Beiträge von baro

    Delaney nutzt doch - zumindest am Anfang des Buches eine andere App namens „Helpme“. Für mich klang das immer so, als sei das ein relativ simpler Kalender anstatt dieses Selbstoptimierungsteils, das Kiki nutzt.

    Ich habe HelpMe auch als kleine App empfunden, irgendwas zwischen Kalender und To Do Liste. OwnSelf ist da ja schon eine ganz andere Hausnummer.



    Ich glaube auch, dass sie nicht alles aktiviert hat. Ich bin so verplant und verpeilt, dass es evtl. nett wäre zu wissen, wie es ist, wenn die Technik meinen Tag optimiert. Aber ich glaube, das würde nicht gut gehen, denn manche Dinge entscheide ich nach Tagesform und Laune und das kann die Technik nicht wissen (naja, Every würde es wohl so einstellen, dass sie es "weiß" :lache ). Aber ne, ich möchte das nicht. Glaube nicht, dass es passen würde.

    Every würde dich vermutlich davon überzeugen, dass dir bewusst ist, dass die App es anders vorschlägstals du möchtest, aber dass dein Weg der falsche ist.

    In fast allen Buchhandlungen, in die ich in letzter Zeit gekommen bin, war "Every" als "besondere Empfehlung des Personals" gekennzeichnet. Von daher hätte ich mir einfach mehr erwartet.

    Ich gehe fast nur noch in die kleine Buchhandlung bei uns im Ort, die hatten Every gar nicht da, auch nicht auf Deutsch. Vielleicht interpretiere ich das als weiteren Qualitätsbeweis für den Laden ;)

    Diese Idee mit dem virtuellen Reisen oder so - also ich find das toll, wenn man sich wegen Klima Gedanken macht, aber in meinen Augen kann sowas niemals das echte Reisen ersetzen. Ich für mich behaupte, dass das Schöne am Reisen auch die Entfernung ist, die man zumindest unbewusst doch spürt. Ich kann mir vorstellen, weniger zu reisen, aber nicht auf so eine Art. Das ist zum Spielen mal ganz nett, aber kein Ersatz.

    Das mit dem Reisen, Stop+Lük, ist ein schönes Beispiel dafür, wie oberflächlich Technik uns etwas abnehmen oder erleichtern kann, was dann aber der "echten" Handlung einfach nicht nahekommt. Und dann müssen wir uns entscheiden - reicht es aus, oder nicht. Solange wir die Wahl haben, ist es ja auch vollkommen sinnvoll, zu wählen. Wenn uns die Wahl genommen wird, und sei es durch öffentlichen Druck, fangen die sozialen Probleme an. Und dabei denke ich nicht an große Sachen wie Urlaub/Reisen, Vielleicht Bus/Bahntickets, die oft nur noch per Automat oder App gekauft werden können, oder die Schließung von Bankfillialen, auch wenn ich die wirtschaftlichen Überlegungen dahinter verstehe.


    Ich könnte mich jetzt noch weiter aufregen, aber das ist das Buch eigentlich gar nicht wert.

    :write Belassen wir es dabei. ;)

    Naja. Es muss ja auch nicht so gute Leserunden geben, damit wir die anderen wertschätzen können. :grin



    Was mich aber wirklich interessiert, worauf ich auch keine Antwort geben kann: Die Leserunde stand ja von Anfang an nicht als Beispiel für Begeisterungsstürme, es kam ja recht schnell Ernüchterung, insbesondere ab Abschnitt 3 warenwir glaube ich alle eher negativ eingestellt und zumindest vom Buch genervt. Haben wir uns gegenseitig hochgeschaukelt? Haben wir uns kollektiv auf Schwächen eingeschossen, so dass wir bessere Stellen vielleicht auch gar nicht mehr wahrnehmen konnten / wollten, da ja alle so empfinden?


    Booklooker hat Every ja sehr gut gefallen, und das ist auch gut so. Das freut mich für dich :) Und auch sonst hat Every ja keine durchgehend schlechten Bewertungen. Bei Amazon haben beide eine 4,1, bei Goodreads ist Every sogar knapp besser als Circle bewertet worden. Zwar ist bei beiden Plattformen Circle deutlich mehr bewertet worden, aber da die Unterschiede der Bewertung gering sind, würde ich es ausklammern und sagen, Every kam eher gut an.


