Beiträge von made

    Auch wenn vieles offen bleibt, finde ich den Abschluss gut gemacht. Der Beamte Mr. Stanley zeigt soviel Geduld und Verständnis für Felix. Er erkennt sehr schnell das Problem. Es gibt einen Unterschied zwischen Liebe und Loyalität.


    Wieso ist da bisher noch keiner drauf gekommen? Ich glaube, Felix wäre viel erspart geblieben, wenn ihm das jemand schon viel früher gesagt hätte.


    Ist das nicht ein schöner Schluss:

    „Ihr Problem ist nicht Loyalität, sondern Liebe. Das fällt aber nicht in die Kompetenz der Regierung, sondern höchstens in die der Zeit. Viel Glück, Mr. van Geldern. Und verständigen Sie mich, wenn die Zeit gekommen ist.“

    S. 405. „Um einzuwurzeln, durfte man sich nicht entwurzeln müssen. Emigration war eine Frage der Erinnerung; wer sie nicht hatte, konnte gedeihen,wer sie hatte, verdarb. Die Jungen hatten sie nicht. Die Eltern würden an Heimweh sterben, man würde es Angina pectoris nennen oder Karzinom.“

    Das ist für meine Begriffe eigentlich die Quintessenz des Buches, die der Autor vermitteln wollte.

    Genau diese Stelle habe ich mir auch angestrichen.


    Auf S. 389 spricht der Naturalisationsbeamte von einer seltsamen Verwirrung bei den Europäern in den USA. "Die Leute waren dort nicht mehr zu Hause und hier noch nicht."

    Offensichtlich ging es vielen so.


    Viktoria hat ihr eigenes Rezept:

    "Weil man hier nicht von Erinnerungen lebt. Wer leben will, kann nicht für gestern leben."

    Aber ich habe hier oft das Gefühl gehabt, es handelt sich bei Felix Tiraden um Jammern auf hohem Niveau.

    Ich finde nicht, dass Felix jammert. Er leidet. Und nicht nur seinetwegen, sondern auch wegen des Elends der Menschen.

    Diese Szenen im Krankenhaus und bei der Hochzeit fand ich nur unerträglich.

    Gerade die Szene im Krankenhaus hat mir sehr gut gefallen.

    Felix trifft Livia, und die setzt sich von ihm ab, was eigentlich zu ebenfalls erwarten war. Dennoch bleibt das Verhältnis irgendwie offen, wer weiß, was in einem Jahr sein wird...

    Was Livia in diesem Gespräch bezweckt, verstehe ich nicht. Sie erwähnt den früheren Schulfreund Everett, der wieder vom Krieg heimgekehrt ist und ihr anscheinend sehr viel bedeutet. Soll das eine Retourkutsche sein? Ist Everett für Livia das, was Gertrud für Felix war? Man trifft eine Jugendliebe nach Jahren wieder und die alten Gefühle sind wieder da.

    Doch warum gibt sie dann Felix eine Frist von einem Jahr? Sie findet, dass Felix nach Österreich gehört.

    Für mich hört es sich so an, als ob sie Felix noch eine Chance geben will, allerdings selbst nicht viel Hoffnung hat, dass es mit ihr und Felix etwas werden kann.

    Zurück in Amerika dann der Familienrat. Es wird deutlich, was nicht anders zu erwarten war: die haben weder für die Reise noch für die berichteten Eindrücke Verständnis.

    Was mir gut gefallen hat, war, dass Viktoria es offen bekannt hat, dass es ein Fehler war, die Beziehung von Anita zu ihren Töchtern vollständig abreißen zu lassen. Ich hatte den Eindruck, dass die Mädchen sehr berührt waren, von ihrer Mutter zu hören.


    Und sie macht ganz deutlich, dass sie mit Österreich ausgesöhnt ist. Ich finde, das war sehr mutig.

