Beiträge von brenda_wolf

    Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung! - Heinrich Heine


    Inhalt:

    Für den New Yorker Anwalt David Berger gerät die Welt aus den Fugen: Seit Nächten kann er nicht schlafen, sondern bleibt rund um die Uhr wach. Kurz darauf werden seine Freundin und sein bester Freund ermordet, und für die Polizei steht fest, dass er der Täter ist. Unterstützung auf der Flucht erhält David von der Archäologin Nina, die aus unbekannten Gründen seine Nähe sucht. David wird bald klar: Das, was ihm bislang den Schlaf geraubt hat, kann ihn das Leben kosten. Er ahnt nicht, dass sich hinter seiner plötzlichen Schlaflosigkeit eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Menschheit verbirgt.


    Meine Meinung:

    Tibor Rode ist mit „Das Morpheus-Gen“ ein wahnsinnig spannender Thriller gelungen, der mich beim Lesen total in seinem Bann gezogen hat. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Der Spannungsbogen durchgehend vorhanden. Durch die kurzen Kapitel und den Wechsel der Szenen und der Zeitsprünge wurde zusätzliche Dramatik aufgebaut. Der Plot zum Thema Schlaf ist genial. Wer macht sich zum Thema Schlaf schon groß Gedanken, es sei denn, dass er aus irgendwelchen Gründen keinen Schlaf finden kann. Der Autor hat die Idee phantastisch umgesetzt. Die Handlung ist sehr actionreich. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und für mich greifbar. Auch einige undurchsichtige Personen bevölkerten die Handlung, z. B. dieser Vlad Schwarzenberg und die Bruderschaft, aber auch diese Gräfin aus der Vergangenheit verbreitete Mystik. Zu einigen Hintergründen habe ich selbst recherchiert, weil mich das Thema wirklich gepackt hat.


    Fazit: Ein Thriller, den der Leser atemlos und mit Gänsehaut verschlingen wirst. Absolute Leseempfehlung.


    5 Sterne *****

    Leidenschaft und Motivation


    Antje Wensel ist eine sehr attraktive Frau und eine ambitionierte Läuferin. Aber sie hat auch ein klares Gewichtshandicap. Im Frühjahr 2017 erhält sie dann die niederschmetternde Diagnose: Lipödem. Das ist eine Fettstoffwechselkrankheit, in dessen Krankheitsverlauf, das Unterhautfettgewebe an Beinen, Armen, Hüften und Knien stetig zunimmt und acuh eine strenge Diät dagegen nichts ausrichten kann.


    Der Arzt schlägt Antje Aquajogging vor, aber Antje will es wissen: Sie nimmt am Sahara Race, dem härtesten Ultrarennen der Welt teil, einen Rennen das 250 km durch Namibia führt, der heißesten Wüste der Welt. Antje hat sich lange Zeit vorher schon auf dieses Rennen vorbereitet. Sie weiß, den Läufern wird auf dieser Strecke alles abverlangt. Aber dieses Rennen ist auch eine Herausforderung. Und sie nimmt sie an.


    Die Autorin erzählt aus ihrem Leben vor dem großen Lauf. Aufgewachsen in der DDR, ihre wilden Jahre in der Gothik-Szene, ihren Job als Curvy-Model und dem Akt-Shooting. Sie präsentiert ihre Kurven, steht zu ihrem Körper.


    Angespornt vom Berlin-Marathon 2015, den sie im Fernsehen verfolgt, schlüpft sie in ihre Laufschuhe. In Antje wächst der Ehrgeiz den Frankfurt Marathon zu laufen. Und sie schafft es.


    Antjes Leidenschaft und Motivation ist bewundernswert. Ihr Motto: DU KANNST, WENN DU WILLST. Sie verfolgt ihre Ziele mit eiserner Disziplin und Konsequenz. Eine starke Frau, die sich von nichts und niemanden aufhalten lässt, schon gar nicht von einer Krankheit.


    Fazit: Ein Buch für alle, die das Laufen lieben und zusätzliche Motivation benötigen. Top!


    5 Sterne

    Niemand kennt Ellie



    Imogen und ihr Mann Dan ziehen nach Gaunt, Imogens Heimatstadt. Sie hat das Haus ihrer verstorbenen Mutter geerbt und hat einen Job in der Gemeinde angenommen. Place2Be ist eine Einrichtung, die Schulen im ganzen Land psychiatrischen Beistand bietet. Unter anderem wird ihr der Fall der kleinen Ellie anvertraut.


