Beiträge von Darcy

    Englischer Originaltitel: And So It Begins



    Klappentext


    Wer soll dir glauben, wenn der einzige Zeuge tot ist?

    Nach dem schrecklichen Tod von Marks erster Frau war es Evie, die ihn zurück ins Leben brachte. Die beiden sind verliebt, sie haben eine kleine Tochter und leben zusammen in Marks wunderschönem Haus am Meer. Alles wirkt perfekt. Doch ist es das wirklich? Plötzlich scheint Evie immer öfter kleine Unfälle zu haben, hat immer wieder Verletzungen und blaue Flecke. Ist Mark dafür verantwortlich? Evies Freunde beginnen, sich Sorgen zu machen. Und eines Nachts wird Sergeant Stephanie King zu dem Haus am Meer gerufen und entdeckt im Schlafzimmer zwei Körper in blutgetränkten Laken …



    Die Autorin


    Rachel Abbott, geboren und aufgewachsen in Manchester, leitete viele Jahre als Systemanalytikerin ihre eigene kleine Softwarefirma. 2011 veröffentlichte sie ihren ersten Roman als Selfpublisherin und landete damit auf Anhieb einen Riesenerfolg. Seither führen ihre Romane regelmäßig die E-Book-Bestsellerlisten in Großbritannien und den USA an. Heute lebt Rachel Abbott abwechselnd in Italien und in ihrem Haus auf der Kanalinsel Alderney, wo sie auch ihre Romane schreibt.




    Schwierig, schwierig. Im Grunde haben wir hier einen soliden Thriller. Beide weiblichen Hauptfiguren sind schwierige Charaktere. Keine von beiden ist sympathisch oder erschien mir als Leser eine verlässliche Erzählerin. Evie ist mit dem Fotografen Mark North zusammen. Die beiden haben eine kleine Tochter. Marks Schwester Cloe ist nahezu krankhaft auf Mark fixiert. Sie will ihn beschützen und seine Karriere als Künstler fördern. Sie betreibt seine Galerie und managt seine Aufträge. Natürlich ist keine Frau gut genug für ihren Bruder. Weder seine erste Frau, die bei einem tragischen Unfall ums Leben kam, noch Evie. Evie hat sich seine Bekanntschaft erschlichen. Soviel ist uns Lesern gleich klar. Warum und was sie beabsichtigt, wird erst sehr spät deutlich. Evie erleidet immer mal wieder Unfälle. Sie klemmt sich die Hand, verbrüht sich usw. Und diese Unfälle passieren immer, wenn Mark wegen einem Auftrag vereisen muss. Auch Marks erste Frau starb kurz nachdem er das Haus für eine Reise verlassen hat. Ist Evie ungeschickt oder steckt mehr hinter diesen Unfällen? Ist gar Mark dafür verantwortlich?


    Das Buch beginnt damit, dass die Polizistin Stephanie zu einem Tatort gerufen wird. Diesen Tatort kennt sie bereits. Es handelt sich um das Haus von Mark Frost. Damals musste sie dorthin, weil seine Frau einen tödlichen Sturz erlitten hatte. Nun findet sie zwei blutüberströmte Körper vor. Mark ist tot aber Evie lebt noch. Und sie gibt zu, Mark getötet zu haben.


    Ich fürchte, meine Zusammenfassung, in Anlehnung an den Klappentext, klingt spannender, als das Buch dann tatsächlich ist. Das Problem hier ist definitiv die Erzählweise. Es ist weder spannend geschrieben noch weckt die Autorin Interesse an ihren Figuren. Dabei sind im Grunde, und vor allem, nachdem man das Ende kennt, beide Frauenfiguren nicht uninteressant. Aber der unterkühlte und distanzierte Schreibstil lässt zu keinem Zeitpunkt eine Verbundenheit mit den Figuren aufkommen. Beide Frauen erschienen eher immer unsympathischer je besser man sie kennenlernt. Am sympathischsten ist noch die Ermittlerin Stephanie, aber sie nervt mit ihrem Liebeschaos mit ihrem Kollegen (der wie ein totales A***loch rüberkommt und man sich die Haare raufen möchte, warum sie sich nach ihm verzehrt).


    Die Story wird in zwei Teilen erzählt. Zuerst wird die Geschichte um Evie, Mark und Cloe aufgebaut. Im zweiten Teil dann geht es um die Gerichtsverhandlung. Ich hatte am Anfang Probleme, in die Story hineinzufinden. Der Schreibstil ist sehr unterkühlt und auch sehr langsam. Es wird etwas besser während der Gerichtsverhandlung. Auch gegen Ende kam endlich eine gewisse Spannung auf. Allerdings kommt das Ende dann irgendwie aufgesetzt rüber.


