Beiträge von rienchen

    Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

    Verlag: Hanser Blau

    ISBN-10: 3446262563

    ISBN-13: 978-3446262560


    Kurzbeschreibung (Quelle Amazon)

    St. Pauli, 1960: Ein Sehnsuchtsort für Gegenkultur, Kunst, Drogen und freie Sexualität. Als es Wolli Köhler nach Hamburg verschlägt, ist die Welt der Nachkriegsjahre eng und spießig. Der junge Mann aus dem Nirgendwo sucht nach Abenteuer und Freiheit. Und steigt auf zur außergewöhnlichsten Kiezlegende in der Geschichte St. Paulis. Im Lichtermeer des Hamburger Viertels treiben Nacht für Nacht Huren, Freier, Transvestiten, Schläger und Künstler wie die noch völlig unbekannte Band "The Beatles", aufgeputscht von Drogen und Alkohol, durch die heruntergekommenen Straßen. Sie alle treibt die Sehnsucht nach einem grenzenlosen Leben. Kultautor Rocko Schamoni ist zurück und erzählt die frühen Jahre von Wolfgang "Wolli" Köhler als Entwicklungsroman eines Antihelden.


    Rocko Schamoni lebt und wirkt in Hamburg, er betrieb lange Jahre den "Golden Pudel Club". Hier erzählt er den ersten Teil des Lebens seines Freundes Wolli Köhler, seinen Aufstieg vom obdachlosen Lebemann zur echten, finanziell ausgesorgten Kiezgröße. Bis zu seinem Tod 2017 war er mit ihm befreundet.


    In Zeiten von "MeToo" erleben wir hier hautnah eine raue Zeit voller verruchter Sexualität, Drogenerfahrungen, wir tauchen ein in einen Gewalt getränkten Bezirk mit Hierarchien, in dem eigene Gesetze gelten. Das ist natürlich teilweise schon schockierend und heftig, aber der Autor schafft es, die Skurrilität der Personen in den Vordergrund zu stellen, sie entweder liebenswürdig oder auch genauso zu zeichnen, wie sie eben gewesen sind, ohne sie moralisch zu beurteilen oder sie gar zu heroisieren. Wir lesen hier von "Ochsen- Harry", "Schweine- Hans", "Chinesen- Babs", "Maulwurf" etc, nur zum Teil fiktive Charaktere, die auf Sankt Pauli ihr Leben leben, sei es als "Korberer", "Tille", "Lude" oder auch als Clubbetreiber, die alle in Wollis Alltag involviert sind. Er führt eine fast eheähnliche Gemeinschaft mit einer Hure, die ihn bittet, "auf sie aufzupassen". Er wird also zum Zuhälter, wobei das im Buch alles andere ist, als das, was man sich so darunter vorstellt. Natürlich ist und bleibt das alles zweifelhaft, aber Wolli hat was Anständiges. Soweit das in dieser Welt möglich ist. Er arbeitet anfänglich als Drogenkurier, dann als "Korberer", eine Art Türsteher, der das neugierige Straßenvolk mit (wirklich unterirdisch flachen, total behämmerten :lache) laxen Sprüchen in "Bars mit Fickmöglichkeiten" lockt. Er beweist Talent und macht in den Kiezkreisen schnell auf sich aufmerksam, wodurch er letztlich immer höher aufsteigt. Schläft er anfangs im Pik As, einer heruntergekommenen Obdachlosenunterkunft, so wohnt er wenig später in einer Maisonette Wohnung mit Salon und Bar. Schließlich betreibt er eines der ersten Pornokinos in seinen Privaträumen, immer in Konflikt mit den "Schmiermicheln", wie man auf dem Kiez die Polizisten nennt. Das Buch endet mit einem Angebot, das Wolli schließlich nicht ablehnen kann - Räumlichkeiten an Huren zu vermieten und endgültig zum Zuhälter aufzusteigen.


    Fazit

    Dieses Buch ist ein süchtig machender Riesenspaß. Es entführt uns an einen Sehnsuchtsort voller verrückter Typen, schönen Frauen, freier Liebe, musikalischer Erstentfaltung der Beatles, die ihre Anfänge im Star Club gaben. Und natürlich merkt man es Rocko Schamoni an, dass es hier nicht um irgendwen geht, sondern auch um einen Freund, den er mit all seinen Facetten beschreibt. Ein sächselnder, gut aussehender Mann aus dem Osten, der sich zeitlebens für Politik interessiert, der einfach nicht glauben kann, dass der Kommunismus gescheitert ist, der sich auf die seite der Schwächeren schlägt, der sein eigener Chef sein will, der reich werden und ein gutes, unkonventionelles Leben leben will, ohne Spießigkeiten und dafür wirklich arbeiten zu müssen. Moralisch ist das (zum Glück, das ist meine ganz persönliche Meinung) nicht korrekt, das macht aber auch den Reiz der Geschichte aus. Die handwerklich hinreißend geschrieben ist, dass es die reinste Freude ist.


