Beiträge von made

    In den Erklärungen etwa über die Einbürgerung in Amerika (vgl. z. B. S. 198) kommt die Zerrissenheit der Emigranten zum Ausdruck. Allerdings frage ich mich (und ich weißes wirklich nicht), ob die die amerikanische Staatsbürgerschaft annehmen mußten oder nicht. Wenn nicht - warum hat er es dann getan, wenn er so an Österreich hängt?

    Er sagt ja (S. 197), dass er es unter falschen Voraussetzungen getan hat, ebenso wie die Verlobung mit Livia.

    Österreich und Gertrud hat er geliebt, von beiden wollte er sich trennen, weil er fälschlicherweise angekommen hatte, dass sie tot sind. Jetzt, wo er erfährt, dass beide leben, ist es für ihn völlig selbstverständlich sich wieder zu ihnen zu bekennen. Das klingt erst einmal logisch. Doch Felix übersieht, dass sich beide, Heimat und Gertrud, verändert haben.

    Wie kann man als Jurist nur dermaßen naiv und weltfremd sein?!

    Er ist für mich völlig unglaubwürdig und der Autor hätte gut daran getan, ihn nicht ganz so arglos, naiv und unüberlegt darzustellen. Wäre er 20, könnte ich das akzeptieren.

    Er hat also anscheinend während der Überfahrt mehr oder weniger den Verstand verloren. Das würde so manches erklären.

    Ich denke nicht, dass es die Absicht des Autors war, Felix naiv darzustellen.
    Es ging ihm um den Ausnahmezustand, in dem sich Felix befand. Es ist von Wahnsinn, Verwirrung und Seelenrausch die Rede. Und Felix ist sich seines Zustandes bewusst. Aber er kann nicht anders.


    Ich gebe zu, dass es mir nicht möglich ist, mich hier in Felix hineinzuversetzen. Ich schaue ihm nur staunend zu und wundere mich, was alles möglich ist.

    Es ist mir sehr schwer gefallen, mich bei der Punktevergabe zu entscheiden.



    Totenwache - Wachentod


    Die Geschichte hat mich angeprochen, denn ich habe mir schon öfter versucht vorzustellen, was Menschen in der Situation Tuthoxep gedacht haben. Hatten sie vollstes Vertrauen in ihre Religion und ihren Versprechungen oder wären sie auch am liebsten abgehauen?


    Leider erfährt man nicht, ob ihm die Flucht gelingt. Aber das ist wohl ein andere Geschichte und wird vielleicht ein andermal erzählt.


    Das Ritual


    Ich hatte sofort die Atmosphäre des australischen Outbacks gespürt. Ich stellte mir Aboriginies und Songlines vor und war von einer mystischen Stimmung eingefangen. Dass die Geschichte wohl eher in Afrika angesiedelt ist (Mbo klingt für mich nach Afrika), spielt hier keine Rolle.

    Ich habe die Geschichte zweimal lesen müssen, um zu verstehen, dass das Ritual inszeniert wurde, damit Mbo alles per Handy aufzeichnen und für die Nachwelt retten konnte.

    Sehr geschickt fand ich den Satz eingestreut: „Er unterdrückte den Impuls, nach seinem Handy zu tasten.“ Und ich dachte noch: „Unmöglich, in so einer Situation ans Handy zu denken!“


    Warte, werde...


    Ich gebe zu, dass ich nicht alles verstanden habe. Was bedeutet der Titel „Warte, werde, wache auf!“? Wieso war der Professor ihr lästig?

    Dennoch hat mir die surreale Stimmung sehr gut gefallen, und ein bisschen grübeln macht mir Spaß.


    Kollateralschaden


    Leider hat mich das Wort „Schnuffelchen“ völlig irritiert. Ich dachte zuerst, es sei ein Tier. Vielleicht war das der Grund, warum bei mir die Angst nicht so angekommen ist.



    Ein ganz normaler Freitag


    Diese Geschichte hat mich sehr erfolgreich in die Irre geführt. Was ist sie nun, eine Spionin oder ein Body-guard? Beides zusammen geht nicht. Nähe und gleichzeitig Distanz wurden sehr gut dargestellt.

    Den Schluss musste ich zweimal lesen, bis mir endlich ein Licht aufging.


    Schon witzig, Schutzengel als zickige Frauen darzustellen.



