Beiträge von made

    So, das 5. Buch ist beendet.

    Ich hoffe, die zweite Hälfte wird besser.

    Nein, wird es nicht.


    Schön war noch die Beschreibung des Septetts von Vinteuil (Kap. 27 + 28). Das ist unglaublich, wie man Musik mit Worten beschreiben kann!


    Es war ja von Anfang an klar, dass dieses Projekt sehr anstrengend sein würde, Ausgang offen. Allerdings konnte ich in den ersten Bänden viele Stellen genießen, so dass es sich lohnte durchzuhalten. Doch diese wunderbaren Beschreibungen der Sinneseindrücke des Autors werden immer seltener. Oder kommt es mir nur so vor?


    Was bin ich froh, dass die Beziehung zwischen Marcel und Albertine zu Ende ist! Das hoffe ich jedenfalls. Denn ich will einfach nichts mehr darüber hören. Das kann man fast schon als krank bezeichnen. Und immer wieder diese Bösartigkeiten bei den Gesellschaften der Verdurins. Und dann noch ein ganzes Buch voll davon!


    Ich weiß nicht, ob es im nächsten Band besser wird. Der Titel „Die Entflohene“ deutet darauf hin, dass es wieder um Albertine geht. Ich habe keine Lust mehr darauf. Andererseits sind es nur 30 Abschnitte.


    Ich habe ein paar mal in die Hörer-Kommentare, die auf der Internetseite dieses Hörprojekts stehen, hineingeschaut. Es scheint mir, als ob ich einfach nicht gescheit genug für dieses Buch bin.

    Dieses Buch blieb lange bei mir ungelesen liegen. In diesen unsicheren Zeiten wollte ich nichts von Epi-/Pandemien und Katastrophen, vielleicht sogar von marodierenden Banden, Totschlag und Zusammenbruch der Zivilisation lesen, wie in „Die Stadt der Blinden“ von Jose Saramago, das ich vor einigen Jahren gelesen habe. Und diese Bilder hatte ich zu Beginn der Corona-Pandemie vor Augen.


    Doch in einer Phase des Optimismus' fing ich einfach mal an. Ich war überrascht, wie angenehm es sich zu Beginn lesen ließ, von der Verwirrung um die vielen Personen mal abgesehen. Ich genoss die Stimmung im Dorf, wobei ich immer im Hinterkopf hatte, dass das wohl nicht so bleiben würde.


    Vielleicht waren aber genau diese Vorstellungen und die Worte „und das Ende der Welt“ im deutschen Titel der Grund, dass ich etwas anderes erwartete. Denn viel mehr als um das Ende der Welt schien es dem Autor um die Menschlichkeit zu gehen.


    Wie auch immer. Die Geschichte konnte mich nicht packen. Ich spürte immer eine Distanz.


    Irgendwann kam mir die Handlung unrealistisch vor. Dass

    konnte ich mir einfach nicht vorstellen.


    Und das Ende kann ich nicht anders als als Kitsch bezeichnen.

    Ja schade, Rumpelstilzchen . Aber ich kann das verstehen. Ich frage mich, was mich dazu bringt, immer noch weiterzumachen. Ich bin mit dem 5. Teil halb durch und er nervt mich.


    Es geht um Marcels Eifersucht, richtig kranke Eifersucht, so dass es fast weh tut.

    Immerhin scheint es Albertine nicht so viel auszumachen. Sie lügt dann eben, um das zu tun, was sie will.


    Ich hoffe, die zweite Hälfte wird besser.

    Die Gefangene


    V/1. - 7.


    Es ist für mich unangenehm zu hören, wie Marcel Albertine mit seiner Eifersucht quält. Also ich zumindest empfinde das als Qual, wie er sie isoliert und überwacht. Allerdings kann man als Hörer den Eindruck bekommen, es mache ihr nichts aus. Es könnte aber auch nur Marcels Eindruck sein. Schließlich erfahren wir alles nur aus seiner Sicht.


    Großartig ist, wie er die Stunden beschreibt, in denen er Albertine beim Schlafen zuschaut.

    Ich bin jetzt am Ende dieses Bandes angekommen. Es sind schon seltsame Beziehungen, um die es hier geht: die zwischen Charlus und Morel und die zwischen Marcel und Albertine. Beide Beziehungen sind von Eifersucht, Unaufrichtigkeit und Mangel an Vertrauen geprägt.

    Bei Charlus und Morel kann ich das nachvollziehen, denn sie haben unterschiedliche Interessen an ihrer Beziehung.