    Ich empfand das Buch gleich von Anfang an als nicht besonders spannend und habe mich ein wenig gequält. Thriller rund um Erzähler, denen man nicht trauen kann, gibt es zuhauf. Die Autorin lässt uns Leser leider hier zu sehr auf Distanz und ihre Charaktere sind zwar interessant aber sie verkauft sie uns einfach zu unsympathisch und zu unterkühlt. Mir hat hier einfach Spannung, das Mitfiebern und Miträtseln gefehlt. Ich war nie drin in der Geschichte. Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und auch schon viele gute Kritiken über das englische Original gelesen. Leider hat mich dann aber das Buch nicht überzeugen können.






    Klappentext



    Eine abgelegene Ferienhütte am See in den Wäldern New Hampshires: Hier wollen Eric und Andrew gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Adoptivtochter Wen eine Woche Urlaub machen. Kein Smartphone, kein Internet – nur Ausspannen und Zeit mit der Familie verbringen. Mit der Idylle ist es dann aber schnell vorbei, als eines Tages vier merkwürdige, bis an die Zähne bewaffnete Gestalten auftauchen. Sie versprechen, die junge Familie nicht zu verletzen. Sie sagen, dass sie Hilfe brauchen. Doch die vier verbergen ein dunkles Geheimnis und für Eric, Andrew und Wen beginnt der schlimmste Albtraum ihres Lebens ...




    Der Autor


    Paul Tremblay hat den Bram Stoker, Britisch Fantasy und Massachusetts Book Award gewonnen und ist Autor zahlreicher Romane, Essays und Kurzgeschichten, die in Los Angeles Times, Entertainment Weekly online und »Year’s Best«-Anthologien erschienen sind. Er hat einen Master-Abschluss in Mathematik, und lebt mit seiner Familie außerhalb von Boston.





    Die achtjährige Wen macht mit ihren beiden Vätern in einer einsamen und idyllischen Holzhütte Urlaub. Sie spielt vor dem Haus, fängt Grashüpfer. Plötzlich kommt ein Mann durch den Wald auf sie zu. Ihre Väter sitzen hinter dem Haus auf der Terrasse. Sie weiß dass sie nicht mit Fremden reden soll. Aber dieser große Mann erscheint ihr freundlich und sanftmütig. Zudem zeigt er Interesse an ihrem Tun und fängt mit ihr zusammen weitere Grashüpfer. Doch plötzlich kommen drei weitere Fremde aus dem Wald, in ihren Händen halten sie seltsame Waffen. Und Wens neuer Freund erklärt ihr, dass sie nun mit ihren Vätern reden müssen. Denn nur sie können die Welt retten.


    Paul Tremblay ist ein unheimlicher Anfang gelungen. Der Fremde erscheint nett und ehrlich und doch wissen wir als Leser und Erwachsener, dass wir ihm nicht trauen sollten. Schon kurz danach dringen er und seine Begleiter in die Hütte der Familie ein und konfrontieren sie mit einer unglaublichen Geschichte.


    Dieser Anfang wird in recht kindlicher und einfacher Sprache aus der Sicht von Wen erzählt. Leider behält der Autor diesen übererklärenden und einfachen Schreibstil den Rest des Buches bei, egal aus welcher Sicht er gerade schreibt. Er wählt gleichzeitig eine sehr erzählende Schreibweise. Ein Teil der Handlung passiert, aber vieles wird auch einfach nur erzählt, in Rückblenden und dergleichen. Und alles klingt, als würde ein Kind es erzählen. Das hat mich etwas gestört. Trotzdem entfaltet diese bizarre Geschichte einen gewissen Sog und man möchte wissen, was es mit allem auf sich hat. Dabei leidet man mit der armen Familie, die unter diesen Eindringlichen leiden muss, mit. Was Realität ist oder die Phantasie kranker Menschen bleibt dahingestellt. Das Ende hat mich nicht ganz befriedigt. Ich hätte noch mit einer Überraschung gerechnet.


    Ich bin etwas zwiegespalten. Es handelt sich hier nicht um einen Gruselthriller oder spannungsgeladenen Mysterythriller. Der Horror ist sehr subtil und wird durch die kindliche Schreibweise schwer greifbar. Das Buch ist kurz und lässt sich schnell weglesen, weist aber in seiner detaillieren Beschreibung trotzdem gewisse Längen auf. Dies ist mein drittes Buch von Paul Tremblay. Sein erstes Buch „Head Full Of Ghosts“ hat mich überzeugen können. Die Geschichte ist mir lange nachgegangen und hat im Nachhinein meine Meinung darüber noch einmal verbessert. Sein zweites Buch fand ich dagegen unfassbar langweilig. „Das Haus am Ende der Welt“ lässt mich etwas unentschlossen zurück. Ich denke, dass ich genau wie bei seinem ersten Buch eine gewisse Nachwirkung erleben werde. Diese Geschichte werde ich so schnell nicht vergessen. Es hat mich aber trotzdem nicht restlos überzeugen können, vor allem wegen seiner Schreibweise und dem schwachen Ende. Viele Fragen werden nicht beantwortet. Aber es ist ein ungewöhnliches Buch, anders, auf subtile Weise beängstigend und doch irgendwie nur halbherzig. Ich werde den Autor aber weiterhin im Auge behalten.







