Die längste Nacht - Otto de Kat

  • Otto de Kat: Die längste Nacht

    btb Verlag 2018. 224 Seiten

    ISBN-10: 3442716632

    ISBN-13: 978-3442716630.10€

    Originialtitel: De langste Nacht

    Übersetzer: Andreas Ecke


    Verlagstext

    Seit der Befreiung der Niederlande wohnt Emma Verweij in Rotterdam in einer Straße, die während des Kriegs zu einer Bastion der Freundschaft und Liebe unter den Bewohnern geworden ist. Sie heiratet Bruno, bekommt zwei Söhne und ist entschlossen, die Zeit auszublenden, die sie mit ihrem ersten Mann Carl im Nazi-Berlin verbrachte. Nun ist sie sechsundneunzig Jahre alt und bereitet sich auf das Ende ihres Lebens vor: Noch einmal durchlebt sie die glücklichen Jahre, doch immer häufiger drängen lang vergangene Erlebnisse in ihr Bewusstsein. Zurück kehren die verschwundenen Lieben, ihr Vater, Carl, die Freunde. In seinem beeindruckenden neuen Roman DIE LÄNGSTE NACHT verbindet Otto de Kat europäische Geschichte zu einem bilderreichen Ganzen, wobei die Grenzen zwischen Vergangenheit und heute verschwimmen und Emma ihr Leben in glasklaren Fragmenten wiederholt.


    Der Autor

    Otto de Kat (d. i. Jan Geurt Gaarlandt), 1946 geboren, studierte u. a. niederländische Literatur an der Universität Leiden. Er war Kritiker und Herausgeber und ist seit zehn Jahren Schriftsteller. Sein Roman SEHNSUCHT NACH KAPSTADT war 2005 für den größten belgischen Literaturpreis für Niederländisch schreibende Autoren, De Gouden Uil, nominiert und wurde mit dem niederländischen Halewijn-Literaturpreis ausgezeichnet. Bisher erschienen in deutscher Übersetzung: MANN IN DER FERNE (2003), SEHNSUCHT NACH KAPSTADT (2006), JULIA (2010). Seine Romane erscheinen mit großem Erfolg auch in England, Frankreich und Italien.


    Otto de Kats Clan Dudok/Verweij/Verschuur

    Sehnsucht nach Kapstadt (2006), spielt 1935, Brunos Bruder Rob wandert nach Südafrika aus.

    Julia (2010) spielt 1981, der Fabrikant Christian Dudok erinnert sich an Ereignisse 1938 in Lübeck.

    Eine Tochter in Berlin (2014) spielt 1941, im Mittelpunkt Emmas Eltern Oscar und Kate und das Unternehmen Barbarossa.

    Die längste Nacht (2015), spielt in der Gegenwart, Emma ist die historische Figur Christabel Bielenberg (1909 bis 2003), in zweiter Ehe mit dem Niederländer Bruno verheiratet. Der reale Peter Bielenberg (1911 bis 2001) war ein Freund von Adam Trott zu Solz (1909 bis 1944), der wiederum war enger Mitarbeiter Stauffenbergs.


    Inhalt

    Emma Verweij ist 96 Jahre alt und bereit zu sterben. In ihrem vertrauten Haus in Rotterdam wird sie von einer jungen Pflegerin betreut und wartet – auf „das Team“ und auf ihre Söhne, die auf dem Weg zu ihr sind. Emmas Gedanken schweifen zurück, überlagern sich in willkürlicher Reihenfolge. Ihre Weggefährten sind lange vor ihr gestorben. Zwei Lebensphasen kristallisieren sich heraus: Die Zeit um das Attentat auf Hitler im Juli 1944 in Berlin, als Emmas Mann Carl verhaftet und zum Tode verurteilt wird, und ihr Leben in Rotterdam mit ihrem zweiten Mann Bruno. Das Umfeld des Paars in der Gegenwart war geprägt von der Solidarität, die während des Krieges den Widerstand gegen die Nationalsozialisten trug. Symbolisiert wird die gemeinsame Geschichte der Bewohner durch die Dachluke in Brunos Haus, das einzige Haus, aus dem ein versteckter Widerstandskämpfer vor seinen Verfolgern über das Dach flüchten konnte. Aus Emmas mäandernden Gedanken tritt schließlich der Grund für ihr Warten in dieser Nacht heraus. Nach jahrelanger Ungewissheit, was damals mit dem Leichnam von Carl geschah, kann sie erst loslassen, wenn sie die Briefe von Clarita von Trott zu Solms an sich in guten Händen weiß und sie damit der Nachwelt erhalten hat.


    Das Überlappen von Ereignissen, die jeweils 30, 60 und mehr Jahre zurückliegen, erfordert beim Lesen einige Aufmerksamkeit, wirkt andererseits jedoch sehr authentisch. Emmas Vater war Diplomat, ihre Mutter lebte in London und brannte für die Probleme Afrikas, Brunos Vater diente in der niederländischen Kolonialarmee in Sumatra, sein Bruder wanderte in den 30ern nach Südafrika aus – Emmas Familie war ständig in Bewegung, oft erzwungen durch die historischen Ereignisse.


    Fazit

    „Die längste Nacht“ hat die Literaturkritik nicht gerade begeistert. Otto de Kat dichtet der historischen Person Christabel Bielenberg (1909 bis 2003) einen alternativen Lebenslauf in den Niederlanden in einer zweiten Ehe an. Man könnte sich hier fragen, ob die authentischen Erinnerungen einer couragierten Frau nicht fesselnder zu lesen sein werden, die sich damals sehr bewusst war, einen Widerstandskämpfer zu heiraten. Als viertes Buch im Zusammenhang mit seinen Vorgängern (in chronologischer Reihenfolge) finde ich die Innensicht der betagten Protagonistin dennoch sehr fesselnd, die all ihre Weggefährten überlebt hat und nun den Tod erwartet.


    8 von 10 Punkten

  • Danke für die Rezi! Ich werde das Buch nächstes Jahr zusammen mit den Querbeeteulen lesen. Jetzt freue ich mich noch mehr darauf.

    Meinst Du man hat mehr von dem Buch, wenn man die ersten drei Romane auch gelesen hat oder kann man dieses Buch ganz eigenständig lesen??

  • Danke für die Rezi! Ich werde das Buch nächstes Jahr zusammen mit den Querbeeteulen lesen. Jetzt freue ich mich noch mehr darauf.

    Meinst Du man hat mehr von dem Buch, wenn man die ersten drei Romane auch gelesen hat oder kann man dieses Buch ganz eigenständig lesen??

    Man kann den Roman problemlos eigenständig lesen. Die Figuren, die in den anderen Teilen im Mittelpunkt stehen, werden kurz genannt, so dass man die Verbindung erkennen kann. Zu wissen, dass es auch einen Band über die Eltern, den Schwager und den Onkel Emmas gibt, fand ich jedoch ganz angenehm.

  • Man kann den Roman problemlos eigenständig lesen. Die Figuren, die in den anderen Teilen im Mittelpunkt stehen, werden kurz genannt, so dass man die Verbindung erkennen kann. Zu wissen, dass es auch einen Band über die Eltern, den Schwager und den Onkel Emmas gibt, fand ich jedoch ganz angenehm.

    Danke:wave