Feuer über Brandenburg - Charlotte Lyne

  • Geschichte die unter die Haut geht


    Wir lernen Jonata kennen, eine junge Brauerstochter , jung und hübsch und lebenslustig mit vielen Träumen für ihr weiteres Leben. Sie lebt ein beschauliches Leben im Brandenburg des frühen 15.Jahrhunderts.


    Dies ändert sich als die Hussiten in Brandenburg einfallen und eine Spur aus Tod und Verwüstung hinter sich her ziehen. Nachdem ihre Freundin überfallen und geschändet wird und sich für den Freitod entscheidet ist für Jonata nichts mehr so wie es war.


    Dann fällt ihr In einer dunklen Nacht einer der Feinde in die Hände und sie muss eine folgenschwere Entscheidung treffen.


    Das Besondere am Buch sind die beiden Sichtweisen der verfeindeten Parteien im Buch. Das Buch beginnt mit einem Überfall auf ein Hussiten Dorf und immer wieder werden Kapitel aus Sicht der Hussiten erzählt. So hat man als Leser Einsicht in Gedanken und Gefühle beider Parteien und kann die Beweggründe wenn schon nicht verstehen dann doch immerhin nachvollziehen.


    Die Charaktere sind , wie von Charlotte Lyne nicht anders gewohnt, vielschichtig und niemals ganz weiß oder ganz schwarz sondern innerlich gespalten.


    Besonders gefreut habe ich mich die Familie Harzer wieder zu treffen die Lesern von Charlotte Lyne Büchern bereits aus "Das Mädchen aus Bernau" bekannt ist.


    Und es gibt wieder Personen denen man einfach verfällt , die man beschützen will vor allen Unbillen der Welt und der harten Realität , die aber dennoch ihren Weg gehen müssen.


    Ich habe gelacht und geweint, gehofft und gebangt und einmal sogar den Mut verloren und das Buch an die Seite gelegt weil es mich zu mitgenommen hat was ich gelesen habe! Aber immer wieder wollte ich weiter lesen, wollte wissen wie es weitergeht. Und das Durchhalten hat sich gelohnt bis zum Ende, ein Ende dass ich so nicht erwartet habe.


    Der einzige Kritikpunkt den ich äußern muss ich das fehlende Nachwort. Ich hätte gerne noch ein bisschen etwas erfahren über geschichtliche Tatsachen und den Werdegang der Hussiten.


    Nichtdestotrotz ein wunderbares Buch das mir wieder einen mir bis jetzt unbekannten Teil deutscher Geschichte näherbringt.


    Und gewohnt "rutschig" (in einem Rutsch zu lesend) und emotional packend geschrieben.

    LG Inge


    Ryle hira - Life is what it is


    Words are, in my not-so-humble opinion, our most inexhaustible source of magic. Capable of both inflicting injury, and remedying it - Albus Dumbledore


  • Vielen Dank, Inge.


    Ich freu mich sehr, dass du das Buch gern gelesen hast und die Figuren mochtest - vielen Dank fuer deine schöne Rezension!


    Zum Nachwort hab ich im Schluss-Thread geschrieben. Mir tut's wirklich leid, ich finde es ganz doll schade, da zu enttäuschen - aber ich mag die Dinger einfach nicht, fuer mich gehören die nicht an einen Roman, ich war immer froh, wenn mein Verlag die nicht von mir verlangt hat.


    Aber wenn ich noch länger historische Romane schreiben wuerde, wuerde ich darüber noch einmal intensiv nachdenken, ganz wirklich. So viele Leser, die die gern mögen, müssen schliesslich zu denken geben.
    Da ich aber keine mehr schreib, bin ich ein bisschen froh, davongekommen zu sein ... really sorry!


    Alles Liebe von Charlie

  • Zur Autorin:


    Charlotte Lyne, geboren 1965 in Berlin, studierte Germanistik, Latein, Anglistik und Italienische Literatur in Berlin, Neapel und London. Bevor sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nach London zog, lebte sie einige Zeit in Glencoe, der schottischen Heimat ihrer Schwiegerfamilie. Charlotte Lyne arbeitet als Autorin, Übersetzerin und Lektorin.


