Beiträge von made

    Wenn man bedenkt, wie sehr auf Standesunterschiede geachtet wird, macht das die Sache nicht leichter. Er kann die Leute nicht einfach ansprechen. Aber vielleicht wird das ja noch. Die Besucher in Balbec scheinen ja nicht nur ein oder zwei Wochen dort zu sein.


    Es hat mich früher schon gewundert, dass Freunde nie das Thema waren. Dennoch wurde ein paar Mal so nebenher von Kameraden und Freunden gesprochen. Anscheinend hatte er doch Kontakte. Warum die allerdings so gut wie nie erwähnt werden, verstehe ich nicht. Er hatte in Paris sicher auch noch anderes zu tun, außer zu den Swanns zu gehen. Man erfährt aber gar nichts davon. Vielleicht weil das alles nicht zum Thema "Verlorene Zeit" gehört?

    In einem Abschnitt nimmt er ausdrücklich Bezug auf Proust, ist aber der Meinung, es sei nicht die Zeit, die ihm (Witzel) verloren gegangen ist, sondern die Orte.

    Ist es denn nicht bei Zeit und Ort gleichermaßen, dass sie immer nur in Zusammenhang mit Menschen oder Erfahrungen eine Bedeutung haben?

    Mir selbst ist dieses Haften an einem Ort, an einem bestimmten Zimmer völlig unverständlich. Das kommt aber sicher daher, dass ich völlig anders aufgewachsen bin und in meiner Kindheit immer in einem Gewusel von Menschen gelebt habe. Ich war eher froh, woanders zu sein und da meine Ruhe zu haben.

    Er hat halt woanders keine Ruhe, wenn ihm dieses Woanders fremd ist. Vielleicht würde man Marcels Zustand heute mit Hypersensibilität bezeichnen.

    II/25.


    So langsam bekomme ich eine Ahnung, wie Marcel tickt. Wenn ich mir vesuche vorzustellen, wieviele Reize auf ihn einstürmen, die er einfach nicht ausblenden kann, und was die für eine Maschinerie von Gedankengängen und Assoziationen in Gang setzen, ist ja klar, dass er völlig überreizt ist und nur sehr schwer zur Ruhe kommt. Sogar die Zimmereinrichtung scheint ihn zu erdrücken, bis endlich die Gewöhnung einsetzt. So ein Ortswechsel muss ja fast wie ein Tsunami für ihn sein.


    II/26.


    Dieser Abschnitt war sehr angenehm zu hören. Er beschreibt die Gesellschaft in Balbec. Was für eine Beobachtungsgabe! Köstlich der Vergleich mit dem Aquarium!

    Gut gefallen hat mir auch die Beschreibung von Leuten, die ihre eigenen Kreise nicht verlassen wollen.

    Ich denke, der Autor muss sich doch auch über sich selbst lustig machen. Diese verklärten Vorstellungen vom Leben mit dem jungen Bauernmädchen müssen doch in der Rückschau eher zum Lachen sein.

    Guter Gedanke! Der Sprecher hat aber immer so einen ernsthaften Ton drauf, dass ich gar nicht auf diese Idee gekommen bin. Aber auch so manche Ironie fällt mir erst im Nachgang auf.

    Ich habe schon wieder vergessen, ob das in Wirklichkeit Caen sein soll? Sollte ein Wunder geschehen und wir Ende Mai nach Frankreich fahren, werde ich auf dem Weg die Kathedrale anschauen.

    Dann drück ich dir die Daumen.

    II/24.


    Hier durchlebt Marcel ein Wechselbad der Gefühle, mal himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt.

    Wobei ich denke, dass seine Hochstimmung, in die er durch den Anblick der jungen Bäuerin gerät, eher durch die Morgenstimmung, vor allem aber durch die romantisierende Vorstellung eines Großstädters vom Landleben ausgelöst wurde.

    Kaum ist er am Zielort angekommen, ist er maßlos enttäuscht, weil (wieder einmal) nichts so ist, wie er es sich vorgestellt hat.


    Seine Großmutter gefällt mir.

    Einmal will er am liebsten Gilberte heiraten und besucht ein Bordell und dann kann er nicht ohne die Mama an die See reisen.

    Und dabei fährt doch auch noch seine Großmutter mit!


    Witzig finde ich, dassd er Arzt ihm Bier gegen Erstickungsanfälle empfiehlt. Okay zur Entspannung kann das helfen. Und dann hat er wohl einen Schwips. Er spricht jedes Wort langsam und betont aus. Wie er die blaue Farbe des Vorhangs wahrnimmt! Man könnte fast auf die Idee kommen, er hätte anderweitige Drogen genommen. Und dann bittet er den Schaffner, bei ihnen Platz zu nehmen. :rofl

    Aber die Schilderung des Sonnenaufgangs gefällt.

    Ja, und die Nacht im Zug mit den Geräuschen.