    Dieser historische Roman, der zwischen 1925-1937 spielt, nimmt uns mit nach Kenia. Der 14jährige Theo kommt aus Schottland mit seiner Familie in dieses flirrend heiße afrikanische Land und seinen betörenden Düften. Theo hat ein schwieriges Verhältnis zu seiner Mutter. Dafür steht er seiner jüngeren Schwester Maud sehr nahe. Während sie in Nairobi sind macht der Junge die Bekanntschaft eines jungen Paares. Freddie und Sylvie sind in seinen Augen die schönsten Menschen, die er je gesehen hat. Ihr glamouröser und hedonistischer Lebensstil macht auf ihn großen Eindruck. Erstaunlicherweise wollen diese beiden schillernden Menschen ihn tatsächlich um sich haben. Freddie nimmt sich seiner an und auch Sylvie findet Gefallen an seiner offensichtlichen Verehrung. Sie zeigen ihm ihr eigenes persönliches Afrika und vor allem zeigen sie ihm alles, was Spaß macht.


    Nach seinem Studium in Schottland reist Theo zurück nach Kenia um seinen Vater bei seiner Arbeit bei der Eisenbahn zu helfen. Theo weiß nicht so recht, was er machen soll mit seinem Leben und freut sich darauf, jetzt endlich Freddie und vor allem Sylvie als ebenbürtiger Erwachsener wiederzusehen. Doch die Zeit ist nicht stehengeblieben in Afrika. Die Partys sind vorbei und die Ausschweifungen haben ihre Spuren hinterlassen. Zudem ist auch in Afrika durch seine Exilanten die europäische Politik und mit ihr der Faschismus angekommen. Freddie engagiert sich politisch und Sylvie versinkt in düsterer Melancholie. Ein Teil der Happy Valley Clique ist weggezogen, älter und ruhiger geworden oder sterben an den Folgen ihrer Alkohol- und Drogensucht. Maud, Theos Schwester, engagiert sich zuerst für die Rechte der Einheimischen, später dann für den Schutz der Elefanten, die wegen ihrem Elfenbein von geldgierigen Europäern abgeschlachtet werden. Theo wollte das Leben, in das er reinschnuppern konnte, selber leben, aber die Zeit ist an ihm vorbeigezogen.


    Als junge Frau las ich „Weißes Verhängnis“ und bin seitdem fasziniert von der Happy Valley Clique. Ein Haufen weißer, reicher Menschen ließ sich in Kenia nieder, weil sie dachten, ihnen stände ein Leben zu das es so nicht mehr gibt in ihrem Heimatland. Dort konnten sie sich überlegen fühlen und sich Diener für jeden Handgriff zulegen. So hatten sie Zeit für dekadente Partys mit Sex, Drogen und Alkohol. Die Autorin bedient sich hier realer Charaktere. Nur die Namen vorn Freddie und Sylvie sind verändert. Eigentlich hätte sie auch diese Namen behalten können, denn wer dahintersteckt ist leicht herauszufinden. Ein wenig hat sie noch ihre Lebensläufe verändert, damit sie zu ihrer Story passen. Sie erzählt das Leben dieser Menschen, die ihren Platz im Leben nicht mehr finden konnten, da nach dem 1. Weltkrieg nichts mehr so war wie sie es kannten, durch die erfundene Figur des jungen Theo. Der bleibt weitgehend etwas blass, aber dafür sind alle anderen Figuren um ihn herum umso schillernder.


    Mir hat gefallen, dass die Autorin nicht nur einfach die Geschichte dieser Menschen noch einmal erzählt, sondern dass sie auch die Probleme, die das Kolonisieren mit sich bringt, aufzeigt. Das Buch lässt sich angenehm lesen und die Beschreibungen von Landschaft, Gerüchen und Tieren sind sehr gut gelungen. „Kenia Valley“ ist eine Mischung aus „Weißes Verhängnis“ (ohne den Mordfall), „Jenseits von Afrika“ und „Der Große Gatsby“. Wer an dieser Zeit, der Kolonialisierung und dem Happy Valley Set interessiert ist, sollte sich dieses Buch einmal anschauen. Mir hat es Lust gemacht, noch mehr über diese Zeit zu lesen.

