Beiträge von LeseBär

    Die Ereignisse überschlagen sich ja in diesem Abschnitt - und Klara ist mittendrin. Zum Glück hauptsächlich als Beobachterin, doch auch in dieser Position ist es nicht ganz ungefährlich. Kiki hat es da schon schlimmer erwischt; ich denke nicht, dass sie noch einmal auftauchen wird (und doch soll man bekanntlich die Hoffnung niemals aufgeben!). Jedenfalls bin ich völlig fasziniert vom Lauf der Dinge und der Beschreibung der Ereignisse.

    Fritz entscheidet irgendwie immer nur für sich und denkt nicht an Klara. Die wird schon tun was man ihr sagt. Ich bin ja mal gespannt, wie lange das noch gut geht. Vor allem da jetzt auch noch Max bereit steht. Der Klara vielleicht auch das machen lässt, was sie will.

    Fritz ist zwar völlig eingenommen von der politischen Neuordnung, nimmt aber die Veränderungen im Kleinen, also die Wandlung seiner Klara zu einer selbstbewussten/selbstbestimmten jungen Frau nicht wahr. Ich bin auch sehr gespannt, ob und bis zu welchem Punkt er Klara bei ihrem Ziel, der Schreiberei unterstützen wird. Wahrscheinlich tut er es am Ende doch nur als "Mädchen-Zeitvertreib" ab, eine Zerstreuung, bis sich Klara wichtigeren Dingen wie Haushalt und Kindern widmen kann/muss. Marthas Monolog fand ich diesbezüglich schon bezeichnend. Fritz ist sicher kein Hallodri, aber dennoch ein Mann seiner Zeit.


    Die Begegnung mit Max fand ich auch sehr für sich sprechend. Max scheint Klara eher zu verstehen als Fritz und ich denke, dass er sie in ihrem Handeln nicht einschränken würde. Hier bin ich gespannt, ob sich Max' und Klaras Wege im letzten Abschnitt vielleicht doch noch einmal kreuzen werden und was das dann für die Beziehung zu Fritz heißen mag. Mit Sicherheit sind es nicht nur Max' blaugraue Strahleaugen, die ihn für Klara interessant machen.


    Was Lotti aus Paris zu berichten weiß, ist ein ziemlich düsteres Bild der damaligen Zustände. Ich mag diese eingeschobenen Passagen in Form der Postkarten, einen Blick über den Tellerrand und in die weite Welt. Ehrlicherweise habe ich mich beim Lesen allerdings gefragt, wie groß diese eine Postkarte gewesen sein muss, damit Lotti diesen langen Text darauf basteln kann... ;)

    Da hatte ich eigentlich gedacht, ich kenne ein wenig von der deutschen Geschichte und nun kommen hier schon wieder zig Details, die ich in Wikipedia und sonstigen Seiten nachlesen muss ... und will.;)

    Die Lebensgeschichten von Liebknecht, Luxemburg und alles über die Spartakusaufstände gehören dazu.

    Diese Zeit ist im Geschichtsunterricht anscheinend völlig an mir vorbeigegangen. Zwar habe ich alle Namen und Begrifflichkeiten schon einmal gehört, aber die genauen Zusammenhänge hatte ich tatsächlich nicht "auf dem Schirm". Wieder einmal was gelernt - und das Nachlesen ist wahrscheinlich wirklich lohnenswert!


    Auf geht's in den finalen Abschnitt! Die Zeitung wird sicher ein Erfolg...

    :knuddelund ich bin froh, dass du Freude am Lesen hast - nachdem langen Warten!

    Und ich erst! ;)

    Vor allem bin ich froh, dass ich das Buch nicht mitgenommen und quasi "zwischen Tür und Angel" gelesen habe, sondern dass ich nun genügend Zeit habe, auch mal längere Passagen an einem Stück zu lesen.

    Ja das liebe ich auch an geschichtlich basierten Büchern. Wobei ich dann gerne doch mal nachforsche wie das genau war.

    Das Nachforschen lässt bei mir noch zu wünschen übrig. Aber ich nehme dennoch viel mit - besonders, wenn am Ende des Buches noch ein erläuterndes Nachwort zu den geschichtlichen Hintergründen wartet.