    Zum Inhalt:


    Brandenburg 1432: Die Familie der Brauerstochter Jonata lebt in Angst und Schrecken. Immer wieder überfallen böhmische Kämpfer die Dörfer und Städte und töten und brennen nieder, was ihnen in die Quere kommt. Auch Jonatas geliebter Cousin fällt den marodierenden Hussiten zum Opfer, und ihre Furcht verwandelt sich in Hass. Als es bei Müllrose zum Kampf kommt und einer der berüchtigten Krieger verletzt wird, muss die junge Frau sich entscheiden: Wird sie den Feind sterben lassen? Oder setzt sie ein Zeichen für die Menschlichkeit inmitten des Kriegs und rettet sein Leben?


    Meine Meinung:


    Manche Bücher halten bis zum Schluss was sie am Beginn schon versprechen. Sie sind von Anfang bis Ende spannend oder lustig. Manche haben überraschende Wendungen, manche bringen einen zum Lachen oder Weinen, manche zum Nachdenken.


    Aber „Feuer über Brandenburg“ von Charlotte Lyne ist ein Schwergewicht, denn es hat von allem etwas und davon gewaltig viel. Man fühlt sich an Shakespears große Dramen erinnert. Man kann schwelgen in diesem Buch; liest oft atemlos vor knisternder Spannung, um es dann erschüttert aus der Hand legen zu müssen, um sich erst mal wieder zu sammeln, bevor man weiterlesen kann.


    Zartes Werben und grausames Töten, neidische Gemüter und selbstlose Taten, mutige Frauen und eifersüchtige Männer, Krieg und Raserei und die große einzigartige Liebe in all ihren Facetten. Man kann dick werden von all den Gefühlen in diesem Buch.


    Und man kann sie lieben diese Figuren – auch die, die hassenswertes Tun. Denn alle sind so kraftvoll und lebendig, dass sie leibhaftig durch die eigene Phantasie hüpfen. Man kann sie riechen und schmecken, hören und sehen.


    Und für all jene, die sich in der Mitte der Geschichte vielleicht ein bisserl fürchten davor, wie das Alles nur enden wird…. Charlotte Lyne liebt ihre Figuren und ist für so manche Überraschung gut. (Mehr will ich gar nicht verraten. Man muss das Buch einfach selber lesen.)


    Volle Punktzahl.

  • Produktinformation lt. AMAZON:


    Taschenbuch: 448 Seiten
    Verlag: Bastei Lübbe (Bastei Lübbe Taschenbuch); Auflage: 1. Aufl. 2016 (14. Januar 2016)
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 340417299X
    ISBN-13: 978-3404172993
    Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 16 Jahren
    Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 3,4 x 18,6 cm


    Meine Meinung:
    Wie schon im gut 120 Jahre vorher angesiedelten "Das Mädchen aus Bernau" bietet Charlotte Lyne uns hier eine spannende Geschichte vor interessanter historischer Kulisse.
    Das Buch schliesst locker an den Vorläufer an, ist aber auch ohne dessen Kenntnis verständlich und in sich abgeschlossen.
    Manchmal fand ich den Gedanken deprimierend und nur schwer zu ertragen, vor allem im Hinblick auf die Zeit vor 70 Jahren aber auch auf die gerade aktuellen Geschehnisse, dass es uns Menschen offenbar an der Fähigkeit fehlt, aus der Geschichte etwas zu lernen und die immer wieder gleichen Fehler wie Vorurteile und Intoleranz zu vermeiden.
    Für die junge Protagonistin, die attraktive Jonata, konnte ich mich diesmal leider nicht so schnell erwärmen, die wirklich sehr vielen Hinweise auf einen Schwan erschwerten das zusätzlich, zumal mir Jonata gerade am Anfang doch recht oberflächlich erschien und manchmal eher an einen Pfau erinnerte.
    Ich hätte mir ein Nachwort gewünscht, in dem beispielsweise hätte erklärt werden können, ob und wenn welche der handelnden Personen historisch nachgewiesen sind und wie es mit der Bewegung der Hussiten weiterging.


    EDIT hat aus "ihne" - "ohne" gemacht :-) :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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  • Zitat

    Original von hollyhollunder


    Zartes Werben und grausames Töten, neidische Gemüter und selbstlose Taten, mutige Frauen und eifersüchtige Männer, Krieg und Raserei und die große einzigartige Liebe in all ihren Facetten. Man kann dick werden von all den Gefühlen in diesem Buch.