    Es ist mir aber nach wie vor ein Rätsel, wie er sich nach Jahren noch an Einzelheiten von Odettes Garderobe bei einem Sonntagsspaziergang erinnern kann.

    Das ist wirklich unglaublich. Deshalb frage ich mich, ob das alles wirklich so stimmt. Vermutlich vermischen sich bei ihm die Erinnerungen, wie es eben allen Menschen passiert. Ich habe mir auch schon mal überlegt, ob er, weil er doch schon immer Schriftsteller werden wollte, von Zeit zu Zeit kleine Texte über erlebte Szenen verfasst hat, sozusagen als Skizzen, oder Tagebuch geführt, auf das er später zurückgegriffen hat.

    Mut zur Lücke eben.

    :thumbup:

    Das ist eine eigenartige Gegenüberstellung und ich verstehe sie nicht.

    Ich glaube, es geht um den Kontrast. Er empfindet den Unterschied zwischen dem Abfahrtsort und dem Ankunftsort stärker, wenn er den Weg mit den Zug zurücklegt als mit Auto. Dadurch wirkt der Ortswechsel stärker.

    Genauso verhält es sich mit einem Kunstwerk. Der Kontrast zur nüchternen Umgebung eines Museum ist stärker als in einer vollgestellten Wohnung und kommt dadurch besser zur Geltung.

    Um mich von den tiefschürfenden Gedanken zu erholen, höre ich zwischendurch die Forsythe Saga :lache

    Ich höre zwischendurch auch andere Hörbücher. Ich war letzte Woche fast am Aufgeben, aber im Moment ist es gerade wieder einfacher.

    II/22.


    In diesem Abschnitt wird Odettes Auftritt (oder soll ich sagen Hofhaltung?) bei einem Spaziergang beschrieben und die Abgrenzung der Gesellschaftsschichten. Der Club der Zaungäste! :lache

    Gibt es das heute auch noch? Im Showgeschäft oder im Sport auf jeden Fall.


    Ich bin sehr verwundert, dass ein Mann sich so genau die Kleidung einer Frau anschaut, wie Marcel es tut.

    2 Jahre später


    Er hat sich von Gilberte gelöst. Nur ab und zu bringen kleine Ereignisse vergessene Erinnerungen an die Oberfläche. Ich finde den Gedanken interessant, dass gerade die relativ unbedeutenden Ereignisse, die man schnell vergisst, die Auslöser für spätere Erinnerungen sind.


    Es fiel mir anfangs schwer zu verstehen, wie das funktionieren soll, dass er sich im ersten Schritt langsam durch Gewohnheit von Gilberte löst und dann durch den Wechsel der Gewohnheit, z. B. Ortswechsel endgültig den Schlussstrich zieht. Er hat es mit Genesung verglichen. Mir fiel der Vergleich mit Trauer ein. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, denkt man zunächst ständig an ihn. Erst mit der Zeit wird das weniger. Und irgendwann ist der Zeitpunkt da, an dem man seine Kleidung weggibt.


    Zum Thema Ortswechsel: Ich denke, er wäre heute ein begeisterter Anhänger von Flugreisen. Einen abrupteren Ortswechsel gibt es ja nicht.

    Das ist eine bemerkenswerte Gegenüberstellung: Der Unterschied von Zug zu Auto ist wie der eines Bildes im Museum zu einem in einer eingerichteten Wohnung.

    Dabei sind die Gedankengänge häufig interessant.

    Das ist wahr. Und hie und da frage ich mich, ob er diese Gedanken schon als junger Mensch hatte oder erst im fortgeschrittenen Alter. Er würde sich aber wohl an vieles nicht erinnern, wäre an ihm vorbei gegangen, wenn es ihn nicht schon damals beschäftigt hätte.

    Ich bin auch erstaunt, wie sehr es ihm klar war, dass das Bild, das er von Gilberte hat, sich sehr von der wirklichen Gilberte unterscheidet. Das klingt so reflektiert, auch seine Pläne zur Trennung von Gilberte.

    18

    ist dann wieder recht witzig anzuhören, denn ich habe das doch wohl richtig verstanden, dass er in Odettes Gesellschaft gelandet ist, weil Gilberte ausgegangen ist?

    Es war ja Teil seiner Strategie der Entwöhnung, zu den Swanns zu gehen, wenn Gilberte nicht da ist. Zumindest redet er sich ein, dass er mit der Zeit leichter loskommt, wenn er zunächst noch in ihrer Nähe ist. Und sie soll nicht glauben, dass er ihr nachläuft.

    Ich gehe aber davon aus, dass er in seinem Unterbewusstsein einkalkuliert, dass er sie dort persönlich antrifft.

    II/17.


    Er hat gemerkt, dass Gilberte seiner überdrüssig ist. Ich finde es lobenswert, dass er sich vornimmt, aus der Sache rauszukommen, ohne dass sie ihn verachtet. Er überlegt sich eine Strategie der Entwöhnung.

