Beiträge von Dieter Neumann

    In einigen Rezensionen zu dem o. a. Genre flammen, wie ich sehe, immer mal Diskussionen auf, ob es sich wirklich um Regionalkrimis (z.B. bei den Nele-Neuhaus-Büchern) handele oder bei anderen Autoren gar, ob es überhaupt Krimis seien. Beides wage ich nicht zu kommentieren, steure hier aber (schmunzelnd) eine Geschichte bei, die ich selbst erlebt habe:
    Auf einem nordfriesischen Eiland traf ich einen alten Bekannten wieder, der ein paar Bücher, allesamt mit norddeutsch-regionalem Bezug, veröffentlicht hat. Im Augenblick ist er dort der ‚Inselschreiber der Saison’. Einen bescheidenen Vorschuss des Tourismusvereins in der Tasche, bewohnt er ab sofort bis Oktober mietfrei ein kleines Reetdachhäuschen mit Meerblick. Seine Aufgabe, sagte er fröhlich, bestehe darin, eine Kriminalgeschichte, die er schon fertig auf dem USB-Stick mitgebracht habe, umzuschreiben und ‚in die Insel einzupassen’. Das sei so eine Art ‚Passepartout-Plot’, lachte er dabei verschmitzt.
    Auf der Fähre zurück zum Festland überfiel mich der Verdacht, soeben vielleicht etwas über die Genesis dieser Art von Literatur gelernt zu haben ... :lache

    Liebe AutorenkollegInnen,


    für rechtliche (auch urheberrechtliche), betriebswirtschaftliche und steuerliche Fragen von Autoren gibt es einen brandneuen Ratgeber im Uschtrin-Verlag, den ich unter


    Sachbücher - Ratgeber - Traumziel Buch und wie Sie es erreichen


    rezensiert habe und wärmstens empfehle. Seht doch mal rein.

    Klappentext
    ... die Muckibude für AutorInnen! Mit kommentiertem Verlagsvertrag, Betriebswirtschaft für AutorInnen, Checklisten für Gespräche mit Verlagen, Mustervereinbarungen zur Ergänzung von Verlagsverträgen.


    Autoren
    Wolfgang Ehrhardt Heinold, Unternehmensberater für Verlage und Autor
    Prof. Dr. Peter Lutz, Urheberrechtler und Autor
    Martin Julius Bock, Betriebswirt, Unternehmenberater f. Verlage und Autor


    Meine Meinung
    Trotz des albernen Begriffes "Muckibude" auf U 4 ein echtes Schätzchen für alle Autoren, die sich von der Eingangsfrage dieses Ratgebers angesprochen fühlen: Wie sich die Türen zum Buchmarkt für Sie öffnen. In 24 sog. Trainingsstunden und einem "Abschlusstraining" gibt es hier ungemein sachkundige und nützliche Hinweise zu Themen wie Urheberrecht, Leseinteressen und Verlagstypologie, Marketingstrategien von Verlagen, Honorar, Druckkostenzuschüsse, BoD, E-Books, Normvertrag und sehr vielen weiteren. Nahezu unverzichtbar als Lektüre für AutorInnen, die tatsächlich etwas zur Veröffentlichung bringen wollen - aber wahrscheinlich auch nur für die. Mir hat es bei der Vorbereitung auf die Verhandlungen mit Verlagen und bei der Mitsprache an der Gestaltung meiner Verlagsverträge unschätzbare Dienste geleistet. Das tut das Buch darüber hinaus auch als sehr aktueller Ratgeber für AutorInnen in ihren betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Belangen.
    Fazit:
    Ein sehr spezieller, hochfundierter Ratgeber für eine klar definierte Gruppe -für diese aber eine wahre Perle!

    Du hast recht, ich gehöre wohl nicht zur Zielgruppe für Dora Heldt.
    Ich hätte mich hierzu besser gar nicht geäußert, das ahne ich schon, aber diese Zielgruppen-Thematik treibt mich um. Das liegt vermutlich daran, dass sie mir (zusammen mit "Schreiben Sie doch mal was, das im Mainstream liegt" und "Romane werden vorwiegend von Frauen gekauft") jahrelang von den Verlagen um die Ohren gehauen wurde, bis ich endlich meinen Verlagsvertrag hatte.
    Belletristik ist so vielfältig wie die Menschen, die sie lesen - und das ist gut so. Dabei unterliegen offenbar - ganz abgesehen von Genre und Plot - auch die Qualitätsanforderungen gewisser Zielgruppen dieser Vielfalt.
    Ich wollte und will aber niemanden sein Lesevergnügen vermiesen - sorry, falls das so ´rüberkam!

    Zu diesem Buch sagt Denis Scheck (der auch nicht immer recht hat):


    "Dumpfe deutsche Unterhaltung, das literarische Äquivalent zu einem panierten Schweineschnitzel mit Mehlpampe."


    Ich hätt´s nicht besser sagen können. Mehr an Rezension zu diesem "Werk" braucht´s nicht. Nur fairnesshalber die Feststellung, dass es sich phantastisch verkauft und, wenn man mit der Fernbedienung nicht aufpasst, auch noch als TV-Filmchen droht.

    Umschlagtext
    Vor der Kulisse der großen norddeutschen Schneekatastrophe um die Jahreswende 1978/79 erzählt Jan Christophersen eine packende Familiengeschichte. Darin schafft er unvergessliche Figuren und entwirft das beeindruckende Bild einer rauen Gegend voller Wasser, Sand und Schnee. Er erzählt von der Suche nach Identität in einer Familie, in der das Schweigen den Weg zueinander zu einer langen Reise werden lässt - atmosphärisch dicht, mit leisem Witz und einer kraftvollen, suggestiven Sprache.


