Beiträge von Dieter Neumann

    • Piper; 3. Edition (13. Oktober 2022)
    • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 336 Seiten, 22 €
    • ISBN : ‎ 978-3492073004

    Showdown in der Weltpolitik

    Der Krieg im Herzen Europas ist für den aufziehenden Konflikt zwischen Amerika und China sowohl Vorbote als auch Lack­mustest. Bröckelt die Geschlossenheit der Verbündeten, ist der Vormarsch des Autoritarismus kaum noch zu stoppen. Deshalb fordert Joe Biden ein klares Bekenntnis von den Europäern: Sind sie zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie bereit? Dann müssen sie den wirtschaftlichen Kuschelkurs mit China beenden und sich aus der Abhängigkeit befreien. Zu lange sind wir einer großen und naiven Selbsttäuschung aufgesessen: dass im Umgang mit den autoritären Regimen in Peking und Moskau Wandel durch Handel möglich ist. Der Experte für internationale Politik liefert eine tiefgehende Analyse der Auseinandersetzung, die das 21. Jahrhundert prägen wird. (Klappentext)


    Autor

    Elmar Theveßen, Jahrgang 1967, studierte Politische Wissenschaft, Geschichte und Germanistik in Bonn. Nach verschiedenen journalistischen Stationen, u. a. 1995-2001 als ZDF-Korrespondent für Nordamerika im Studio Washington und 2007-2019 als stellvertretender Chefredakteur des ZDF, ist er seit März 2019 Leiter des ZDF-Studios Washington. Zuletzt von ihm erschienen: Die Zerstörung Amerikas.


    Zum Buch

    Schon lange hat Elmar Thevessen sich den Ruf eines der bestvernetzten, sachkundigsten und dabei seriösesten deutschen Journalisten erworben. Mit diesem Buch stellt er erneut seine Scharfsinnigkeit in der Analyse komplizierter politischer Zusammenhänge auf internationalem Niveau unter Beweis. Dabei bewirkt sein mitreißender Schreibstil, dass man dieses Werk liest wie einen Spannungsroman - allerdings einen stark dystopischen. Schlüssig und vielfach sauber untermauert, zeigt Thevessen auf, dass wir uns in einer hochbrisanten Weltlage befinden, die letztlich auf zwei Kernfragen herunterzubrechen ist:

    • Gelingt es den sogenannten liberalen Demokratien (deren Schwächen und Fehler der Autor übrigens ebenfalls schonungslos offenlegt), dem weltweit aufsteigenden Autoritarismus (verbunden z.B. mit den Namen Putin, Orban, Le Pen etc., vor allem jedoch - und alle anderen an Gefährlichkeit bei weitem überragend - Xi Jinping -, dauerhaft die Stirn zu bieten?

    und

    • Bringen die liberalen Demokratien auf Dauer die Kraft, das Geld und vor allem den Willen auf, die Erkenntnis, dass man Autokraten nicht durch Handel "einhegen" kann, in entsprechendes politisches Handeln umzusetzen?

    Ein Buch, das unbequeme Wahrheiten ans Licht bringt und schlüssig erklärt. Ein Muss für alle, die wissen wollen, welche politische Welt das ist, in die unsere Kinder und Enkel hineinwachsen.

    Heiße Leseempfehlung!

    ASIN/ISBN: 349207300X

    Ich wage einen Einwurf von der Seitenlinie, obwohl ich das Buch bisher nur zur Hälfte gelesen und dann zur Lektüre an meine Frau weitergereicht habe. Diese hat es soeben beendet und wie folgt resümiert: "Da trennen sich zwei, weil sie Angst davor haben, ihre Liebe zueinander zu verlieren."

    Fand ich bemerkenswert, diese Aussage. Lasse sie aber unkommentiert, denn ich habe das Buch ja ... s. o.

    (...) Glück ist kein Normalzustand, glücklich zu sein ist schön, aber es nicht immer zu sein, ist wahrscheinlicher und absolut in Ordnung. Und das ist in unserer Zeit für mein Empfinden sehr toxisch. Es gilt, den Zustand des ewigen Glücks anzustreben, bist Du es nicht, lasse alles hinter Dir und gehe weiter. (...)


    (...) Clemens und Marie haben sich in ihrer Perfektion. In der Bestätigung von außen ( alle sagen ihnen, wie Granatenmäßig spitze sie miteinander aussehen, wow, wie oberflächlich. (...)


    (...) dass Verliebtsein das Gehirn in einen Rausch ähnlichen Zustand versetzt und es eben ganz normal ist, dass dieser Zustand irgendwann nachlässt und andere Empfindungen hervortreten, die uns nicht in Euphorie versetzen, aber genauso wertvoll sind.

    Als Nichtteilnehmer an der Leserunde (aber dennoch Leser des Buches) ein kurzer Einwurf von der Seitenline:

    Danke, rienchen, für diese Worte! Sie treffen das wahre Leben haargenau und beschreiben das Unbehagen, das mich bei der Lektüre in Bezug auf das Protagonistenpaar einfach nicht loslassen will.

    Er war der literarische und stets hochpolitische Lichtbringer meiner jungen Jahre. Und hat mich mein Leben lang mit seinem Werk begleitet, befeuert und mich mit der Wortmacht seiner Literatur und der Kraft seines kritischen Geistes gleichermaßen fasziniert.


    Als wir in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts (sehr zur Empörung unserer Eltern) unsere Auflehnung gegen die alten Nazis in Schleswig-Holstein - die ehemaligen Marinerichter, die nun in Justizbehörden saßen, die KZ-Schergen, die führende Positionen in der öffentlichen Verwaltung innehatten, die "Pädagogen" an unserem Gymnasium, die früher Rassenhass gelehrt hatten - in öffentlichen Protesten zum Ausdruck brachten, kam Hans Magnus Enzensberger uns mit seinem Gedicht "Ins Lesebuch für die Oberstufe" zur Hilfe.

