'Gray' - Seiten 079 - 159

  • Ich lerne bei diesem Buch mal wieder, dass ich echt nicht zu viel auf Rezensionen geben sollte (außer auf meine eigenen natürlich :lache). Allen Unkereien zum Trotz mag ich nämlich diesen etwas speziellen Protagonisten mit seinen skurrilen inneren Monologen und nun z.T. auch schräg-lustigen Dialogen.
    Ob Philomene noch eine größere Rolle spielen wird?
    Bin auch gespannt, ob bald bekannt wird, von wem Gray die Wörter gelernt hat, die er nicht mit Elliots Stimme spricht.


    Bisher (Seite 97) fühle ich mich bestens unterhalten und habe schon zwei Kandidatinnen im Kopf, denen ich das Buch schenken möchte. :-)

  • Keiner hier!? Dann monologisiere ich mal weiter… :lache


    Ein Nachtrag noch zur gestrigen Abendlektüre:
    Der kleine Exkurs zurück in Augustus‘ trostlose Kindheit auf der Hebrideninsel (Seite 95-97) hat mir gefallen. Endlich ist mal ein bisschen über seinen Hintergrund und die möglichen Ursprünge seiner Zwangshandlungen zu erfahren.
    Und Cambridge als Hort des Strebens nach Erkenntnis, diese Märchenstadt des Denkens als schmaler Hoffnungsstreif am Horizont von Augustus‘ bis dahin tristem Dasein – und als er es hat, befriedigt es ihn doch nicht – , das ist wieder so schön faustisch. (Bin gespannt, welche Anspielungen da im Buch noch so kommen. Vielleicht ist Philomene ja ein bisschen Gretchen?)


    Mit dem ironischen Kratzen am Lack von „Oxbridge“ ist Leonie Swann aber auch nicht allein; es hat mich u.a. an einen schon etwas älteren Krimi von Elizabeth George erinnert.

  • So. Monolog Nadezhda, vorerst letzter Teil… ;-) (Am Wochenende werde ich nicht viel Zeit haben, aber vielleicht ist bis dahin auch mal jemand anders hier!? Allmählich ziehe ich ja sogar in Erwägung, mir vor lauter Einsamkeit einen Papageien anzuschaffen! :rolleyes)


    Wahnsinn, was dieser Vogel alles kann! Sind die Viecher wirklich so gelehrig oder ist hier eine große Portion dichterischer Freiheit am Werke? Was mag Elliot mit ihm (und den Mädchen sowie Elena?) für Spielchen gespielt haben? Verfolgte die „Studie“ irgendwelche kriminellen Absichten? Ich frage mich, wann Augustus endlich systematischer testet, was der Papagei noch so alles kann und was er mit wessen Stimme sagt, um mal ein paar sinnvolle Schlüsse daraus zu ziehen.
    Die Handlung hat jetzt ordentlich an Fahrt aufgenommen, und ich bin sehr neugierig, wie wohl die seidige Sibyl in Elliots „Studien“ verwickelt ist.


    Es wird auch endlich mal geklettert! Ist etwa Augustus selbst das Ziel von Elliots geheimen Observationen auf dem Dach? Denn die beiden ticken in manchen Dingen ja tatsächlich ähnlich…


    Und was hat Elliot da für eine seltsame Familie?


    Frederik ist mir aber auch irgendwie verdächtig. Vielleicht ist er auch jemand anders als der, der er zu sein vorgibt, und der Papagei hat das erkannt, als er seine Brille abgesetzt hat? :schlaeger


    Und endlos (unendlich!) droht die Seite acht… :lache

  • Nadezhda,
    du bist nicht allein... *träller*


    Ich habe auch nicht schlecht gestaunt, was der Papagei alles kann. Elliot muss ja unendlich viel Zeit mit ihm verbracht haben, allein schon um ihm das Spiel mit den Formen und Farben beizubringen. Aber manchmal scheint Gray ja auch regelrechte Dialoge mit Augustus zu führen. Gut gefällt mir, dass Gray nicht nur Wörter und Sätze spricht, sondern auch unterschiedliche Stimmen nachahmt - das ist eine gute Methode, um ihn Einfluss auf die Ermittlungen nehmen zu lassen. Ich bin auch gespannt, wann Augustus anfängt, sich mehr mit diesen Stimmen zu befassen.