    Die 11jährige Ellie Atkinson lebt bei ihren Pflegeeltern Sarah und Mark Jefferson und deren 15jähriger Tochter Mary. Ellies Eltern und ihr kleiner Bruder sind bei einem Wohnhausbrand ums Leben gekommen. Merkwürdigerweise stehen die Menschen in Gaunt dem kleinen Mädchen abweisend gegenüber. Den Gerüchten nach, passieren schreckliche Dinge, wenn Ellie wütend wird.


    Aber auch Imogen hütet ein Geheimnis. Auch sie wurde in ihrer Kindheit gemobbt. Und gerade deshalb liegt ihr Ellie so am Herzen. Imogen pflegte zu ihrer Mutter keinen Kontakt mehr, seit sie als Jugendliche Gaunt verließ. Nicht mal zu ihrer Beerdigung kam sie zurück.


    Jenny Blackhurst Schreibstil lässt sich gut lesen. Die Sprache ist bildhaft schön und erzeugt an vielen Stellen Gänsehaute. Die Perspektivenwechsel zwischen Ellie und Imogen fand ich gelungen. Die kurzen Kapitel erzeugten zusätzliche Spannung. Die Protagonisten sind gut gezeichnet. Die kleine Ellie kommt oft sehr unheimlich herüber. Es heißt an einer Stelle, ihre Augen fixieren, dass sich ihr Gegenüber wie festgefroren fühlt. Zu einer Frau sagt sie: „Sie sollten wirklich keine Lügen erzählen. Früher hätte man ihnen die Zunge rausgeschnitten.“ Das klingt heftig. Trotzdem tat mir Ellie leid, denn weder ihre Großmutter noch ihre Tante wollten sie zu sich nehmen, so dass sie von einer Pflegefamilie in die andere abgeschoben wurde und schließlich bei der Familie Jefferson landete. Schon traurig.


    Imogen wirkt sympathisch. Sie hat an ihrer Vergangenheit zu knabbern. Dadurch wird Interesse an ihrer Person geweckt. Und auch Ellies „große Schwester“ Mary ist ein faszinierender Charakter. Sie hasst es, dass ständig neue Pflegekinder in die Familie kommen. Jetzt planen Sarah und Mark auch noch ein Baby in die Familie aufzunehmen.


    Fazit: Für alle, die spannende Thriller mögen, ist dieses Buch genau das richtige.


    4 von von Sternen

    J. Courtney Sullivan ist mit „All die Jahre“ wieder ein sehr schöner Familienroman gelungen. Er erzählt die Geschichte einer irisch-amerikanischen Familie.


    Die 21jährige Nora wandert in den 50er Jahren zusammen mit ihrer jüngeren Schwester von Irland in die USA aus. Den beiden Schwestern eröffnet sich hier eine völlig neue Welt. Sie leben zunächst bei der Familie ihres Verlobten Charlie Rafferty. Nora ist sich nicht mehr sicher, ob sie Charlie wirklich heiraten will, wird dann jedoch gezwungen diesen Schritt zu tun. Denn die lebenslustige Theresa wird ungewollt schwanger, in dieser Zeit ein Skandal. Um die Schwangerschaft zu vertuschen opfert sich Nora. Mit dieser Entscheidung werden beide nicht glücklich. Das Verhältnis der Schwestern ist angespannt. Theresa findet schließlich Zuflucht in einem Kloster. Eine Zeit des Schweigens beginnt.


    50 Jahre später ist Nora gezwungen zu Theresa Kontakt aufzunehmen. Patrick, ihrer beider Sohn ist verunglückt und gestorben.


    Zwei Erzählstränge lassen den Leser an Gegenwart und Vergangenheit der Schwestern teilhaben. Die schwierige Zeit in den 50er sowohl in Irland, als auch in Amerika ist gut beschrieben. Die Welt der Schwestern ist vom Katholizismus geprägt. Man spürt die Enge der gesellschaftlichen Konventionen. Die beiden Hauptprotagonistinnen konnten unterschiedlicher nicht sein. Nora, die verantwortungsvolle und Theresa, die lebenshungrige jüngere Schwester. Ich mochte sie beide und ich habe mit beiden gelitten.


    Der Schreibstil ist sehr schön und stimmungsvoll und hat mich auch diesmal begeistert. Er verlangt ein bisschen Aufmerksamkeit, aber er geht trifft genau den Nerv. Ein Roman, den man nicht einfach weglegt, ein Roman der nachhallt.


