'Die linke Hand der Dunkelheit' - Kapitel 09 - 13

  • Le Guin bleibt sich treu und springt weiter hin und her. Am Anfang dieses Teils wird eine alte Geschichte erzählt, in der ein anderer Estraven zum Verräter wird, aber auch gleichzeitig zum Herrscher. Parallelen zum Estraven von heute gibt es ja in Teilen, vielleicht ist das ein Hinweis darauf wie er nach Karhide zurück kehrt, vielleicht wird ja auch ganz Winter gemeint?

    Estraven ist sowieso zu meiner liebsten Figur geworden. Die Art, das wir durch ihn immer neue Informationen bekommen, da einige Kapitel aus seiner Sicht sind, finde ich toll.


    Das Leben in Orgoreyn finde ich sehr bedrückend, wie wenig Freiheit es dort gibt wird immer stärker offenbart. Der Höhepunkt davon ist der Gefangenentransport und das Lager. Zentral finde ich dabei die Passivität und Gleichgültigkeit der Menschen, die ja später im Lager mit Drogen erklärt wird, wodurch die Kemmer und dadurch die Sexualität unterdrückt wird. Da stellt sich mir die Frage, wird die Droge wirklich erst im Lager verabreicht?

  • Orgoreyn ist überhaupt ein unwirtlicher Ort. Eine echte durchorganisierte Diktatur, wenn auch mit mehreren Parteien. Und überall wird intrigiert und mit Ängsten gespielt.

    Alles ganz aktuell.

    Estraven wird nach und nach verständlicher und es zeigt sich, dass Ai offenbar mit seiner Einschätzung dieses Menschen daneben lag.

  • Orgoreyn ist überhaupt ein unwirtlicher Ort. Eine echte durchorganisierte Diktatur, wenn auch mit mehreren Parteien. Und überall wird intrigiert und mit Ängsten gespielt.

    Alles ganz aktuell.

    Estraven wird nach und nach verständlicher und es zeigt sich, dass Ai offenbar mit seiner Einschätzung dieses Menschen daneben lag.

    :write

    Die Aktualität im Vergleich dazu, wie alt die Geschichte eigentlich schon ist, ist erschreckend und traurig.

    Ich habe beim Lesen dieses Abschnitts oft an Orwells "Animal Farm" denken müssen.

  • Orgoreyn ist schrecklich. Vor allem, weil zuerst der Anschein der Offenheit und Ehrlichkeit erweckt wird.

    In Wirklichkeit ist es eine ganz schlimme Diktatur. Bei der Schilderung des Lagers hatte ich Bilder von Konzentrationslagern vor Augen.


    Auch ich sehe Estraven nun viel klarer, und er wird mir immer sympathischer.

    Kinder lieben zunächst ihre Eltern blind, später fangen sie an, diese zu beurteilen, manchmal verzeihen sie ihnen sogar. Oscar Wilde

  • Ich finde den Gegensatz, den die Autorin dadurch erschafft, dass wir sowohl Estravens als auch Genrys Sicht kennen, sehr gelungen. Immer, wenn Mr. Ai sich darüber ausläßt, wie wenig er Estraven noch trauen mag, möchte ich ihn schütteln! :lache


    Orgoreyn ist wirklich bedrückend; das Lager erinnert mich aber weniger an ein Konzentrationslager als vielmehr an ein Arbeits- oder Umerziehungslager. Die Insassen sollen bestraft, aber nicht vernichtet werden. Ich frage mich, ob man Henry wirklich nicht glaubt, dass er von einem anderen Planeten kommt oder ob er in dem Lager „versteckt“ werden soll, weil seine Botschaft des Miteinanders gerade nicht en vogue ist und den Mächtigen daher nicht in den Kram passt. Er war ja auch so doof und hat frei heraus erzählt, dass ihm keiner zu Hilfe kommen wird ...

  • Ich finde den Gegensatz, den die Autorin dadurch erschafft, dass wir sowohl Estravens als auch Genrys Sicht kennen, sehr gelungen. Immer, wenn Mr. Ai sich darüber ausläßt, wie wenig er Estraven noch trauen mag, möchte ich ihn schütteln! :lache


    Das finde ich auch sehr gelungen, Gently würde ich natürlich auch am liebsten kräftig durchschütteln, aber stellneweise finde ich es fast ein bisschen amüsant, wie die beiden aneinender vorbei reden und handeln. :lache


    Ich frage mich, ob man Henry wirklich nicht glaubt, dass er von einem anderen Planeten kommt oder ob er in dem Lager „versteckt“ werden soll, weil seine Botschaft des Miteinanders gerade nicht en vogue ist und den Mächtigen daher nicht in den Kram passt. Er war ja auch so doof und hat frei heraus erzählt, dass ihm keiner zu Hilfe kommen wird ...

