zeit, die du an deine Rose verschwendet hast, sie macht deine Rose so kostbar!"
    Ob das alles in Wirklichkeit im Alltag auf Dauer halten würde, weiß der Geier.
    Aber es ist ja "nur" eine Geschichte. Wenn auch eine schöne...
    Was die Sache mit der Zahl der Getöteten angeht...
    Jonata: Natürlich "macht man so etwas nicht". Und genauso natürlich war es anfangs Notwehr und dann Affekt. Und Karel hat wesentlich mehr getötet.
    Andererseits musste ich an den Film "Das Urteil von Nürnberg" denken.
    Am Ende ist folgende Szene (Kopie aus Wikipedia):
    Der Film endet mit einem Besuch Haywoods in der Zelle Jannings. Janning versichert dem Richter, dass er ein gerechtes Urteil gesprochen habe. Er möge ihm aber glauben, dass er – Janning – die Massenmorde nicht gewollt habe. Haywood antwortet, dass Janning bereits mit der ersten wissentlichen Verurteilung eines Unschuldigen daran beteiligt war.
    Und genauso ist es mE hier: "Schuldig" ist irgendwie jeder nach seiner ersten Leiche geworden. Das IST das Besch*****e am Krieg. Und leider lernen wir nichts dazu. Nur, wie man immer "zweckmäßigere" Waffen baut...,

    Zitat

    Original von Inge78
    Mir fehlte ein Nachwort, eine kleine Info darüber was historisch ist und was nicht ... und ich hätte auch gerne gewusst was mit den Hussiten letztendlich passiert ist


    :write

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Ich hab das Buch auch heute nachmittag beendet...


    Schön das die vier, die ausserhalb der Ordnung stehen, gemeinsam woanders neu anfangen wollen. Ich hoffe sehr, dass das auch so klappt.


    Schuldig war in diesem Buch jeder der Hauptpersonen, ob der direkten Handlung wegen, oder wegen der unterlassenen Hilfeleistung. Die Frage ist, wie sie alle mit der Schuld in Zukunft umgehen.


    Geras und Steffan... Irgendwie haben die beiden sich nur unglücklich gemacht. Steffan mochte ich ja am Ende überhaupt nicht mehr, der ist wirklich der letzte Ar... Ein Glück, dass Karel rechtzeitig zur Stelle war.


    Die Rettung von Bernau fand ich super und Bohdans Ende war wohl das, was er sich gewünscht hat. Vielleicht auch so von ihm provoziert, er war doch eigentlich auch ein guter Kämpfer, da läuft man doch nicht einfach so in einen Speer.


    Steffan hat es auch erwischt, traurig bin ich darüber nicht wirklich. Und besser für Geras ist es allemal, vielleicht schafft sie es auch noch zu einem halbwegs glücklichen Leben. Auch wenn ich ihr alles mögliche übel nehme, wünschen täte ich es ihr.


    Mir hat das Buch nach etwas Startschwierigkeiten gut gefallen. Leider ist das Thema Vorurteile nur all zu aktuell. Schade, dass die Menschheit nicht aus ihren Fehlern lernt.


    Rezi schreibe ich die Tage, da muss ich ein wenig in mich gehen ;-)

  • Ein paar Gedanken wollte ich noch nachtragen.


    Die letzten Szene, in der Karel und Kilian sich kennenlernen, ist glaube ich meine Lieblingsszene geworden. Dieses höfliche Umgehen und gleichzeitig vorsichtige Abwarten, wie der andere reagiert - toll geschrieben, ich habe die Luft angehalten bis alles geklärt war. Ich finde es einen sehr schönen und beruhigenden Gedanken, dass keines der beiden Paare auf sich allein gestellt ist und sie wenigstens einander hoffen. Ich wünsche ihnen alles Glück der Welt.


    Steffan und Bodhan haben das bekommen, was sie verdient haben, besonders um Steffan tut es mir so gar nicht Leid. Er hat sich mit der Zeit immer mehr zum Schlechten verändert und der Angriff auf Jonata hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Geras konnte sich immerhin dazu überwinden, sich einigermaßen mit Jonata auszusöhnen, vielleicht schafft sie es noch, ihr Leben wieder in Ordnung zu bringen.


    Ein bisschen traurig werde ich, wenn ich an Jonatas Vater denke. Er hat viel verloren, auch wenn es normal ist, dass Kinder aus dem Haus gehen. Mir kommt es aber so vor, als ob da viel nicht gesagt wurde, was besser noch einmal angesprochen worden wäre. Ob er sich nach wie vor mit seinem Bruder verstehen wird?