    Lese-rina du hattest ja einen oder zwei Abschnitte vorher schonmal eineDiskussion aufgeworfen, die in die ähnliche Richtung geht. Aber hier frage ich mich wirklich - warum sind wir uns so einig? Bei den Ungetrösteten von Ishiguro waren wir als Gruppe immerhin geteilter Meinung, ob es nun genial und genau richtig war oder einfach nur anstrengend ^^

    Gegen Ende haben wir die Innensicht von Mae gehabt, und des Every, das war gut. Dadurch kam die Sinnlosigkeit von Delaneys Vorhaben auch zum Tragen, von Anfang an keine Chance, sondern das Gegenteil, die Ideen würden abgeschöpft.


    Alles andere war alles andere als gut. Argawals Figur, die interessante Aspekte, und noch mal eine Wendung ins Buch hätte bringen können, wird völlig ohne Begründung umgedreht, da hat Eggers sich gar keine Mühe gegeben es plausibel herzuleiten.

    Delaneys Eltern kommen über Friendy und HearMe in Streit und Probleme mit der Polizei, aber auch das wurde ja vorher im Buch bereits mehr als ausgenutzt, da fiel ihm auch nichts neues ein.

    Mae, die für 24/7 Liveübertragung ihres Lebens bekannt ist, kann mehrere Stunden ohne Videoübertragung hiken, weit weg fahren und machen was sie will. Dass sie Delaney ermordet, passt sogar noch irgendwie zum Charakter, der im Circle aufgebaut wurde, aber auch hier lieblose Ausführung.

    Chu wird mir eine "er will doch nur Spielen" abgetan, auch hier wären einfach nachvollziehbare Gründe, im Ansatz, schön gewesen.



    Leider war Every eine große Enttäuschung.

    Eggers nutzt die Außensicht ja leider auch nur, wenn er gerade einen Gegenpol braucht. Es wirkt nicht so, als hätte er sich um die Welt außerhalb des Every Gedanken gemacht, sondern nur Schnipsel nach Bedarf entworfen.

    :write Kaum nachzuvollziehen, dass das Buch so viele Menschen begeistert. :/ Oder tut es das gar nicht und es sind mehr die Nachwirkungen vom Circle?

    Ich habe ehrlich gesagt gar nicht so viel über Every gehört oder mitbekommen. Ich bin auch nur übers Eulenforum drüber gestolpert und war interessiert, da ich den Circle kannte.

    Leider glaube ich, dass Chu wirklich gegen Every arbeitet - das Gefühl kam mir sofort beim Verhör. Und das wirkt dann genau wie der Circle letztlich aufgelöst wurde.


    Das Bombenattentat hat mich auch sehr überrascht, aber emotional total kalt gelassen. Mir war es leider auch komplett egal, dass Delaney im Krankenhaus liegt, Eggers hat mich abgehängt. Zwar passiert was anderes als Apps, aber nichts fesselndes. Schade.


    Edit: Und ich bin mir nicht sicher, wer mehr von Every eingenommen wurde - Wes oder Delaney.

    Fußabdruckangst

    =O:grin

    Bei solchen Worten bin ich doch froh, auf Englisch zu lesen. Impact Anxiety klingt da doch irgendwie ungezwungener.


    Die ersten beiden Abschnitte fand ich ja noch gut. Aber dann hätte es auch Richtung Ende gehen dürfen. Eure Punkte sehe ich auch, aber sie interessieren mich nicht mehr. Abgestumpft durch zu viel Überspitzung. Vielleicht auch wieder ein Stilmittel, aber 300 Seiten hätten aus momentaner Sicht völlig gereicht.

    Ich fand einfach, dass Dave Eggers uns mit dem Buch so richtig den Spiegel vorgehalten hat.

    Aber muss es so ein großer Spiegel sein :lache


    Ich bin da ganz bei Clare und Rouge , es ist nicht schlecht, zieht sich gerade aber ganz schön. Den einzigen Mehrwert in diesem Abschnitt ist Joan, alles andere ist irgendwie nur das bekannte aus den anderen Abschnitten weitergeführt. Auch wenn ich den Ausflug und die Probleme irgendwie amüsant fand.

