Ingrid O. Volden: Unendlich mal unendlich mal mehr [ab 10 Jahre]

  • Ingrid O. Volden: Unendlich mal unendlich mal mehr

    Thienemann Verlag 2018. 240 Seiten

    ISBN-10: 3522184610

    ISBN-13: 978-3522184618

    Vom Verlag empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre


    Verlagstext

    Bezaubernd, vielschichtig und in jeder Hinsicht außergewöhnlich ist dieser Debütroman für Kinder ab 10 Jahren.

    Pia liebt gerade Zahlen, denn die lassen sich teilen, ohne sie kaputt zu machen. Als Pia in der Schule zuerst die absolut unperfekte Zahl Pi kennenlernt und sich dann auch noch mit ihrem Angst-Element Wasser anfreunden soll, droht sie den Boden unter den Füßen zu verlieren. Ausgerechnet Tom, der Propellerjunge aus dem Schwimmbad, bietet ihr in diesem Moment Halt. Ihm zuliebe kauft sie sich sogar eine Schwimmbrille und wagt sich mit dem Kopf unter Wasser – und plötzlich ergibt alles einen Sinn.


    Die Autorin

    Ingrid Ovedie Volden, 1981 geboren, hat Politikwissenschaften studiert und lebt in Oslo, wo sie für ein Projekt der WHO arbeitet und als Musikkritikerin für die Zeitungen Klassekampen und Morgenbladet tätig ist. Ihr Debütroman „Alt som teller“ wurde in ihrem Heimatland bisher ausgesprochen positiv aufgenommen und ist bereits nach Schweden und Dänemark verkauft worden.


    Inhalt

    Wenn Petra ein Problem hatte, half ihr bisher immer Ordnung. Die Schuhe zuhause z. B. müssen exakt aufgestellt werden und dürfen sich nicht berühren. Wenn jemand sich vornimmt, nicht auf Kanaldeckel oder die Ritzen zwischen Pflastersteinen zu treten, nennen manche das Verhalten Magisches Denken, andere sagen dazu Zwangsgedanken. Als für Petra nach den Ferien die 7. Klasse beginnt, wird deutlich, dass sie in ihrer Klasse nicht die einzige besondere Schülerin ist. Chris hat in den Ferien schon das komplette Mathebuch durchgearbeitet, außerdem braucht er die Geduld seiner Mitmenschen, wenn ihm die Wörter mal wieder im Hals stecken zu bleiben scheinen. Jeder hier benötigt Hilfe und jeder kann anderen helfen. Melika, das Kind von Flüchtlingen, wartet schon lange, dass ihr älterer Bruder Javid endlich auch nach Norwegen kommt. Petra hofft nun, dass sie Javids Flucht mit magischem Denken beschleunigen kann.


    In Petras Schule achten Lehrer genau auf ihre besonderen Schüler; sie schicken die Zwölfjährige deshalb zu Herrn Svendsen zur Therapie. Der Therapeut arbeitet nicht etwa in der Schule, sondern Petra trifft ihn in seinem Büro im Rathaus. Petra erzählt aus der Ichperspektive, so dass die Leser nur erfahren, was die Zwölfjährige für erzählenswert hält. Vermutlich deshalb fühlte ich mich überrumpelt, als Svendsen Petras Angst vor Wasser und dem Schwimmen anspricht. Unterstützung in der Therapie von Petras Ängsten kommt von unerwarteter Seite; denn der neue Schüler Thomas entpuppt sich als Leistungsschwimmer. Petra ist fasziniert von diesem rasend schnellen Propellerjungen …


    In einfachen Sätzen und sehr kurzen Kapiteln beschreibt Ingrid O. Volden die Zwangsstörung einer Zwölfjährigen. Für die zehnjährige Zielgruppe, an die sich das Sprachniveau richtet, finde ich die logische Verknüpfung der sehr kurzen Abschnitte zu sparsam. So kommt Petras Angst vor Wasser in der Therapie unvermittelt zur Sprache, ohne dass ihr das Ziel der Therapie deutlich zu sein scheint. Auf Nicht-Norweger mag es sonderbar wirken, dass ein Kind ohne Wissen der Eltern einen Therapeuten in einem anderen Gebäude aufsucht. Spannung in die Handlung bringt das Bangen um Javid. Die Lösung seines Problems ist mir, selbst in einem Kinderbuch, jedoch zu märchenhaft.

    Fazit

    Voldens Botschaft an ihre jungen Leser lautet, dass sich niemand zu schämen braucht, der therapeutische Hilfe benötigt. Der Text würde seine Zielgruppe jedoch ebenso gut erreichen, wenn die erwachsenen Figuren die Dinge klarer beim Namen nennen würden.


    7 von 10 Punkten