Beiträge von rienchen

    Ich habe das Gefühl, für drei Wochen Urlaub sechs Wochen extra arbeiten zu müssen, es ist das reinste Chaos. Morgen fährt der Große auf Klassenfahrt und ich backe Kuchen, natürlich hat das Los ausgerechnet mich erwischt, ich hasse diese elendige Backerei. Hoffentlich geht diesemal alles gut und es passiert nicht wie beim letzten Mal ein Unfall. Montag fährt dann die Kleene.


    Das LW schmeißt mit mir den Grill an und bereitet Bärlauchbutter und Kartoffelsalat mit Kräutern vor. :wave

    Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

    Verlag: Hanser Blau

    ISBN-10: 3446262563

    ISBN-13: 978-3446262560


    Kurzbeschreibung (Quelle Amazon)

    St. Pauli, 1960: Ein Sehnsuchtsort für Gegenkultur, Kunst, Drogen und freie Sexualität. Als es Wolli Köhler nach Hamburg verschlägt, ist die Welt der Nachkriegsjahre eng und spießig. Der junge Mann aus dem Nirgendwo sucht nach Abenteuer und Freiheit. Und steigt auf zur außergewöhnlichsten Kiezlegende in der Geschichte St. Paulis. Im Lichtermeer des Hamburger Viertels treiben Nacht für Nacht Huren, Freier, Transvestiten, Schläger und Künstler wie die noch völlig unbekannte Band "The Beatles", aufgeputscht von Drogen und Alkohol, durch die heruntergekommenen Straßen. Sie alle treibt die Sehnsucht nach einem grenzenlosen Leben. Kultautor Rocko Schamoni ist zurück und erzählt die frühen Jahre von Wolfgang "Wolli" Köhler als Entwicklungsroman eines Antihelden.


    Rocko Schamoni lebt und wirkt in Hamburg, er betrieb lange Jahre den "Golden Pudel Club". Hier erzählt er den ersten Teil des Lebens seines Freundes Wolli Köhler, seinen Aufstieg vom obdachlosen Lebemann zur echten, finanziell ausgesorgten Kiezgröße. Bis zu seinem Tod 2017 war er mit ihm befreundet.


    In Zeiten von "MeToo" erleben wir hier hautnah eine raue Zeit voller verruchter Sexualität, Drogenerfahrungen, wir tauchen ein in einen Gewalt getränkten Bezirk mit Hierarchien, in dem eigene Gesetze gelten. Das ist natürlich teilweise schon schockierend und heftig, aber der Autor schafft es, die Skurrilität der Personen in den Vordergrund zu stellen, sie entweder liebenswürdig oder auch genauso zu zeichnen, wie sie eben gewesen sind, ohne sie moralisch zu beurteilen oder sie gar zu heroisieren. Wir lesen hier von "Ochsen- Harry", "Schweine- Hans", "Chinesen- Babs", "Maulwurf" etc, nur zum Teil fiktive Charaktere, die auf Sankt Pauli ihr Leben leben, sei es als "Korberer", "Tille", "Lude" oder auch als Clubbetreiber, die alle in Wollis Alltag involviert sind. Er führt eine fast eheähnliche Gemeinschaft mit einer Hure, die ihn bittet, "auf sie aufzupassen". Er wird also zum Zuhälter, wobei das im Buch alles andere ist, als das, was man sich so darunter vorstellt. Natürlich ist und bleibt das alles zweifelhaft, aber Wolli hat was Anständiges. Soweit das in dieser Welt möglich ist. Er arbeitet anfänglich als Drogenkurier, dann als "Korberer", eine Art Türsteher, der das neugierige Straßenvolk mit (wirklich unterirdisch flachen, total behämmerten :lache) laxen Sprüchen in "Bars mit Fickmöglichkeiten" lockt. Er beweist Talent und macht in den Kiezkreisen schnell auf sich aufmerksam, wodurch er letztlich immer höher aufsteigt. Schläft er anfangs im Pik As, einer heruntergekommenen Obdachlosenunterkunft, so wohnt er wenig später in einer Maisonette Wohnung mit Salon und Bar. Schließlich betreibt er eines der ersten Pornokinos in seinen Privaträumen, immer in Konflikt mit den "Schmiermicheln", wie man auf dem Kiez die Polizisten nennt. Das Buch endet mit einem Angebot, das Wolli schließlich nicht ablehnen kann - Räumlichkeiten an Huren zu vermieten und endgültig zum Zuhälter aufzusteigen.