    Charlus will sich tatsächlich duellieren. Dass es das damals noch gegeben hat! Vermutlich hat er es gar nicht ernsthaft vorgehabt. Und dann die Aktion im Freudenhaus!


    Die Beziehung zwischen Marcel und Albertine ist auch seltsam. Liebt er sie nun oder nicht? Mal will er sie verlassen und dann plötzlich heiraten. Wie steht es mit ihr? Über ihre Gefühle bleibt der Leser ziemlich im Dunkeln. Ich finde, sie lässt sich einiges gefallen. Andererseits erfährt der Leser nur Marcels Sicht.


    Ansonsten verstehe ich immer noch nicht, warum Marcel im Salon der Verdurins so gut ankommt. Für mich stellt sich das so dar, dass er überwiegend stumm dasitzt, die anderen beobachtet und zuhört.


    Im 54. Abschnitt hat mir der Vergleich zwischen der Bahn und den Menschen gut gefallen. Irgendwie süß.


    Demnächst werde ich mit dem 5. Band beginnen. Rumpelstilzchen , die Gelegenheit wieder einzusteigen. Es sind auch nur 44 Abschnitte.

    Ich habe den Anschluss so ziemlich verloren. Allerdings werde ich wohl demnächst wieder einsteigen, ich glaube nicht, dass es viel ausmacht, wenn zwischendurch etwas fehlt.

    Spätestens bis zu Band 5, hoffe ich. :wave


    IV/45. – 47.


    Dass Marcel die Menschen um ihn herum so genau beobachtet, hat den Vorteil, dass er sie auch besser einschätzen kann, wie z. B. Sagnette. Marcel ist offensichtlich der einzige, der ihn versteht und dem gegenüber er auch gewisse Sympathien aufbringt.

    Ich denke, er stempelt die Menschen nicht vorschnell ab. Ich habe den Eindruck, dass er auch fähig ist, sein Bild von einem Menschen wieder zu ändern und an neue Beobachtungen anzupassen.


    Die Beschreibung, wie Charlus versucht sich vorzustellen, wie andere ihn sehen, hat mir gut gefallen.

    Zitat

    „das kleine, allein in der Phantasie bestehende Tempelchen, in das sich Monsieur de Charlus zuweilen zu einsamen Träumereien zurückzog ...“

    Schön!

    Ich konnte mit dem Buch nicht viel anfangen. Ich fand es nicht besonders lustig und über weite Strecken langweilig. Mir stellte es sich als eine Aneinanderreihung von bösen Aktionen und schlimmen Zuständen dar, die der Teufel schadenfroh in seinem Tagebuch festhält. Vielleicht ist es bei der Menge an Material nicht möglich, alle Situationen humorvoll auszuarbeiten.


    Was ich aber überhaupt nicht verstehe, ist, dass in dem Buch z. B. die McCarthy-Ära, ja sogar die Lewinsky-Affäre erwähnt wird, aber mit keinem Wort der Faschismus und der Holocaust, als ob es sie nie gegeben hätte.

    20 – 26


    In diesen Abschnitten gibt es wieder ausführliche Personenbeschreibungen wie die des Liftboys, der Madame Cambremer (Camembert :) ) und der Schwestern Marie und Celeste. Köstlich!


    Das Verhältnis von Marcel zu Albertine ist angespannt. Ich weiß nicht, wie sie zu ihm steht. Seit ihm der Verdacht, dass sie lesbisch sei, in die Seele gelegt wurde, wird er eifersüchtig und benimmt sich ihr gegenüber schlecht. Das ist ein ständiges hin und her. Warum lässt sie sich das gefallen? Wie das wohl weitergeht?


    So nebenbei: Mir gefällt der konsequente Einsatz des Konjunktivs. Ich glaube, das macht man heute nicht mehr so.


    29 – 40


    Hier begegnet der Leser wieder den Verdurins. Das muss ja ewig her sein, als sich Swann und Odette dort begegnet sind. Vielleicht 20 Jahre? Gilberte war damals ja noch gar nicht geboren. Mich wundert, dass immer noch die gleichen Leute zu dem „Kleinen Kreis“ gehören.


    Mir scheint dieser Kreis fast noch boshafter zu sein als der Salon der Guermantes. Wie die mit Sagnette umgehen!


    Es ist zwar immer wieder schön, Prousts Beschreibungen und Charakterisierungen der Menschen zu lesen, aber auf Dauer ermüdet es mich.

    Die Abschitte 16 – 19 sind wunderschön.