    Klara macht sich. Und ich glaube, dass ihr die Reise nach Berlin ausgesprochen gut tut. Sie entwickelt sich, hat eigene Ideen und auch ihre "Verwandlung" von einem guterzogenen, vielleicht etwas biederen Fräulein zu einer weltoffenen, sich eine eigene Meinung bildenden jungen Dame nehme ich ihr voll und ganz ab. Und ich denke auch nicht, dass diese Entwicklung zu schnell vonstatten geht - Klara lässt sich vom Sog der Zeit und wohl auch von Kikis Vorbild (was das muntere, ungezwungene Leben anbelangt) einfach anstecken. Und sie ist jung, das Leben liegt noch vor ihr, sie hat nichts zu verlieren.


    Es hat mir in diesem Abschnitt viel Spaß gemacht, in die beschriebenen Lebensumstände einzutauchen. Angefangen bei der Zugfahrt nach Berlin, über den allgemeinen Trubel am Bahnhof, die überschwängliche Silvesterparty und auch der etwas aus dem Ruder gelaufene Theaterbesuch; die Beschreibungen lassen mich die jeweiligen Szenen hautnah miterleben und das gefällt mir ziemlich gut.


    Natürlich ist nicht alles Jubel, Trubel, Heiterkeit: Schon der Besuch bei Jakob holt den Leser wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, welch schlimme Schicksale auch mit dieser von Aufbruchstimmung geprägten Zeit einhergehen. Die noch vor Klara liegende Demonstration ist ja auch nicht ganz ungefährlich, zumal die einzelnen Lager schon eine recht abweichende Meinung vom "richtigen" Weg haben. Fritz ist da eher ein ruhiger Vertreter (auch wenn er für seine Sache brennt), im Gegensatz zu Werner, der recht brachial vorgehen will. Aber da merkt man auch: Wer keine Worte hat, kämpft lieber mit Fäusten...

    Ein bisschen hat mich die Debatte darum, dass Frauen keine Ahnung von Politik haben und lieber daheim für Mann und Kinder sorgen sollen an die Diskussion erinnert, die heute über die Friday for Future Kids geführt wird. Die sollen ja auch lieber zur Schule gehen und die Klappe halten, weil sie von Politik und dem wahren Leben keine Ahnung haben....

    Das trifft es in der Tat ganz gut. Wenn die Jugend "aufmuckt" erntet sie von den älteren, alteingesessenen Zeigenossen maximal ein müdes Lächeln. So ähnlich hab ich die Szene auch gelesen. Es ist für die Herren, die dort diskutierten, aber auch noch schwer vorstellbar, dass Frauen es überhaupt wagen, öffentlich eine eigene Meinung zu vertreten. Ich denke, dass es innerhalb einer Beziehung / Familie vielleicht vereinzelt schon mal etwas anders ausgesehen haben mag - aber öffentlich war es doch Sache des Mannes, über Politik und derlei Dinge zu reden.


    Klara lässt sich ihren Mund bisher nicht verbieten, ist dabei aber nicht aufbrausend und denke erst, bevor sie redet. Das gefällt mir gut. Ich hoffe doch, dass sie genügend Unterstützung von Fritz bekommt. Und dass sie die Demonstration gut übersteht. Helena Zittlaus Karte lässt Böses erahnen...

    Und Nr. 2 - Die englische Fürstin von Sabine Weigand


    Kurzbeschreibung lt. amazon.de:

    Debütantin, Fürstin, Kämpferin – der dramatische Roman über den Weg einer starken Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts

    Sie ist die schönste Debütantin Londons, ihr Heirat führt sie 1891 ins deutsche Kaiserreich. Doch in der kalten Pracht von Schloss Fürstenstein fühlt sich Daisy einsam und unsicher. Ständig eckt sie an, das steife Zeremoniell nimmt ihr den Atem. Muss sie das alles hinnehmen? Daisy wagt es, Regeln über den Haufen zu werfen, bezaubert mit ihrem Charme den Hof und selbst den Kaiser. Gleichzeitig beginnt sie im Geheimen einen gefährlichen Kampf gegen das Elend der Armen, der Grubenarbeiter in Schlesien. Aber was ist mit ihrem eigenen Glück? Darf sie eine Liebe leben, die alles gefährdet, was sie erreicht hat?

