'Die Jahre der Schwalben' - Seiten 096 - 190

  • Tja, der liebe Rudolph… Es war irgendwie abzusehen, dass sich da noch mehr tut. Die Schlinge um Frederikes Hals zieht sich weiter zu. Die Arme. :-(


    Bisher erschließt sich mir absolut nicht, warum Stefanie ihre Tochter so massiv in die Ehe mit Ax gedrängt hat, wenn Frederike doch auch beispielsweise Rudolph hätte haben können – im passenden Alter, mit passendem Hintergrund, auch er verfügt über ein Gut…!? Warum hat sie sein Werben abgewürgt und so getan, als sei Frederike bereits verlobt? Wollte sie ihre Tochter mit dem todkranken Mann bewusst ins Unglück stürzen? Dass sie seine Erkrankung nicht so schwergenommen hat, kaufe ich ihr nicht ab. Da muss es noch mehr im Hintergrund geben.


    Und dass der Gedanke an eine Scheidung so abgebügelt wird – Frederike würde ihre Schwestern ins Unglück stürzen, diese würden niemals eine gute Partie machen, der Name der Familie wäre beschmutzt – das klingt ja alles schon ein wenig nach „Pride and Prejudice“… :lache


    Was in Davos in Ax gefahren ist, kapiere ich auch nicht. :wow Er zeigt ganz andere Wesenszüge als im ersten Band und ich kann kaum glauben, dass es derselbe Mann ist und ihn die Krankheit und das langweilige Leben in einem Sanatorium so sehr verändert haben. Wie er mit Frederike umspringt! So kenne ich ihn gar nicht. An seinen nahen Tod scheint er ja (noch?) nicht zu glauben. Er treibt seine Frau buchstäblich in die Arme von Rudolph. Darauf ist der Roman an dieser Stelle natürlich angelegt, aber ich finde es schon recht abrupt.


    Gefallen haben mir die Passagen mit der Familie von Aaken – und ich mache mir jetzt schon Sorgen, wohin das Leben sie tragen wird in diesen schweren Zeiten, die da aufziehen. :-(

  • Ohoh..zwischen Rudolph und Frederike knistert es ja ganz schön.....ob diese Liebelei eine Chance hat? Ich glaube fast nicht.....


    Ich bin auch mal gespannt, wie die Zukunft für die Familie von Aaken aussieht..Ich hoffe, das die Nazis sie nicht aufstöbern..


    Endlich kann Frederike Ax in Davos besuchen und dann entpuppt sich diese Reise als absolute Katastrophe!! Ax kann froh sein, das er so eine Frau an seiner Seite hat, die den ganzen Laden allein wuppt!! Und dann führt er sich so auf!! :rotekarte

  • Freddy kann einem wirklich leid tun. Sie ist wirklich wie eine Zuchtstute verschachert worden. Ihre Mutter ist wirklich der Hammer, statt Reue nur ein "stell Dich nicht so an und übrigens, eine Scheidung kommt nicht in Frage"


    Ax ist nicht wirklich besser, seine Entscheidung nach Palästina zu gehen stand doch schon fest, bevor Freddy nach Davos gekommen ist, gefragt hat er doch nur zum Schein. Sie soll gefälligst sein Gut führen und ansonsten die Klappe halten. Das Gut aufzugeben kommt nicht in Frage, aber Entscheidungen dazu will er nicht treffen, der Arme ist ja schließlich todkrank. Da geht mir echt die Hutschnur hoch! :fetch


    Und wenn Freddy sich jetzt mit Rudolph einlässt ist sie auch noch die Böse, denn sowas tut man ja nicht! Dass sie kein eigenes Leben hat, keine Entscheidungsfreiheiten ist dabei ja egal. Gutsherrenfrauen sind ja zur Pflicht geboren und nicht für den Spaß.....


    Ich würde sie am liebsten mal kräftig in den Arm nehmen, das arme Kind. Mit Anfang 20 so ein Schicksal zu haben ist schon heftig. Und dann noch nicht wirklich eine Zukunftsperspektive.


    Die von Aakens gefallen mir gut und auch das Zusammenleben auf dem Gut.
    Allerdings graut es mir auch davor, was wohl noch auf sie zukommen wird. Ich hoffe ja doch, dass sie die Zeit halbwegs gut überstehen werden.