    Und man kann sie lieben diese Figuren – auch die, die hassenswertes Tun. Denn alle sind so kraftvoll und lebendig, dass sie leibhaftig durch die eigene Phantasie hüpfen. Man kann sie riechen und schmecken, hören und sehen.


    Das zu lesen, macht froh, die Geschichte geschrieben zu haben.
    Sehr froh.


    Vielen Dank!
    Charlie

  • Zitat

    Original von Inge78
    ...
    Der einzige Kritikpunkt den ich äußern muss ich das fehlende Nachwort. Ich hätte gerne noch ein bisschen etwas erfahren über geschichtliche Tatsachen und den Werdegang der Hussiten.
    ...


    Was hindert dich daran, wenn dich das Thema nun interessiert, dir selbst weiterführende Fachliteratur zu suchen und diese zu lesen?
    Gerade dank dem Internet ist die Recherche nach guten Fachbüchrn zu einem Thema, in Büchereien / Bibliotheken etc. heute um so viel einfacher als noch vor 20 Jahren, wo dafür Besuche in der Bibliothek und das mühevolle Durchblättern von Katalogen notwendig war.


    Abgesehen davon kann ein Nachwort, und mag es noch fachlich so gut recherchiert und qualitativ aufbereitet sein, schon aufgrund seiner eingeschränkten Länge niemals ein Thema wie die Bewegung der Hussiten, die Hussitenkriege und andere dazu gehörige Entwicklungen Fakten umfassend und relativ objektiv wiedergeben. (Die Hussitenkriege waren, wie vieles andere auch, keine lokal begrenzte Erscheinung, als die sie zu meiner Schulzeit dargestellt wurden, sondern hatten wesentliche Auswirkungen auf unterschiedliche damalige Länder in Mitteleuropa.)


    Die meisten Nachwörtern der Bücher des 21. Jahrhunderts, die ich gelesen habe, sind (mein persönlicher Eindruck) in erster Linie eine Marketingmaßnahme, die in erster Linie der Bewerbung / Präsententation von Autors/in dienen. (Was ich keineswegs negativ finde, wenn Autor/in mehr als Selbstbeweihräucherung bieten kann oder diese wenigstens von ihm / ihr unterhaltsam umgesetzt ist.)


    Es spricht eigentlich für die Autorin, dass sie auf diese Marketing-Maßnahme verzichtet hat, nachdem der Verlag ihr da offensichtlich selbst die Entscheidung überlassen hat. (Möglich, dass sie inzwischen am Buchmarkt eine gewisse Position hat, die ihr nun erlaubt, nicht mehr alles erfüllen zu müssen, was Verlage, Agenturen und das vorgesehene Zielpublikum / die Leser/innen von den Autoren/innen fordern und vorschreiben, als Bedingungen dafür, dass sie als Berufsautor/innen überhaupt Fuß fassen und sich am Buchmarkt behaupten können.


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    Durchgeführte Korrekturen: Ergänzung eines ausgelassenen Wortes (wodurch sich der Sinn eines Satzes ins Gegenteil verkehrt hat und leichte sprachliche Präzisierung des letzten Absatzes zum besseren Verständnis.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)

    Dieser Beitrag wurde bereits 3 Mal editiert, zuletzt von Teresa ()

  • Also ich stimme maikäfer zu, dass ein Nachwort schön gewesen wäre.


    Natürlich kann man selber recherchieren. Aber - ich gestehe - es ist einfach praktischer, wenn die Autorin selbst eine Zusammenfassung liefert, da sie ja das Thema bereits sicher sehr lange und ausführlich recherchiert hat und ich von dieser Quintessenz durchaus profitieren würde. Dass ein Nachwort immer nur einen kleinen Querschnitt liefert, nehme ich dabei gerne in Kauf, denn ich will ja keine Doktorarbeit darüber sondern einfach noch ein paar Randinfos. Dank der Leserunde haben wir ja genügend Zusatzinfos bekommen und hätte ja auch weitere Fragen stellen können. Aber für Leser, die das Buch alleine Lesen wäre es durchaus interessant gewesen zu erfahren, welche Begebenheiten auf tatsächlichen Geschehnissen beruhen und vielleicht auch, wie es mit den Hussiten weiterging bzw. was vorher in groben Zügen passiert ist.