    Was Viktoria mit ihrem Telefonat mit Livia bezwecken will, verstehe ich nicht ganz. Das heißt, was sie bezwecken will, vielleicht schon. Nur scheint mir ihre Wortwahl und das, was sie sagt, dazu eher ungeeignet zu sein.

    Dieser Anruf hatte mich auch irritiert. Aber Viktoria wollte ja auch schon wieder auflegen und wusste kaum, was oder wie sie es sagen sollte. Aus meiner Sicht will sie Livia einfach nur schützen, da ihr Felix Verhalten und vor allem seine Hochzeit nicht gefielen.

    Viktoria war Livia schon immer sympathisch, obwohl sie sie gar nicht kennt. Sie meinte wohl, sie habe es verdient, informiert zu werden, wo ihr treuloser Verlobter das schon nicht tut.

    Ich denke, Viktoria wollte bei Livia um Verständnis werben, dass Felix sich bei ihr nicht gemeldet hat und sie somit bei Stange halten. Dazu musste sie eben genau die Dinge erzählen, die passiert sind.

    Im Gespräch mit Antoinette im Reisebüro wird deutlich, dass Felix seinen Entschluss „nach Hause“ zu fahren, schon wieder aufgeweicht hat. Er will hin- und herfahren.

    Viktoria schätzt Felix genauso ein.

    „so schnell wird er wieder zurückwollen. Und wieder abgestoßen sein. Und wieder zurückwollen.“ Sie scheint ihn wirklich sehr gut zu kennen.


    Ich gebe zu, dass ich zum erstenmal in dem Buch richtig mitgefiebert habe, ob Felix wirklich nach Amerika zurückkehrt, zumal ja Viktoria solche Zweifel in mir gesät hat. Und dann war da noch der seltsame Mensch, der Felix' Fahrkarte haben wollte. Ich war froh, als Felix endlich im Zug sitzt und wegfährt. Bis zuletzt war ich mir nicht sicher, ob er nicht in letzter Sekunde abspringt.


    Ich freue mich, dass die Beziehung zwischen Felix und Anita doch nicht ganz abgerissen ist. Es bleibt eine Grundlage, auf der sie aufbauen können. Auch wenn das unter den gegebenen Umständen sicher sehr schwer ist.


    So sehr ich am Anfang meine Probleme mit Viktoria hatte, sie gefällt mir immer mehr. Sie hat das Herz am rechten Fleck. Auch sie nimmt sich vor, in Zukunft zu helfen. Sie ist fähig, ihre Meinung zu ändern.


    Es gefällt mir, wie Felix' letzte Stunden in Wien beschrieben sind, seine Wanderung durch die Stadt, seine Gedanken und Gespräche. Vor allem die Szene auf dem Friedhof ist so schön beschrieben. „Ein Frieden ohnegleichen breitete sich aus.“ Hier dachte ich: Endlich! Endlich findet Felix seinen Frieden. Doch weit gefehlt! „Was war falsch an diesem holden Frieden … dass er zum Wahnsinn oder zur Verzweiflung führte?“

    Felix läßt sich überreden, sich um eine Stelle als Lehrer zu „bewerben“.

    Mit Felix kann man irgendwie alles machen. Ist das einfach nur eine Willenlosigkeit oder Ausdruck seiner Sehnsucht zu bleiben?

    Ich finde es im Gegenteil folgerichtig, dass Felix bleiben will, um zu helfen. Noch dazu jungen Leuten Demokratie zu lehren. Er wird gebraucht.


    Ich weiß nicht, warum der Autor Felix so ganz vorsichtig und über Umwege an das Thema „Helfen“ heranführt. Im Reisebüro will Antoinette den Satz: „Man kann helfen.“ noch nicht aussprechen. Es braucht erst den Besuch im P.X., dem Geschäft für Amerikaner, und den "Schrei nach Verständnis".


    Wieso ist Felix das nicht schon lange eingefallen?

    Er hatte doch schon lange tiefstes Mitleid mit den Menschen und hätte am liebsten alle Schuld vergeben und vergessen wollen. Hätte er da nicht von selbst drauf kommen und nicht erst von Antoinette angeschoben werden müssen?