    Englischer Originaltitel: Our Kind Of Cruelty



    Klappentext

    Mike und Verity sind das perfekte Paar. Und um seine Traumfrau glücklich zu machen, hat Mike nicht nur einen gut bezahlten Job angenommen, sondern auch ein wunderschönes Haus gekauft. Er würde alles für sie tun. Auch wenn das bedeutet, dass sie manchmal grausame Spiele spielen. Doch plötzlich trennt Verity sich von ihm und verliebt sich in einen anderen Mann. Mike wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Sie antwortet nicht auf seine Anrufe und auch nicht auf seine Nachrichten. Aber dann wird ihm etwas klar: Ein neues Spiel hat begonnen und er muss Verity nun beweisen, wie weit er wirklich gehen kann …



    Die Autorin


    Araminta Hall arbeitet als Journalistin, Lehrerin und Autorin. Derzeit unterrichtet sie Kreatives Schreiben in Brighton, wo sie auch mit ihrem Mann und ihren drei Kindern lebt. The Couple ist ihr erster Roman bei Heyne.





    Mike und Verity sind seit 9 Jahren ein Paar. Sie leben ein wenig in ihrer eigenen Welt. Sie kennen sich sehr gut, haben ihre eigene geheimen Zeichen und ein erfülltes Sexualleben, das sie mit einem kleinen Spielchen gelegentlich aufpeppen. Die beiden gehen dann in einen Club, Verity stellt sich alleine an die Bar und wartet darauf, dass ein anderer Mann sie anspricht und mit ihr flirtet. Dann benutzt sie eines der geheimen Zeichen und Mike kommt und „rettet“ sie. Dieses Spiel macht die beiden unheimlich an. Sie nennen es „Crave“ – Gier. Mike geht aus beruflichen Gründen für eine Weile nach Amerika und die beiden führen eine Fernbeziehung. Als Mike nach einer alkoholisierten Feier mit einer anderen Frau schläft, ist es für ihn selbstverständlich, Verity davon zu erzählen. Aber zu seinem Entsetzten beendet sie sofort die Beziehung zu ihm. Mike ist verzweifelt aber schon bald ist er davon überzeugt, dass das nur eine Bestrafung ist und Verity ihn prüft. Auch als Verity einige Monate später jemanden anderen heiraten möchte, ist für Mike klar, dass es sich dabei um eine andere, krassere Form ihres Crave-Spiels handelt. Und nun ist es an ihm, das Spiel mitzuspielen.


    Die Story wird konsequent aus Mikes Sicht erzählt. Es ist mehr ein innerer Monolog. Die Rahmenhandlung ist, dass Mike im Gefängnis sitzt (warum wissen wir noch nicht) und für seinen Anwalt seine Geschichte aufschreibt. So sind wir immer nahe an Mike. Aber er ist ein nicht besonders vertrauenswürdiger Erzähler und schon bald wurde er mir unheimlich. Seine Liebe zu Verity ist obsessiv und seine Interpretation der Dinge, die um ihn herum geschehen, ist mehr als phantasievoll. Mike hatte eine schwere Kindheit, seine Mutter war alkoholkrank und er wurde stark vernachlässigt. Viele unschöne Dinge hat er einfach verdrängt und tut es auch noch heute. Aber da er uns ja freimütig alles erzählt, werden wir auch Zeuge seiner gänzlich fehlenden Empathie und seiner unfassbar innovativen Sicht der Dinge. Er denkt, dass er Verity besser kennt als sie sich selber und auch als einziger weiß, was gut für sie ist. Seine Obsession trägt deutlich krankhafte Züge. Er interpretiert Situationen offensichtlich immer anders als alle anderen um ihn herum. Trotzdem kann man viel an seinem Verhalten auch nachvollziehen und im Laufe der Zeit kamen bei mir auch Zweifel auf, was da wirklich vor sich ging. Einige der Dinge, die zwischen ihm und Verity während ihrer Beziehung abliefen, kennt man vielleicht selber. Die Fixierung auf den Partner, das Gefühl, das kein anderes Paar so ist wie man selber oder niemand eine so tolle Verbindung hat. Vielleicht sogar kleine Spielchen, instinktiv verstehen, was der Partner fühlt oder auch Dinge, die einen sexuell anmachen und die man nur mit diesem Partner teilt. All die kleinen Dinge, die zwischen einem Paar laufen und von denen niemand weiß oder sie verstehen würde. Der Grad bei Mike, ob es vielleicht doch anders sein könnte, er sich nur alles einbildet, ist manchmal schmal und manchmal eben auch nicht.


