Fragen von Petra Durst-Benning an die Eulen

  • Book-Club-Question 1:

    “Mimi Reventlow entscheidet sich für ein selbstbestimmtes Leben und gegen den sicheren Hafen der Ehe. Um 1900 herum war dies höchst ungewöhnlich, denn Frauen waren zu dieser Zeit in hohem Maß abhängig finanziell den Männern. Was hat sich Deiner Ansicht seit damals für Frauen geändert?“

  • Book-Club-Question 5:

    „Eveline verliert sich oft in Tagträume, dabei denkt sie auch viel an Johann. Sollte sie nicht lieber versuchen, ihr Leben praktisch zu verbessern? Oder sind solche Träume manchmal die einzige Möglichkeit, die Realität zu ertragen – was meinst Du?“

  • Spannende Fragen! :-]

    Book-Club-Question 4:

    „Anton und Alexander haben beide große Träume für ihre Zukunft. Welchem der beiden jungen Männer traust Du eher zu, auszubrechen aus der engen Welt Laichingens und warum?“

    Obwohl Anton der forschere und selbstbewusstere von den beiden ist, glaube ich, dass eher Alexander seinen Weg geht. Er hat mit seinem Zeichentalent schon eine Richtung aus der er etwas machen kann und dadurch ein grobes Ziel. Für mich ist er eher der, der an einer Sache dran bleibt und sich durchbeißt. Und ein bißchen Unterstützung (wie der Einladung zur Aufnahmeprüfung) gibt ihm bestimmt zusätzlich Mut etwas Neues zu wagen. Außerdem vermute ich, dass er daheim so leidet, dass er froh ist zu entkommen. Anton ist dagegen eher genervt und gelangweilt von zu Hause. Aber ob das und seine große Klappe ausreichen, einen wirklich neuen Weg einzuschlagen? Ich stelle mir eher vor, dass er mit neuen Ideen die elterliche Gastwirtschaft übernimmt. Quasi ein Mini-Ausbruch.

  • Book-Club-Question 3:

    “Mimi möchte die Menschen mit ihren Fotografien „im schönsten Lichte darstellen“. Hannes wirft ihr vor, sie würde den Menschen damit ewas vormachen. In seinen Augen wäre es besser, sie würde die harte Realität ablichten. Was denkst Du?“

    Wenn ich so an meine Foto-Alben denke, bin ich auch ein Fan von "im schönsten Lichte".:lacheWer möchte schon auf Erinnerungsbildern blöd aussehen? Kommt wohl ziemlich auf den Zweck und die geplanten Betrachter der Fotos an. Für Reportagen oder ähnliches ist natürlich die ungeschminkte Wahrheit sinnvoller, aber die privaten Bilder dürfen durchaus zu leicht verklärten Erinnerungen passen.


    Antworten zu den restlichen Fragen folgen später oder morgen...

  • Book-Club-Question 3:

    “Mimi möchte die Menschen mit ihren Fotografien „im schönsten Lichte darstellen“. Hannes wirft ihr vor, sie würde den Menschen damit ewas vormachen. In seinen Augen wäre es besser, sie würde die harte Realität ablichten. Was denkst Du?“

    Hier kann ich beide Standpunkte verstehen und finde, dass auch beide ihre Berechtigung haben.

    Ändern sollte Mimi das erst, wenn sie selbst zu der Überzeugung gelangt, dass sie andere Wege gehen sollte mit ihrer Fofografie.

    Und im Buch habe ich auch den Eindruck gewonnen, dass sie den Menschen ein kleines Glück beschert mit ihren Fotos - einmal etwas Besonderes sein und sich ein wenig aus und über den Alltag erheben.

  • Book-Club-Question 1:

    “Mimi Reventlow entscheidet sich für ein selbstbestimmtes Leben und gegen den sicheren Hafen der Ehe. Um 1900 herum war dies höchst ungewöhnlich, denn Frauen waren zu dieser Zeit in hohem Maß abhängig finanziell den Männern. Was hat sich Deiner Ansicht seit damals für Frauen geändert?“

    Das Leben von vielen Leuten war damals sehr trist, das Arbeitsleben der Männer von harter körperlicher Arbeit geprägt, das der Ehefrauen umfasste Haushalt (mit wenig Hilfsmitteln), Garten, Kindererziehung, häufigere Schwangerschaften/ Kindstod und wie wir in Laichingen gelernt haben, auch noch Heimarbeit.

    Freizeit, Für jeden gab es kein Bett in kinderreicher Familie, kein eigenes Zimmer, fließendes Wasser/ WC pro Familie... Freizeit/ Langeweile waren Fremdworte, War man mit dem einen fertig, regten sich die Finger und machten Handarbeiten, entsteinten Obst etc.

    Krankheiten, gegen die es noch keine Heilmittel gab, bestimmten das Schicksal.