    Ich kann mir aber nicht recht vorstellen, dass er das durchzieht. Er ist ja nicht der Typ dafür, Vorsätze umzusetzen. Beim Schreiben klappt es ja auch nicht. Er sollte besser einen harten Schnitt machen.

    Mir fällt gerade die Parallelität der Liebesgeschichte unseres Autors mit der Swanns mit Odette auf.

    Das ist dann wohl auch der Grund, warum der Autor dieser Liebesgeschichte im ersten Band so viel Platz eingeräumt hat.

    Wobei ich mich frage, ob die Liebe mehr Gilberte oder ihrer Mutter gilt.

    Ich glaube nicht, dass er in Odette verliebt ist. Aber sicher ist er fasziniert von ihr.

    Dieses auf eine Laufbahn verzichten, nur um in der Nähe von Gilberte bleiben zu können ist doch befremdlich.

    Aber das hat es doch schon oft gegeben, dass eine Karriere aufgegeben wurde, weil man sich örtlich nicht verändern wollte. Ich denke mir auch, dass Gilberte nicht der einzige Grund ist. Ich kann mir ihn im Moment nicht vorstellen, wie er irgendwo anders allein ohne Familie neu anfängt.

    Zudem muss er älter sein als ich dachte, wenn er frei gegen den Willen der Eltern über das ererbte Silber seiner Tante Leonie verfügen kann.

    Das stört mich auch, dass man nie weiß, wie alt er ist.

    II/15.


    Es ist interessant, die Wandlungen zu sehen, die die Meinung des Erzählers über Bergotte durchmacht. Zuerst, als er ihn überhaupt nicht kennt, sieht er in ihm einen Halbgott. Nach dem allerersten Eindruck nach dem Kennenlernen ist er maßlos enttäuscht. Dann kommt Verwunderung, als Bergotte über Cottard spricht.

    Als Bergotte schlecht über die Swanns spricht, spüre ich richtig, wie sich eine Distanz aufbaut.

    Witzig ist ja der Meinungsumschwung seiner Eltern, als sie erfahren, dass Bergotte positiv von ihrem Sohn gesprochen hat.


    Und dann das Thema Bordell: Wie selbstverständlich und sachlich er davon erzählt! Das hat mich vom Hocker gehauen.

    Ich stelle fest, meine Theaterbesuche haben mich nie so nachhaltig beeindruckt, dass ich noch Tage nachher über die Armhaltung der Darsteller in bestimmten Szenen hätte sprechen können.

    Es war immerhin sein erster Theaterbesuch. Und dem hat er schon seit Jahren entgegengefiebert, im wahrsten Sinn den Wortes. Den Text konnte er auswendig. Seine Sinne waren sicher aufs äußerste angespannt.



    II/14.

    Bei mir ist hängengeblieben, dass Bergotte immerhin freundlicher zu unserem Autor war, als der Botschafter, der seine Meinung so gar nicht gelten ließ.

    Ich gönne dem Erzähler, dass Bergotte ihn ernstzunehmen scheint, im Gegensatz zu Norpois.


    Wie er Gilbertes Ähnlichkeit mit ihren Eltern beschreibt, geht mir teilweise zu weit. Bei der Darstellung gewisser Verhaltensweisen bekomme ich fast den Eindruck einer Schizophrenie (natürlich nur ganz weit entfernt).

    II/12.

    Durch Swanns lernt der Erzähler Menschen der gehobenen Gesellschaft kennen, wie z. B. die Prinzessin Mathilde kennen Und BERGOTTE! Was für eine Enttäuschung für ihn. Realität und Imagination passen überhaupt nicht zusammen.

    Das kennt sicher jeder: Man kennt Menschen nur vom Telefon oder durch schriftliche Korrespondenz. Dann lernt man sich persönlich kennen und ist völlig überrascht, weil man sich die Person ganz anders vorgestellt hat.

    Dass für den Erzähler aber Bergottes Werk an Bedeutung verliert, finde ich schon heftig.


    Ich bin immer noch nicht drauf gekommen, wie ich mir eine Schneckenhausnase vorstellen muss. :rofl


    II/13.

    Dieser Satz zu Beginn des Abschnitts ist mir aufgefallen: „Nichts beeinträchtigt so sehr die materiellen Eigenschaften der Stimme wie die Tatsache, dass sie Gedanken wiedergibt.“

    Kurz gesagt: Stimmung verändert die Stimme.


    Der Rest des Abschnitts ist an mir vorbeigegangen. Ich habe noch einen zweiten Versuch gestartet, nach ein paar Minuten aufgegeben.


    Ich denke, der Erzähler hat zumindest gelernt, dass ein Schriftsteller im realen Leben anders spricht als er in seinen Büchern schreibt.