    Der Baum


    Ich finde es sehr schwierig, ein Gedicht mit Prosatexten zu vergleichen.

    Vermutlich soll dieses Gedicht uns optimistisch stimmen und uns Mut machen, uns für die Umwelt einzusetzen, auch wenn es sich nur um einen einzelnen Baum handelt.

    Ob das gelingt, liegt sicher auch an der Einstellung des Lesers.

    Aber egal. Lasst uns kämpfen!!!


    Die Absicht bezüglich der Satzzeichen kann ich nicht erkennen.



    Der Strand


    Was für eine harte Lektion über Verantwortung! Dass etwas passieren würde, als die beiden im Gebüsch verschwanden, war klar. Doch ich erwartete bis zuletzt, dass sich alles positiv auflösen würde.

    Dieser Konflikt zwischen Anita und ihrer Schwiegermutter scheint ja schon sehr alt zu sein und wir können nur die Auswirkungen erleben.

    Merkwürdig finde ich es schon, dass Anita damals insbesondere ihre Mädchen alleine in ein fremdes Land hat gehen lassen. Felix war ja schon erwachsen, aber die Mädchen können höchstens Teenager gewesen sein.

    Ja, man kann sich nicht vorstellen, welche Gründe dazu geführt haben. Ich hoffe ja, dass man noch mehr darüber erfährt.

    Ich denke, es ist aber auch symptomatisch für diese Zeit, dass der eine nicht vom anderen wusste, warum er was getan hat. Gesprochen wurde nicht darüber. Jeder misstraut dem anderen, jeder glaubt das, was er gerne glauben möchte, und zieht in Zweifel, was er nicht hören will.


    Die Aufarbeitung hat noch längst nicht begonnen. Man war einfach nur damit beschäftigt zu überleben.

    Ich finde es übrigens äußerst erstaunlich, wie sehr immer wieder die Besatzer für die Misere im Land verantwortlich gemacht werden. Das ist sicher etwas, was der Autor zeigen will.

    Manche haben doch tatsächlich die Besatzer als Feinde angesehen.


    Ich war erstaunt, als ich einmal in einem Fernsehbericht gesehen habe, dass die Versorgungslage während des zweiten Weltkrieges trotz Lebensmittelrationierung gar nicht so katastrophal war, wie ich immer geglaubt hatte. Das Deutsche Reich hat sich aus den besetzten Gebieten versorgt. Viel schlimmer wurde es erst danach.

    Mist!! Gerade stelle ich fest, dass das folgende schon in den nächsten Leseabschnitt gehört.


    Kap. 18 – 20


    Als Felix am 2. Tag aufwacht, wird ihm sein Dilemma bewusst. Die zwei Menschen, die er in seinem Leben am meisten geliebt hat, hatten sich dem Nazi-Regime zugewandt. Sie versuchen sich zu rechtfertigen, wie es sehr viele damals gemacht haben.

    Sein Verstand und Herz kämpfen miteinander. Er beschließt, dem Herzen zu folgen.


    Ich denke, dieses Dilemma war damals weit verbreitet. Die Ideologie hat Familien gespaltet. Es war nach dem Krieg eben nicht für alle möglich, einfach froh zu sein, dass alles vorbei ist und sich in den Arm zu nehmen. Manche Gräben sind für immer geblieben.


    Dann folgt eine Szene von inniger Zweisamkeit zwischen Felix und seiner Mutter. Wie schön!


    Als Viktoria wieder einmal Anita angreift, sagt diese auch mal ihre Meinung. Was für harte Worte!

    „Ihr habt mich nicht gebraucht und nicht einmal gewollt.“ Doch zumindest was Felix betrifft, scheint mir das ein Irrtum gewesen zu sein. Wie tragisch!


    Warum Felix unbedingt und sofort Gertrud heiraten will, verstehe ich nicht. Ich denke, da ist viel Trotz dabei. Ich habe den Eindruck, dass Felix sich schon seit Jahren nicht zwischen USA und Österreich entscheiden konnte. Durch eine Heirat mit Livia wollte er sich an die USA binden. Jetzt hat er sich doch für Österreich entschieden und will dies mit einer Heirat mit Gertrud manifestieren.