    Was man nicht selber auf dem Feld anbaute oder auch Tiere hielt, war schwieriger zu beschaffen. Andererseits war das Selbstangebaute Bio. Es gab keine/kaum Kühlmöglichkeiten.

    Bekleidung, Tischwäsche etc. war wertvoll, es wurde geflickt, aneinandergenäht und umgearbeitet.

    Ein junges Mädchen ging mit Aussteuer in die Ehe.

    Ein Buch zu besitzen, war etwas, man las es vorsichtig und war stolz auf die wenigen Bücher, die man hatte.

    Man bekam von Politik/ Ereignissen mancherorts zeitverzögert etwas mit.

    Die Postzustellung war aber z.B. um den 2 WK zuverlässiger. Meine Großeltern haben sich z.B. in der "Kennlernzeit" täglich geschrieben und Post wurde zweimal täglich zugestellt. Opa hat z.B. abends um 10 in Hannover in den Briefkasten am Zug den Brief eingesteckt und Oma hatte die Post am nächsten Morgen, vor dem Sonntagsgottesdienst.


    Kinder wurden körperlich gezüchtigt von Eltern, v.a. Dingen Vätern, aber auch Lehrern. Oft gab es sogar "Dresche", ohne Grund, einfach nur "weil er bestimmt etwas angestellt hat". Mütter kannten das so auch von Zuhause, vom eigenen Vater und den Brüdern.


    Ehefrauen bis in die 70er durften nur mit Genehmigung des Gatten erwerbstätig sein, er hatte das Recht, den Job der Ehefrau ohne ihr Wissen zu kündigen.


    Pferdefuhrwerke und Handkarren wurden abgelöst von Fahrrädern, motorisierten Gefährten, bis hin zu den Autos für den Bürger.


    Und das alles könnte man ergänzen und weiter ausführen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Book-Club-Question 4:

    „Anton und Alexander haben beide große Träume für ihre Zukunft. Welchem der beiden jungen Männer traust Du eher zu, auszubrechen aus der engen Welt Laichingens und warum?“

    Auf den ersten Blick scheint es Anton zu sein, der seinen Weg aus Laichingen heraus bereits fest ins Auge gefasst hat. Aber ich habe den Eindruck mitgenommen, dass er die Arbeit im Gasthof eigentlich mag und mit Leib und Seele Wirt sein könnte, wenn er nur endlich seine Ideen umsetzen dürfte.

    Alexander ist ein "stilles Wasser" und die sind bekannt tief :grin. Ich glaube, er wird sich als Kämpfer entpuppen und Laichingen verlassen um an der Kunstakademie zu studieren. Ob er damit Erfolg hat -, das weiß erst Mal nur Petra ;).

  • Book-Club-Question 5:

    „Eveline verliert sich oft in Tagträume, dabei denkt sie auch viel an Johann. Sollte sie nicht lieber versuchen, ihr Leben praktisch zu verbessern? Oder sind solche Träume manchmal die einzige Möglichkeit, die Realität zu ertragen – was meinst Du?“

    Schwierig :gruebel.

    Dazu habe ich keine dezidierte Meinung. Da ich selbst eher pragmatisch eingestellt bin, denke ich, sie sollte eher versuchen, ihr Leben praktisch zu verbessern. Damit würde sie auch am ehesten ihren Kindern helfen.

  • Book-Club-Question 3:

    “Mimi möchte die Menschen mit ihren Fotografien „im schönsten Lichte darstellen“. Hannes wirft ihr vor, sie würde den Menschen damit ewas vormachen. In seinen Augen wäre es besser, sie würde die harte Realität ablichten. Was denkst Du?“

    Weil sich damals die Kleidung der Arbeiter und der Studierten/ Fabrikbesitzer/ Adligen unterschied, war die Sehnsucht auch einmal so schön hergerichtet zu sein, groß.

    Durch "Die Fotografin" habe ich gelernt, dass dieser Berufszweig die Requisiten, wie Kleidung, Spielzeug, Kämme, Hüte, Schirme etc. im Atelier hatte und für Atelierfotografien den Kunden zur Verfügung stellte. Ich hab vorher gedacht, die auf alten Fotos abgebildeten, hätten so schönen Sonntagsstaat. Im alten Familienalbum meiner Oma habe ich immer bewundert, wie schön deren Kleider waren, die Schleifen im Haar saßen... womöglich waren das Requisiten.

    In den Nesthäkchenfilmen habe ich auch bewundert, dass Annemarie Brauns Puppe Gerda gleich angezogen war. Bei gut gestellten Familien wird das sicher auch üblich gewesen sein und so kann ich gut verstehen, dass der Ottonormalbürger auch prächtig ausstaffierte Fotos wünschte.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Book-Club-Question 4:

    „Anton und Alexander haben beide große Träume für ihre Zukunft. Welchem der beiden jungen Männer traust Du eher zu, auszubrechen aus der engen Welt Laichingens und warum?“

    Aus eigenen Stücken habe ich Anton eher den Ausbruch zugetraut, doch Alexander bekommt nun durch die Einladung zur Vorstellung an der Kunstschule den Steigbügel gehalten, für den Galopp in eine neue Welt. Wenn er künstlerisch gefördert wird, werden seine Wege ihm neue Möglichkeiten, abseits von Laichingen zeigen.