    Gerade so tolle Histos wie dieses hier hätte ein Nachwort verdient. Allerdings hat Charlie ja schon kundgetan, dass sie sowas nicht besonders mag. :-)


    Inwiefern ein Nachwort ein Marketingding ist, kann ich nicht nachvollziehen, da ich das Nachwort, wie der Name schon sagt, erst nach dem Roman lese und es nicht um die Danksagung geht. Die Nachworte der "guten" Histoautoren schätze ich sogar sehr. (z.B. Gablé, Weigand, Dübell um nur einige zu nennen)


    Punktabzug gibt es bei mir allerdings nicht dafür, denn der Roman spricht ja für sich.

  • Zitat

    Original von Teresa
    [
    Abgesehen davon kann ein Nachwort, und mag es noch fachlich so gut recherchiert und qualitativ aufbereitet sein, schon aufgrund seiner eingeschränkten Länge ein Thema wie die Bewegung der Hussiten, die Hussitenkriege und andere dazu gehörige Entwicklungen umfassend und relativ objektiv wiedergeben. (Die Hussitenkriege waren, wie vieles andere auch, keine lokal begrenzte Erscheinung, als die sie zu meiner Schulzeit dargestellt wurden, sondern hatten wesentliche Auswirkungen auf unterschiedliche damalige Länder in Mitteleuropa.)


    Die meisten Nachwörtern der Bücher des 21. Jahrhunderts, die ich gelesen habe, sind (mein persönlicher Eindruck) in erster Linie eine Marketingmaßnahme, die in erster Linie der Bewerbung / Präsententation von Autors/in dienen. (Was ich keineswegs negativ finde, wenn Autor/in mehr als Selbstbeweihräucherung bieten kann oder diese wenigstens von ihm / ihr unterhaltsam umgesetzt ist.)
    .


    Ehrlich gesagt - das ist ziemlich genau mein Problem mit diesen Nachworten (wobei ich WIRKLICH NUR fuer mich selbst spreche und keinem Kollegen etwas unterstelle!).
    Mir kommen die vor, als wuerde ich in der Schule unter einen Aufsatz die folgende Rechtfertigung schreiben:
    Lieber Lehrer, bitte denk nicht, wenn in Zeile 28 ein Fehler ist, dass ich meine Hausaufgaben nicht gemacht hab.


    Und sie kommen mir vor, als wuerde ich behaupten, ich fände meinen Roman - oder irgendeinen Roman - als Informationsmaterial zu historischen Themen geeignet und empfinde es daher als meine Pflicht, zu diesen Themen ein ordentliches Tafelbild zu erstellen.


    Tu ich nicht.


    Ich schreibe einen historischen Roman nicht, um über ein historisches Thema zu informieren, sondern weil mich dieses Thema nicht loslässt, weil mein eigenes Informieren mir nicht genügt, ich recherchiere nicht, weil ich einen Roman schreiben will, sondern ich schreibe einen Roman, weil mir manchmal Recherchieren nicht genügt. (Ironischerweise ist dieser der eine von meinen Romanen, bei dem das nicht oder nur sehr partiell zutrifft. But never mind.)


    Im Nebenthread wird gerade Gertrud von le Fort besprochen (es tat mir regelrecht leid, meinen Thread da drüber zu ziehen, weil's mich so freut, dass die mal aus der Kiste gezogen wird. Ich hatte ernsthaft überlegt, ob ich da "find ich toll" reinposte, damit der wieder hochkommt ...). Und auch wenn ich - keine Missverständnisse bitte - mir durchaus nicht einbilde, im entferntesten in ihrer Klasse zu spielen, ist Gertrud von le Forts Text zum historischen Roman fuer mich ebenso massgeblich wie die Aeusserungen Feuchtwangers.
    Ich bin ganz und gar der Ansicht, dass ein historischer Roman mehr über die Zeit, in der er geschrieben wurde, aussagt, als über die, in der er spielt. (Das gilt fuer diesen hier hoffentlich deutlich mehr als fuer jeden anderen.)