    Fazit

    Dieses Buch ist ein süchtig machender Riesenspaß. Es entführt uns an einen Sehnsuchtsort voller verrückter Typen, schönen Frauen, freier Liebe, musikalischer Erstentfaltung der Beatles, die ihre Anfänge im Star Club gaben. Und natürlich merkt man es Rocko Schamoni an, dass es hier nicht um irgendwen geht, sondern auch um einen Freund, den er mit all seinen Facetten beschreibt. Ein sächselnder, gut aussehender Mann aus dem Osten, der sich zeitlebens für Politik interessiert, der einfach nicht glauben kann, dass der Kommunismus gescheitert ist, der sich auf die seite der Schwächeren schlägt, der sein eigener Chef sein will, der reich werden und ein gutes, unkonventionelles Leben leben will, ohne Spießigkeiten und dafür wirklich arbeiten zu müssen. Moralisch ist das (zum Glück, das ist meine ganz persönliche Meinung) nicht korrekt, das macht aber auch den Reiz der Geschichte aus. Die handwerklich hinreißend geschrieben ist, dass es die reinste Freude ist.


    Tipp

    Wer mal die Möglichkeit hat, eine Lesung des Autors zu besuchen, sollte sich das nicht entgehen lassen. Ich durfte ihn Gestern im großen Sendesaal des RBB erleben und habe jede Sekunde genossen. Herrlich! Nach "Fünf Löchern im Himmel", das mir nicht so gut gefallen hat, ist das hier wieder eine echte Punktlandung. Ich liebe dieses Buch.






    Ich habe auch total schlecht geschlafen. Herr rienchen ist das ganze lange WE (Freitag war hier in Berlin Feiertag) mit den Kindern zu seinen Eltern ins Rheinland gefahren und ich dachte mir: ist doch ganz schön, machst Du mal was für Dich, schläfst lange, unternimmst was Schönes... Habe ich irgendwie auch alles gemacht, mich mit einer Freundin zum Kaffee getroffen, lange telefoniert mit einem Freund, auf einer Lesung gewesen gestern Abend... Die Wahrheit aber ist, dass ich alle fürchterlich vermisse und sehr, sehr froh bin, wenn alle wieder da sind. :( Und zwar gesund und munter. Der große hat wohl einen fetten Schnupfen und die Kleine klang am Telefon so traurig, weil es gar nix Richtiges zu essen gab und hat mich regelrecht bekniet, eine Lasagne zu machen. Und obwohl sie erst heute Nacht ankommen, mache ich gleich eine. Komisch ist das, echt zu ruhig.

    Apropos Prime. Die neunte Staffel von "Pastewka" fand ich - im Gegensatz zu achten - langweilig, selten komisch und, vor allem, äußerst unsympathisch. Es war fast ein bisschen unangenehm, das anzuschauen. Positive Momente fehlten fast völlig. Und Sabine Vitua als Pastewkas Agentin Regine Holl ist beinahe unerträglich.

    Da bin ich ja mal gespannt... Wir gucken grade zur Einstimmung nochmal ab der sechsten Staffel. Ist ja schon ein paar Jahre her, dass wir due gesehen haben. Die alten allerdings finde ich absolut großartig.

    Nachtrag: und was meinst Du mit 'unsympathisch'? Story, Charaktere oder Schauspieler?

    Du weißt hoffentlich, wie gut du es hast ;)


    Bei uns gibts höchstens mal eine Lesung eines Lokalmatadors, den außerhalb Tirols niemand kennt oder ein Hupftata-Konzert zum Mitschunkeln :schaf


    Manchmal tu ich mir selber leid :schnellweg

    Alice :lache:knuddel1


    Ja, auf jeden Fall. ich habe auch echt kurz überlegt, das einfach zu verbinden. Ich bin mir der S- Bahn gefahren (fährt von mir aus direkt zum Anhalter Bahnhof, dort war das Konzert im Tempodrom) und hätte eigentlich nur drei Stationen vorher an der Friedrichstrasse aussteigen müssen, schnell in den Dussmann reinspringen, Autogramm holen, wieder in die S- Bahn, ab zum Konzert. War mir aber ein bisschen zu stessig, überlegt hab ichs aber :grin