    Wenn Antons Mutter mehr seiner Ideen annimmt, kann es auch sein, dass er in Laichingen bleibt oder nach einer Ausbruchsphase wieder zurückkehrt. Antons Vater scheint keine große Rolle zu spielen, womöglich wird Anton daher früher Verantwortung im Gasthof übertragen.


    Anton glaubt ja auch, dass Mimi ihn unentbehrlich erachtet und wenn sie weiterzieht, er sie begleiten wird. Fraglich ist nach Johanns Rückkehr und dem kranken Onkel aber auch, wann und ob Mimi weiterzieht/ Laichingen entflieht. Ich vermute, nicht so schnell einen Ortswechsel.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Book-Club-Question 1:

    “Mimi Reventlow entscheidet sich für ein selbstbestimmtes Leben und gegen den sicheren Hafen der Ehe. Um 1900 herum war dies höchst ungewöhnlich, denn Frauen waren zu dieser Zeit in hohem Maß abhängig finanziell den Männern. Was hat sich Deiner Ansicht seit damals für Frauen geändert?“

    Ich denke, es hat schon viel geändert, zumindest in den meisten Ländern, Frauen dürfen arbeiten, wer kann sich heute noch vorstellen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass man seinen Ehemann fragen musste. Wir dürfen wählen, wir dürfen für uns selbst entscheiden, wir können ohne Mann existieren - und das alles, ohne komisch angeschaut zu werden.

  • Book-Club-Question 2:

    „Im Weberdorf Laichingen sehen wir, dass hinter der blütenweißen Industrie des Leinenwebens Ausbeutung und Armut standen. Kennst Du noch andere Industriezweige, in denen zur Zeit der Industrialisierung ähnliche Verhältnisse herrschten?“

    Ich glaube, das war in nahezu jedem Industriezweig ähnlich. Vor einiger Zeit las ich z. B. einen Roman über Klöpplerinnen, die Mädchen wurden wie Sklavinnen gehalten.


    Arbeiter zur Zeit der Industrialisierung zu sein, hieß viel Arbeit, schwere Arbeit, lange Arbeitszeiten, oft schlimme Bedingungen, von Arbeitsschutz keine Spur, und wenn einer ausfiel hatte er nichts zu essen. Auch Frauen und Kinder mussten in Fabriken schuften, um die Familie überhaupt am Leben zu erhalten. Die gesamten Lebensverhältnisse der Arbeiter waren schrecklich, da geht es den Menschen in Laichingen fast noch gut. Zu Mimis Zeiten und in Deutschland war es aber sowieso, glaube ich, nicht ganz so schlimm, wie z. B. in England.

  • Book-Club-Question 3:

    “Mimi möchte die Menschen mit ihren Fotografien „im schönsten Lichte darstellen“. Hannes wirft ihr vor, sie würde den Menschen damit ewas vormachen. In seinen Augen wäre es besser, sie würde die harte Realität ablichten. Was denkst Du?“

    Ich gebe beiden Recht, es ist schön, einfach mal der Realität zu entkommen, und sich in ein anderes Leben zu träumen, aber, man muss auch festhalten, wie es wirklich ist. Das sind einfach zwei verschiedene Arten von Fotografien.

  • Book-Club-Question 4:

    „Anton und Alexander haben beide große Träume für ihre Zukunft. Welchem der beiden jungen Männer traust Du eher zu, auszubrechen aus der engen Welt Laichingens und warum?“

    Tatsächlich traue ich es Anton eher zu, er ist vom Charakter her zupackender und offener. Alexander allerdings weiß, im Gegensatz zu Anton, genau, was er will, was von Vorteil sein könnte, sein Ziel zu erreichen.


    Ich hoffe für beide, dass sie es schaffen!

  • Book-Club-Question 5:

    „Eveline verliert sich oft in Tagträume, dabei denkt sie auch viel an Johann. Sollte sie nicht lieber versuchen, ihr Leben praktisch zu verbessern? Oder sind solche Träume manchmal die einzige Möglichkeit, die Realität zu ertragen – was meinst Du?“

    Mal zu träumen, kann hilfreich sein für den Moment, sein Leben ändert man dadurch allerdings nicht und wenn man aus dem Traum erwacht, ist es womöglich umso schlimmer.


    Ja, sie sollte versuchen, ihr Leben praktisch zu verbessern, vielleicht gelingt ihr das ja, wenn sie sieht, dass sie Johann nicht haben kann. Oder, weil sie ihren Sohn unbedingt unterstützen will.