    Marcel ist wieder in Balbec. Er erlebt die Stimmungen vom letzten Aufenthalt wieder. Vor allem kommen Erinnerungen an seine Großmutter hoch. Mir scheint, dass er erst jetzt trauert. Er sagt, er findet sein damaliges Ich wieder. Und auch jetzt erst versteht er die Trauer und das Leid seiner Mutter. Und der Traum!

    Ich bin im 16. Abschnitt angekommen und froh, dass die Beschreibung der Salons zumindest vorerst zu Ende ist.

    Aber einige Dinge finde ich doch erwähnenswert.

    Die Boshaftigkeit Charlus gegenüber Madame Surgis und ihre Söhne ist bodenlos. Warum greift da keiner ein? Traut sich das keiner oder will es keiner?


    Dass Swann Marcel das Gespräch mit dem Prinzen von Guermantes wiedergibt, zeugt von großem Vertrauen in ihn. Und das überrascht mich. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie sich so nahe stehen.


    Interessant ist auch, dass man etwas über das Verhältnis der beiden Brüder, Charlus und der Herzog von Guermantes, erfährt.


    Dass Odettes Salon beim hohen Adel sehr angesehen, ja fast ein Geheimtipp ist, freut mich für sie. Ich kann mir vorstellen, dass sie es nicht immer leicht hatte.


    Immer erfrischend zu lesen sind die Szenen mit Francoise.


    Das Verhältnis von Marcel zu Albertine ist eigenartig.


    Schmunzeln musste ich bei der Theorie, dass die französische Aussprache so sehr vom Geschriebenen abweicht, daran liegt, dass die Gallier fehlerhaft sprachen.


    So ganz nebenbei: Ich bin immer noch nicht dahinter gekommen, was mit dem „Abwerfen von Karten“ bezweckt werden soll.

    Allerdings finde ich die allgemeinen Betrachtungen über Homosexuelle in den folgenden Kapiteln etwas nervig. Scheinbar bin ich zur Zeit nicht sehr duldsam, was Literatur betrifft.

    In diesem Band wird das vermutlich öfter das Thema sein.


    IV/4. - 10.


    Marcel ist bei der Soiree der Prinzessin von Guermantes. Wieder fällt mir auf, dass er von Ereignissen schreibt, bei denen ich mich frage, woher er das weiß. Hier ist es der homosexuelle Diener.


    In Kap. 6 gibt es zwei sehr schöne Stellen. Die eine ist, als er beschreibt, wie man sich wieder an Namen erinnert, die man vergessen hat.

    Die zweite ist die Beschreibung des Springsbrunnens. Wundervoll!


    Ansonsten geht es wieder um die Gesellschaft mit ihrer Rangordnung, ihren Boshaftigkeiten und die Frage, wer wen wem vorstellen darf. :rolleyes:

    IV/1. - 3.


    Jetzt ist also die Katze aus dem Sack. Charlus ist homosexuell. Das erklärt das Verhalten der Herzogin, die Marcel so dringend abgeraten hat, mit Charlus mitzugehen.

    Wie Proust das zufällige Aufeinandertreffen von Charlus und Jupien beschreibt, ist großartig. Urkomisch. Wie die Balz vom Auerhahn oder Pfau.


    Mir hat auch sehr gut die Beschreibung gefallen, wie es Marcel wie Schuppen von den Augen fällt, als er die beiden beobachtet.

    Proust war doch auch homosexuell. Marcel hingegen merkt man nichts an. Vielleicht weiß er es noch nicht. Oder der Autor will darüber nicht schreiben.


    An einem Beispiel von zwei Freunden bechreibt Proust dann auch, wie Homosexuelle damit umgehen, d. h. damals umgegangen sind.


    Ich frage mich, wer alles von Charlus' Homosexualität weiß.

    Ich nähere mich dem Ende dieses Buchs. Am meisten vermisse ich einen Stammbaum der Guermantes. So ist mir erst spät aufgegangen, dass der schreckliche Charlus ein Bruder des Herzogs ist.

    Ja, dafür habe ich auch eine Weile gebraucht. Genauso ist es mit der Herzogin und der Prinzessin von Guermantes.

    Die Szenen im Salon sind letztendlich eine einzige Folge von mehr oder weniger höflich umkleideten Bosheiten. Aber meisterhaft beschrieben.

    Leider nervt mich das mittlerweile kolossal.

    Aber als Film oder auf der Bühne stelle ich mir das großartig vor. Da kann ein Schauspieler oder Regisseur brillieren.

    Ich bin mir nicht sicher, ob sich Proust nicht tatsächlich über die ganze Adelsgesellschaft lustig macht.