    Tipp

    Wer mal die Möglichkeit hat, eine Lesung des Autors zu besuchen, sollte sich das nicht entgehen lassen. Ich durfte ihn Gestern im großen Sendesaal des RBB erleben und habe jede Sekunde genossen. Herrlich! Nach "Fünf Löchern im Himmel", das mir nicht so gut gefallen hat, ist das hier wieder eine echte Punktlandung. Ich liebe dieses Buch.






    Ich habe auch total schlecht geschlafen. Herr rienchen ist das ganze lange WE (Freitag war hier in Berlin Feiertag) mit den Kindern zu seinen Eltern ins Rheinland gefahren und ich dachte mir: ist doch ganz schön, machst Du mal was für Dich, schläfst lange, unternimmst was Schönes... Habe ich irgendwie auch alles gemacht, mich mit einer Freundin zum Kaffee getroffen, lange telefoniert mit einem Freund, auf einer Lesung gewesen gestern Abend... Die Wahrheit aber ist, dass ich alle fürchterlich vermisse und sehr, sehr froh bin, wenn alle wieder da sind. :( Und zwar gesund und munter. Der große hat wohl einen fetten Schnupfen und die Kleine klang am Telefon so traurig, weil es gar nix Richtiges zu essen gab und hat mich regelrecht bekniet, eine Lasagne zu machen. Und obwohl sie erst heute Nacht ankommen, mache ich gleich eine. Komisch ist das, echt zu ruhig.

    Apropos Prime. Die neunte Staffel von "Pastewka" fand ich - im Gegensatz zu achten - langweilig, selten komisch und, vor allem, äußerst unsympathisch. Es war fast ein bisschen unangenehm, das anzuschauen. Positive Momente fehlten fast völlig. Und Sabine Vitua als Pastewkas Agentin Regine Holl ist beinahe unerträglich.

    Da bin ich ja mal gespannt... Wir gucken grade zur Einstimmung nochmal ab der sechsten Staffel. Ist ja schon ein paar Jahre her, dass wir due gesehen haben. Die alten allerdings finde ich absolut großartig.

    Nachtrag: und was meinst Du mit 'unsympathisch'? Story, Charaktere oder Schauspieler?

    Du weißt hoffentlich, wie gut du es hast ;)


    Bei uns gibts höchstens mal eine Lesung eines Lokalmatadors, den außerhalb Tirols niemand kennt oder ein Hupftata-Konzert zum Mitschunkeln :schaf


    Manchmal tu ich mir selber leid :schnellweg

    Alice :lache:knuddel1


    Ja, auf jeden Fall. ich habe auch echt kurz überlegt, das einfach zu verbinden. Ich bin mir der S- Bahn gefahren (fährt von mir aus direkt zum Anhalter Bahnhof, dort war das Konzert im Tempodrom) und hätte eigentlich nur drei Stationen vorher an der Friedrichstrasse aussteigen müssen, schnell in den Dussmann reinspringen, Autogramm holen, wieder in die S- Bahn, ab zum Konzert. War mir aber ein bisschen zu stessig, überlegt hab ichs aber :grin

    • Gebundene Ausgabe: 248 Seiten
    • Verlag: Matthes & Seitz Berlin; Auflage: 1 (1. Februar 2019)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3957576946
    • ISBN-13: 978-3957576941


    Über die Autorinnen:

    Anna Gien, geboren 1991 in München, ist freie Autorin und arbeitet in unabhängigen künstlerischen Projekten. Studium der Kulturwissenschaft und Kunstgeschichte in Berlin und Florenz. Ihr Interesse gilt der Körperpolitik, feministischer Theorie, Sexarbeit und den Zusammenhängen von Kunst, Kapital und Popkultur. Sie lebt und arbeitet in Berlin.


    Marlene Stark ist Produzentin, DJ, Künstlerin, Autorin und wohnhaft in Berlin. Sie arbeitet meist kollaborativ und interdisziplinär mit Installation, Sound, Musik und Text.