    In erster Linie möchte ich eine Geschichte erzählen, die ich als Bewohner von Jahrhundert Einundzwanzig als eine entdeckt habe, die von mir erzählt werden will. Zu dieser Geschichte muss ich (finde ich) stehen - ohne entschuldigendes Nachwort. Wenn mir ein Leser meine Geschichte nicht abnimmt, dann, weil ich sie schlecht erzählt habe. Nicht weil das Nachwort fehlt.


    Finde ich.


    Wenn jemand mir schreibt: Ich fand das Thema XYZ deines Romans so interessant, kannst du mir vielleicht ein Buch dazu empfehlen?, freue ich mich doof.
    Wenn jemand mir schreibt: Aus deinem Roman habe ich viel über das Thema XYZ gelernt, macht mir das Angst.


    Ich bitte noch einmal: Bitte nicht missverstehen. Das ist ein persönlicher Tick - und daraus resultierend eine persönliche Entscheidung - von mir und kein Versuch, die Entscheidungen von Kollegen zu be- oder gar zu verurteilen.


    Herzlich,
    Charlie

  • Hollyhollunder, wir haben uns überschnitten.
    Wie ich schon Inge schrieb - ich nehme den hier vielfach geäußerten Wunsch nach einem Nachwort wirklich zur Kenntnis, und wenn ich einen weiteren klassischen historischen Roman planen wuerde, wuerde ich mir überlegen, ob es nicht eine Form gibt, in der ich mich dazu durchringen könnte. (Ich habe z.B. bei meinem Mary-Rose-Roman eins geschrieben, weil ich den Leuten vom Mary-Rose-Trust, die das Buch betreut haben, von Anfang an versprochen hatte: Wenn das Buch erscheint, schreibe ich hinten rein: Bitte liebe Deutschen, geht alle in das tolle Museum. Das wurde während der Recherchezeit gerade fertiggestellt, das war sehr schön fuer mich. Ich habe das dann in einer Form gemacht, die ich ein bisschen lustig fand und die nach mir klang - fand ich -, nicht so krampfig aufgezwungen. Leider war die dann so lustig nicht mehr, weil der Verlag den Titel des Buches geändert hat und das nicht mehr richtig passte, aber so war es fuer mich trotzdem akzeptabel. Ausserdem schreibe ich SEHR SEHR SEHR gern Danksagungen, sofern die, die mir geholfen haben, das möchten - und in der Form, in der sie's möchten.)


    Es ist kein böser Wille, sondern einfach etwas, das in meinen Augen zu mir und meinen Büchern nicht passt.


    Herzlich,
    Charlie

  • Feuer über Brandenburg ist ein Buch über schnell gefasste Vorurteile, Angst vor dem Fremden und von der Chance neues kennen zu lernen, wenn man mal über den Tellerrand blickt.


    Jonata und Kilian, Geras und Jecklin, die Geschwisterpaare wachsen gemeinsam glücklich und ohne große Sorgen auf. Das ändert sich allerdings als die Hussiten in Brandenburg einfallen und ihr wohlbehütetes Familienleben auseinanderfällt.


    Und da zeigt es sich, dass manche Menschen fähig sind, auch im Fremden das Bekannte zu sehen und im scheinbar unmenschlichen den Mensch.


    Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Die Paralellen zur Gegenwart sind allzu deutlich und leider zeigt es, dass wir in hunderten von Jahren wenig dazu gelernt haben.


    Trotz aller Grausamkeiten, bei denen ich manchmal dachte "Nein, das will ich nicht lesen", war es ein versöhnliches Buch und besonders das Ende hat mich froh und mit Hoffnung zurück gelassen.


    Ein Nachwort hätte mich auch gefreut, aber so ist es auch gut.
    Von mir ein Danke schön an Charlie für diese schöne und manchmal schwierige Geschichte.

  • Zitat

    Original von Teresa
    Was hindert dich daran, wenn dich das Thema nun interessiert, dir selbst weiterführende Fachliteratur zu suchen und diese zu lesen?
    Gerade dank dem Internet ist die Recherche nach guten Fachbüchrn zu einem Thema, in Büchereien / Bibliotheken etc. heute um so viel einfacher als noch vor 20 Jahren, wo dafür Besuche in der Bibliothek und das mühevolle Durchblättern von Katalogen notwendig war.