    Aber wieviel Zeit ist eigentlich vergangen seit seiner Ankunft in Wien? Ein paar Wochen. Und wieviel ist passiert!

    Kap. 30 - 34


    Das Verhältnis zwischen Felix und seiner Mutter ist wohl endgültig ruiniert. Verhält sich so eine Mutter? Als sie von Gertruds Tod erfährt, gibt sie ihm sofort die Schuld. Und als später die Leute vom C.I.C. auftauchen, ist Anita sich sicher, dass Felix sie anzeigt hat.

    Viktoria hingegen tut alles, um Felix zu schützen. Ich glaube auch nicht, dass sie sich groß darüber Gedanken macht, wie weit Felix Schuld hat.

    Felix trifft nur insofern eine Schuld an Gertruds Tod als er sie aus dem Hospital einfach "entführt" hat. Sie hat einen schweren Nervenzusammenbruch erlitten. Sie danach weiteren seelischen Erschütterungen auszusetzen war schon unverantwortlich.

    Das stimmt. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Er hat sie womöglich völlig überfordert.


    Und plötzlich will Felix „nach Hause“. Ist er jetzt geheilt? Ich denke, zumindest zwei seiner Bindungen zu Österreich sind gerissen.


    Beim Verhör wird deutlich, wie unterschiedlich man Schuld beurteilen kann. Gertrud wurde "durchgeschleust". Ich nehme an, das bedeutet, sie wurde entlastet. Felix hingegen hat sich verdächtig gemacht, weil er sich in den Augen der Amerikaner unamerikanisch verhalten hat.

    Viktoria weist auf einen grundsätzlichen Fehler seitens Amerika hin:
    "Sie behandeln die Leute, die Hitler verjagt hat, wie freiwillige Emigranten."


    Folgenden Gedanken Viktorias über die amerikanischen Offiziere finde ich bemerkenswert (S. 304):

    "die, weil sie sich hier pudelwohl fühlten, gut Freund mit früheren Feinden waren, und eine gesellschaftliche Stellung genossen, die den früheren Autohändlern und Hilfslehrern zu Hause nie wieder beschieden sein würde".

    Inwieweit man ihm eine Mitschuld am Tod Trudes geben kann, weiß ich nicht so recht. Irgendwann mußte das Thema auftauchen, und zu einer richtigen Aussprache zwischen den beiden ist es nie gekommen.

    Mir ist nicht klar, was der Hauptgrund für Trudes Selbstmord ist. Waren es die Schuldgefühle oder die Mauer zwischen Felix und ihr.

    Die beiden stecken in dem Dilemma, dass Felix verständlicherweise auf eine Aussprache besteht. Gleichzeitig ist aber klar, dass diese Aussprache nicht die Mauer zwischen beiden verschwinden lassen würde. Ich vermute, dass Felix ihr entweder nicht verziehen oder ihr nicht geglaubt hätte, je nach dem, wie ihre Beichte ausgefallen wäre.

    Was für eine Hochzeit! In der Kirche fällt Mauerwerk herunter, für die Menschen keine große Sache, Unglück als Selbstverständlichkeit.

    Ganz im Gegensatz dazu brezelt sich Viktoria auf, völlig taktlos (ozeanentfernte Haltung) angesichts der Armut, findet Felix. Macht sie das mit Absicht oder aus Gedankenlosigkeit?


    Der Spaziergang durch das verlassene Grinzing drückt sehr gut den Kontrast von diesem „Glücks- und Zuversichtsort“ zur Hoffnungslosigkeit der Menschen aus. Hier macht sich Felix Gedanken zu Recht und Gerechtigkeit. Wo ist die Grenze zu Rache, wenn man zulässt, dass es hungernde Kinder gibt. Man sollte vergeben und vergessen.