    Ich habe den Abschnitt noch nicht gelesen, bin gerade erst am Anfang. Bei der maximalen Länge, die ein Roman haben soll, werden 577 Seiten angegeben, genau die Seitenlänge meiner Ausgabe. Wurde das in der deutschen Ausgabe auch entsprechend angepasst?

    Wes wird von Delaney ja als optimales "Opfer" von Every betrachtet, vordergründig kritisch, aber sobald es eigene Vorteile oder Erleichterung bringt, werden schnell Argumente gefunden, warum es doch ok ist. Und dafür braucht es Every gar nicht, das sehen wir ja jetzt schon. Andererseits ist das auch nur menschlich und gab es sicher auch schon immer, wird durch soziale Medien vielleicht nur persönlicher und näher?


    Delaney wird für mich auch weniger greifbarer, vielleicht weil sie fanatisch an ihrem Weg festhält? Ihre Idee, dafür zu sorgen, dass Every den Bogen überspannt, um daran zu scheitern halte ich schon für sehr naiv. Every ist doch gerade dadurch erfolgreich, die Grenzen, insbesondere der Privatsphäre auszudehnen und dann neu zu setzen. Und dabei hat sie mit ihrer Doktormutter eine Unterstützerin zur Hand, mit der sie sich nicht mal austauschen möchte.


    Den übertragenen Tod von Dämon Bailey sehe ich da auch als gutes Beispiel der aktiven Verschiebung von Grenzen und Gesetzen. Während der Übertragung reden Wes und Delaney darüber, dass Bailey in Nicaragua sei, da es in den USA nicht erlaubt sei. Und einer der beiden meinte "noch".


    Bei der Empfindung von seinem Tod kann ich euch beiden zustimmen Clare und Rouge . Auch ich fand es von der Schilderung emotionslos und distanziert. Es wurde ja auch der Livestream als Perspektive gewählt, und dabei auf die geringen Zuschauer verwiesen, als sei es gerade nicht relevant. Wie ein schlechter Film.

    Auf der anderen Seite die Übertragung die wir Menschen mitbringen - wie kann so etwas Trauriges und Schreckliches übertragen werden? Warum können zwei Teenager die Leiche finden, das bedeutet ja niemand (worüber Wes und Delaney auch sprachen) informiert Behörden oder Rettungsdienst. Ich sehe was, aber es ist nicht mein Problem. Ähnlich zum Ende des Abschnitts, wo der Witwer die Löschung des Videos vom Mord seiner Frau fordert.


    Eggers möchte Augen öffnen, uns aufrütteln zur Selbstreflektion, und die Gedanken spielen lassen, was wäre wenn ich es auf die Spitze treibe. Das mag ich. Dadurch wird es nicht zu einem spannenden Roman, das ist es auch für mich nicht. Aber Gedanken konsequent weitergeführt und klar in eine Ecke gestellt. Dann muss ich es nicht selber machen. Sondern tippe auf dem Smartphone in dem Browser der Datenkrake. Bin ich Wes?

    Das Buch liest sich leicht bis jetzt, packt mich aber noch gar nicht.

    Ich glaube, dass es an der fehlenden Griffigkeit der Figuren liegt.

    Aber vielleicht werden wir irgendwann auch alle so sein in so einer feingeschliffenen Welt?

    Die fehlende Griffigkeit der Figuren, wie du es nennst, ist denke ich ein Stilmittel, welches absichtlich gewählt wurde. Durch das Leben in sozialen Medien gehen ja auch heute durchaus Ecken und Kanten verloren, und in Eggers Welt ist der heutige Zustand natürlich weiter überspitzt. Und Mae Holland hat er im Circle ja auch bewusst als Charakter so aufgebaut wie sie war. Das gefällt mir eigentlich ganz gut. Alle Everys sind austauschbar, und trotzdem findet Delany sie sympathisch. Wes als chaotischer Coder, der in der Interaktion mit anderen überfordert ist. Und Delany, deren Facetten sich langsam auftun.