    Ein Nachwort hätte ich mir übrigens auch gewünscht und war auch ganz erstaunt, dass keines im Anhang zu finden ist. Ich kann mich an keinen historischen Roman ohne Nachwort erinnern, die lese ich nämlich immer so gerne.

  • Zitat

    Ein bisschen traurig werde ich, wenn ich an Jonatas Vater denke. Er hat viel verloren, auch wenn es normal ist, dass Kinder aus dem Haus gehen. Mir kommt es aber so vor, als ob da viel nicht gesagt wurde, was besser noch einmal angesprochen worden wäre. Ob er sich nach wie vor mit seinem Bruder verstehen wird?


    Ja, wirklich traurig dass nur gar keine Kinder das Harzer Geschäft weiter führen können ..

    LG Inge


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  • Zitat

    Original von Inge78


    Ja, wirklich traurig dass nur gar keine Kinder das Harzer Geschäft weiter führen können ..


    Na ja.
    Also als ich das Buch geschrieben habe, stand noch nicht fest, dass es kein drittes Brandenburg-Buch geben würde. Somit habe ich mir im Kopf die Option zumindest offen gehalten (Wege, die man gegangen ist, kann man ja auch wieder zurückgehen usw.).
    Ein drittes wird's nun zwar definitiv nicht geben - aber falls jemand von euch Lust hat, sich auszudenken, wie's mit den Harzers weitergehen könnte, würde ich mich umso mehr freuen.


    Dass die beiden alten Harzer-Brüder sich wieder finden, glaube ich persönlich unbedingt. Das war ja eine kalte Zeit, zugige Häuser, teures Heizmaterial - zwei, die in ihren Häusern alleingeblieben sind, mussten da an den stillen Abenden umso dringender zusammensitzen!


    collimuc, von meinen Kindern und Pflegekindern waren drei brillante Schachspieler, lange ehe sie zehn waren. Die zwei, die's nicht waren, werden's auch nicht mehr - so wenig wie ich.
    Latein haben sowohl ich als auch die meiner Kinder, die's können, mit zehn gekonnt. Die, die's nicht so können - siehe Schach.
    Arzt oder irgendwas anderes Glorioses in der Art (Lokomotivführer, Zoowärter, Koenig von China etc etc.) wollen alle Kinder unter zehn werden, oder? Ob sie's dann werden, ist ein anderes Thema - und das ist es bei Karel ja auch.
    Zum Thema Nähen dagegen äussere ich mich besser nicht - das kann in diesem Haushalt kein Mensch, und wenn ich das unrealistisch dargestellt habe, tut's mir leid. Da aber in der Epoche Flickarbeiten so gut wie durchgehend von Soldaten selbst (und zwar meist mit der Kleidung am Leib) durchgeführt wurden und Kunstgriffe - wenn man nach dem wenigen erhaltenen Textilgut geht - eher nicht verwandt wurden, nehme ich - bei allem Respekt vor Handarbeiten - an, dass das so weltbewegend nicht war.


    Bei euch allen bedanke ich mich sehr herzlich fürs Lesen.


    Fuer das Nachwort, das euch gefehlt hat - und denen, die noch ein Buch von mir lesen wollen, auch weiter fehlen wird - bitte ich herzlich um Entschuldigung. Mir tut's wirklich leid, weil das natürlich nicht schön ist, jemandem, der Geld für's Buch ausgegeben und seine Zeit geschenkt und dann auch noch so freundlich und hilfreich kommentiert hat, nicht gern etwas schuldig bleibt. Aber ... bitte nicht böse sein .. ich mag die Dinger nicht. Mir kommen die vor, wie die Erklärung des betreuenden Elternteils, angefügt an eine nicht genügende Hausaufgabe: Hansis Haushausaufgabe hat zwar den Anforderungen nicht genügt, aber ich belege hiermit, dass er sie fleissig und wacker gemacht hat. Das hat mir meiner Einstellung zum historischen Roman zu tun: Ich möchte eine Geschichte erzählen, weil ein Thema mich nicht loslässt. Deshalb nervt mich auch das Prädikat "gut recherchiert" so sehr - weil sich das fuer mich anhört, als hätte man eine Fleissaufgabe tapfer bewältigt. Für mich ist ein historischer Roman das Ergebnis von passionierten Jahren. Und wenn ich von dieser Passion nichts weitergeben kann, sodass der Leser mir meine Aufrichtigkeit der Historie gegenüber glaubt, dann ist der Roman misslungen, daran rüttelt das Nachwort nicht. Wenn der eine oder andere das Thema so spannend findet, dass er sich danach ein Sach- oder Fachbuch kauft, freue ich mich doof. Wenn nicht, ist es auch gut - Hauptziel eines Romans ist das ja nicht. Solche Literatur ersetzen kann ein Roman aber nie, denke ich. Dazu ist er nicht da, und wenn er so tut, als könnte er das, finde ich ihn in Grenzen sogar gefährlich, und diese Nachwörter tragen fuer mich dazu bei.