    Frederick kommt mir übrigens nicht verdächtig vor, eher hatte ich den Eindruck, dass er oder vielleicht seine Sitzposition den Papagei an irgendwas erinnert hat. Ähnlich wie die Situation, wo der Stuhl anders steht als vorher und der Papagei regelrecht hysterisch wird.


    Elliot wird immer rätselhafter. Was hat er da mit Ivy wohl veranstaltet? Was weiß Elena? Wen hat Elliot vom Dach aus beobachtet und warum? Ging es ihm wirklich nur um Erpressung?
    Überhaupt gibt es momentan mehr Fragen als Antworten und fast jeder scheint etwas zu verbergen zu haben.


    LG, Bella

  • Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde die Dritte... nun haben wir nach Goethes Gretchen auch den den Dolch im Gewande tragenden Schillerschen Damon dabei :knuddel1 :-]
    Mir gefällt das - immer noch knackende (ist das auch bei euren Büchern so?) - Buch weiterhin sehr gut und ich habe mir ganz ähnliche Fragen wie ihr gestellt. Kurz dachte ich sogar, Frederick würde des Rollstuhls in Wirklichkeit überhaupt nicht bedürfen und benütze ihn nur als Tarnung, aber dann entschied ich mich, dass das wohl eher Unfug sei, denn er sitzt ja dort anscheinend schon eine ganze Weile und sooo lange würde er ein Alibi erfordernde kletterliche Untaten sicher nicht im Voraus geplant haben. Huffs Marotten stören mich nicht.
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

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  • Sybil mag ich irgendwie nicht. Ihre Art, irgendwie, ich kann gar nicht genau sagen warum, aber so richtig glücklich bin ich mit ihr nicht. Sie scheint nett zu sein und alles, aber gleichzeitig so gekünstelt und unsensibel. Sie muss ja mitbekommen haben, dass Huff es nicht mag, wenn man die Tür einfach öffnet zum Beispiel. Jedenfalls weiß sie auf jeden Fall mehr über Elliot als sie erzählt.


    Die Geschichte finde ich richtig spannend. Ich bin wirklich interessiert an Elliot. Dieser Nachtbucheintrag war ja schon etwas bedrückend. Nicht "böse" in dem Sinne, aber schon, dass man unmoralische Aktivitäten ahnt. ;-)


    Elena finde ich irgendwie ganz nett. Sie scheint so farblos und einfach, aber vielleicht täuscht das auch? Schade, dass Huff nicht mehr von ihr erfahren konnte.


    Mich würde auch interessieren was genau Grays "Ausraster" auslöst. Es scheint ja nicht nur Unordnung an sich zu sein.

  • @ maikaefer:
    Mein Buch knackt nicht, zumindest ist mir nichts aufgefallen! ;-)


    @ Cith:
    Es ist sehr naheliegend, automatisch davon auszugehen, dass diese "Nachtbuch"-Einträge von Elliot stammen. Aber irgendwie kommt mir das zu einfach vor, als wolle die Autorin uns damit auf eine falsche Fährte locken. Was wäre, wenn sie von jemand anderem stammen? :gruebel
    Nachts sind alle Katzen grau und es scheinen ja außer Elliot noch mehr Gestalten nachts in und auf Cambridge unterwegs zu sein...


    LG, Bella

  • Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Nachtbucheinträge wirklich von Elliot stammen.


    Und seine Mutter ist schon ein wenig... seltsam. Ich hatte beim Lesen immer das Bild von Narcissa Malfoy vor mir und kann das Bild nicht mehr abschütteln.


    Na, jedenfalls ist es fein, dass Philomene Huff mit Papageien-Ratschlägen helfen konnte.
    Ganz verstehe ich nicht, warum es Huff drängte, diese nächtliche Kletterpartie zu wagen. Hoffentlich wenigstens mit dem richtigen Fuß beginnend.


    Haltet ihr es eigentlich für möglich, dass Graupapageien wirklich so komplexe Leistungen erbringen können wie Gray in dem Farben-Formen-Spiel? Ich halte es für unwahrscheinlich, finde den Gedanken aber sehr schön.