    Fast schon gespenstisch mutet die Hochzeitsfeier im Freien auf mich an. Unweigerlich kommt es auch zum Eklat. Beeindruckend und zum Nachdenken die „Rede“ des Herrn Jellinek (S.252ff). Ob Felix seine Blindheit und Naivität irgendwann verliert?

    Immerhin sagt er sich von Herrn Ardesser los. Gleichzeit wird ihm bewusst, dass er nur Fehler machen kann. Er will vergeben und vergessen um der hungernden Kinder willen, doch damit wird er schuldig an den Opfern.


    Schließlich bleibt auch Gertrud nichts anderes mehr übrig, als sich Gedanken über ihre Schuld zu machen: wo sie weggeschaut, Unrecht zugelassen hat. All diese "kleinen" Dinge, die viele gemacht haben. Dabei hat sie sogar jemanden versteckt.

    An dieser Stelle habe ich Mitleid mit ihr bekommen. Hat sie denn nicht Mut bewiesen und doch etwas „dagegen“ getan? Doch später wird mir klar, dass sie selbst bis zu diesem Zeitpunkt immer noch das Wichtigste verdrängt, ihr Verhältnis zu den Nazi-Größen. Und als Felix sie damit konfrontiert, tut sie es ab: „Für Unschuld gibt’s keinen Beweis. Nur für Schuld.“

    Ich denke, für Felix wäre es sehr wichtig gewesen, dass sie hier ganz offen ist und alles zugibt. Sie schafft es aber nicht. Sie merkt, dass das immer zwischen ihnen stehen wird.


    Dass sie sich ausgerechnet mit Gas tötet, ist sicher kein Zufall.

    Kap. 25 – 26


    Die Szene im Krankenhaus ist großartig! :anbet Diese nächtliche Stimmung, in der Traum und Wirklichkeit ineinander fließen.


    Felix erfasst unendliches Mitleid mit den Patientinnen. Er will nicht mehr nach der Schuld fragen. Einfach vergeben und vergessen. Genau das wollte er damals in den USA nicht.

    Darf man denn das überhaupt? Sicher kann Felix das vergeben und vergessen, was ihm persönlich angetan worden war. Aber darf er auch das vergessen, was anderen angetan worden war?


    Und der angefangene Satz: „Das nennst du …“

    Felix versteht irgendwann als Fortsetzung „Leben“, während Gertrud später überzeugt ist, es hätte „Treue“ geheißen. Ich schließe jetzt einfach mal daraus, dass das Thema Treue für sie eine große Rolle spielt. Eventuell fürchtet sie am meisten diesen Satz als Vorwurf von seiten Felix'.

    Die Auftritte im Hinblick auf den Auftritt von Gertrud als „Carmen“ sind auch vielsagend. Vor dem Theater wie in demselben. Die Nazis sind noch ziemlich stark, alles irgendwiedurchsetzt. Und es gibt viele, die unter den Nazis gelitten haben - sich aber anscheinend letztlich nicht durchsetzen können. Den eisernen Besen, der nach dem Krieg ausgekehrt hätte, gab es anscheinend nicht. Einbeängstigender Gedanke. Vor allem: wie konnten nach allem, was passiert war, die Menschen noch dermaßen an Hitler und den Nazis hängen, wie es hier zum Ausdruck kommt?

    Für mich stellt sich hier auch die Frage, wie man sich zu Kunstwerken (Musik, Bilder, Literatur) stellen soll, wenn der Künstler Unrecht begangen hat. Soll man sie boykottieren? Soll man zwischen Künstler und Werken trennen? Kann man das überhaupt?

    Sogar der Regisseur, selbst ehemaliger KZ-Insasse, lobte Gertruds Leistung in den Himmel und hatte kein Verständnis für die Demonstranten. Kein Wunder, dass Felix sich fühlte, als ob man ihm erneut auf den Kopf geschlagen hätte.


    Auch in Felix geht einiges vor. In der Garderobe zwischen Schminktisch und dem Sofa, auf dem er lag, „lag plötzlich ein Zwischenraum von viel mehr als fünf Schritten … Die fünf Schritte wurden immer weiter“. Es regt sich Misstrauen in ihm, Wieviel spielt sie ihm nur vor?