    Erfolgsautorin Sabine Weigand führt uns mit dem Schicksal der Daisy von Pless nach London, Berlin und Schlesien, in eine Welt im Wandel, zwischen Kaiserreich und Krieg, zwischen Glanz und Rebellion.

    ASIN/ISBN: 381053059X

    Letzten Freitag bin ich zufällig in einer kleinen, schnuckeligen Buchhandlung gelandet und da durften zwei Bücher mitkommen...


    Nr. 1 - Todesmal von Andreas Gruber


    Kurzbeschreibung lt. amazon.de:

    Eine geheimnisvolle Nonne betritt das BKA-Gebäude in Wiesbaden und kündigt an, in den nächsten 7 Tagen 7 Morde zu begehen. Über alles Weitere will sie nur mit dem Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade gekündigt, und so befragt Sneijders Kollegin Sabine Nemez die Nonne. Aber die schweigt beharrlich – und der erste Mord passiert. Jetzt hat sie auch Sneijders Aufmerksamkeit. Und während die Nonne in U-Haft sitzt, werden Sneijder und Nemez Opfer eines raffinierten Plans, der gnadenlos ein Menschleben nach dem anderen fordert und dessen Ursprung in einer grausamen, dunklen Vergangenheit liegt …


    ASIN/ISBN: 3442486564

    Nun hab ich es doch endlich auch geschafft, mir den ersten Abschnitt (und schon darüber hinaus...) zu erlesen. ^^ Das Buch hat etwas gebraucht, um bis zu mir zu kommen und als ich es dann hatte, war ich unterwegs, so dass eine ruhige Lesezeit nicht gegeben war. Aber jetzt! Und ich muss sagen, ich bin schon wieder sehr begeistert von Joans Erzählung und dabei schon völlig abgetaucht in die damalige Zeit!

    Klara wird sich schon ihren Weg erkämpfen, ob mit oder ohne Fritz.

    So würde ich das auch umschreiben. Klara hat ihren eigenen Kopf und selbst die Einwände ihrer Freundinnen lassen sie nicht von ihrem Weg abkommen. Sie wird sicher eine Vorreiterin sein, auch wenn sie noch nicht einschätzen kann, was sie genau in Berlin machen wird (als Leserin des Klappentextes bin ich ihr da schon etwas voraus :lache). In erster Linie möchte sie natürlich mit Fritz zusammen sein - und zwar ohne sich dabei verbiegen zu lassen.

    Ich hab allerdings irgendwie das Bauchgefühl, das die Sache mit der Arztgattin noch nicht so ganz in trockenen Tüchern ist... warum auch immer.

    Dessen bin ich mir auch noch nicht so sicher. Fritz scheint nicht so sehr an der Beziehung zu Klara zu hängen oder sie schon zu sehr in "trockenen Tüchern" zu wissen. Allerdings hat er genug Enthusiasmus für die neue Zeit und deren Wandel, so dass er sie wohl in ihren Entscheidungen / in ihrer zukünftigen gesellschaftlichen Rolle unterstützen wird. Jedenfalls bin ich schon sehr gespannt, wie es Klara (mit oder ohne Fritz) in Berlin ergehen wird.

    Viel spannender finde ich beispielsweise die Beschreibungen des damals bestehenden Geschlechterverständnisses und wie selbstverständlich sich jeder danach verhielt. Frauen waren lediglich Anhängsel und hatten sich alles gefallen zu lassen. Unvorstellbar heutzutage

    Eindeutig! Klara und ihre Freundinnen stecken einerseits noch mitten in den geltenden Konventionen (die Notwendigkeit zu heiraten um als Frau abgesichert zu sein z.B.), gehen aber gleichzeitig schon neue Wege, auch wenn diese in erster Linie der Abwesenheit eines männlichen Nachfolgers geschuldet ist (Lottis Fotografen-Ausbildung). Auch Klara erkennt, dass für ihre Generation mehr möglich ist als z.B. für die Generation ihrer Mutter. Eine unheimlich interessante Zeitreise.


    Ich bin sehr froh, dass Joan Weng uns an dieser spannenden Zeit in Romanform teilhaben lässt, so dass einem dass dröge Studium diverser Sachbücher erspart bleibt. :grin