    Danke posthum dafür und r.i.p.


    Ins Lesebuch für die Oberstufe

    Lies keine Oden, mein Sohn, lies die Fahrpläne:

    sie sind genauer. Roll die Seekarten auf,

    eh es zu spät ist. Sei wachsam, sing nicht.

    Der Tag kommt, wo sie wieder Listen ans Tor

    schlagen und malen den Neinsagern auf die Brust

    Zinken. Lern unerkannt gehen, lern mehr als ich:

    das Viertel wechseln, den Paß, das Gesicht.

    Versteh dich auf den kleinen Verrat,

    die tägliche schmutzige Rettung. Nützlich

    sind die Enzykliken zum Feueranzünden,

    die Manifeste: Butter einzuwickeln und Salz

    für die Wehrlosen. Wut und Geduld sind nötig,

    in die Lungen der Macht zu blasen

    den feinen tödlichen Staub, gemahlen

    von denen, die viel gelernt haben,

    die genau sind, von dir.

    Dieses Buch hat mich von den Füßen gerissen.


    Geschrieben hat es John Sweeney, Jahrgang 1958, ein vielfach ausgezeichneter britischer Journalist, der seit Kriegsbeginn aus Kyjiw berichtet. Schon 30 Jahre lang recherchiert er unbestechlich, mutig und hartnäckig zu den Geschäften und Verbrechen der Mächtigen Russlands und belegt in diesem Buch, dass dieses riesige Land im gnadenlosen Würgegriff eines Mannes im Kreml (mitsamt seiner Geheimdienste und seiner verbrecherischen Kleptokratenclique) ist, der Pol Pot und den Roten Khmer, Stalins Tscheka und gar Himmler mit seiner Gestapo an menschenverachtender Monstrosität kaum nachsteht.

    Er heißt Wladimir Putin.


    Dieser Mann schreckt vor nichts zurück, heißt es im Klappentext. Und weiter: Bei der Verfolgung seiner Ziele geht Wladimir Putin über Leichen, und das nicht erst seit dem Überfall auf die Ukraine. John Sweeney, investigativer Journalist und seit vielen Jahren auf der Spur von Putins Verbrechen, legt die Beweise vor: Schon bei seinem unheimlichen Aufstieg vom Stasi-Mann in Dresden zum unumschränkten Herrscher im Kreml ging Putin mit erbarmungsloser Konsequenz vor, ließ Oppositionelle ausschalten, provozierte Kriege und überzog Russland mit einem Netzwerk der Korruption. Sein Ziel: die Festigung seiner Macht, persönliche Bereicherung, Russlands Wiederaufstieg zur Weltmacht. Mit kriminalistischer Akribie hat Sweeney vor Ort recherchiert - in Moskau, Tschetschenien, in der Ukraine während des Krieges -, hat mit Zeugen und Experten gesprochen, mit Dissidenten und Ex-KGBlern, mit Handlangern des Systems Putin, mit Kritikern, von denen zu viele für ihre Haltung sterben mussten.


    Mit der mitreißenden Authentizität dessen, der alles selbst erlebt hat – von abenteuerlichen Interviewerlebnissen bis zu unverhohlenen Drohungen, Schikanen und gar Angriffen – nimmt uns John Sweeney mit auf eine schaurige Besichtigungstour ins Reich des Bösen. Wer erfahren will, was in Putins Reich wirklich los ist, findet in diesem Buch reichlich Gelegenheit dazu. Unverbesserliche Salonpazifisten und alle anderen, die immer noch meinen, man könne mit Putin verhandeln wie mit ‚normalen‘ Regierenden (nicht zuletzt die westlichen Staatsoberhäupter, die das tun), müssen sich auf einen Schock gefasst machen. Wobei die Berichte aus der Ukraine Sweeneys Analyse bestätigen – täglich und mit wachsender Klarheit.


    Seitdem Putin russischer Präsident ist, hat er durch direktes Tun etwa 150.000 Menschen auf dem Gewissen. Zehntausende fielen im zweiten Tschetschenien-Krieg, Tausende in Syrien, Tausende in der Ukraine. Dazu haufenweise bestellte Morde. Einer der erschütterndsten Parts dieses Buchs sind die Todeslisten, die Sweeney zusammenstellt (im Buch ab S. 248) – es stehen viele Namen darauf, und viele werden sie kennen. Aktuell müsste man die Liste übrigens um weitere Namen erweitern, denn seit dem Erscheinen des Buches gab es erneut mysteriöse Todesfälle: Vergiftung im Auftrag des Kreml, Erschießung auf offener Straße, Tod durch/im ‚gefährlichen‘ Transportmittel (Auto oder Flugzeug), umgekommen unter dubiosen Umständen, aus dem Fenster gestürzt. Jutta Hamberger (Osthessen News).


    Die Verbrechen Putins und seiner Schergen sind natürlich den Geheimdiensten des Westens – dem MI6, der CIA, dem Mossad und anderen – durchaus bekannt und waren es immer. Das zeigt Sweeney glasklar auf. „Der Killer im Kreml“ ist damit nicht nur ein packendes Psychogramm, ein exzellent recherchierter, authentischer Hintergrundreport, eine knallharte Analyse und eine längst überfällige Aufklärung (vor allem all derer, die sich bezüglich Russlands immer noch naiven Illusionen hingeben), sondern auch eine flammende Anklage gegen die vielen westlichen Regierungen, die von all den Verbrechen Putins wussten und dennoch zum eigenen Vorteil Geschäfte mit ihm gemacht haben - und noch machen.


    Unbedingte Leseempfehlung!