    Im Nachwort erklärt die Autorin, das sie bewusst nur Mikes Sichtweise schildern wollte. Für sie ist das wichtigste an einem Psychothriller nicht der Plot sondern die Psychologie. Ich war sofort gefangen von Mikes innerem Monolog. Für einige Thrillerleser mag die die Story zu langsam oder auch zu handlungsarm sein und diesen Lesern wird das Buch wahrscheinlich nicht gefallen. Ich war von Mikes innerer Gedankenwelt jedenfalls von der ersten Seite an gefangen. Mike ist ein sehr gestörter, deformierter Charakter und ich fand es faszinierend, seine Gedanken zu lesen. Dank Verity hat er Verhaltensmuster erlernt, zu denen er alleine nicht fähig gewesen wäre. Sie hat ihm oft die Welt erklärt und wie man sich in bestimmten Situationen verhält. Nach der Trennung fehlt sie ihm um ihm zu sagen, wie er weitermachen soll. Seine extreme Fixierung auf sie hat ihr einst geschmeichelt, wurde aber erdrückend und nun ist es eher unangenehm. Aber für Mike gibt es kein Leben ohne Verity und er ist sicher, dass sie auch nicht ohne ihn leben kann.


    Am Schluss des Buches bleibt ein winzig kleiner Zweifel, was passiert ist. Man muss sich als Leser eine eigene Meinung bilden und ich habe das Gefühl, das mir als Leser bewusst Informationen vorenthalten wurden durch die einseitige Erzählform. Wir wissen nicht mehr als Mike, haben alles durch Mikes Augen gesehen aber wir können ihm nicht trauen. Das machte für mich einen zusätzlichen Reiz aus. Manchmal ist sein Monolog ein wenig anstrengend und repetitiv. Aber ich fand es durchgängig fesselnd und das Buch las sich durch seinen angenehmen Fluss fast von alleine. Und fast wie nebenbei zeigt uns die Autorin auch noch mit großer Wucht, wie ungleich Männer und Frauen immer noch vor dem Gesetz wahrgenommen werden.




    Prompt habe ich heute doch ein Buch gefunden, das mich interessiert. Ich habe "Kenia Valley" angefragt und auch innerhalb von 2 Stunden die Freigabe von Hoffmann und Campe erhalten. Darüber habe ich mich gefreut. Das Cover ist auch so schön aber leider hat man da ja nichts von beim Kindle und NetGalley.

    Ich schaue natürlich auch wieder, wie jedes Jahr zusammen mit meiner Tochter. Sie ist extra aus England gekommen, damit wir gemeinsam schauen und abfeiern können. Aber wir geben es uns richtig und gucken auch die Halbfinale. Am Dienstag war es schon mal schön schräg. Und heute abend kommt das Zweite. Ich freue mich schon drauf:S

    „Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, man macht die Dinge anders dort“.

    Leo Colston findet beim Aufräumen eine alte Schachtel mit Erinnerungsstücken. Leo ist Anfang 60 und die Schachtel weckt Erinnerungen in ihm an seine Kindheit. Als er 12 war verlebte er einen Sommer bei einem Freund aus seinem Internat und dessen Familie in Brandham Hall, einem Landhaus in Norfolk. Leo kommt aus mittelständischen Verhältnissen und ist nicht gewohnt an den vornehmen Lebensstil der Maudsleys. Da er der großen Schwester seines Freundes gefallen will, übernimmt er willig Botendienste für sie. Dabei handelt es sich um Briefe, die Marian, so der Name der jungen Frau, mit einem Bauern, der auf dem Land der Mausleys lebt und arbeitet, tauscht. Man schreibt das Jahr 1900 und so handelt es sich hier um eine verbotene Liebe. Marian soll einen Lord heiraten. Leo gerät ahnungslos in die Verwicklungen und das Drama, das sich daraus entwickelt. Instinktiv errät der naive Junge, das diese Beziehung nicht richtig ist und als er sich zurückziehen will, löst er eine Kette von Ereignissen aus.


    Wenn man das Buch zur Hand nimmt, sollte man sich bewusst sein, das es breites 1956 erschienen ist und im Jahre 1900 spielt. Die Sprache ist auf eine wunderschöne Art altmodisch und wunderbar zu lesen. Leo erzählt uns als Erwachsener rückblickend auf jenen Sommer und was er dort erlebte. Leo kommt aus nicht ganz so gehobenen Verhältnissen. Dessen ist er sich bewusst und er versucht schon als Kind, den Schein zu erwecken, er wäre etwas besser gestellt. Marcus, sein Freund, ist sich seiner Stellung schon sehr bewusst. Der Autor zeichnet ein sehr genau beobachtetes Bild der englischen Gesellschaft und ihrer Standesdünkel zu jener Zeit. Ein Cricketspiel zwischen den Brandham Hall und den örtlichen Dorfbewohnern zeigt uns einen Einblick in die feinen Unterschiede der beiden Schichten.