    Marlene Stark hat in Karlsruhe, Berlin und Bogota freie Kunst studiert. 2019 erschien ihr Debütroman „M“ gemeinsam mit Anna Gien.


    Inhalt (Quelle Amazon)

    Hier scheppert der DJ-Rollkoffer unerbittlich über Berliner Kopfsteinpflaster, schweißnasse Schaumstoffmatratzen treiben in ranzigen, beatdurchwummerten Kellern am Leser vorbei; eine von Erektionen umstellte Fitnessradtour im Kreuzberger Zimmer hilft das Speed abzubauen. Die Wände des Darkrooms kleben, Galeristen gieren nach frischem Fleisch und Plastikschwänzen. M. liefert sich aus und reißt die Macht an sich, sie fickt die Kunstszene, während sie für ihre nächste Ausstellung Gelnageldesignerinnen und Massagestühle auftreibt. M. ist das Protokoll einer Ermächtigung des eigenen Körpers, des eigenen Begehrens, und kalter Bericht über das

    Ausbeutungsgefüge im Kunstbetrieb - in einer Sprache, die schonungslos die Entwicklung der Erzählerin von einer zynischen Beobachterin zur strippenziehenden Regisseurin vollzieht.


    Meine Meinung:

    Eine der beiden Autorinnen habe ich nach dem Lesen dieses Buches mal gegoogelt und habe mir das Instagram- Profil angesehen, welches erschreckend gut zum Plot dieser Story passt. Es stellt sich die Frage, wieviel Authentizität in dieser abgefuckten, dekadenten, obszönen, kalten Geschichte steckt, wahrscheinlich soll sie auch erzeugt werden. Die Hauptprotagonistin, "M", eine Frau mit bisexuellen oder transsexuellen (oder was weiß ich- so ganz schlau geworden bin ich daraus nicht) Neigungen aus der bayerischen Provinz lebt in Berlin und macht dort irgendwas mit Kunst. Und legt in versifften Kellerläden Technomucke auf. Dazwischen gibt es Aneinanderreihungen von Drogen in Alkohol aufgelöst, Nummern auf dem Klo zwischen zwei Songs, mit wem, ist eigentlich egal, Sperma auf der Jacke und im Haar, "M" befriedigt irgendwelche Galeristen mit Plastikumschnalldildos, organisiert Gruppensexorgien, es gibt da eigentlich nix, was es nicht gibt. Da kommen Begriffe über Sexualtechniken vor, die mir absolut nix sagen und meine Phantasie ist stark und mein Gemüt zart genug, es nicht nötig zu befinden, da weiter nachzuforschen. "M" ist eine junge Frau, die so skrupellos verloren ist, dass sie Liebe verwechselt mit Machtausübungen oder aber schlicht kein Interesse danach hat. Gegen Ende wirkt sie sehr verloren, als Leserin lässt mich das allerdings fast kalt. Was auch daran liegen mag, dass die Autorinnen sehr gut mit Sprache umgehen können, was sich besonders am Schluss zeigt, sie aber so offensichtlich brutal in Szene setzen, dass das alles nach Skandalliteratur schreien soll. Es ist teilweise so derbe, dass ich mir alleine vom Lesen erstmal ein Bad in Desinfektionsmitteln gewünscht hätte. Zwar ist das eine Wohltat zwischen diesen ganzen "Vegan- Selbstoptimierungs- Smoothie- Frauen", die da draußen so rumlaufen, aber es wirkt kein bisschen echt, sondern nur auf Krawall gebürstet und sehr oberflächlich gewollt aufgesetzt. Die Protagonisten werden selten mal beim Namen genannt, sie heißen "M", "L", "D", "Z" uswusf, weshalb es mir besonders gegen Ende hin einfach zu wirr wurde und ich überhaupt nicht mehr wusste, um wen es jetzt eigentlich nochmal genau geht. Und warum. Worin der Sinn dieses Verhaltens liegt. Ist es die ewige Suche nach Liebe in der kalten Großstadt? Keine Ahnung. Ich müsste es echt nochmal lesen, um dem vielleicht auf den Grund zu gehen. Ich hab aber keine Lust.