    Autor
    Jan Christophersen, 1974 in Flensburg geboren, erhielt mehrere Stipendien, u. a. eines der Akademie der Künste zu Berlin. "Schneetage" ist sein erster Roman, der mit dem Debütpreis des Buddenbrookhauses ausgezeichnet wurde.


    Meine Meinung
    Geschickt aufgebaute Story, in vielen Spiegelungen wunderbar ruhig erzählt und dennoch einem packenden Spannungsbogen konsequent folgend. Auch für Menschen, die die Schneekatastrophe nicht (wie ich) hautnah miterlebt haben, ist sie eine genial gewählte Parabel, die Christoffersen geschickt nutzt. Ein feines Buch!

    "Mein Meeresgrund" ist eine feine Auswahl von Lyrik, die Missfeldt zwischen 1975 und 2010 geschaffen hat. Der tief in Norddeutschland verwurzelte Autor, Jg. 1941, ist bekannter durch seine literarisch anspruchsvollen Romane, z. B. "Gespiegelter Himmel", für den er 2002 mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, und "Steilküste" (2005).
    Darüber hinaus aber ist er ein Lyriker von großer Kunstfertigkeit. Ohne jede Maniriertheit, ohne jedes Pathos und mit beeindruckender Sprachgenauigkeit hat er ein paar lyrische Kleinode geschaffen, die in diesem Band gesammelt wurden.
    Unter den Lyrikbänden der letzten Jahre mein Favorit!

    Hallo Tom,


    da hab ich also gleich eine "unsterbliche Forenlegende" aus der Reserve gelockt - zumindest scheint das nach deinem Eingangshinweis auf unsere nach deiner Meinung unterschiedlich verteilte Lesefähigkeit so. Und damit hast du, betrachtet man deine Ausführungen, offensichtlich recht.
    Was du schreibst, ist die bekannte Wiederholung all dessen, was du zu diesem Thema immer sagst - und zwar durchaus richtig. Nur ist es keine Antwort auf meinen Beitrag, der auf missverständlichen Inhalt der Liste und oftmals falsche Schlussfolgerungen eingeht, die aus ihr gezogen werden. Übrigens: Ich habe den Titel der diskutierten Liste genannt, unter dem sie im Montségur-Forum veröffentlicht ist, und der lautet nun mal "Bekannte Zuschussverlage und Dienstleisterverlage". Sieh einfach selbst mal nach.
    Auch für mich war und ist es undenkbar, meine Manuskripte per BoD oder in einem Vanity-Verlag mit Eigengeld zu veröffentlichen. Aber das war nicht mein Thema. Ich habe zwei Verlage benannt, die zuschusslos, mit versiertem Lektorat und mit sauberen Verträgen arbeiten und dennoch auf der Liste stehen. Findest du nicht auch, dass die Leute das wissen dürfen? Dass du uns darüber hinaus noch einmal mit Wissenswertem rund um die grundsätzliche Problematik versorgt hast, ist dennoch ein freundliches Dankeschön wert.

    Die tausendfach im Netz verbreitete und auch in diesem Thread empfohlene Montségur-Liste hat unbestreitbar einen wichtigen Beitrag geleistet, Licht in die Zuschussverlagsszene zu bringen. Es ist aber immer wieder zu beobachten, dass die dort aufgeführten Verlage in allen Diskussionen pauschal als Zuschussverlage bezeichnet werden, obwohl die Liste "Bekannte Zuschussverlage und Dienstleisterverlage" heißt. Das aber sind zwei sehr unterschiedliche Dinge.
    Der swb-Verlag, Stuttgart, beispielsweise ist ein traditioneller Buchverlag und Mitglied im "Arbeitskreis kleinerer unabhängiger Verlage" (AKV) im Börsenverein d. dtsch. Buchhandels. Unter dem Label SWB verlegt man dort vor allem Krimis und Thriller auf der Grundlage ordentlicher Verlagsverträge. Mir liegt ein SWB-Vertrag vor - er orientiert sich komplett am sog. "Mustervertrag". Keinerlei Zuschüsse, saubere und klare Vertragsbedingungen.
    Neben dem SWB als klassischem Buchverlag gibt es dort im Hause auch das Label "Undercover Books", unter dem z. B. Familienchroniken u.ä. erscheinen, die weder einen größeren Markt erobern, noch merkantile Erfolge werden können / sollen. Diese werden mit Kostenbeteiligung der Autoren hergestellt - wie auch anders? Zum Dritten ist man dort spezialisiert auf die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten (z.B. Dissertationen) und Kunstbüchern in Kleinstauflage, erbringt die dafür notwendigen Dienstleistungen und nimmt dafür natürlich auch Geld.
    Fazit: Südwestbuch ist keineswegs ein Zuschussverlag.
    Übrigens trifft das ebenso auf den Schardt-Verlag zu (auch auf der Liste), wie ich gerade erfahre. Auch das ist ein kleinerer Verlag, der manche Projekte durchaus mit Zuschüssen der Autoren realisiert, falls diese unbedingt veröffentlicht werden wollen, aber eben auch ein "anständiger" klassischer Buchverlag. Habe soeben persönlich mit einem Autor gesprochen, von dem bereits zwei Werke mit einem ordentlichen Verlagsvertrag dort veröffentlicht wurden!