    Dabei ist er sich durchaus bewusst, dass er wie ein Wahnsinniger handelt, dass irgendetwas ihm die Worte diktierte, dass etwas aus ihm redet. Und dennoch fühlte es sich für ihn richtig an. Das kann wohl nur er verstehen.


    Was sollte Viktorias Auftritt beim General? Felix war stolz auf sie, ich fands lächerlich.

    Was für ein Tag!


    Es ist mir erst jetzt aufgefallen, dass das alles an Felix' erstem Tag in Wien passiert ist:


    schlaflose Nacht im Zug

    Zusammentreffen mit seiner Mutter

    Treffen mit Mr. Cook und Besuch des Stephansdoms

    Gespräch mit Dr. Pauspertl (dem Kazettler) im Justizministerium

    Besuch des Friedhofs und des verwüsteten Grabs

    Gerichtsprozess

    Begegnung mit der Fürstin und ihrer Tochter

    gesundheitlich angeschlagene Viktoria

    Besuch im Bristol

    Begegnung mit Gertrud


    Was mich aber ziemlich erschüttert hat ist, wie blauäugig Felix sich in das Gerichtsverfahren begeben hat und wie unbedarft er seine Zeugenaussage gemacht hat. Wäre er kein Jurist, sondern Bäckermeister oder Arzt, könnte ich das verstehen.

    Aber der Mann war jahrelang in einem Wiener Ministerium tätig und muss doch wissen, was da mit seiner Aussage auch auf ihn zukommen kann.

    Kann man Felix vorwerfen, dass er an so einem Tag diesen Gerichtsprozess nicht professionell angeht? Schlafmangel, Schwindel, weil er nichts gegessen hatte, jede Menge höchst aufwühlende Ereignisse innerhalb kürzeste Zeit. Er hatte überhaupt keine Zeit sich auf den Prozess vorzubereiten.


    Hätte er die Aussage verweigern sollen? Er, der sich vorgenommen hatte, sich nicht mehr von der Angst leiten zu lassen, sich durch Unwahrheiten Ungelegenheiten zu bereiten, dieser Angst, von der die Katastrophen kommen.


    Soll er klaren Kopf bewahren, wenn er den Geliebten seiner Mutter und andere Nazis unter den Zuschauer entdeckt? Muss er, auch als gelernter Jurist, damit rechnen, dass kurz nach einem so beispiellos verbrecherischem Regime die Opfer, die in einem Prozess als Zeugen aussagen, selbst beschuldigt werden?


    Ich denke, dass diese Kriegsverbrecherprozesse auch für gelernte Juristen Neuland waren. Wieviel Berufserfahrung im Strafrecht hatte Felix überhaupt? Nur weil er Jurist ist, heißt das nicht, dass er sämtliche Tricks der Verteidiger und Staatsanwälte kennt.

    Kap. 16


    Das Gespräch zwischen Felix und Dr. Pauspertl, dem Kazettler, ist sehr bemerkenswert. Ein Gepräch von Opfer zu Opfer.

    Felix geht es hier ähnlich wie seiner Großmutter in Paris im Gespräch mit M. Ribaud. Er ist verletzt darüber, dass sein Schicksal und das aller Emigranten voller Vorurteile betrachtet und ihr Leid ignoriert wird. Gleichzeitig ertappt er sich, wie er selbst Vorurteile gegenüber den Kazettlern hat.

    Ich habe das so verstanden, dass Anita auch nicht mehr da wohnt, wo sie früher gewohnt hat und dann verwundert es nicht, wenn Pakete nicht ankommen.

    Du hast recht.

    Nur als Anita von den zwei Briefen erzählte, die zurückgeschickt wurden, lenkte Viktoria schnell vom Thema ab. Ich habe mich gefragt, ob sie ein schlechtes Gewissen hatte.

    Endlich trifft Felix seine Mutter wieder. Unter diesen Umständen kann es kein unbeschwertes Wiedersehen werden. Spannung liegt in der Luft. Ich denke, wenn beide Frauen gesundheitlich nicht so angeschlagen wären, wären früher oder später die Fetzen geflogen. Doch so gibt es eher Andeutungen. Keines von Felix' Paketen ist angekommen. Umgekehrt hat Felix irgendwann keine Briefe mehr von Anita bekommen. Hatte da jemand die Hand im Spiel, um die Bindung endgültig zu kappen?