    5 Sterne

    Männergetue


    Der 13jährige Nelson tut sich schwer damit, den Maßstäben seines Vaters gerecht zu werden. Der möchten einen echten Kerl aus ihm machen. So erteilt der Vater seinem Sohn Lektionen mit dem Gürtel. „Männer tun so etwas nicht, du hörst sofort auf zu heulen! Ist das klar?“ Einzig seine Mutter scheint ihn zu lieben wie er ist. Nelson strebt nach Anerkennung und sucht diese bei den Lehrern, dadurch macht er sich bei seinen Mitschülern als Streber unbeliebt. Niemand mag ihn. Er hat keine Freunde. Zur Party zu seinem 13. Geburtstag kommt kein einziger der eingeladenen Jungen, erst ganz spät, als niemand mehr erwartet wird, taucht der zwei Jahre ältere Pfadfinderstammesführer Jonathan Quick auf.


    Nelson will im Pfadfinderlager Camp Chippewa weitere Abzeichen sammeln. Seine Schärpe ist bereits mit Abzeichen gespickt, das erweckt Neid, um nicht zusagen Mitleid bei den anderen. Auch hier ist er ein Außenseiter, wird schikaniert und angefeindet und wird von allen nur der „Trompeter“ genannt. Jonathan Quick scheint ihn zwar nicht zu mögen, aber er steht ihm in einer schlimmen Situation bei.

    „Sei stärker als sie“, sagt Wilbur Witheside, der 80jährige Pfadfinderführer und Leiter des Camps. Wilbur sieht in Nelson Großes: „Sie ärgern dich, weil sie Angst vor dir haben.“ Aber ist das wirklich so? Wilbur hat im 1. Weltkrieg gedient und ist vom Krieg traumatisiert. Er hat Schlimmes erlebt. Er wurde zum Helden erklärt, trotzdem scheint er ein einsamer Mann zu sein. Er sieht in Nelson einen Sohn, den der nicht hat.


    Meine Meinung:

    Die Männer in diesem Buch sind alle zutiefst gespaltene Persönlichkeiten, geprägt vom Krieg. Es zählen Werte wie Männlichkeit, Härte, Disziplin und Mut. Freundschaften werden nur im Krieg geschlossen. ‚Ich sage dir jetzt mal, wo du Freundschaften schließt. Freundschaften schließt man in der Armee, im Schützengraben und an der Front. Mit Männern, die sich für dich vor eine Kugel werfen, die mit dir ihre letzte Zigarette und den letzten Tropfen Wasser aus ihrer Feldflasche teilen.‘ (Seite 17f).


    Mich hat dieses Männergetue ziemlich abgestoßen. Ich sag es ehrlich, es war nicht mein Roman. Ich konnte mich mit niemanden der Protagonisten wirklich anfreunden. Erschütternd fand ich persönlich, dass Nelson, der seine Mutter doch so liebte, sie so dermaßen in Stich gelassen hat.


    Der Schreibstil des Autors ist sehr intensiv und hat mich angesprochen. Allerdings hatte das Buch auch unnötige Längen durch die man sich quälen muss.


    7 von 10 Punkten

    Ein neues Leben



    Annette (38) fällt in ein tiefes Loch, nachdem ihre geliebte Tochter Emma flügge wird und das Haus verlässt. Sie zieht nach Karlskrona zum Studium und für Annette beginnt eine Zeit der Depression. Sie hatte ihre Tochter alleine großgezogen. Mit Emma verschwindet auch ihr Lebensinhalt. Ihr ganzes Leben war auf Emma ausgerichtet. Annette fällt es schwer loszulassen, sie ruft Emma ständig an oder muss sich bewusst dazu zwingen, es zu unterlassen. Als sie auf der Arbeit anfängt sogar freiwillig Schichten zu übernehmen, um das beschäftigungslose Wochenende zu verkürzen, bringt es ihre Freundin und Kollegin Pia auf den Punkt: „Großer Gott, du brauchst ein Leben… leg dir ein Leben zu.“ Annette fragt sich, was aus ihren einstigen Träumen geworden ist. In ihrer Jugend hatte sie Ziele: ein Haus, Motorrad fahren und sich um sich selbst kümmern. Doch was ist daraus geworden. Kurzentschlossen tut sie den ersten Schritt: Sie nimmt Fahrstunden für den Motorradführerschein. Und damit bekommt ihr Leben neuen Schwung.