    Und jetzt bin ich gespannt, wie sich Freddy bezüglich Rudolph entscheidet.Ich würde ihr das Glück ja gönnen, befürchte aber dass das zu nix gutem führt.


    Und dann stellt sich ja immer noch die Frage, wie es mit Ax gesundheitlich weiter geht. Wird er wirklich noch nach Palästina reisen, oder holt die Krankheit ihn in Davos noch ein....

  • Ax ist wirklich unmöglich. Freddy tut alles, um SEIN Zuhause zu erhalten und er zeigt nicht mal Dankbarkeit dafür. Ob er sie überhaupt wirklich noch liebt?
    Und sie zweifelt ja auch. Was natürlich auch mit Rudolph zu tun hat.
    Der Aufenthalt in Berlin tut Freddy jedenfalls gut und sie ist abgelenkt.
    Ich liebe ja Wölfe und finde die Szenen mit den Tieren im Gehege ganz toll. :-)
    Im Hintergrund zieht immer mehr die politische Bedrohung auf, das finde ich sehr interessant.

  • Ich muss mal eine kleine Lanze für Ax brechen - der Mann war auf den Tod krank und damals gab es nur wenige Möglichkeiten solche Krankheiten zu bekämpfen.
    Ich habe Brustkrebs - auch wenn ich im Moment nicht akut betroffen bin, schwelt diese Diagnose doch immer im Hintergrund - das Damuskletschwert. Ich kenne viele Frauen mit der Diagnose, die sehr verbittert und auch ängstlich sind. Sie haben ihre Sicht auf Dinge verändert. Als ich meine Diagnose bekam und diese Frauen kennenlernte, war ich sehr erschrocken - ich wollte nicht so werden. Aber ich habe mich auch verändert, bin vielleicht auch härter, vielleicht auch bitterer geworden, auch wenn ich es nie wollte.
    Heute gibt es viele Wege, sich auszutauschen, sich Informationen zu besorgen. 1930 gab es das nicht.
    Ax war verzweifelt - so habe ich das empfunden. Er war verbittert, er war egoistisch, er war egozentrisch und er starb und er wusste es.
    Frederike musste das aushalten und tragen. Das war ihr Schicksal.
    Ja, Ax war ... auf sich selbst fixiert. Aber er muss auch sehr, sehr unglücklich gewesen sein.

  • Freddy hat keine Lust morgens aufzustehen und zur Jagd zu gehen und möchte noch eine Stunde länger schlafen. Dann sagt das Hausmädchen : "Dann hätte ich ja auch länger schlafen können, wenn Sie nicht aufstehen".
    Ich glaube eigentlich nicht, dass sich ein Hausmädchen so eine Aussage erlauben konnte.
    (Auch wenn sie nicht Unrecht hatte ...)

  • Ich kann mich nicht dazu überwinden, Frederike "Freddy" zu nennen. Diese Verniedlichungen der Frauennamen finde ich entsetzlich. Das ist ausdrücklich kein Vorwurf an Ulrike, denn sie hat damit den damaligen Zeitgeist wohl perfekt getroffen: Frauen klein und niedlich halten, und das beginnt eben beim Namen: Irmi, Annchen, Lottchen... Das sind Namen für Püppchen, nicht für Menschen.


    Ich habe gestern noch bis einschließlich Kapitel 13 gelesen. Dass sich Frederike in Rudolph verliebt, ist sehr verständlich. Sie hätte sich sicher auch in jeden anderen jungen Mann verliebt, der für sie Verständnis zeigt.
    Gut finde ich, dass sie offen mit ihm spricht.
    Natürlich kämpft sie gegen ihre Gefühle - Erziehung prägt eben. Ich würde es allerdings nicht als Ehebruch bezeichnen, wenn sie mit Rudolph schlafen würde. Ihre "Ehe" ist ja eigentlich keine, und sie ist Ax nichts schuldig.


    Als sie in alte Gewohnheiten zurückfällt und vom Personal bestimmen lässt, wann sie aufzustehen hat, war mMn ein Fehler. Ich hoffe, sie lernt es bald, eine echte Chefin zu sein, die sich nicht von Angestellten herumkommandieren lässt.
    Oder dass Rudolph gegen ihre ausdrückliche Anordung schäbige Klamotten bekommt, dürfte sie nicht hinnehmen.