    Bis jetzt bin ich mir nicht sicher, inwieweit Anita für oder gegen die Nazis oder gar neutral war.

    Gertruds wahres Innenleben und ihre Vergangenheit bleiben ja etwas nebulös, um dies wirklich beurteilen zu können.

    Das ist etwas, was mich anfangs sehr gestört hat. Aber mittlerweile finde ich das sehr passend. Denn in dieser Zeit haben die Menschen sicher wenig über die Vergangenheit gesprochen. Weil sie sie selbst noch verdrängt haben, weil sie nicht wussten, wo der andere steht, oder genau deshalb, weil sie es wussten,

    misstrauisch waren, etc.


    Erwähnenswert finde ich die kurze Zeitspanne (S. 192/93), in der sogar Viktoria kurz sentimental wird. Wegen der linden Luft in Wien, wie sie denkt.
    „Oder zog die Heimat einem die fremden Kostüme aus und machte einen wieder zu der Person, die man war?“ (Was für ein toller Satz!)

    Aber sie geht gegen diese Gefühle an, im Gegensatz zu Felix.

    In den Erklärungen etwa über die Einbürgerung in Amerika (vgl. z. B. S. 198) kommt die Zerrissenheit der Emigranten zum Ausdruck. Allerdings frage ich mich (und ich weißes wirklich nicht), ob die die amerikanische Staatsbürgerschaft annehmen mußten oder nicht. Wenn nicht - warum hat er es dann getan, wenn er so an Österreich hängt?

    Er sagt ja (S. 197), dass er es unter falschen Voraussetzungen getan hat, ebenso wie die Verlobung mit Livia.

    Österreich und Gertrud hat er geliebt, von beiden wollte er sich trennen, weil er fälschlicherweise angekommen hatte, dass sie tot sind. Jetzt, wo er erfährt, dass beide leben, ist es für ihn völlig selbstverständlich sich wieder zu ihnen zu bekennen. Das klingt erst einmal logisch. Doch Felix übersieht, dass sich beide, Heimat und Gertrud, verändert haben.

    Wie kann man als Jurist nur dermaßen naiv und weltfremd sein?!

    Er ist für mich völlig unglaubwürdig und der Autor hätte gut daran getan, ihn nicht ganz so arglos, naiv und unüberlegt darzustellen. Wäre er 20, könnte ich das akzeptieren.

    Er hat also anscheinend während der Überfahrt mehr oder weniger den Verstand verloren. Das würde so manches erklären.

    Ich denke nicht, dass es die Absicht des Autors war, Felix naiv darzustellen.
    Es ging ihm um den Ausnahmezustand, in dem sich Felix befand. Es ist von Wahnsinn, Verwirrung und Seelenrausch die Rede. Und Felix ist sich seines Zustandes bewusst. Aber er kann nicht anders.


    Ich gebe zu, dass es mir nicht möglich ist, mich hier in Felix hineinzuversetzen. Ich schaue ihm nur staunend zu und wundere mich, was alles möglich ist.

    Es ist mir sehr schwer gefallen, mich bei der Punktevergabe zu entscheiden.



    Totenwache - Wachentod


    Die Geschichte hat mich angeprochen, denn ich habe mir schon öfter versucht vorzustellen, was Menschen in der Situation Tuthoxep gedacht haben. Hatten sie vollstes Vertrauen in ihre Religion und ihren Versprechungen oder wären sie auch am liebsten abgehauen?


    Leider erfährt man nicht, ob ihm die Flucht gelingt. Aber das ist wohl ein andere Geschichte und wird vielleicht ein andermal erzählt.


    Das Ritual


    Ich hatte sofort die Atmosphäre des australischen Outbacks gespürt. Ich stellte mir Aboriginies und Songlines vor und war von einer mystischen Stimmung eingefangen. Dass die Geschichte wohl eher in Afrika angesiedelt ist (Mbo klingt für mich nach Afrika), spielt hier keine Rolle.