    Ich mochte die Protagonistin, die anfangs ein bisschen farblos rüberkam, aber im Laufe der Geschichte an Farbe gewann. Annette erging es wir wie manchem Rentner, der im langersehnten Ruhestand, plötzlich nur noch Leere spürt, zum einen, weil er es rechtzeitig versäumt hat, sich neue Aufgaben und Hobbies zu suchen, zum anderen weil ihm ein wichtiger Teil seines Lebens weggebrochen ist. Die Lücke will gefüllt werden …. Das Flair von Skgahammer ist realistisch beschrieben. Eine Kleinstadt, in der Klatsch und Tratsch an der Tagesordnung sind, in der sich Neuigkeiten in Windeseile herumsprechen. Auch Anettes Arbeitsplatz, der Supermarkt und ihre Kolleginnen sind für den Leser greifbar.


    Mich hat Katarina Bivalds „Highway to heaven“ gut unterhalten. Es ist leicht lesbar und zum Teil humorvoll geschrieben. Ich musste immer wieder schmunzeln. Aber es hat mich auch nachdenklich gestimmt. Genau die richtige Mischung, die ich bei einem guten Roman schätze.


    Von mir: 4 Sterne


    Edit: Verfasserangabe im Threadtitel ergänzt, in die Romance-Rubrik verschoben und Link zu Vorablesen entfernt. LG JaneDoe

    Ellas Welt


    Inhalt:


    Emilias Lebensmotto: „Eine Geschichte ist immer so gut wie ihr Ende.“


    Emilia Faust, genannt „Ella“ ist seit 6 Jahren mit Philipp liiert, nächstes Jahr wollen sie heiraten. Das Datum steht schon fest. Der große Tag soll am 21. August als rauschendes Fest über die Bühne gehen. Emilia ist gelernte Hauswirtschafterin, doch seit sie mit Philipp zusammen ist, ist sie nur noch exklusiv für ihn da. Zuvor hatte sie zusammen mit ihrer Freundin Cora eine Agentur „Die gute Fee“ ins Leben gerufen, in der die beiden das Managen des gesamten Haushalts für ihre Kunden anboten. Philipps wegen ist Ella ausgestiegen und die Freundschaft zu Cora erlitt einen schmerzhaften Bruch. Klar, Cora fühlte sich in Stich gelassen.



    Nebenbei betreibt Ella den Weblog „Better Ending“, in dem sie für Romane und Filme, die ohne Happy End ausgehen, das Ende neu formuliert und ihnen ein besseres Ende verpasst. Sie findet, es gibt überhaupt keinen Grund, dass fiktionale Stories schlecht enden müssten, und damit Menschen aufwühlen und in Verzweiflung stürzen. Ellas Welt ist schön und heiter. Ella findet, ein schlechter Ausgang ruinierte alles. Ellas Heldinnen reiten mit ihrem Helden gemeinsam in den Sonnenuntergang, Hand in Hand und bis in alle Ewigkeit. Ellas Anliegen ist es, den Menschen ein gutes Gefühl zu vermitteln.



    Und dann verändert ein zufällig entdeckter Brief, den Philipp in seinem Trenchcoat vergessen hat und den Ella zur Reinigung bringen soll, Ellas Welt mit einem Paukenschlag.



    Philipp hatte sie betrogen. Und zwar in der Nacht bevor er ihr am Morgen einen Heiratsantrag machte. Ein starkes Stück! Wütend nennt Ella den Heiratsantrag „das Ergebnis eines moralischen Katers“. Völlig unter Dampf rennt sie aus dem Haus, schnappt sich Philipps teures Rennrad und verursacht damit einen Unfall auf einer Treppe. Sie bringt einen Mann, der barfuß läuft, zu Fall.



    Mehr möchte ich nicht verraten.



    Meine Meinung:


    Das Cover finde ich sehr gelungen. Ich liebe Handlettering, deshalb gefallen mir die bunten Buchstaben und das Drumherum. Absolut ansprechend.



    Der Schreibstil ist locker und flüssig. Man kann sich regelrecht festlesen. Das ist schon mal ein großes Plus. Die Blogeinträge locker das Ganze noch mal auf.