    Ich kann verstehen, dass Viktoria nicht gut auf Anita zu sprechen ist. Und für mich ist spätestens jetzt klar, dass sie nur mitgefahren ist, um Felix zu schützen. Sie hat Sorge, dass er noch einmal von seiner Mutter verletzt wird.

    Allerdings habe ich das Gefühl, dass es noch mehr unausgesprochene Dinge gibt.


    Überrascht war ich über die Aussage, dass Anita Herrn von Ardesser seit fast 30 Jahren leidenschaftlich geliebt hatte. Wie alt sind Felix' Schwestern? Es heißt, sie wären im College. Sie sind also sicher jünger als 30.

    Die ganze Zeit denke ich darüber nach, wie seltsam ich es finde, dass jemand so an seiner Heimatstadt hängt. Ob das eine Generationenfrage ist?

    Wie geht es euch damit?

    Ich denke, es ist aus großer Unterschied, ob man seine Heimat aus eigenem Entschluss verlässt, mit dem Wissen jederzeits zurückkehren zu können, oder ob man vertrieben wird.

    Ich kenne das von den Vertriebenen aus Schlesien, Sudeten etc. Manche haben ihr Lebtag lang nicht damit abschließen können. Sicher spielt da auch das Gefühl der Ungerechtigkeit eine Rolle.

    Viktoria ist eine harte Frau geworden. Ich glaube aber, sie erwartet kein Mitgefühl.

    Ich denke doch.

    "Sie hatte alles Verständnis für M. Ribauds Missgeschick, aber es wäre immerhin denkbar gewesen, dass der Mann gefragt hätte: 'Und wie ist es Ihnen ergangen in all den Jahren?'


    Da steht tatsächlich Missgeschick!

    Kap. 10 - 11


    Das Telefonat zwischen Felix und seiner Mutter hat mich sehr berührt, auch wenn es sehr kurz war. Erst nach und nach wird deutlich, wie sehr Felix sie vermisst hat. Ich wundere mich, dass vorher so wenig von ihr die Rede war. Sie war das schwarze Schaf in der Familie. Und auch Felix scheint sie aus seinen Gedanken verbannt zu haben, bis jetzt.



    Das Gespräch mit Ribaud (Kap. 11) ist grandios! Für mich ist diese Szene ein, wenn nicht der Höhepunkt in diesem Buch bisher.


    Ich finde Viktoria manchmal sehr egoistisch. Sie erwartet Mitgefühl für das, was ihr widerfahren ist. Aber umgekehrt bringt sie auch keines auf. Sie, die früh dem Wahnsinn entkommen war und keinen Krieg miterlebt hat.


    Ich vermute, dass das tatsächlich damals ein großer Konflikt war zwischen denen, die geflohen sind, und denen, die geblieben sind, alles erlitten haben und natürlich auch schuldig geworden sind.


    Dieser Dialog ist schon krass, als Viktoria Ribaud auf seine Schuld anspricht. Er sagt ihr:

    „Wissen Sie jemanden, der in diesen letzten acht Jahren, seit die Hölle auf diese Welt kam, ohne Verschulden war? … Wenn Sie mir das Geheimnis verraten, wie man schuldlos bleibt, wenn alle Schuld haben, dann werden Sie meine Kenntnisse und meine Achtung vor den Menschen erheblich vermehren.“

    Ribauds psychische Erschöpfung und Resignation wird sehr deutlich bei der Beobachtung der jungen Mutter, die mit ihrem Kind spielt. Während Viktoria diese Szene hoffnungsvoll bewertet: „Das hat Hitler nicht ändern können.“, sagt Ribaud: „Sie irren, selbst das. Es ist nur noch Fassade.“

    Bei diesem Satz fühlte ich mich, als ob man mir mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen hätte.


    Und dann Viktorias Unterstellung, Ribaud hätte das nur gesagt, um Felix an seiner schwachen Seite zu packen. Heftig!

    Ja. Und es ist eben doch ein Unterschied, ob ich ein paar Fotos oder kurze Filmsequenzen sehe oder wirklich in den Trümmern stehe.

    Was die nicht mehr funktionierenden Abläufe betrifft:

    Das ist wie bei einem längeren Stromausfall heutzutage. Da merkt man auch erst, was alles nicht mehr geht, wenn es soweit ist.