    Fazit

    Die Geschichte hat echt Potenzial, leider ist diese der Skandallust zum Opfer gefallen. So nach dem Motto: da werden jetzt alle drüber reden, weil das ja soo spooky ist. Und so krass. Und überhaupt. Es gibt eine Stelle im Buch, in der "M" an Weihnachten in ihrem bayerischen Kinderzimmer Cybersex am Laptop hat und ihre Mutter alles mit anhört. Ich habe einen Bericht über dieses Buch gelesen, in dem der Autor dies wahnsinnig lustig und komisch fand. Da kann ich ehrlich gesagt nur den Kopf schütteln, denn das ist keinesfalls lustig, sondern sehr zynisch, befremdlich und abgebrüht. Ich würde gerne wissen, wer "M" ist, was sie wirklich fühlt. Darüber kann auch der etwas versöhnliche Schluss leider nicht hinwegtäuschen. Bleibt nur eine Fassade, die so oberflächlich ist wie die Simon- Dach- Straße am Samstag Abend und ich vermute, dass der Instagram- Acount bewusst zurecht gerückt wurde. Ich kann zudem nur hoffen, dass nichts Autobiografisches im Text steckt, dann hätten die Autorinnen doch eher mein Mitleid erregt. So leer sollte niemand sein, verdient hat das keiner. Vielleicht ist ja auch grade das die Absicht, die dahintersteckt. Trotzdem. Nee. Bin die falsche Leserin.

    Danke für die tolle Rezi, liebes rienchen! :-)

    Ich habe schon ein paar Leseindrücke gelesen, die Boyle eine Verherrlichung der Droge/von Drogen unterstellen.


    Das glaube ich sofort, für Drogenkritiker ( wie ich im Grunde genommen ja auch eine bin) und nach deren Logik hätten die negativen Aspekte natürlich viel mehr hervorgehoben werden müssen. Es läge auf der Hand, Höllentrips bis ins Detail auszuschmücken und DU!DU!Du! Drogen sind böse hineinzuschreiben. Das geschieht eben durch die Erzählweise nicht drastisch, sondern viel subtiler und feiner, grade das rechne ich ihm hoch an.

    Es gibt Menschen, die so gefestigt sind, die können ihr ganzes Leben mit Drogen umgehen, während andere schon nach einem bisschen Rumprobieren psychischen und physischen Selbstmord betreiben. Wie Drogen auf einen wirken, ist eine höchst individuelle Angelegenheit. Er verteufelt weder, noch verherrlicht er. Er zeigt Facetten, die mEn gut beobachtet sind.

    Booklooker, danke! Das klingt ja spannend.. Kann mir denn hier wer ein Buch empfehlen, was so ähnlich ist? Ich fand es gar nicht so schlecht und würde mich vielleicht mal ein bisschen an King heranwagen, abseitig der bereits von mir erwähnten Schinken.

    • ISBN-10: 3446261648
    • ISBN-13: 978-34462616

    1943 führte der Schweizer Chemiker Albert Hofmann, beschäftigt bei der Pharmafirma Sandoz, einen ersten Selbstversuch mit der Substanz Diethylamid LSD-25, das 25. synthetisierte Amid der Lysergsäure, eines Inhaltsstoffes des Mutterkorns, durch. Er verprach sich davon, ein Arzneimittel zur Kreislaufstabilisation zu entwickeln.


    Wir kennen diese Substanz schlicht als „LSD“, der halluzinogen wirkenden Droge, die in den 1960er Jahren eine ganze Revolution auslöste, die Musiker auf der ganzen Welt beeinflusste, eine sexuelle Revolution lostrat, die wohl im weitesten Sinne für Woodstock, die Hippiebewegung, für freie Liebe und freies Denken verantwortlich gemacht werden kann. „Vater“ dieser Bewegung ist der Harvard- Professor für Psychologie Timothy Leary („Tim“) der zu vermeitlich wissenschaftlichen Forschungszwecken zahlreiche Drogensessionen abhielt, u.a in den ersten gegründeten Kommunen, Gemeinschaften aus mehreren Erwachsenen und deren Kindern, denen auch LSD verabreicht wurde.


    T. C. Boyle greift Learys Geschichte auf und beleuchtet die Zeit zwischen 1962 bis 1964, in dem er fiktive Personen erzählen lässt, den Studenten Fitz und dessen Frau Joanie. Ihr Sohn Corey wird nur beobachtet, leider erzählt er nicht. Fitz schafft es, in den „inneren Kreis“, einer Gruppe aus anderen Studenten samt deren Ehefrauen und einigen bekannten Künstlern Learys einzudringen, mit seiner Frau Joanie regelmäßig an Sessions teilzunehmen, an denen „das Sakrament“ verteilt wird, wie Tim die LSD- Trips nennt. Dabei ging es Leary in erster Linie darum, den menschlichen Geist zu befreien von Konventionen und anerlernten Mustern. Er wollte den Geist sozusagen resetten, das Gehirn auf Null zurückschalten und öffnen für jede Art von Reiz und Bewusstsein. Die Droge fungierte als Religion, als etwas Göttliches, die es ermöglichte, seinen eigenen Geist von außen zu betrachten, Zwängen und Manipulationen von außerhalb zu entfliehen, tief mit sich eins zu werden.