    „Ein Sommer in Brandham Hall“ erzählt uns die wehmütige Erinnerung von Leo an einen Ferienaufenthalt, der seine Kindheit beendete und sein Leben als Erwachsener beeinflusste. Man kann eintauchen in eine untergegangene Zeit mit all ihren komplizierten Verhaltensmechanismen und Kleiderordnungen und auch Dramen. Ich als England-Liebhaber habe dieses Buch genossen.

    Wer macht bei der Netgalley-Challenge 2019 mit?

    Es gibt eine Auswahl aus 21 Titeln, die bei Teilnahme sofort heruntergeladen werden können.


    Ich habe mich soeben angemeldet.

    Irgendwie finde ich auf der deutschen Seite selten Bücher die mich interessieren :(

    Zuhause trage ich nie Kontaktlinsen. Wenn ich dann auf dem Balkon in der Sonne lese ziehe ich meine Brille aus und trage eine ganz normale Sonnenbrille. Zwar muss ich dann als Kurzsichtiger das Buch/Kindle ziemlich nahe ans Gesicht halten, aber das geht schon. Ich mache das sowieso oft, das ich komplett ohne Sehhilfe lese. Bei der Gleitsichtbrille muss ich den Kopf ja dauerhaft in einer bestimmten Haltung haben damit das klappt mit dem Lesen. Da finde ich es angenehmer, sie einfach auszuziehen. Wenn ich meine derzeitigen Linsen trage, brauche ich auch eine Lesebrille. Das mache ich, wenn ich z.B. in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit lese.


    Sobald meine normalten Kontaktlinsen aufgebraucht sind, werde ich mich an Gleichtsichtlinsen versuchen. Ich hatte schon mal welche zur Probe und ich konnte damit fantastisch lesen. Allerdings muss man entweder bei Nah oder Fern offensichtlich einen Kompromiss schließen. Ich konnte mit den Testlinsen nicht sehr gut in die Ferne schauen. Ich werde das dann nochmal austesten.

    Adam, Ulrika und ihre Tochter Stella sind eine normale Familie. Adam ist Pfarrer und Ulrika Anwältin. Eines Tages gerät ihr Leben aus den Ruder als ihre 19järige Tochter Stella wegen Mordes verhaftet wird.


    Erzählt wird die Geschichte aus den Blickwinkeln der drei Familienmitglieder. Den Anfang macht Adam. Von ihm bekommen wir viel Hintergrundinformation, z.B. aus der Zeit, als er und Ulrika sich kennenlernten. Adam ist schon aufgrund seines Berufes eine Vertrauensperson. Zuerst erschien er mir sympathisch, sehr um seine Familie bedacht, aber schon bald zeigen sich erste Risse und zwischen den Zeilen merkt man, dass irgendetwas nicht stimmt mit ihm.


    Der zweite Teil ist dann aus der Sicht von Stella. Er ist der interessanteste. Stella ist ein schwieriger Charakter. Das haben wir schon von Adam erfahren. Aber sie selbst weiß es auch und analysiert sich gerne selber. Wir erleben viele Situationen noch einmal aus ihrer Sicht. Wir sind nah bei ihr in der Untersuchungshaft. Interessant und erschreckend fand ich, wie das Justizsystem in Schweden funktioniert.


    Zum Schluss kommen wir dann zu Ulrika. Da sie Juristin ist, sieht sie vieles aus einem professionellen Blickwinkel. Auch mit ihr erleben wir einige Situationen noch einmal. Zum Glück ist ihr Teil der kürzeste, denn die vielen Wiederholungen, auch wenn sie sich in Details unterscheiden, beginnen doch, einen etwas repetitiven Charakter zu entwickeln. Allerdings wird es dann auch spannend, denn so langsam erfahren wir, was passiert ist und wer oder was dahintersteckt.


    Das Buch liest sich sehr angenehm. Ich war sehr schnell in der Geschichte drin. Ich würde es auch nur bedingt als Krimi einordnen, da es doch in erster Linie sehr um die Dynamik innerhalb der Familie geht. Interessant fand ich vor allem Stella und ihren etwas ungewöhnlichen Charakter. Die Spannung ist mäßig, die Erzählung fließt aber angenehm dahin. Es gelingt dem Autor auch, für jeden Teil und somit jede Person eine eigene Erzählstimme zu finden. Zum Schluss wird es dann doch nochmal richtig interessant.


    Mir hat „Die Lüge“ sehr gut gefallen. Es ist ein langsamer und mal anders gestrickter Krimi der viele interessante Fragen aufwirft.