    Ich lese das Buch mit einem Dauerlächeln :-)


    Ach ja: @maikäfer: Mein Buch knackt auch nicht.

  • Zitat

    Original von belladonna
    Es ist sehr naheliegend, automatisch davon auszugehen, dass diese "Nachtbuch"-Einträge von Elliot stammen. Aber irgendwie kommt mir das zu einfach vor, als wolle die Autorin uns damit auf eine falsche Fährte locken. Was wäre, wenn sie von jemand anderem stammen? :gruebel


    Da hast du Recht, das habe ich gar nicht bedacht! Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass der Eintrag von Elliot ist. Dann müsste es einer der anderen Kletterer sein. Andererseits finde ich es doch recht deutlich. Schließlich wird vorher erwähnt, dass Huff Elliot bei einer Sache mit einer Sexpuppe geholfen hat und in dem Nachtbuch geht der Schreiber darauf ein, dass er einen Fehler mit einer "Puppe" gemacht hat.

  • Ähäm, ich bin's, die Autorin.
    Nur kurz zu Grays geistigen Leistungen: ich habe mich mit Gray sehr an Alex angelehnt, real existierenden (allerdings hat es ihn leider mittlerweile erwischt), hoch begabten Graupapageien. Alex konnte all das, was Gray kann - also Farben, Formen, Kategorien unterscheiden - und noch einiges mehr: Rechnen, Buchstabieren, neue Worte erfinden...
    Das heißt aber nicht, dass jeder Graupapagei derartig viel auf dem Kasten hat - aber im Rahmen des Möglichen ist es schon.
    Hope this helps...

  • Vielen Dank, @ ElSwann, für die Erläuterungen! :-)


    Mich hatte die Frage bei der Lektüre schon ziemlich beschäftigt, weil ich selbst als Kind "nur" einen Wellensittich hatte - und dieser dermaßen beschränkt war, dass ich es nun erstaunlich fand, ein doch nicht ganz unähnliches Viech als so intelligent hingestellt zu bekommen. Die Rolle des Vogels in diesem Buch ist ja doch eine ganz andere als die der Schafe in "Glennkill" und "Garou", die dort zum Teil sehr menschlich und nicht schafisch denken, während Gray sein Wesen als Vogel nicht verlässt und sich nicht gezielt in die Ermittlungen einklinkt - zumindest erfahren wir das nicht explizit aus seiner Perspektive. Daher hatte es mich interessiert, was so ein Graupapagei tatsächlich lernen kann und wo da vielleicht die Phantasie der Autorin eingesetzt hat. Spannend, was diese Vögel alles hinkriegen können!


    P.S. Nach meiner kindlichen Wellensitticherfahrung bin ich auf Katzen als Haustiere umgestiegen. Aber Gray hat die Vogelwelt nun in meinen Augen wieder ein wenig rehabilitiert. :lache

  • Danke für die bisherigen Knackmeldungen! :anbet Also sind Cith und ich bisher die einzigen Eulen mit einem im Buch eingearbeiteten kleinen Papagei mit gelegentlichen Knackgeräuschnachahmungsanfällen :wow


    @ ElSwann: Schön, dass du da bist! :anbet
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von maikaefer
    Danke für die bisherigen Knackmeldungen! :anbet Also sind Cith und ich bisher die einzigen Eulen mit einem im Buch eingearbeiteten kleinen Papagei mit gelegentlichen Knackgeräuschnachahmungsanfällen :wow


    Mysteriös!!! :wow
    Wie lest ihr denn eure Bücher? Ich spanne meine i.d.R. in eine Leselotte ein, und dadurch werden sie gar nicht ganz geöffnet, also kommen sie kaum mal auf einen Öffnungswinkel von 180°, geschweige denn darüber. Dadurch wird natürlich der Buchrücken auch nicht so beansprucht (und wird daher nach meiner bescheidenen These auch kaum so knacken) wie bei einer Lesehaltung, die auch mal mehr als 180° "Öffnungswinkel" - oder wie man das nennen soll - verursacht. ?( ?( ?(
    Wobei das mit dem eingebauten Papageien echt was für sich hat. :lache

