Beiträge von made

    Mir ist vorhin das Buch "Die Stadt der Blinden" von Jose Saramago eingefallen. Da geht es um eine hochansteckende Krankheit und um das Leben in Quarantäne. Ein wirklich tolles Buch!

    ASIN/ISBN: 3442745292

    Wenn ein Kind (wie in Heinsberg die Kita-Kinder) infiziert wäre und ich nicht, würde ich trotzdem bei meinen Kindern bleiben. Die Frage stellt sich mir in dem Fall nicht. Aber wie ist es, wenn es andersrum ist?

    Wenn Kinder sich infizieren, entwickeln sie keine oder kaum Symptome. Sie fühlen sich also gar nicht oder kaum krank.

    Kann es sein, dass man aktuell schneller Facharzttermine bekommt? Weil viele ihre Termine, die nicht dringend nötig sind, z. B. Vorsorgeuntersuchungen, absagen?


    Dieser Gedanke kam mir, weil ich soeben einen Termin in 1 Monat statt der erwarteten 3 bekommen habe.

    Ich war damals auch begeistert, als ich das Buch gelesen habe. Ich hatte eher einen Abenteuerroman erwartet.


    Im Anschluss habe ich dann Bartleby gelesen. Es hat mich sehr berührt. Es war traurig und schön zugleich.


    Ich glaube, ich sollte mal wieder was in der Art lesen.

    Ich finde, es wird aber auch in Situationen (Politik) benützt, in denen es nicht um Höflichkeit geht, sondern klare Aussagen angebracht wären.

    Sicher vermeiden Politker gerne klare Ausagen.


    Es kommt mir halt so vor, als ob diese Formulierung immer häufiger verwendet wird.

    Auch wenn vieles offen bleibt, finde ich den Abschluss gut gemacht. Der Beamte Mr. Stanley zeigt soviel Geduld und Verständnis für Felix. Er erkennt sehr schnell das Problem. Es gibt einen Unterschied zwischen Liebe und Loyalität.


    Wieso ist da bisher noch keiner drauf gekommen? Ich glaube, Felix wäre viel erspart geblieben, wenn ihm das jemand schon viel früher gesagt hätte.


    Ist das nicht ein schöner Schluss:

    „Ihr Problem ist nicht Loyalität, sondern Liebe. Das fällt aber nicht in die Kompetenz der Regierung, sondern höchstens in die der Zeit. Viel Glück, Mr. van Geldern. Und verständigen Sie mich, wenn die Zeit gekommen ist.“

    S. 405. „Um einzuwurzeln, durfte man sich nicht entwurzeln müssen. Emigration war eine Frage der Erinnerung; wer sie nicht hatte, konnte gedeihen,wer sie hatte, verdarb. Die Jungen hatten sie nicht. Die Eltern würden an Heimweh sterben, man würde es Angina pectoris nennen oder Karzinom.“

    Das ist für meine Begriffe eigentlich die Quintessenz des Buches, die der Autor vermitteln wollte.

    Genau diese Stelle habe ich mir auch angestrichen.


    Auf S. 389 spricht der Naturalisationsbeamte von einer seltsamen Verwirrung bei den Europäern in den USA. "Die Leute waren dort nicht mehr zu Hause und hier noch nicht."

    Offensichtlich ging es vielen so.


    Viktoria hat ihr eigenes Rezept:

    "Weil man hier nicht von Erinnerungen lebt. Wer leben will, kann nicht für gestern leben."

    Aber ich habe hier oft das Gefühl gehabt, es handelt sich bei Felix Tiraden um Jammern auf hohem Niveau.

    Ich finde nicht, dass Felix jammert. Er leidet. Und nicht nur seinetwegen, sondern auch wegen des Elends der Menschen.

    Diese Szenen im Krankenhaus und bei der Hochzeit fand ich nur unerträglich.

    Gerade die Szene im Krankenhaus hat mir sehr gut gefallen.

