Beiträge von LeseBär

    Hier läuft's nun quasi... :lache Noch ein Buch im Fastenzeitraum gelesen.


    LeseBär

    Anzahl SuB am 26.02.2020: 79

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    Anzahl SuB am 22.03.2020: 79

    Anzahl SuB am 12.04.2020:

    Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob das Buch überhaupt ein Roman über Carl von Ossietzky sein will. Ich hab es bisher nicht so gelesen (und der Verlag will uns sogar glauben machen, es ginge hauptsächlich um Franz Tausend :chen). Für mich sind die beiden Handlungsstränge um Thomas Mann und Carl von Ossietzky irgendwie gleichrangig, auch wenn im Ossietzky-Strang sicher etwas mehr passiert, weil auch Heinrich Arndt stark eingebunden ist.

    Ich finde es sehr gut erzählt, wie hilflos Heinrich, aber auch Ossietzky u. a. in Bezug auf die politischen Umwälzungen sind. Das Land rennt sehenden Auges in eine Katastrophe und die wenigen, die verstehen, worum es geht, können einfach nichts dagegen tun, weil die Machtübernahme einfach viel zu gut geplant ist.
    Das ist auch ein Grund von vielen (und viel schlimmeren), warum es so wichtig ist, das niemals zu vergessen und aus der Geschichte zu lernen.

    :write

    Diese Hilflosigkeit ist allgegenwärtig. Egal was die beiden auch tun, den Rechtsstaat, auf den sie bisher vertrauen durften, gibt es nicht mehr. Die, die ehrbar bleiben wollen, kommen unter die Räder. HInzu kommt ja außerdem, dass sie die Entwicklung nicht wahrhaben wollen oder sich nicht vorstellen können, dass das alles gerade wirklich passiert (Ossietzkys Abtun der NSDAP-Wahlergebnisse Gusti gegenüber z.B.).


    Ich persönlich hätte übrigens weder Franz Tausend noch Thomas Mann in diesem Buch gebraucht. Mir reichen Carl als historische Persönlichkeit und Heinrich völlig.

    Hm. Franz Tausend wird immer mehr zur Nebensache. Aber die Szenen um Thomas Mann möchte ich nicht missen. Er und Ossietzky sind ja beide auf ihre Art Sprachrohre der Gesellschaft und mehr oder weniger unbequem mit dem, was sie verbreiten. Sie ähneln sich auf dieser Ebene einerseits, gehen aber mit ihrer jeweiligen Situation völlig unterschiedlich um (das wird im letzten Abschnitt auch noch einmal besonders deutlich). Du hast recht, Ossietzky ist als historische Persönlichkeit allein schon hochinteressant. Aber mit Thomas Mann wird's für mich noch interessanter.

    Und so endet wohl die Geschichte um Franz Tausend. :/ Ich glaub jedenfalls nicht, dass da jetzt groß noch was folgt. Ich hätte mir schon gewünscht, etwas über die Verhaftung zu erfahren bzw. den weiteren Weg dorthin. Aber wahrscheinlich gibt es da auch nicht viel zu erzählen.


    Über Tausends Gefänignisaufenthalt mag ich auch nichts lesen, den stelle ich mir langweilig vor. Interessanter ist dagegen der Strang um Ossietzky samt Gefängnisaufenthalt. Letzteren fand ich gut dargestellt, ich kann regelrecht mitfühlen, wie es ihm im Gefängnis ergangen ist und welche Seelenqualen er leiden muss. Sein Widerstand, sein Eintreten für seine Ideale, seine Haltung sind übrigens bewundernswert. Auch wenn er ein ziemlicher Filou ist (was ich ihm seltsamerweise nicht übelnehme, Maud und Gusti sind für ihn beide, jede auf ihre Art, wichtig).


    Es ist nahezu gruselig, wie die einzelnen Rädchen des Regimes miteinander verzahnt sind. Heinrich beginnt zu begreifen, wie sehr er in allem drinhängt und dass seine Beteiligung an der Sache um Ossietzky von langer Hand geplant war. Hat er mit diesem Wissen denn keine Angst, dass er weiterhin unter Beobachtung steht und seine Verbindung zur Liga für Menschenrechte bekannt wird (oder schon ist)? Er hat recht, wenn er an einer Stelle feststellt, dass Ossietzky auf ihn abgefärbt hat. Er agiert allerdings auch sehr blauäugig, wenn ich da an die Rekrutierung der Beamten denke. Zum Glück hat Martin ihn da noch mal aus dem Schlamassel gezogen...


    Der Abschnitt von Thomas Mann hat mir wieder gut gefallen, wo er sich über den neuen Roman von Lion Feuchtwanger aufregt und darüber, dass er nicht in dessen neuem Buch vorkommt, nicht mal als negativer Figur! :lache

    Diese von Thomas Mann angestellte Überlegung fand ich auch amüsant. :grin Auch Mann steht für seine Ideale ein, wenn auch anfangs aus einer gewissen Eitelkeit heraus. Sein Brief in Sachen Ossietzky zeigt auch deutlich, wofür er steht. Sind dieser Brief und Ossietzkys Artikel auf S. 267/268 eigentlich Original-Abschriften? Und hat sich die Lesung in Berlin genauso ereignet?


    Nun geht es für mich in den letzten Abschnitt. Ich bin gespannt, wie es mit Ossietzky im Gefängnis (und überhaupt) weitergeht und auch, wie sich das Leben von Thomas Mann weiterentwickelt (dass er später in die Schweiz emigriert ist, weiß ich zumindest schon). Franz Tausend... nun ja, er interessiert mich gar nicht mehr, höchstens die Machenschaften Kahlen-Huntes, aber ich fürchte, da wird keine weitere Aufklärung stattfinden.

    Bei meinen Eltern ist es ähnlich, Knoermel , die gehören mit 68 und 70 Jahren ja auch zur Risikogruppe, sind aber noch sehr fit und möchten natürlich selbst einkaufen gehen. Ich denke, wenn es sich größtenteils auf das Einkaufen und Spazierengehen beschränkt und größere Menschenansammlungen vermieden werden, dürfen sich die Sorgen in Grenzen halten. Die Supermärkte sorgen ja auch für Abstandshalter etc. Ich sag mir, ich kann sie ja nicht gegen ihren Willen einsperren.


    Das rigorose "Nicht-vor-dir-Tür-Sollen" halte ich wie Frettchen auch für kontraproduktiv - es sei denn, es ist wirklich Quarantäne angeordnet.

    Vermutlich hat das alles mit der Wiederaufrüstung zu tun.

    So sieht's aus. Da müssen viele Gelder flüssig gemacht werden. Anscheinend wirkt Tausends Masche wie eine Geldwäsche - also doch eine Art Goldmacherei? In Bezug auf Heinrich stimme ich dir zu,


    ich habe das Gefühl, das Heinrich noch Kopf und Kragen riskiert, in Betreff Wahrheitsliebe und Carl Ossietzky.....

    :write

    Heinrich agiert gegen seine Aufgabe, wenn er seine Erkenntnisse zurückhält. Ich hoffe, er kann sich da irgendwie schadlos rauswinden.