    Daran kann die hier Lesenden eine Menge hindern, obwohl das alles in den letzten 20 Jahren, wie du richtig schreibst, besser geworden ist.
    Ausserdem werden Historienschmöker ja nicht nur von internetaffinen Menschen gelesen, sondern auch von älteren Menschen gelesen oder (auch und gerade von Sehbehinderten) gehört. Und nicht alle Älteren sind online, wenn es auch immer mehr werden.
    Aber selbst ein junger und gesunder und pc-bewanderter Mensch dürfte m. E. doch wohl den Wunsch äußern, ein Mindestmaß an Hintergrundinformationen über das behandelte historische Thema und/oder die handelnden Personen sozusagen als "Schmankerl" zu erhalten bzw. sein Bedauern darüber äussern, wenn dies eben nicht der Fall gewesen ist. M. E. sind genau dafür Rezensionen eigentlich gedacht. Wohingegen ich einen Rezensionsthread eigentlich eher weniger als den richtigen Platz für eine Diskussion "Pro & Kontra Nachwort" erachten würde. :-)
    Was die Sache mit Marketing angeht, stimme ich Hollyholunder zu, das kann ich nicht nachvollziehen. Muss ich aber auch nicht. Genausowenig, wie ein Autor ein Nachwort schreiben muss. Ich als Leser darf aber sagen, dass ich gerne eines gelesen hätte. :-]
    :wave


    EDIT: Löschung eines Abschnittes, da sich dessen Inhalt durch zwischenzeitlich erfolgte Korrektur im zitierten Beitrag erledigt hat. (Danke für pn! :wave)

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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  • Feuer über Brandenburg von Charlotte Lyne


    Inhalt: Der Roman spielt im frühen 15. Jahrhundert zur Zeit der Hussitenkriege. Brandenburg wird überschattet von Grausamkeit. Mittendrin die Familie Harzer, zwei Geschwisterpaare und ihre Väter. Sie führen ein behütetes Leben als Bäcker und Bierbrauer, halten zusammen wie Pech und Schwefel bis die Ereignisse sich überschlagen und die Familie auseinandergerissen wird.


    Die Charaktere sind mir sofort ans Herz gewachsen, im Guten wie im Schlechten. Der ein oder andere sorgt im Laufe der Handlung noch für eine Überraschung.


    Die Spannungskurve ist von Anfang an spürbar und steigt zum Ende hin rasant. Das Buch konnte ich dann nur noch sehr schwer aus der Hand legen.


    Die Hauptthemen: Rache, Vorurteile, Gerechtigkeit, Familie, Vergeben und Liebe.


    Eine Geschichte, die heftig aufwühlt, bei der man innig mitfühlt und die zum Nachdenken anregt.


    Absolute Leseempfehlung meinerseits, aber seien Sie darauf gefasst, dass dieser Roman nicht leicht zu verdauen ist.


    Meine Lieblingszitate aus dem Buch:
    „Wir lernen die Welt nicht verstehen, indem wir Menschen in Kisten stecken."
    „Das Gute ist gut, so wie es ist, das Schlechte braucht unsere Kraft, um es zu ändern."
    „Wenn einer in einer verrückten Welt bei Verstand bleibt, ist der dann nicht der Verückteste?“
    „Menschen machen Fehler. Junge Menschen machen viele Fehler. Manche Fehler wiegen schwer, und manche sind nicht mehr gutzumachen.“
    „Bitte vergiss nie, dass du die Wahl hast. Jeden Tag wieder."

  • Vielen Dank fürs Mitlesen, Kommentieren, Rezensieren, Keira Silver - doch vor allem fuer das, was Du zitiert hast. Das, was Dir in meinem Buch aufgefallen ist, schenkt mir das Froh-dass-ich's-geschrieben-hab-Gefuehl, und das ist unbezahlbar. Erst recht in einer Zeit, in der ich mich täglich frage: Wieso verschwendest du so viel Kraft darauf, Zeugs auf Papier zu kritzeln, wenn Kraft so dringend benötigt wird?
    Danke fuer Deine Sorgfalt, fuer Dein Einlassen, das ich gerade fürchterlich gut gebrauchen konnte. Wenn Du Lust hast, es mit meinem Ararat zu versuchen, wuerde ich mich sehr freuen.
    Wenn nicht, freu ich mich heute trotzdem.