    Felix trifft Livia, und die setzt sich von ihm ab, was eigentlich zu ebenfalls erwarten war. Dennoch bleibt das Verhältnis irgendwie offen, wer weiß, was in einem Jahr sein wird...

    Was Livia in diesem Gespräch bezweckt, verstehe ich nicht. Sie erwähnt den früheren Schulfreund Everett, der wieder vom Krieg heimgekehrt ist und ihr anscheinend sehr viel bedeutet. Soll das eine Retourkutsche sein? Ist Everett für Livia das, was Gertrud für Felix war? Man trifft eine Jugendliebe nach Jahren wieder und die alten Gefühle sind wieder da.

    Doch warum gibt sie dann Felix eine Frist von einem Jahr? Sie findet, dass Felix nach Österreich gehört.

    Für mich hört es sich so an, als ob sie Felix noch eine Chance geben will, allerdings selbst nicht viel Hoffnung hat, dass es mit ihr und Felix etwas werden kann.

    Zurück in Amerika dann der Familienrat. Es wird deutlich, was nicht anders zu erwarten war: die haben weder für die Reise noch für die berichteten Eindrücke Verständnis.

    Was mir gut gefallen hat, war, dass Viktoria es offen bekannt hat, dass es ein Fehler war, die Beziehung von Anita zu ihren Töchtern vollständig abreißen zu lassen. Ich hatte den Eindruck, dass die Mädchen sehr berührt waren, von ihrer Mutter zu hören.


    Und sie macht ganz deutlich, dass sie mit Österreich ausgesöhnt ist. Ich finde, das war sehr mutig.

    Was Viktoria mit ihrem Telefonat mit Livia bezwecken will, verstehe ich nicht ganz. Das heißt, was sie bezwecken will, vielleicht schon. Nur scheint mir ihre Wortwahl und das, was sie sagt, dazu eher ungeeignet zu sein.

    Dieser Anruf hatte mich auch irritiert. Aber Viktoria wollte ja auch schon wieder auflegen und wusste kaum, was oder wie sie es sagen sollte. Aus meiner Sicht will sie Livia einfach nur schützen, da ihr Felix Verhalten und vor allem seine Hochzeit nicht gefielen.

    Viktoria war Livia schon immer sympathisch, obwohl sie sie gar nicht kennt. Sie meinte wohl, sie habe es verdient, informiert zu werden, wo ihr treuloser Verlobter das schon nicht tut.

    Ich denke, Viktoria wollte bei Livia um Verständnis werben, dass Felix sich bei ihr nicht gemeldet hat und sie somit bei Stange halten. Dazu musste sie eben genau die Dinge erzählen, die passiert sind.

    Im Gespräch mit Antoinette im Reisebüro wird deutlich, dass Felix seinen Entschluss „nach Hause“ zu fahren, schon wieder aufgeweicht hat. Er will hin- und herfahren.

    Viktoria schätzt Felix genauso ein.

    „so schnell wird er wieder zurückwollen. Und wieder abgestoßen sein. Und wieder zurückwollen.“ Sie scheint ihn wirklich sehr gut zu kennen.


    Ich gebe zu, dass ich zum erstenmal in dem Buch richtig mitgefiebert habe, ob Felix wirklich nach Amerika zurückkehrt, zumal ja Viktoria solche Zweifel in mir gesät hat. Und dann war da noch der seltsame Mensch, der Felix' Fahrkarte haben wollte. Ich war froh, als Felix endlich im Zug sitzt und wegfährt. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, ob er nicht in letzter Sekunde abspringt.


    Ich freue mich, dass die Beziehung zwischen Felix und Anita doch nicht ganz abgerissen ist. Es bleibt eine Grundlage, auf der sie aufbauen können. Auch wenn das unter den gegebenen Umständen sicher sehr schwer ist.


    So sehr ich am Anfang meine Probleme mit Viktoria hatte, sie gefällt mir immer mehr. Sie hat das Herz am rechten Fleck. Auch sie nimmt sich vor, in Zukunft zu helfen. Sie ist fähig, ihre Meinung zu ändern.