    Und Stefanie hat einen schwarzen Punkt mehr auf meiner Sympathieliste. Hat diese Frau eigentlich auch positive Eigenschaften?

  • Zuerst meine Hochachtung für Ulrike: ich bewundere, wie souverän du mit deiner Diagnose umgehst. Jedenfalls wünsche ich dir das Allerbeste - vor allem für deine Gesundheit :-)


    Und zum Rest des zweiten Abschnitts:
    Es ist schön zu lesen, wie die Nachbarschaftshilfe funktioniert. Auch die Verwaltersfamilie scheint Frederike gut zu tun. Obwohl das Unheil seinen Lauf nehmen wird. Wir wissen ja heute, wie sich die politische Lage entwickelt hat.


    Ich finde auch, dass Ax sehr auf sich selber fixiert und egoistisch ist. Er ist Frederike überhaupt keine Stütze, und manche seiner Bemerkungen sind schon sehr schlimm. So böse es klingen mag: das kann mit den beiden nichts mehr werden, auch wenn Ax gesund werden sollte.


    Mit großem Interesse und einem Schmunzeln lese ich von den technischen Veränderungen im Haushalt.
    Man stelle sich vor (Kapitel 16):


    Zitat

    Keiner ruft den anderen an, wenn man sich nur auf einen Kaffee treffen will, das wäre ja absurd.

  • Ich bin mit dem 2. Abschnitt noch nicht ganz durch, aber bei diesem Satz (Keiner ruft den anderen an, wenn man sich nur auf einen Kaffee treffen will, das wäre ja absurd) musste ich auch schmunzeln!!!


    Klunkermus musste ich auch erstmal googeln (klingt aber nicht sooo lecker - es heißt sogar, es sei nicht jedermanns Geschmack!)

  • der 2. Teil war ja richtig "bunt". Hier haben wir erfahren, das Stephanie sich wie eine Furie aufgeführt hat, sie hat m.M. alles dafür getan, das Freddy sich nicht weiter mit Rudolph beschäftigt bzw. Rudolph sich weiter mit Freddy beschäftigt.... Sie war ja angeblich schon mit Ax verlobt.... Das grenzt für mich im weitesten Sinne an Verschachern. Stephanies Verhaltensmuster wird immer unmöglicher.


    Das Freddy einen so guten Verwalter nebst Family ins Haus bekommt, ist ihr mehr als zu gönnen, sie braucht ein bisschen Unterstützung, da sie diese ja "nur" von ihrem Stiefvater bekommt. So kann Freddy vielleicht doch noch einmal durchatmen.


    Wie das Verhalten von Ax in Davos zu bewerten ist - krieg ich noch nicht so ganz auf die Reihe. einerseits ist er darauf aus, gesund zu werden, andererseits entwickelt er hochgradig egoistische Züge und zeigt teilweise Manierenlosigkeit. Ob er unbewusst bereits bemerkt hat, das nicht, aber auch gar nichts helfen wird....?


    Danke für die Offenheit, liebe Ulrike Renk. Es ist tatsächlich so, das einige Damen sich mit der Diagnose Brustkrebs "negativ" auseinandersetzen und unleidlich werden. ich habe es selber auch sehr häufig gesehen. Viele der Damen verfallen auch in eine Art Schockstarre bzw. Kinderverhaltens-Muster zurück. Der Doktor (Halbgott in weiß) hat gesagt, diese oder jene Behandlung muss sein, da kann ich als betroffene Person doch nichts dagegen sagen bzw. diskutieren oder Fragen stellen. Meiner Meinung und meiner pers. Erfahrung nach ist aber genau das der falsche Weg. Man muss sich mit der Erkrankung auseinander setzen und auch Sachen hinterfragen.... aber ich glaube, das ist ein sehr weites, anderes Thema

  • Meiner Meinung und meiner pers. Erfahrung nach ist aber genau das der falsche Weg. Man muss sich mit der Erkrankung auseinander setzen und auch Sachen hinterfragen.... aber ich glaube, das ist ein sehr weites, anderes Thema

    Das glaube ich auch. Jede Situation, jeder Mensch ist anders. Mit "man muss" Statements tut man sich leicht, wenn man nicht selber hautnah betroffen ist.