    Aus diesen regelmäßigen Treffen verdichtet sich die Idee, einen gemeinsamen Sommer mitsamt den Kindern in Mexiko zu verbringen, gemeinsame Sessions zu verdichten, Partys zu veranstalten, den Geist ganz zu befreien. Als es zu Konflikten mit dem Gesetz kommt und der Hersteller Sandoz die Versuchssubstanzgaben einschränkt, kommt die Gruppe in Millbrook unter, einem riesigen Anwesen im Staate New York, welches sich letztlich zur Heimat für die Mutter aller Partyexzesse entwickelt. Das versagte LSD 25 wird durch ein Generikum substituiert, immer mehr Alkohl und Marihuana ( deren Wirkung immer geringer wird, bzw gegen null tendiert) der „innere Kreis“ wird aufgeweicht, um die angespannte finanzielle Situation zu entlasten (kaum einer der Statisten verfügt über einen Job, die Gruppe lässt sich aushalten von Tims reicher Freundin Peggy, einer Millionenerbin, der das Anwesen gehört) werden Partys für Externe veranstaltet. Paradiesvögel aus der Bohme erscheinen mit exzentrischen Haustieren, mit Affen und Hunden, jeder schläft mit jedem, es gibt kaum noch einen geregelten Tagesablauf. Die Kinder erhalten ebenfalls das Sakrament und gehen auf Trips, machen erste sexuelle Erfahrungen und pubertieren dennoch wie ganz „normale“ Teenager. An dieser Stelle zeigt sich im Buch auch ganz deutlich der Bruch zu Aldous Huxley, der auch Drogenerfahrungen sammelte, für den diese Substanzen allerdings nur Intellektuellen und spirituellen Menschen vorbehalten sein sollten, Leary propagierte eine allgemeine Freigabe und verabscheute Massenmedien und Politik, die er als manipulativ ansah.



    Fazit

    Der Leser merkt ziemlich genau, dass der Autor ziemlich genau weiß, wovon er da schreibt. Wenn er diese Explosion aus Licht und Farben beschreibt, dieses... irre, was sich wohl nur schwer zu beschreiben überhaupt in Worte fassen lässt. Er skizziert genau, lässt aber Raum für Phantasie, ganz besonders, wenn es um Sexualität geht. Er lässt nicht zu viel Subjektives einfließen, aber Eines bleibt nach dem Lesen klar zurück. Eine Droge ist eine Droge ist eine Droge ist eine Droge. Und sie hat zerstörerisches Potenzial, was höher wiegt als das ideelle Wunschempfinden, welches sie Dir verspricht. Zumindest kommt das bei mir so an. Was vielleicht aber auch an meiner eigenen Meinung liegen mag, ich weiß es nicht. Es ist jedenfalls klar, dass Glück und Zerstörung, Genie und Wahnsinn, Erfüllung und Absturz oft ganz nah aneinander liegen. Es geht um eine Zeit, die viel bewegt hat, aus der viel geboren wurde, die viele Künstler und Musiker geprägt und beeinflusst hat. Die Welt wäre ohne die Zeit eine andere. Und das ist großartig erzählt. Nicht zu dick oder ausladend- einfach erzählt.


    Ein Buch, wie ein Rausch. Wahrscheinlich, keine Ahnung. ;) Ich berausche mich u.a nur an guten Büchern.


    Edit: Ich habe einen Spoiler gesetzt, weil in diesem Absatz Dinge erwähnt werden, die erst gegen Ende des Buches vorkommen. LG JaneDoe

    Danke für den tollen Bericht, ottifanta!


    Ich habe das Buch soeben beendet und werde gleich was dazu schreiben. :) T.C Boyle war am 05.02 ebenfalls hier in Berlin zu Gast, aber an diesem Abend musste ich auf ein Konzert meines Lieblingskünstlers Steven Wilson. Dessen frühere Band, Porcupine Tree, sampelte auf einem ihrer Alben Auszüge aus Learys Werl "L.S.D.". So schließt sich ein Kreis. ;) Schade, ich wäre gerne hingegangen, aber man kann manchmal nicht alles haben.