    Es gefällt mir, wie Felix' letzte Stunden in Wien beschrieben sind, seine Wanderung durch die Stadt, seine Gedanken und Gespräche. Vor allem die Szene auf dem Friedhof ist so schön beschrieben. „Ein Frieden ohnegleichen breitete sich aus.“ Hier dachte ich: Endlich! Endlich findet Felix seinen Frieden. Doch weit gefehlt! „Was war falsch an diesem holden Frieden … dass er zum Wahnsinn oder zur Verzweiflung führte?“

    Felix läßt sich überreden, sich um eine Stelle als Lehrer zu „bewerben“.

    Mit Felix kann man irgendwie alles machen. Ist das einfach nur eine Willenlosigkeit oder Ausdruck seiner Sehnsucht zu bleiben?

    Ich finde es im Gegenteil folgerichtig, dass Felix bleiben will, um zu helfen. Noch dazu jungen Leuten Demokratie zu lehren. Er wird gebraucht.


    Ich weiß nicht, warum der Autor Felix so ganz vorsichtig und über Umwege an das Thema „Helfen“ heranführt. Im Reisebüro will Antoinette den Satz: „Man kann helfen.“ noch nicht aussprechen. Es braucht erst den Besuch im P.X., dem Geschäft für Amerikaner, und den "Schrei nach Verständnis".


    Wieso ist Felix das nicht schon lange eingefallen?

    Er hatte doch schon lange tiefstes Mitleid mit den Menschen und hätte am liebsten alle Schuld vergeben und vergessen wollen. Hätte er da nicht von selbst drauf kommen und nicht erst von Antoinette angeschoben werden müssen?

    Aber wieviel Zeit ist eigentlich vergangen seit seiner Ankunft in Wien? Ein paar Wochen. Und wieviel ist passiert!

    Kap. 30 - 34


    Das Verhältnis zwischen Felix und seiner Mutter ist wohl endgültig ruiniert. Verhält sich so eine Mutter? Als sie von Gertruds Tod erfährt, gibt sie ihm sofort die Schuld. Und als später die Leute vom C.I.C. auftauchen, ist Anita sich sicher, dass Felix sie anzeigt hat.

    Viktoria hingegen tut alles, um Felix zu schützen. Ich glaube auch nicht, dass sie sich groß darüber Gedanken macht, wie weit Felix Schuld hat.

    Felix trifft nur insofern eine Schuld an Gertruds Tod als er sie aus dem Hospital einfach "entführt" hat. Sie hat einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Sie danach weiteren seelischen Erschütterungen auszusetzen war schon unverantwortlich.

    Das stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Er hat sie womöglich völlig überfordert.


    Und plötzlich will Felix „nach Hause“. Ist er jetzt geheilt? Ich denke, zumindest zwei seiner Bindungen zu Österreich sind gerissen.


    Beim Verhör wird deutlich, wie unterschiedlich man Schuld beurteilen kann. Gertrud wurde "durchgeschleust". Ich nehme an, das bedeutet, sie wurde entlastet. Felix hingegen hat sich verdächtig gemacht, weil er sich in den Augen der Amerikaner unamerikanisch verhalten hat.

    Viktoria weist auf einen grundsätzlichen Fehler seitens Amerika hin:
    "Sie behandeln die Leute, die Hitler verjagt hat, wie freiwillige Emigranten."


    Folgenden Gedanken Viktorias über die amerikanischen Offiziere finde ich bemerkenswert (S. 304):

    "die, weil sie sich hier pudelwohl fühlten, gut Freund mit früheren Feinden waren, und eine gesellschaftliche Stellung genossen, die den früheren Autohändlern und Hilfslehrern zu Hause nie wieder beschieden sein würde".

    Inwieweit man ihm eine Mitschuld am Tod Trudes geben kann, weiß ich nicht so recht. Irgendwann mußte das Thema auftauchen, und zu einer richtigen Aussprache zwischen den beiden ist es nie gekommen.