    Ella war mir in ihrer leicht chaotischen Art sympathisch. Trotzdem konnte ich kaum glauben, dass es in der heutigen Zeit junge, gebildete Frauen gibt wie Ella, die wegen eines Kerls, ihre Eigenständigkeit aufgeben, um für ihren Liebsten ‚nur Hausfrau‘ zu spielen. Ihre Flunkerei, fand ich manchmal schon sehr heftig. Sie flüchtete sich in Traumwelten und klammert sich daran fest. Ich gehöre zur Fraktion, die Lügen so gar nicht mag. Und manche ihrer Reaktionen fand ich übertrieben. Auch war sie sehr sprunghaft. Zum Bespiel fand ich Oscars Satz sehr treffend: "Wo sind Sie schon wieder? Es kommt mir vor, als würde bei Ihnen jemand hin und wieder das Licht ausknipsen." Genauso empfand auch ich Ella.



    Stark fand ich die Erklärung zu Ellas Tätowierung. Ein Semikolon, weil der Satz nach einem Semikolon noch nicht zu Ende ist, sondern weil er weitergeht.



    Philipp war für mich ein Macho, der es genoss, umsorgt zu werden, und der sich wenig Gedanken um Ellas Wohlbefinden machte. Für ihm zählte nur seine Bequemlichkeit.



    Und Oskar, tja, ich mochte ihn, er hat durchlief eine ziemlich heftige Entwicklung.



    Den Spruch von Erhard F. Freitag in Ellas Zimmer mochte ich sehr: Sorge dafür, dass das kommt, was du liebst. Andernfalls musst du lieben was kommt.



    Einer der besten Sätze kommt von Dr. Specht: „Es gibt nur einen Weg, seine Schatten loszuwerden – indem man sich ihnen stellt und lernt, mit der Wahrheit zu leben.“



    Eine sehr emotionale Geschichte. Wer Happy Ends liebt, wird auf seine Kosten kommen.


    4 Sterne

    Leon hat Frau und Tochter durch ein Fährunglück vor der tansanischen Küste verloren. Die Leiche seiner Frau Helena wurde gefunden und konnte identifiziert werden, während seine Tochter Judith weiterhin als vermisst gilt. Leon unterrichtet Schwedisch und Geschichte. Einem Monat vor seinem 45. Geburtstag verlässt er Stockholm und zieht in die schwedische Kleinstadt K. Dort findet er an der Bergtuna-Gesamtschule einen neuen Job. Ludmilla Kovacs, eine alte Bekannte aus der Studentenzeit an der Pädagogischen Hochschule in Uppsala, hatte ihm von der freien Stelle erzählt. Sie ist an dieser Schule Beratungslehrerin.


    Leon tritt in große Fußstapfen. Sein Vorgänger Kallmann, war bei den Schülern beliebt. Er war unglaublich präsent und gleichzeitig distanziert. Um Kallmann rankten sich zahlreiche unbestätigte Gerüchte. Er starb bei einem Treppensturz und brach sich das Genick. Hinweise auf Fremdverschulden lagen nicht vor, dennoch gibt es viele Fragezeichen.


    Die einzelnen Kapitel werden von verschiedenen Personen erzählt. Neben Leon, erzählen die 15-jährige Andrea, Igor (ein Kollege), Ludmilla (Leons Jugendbekannte) und Ulrika (Andras Mutter), sie geben Einblick in ihre Gedankenwelt. Diese Personen versuchen alle auf ihre Weise, die Person Kallmann zu durchleuchten und Antworten zu finden. Interessant wird es, als Leon Kallmanns Tagebücher in seinem Schreibtisch entdeckt.


    Mir hat der Roman sehr gefallen. Er ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Nesser versteht es die Spannung kontinuierlich anzufachen, so dass ich immer wieder gespannt war, wie es weitergeht. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, so dass es leichtfällt, sie sich vorzustellen. Meine Lieblingsprotagonistin ist die Schülerin Andrea, die sich in ihrer Familie als Fremdkörper empfindet. Eine geheimnisvolle Aura umgibt den Jungen Charlie Mattis, der zu Kallmann anscheinend in einer engeren Verbindung stand. Sympathieträgerin ist für mich Ludmilla, die Beratungslehrerin, die für Schüler wie Lehrer immer ein offenes Ohr hat und sehr einfühlsam ist. Die neonazistischen Strömungen an der Schule brachten einen verstörenden Aspekt in die Geschichte.


    Irgendwo hieß es: „Es gefiel Kallmann auf der Grenze zwischen Dichtung und Wahrheit zu balancieren.“ Ich würde sagen, genau wie sein Schöpfer, der Autor Håkan Nesser.


    Ein rundum gelungener Roman. Kein Krimi, aber eine wunderbare Charakter- und Gesellschaftsstudie, allerdings mit Krimielementen.