    Schoenes Rest-Wochenende! (Noch ein Abend und ein GANZER Tag übrig, yeah!)
    Alles Liebe von Charlie

  • Liebe Charlie,


    Deine Kraft die Du für Deine Romane aufbringst ist auf keinen Fall Verschwendung. Bitte mach weiter so!
    Ararat werde ich auf jeden Fall lesen, habe mich schon vor längerer Zeit für die Leserunde eingetragen. Freu mich schon, ist ja nicht mehr lang hin :-]


    Ebenfalls noch ein schönes WE,
    Alles Liebe von Keira

  • In den Jahren um 1432 wird Brandenburg von den Hussiten überfallen. In dieser Zeit befindet sich die bisherige gekannte Ordnung im Wandel. Die Bevölkerung befürchtet das Schlimmste , besonders die „Teufelsfratze“ versetzt sie in Angst. Abenteuerliche Geschichten machen die Runde.
    Das Schicksal der Familie Harzer ist in das Geschehen eingebunden und man verfolgt ihre unterschiedlichen Lebenswege. Der Zwist untereinander, welche Ansicht die Richtige ist, kann man gut in den Dialogen miterleben. Soll man andere religiöse Anschauungen ablehnen oder akzeptieren ?
    Die Begegnung zwischen Jonata und dem „Hussiten“ und deren weitere Entwicklung steht im Mittelpunkt. Die Reaktionen der einzelnen Protagonisten darauf sind sehr unterschiedlich .


    Eindringlich schildert die Autorin was Vergeltung für erlittenes Unrecht alles bewirken kann. Wie man bei Menschen jegliche Gefühlsregung unterbindet. Die Überfälle und das Töten werden in all ihrer Grausamkeit beschrieben.
    Einzelne Passagen dieses Romans sind heute genauso aktuell wie vor Hunderten Jahren.



    Der Roman handelt von Hass, Rache, Ausgrenzung, Ablehnung , aber auch über die Fähigkeit zu vergeben und verstehen .

  • Bis zu diesem Roman hätte ich nie gedacht, dass ein Buch von Charlie für mich überhaupt nicht funktioniert, denn ich habe sie (bis auf die Mexiko-Bücher) alle gelesen und zwar sehr gern.


    Bei "Feuer über Brandenburg" entstehen bei mir Bilder im Kopf, die zum Verlauf der Geschichte nicht passen wollen.
    Denn ich sehe Syrien; Tote, verletzte, gefolterte, hungernde, flüchtende Menschen und dann sehe ich noch verrohte Auch-Menschen, die frau, so dieser Roman, nur ein wenig ankuscheln muss, damit sie innert kurzer Zeit wieder zu "guten" Menschen werden.
    Das ist ebenso einfach wie unrealistisch.


    Zudem empfinde ich, bis auf den Wirt, sämtliche Figuren als unausgereift. Hier stecken viele hervorragende Geschichten drin, die leider nicht ausgearbeitet wurden.


    Auch wenn die Message dieses Romans klar ist, spielt er, obwohl er in einen historischen Rahmen gepresst wurde, zu nah an der Wirklichkeit, als dass er mit diesem Happy-End bei mir punkten könnte. Leider gar nicht.



    Viele Grüße
    Kalypso

  • Das tut mir leid, Kalypso - nett, dass du's trotzdem fertig gelesen hast.
    Dass ich natürlich so, wie du es gelesen hast, mein Buch nicht angelegt habe, nützt nun auch nichts mehr. Da du es so gelesen hast, steckt offenbar ein Wurm drin, über den ich, sobald ich Zeit finde, auf alle Fälle nachdenken werde.


    jusch, danke fuer deine schöne Rezension, über die ich mich freue.


    Euch beiden vielen Dank fuer euer Feedback und einen fröhlichen Tag,
    Charlie

  • Charlie, ich glaube, dass Nachdenken darüber, wie ein Buch bei einer einzigen Leserin ankommt, nicht nötig ist, denn als Autorin hast du keinen Einfluss darauf, wenn eine Geschichte völlig anders wirkt, als gewollt.
    Wie gesagt, ich habe schon verstanden, was du erzählen wolltest, aber bei mir hat es eben nicht funktioniert.
    Das liegt (neben den erwähnten Bildern in meinem Kopf) vermutlich auch daran, dass ich mit den Figuren nicht warm werden konnte.
    Welch ein Unterschied zu "Als der Himmel uns gehörte", das ich kurz zuvor gelesen habe und von dem ich regelrecht begeistert war.