    Dass die meisten von euch die gern mögen, nehme ich aber zur Kenntnis, und wenn ich noch weiter klassische historische Romane schreiben wuerde, wuerde ich auch (wirklich!) über einen Kompromiss nachdenken, mit dem ich leben könnte. Da dieser aber mein vorletzter ist, seid bitte gnädig und lasst mich davonkommen, ja?
    Ich mag die wirklich nicht ...


    Dafuer moecht ich aber noch ein paar Sachbücher schreiben - und natürlich beantworte ich sehr gern alle Fragen, wenn ich kann, und wenn ich nicht kann, leite ich sie weiter.


    Ueber vieles, was ihr geschrieben habt, habe ich mich so gefreut. Vielen Dank.


    Herzlich,
    Charlie

  • Und noch vergessen, ganz wichtig - das hat Inge schon ganz früh gefragt und ich wollte es immer schreiben:


    Die Sache mit den Biermaische schüttenden Frauen - die bis heute in Bernau jährlich gefeiert wird - ist mir bei der Recherche zu meinem ersten Brandenburg-Roman begegnet. Ich fand die so toll fuer so ein Bier-Land wie die Tatsache, dass man zugunsten der Bierbrauer zu bestimmten Zeiten nicht in die Panne pinkeln durfte. Für den zweiten habe ich dann etwas ganz anderes gesucht - und zufällig fiel das genau mit der Bier-Story zusammen. Habe mich so gefreut. Aber auch Angst gehabt: Glaubt mir das einer?


    Andererseits - sowas kann sich doch keiner ausdenken, oder?


    Herzliche Abendgrüße von Charlie

  • Ich habe den letzten Abschnitt gestern Abend noch verschlungen, es hat mir richtig gut gefallen und mich auch gedanklich sehr geschäftigt.
    Mir ging nur vor allem während der Zeit von Karel und Jonata in der Schenke und im letzten Abschnitt alles ein bisschen schnell, vor allem die Zeitsprünge waren für mich nicht ganz ersichtlich.
    z.B. als Geras bemerkt, dass wieder schwanger ist, das Kind wurde gezeugt, als Karel abgeholt wurde, ich hatte da beim Lesen gedacht, es sind ein paar Tage vergangen, aber wenn sie weiß oder zumindest ahnt, dass sie schwanger ist, müssen es ja doch eher Wochen sein und so ging es mir noch an mehr Stellen.


    Sehr geschockt hat mich in diesem Abschnitt auch noch, dass Jonatas Vater den wahren vergewaltiger von Aljusch deckt! Mit der Begründung was seinem Bruder erspert geblieben wäre, wenn ihm jemand geholfen hätte, das ist aber doch kein grund einen Vergewaltiger zu decken, der doch wirklich bestraft gehört.


    Zitat

    Original von Charlie
    Dass die beiden alten Harzer-Brüder sich wieder finden, glaube ich persönlich unbedingt. Das war ja eine kalte Zeit, zugige Häuser, teures Heizmaterial - zwei, die in ihren Häusern alleingeblieben sind, mussten da an den stillen Abenden umso dringender zusammensitzen!


    Das glaube ich auch, und Geras, die aus ihren Fehlern gelernt hat und nicht zu einer verbitterten alten Hexe geworden ist und ihr Kind mitten drin.


    Ich würd schon gerne einen dritten Roman über die Familie Harzer lesen. ;-)


  • Aber warum denn Angst gehabt?
    Ich finde es super , das war total passend

    LG Inge


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  • Zitat

    Original von Zwergin


    Das glaube ich auch, und Geras, die aus ihren Fehlern gelernt hat und nicht zu einer verbitterten alten Hexe geworden ist und ihr Kind mitten drin.


    Gefällt mir hervorragend, Zwergin!


    Ich finde, du solltest den dritten Band schreiben.


    Ich fand's auch toll, Inge - aber ich war mir nicht sicher, ob es nicht in die Kategorie mit dem Penis-Kostuem gehört.

  • Äh , nein ...


    Maische schüttenden Frauen und ein Penis Kostüm sind nicht gleichzusetzen

    LG Inge


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