    Von mir: 5 Sterne

    Mein erster Krimi der Autorin Inge Löhnig, jedoch der vierte in der Reihe um Kommissar Dühnfort und seinem Team. Trotzdem bin ich mühelos in die Geschichte reingekommen. Man kann den Krimi also auch gut unabhängig von den ersten drei Bänden lesen .Das Thema ist Schuld und schuldig werden. Der Leser wird durch verschiedenen Handlungssträngen in das Geschehen eingeführt.


    Sanne lebt zurückgezogen auf dem Lande. Vor sechs Jahren war sie in einen Unglücksfall verwickelt, in dem ein kleiner Junge zu Tode kam. Sie trägt schwer an diesem Ereignis, zumal in ihrer Erinnerung einige entscheidende Sekunden fehlen. Das nagt an ihr. Nun jährt sich der Todestag und diese Zeit ist es für sie immer am Schlimmsten.


    Der Frührentner Eugen Voit hat ein ausgesprochen merkwürdiges Hobby. Er überwacht Falschparker und Verkehrssünder von seinem Fensterplatz aus und zeigt sie an. So beobachtet mit seiner Kamera eines Abends wie ein unbeleuchteter dunkler Geländewagen aus einer Parklücke ausschert und den Architekten Flade überrollt. Der Fahrer fährt weiter, ohne sich um das Opfer zu kümmern. War es Unfallflucht? Oder doch ein Mordanschlag?


    Ein weiteres Opfer wird an einem See aufgefunden. Es stellt sich heraus: Die junge Frau wurde ertränkt. Karten, mit einem geheimnisvollen Text, werden bei den Opfern gefunden. Was und wer steckt dahinter? Eine Schlüsselrolle spielt die Gruppe “Schuldlos schuldig.” Ist hier der Täter zu suchen?


    Aber auch Kommissar Tino Dühnfort hat Probleme. Vor sieben Jahren hatte Helmbichler ihm Rache geschworen. Er ist seit kurzem entlassen. Während Helmbichler einsass hatte sich seine Frau von ihm scheiden lassen, sein Geschäft ist in Konkurs gegangen und sein Haus wurde versteigert. Das macht das Rachepotential nicht unbedingt geringer. Und auch sonst ist die berufliche Lage kompliziert. Für Dühnfort und Gina wird es immer schwieriger ihre Beziehung vor den Kollegen geheim zu halten. Alois scheint was zu ahnen.


    Der Krimi ist flüssig zu lesen. Inge Löhnig hat ihre Protagonisten glaubhaft gezeichnet. Mein persönlicher Favorit war der Frührentner Eugen Voit. Solche kranke Typen gibt es leider wirklich, die sich für alles interessieren, was in der Nachbarschaft abläuft. Als positiv empfand ich es, dass es beim Ermittlerteam menschelt. Das bringt Farbe in den Krimi. Die Autorin hat für den Leser geschickt falsche Spuren ausgelegt. Aber mir war das zu offensichtlich und ich war gespannt, wer nun wirklich der Täter ist. Das Ende hat mich dann doch überrascht. Die Idee vom unschuldig schuldig werden hat mich nachdenklich gestimmt und noch lange beschäftigt. Jeder kann in so eine schreckliche Lage kommen. Man wird angefeindet und hat doch keine Schuld


    Nun ja, so ganz zufrieden war ich nicht. Es war wie bei einem guten Essen, bei dem man feststellt, hm, schmeckt lecker, aber das berühmte Quäntchen fehlt. So ist es mir leider ergangen. Irgendetwas hat gefehlt, aber ich kann nicht sagen, was es war.


    Mein Fazit:
    Ein gut zu lesender Krimi für ein gemütliches Wochenende.


    8 von 10 Punkten

    Schwedenkrimi vom Feinsten


    'Der Mann, der kein Mörder war' ist das erste Band einer Krimireihe des schwedischen Autorenduos Hjorth & Rosenfeldt um den Psychologen Sebastian Bergman.


    Roger Erksson, ein Sechzehnjähriger wird eine Woche lang vermisst, dann brutal ermordet in einem Tümpel aufgefunden, mit unzähligen Messerstichen in Herz und Lunge auf. Der Mörder hatte ihn das Herz herausgeschnitten.


    Im Prolog behauptet der Mörder von sich: Ich bin kein Mörder. Mörder sind Kriminelle. Mörder sind schlechte Menschen. Er war kein schlechter Mensch. Er wollte das Richtige tun. Er hatte das Schützenswerte beschützt.