    Ich habe die Geschichte zweimal lesen müssen, um zu verstehen, dass das Ritual inszeniert wurde, damit Mbo alles per Handy aufzeichnen und für die Nachwelt retten konnte.

    Sehr geschickt fand ich den Satz eingestreut: „Er unterdrückte den Impuls, nach seinem Handy zu tasten.“ Und ich dachte noch: „Unmöglich, in so einer Situation ans Handy zu denken!“


    Warte, werde...


    Ich gebe zu, dass ich nicht alles verstanden habe. Was bedeutet der Titel „Warte, werde, wache auf!“? Wieso war der Professor ihr lästig?

    Dennoch hat mir die surreale Stimmung sehr gut gefallen, und ein bisschen grübeln macht mir Spaß.


    Kollateralschaden


    Leider hat mich das Wort „Schnuffelchen“ völlig irritiert. Ich dachte zuerst, es sei ein Tier. Vielleicht war das der Grund, warum bei mir die Angst nicht so angekommen ist.



    Ein ganz normaler Freitag


    Diese Geschichte hat mich sehr erfolgreich in die Irre geführt. Was ist sie nun, eine Spionin oder ein Body-guard? Beides zusammen geht nicht. Nähe und gleichzeitig Distanz wurden sehr gut dargestellt.

    Den Schluss musste ich zweimal lesen, bis mir endlich ein Licht aufging.


    Schon witzig, Schutzengel als zickige Frauen darzustellen.



    Der Baum


    Ich finde es sehr schwierig, ein Gedicht mit Prosatexten zu vergleichen.

    Vermutlich soll dieses Gedicht uns optimistisch stimmen und uns Mut machen, uns für die Umwelt einzusetzen, auch wenn es sich nur um einen einzelnen Baum handelt.

    Ob das gelingt, liegt sicher auch an der Einstellung des Lesers.

    Aber egal. Lasst uns kämpfen!!!


    Die Absicht bezüglich der Satzzeichen kann ich nicht erkennen.



    Der Strand


    Was für eine harte Lektion über Verantwortung! Dass etwas passieren würde, als die beiden im Gebüsch verschwanden, war klar. Doch ich erwartete bis zuletzt, dass sich alles positiv auflösen würde.

    Dieser Konflikt zwischen Anita und ihrer Schwiegermutter scheint ja schon sehr alt zu sein und wir können nur die Auswirkungen erleben.

    Merkwürdig finde ich es schon, dass Anita damals insbesondere ihre Mädchen alleine in ein fremdes Land hat gehen lassen. Felix war ja schon erwachsen, aber die Mädchen können höchstens Teenager gewesen sein.

    Ja, man kann sich nicht vorstellen, welche Gründe dazu geführt haben. Ich hoffe ja, dass man noch mehr darüber erfährt.

    Ich denke, es ist aber auch symptomatisch für diese Zeit, dass der eine nicht vom anderen wusste, warum er was getan hat. Gesprochen wurde nicht darüber. Jeder misstraut dem anderen, jeder glaubt das, was er gerne glauben möchte, und zieht in Zweifel, was er nicht hören will.


    Die Aufarbeitung hat noch längst nicht begonnen. Man war einfach nur damit beschäftigt zu überleben.

    Ich finde es übrigens äußerst erstaunlich, wie sehr immer wieder die Besatzer für die Misere im Land verantwortlich gemacht werden. Das ist sicher etwas, was der Autor zeigen will.

    Manche haben doch tatsächlich die Besatzer als Feinde angesehen.


    Ich war erstaunt, als ich einmal in einem Fernsehbericht gesehen habe, dass die Versorgungslage während des zweiten Weltkrieges trotz Lebensmittelrationierung gar nicht so katastrophal war, wie ich immer geglaubt hatte. Das Deutsche Reich hat sich aus den besetzten Gebieten versorgt. Viel schlimmer wurde es erst danach.