    Klappentext

    Es ist der 30. Juli 1994 in Orphea, ein warmer Sommerabend an der amerikanischen Ostküste: An diesem Tag wird der Badeort durch ein schreckliches Verbrechen erschüttert, denn in einem Mehrfachmord sterben der Bürgermeister und seine Familie sowie eine zufällige Passantin. Zwei jungen Polizisten, Jesse Rosenberg und Derek Scott, werden die Ermittlungen übertragen, und sie gehen ihrer Arbeit mit größter Sorgfalt nach, bis ein Schuldiger gefunden ist. Doch zwanzig Jahre später behauptet die Journalistin Stephanie Mailer, dass Rosenberg und Scott sich geirrt haben. Kurz darauf verschwindet die junge Frau




    Der Autor

    Joël Dicker wurde 1985 in Genf geboren. Nach den Weltbestsellern »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« und »Die Geschichte der Baltimores«, die sich weltweit mehr als 6 Millionen mal verkauften, ist dies Joel Dickers dritter ins Deutsche übersetzte Roman. Für »Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert« bekam Dicker den Grand Prix du Roman der Académie Française zugesprochen sowie den Prix Goncourt des Lycéens. Seit seinem Erscheinen im März dieses Jahres steht »Das Verschwinden der Stephanie Mailer« auf Platz 1 der französischen Bestsellerliste.





    Ich liebe es, wenn mich ein Buch sofort ab der ersten Seite in seine Geschichte zieht und fesseln kann. Lange Einstiege oder erstmal seitenlanges Vorstellen der Personen und der Leben mag ich nicht. Hier geht es jedenfalls gleich los. Wir bekommen gleich einen Mord an 4 Menschen geschildert, der 1994 in einer kleinen idyllischen Stadt in den Hamptons geschah. Er wurde aufgeklärt von zwei jungen Polizisten. Einer von ihnen, Jesse Rosenberg, möchte nun, 20 Jahre später, in seinen vorzeitigen Ruhestand gehen. Er wird der Hundertprozentige genannt, denn er hat jeden Fall in seiner Karriere erfolgreich aufgeklärt. Umso erstaunter ist er, als sich auf seiner Pensionsfeier ihm eine junge Frau vorstellt und behauptet, dass er in seinem ersten Fall, dem besagten Vierfachmord, nicht den richtigen Täter gefunden hat. Das lässt Jesse keine Ruhe. Und so verbringt er seine letzten Tage im Dienst nicht mit Kaffeetrinken sondern dem Stöbern in alten Akten. Als dann die junge Frau spurlos verschwindet ist ihm klar, dass damals wirklich etwas schiefgelaufen ist.


    Joel Dicker hat mich vor einigen Jahren mit seinem Roman „Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert“ total umgehauen. Mir hat das Buch sensationell gut gefallen und ich habe es unzählige Male anderen Lesern aufgedrängt. Aus irgendwelchen undefinierbaren Gründen habe ich aber „Die Geschichte der Baltimores“ immer noch auf meinem SuB liegen. Als ich die ersten Seiten von „Das Verschwinden der Stephanie Mailer“ las, hat mich die Geschichte sogleich gefesselt. Er hat sich eine verzwickte und verschachtelte Geschichte ausgedacht, die es langsam aufzudröseln gilt. Dafür fährt er einiges Personal auf und macht immer wieder Zeitsprünge und wechselt die Perspektive. Leider übertreibt er manchmal etwas und ist auch nicht konsequent. Wenn z.B. über einem Kapitel „Jesse Rosenberg“ steht, so lesen wir nicht immer nur aus seiner Sicht. Es kann auch sein, das es Einschübe von anderen Personen gibt und wir lesen, was sie gerade machen obwohl Jesse das gar nicht wissen kann. Zudem schiebt er auch gerne kurze Rückblenden ein, wenn eine Person über die Vergangenheit redet. Anstatt in Interaktionen die Geschichte zu erzählen kommt plötzlich eine kurze Rückblende ins betreffende Jahr und wir erleben die Szene. Für mein Empfinden unterbrach es meinen Lesefluss und ich habe den Sinn nicht ganz verstanden. Die Story wird dadurch ein wenig sprunghaft. Im Laufe der Zeit wurde das manchmal etwas unübersichtlich und ich hatte auch Probleme, die vielen Personen, die mal mit Vornamen, mal mit Nachnamen oder, falls vorhanden, mit Titel bezeichnet werden auseinander zu halten (ein Tipp: es gibt ein Personenregister am Ende; dummerweise habe ich das erst nach der Hälfte des Buches gesehen).


    Ein richtiger Negativpunkt sind für mich aber tatsächlich die Dialoge. Sie klingen alle etwas aufgesetzt und es wird auch nicht wirklich richtig miteinander gesprochen. Zudem driften sie oft ins Komische ab. Sie sind flapsig und einige Figuren sind vollkommen überzeichnet und agieren fast satirisch. Das Buch hat ein ernstes Thema, Mord. Mehrere Menschen werden getötet und zuerst ist der Ton auch ernsthaft wie in den meisten Krimis. Aus mir unbekannten Grund lässt Dicker seinen Ton dann ins Comichafte umschlagen. Das hat mich etwas irritiert.