    Kerstin Hanser, die Leiterin der Kripo Västeräs fordert die Hilfe der Reichsmordkomission an. Tokel Höglund und sein Team nehmen die Ermittlungen auf. Der Psychologe Sebastian Bergman, der sich zufällig in Västeräs aufhält, weil er nach dem Tod der Mutter das elterliche Anwesen veräußern möchte, wird hinzugezogen. Bergman gilt als Top- Profiler. Vor Jahren hatte er den sensationellen Fall eines Serienmörders gelöst. Doch nach einer persönlichen Tragödie vor fünf Jahren, er verlor durch einen Tsunami Frau und Tochter, hat er sich ganz aus der Polizeiarbeit zurückgezogen und ist seit dem nicht mehr der Alte. Schlimme Träume quälen ihn. Lebendig fühlt er sich nur wenn er mit Frauen Sex hat.


    Sebastian Bergman wird von seinen Kollegen bewundert und gefürchtet. Er ist arrogant und zynisch und gilt als unerträglicher Sonderling und er tut viel dazu, um diesen Ruf zu festigen. Private Motive veranlassen Bergman dazu in die Ermittlungen einzusteigen, denn im Grund ist er an den Fall überhaupt nicht interessiert.. Doch schon bald fühlt er sich in seiner Arbeit mehr und mehr heimisch, und gegen seinen Willen beginnt ihn der Fall zu reizen.


    Es scheint, als habe es zwei Roger Erikssons gegeben, einen der kaum sichtbar war und der nie auffiel, und einen anderen, der eine Menge Geheimnisse hatte. Roger besuchte die Palmlövsaka-Schule, eine der besten Schulen im Lande, nachdem er an seiner alten Schule gemobbt wurde. Und hier laufen auch alle Fäden zusammen.


    Das Buch fesselt von Anfang bis zum Schluss. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Die Autoren haben in ihrem Debütroman gekonnt Spannung aufgebaut. Die Charaktere sind absolut gelungen skizziert. Man erkennt sie wieder, Figuren mit Stärken und Schwächen, aber immer authentisch. Besonders die als Ekel angelegte Hauptfigur des Sebastian Bergman hat mir gefallen. Ich mag ihn. Auch die Schauplätze sind gut entworfen, z. B. Lisa Elternhaus oder die Palmlövsaka-Schule muten an wie aus dem Leben gegriffen. Ein bisschen leid getan hat mir der Unglückswurm Haraldson, der es durch eigenen Dummheit geschafft hat, seine Karriere ins Aus zu manövrieren. Der Leser erfährt von den Problemen und Hintergründen der einzelnen Ermittler, dadurch kommt das Team für den Leser sehr menschlich rüber. Die Handlung ist abwechslungsreich, verschiedene falsche Fährten und Wendungen geben zu raten auf.


    Mein Fazit:
    Ein Schwedenkrimi vom Feinsten, mit hohem Suchtfaktor! Ich freue mich schon auf die Fortsetzung dieser Reihe.


    Meine Wertung: 5 Sterne

    Catalin Dorian Florescu ist mit ‘Jacob beschließt zu lieben’ ein wirklich großer literarischer Wurf gelungen. Mich hat die Geschichte um die Familie Obertin, die sich über 300 Jahr erstreckt, total begeistert.


    Der Roman setzt ein im Juli 1924. Während ein heftiger Sturm übers Land fegte kam der Vater des Ich-Erzählers nach Triebswetter. Jakob-ohne-Nachnamen, ein Habenichts. Er kam mit der festen Absicht Elsa, die Amerikanerin zu heiraten. Er hatte von ihr in der Zeitung gelesen und war aufgebrochen seinem Leben eine glückliche Wendung zu geben. Er verlor keine Zeit. Gleich beim ersten Treffen machte er ihr einen Antrag, nach drei Wochen fiel er über sie her und sie fügte sich seinem Willen. Nur eines forderte sie: “..wir werden uns siezen. Wir werden uns immer siezen.” Diesen Vorsatz hielt sie ein Leben lang durch, dennoch wurde ihr Leben fortan von einem Mann bestimmt, der so widersprüchlich, so maßlos war, dass sie ihm nicht gewachsen sein konnte. Eineinhalb Jahre später wurde sie seine Frau. Sieben Monate später kam Jacob, aber mit c, auf einem Mistkarren zur Welt.