    Mir ist nicht klar, was der Hauptgrund für Trudes Selbstmord ist. Waren es die Schuldgefühle oder die Mauer zwischen Felix und ihr.

    Die beiden stecken in dem Dilemma, dass Felix verständlicherweise auf eine Aussprache besteht. Gleichzeitig ist aber klar, dass diese Aussprache nicht die Mauer zwischen beiden verschwinden lassen würde. Ich vermute, dass Felix ihr entweder nicht verziehen oder ihr nicht geglaubt hätte, je nach dem, wie ihre Beichte ausgefallen wäre.

    Was für eine Hochzeit! In der Kirche fällt Mauerwerk herunter, für die Menschen keine große Sache, Unglück als Selbstverständlichkeit.

    Ganz im Gegensatz dazu brezelt sich Viktoria auf, völlig taktlos (ozeanentfernte Haltung) angesichts der Armut, findet Felix. Macht sie das mit Absicht oder aus Gedankenlosigkeit?


    Der Spaziergang durch das verlassene Grinzing drückt sehr gut den Kontrast von diesem „Glücks- und Zuversichtsort“ zur Hoffnungslosigkeit der Menschen aus. Hier macht sich Felix Gedanken zu Recht und Gerechtigkeit. Wo ist die Grenze zu Rache, wenn man zulässt, dass es hungernde Kinder gibt. Man sollte vergeben und vergessen.


    Fast schon gespenstisch mutet die Hochzeitsfeier im Freien auf mich an. Unweigerlich kommt es auch zum Eklat. Beeindruckend und zum Nachdenken die „Rede“ des Herrn Jellinek (S.252ff). Ob Felix seine Blindheit und Naivität irgendwann verliert?

    Immerhin sagt er sich von Herrn Ardesser los. Gleichzeit wird ihm bewusst, dass er nur Fehler machen kann. Er will vergeben und vergessen um der hungernden Kinder willen, doch damit wird er schuldig an den Opfern.


    Schließlich bleibt auch Gertrud nichts anderes mehr übrig, als sich Gedanken über ihre Schuld zu machen: wo sie weggeschaut, Unrecht zugelassen hat. All diese "kleinen" Dinge, die viele gemacht haben. Dabei hat sie sogar jemanden versteckt.

    An dieser Stelle habe ich Mitleid mit ihr bekommen. Hat sie denn nicht Mut bewiesen und doch etwas „dagegen“ getan? Doch später wird mir klar, dass sie selbst bis zu diesem Zeitpunkt immer noch das Wichtigste verdrängt, ihr Verhältnis zu den Nazi-Größen. Und als Felix sie damit konfrontiert, tut sie es ab: „Für Unschuld gibt’s keinen Beweis. Nur für Schuld.“

    Ich denke, für Felix wäre es sehr wichtig gewesen, dass sie hier ganz offen ist und alles zugibt. Sie schafft es aber nicht. Sie merkt, dass das immer zwischen ihnen stehen wird.


    Dass sie sich ausgerechnet mit Gas tötet, ist sicher kein Zufall.

    Kap. 25 – 26


    Die Szene im Krankenhaus ist großartig! :anbet Diese nächtliche Stimmung, in der Traum und Wirklichkeit ineinander fließen.


    Felix erfasst unendliches Mitleid mit den Patientinnen. Er will nicht mehr nach der Schuld fragen. Einfach vergeben und vergessen. Genau das wollte er damals in den USA nicht.

    Darf man denn das überhaupt? Sicher kann Felix das vergeben und vergessen, was ihm persönlich angetan worden war. Aber darf er auch das vergessen, was anderen angetan worden war?


    Und der angefangene Satz: „Das nennst du …“

    Felix versteht irgendwann als Fortsetzung „Leben“, während Gertrud später überzeugt ist, es hätte „Treue“ geheißen. Ich schließe jetzt einfach mal daraus, dass das Thema Treue für sie eine große Rolle spielt. Eventuell fürchtet sie am meisten diesen Satz als Vorwurf von seiten Felix'.