  • Zitat

    Original von Nadezhda
    Wie lest ihr denn eure Bücher? Ich spanne meine i.d.R. in eine Leselotte ein, und dadurch werden sie gar nicht ganz geöffnet, also kommen sie kaum mal auf einen Öffnungswinkel von 180°, geschweige denn darüber. Dadurch wird natürlich der Buchrücken auch nicht so beansprucht (und wird daher nach meiner bescheidenen These auch kaum so knacken) wie bei einer Lesehaltung, die auch mal mehr als 180° "Öffnungswinkel" - oder wie man das nennen soll - verursacht. ?( ?( ?(
    Wobei das mit dem eingebauten Papageien echt was für sich hat. :lache


    Ich darf mich mal aus dem ersten Leserundenabschnitt zitieren:

    Zitat

    Original von maikaefer
    Gewundert hat mich jedoch das relativ laute Knacken, das mein Buch beim Seitenwechsel von sich gibt. Ist das nun ein Zeichen einer besonders gründlichen Bindung oder eher das Gegenteil? Ich kenne mich da leider kaum aus. Auf jeden Fall gehöre ich zu den behutsamen Umblätterern, auch ein dickes Lorne-TB sieht nach meiner Lektüre nahezu neu aus. :wow ?(
    :wave


    Bei einigen Büchern komme ich sogar mit < 100° aus, denn ich drehe das Buch einfach ein wenig, wenn ich von der linken auf die rechte Seite wechsele. Deshalb erstaunte mich das hier ja auch so. :wow
    Aber solange da nix bricht und seit mir die Papagei-Idee kam, versuche ich. Gleichmut zu bewahren :lache
    :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Zitat

    Original von ElSwann


    Nur kurz zu Grays geistigen Leistungen: ich habe mich mit Gray sehr an Alex angelehnt, real existierenden (allerdings hat es ihn leider mittlerweile erwischt), hoch begabten Graupapageien. Alex konnte all das, was Gray kann - also Farben, Formen, Kategorien unterscheiden - und noch einiges mehr: Rechnen, Buchstabieren, neue Worte erfinden...
    Das heißt aber nicht, dass jeder Graupapagei derartig viel auf dem Kasten hat - aber im Rahmen des Möglichen ist es schon.
    Hope this helps...


    :wave Hallo, Leonie... fein, dass du da bist :blume


    Ja, das hilft. Mir zumindest und meinen Gedanken zum Buch. Da zumindest der überdurchschnittliche Graupapagei zu solchen Leistungen fähig ist, sehe ich seine Äußerungen doch in einem anderen Licht. Ich spekuliere wild, dass darin Botschaften enthalten sind, die es zu enträtseln gilt.


    Ein weiteres Rätsel in diesem Abschnitt ist Grays Panik bezüglich des Stuhls.


    Und dann: Huff und die Frauen: Philomene, Sybil, Elena. Zumindest die beiden letzteren scheinen etwas vor dem Herrn Doktor zu verbergen. Er ist schon ein richtiger Womanizer, der gute Augustus :grin
    Und es ist deutlich zu beobachten, wie die Beschäftigung mit Gray und (Mord?)Ermittlung ihn von seinen Zwangshandlungen ablenkt.

    Die Welt ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt. Oscar Wilde

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  • Zum Thema Knacken kann ich nicht so viel sagen, da ich das Buch nicht gelesen habe - werde aber heute Nachmittag einen Versuch mit meinem Belegexemplar starten... Kann ja auch mal den Verlag fragen, ob sie beim Binden von Gray irgendwas anders gemacht haben.


    Das Daumenkino ist für mich eher ambivalent. Einerseits ist es schon süß, andererseits lenkt es vielleicht auch ab. Wie ist hier so die Stimmung - braucht's das?

  • Für mich gehört das Daumenkino bei einem Leonie-Swann-Krimi einfach dazu - ich habe mich total darüber gefreut. :-) Habe es am Anfang ein paarmal schmunzelnd durchgeblättert und dann beim Lesen, muss ich gestehen, komplett ausgeblendet. Es hat mich also nicht abgelenkt und ich hätte es vermisst, wenn es nicht dagewesen wäre.