    Ich weiß auch nicht. Vielleicht klingt die Beschreibung auch nur deshalb so übertrieben, weil er eben hauptsächlich die markanten Merkmale erwähnt. Es ist schwer einzuschätzen, wie sehr er selbst der Faszination dieser Gesellschaft erlegen ist. Und auch wann er sie wie gesehen hat. Als junger Mensch hat er das alles sicher anders erlebt als zum Zeitpunkt des Schreibens.

    III/57. - 61.


    Charlus benimmt sich äußerst seltsam. Den Wutanfall hätte ich Marcel gar nicht zugetraut. Hat mir gefallen. :grin


    Marcel bekommt eine Einladung der Prinzessin von Guermantes und fragt sich, ob das nicht ein Aprilscherz ist. Er fragt den Herzog, um Klarheit zu bekommen. Am Ende weiß er nichts, erlebt aber allerhand.


    Das ist schon heftig, wie wenig Mitgefühl Herzogin und Herzog haben, weder für den todkranken Swann noch für den im Sterben liegenden Cousin oder für den verlobten Diener.


    Ich weiß jetzt nicht, ob ich etwas überhört habe. Jedenfalls weiß ich nicht, ob die Einladung echt war und ob Marcel sie angenommen hat. Dieser Band endet hier.


    Rumpelstilzchen , ich denke, ich werde einige Zeit pausieren. Zeitlich stehe ich ja ganz gut da. Vielleicht treffen wir uns dann wieder.

    Was mir immer wieder gefällt ist, wie genau die eigenen Emotionen beschrieben werden, auch wenn ich für mich denke, dass die ein wenig übertrieben ausfallen.

    Ich denke da an die Tränen, als Madame de Stermaria das Treffen abgesagt hat.

    Ich habe mich dabei ertappt, dass dieser Gefühlsüberschwang mich auf die falsche Fährte geschickt hat, Marcel wäre ein Mensch mit wenig Selbstvertrauen. Das stimmt wohl aber nicht, wenn man sieht, wie er auf andere Menschen zugehen kann.

    III/43. - 56.


    Puh, das waren jetzt viele Stunden, in denen Marcel seine Beobachtungen über den Salon der Madame de Guermantes wiedergibt. Mich hat das sehr ermüdet. Die vielen Personen und ihre Verwandtschaftsbeziehungen, belanglose Unterhaltungen, sogar Beschreibungen von Verbeugungen.


    Von Madame de Guermantes habe ich das Bild einer Frau gewonnen, die es sich durch ihre hohe Stellung erlauben kann, vieles anders zu machen als es üblich ist, die gerne über andere lästert und kein Einfühlungsvermögen für ihre Bediensteten hat.


    Und dann am Ende all dieser ausführlichsten Beschreibungen, als der Leser glaubte zu wissen, wie diese Gesellschaft tickt, äußert Marcel seine Überzeugung, dass die alle sich nur so benommen haben, weil er anwesend war. Wie nun? Stimmt dann das Bild, das er von dieser Gesellschaft gezeichnet hat, nicht oder versucht er nur auf diese Weise seine Enttäuschung wegzureden?


    Nach wie vor frage ich mich, warum er eingeladen wurde. Er ist weder adlig noch hat er eine durch Verdienste erworbene besondere Stellung in der Gesellschaft. Vielleicht weil er im Bereich der Literatur talentiert ist? Hat sich das herumgesprochen? Mal sehen, ob er noch einmal eingeladen wird. Möglicherweise ist die Enttäuschung gegenseitig.


    Eigentlich müsste er doch nach so einem Abend völlig errschöpft sein. Aber er will noch Charlus besuchen.

    III/40. - 43.


    Mitten in der Enttäuschung über die Absage eines Treffens mit Madamde de Stermaria, welches Marcel sich so wunderbar ausgemalt hat, platzt Robert herein.

    Marcel hat schon seltsame Vorstellungen von Freundschaft. Schon früher hatte ich den Eindruck, dass Marcel Freundschaft viel oberflächlicher versteht als Robert. Wie kann so was funktionieren?


    In dem Restaurant beobachtet Marcel, wie könnte es anders sein, die Gäste sehr genau. Es geht um die Rangordnung in der Gesellschaft.

    Ich bin überrascht, dass Marcel so ganz explizit die Juden als Beispiel dafür nimmt, dass das Äüßere nicht maßgeblich für innere Werte ist. Aber so ganz kann er sich doch nicht von dem Denken trennen, dass es angeborene Vorzüge und Makel gibt. Er hat auch eine Erklärung dafür, als Robert mit den Stiefeln über die Sitzbänke läuft. Ich finde das einfach nur ungezogen.