    Ich vermute, dass die Mächtigen ihm glauben und ihn aus dem Weg haben wollen, die Gesellschaft in

    Orgoreyn entspricht ja so gar nicht den Idealen der Ökumene.

  • Orgoreyn ist überhaupt ein unwirtlicher Ort. Eine echte durchorganisierte Diktatur, wenn auch mit mehreren Parteien. Und überall wird intrigiert und mit Ängsten gespielt.

    Alles ganz aktuell.

    Estraven wird nach und nach verständlicher und es zeigt sich, dass Ai offenbar mit seiner Einschätzung dieses Menschen daneben lag.

    Besonders gelungen finde ich die Entwicklung, die die Autorin dem Leser angedeihen lässt. Zuerst ist man geneigt zu glauben, Orgoreyn sei der bessere Ort auf dem Planeten, Ai konnte dem Tode entkommen, Estraven findet Asyl. Dass beide dann mehr oder weniger Gefangene sind und tatsächlich um ihr Leben bangen müssen, gibt der Geschichte eine wichtige Dramatik.

  • Besonders gelungen finde ich die Entwicklung, die die Autorin dem Leser angedeihen lässt. Zuerst ist man geneigt zu glauben, Orgoreyn sei der bessere Ort auf dem Planeten, Ai konnte dem Tode entkommen, Estraven findet Asyl. Dass beide dann mehr oder weniger Gefangene sind und tatsächlich um ihr Leben bangen müssen, gibt der Geschichte eine wichtige Dramatik.

    Das hat mir in diesem Abschnitt auch am besten gefallen! Le Guin spielt hier sehr schön mit den Erwartungen der Zuschauer. Eine "Volksherrschaft" ist also nicht unbedingt besser als das Leben unter einem "wahnsinnigen" Monarchen. Eine äußerst interessante Wendung! Was ich besonders schockierend fand ist die Gleichgültigkeit, mit der sich die Menschen mit ihrem Schicksal abfinden.


    Ansonsten fand ich es teilweise sehr mühsam zu lesen - die ganzen Namen und wer welche Intrige schmiedet hat mich sehr verwirrt und ehrlich gesagt auch nicht so sonderlich interessiert.


    Ai kommt hier auch nicht besonders gut weg. Er hat komplett den Falschen vertraut. Mich würde wirklich interessieren, warum gerade er auf diese Mission geschickt wurde. Jemand mit so wenig Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen ist da doch wirklich nicht geeignet. Oder erwarte ich einfach zu viel?

    „Aber das macht unser Leben aus, nicht wahr? Dass wir durch Begegnungen zu dem werden, was wir schlussendlich sind.“ Michael Düblin, Der kalte Saphir, Seite 263

  • Ai kommt hier auch nicht besonders gut weg. Er hat komplett den Falschen vertraut. Mich würde wirklich interessieren, warum gerade er auf diese Mission geschickt wurde. Jemand mit so wenig Menschenkenntnis und Einfühlungsvermögen ist da doch wirklich nicht geeignet. Oder erwarte ich einfach zu viel?

    Ich denke einfach, dass die Eignung für einen solchen Job vor allem überhaupt die Bereitschaft dafür ist. Schließlich gibt man sein eigenes Leben, seine Familie, Freunde usw. auf und geht ein hohes Risiko ein. Immerhin nicht unwahrscheinlich, dass man auf einem fremden Planeten um sein Leben bangen muss. Insofern dürfte es nicht allzu viele Freiwillige geben und dann muss man eben nehmen, was kommt. Besondere Ansprüche an Charakter und Eignung kann man vermutlich nicht mehr stellen.

  • :lache Klingt jetzt so nach: müssen wir halt nehmen, was wir kriegen! Ist sicher ein bißchen so, aber wenn ich mir anschaue, wieviele Leute sich wirklich ernsthaft auf die Marsreise ohne Wiederkehr und äußerst unkalkulierbarem Risiko beworben haben, dann gäbe es doch sicher zumindest ein paar Bewerber. Ich denke aber mittlerweile, Genly Ai hat Vorzüge, die wir nicht erkennen. Vielleicht, weil sie für ihn so selbstverständlich sind, dass sie komplett totgeschwiegen werden oder er sie auch absichtlich nicht erwähnt.


    Ich hätte Genly Ai mit seiner Vergangenheit gerne näher kennengelernt und finde es etwas schade, dass das so gar kein Thema ist. Klar, die Geschichte ist eine andere, aber da er der Haupterzähler ist, spielt seine persönliche Vergangenheit immer mit hinein.

    „Aber das macht unser Leben aus, nicht wahr? Dass wir durch Begegnungen zu dem werden, was wir schlussendlich sind.“ Michael Düblin, Der kalte Saphir, Seite 263