    Du hast mittlerweile so viele Bücher geschrieben und mir damit schöne Lesestunden beschert, dass ich die eine Enttäuschung verkraften kann :-)
    Nur betreten darüber schweigen wollte ich nicht.


    Viele Grüße
    Kalypso

  • Gleich der Beginn des Buches schlägt einem ziemlich auf den Magen: ein friedliches Dorf in Böhmen wurde dem Erdboden gleichgemacht, die Bewohner vergewaltigt, verstümmelt, verbrannt. Und wieso das ganze? Weil es dort Sympathisanten mit den sogenannten „Hussiten“ gab? Weil jemand anderes das Land für sich beanspruchen wollte? Sicher ist nur eins, die Schuldigen tragen einen roten Adler im Wappen, das Zeichen Brandenburgs.


    11 Jahre später lebt in Berlin die Familie Harzer, zwei Witwer mit ihren vier erwachsenen Kindern, friedlich und glücklich zusammen. Der eine ist Bäcker, der andere Brauer, das Handwerk geht Hand in Hand. Jonata, Tochter des Brauers und das begehrteste Mädchen der Stadt, hat die besten Aussichten einen reichen und gutaussehenden Patriziersohn aus Bernau zu heiraten und ist zufrieden und unbeschwert. Doch dann dringen Berichte von heranrückenden Hussiten-Horden nach Berlin, und die braven Bürger fürchten um ihr Leben und ihre Besitztümer. Das beschauliche Leben der Harzer-Familie verändert sich auf dramatische Weise.


    Die Kernaussage dieses Buches ist einerseits die Bitte um Toleranz und Verständnis, andererseits die Wahl, die Menschen haben, jeden Tag ihres Lebens. Es ist ein schwieriges Thema, denn Menschen, denen Unrecht getan wurde, neigen meist eher zum Zurückschlagen als zum Verzeihen. Hass erzeugt Hass. Es ist ein schrecklicher Teufelskreis, ein Ausstieg bedeutet gleichzeitig den Verlust von allem was man kennt, außerhalb der Gesellschaft zu stehen in der man bisher lebte, ohne Platz in der Welt. Eine solche Isolation kann man wohl nur dann ertragen, wenn man etwas hat um diesem tiefsitzenden Hass zu begegnen: Liebe.


    Die Wandlung der Figuren, die mit ihren Ängsten konfrontiert werden, deren Leben sich plötzlich verändern, ist nachvollziehbar und gerade heute auch wieder überall zu beobachten. Es bringt die hässlichen Charaktereigenschaften von Menschen zum Vorschein, von denen man glaubte, man würde sie kennen. Aber es gibt auch Menschen, die sich in solchen unsicheren Zeiten bewähren, die ihre innere Stärke entdecken und aller Erbarmungslosigkeit zum Trotz versuchen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren.
    Ich musste dabei an ein Zitat aus dem Talmud denken, das ich das erste Mal in „Schindlers Liste“ gehört habe: „Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“. Ich glaube, das fasst es ganz gut zusammen.


    Mein Problem mit dem Roman war allerdings der Beginn der dort geschilderten Liebesgeschichte. Zu schnell, zu intensiv, zu - fast könnte man sagen - „sorglos“ ging es für mich vonstatten. Es ist eine Ausnahmesituation, Menschen neigen dazu, nicht rational zu reagieren, und doch war es für mich eine Stufe zu überzogen, wenn man die Vorgeschichte der beiden betrachtet. Es war, als würden die beiden sich in einem Vakuum befinden, völlig abgesondert von allem was sie vorher waren und was ihnen vorher wichtig war. So konnte ich es nicht nachvollziehen und dieser Teil der Geschichte blieb mir somit verschlossen. Mehr gepackt haben mich die Darstellung der Situation in der Bevölkerung, vor dem historischen Hintergrund der Hussiten-Überfälle und die oben schon beschriebene Wandlung der Figuren. Das Ende wirkte an einigen Stellen etwas sehr gestrafft, bestimmte Ereignisse werden gerade mal im Nebensatz erwähnt, da hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr "Zeit" gewünscht.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda