Beiträge von Darcy

    Ich schaue natürlich auch wieder, wie jedes Jahr zusammen mit meiner Tochter. Sie ist extra aus England gekommen, damit wir gemeinsam schauen und abfeiern können. Aber wir geben es uns richtig und gucken auch die Halbfinale. Am Dienstag war es schon mal schön schräg. Und heute abend kommt das Zweite. Ich freue mich schon drauf:S

    „Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, man macht die Dinge anders dort“.

    Leo Colston findet beim Aufräumen eine alte Schachtel mit Erinnerungsstücken. Leo ist Anfang 60 und die Schachtel weckt Erinnerungen in ihm an seine Kindheit. Als er 12 war verlebte er einen Sommer bei einem Freund aus seinem Internat und dessen Familie in Brandham Hall, einem Landhaus in Norfolk. Leo kommt aus mittelständischen Verhältnissen und ist nicht gewohnt an den vornehmen Lebensstil der Maudsleys. Da er der großen Schwester seines Freundes gefallen will, übernimmt er willig Botendienste für sie. Dabei handelt es sich um Briefe, die Marian, so der Name der jungen Frau, mit einem Bauern, der auf dem Land der Mausleys lebt und arbeitet, tauscht. Man schreibt das Jahr 1900 und so handelt es sich hier um eine verbotene Liebe. Marian soll einen Lord heiraten. Leo gerät ahnungslos in die Verwicklungen und das Drama, das sich daraus entwickelt. Instinktiv errät der naive Junge, das diese Beziehung nicht richtig ist und als er sich zurückziehen will, löst er eine Kette von Ereignissen aus.


    Wenn man das Buch zur Hand nimmt, sollte man sich bewusst sein, das es breites 1956 erschienen ist und im Jahre 1900 spielt. Die Sprache ist auf eine wunderschöne Art altmodisch und wunderbar zu lesen. Leo erzählt uns als Erwachsener rückblickend auf jenen Sommer und was er dort erlebte. Leo kommt aus nicht ganz so gehobenen Verhältnissen. Dessen ist er sich bewusst und er versucht schon als Kind, den Schein zu erwecken, er wäre etwas besser gestellt. Marcus, sein Freund, ist sich seiner Stellung schon sehr bewusst. Der Autor zeichnet ein sehr genau beobachtetes Bild der englischen Gesellschaft und ihrer Standesdünkel zu jener Zeit. Ein Cricketspiel zwischen den Brandham Hall und den örtlichen Dorfbewohnern zeigt uns einen Einblick in die feinen Unterschiede der beiden Schichten.


    „Ein Sommer in Brandham Hall“ erzählt uns die wehmütige Erinnerung von Leo an einen Ferienaufenthalt, der seine Kindheit beendete und sein Leben als Erwachsener beeinflusste. Man kann eintauchen in eine untergegangene Zeit mit all ihren komplizierten Verhaltensmechanismen und Kleiderordnungen und auch Dramen. Ich als England-Liebhaber habe dieses Buch genossen.

    Zuhause trage ich nie Kontaktlinsen. Wenn ich dann auf dem Balkon in der Sonne lese ziehe ich meine Brille aus und trage eine ganz normale Sonnenbrille. Zwar muss ich dann als Kurzsichtiger das Buch/Kindle ziemlich nahe ans Gesicht halten, aber das geht schon. Ich mache das sowieso oft, das ich komplett ohne Sehhilfe lese. Bei der Gleitsichtbrille muss ich den Kopf ja dauerhaft in einer bestimmten Haltung haben damit das klappt mit dem Lesen. Da finde ich es angenehmer, sie einfach auszuziehen. Wenn ich meine derzeitigen Linsen trage, brauche ich auch eine Lesebrille. Das mache ich, wenn ich z.B. in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit lese.


    Sobald meine normalten Kontaktlinsen aufgebraucht sind, werde ich mich an Gleichtsichtlinsen versuchen. Ich hatte schon mal welche zur Probe und ich konnte damit fantastisch lesen. Allerdings muss man entweder bei Nah oder Fern offensichtlich einen Kompromiss schließen. Ich konnte mit den Testlinsen nicht sehr gut in die Ferne schauen. Ich werde das dann nochmal austesten.

    Adam, Ulrika und ihre Tochter Stella sind eine normale Familie. Adam ist Pfarrer und Ulrika Anwältin. Eines Tages gerät ihr Leben aus den Ruder als ihre 19järige Tochter Stella wegen Mordes verhaftet wird.


    Erzählt wird die Geschichte aus den Blickwinkeln der drei Familienmitglieder. Den Anfang macht Adam. Von ihm bekommen wir viel Hintergrundinformation, z.B. aus der Zeit, als er und Ulrika sich kennenlernten. Adam ist schon aufgrund seines Berufes eine Vertrauensperson. Zuerst erschien er mir sympathisch, sehr um seine Familie bedacht, aber schon bald zeigen sich erste Risse und zwischen den Zeilen merkt man, dass irgendetwas nicht stimmt mit ihm.


    Der zweite Teil ist dann aus der Sicht von Stella. Er ist der interessanteste. Stella ist ein schwieriger Charakter. Das haben wir schon von Adam erfahren. Aber sie selbst weiß es auch und analysiert sich gerne selber. Wir erleben viele Situationen noch einmal aus ihrer Sicht. Wir sind nah bei ihr in der Untersuchungshaft. Interessant und erschreckend fand ich, wie das Justizsystem in Schweden funktioniert.


    Zum Schluss kommen wir dann zu Ulrika. Da sie Juristin ist, sieht sie vieles aus einem professionellen Blickwinkel. Auch mit ihr erleben wir einige Situationen noch einmal. Zum Glück ist ihr Teil der kürzeste, denn die vielen Wiederholungen, auch wenn sie sich in Details unterscheiden, beginnen doch, einen etwas repetitiven Charakter zu entwickeln. Allerdings wird es dann auch spannend, denn so langsam erfahren wir, was passiert ist und wer oder was dahintersteckt.


    Das Buch liest sich sehr angenehm. Ich war sehr schnell in der Geschichte drin. Ich würde es auch nur bedingt als Krimi einordnen, da es doch in erster Linie sehr um die Dynamik innerhalb der Familie geht. Interessant fand ich vor allem Stella und ihren etwas ungewöhnlichen Charakter. Die Spannung ist mäßig, die Erzählung fließt aber angenehm dahin. Es gelingt dem Autor auch, für jeden Teil und somit jede Person eine eigene Erzählstimme zu finden. Zum Schluss wird es dann doch nochmal richtig interessant.


    Mir hat „Die Lüge“ sehr gut gefallen. Es ist ein langsamer und mal anders gestrickter Krimi der viele interessante Fragen aufwirft.

    Klappentext

    Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau




    Der Autor

    Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Nach den Weltbestsellern »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« und »Die Geschichte der Baltimores«, die sich weltweit mehr als 6 Millionen mal verkauften, ist dies Joel Dickers dritter ins Deutsche übersetzte Roman. Für »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« bekam Dicker den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Seit seinem Erscheinen im März dieses Jahres steht »Das Verschwinden der Stephanie Mailer« auf Platz 1 der französischen Bestsellerliste.





    Ich liebe es, wenn mich ein Buch sofort ab der ersten Seite in seine Geschichte zieht und fesseln kann. Lange Einstiege oder erstmal seitenlanges Vorstellen der Personen und der Leben mag ich nicht. Hier geht es jedenfalls gleich los. Wir bekommen gleich einen Mord an 4 Menschen geschildert, der 1994 in einer kleinen idyllischen Stadt in den Hamptons geschah. Er wurde aufgeklärt von zwei jungen Polizisten. Einer von ihnen, Jesse Rosenberg, möchte nun, 20 Jahre später, in seinen vorzeitigen Ruhestand gehen. Er wird der Hundertprozentige genannt, denn er hat jeden Fall in seiner Karriere erfolgreich aufgeklärt. Umso erstaunter ist er, als sich auf seiner Pensionsfeier ihm eine junge Frau vorstellt und behauptet, dass er in seinem ersten Fall, dem besagten Vierfachmord, nicht den richtigen Täter gefunden hat. Das lässt Jesse keine Ruhe. Und so verbringt er seine letzten Tage im Dienst nicht mit Kaffeetrinken sondern dem Stöbern in alten Akten. Als dann die junge Frau spurlos verschwindet ist ihm klar, dass damals wirklich etwas schiefgelaufen ist.


    Joel Dicker hat mich vor einigen Jahren mit seinem Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ total umgehauen. Mir hat das Buch sensationell gut gefallen und ich habe es unzählige Male anderen Lesern aufgedrängt. Aus irgendwelchen undefinierbaren Gründen habe ich aber „Die Geschichte der Baltimores“ immer noch auf meinem SuB liegen. Als ich die ersten Seiten von „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ las, hat mich die Geschichte sogleich gefesselt. Er hat sich eine verzwickte und verschachtelte Geschichte ausgedacht, die es langsam aufzudröseln gilt. Dafür fährt er einiges Personal auf und macht immer wieder Zeitsprünge und wechselt die Perspektive. Leider übertreibt er manchmal etwas und ist auch nicht konsequent. Wenn z.B. über einem Kapitel „Jesse Rosenberg“ steht, so lesen wir nicht immer nur aus seiner Sicht. Es kann auch sein, das es Einschübe von anderen Personen gibt und wir lesen, was sie gerade machen obwohl Jesse das gar nicht wissen kann. Zudem schiebt er auch gerne kurze Rückblenden ein, wenn eine Person über die Vergangenheit redet. Anstatt in Interaktionen die Geschichte zu erzählen kommt plötzlich eine kurze Rückblende ins betreffende Jahr und wir erleben die Szene. Für mein Empfinden unterbrach es meinen Lesefluss und ich habe den Sinn nicht ganz verstanden. Die Story wird dadurch ein wenig sprunghaft. Im Laufe der Zeit wurde das manchmal etwas unübersichtlich und ich hatte auch Probleme, die vielen Personen, die mal mit Vornamen, mal mit Nachnamen oder, falls vorhanden, mit Titel bezeichnet werden auseinander zu halten (ein Tipp: es gibt ein Personenregister am Ende; dummerweise habe ich das erst nach der Hälfte des Buches gesehen).


    Ein richtiger Negativpunkt sind für mich aber tatsächlich die Dialoge. Sie klingen alle etwas aufgesetzt und es wird auch nicht wirklich richtig miteinander gesprochen. Zudem driften sie oft ins Komische ab. Sie sind flapsig und einige Figuren sind vollkommen überzeichnet und agieren fast satirisch. Das Buch hat ein ernstes Thema, Mord. Mehrere Menschen werden getötet und zuerst ist der Ton auch ernsthaft wie in den meisten Krimis. Aus mir unbekannten Grund lässt Dicker seinen Ton dann ins Comichafte umschlagen. Das hat mich etwas irritiert.


    Ich bin etwas zwiegespalten mit meiner abschließenden Meinung zu dem Buch. Die Story ist nicht schlecht und die ganzen Verwicklungen schwer zu durchschauen. Allerdings hatte ich gleich zu Anfang das richtige Gefühl, was die Polizei denn damals übersehen haben könnte. Das wiederrum macht Jesse und seinen Partner nicht zu den brillanten Ermittlern, als die sie das ganze Buch hindurch dargestellt werden. Im Grunde haben sie die ganze Zeit keinen Plan, wer wann wo was gemacht hat und lassen sich auch ständig überrumpeln. Sie erscheinen mir mehr chaotisch als gute Ermittler. Auch hat mich der über weite Teile unpassend flapsige Ton in den Dialogen etwas gestört. Trotzdem meiner Kritikpunkte lassen sich die über 600 Seiten leicht weglesen und machen es zu einem kurzweiligen Leseerlebnis. Für mich kommt dieses Buch aber nicht an „Harry Quebert“ heran.




    „Ein perfider Plan “ ist ein sehr unterhaltsamer Krimi, der mehr durch seine Rahmenhandlung fesselt als durch den Mordfall selber.


    Eine Frau regelt ihre eigene Beerdigung. Nur wenige Stunden später wird sie ermordet. Man könnte ihren Tod als Raubüberfall einordnen, wäre da nicht der seltsame Umstand, dass sie kurz vorher in einem Beerdigungsinstitut ihre eigene Beerdigung organisierte. Wusste sie etwa, dass sie sterben würde?


    Anthony Horowitz ist ein erfolgreicher Autor. Er macht sich zum Hauptakteur in dieser Geschichte. Bestimmt gab es schon vorher Autoren, die dieses Stilmittel verwendeten. Für mich war es das erste Mal, dass ich so ein Buch las. Und ich fand es unglaublich amüsant. Er wird also, mitten in Arbeiten zu anderen Büchern bzw Drehbüchern, von einem ehemaligen Polizisten kontaktiert, mit dem er vorher schon zu Recherchezwecken zusammen gearbeitet hat. Hawthorne ist von der Polizei zu den Ermittlungen im Fall des ungewöhnlichen Mordes hinzugezogen worden. Hawthorne findet diesen Fall interessant genug, das er Horowitz vorschlägt, er solle über ihn und seine Ermittlungen schreiben. Zuerst ist Horowitz nicht so angetan. True Crime ist nicht sein Ding und er hat auch so viel anderes zu schreiben. Aber irgendwie lässt ihn die Sache nicht los und so sagt er zu. So läuft er nun dem Ermittler hinterher. Dabei steigert er sich in einen kleinen inneren Wettstreit mit dem enigmatischen Hawthorne hinein. Es wurmt ihn ein bisschen, dass der Detektiv so gut ist und ihm nichts entgeht. Er als Autor von Kriminalgeschichten hat das Gefühl, immer einen Schritt hinterher zu hinken.


    Mehr noch als die Krimihandlung, die ein wenig auf der Stelle tritt, ist die Rahmenhandlung um Horowitz selber das interessantere. Er lässt uns ein wenig Teilhaben am Leben eines berühmten und gefragten Autors. Es werden berühmte Namen von Regisseuren und Schauspielern erwähnt und seine realen Arbeiten baut er geschickt in die Handlung ein. So werden wir Zeuge einen kurzen und leicht bizarren Treffens zwischen ihm und Steven Spielberg und Peter Jackson, das nicht so ganz läuft, wie er erhofft hatte.


    Wie ich schon sagte, ist es weniger die Krimihandlung als alles andere drum herum, was mir so gut gefallen hat. Zwar ist der Mordfall verzwickt und interessant genug und wartet mit einer Auflösung auf, die ungewöhnlich genug ist. Mit hat aber besonders gefallen, wie Horowitz sein Buch aufgebaut hat mit sich selbst als Hauptfigur. Und mit Hawthorne ist ihm eine sehr interessante Persönlichkeit gelungen. Das ist erst mein zweites Buch von Horowitz. Ich kannte bisher nur „Moriarty“ das mit recht gut gefallen hatte aber ihn mir als Autor trotzdem nicht in den Fokus gerückt hatte. Das hat sich nun geändert. Mir hat sein locker und leichter und sehr britischer Schreibstil gut gefallen und ich habe mich blendend unterhalten gefühlt.


    Ich habe die englische Originalausgabe "The Word Is Murder" gelesen. Inzwischen habe ich auch den Folgeband "The Sentence is Death" gelesen, der mir fast genau so gut gefallen hat.

    Joe Spain; Dirty Little Secrets; 2,5; englisch; E-Book

    Jo Baldwin; The Good Friend; 4,5; englisch; E-Book

    Jane Harper; The Lost Man; 1; englisch; E-Book, Monatshighlight

    Nualla Ellwood; Day Of The Accident; 3; englisch; E-Book

    Eugene Chirovici; Das Echo der Wahrheit; 3; E-Book

    Michelle Richmond; Der Pakt; 2

    Tana French; The Wych Elm; 2; englisch, dt. Der Dunkle Garten; E-Book

    Alex Michaelides; The Silent Patient; 1,5; englisch; E-Book

    Isabel Ashdown; Little Sister; 3,5

    Klappentext

    Sechzehn Jahre lang haben sich die Schwestern Jessica und Emily nicht gesehen. Jessica verließ nach einem tragischen Ereignis in ihrer Jugend das Elternhaus und brach den Kontakt ab. Erst auf der Beerdigung ihrer Mutter sehen sie sich wieder und nähern sich erneut an. Die Vergangenheit scheint vergessen, und Emily lädt Jessica ein, in ihrem Haus bei ihrer Familie zu wohnen. Doch als Emilys kleine Tochter Daisy verschwindet, während Jessica auf sie aufpassen sollte, brechen alte Wunden auf, und das schöne Leben, das Emily so sorgsam aufgebaut hat, gerät aus den Fugen …




    Die Autorin

    Isabel Ashdown wurde in London geboren und wuchs an der Küste von Sussex auf. Ihr preisgekrönter Roman »Glasshopper« wurde zweimal zum besten Buch des Jahres gewählt. Sie schreibt inzwischen hauptberuflich und setzt sich ehrenamtlich für die gemeinnützige Organisation Pets as Therapy ein. Sie ist derzeit Royal Literary Fund Fellow an der Universität von Chichester.





    Wieder mal ein Buch, das die komplizierteste alles menschlichen Beziehungen behandelt: die unter Familienmitgliedern. Hier geht es um zwei Schwester. Emily ist die ältere und dominantere. Jess, gerade mal ein Jahr jünger, ist die liebere und nettere Version von Emily. Sie betet ihre große Schwester geradezu an, während Emilys Gefühle eher an Hassliebe grenzen. Ein Vorfall in ihrer Jugend führte dazu, das Jess die Familie verließ und auch der Kontakt zu Emily einschlief. 16 Jahre haben sie sich nicht gesehen und gesprochen. Doch nun sind sie wieder vereint. Jess lebt derzeit bei Emily und ihrem Lebenspartner James und dessen Tochter aus erster Ehe. Dann verschwindet Emilys und James‘ gemeinsames Kind Daisy während Emily und James auf einer Party sind und ihr Baby in Jess‘ Obhut überlassen haben. Und damit beginnt der Niedergang von Emilys Familie.


    Die Handlung klingt vom Klappentext her spannend und das Thema, die toxische Beziehung zweier Schwestern, ist auch immer interessant. Jeder in diesem Buch hat Geheimnisse und wenig Probleme, zu lügen was das Zeug hält. Das macht keine einzige Figur in diesem Buch sympathisch. Vor allem Emily wird im Laufe des Buches immer abstoßender. Die Autorin hat einige Überraschungen eingebaut, nach und nach wird ein Geheimnis nach dem anderen aufgedeckt. Manches ist überraschend, manches erschreckend und manches kann man als geübter Thrillerleser auch kommen sehen. Das Buch lässt sich relativ gut und flüssig lesen, allerdings ist es stellenweise etwas langatmig. Man sollte also keinen Pageturner erwarten. Mir persönlich hat der etwas eigenwillige Schreibstil etwas Probleme gemacht. Ich empfand ihn als distanziert und teilweise auch sprunghaft. Er hatte so wenig von einer angenehmen Erzählform.


    Die erste Hälfte des Buches wird abwechselnd aus der Sicht von Emily und Jess erzählt. Wobei Jess‘ Kapitel in der Ich-Form sind und Emilys seltsamerweise in der dritten Person. In der zweiten Hälfte kommt noch eine weitere Person als Erzähler dazu. Allerdings unterscheidet sich keine der Personen im Stil von einander. Ich musste öfter mal gucken, welcher Name über dem Kapitel stand.


    Das ich keine der Figuren mochte, ist für mich kein Problem. Die Story ist gut, ein klassischer Psychokrimi. Mir hat leider der Erzählstil der Autorin überhaupt nicht zugesagt. Es hat mich dadurch nicht gepackt und ich war froh, als ich das Buch beendet hatte. Aber das lag nicht an der Geschichte oder den unsympathischen Charakteren, sondern einfach daran, dass ich es nicht gut erzählt fand. Paradoxerweise habe ich das Buch aber zügig weggelesen. Ich befinde mich in einem merkwürdigen Zwiespalt mit meiner Bewertung. Ich würde der Story 4 Sterne geben, dem Schreibstil aber nur allerhöchstens aufgerundet 2 Sterne. Auf jeden Fall würde ich aber kein weiteres Buch der Autorin kaufen.




    Klappentext

    Toby Hennessy, 28, führt ein unbeschwertes Leben in Dublin. Bis er eines Nachts in seiner Wohnung brutal zusammengeschlagen wird. Toby überlebt nur knapp, kann sich nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen. Er flüchtet sich in das »Efeuhaus« – das alte Anwesen der Familie, wo er sich um seinen sterbenden Onkel Hugo kümmern soll. Doch der dunkle Garten des Hauses birgt ein schreckliches Geheimn



    Die Autorin

    »Pflichtlektüre für alle, die unnachgiebige Intelligenz und raffinierte Plots zu schätzen wissen«, sagt die New York Times über Tana French. Die irische Autorin wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet; ihre Romane und ihre Kriminalliteratur stehen weltweit auf den Bestsellerlisten. Tana French wuchs in Irland, Italien und Malawi auf. Sie absolvierte eine Schauspielausbildung am Trinity College und arbeitete für Theater, Film und Fernsehen. Mit ihrer eindrücklichen Sprache zeichnet sie markante Porträts der irischen Gesellschaft und schaut tief in die Seelen von Tätern, Opfern, Ermittlern. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im nördlichen Teil von Dublin.





    Tana French liefert diesmal keinen Polizeikrimi ab. In ihren anderen Büchern standen immer Detektives im Vordergrund. Ihr Privatleben und ihre Arbeit an einem komplizierten Fall waren das Herzstück ihrer Geschichten. Hier gibt es zwar auch Polizisten, aber die bleiben weitgehend Randfiguren. In diesem Buch steht ein junger Mann, Toby, im Mittelpunkt, und er ist kein Polizist. Zwar ist auch Toby mit all seinen Fehlern ein sehr realer Charakter, aber er ist wesentlich uninteressanter als alle Figuren, die Frenchs Bücher bisher bevölkerten und auch ausmachten.


    Toby geht leichtfüßig und sorglos durch die Welt. Ihm ist bisher alles in den Schoß gefallen. Er ist gutaussehend, seine Eltern sind gut situiert, er hat eine liebende Familie und einen guten Job. Er war beliebt in der Schule, findet überall Anschluss, hat eine reizende Freundin. Oberflächlich gesehen scheint er ein netter Kerl zu sein. Und das denkt er von sich auch. Aber er hat kleinliche Standesdünkel, ist ignorant und selbstzentriert, oberflächlich und von seinem eigenen gottgegebenen Charme völlig überzeugt. Er konnte sich bisher aus jeder Situation erfolgreich herausreden. In diesem Wissen um sein sonniges Gemüt ruht er selbstverliebt in sich selber. Bis er eines Abends in seiner Wohnung überfallen wird und nur knapp überlebt. Er behält ein paar körperliche Einschränkungen zurück. Vor allem sein Gedächtnis macht ihm Probleme. Dieser Vorfall wirft ihn total aus der Bahn und lässt ihn schwer traumatisiert zurück. Da er arbeitsunfähig ist, erklärt er sich bereit, sich um seinen sterbenden Onkel zu kümmern. Im Efeuhaus, wie das Haus seines Onkels genannt wird, hat er als Kind und Jugendlicher zusammen mit seinen Cousins viel Zeit verbracht. Eines Tages wird in einem alten Baum ein Skelett gefunden. Das bringt die Polizei auf den Plan.


    Die Handlung des Buches ist im Grunde rasch erzählt. Tana French ist nun nicht dafür bekannt, kurz und knapp zu schreiben. Ihren Erzählstil muss man mögen, denn er ist langsam und sehr ausführlich. Dabei kann sie aber so gut schreiben, vor allem auch Dialoge, das man ihr gerne über viele Seiten folgt und über Dinge liest, die im Grunde nicht besonders wichtig sind für die Grundhandlung, aber einfach viel erzählen, ergründen und die Seiten nur so verfliegen lassen. Aber um es nochmal deutlich zu sagen: Das Buch ist extrem dick. Die Geschichte um das Skelett kommt erst sehr spät ins Spiel. Es geht um viele andere Dinge, die Krimihandlung, nämlich wer ist der Tote, wie er in den Baum kam und wer dafür verantwortlich ist, ist zwar wichtig und wird auch geklärt, aber sehr langsam, sehr spät im Buch und nach vielen vielen Seiten. Man muss sich bei diesem Buch auf langsame, dialoglastige Geschichten, Familienkram und Charaktere, die viel Nabelschau betreiben, einstellen. Mehr noch als ein Krimi ist das Buch eine Charakterstudie. Toby wird vom selbstbewussten Golden Boy von einen Tag zum anderen zu einem Schatten seiner selbst. Der Überfall verursacht eine starke Persönlichkeitsveränderung. Er verliert sich selber und weiß nicht mehr, wer er ist. Denn alles, was er vorher war, wie er sich fühlte und agierte, hat sich verändert. Diesen Vorgang erleben wir in aller Länge als Leser mit.


    Die Krimihandlung ist leidlich interessant. Der Kreis der Personen ist übersichtlich, aber French fährt ein paar Twists auf, wie es dazu kam, das die Leiche eines Schulfreund von Toby im Garten des Efeuhauses landete. Interessanter ist hier eher, wie unterschiedlich die Erinnerungen sind, die Toby und seine Cousins von ihrer Schulzeit haben. Toby ist nicht nur durch seine Gedächtnisprobleme ein unzuverlässiger Erzähler. Er ging vor dem Überfall mit einer Sorglosigkeit und Ignoranz für anderer Menschen Probleme durch den Tag, das ich mich echt gewundert habe, warum ihn überhaupt jemand mochte. Toby ist ein flacher Charakter aber auch nicht gänzlich uninteressant. Er ist kein richtig typischer Unsympath oder A****loch. Und trotzdem ist er kein Sympathieträger.


    Ich finde dieses Buch sehr schwer zu bewerten. Ich bin ein großer Tana French Fan und ich habe auch dieses Buch gerne und trotz seines Umfangs recht zügig gelesen. Ich bin über weite Teile durch das Buch geflogen, einfach weil es sich so gut weglesen lässt. Aber ein wenig Straffung hätte ihm gutgetan. Oft geht es einfach zu sehr ins Detail. Muss wirklich erwähnt werden, dass jemand während eine Spaziergangs ein weggeworfenes Schokoladenpapier vom Weg aufhebt? Einfach so, ohne jeden Zusammenhang und weitere Erwähnung:unverstanden. Das mag was über den Charakter der Figur aussagen in dem Moment, das bei allem, wozu er/sie fähig ist, sich doch über die Umwelt Sorgen macht. Aber brauchte es das wirklich? Vor allem, wenn solche Dinge öfters vorkommen. Ich habe glaube ich noch nie so viel übers Rauchen gelesen. Wie man sich dabei bewegt, dass man den Rauch ausbläst, wo der Aschenbecher steht, wer das Feuerzeug hat etc. Das erschafft zwar ein plastisches Bild, aber es füllt auch einfach sehr viele Seiten mit drittrangiger Information.



    Ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe. Es hat mich unterhalten. Es hat mir auch etwas besser gefallen als ihr letztes Buch „Gefrorener Schrei“. Ich werde auch auf jeden Fall Tana Frenchs nächstes Buch lesen



    Ich habe die englische Originalversion "The Wych Elm" gelesen.