    Sein Vater lehnte ihn von Anfang an ab. Als er ihn zum ersten Mal sah, sagte er: “Ein Schwächling. Er sieht mir überhaupt nicht ähnlich.”Jacobs Kindheit war von vielen Krankheiten geprägt. Jacob bemühte sich stets um die Anerkennung des Vaters, er fürchtete und bewunderte ihn. Doch sein Vater sah in ihm nur einen Nichtsnutz, dem es an Kraft und Stärke fehlte. Er verachtete seinen Sohn. Menschliche Wärme bekam Jacob nur vom Großvater und der Zigeunerin Ramina. Von der Mutter war nichts zu erwarten. Sie ging ins Haus beten.


    In Rückblenden erfährt man von der Geschichte der Vorfahren. Caspar, der erste Obertin, war Soldat im 30 Jährigen Krieg. 1635 war er wegen des höheren Sold zu den Schweden übergelaufen. Er ist ein Mann, dem jegliches Gefühl im Krieg abhanden gekommen ist. Ohne zu zögern ermordet er , nach seiner Flucht aus der Armee, eine Familie, bis auf ein Mädchen, das er sich später zur Frau nimmt, weil er glaubt, sie hätten sich seinen Hof - an den er nur noch eine vage Erinnerung hatte- während seiner langen Abwesenheit angeeignet. Aber Caspar hatte sich geirrt, das Land gehörte ihn nicht.
    100 Jahre später macht sich Frederic, ein Nachkomme Caspars, von Lothringen aus auf in den rumänischen Banat. Er genießt bald hohes Ansehen als Gründer und Richter des Dorfes Triebswetter.


    Die Geschichte Jacobs ist in den Jahren zwischen 1920 bis 1950 angesiedelt. Aberglaube und Mystik beherrscht den Alltag der Menschen in Triebswetter. Aber auch der Schnaps war überall zu finden. Kopulation und Schnaps entschädigte die Männer vom harten Leben.. Man lebte sein Leben in Pflicht und Arbeit .Und man half sich gegenseitig, denn Helfen war Ehrensache.
    Ramina, die Zigeunerin nannte es ein Dorf für Selbstmörder und Pechvögel.


    Über die Geschichte der so genannten Donauschwaben habe ich nebenbei sehr viel erfahren. Aber auch der 30jährige Krieg und der 2. Weltkrieg kommt in der Geschichte vor. Der Gröfaz hielt Einzug in Triebswetter. Jeden Sonntag nach der Messe stellte der Pfarrer sein Blaupunkt-Radiogerät vor der Pfarrei auf und man lauschte der Stimme, wie bei einer Fußballübertragung.
    Die jungen Männer zogen gegen Rußland in den Krieg. Sie kamen zurück, mit den Füßen voraus. Die große Glocke läutete für sie allein. Die Toten wurden auf die Felder gebracht, damit sie sich ein letztes Mal von der Erde verabschieden konnten. Eine dunkle Zeit brach an. Die Zigeuner wurden deportiert. Und dann kamen die Russen nach Rumänien. Eilig wurden alle verräterischen “deutschen” Gegenstände aus dem Haus entfernt. Der Vater befahl: “Ab jetzt sind wir Rumänen. Verstanden?”


    Catalin Dorian Florescu erschuf kraftvolle Figuren. Die Männer der Obertins waren alle von einem einem unbändigen Kampfes- und Überlebenswillen beseelt. Die Frauen spielten hingegen nur eine untergeordnete Rolle, was ich schade fand. Ich hätte gerne mehr über die Frauen erfahren, deren Kraft für mich stellenweise dennoch zwischen den Zeilen spürbar wurde. Für Jacob hätte ich mir ein besseres/zufriedenstellenderes Ende gewünscht. Der Titel des Buches ist für mein Empfinden total irreführend. Von Liebe ist wenig die Rede. Jacob hatte zwar eine Jugendliebe, aber er verlor sie noch bevor etwas wirklich Großes entstehen konnte. Oder ist die für mich unbegreifliche Liebe zum Vater gemeint? Sein Vater hat ihn zweimal böse verraten. Kann man diesen Menschen lieben?


    Mein Fazit:
    Ein anspruchsvoller Roman, den man nicht so einfach herunterlesen kann. Er hallt noch lange nach und regt zum Nachdenken an. Von der wunderschönen bildhaften Sprache, die kraftvoll und doch poetisch ist, bin ich noch ganz hingerissen! Manche Sätze waren einfach zum Dahin schmelzen schön, die habe ich mir buchstäblich auf der Zunge zergehen lassen, wie ein leckeres Eis