    Ich bin etwas zwiegespalten mit meiner abschließenden Meinung zu dem Buch. Die Story ist nicht schlecht und die ganzen Verwicklungen schwer zu durchschauen. Allerdings hatte ich gleich zu Anfang das richtige Gefühl, was die Polizei denn damals übersehen haben könnte. Das wiederrum macht Jesse und seinen Partner nicht zu den brillanten Ermittlern, als die sie das ganze Buch hindurch dargestellt werden. Im Grunde haben sie die ganze Zeit keinen Plan, wer wann wo was gemacht hat und lassen sich auch ständig überrumpeln. Sie erscheinen mir mehr chaotisch als gute Ermittler. Auch hat mich der über weite Teile unpassend flapsige Ton in den Dialogen etwas gestört. Trotzdem meiner Kritikpunkte lassen sich die über 600 Seiten leicht weglesen und machen es zu einem kurzweiligen Leseerlebnis. Für mich kommt dieses Buch aber nicht an „Harry Quebert“ heran.




    „Ein perfider Plan “ ist ein sehr unterhaltsamer Krimi, der mehr durch seine Rahmenhandlung fesselt als durch den Mordfall selber.


    Eine Frau regelt ihre eigene Beerdigung. Nur wenige Stunden später wird sie ermordet. Man könnte ihren Tod als Raubüberfall einordnen, wäre da nicht der seltsame Umstand, dass sie kurz vorher in einem Beerdigungsinstitut ihre eigene Beerdigung organisierte. Wusste sie etwa, dass sie sterben würde?


    Anthony Horowitz ist ein erfolgreicher Autor. Er macht sich zum Hauptakteur in dieser Geschichte. Bestimmt gab es schon vorher Autoren, die dieses Stilmittel verwendeten. Für mich war es das erste Mal, dass ich so ein Buch las. Und ich fand es unglaublich amüsant. Er wird also, mitten in Arbeiten zu anderen Büchern bzw Drehbüchern, von einem ehemaligen Polizisten kontaktiert, mit dem er vorher schon zu Recherchezwecken zusammen gearbeitet hat. Hawthorne ist von der Polizei zu den Ermittlungen im Fall des ungewöhnlichen Mordes hinzugezogen worden. Hawthorne findet diesen Fall interessant genug, das er Horowitz vorschlägt, er solle über ihn und seine Ermittlungen schreiben. Zuerst ist Horowitz nicht so angetan. True Crime ist nicht sein Ding und er hat auch so viel anderes zu schreiben. Aber irgendwie lässt ihn die Sache nicht los und so sagt er zu. So läuft er nun dem Ermittler hinterher. Dabei steigert er sich in einen kleinen inneren Wettstreit mit dem enigmatischen Hawthorne hinein. Es wurmt ihn ein bisschen, dass der Detektiv so gut ist und ihm nichts entgeht. Er als Autor von Kriminalgeschichten hat das Gefühl, immer einen Schritt hinterher zu hinken.


    Mehr noch als die Krimihandlung, die ein wenig auf der Stelle tritt, ist die Rahmenhandlung um Horowitz selber das interessantere. Er lässt uns ein wenig Teilhaben am Leben eines berühmten und gefragten Autors. Es werden berühmte Namen von Regisseuren und Schauspielern erwähnt und seine realen Arbeiten baut er geschickt in die Handlung ein. So werden wir Zeuge einen kurzen und leicht bizarren Treffens zwischen ihm und Steven Spielberg und Peter Jackson, das nicht so ganz läuft, wie er erhofft hatte.


    Wie ich schon sagte, ist es weniger die Krimihandlung als alles andere drum herum, was mir so gut gefallen hat. Zwar ist der Mordfall verzwickt und interessant genug und wartet mit einer Auflösung auf, die ungewöhnlich genug ist. Mit hat aber besonders gefallen, wie Horowitz sein Buch aufgebaut hat mit sich selbst als Hauptfigur. Und mit Hawthorne ist ihm eine sehr interessante Persönlichkeit gelungen. Das ist erst mein zweites Buch von Horowitz. Ich kannte bisher nur „Moriarty“ das mit recht gut gefallen hatte aber ihn mir als Autor trotzdem nicht in den Fokus gerückt hatte. Das hat sich nun geändert. Mir hat sein locker und leichter und sehr britischer Schreibstil gut gefallen und ich habe mich blendend unterhalten gefühlt.


    Ich habe die englische Originalausgabe "The Word Is Murder" gelesen. Inzwischen habe ich auch den Folgeband "The Sentence is Death" gelesen, der mir fast genau so gut gefallen hat.