Beiträge von Ellemir

    Ich habe mich für Margaret Atwood auch sehr gefreut, wenn ich auch einige andere von ihr deutlich besser fand als die Zeuginnen. Spannend ist es auf jeden Fall, aber es fällt meiner Meinung nach im Vergleich mit dem Report der Magd deutlich ab und ich habe ebenfalls ein kleines Problem mit einer Hauptfigur und der Art, wie sie hier geschildert wird. Aber die Autorin gehört grundsätzlich schon zu meinen Favoriten.

    Das habe ich wohl ein wenig unscharf formuliert - selbstverständlich entscheidest du allein über das Schicksal deiner Protagonisten. Ich hätte vielleicht sagen sollen: Natürlich wäre es mir lieber, wenn Greta überlebt hätte, aber...


    Über die Sache mit dem Titel bin ich auch ein wenig gestolpert. Vor dem Lesen habe ich es so interpretiert, wie du schon schreibst - wunderbare Jahre=Wirtschaftswunderjahre. Was ja in einem Roman, in dem ein Kaufhaus eine nicht unbedeutende Rolle spielt, ziemlich wichtig ist. Und im Verlauf des Lesens ging es mir wie xexos - innerlich stolperte ich immer wieder über den Titel.

    Ich finde es stimmig, dass Oskar, der in der Nachkriegswelt nicht Fuß fassen kann, stirbt. Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf, welche Hintergründe sein Tod wirklich hat.


    Natürlich werden in so einem Roman Ereignisse und auch Schicksalsschläge verdichtet auf eine Familie oder sonstige Gruppe von Protagonisten erzählt. Andererseits habe ich schon mehrfach überlegt, dass, wenn ich nur das, was mir über unsere Familiengeschichte bekannt ist, als Roman aufschreiben würde, wären die Leser mit Sicherheit überzeugt, ich würde übertreiben.


    Auf jeden Fall werde ich den dritten Teil nächstes Jahr gespannt lesen, um ein rundes Bild zu bekommen.


    (Müsste ein potentieller vierter Band dann nicht eigentlich aus Miris Sicht geschrieben sein? Sie ist ja auch eine der Schwestern, wie wir jetzt wissen...)

    Ich bin bekennender Parallel-Leser - immer mindestens ein Buch auf dem Nachttisch, eins im Wohnzimmer und meist noch eins auf dem Ebook-Reader.


    Aber zum Thema - ich hoffe, ihr seid mir nicht böse, dass ich hier so einfalle, auch wenn ich gar nicht offiziell angemeldet war, das Buch beeindruckt mich einfach so sehr, dass ich ein paar Worte loswerden muss.


    Oskar ist ohne Zweifel einer der interessanteren Charaktere des Buches. Er wirkt getrieben, von inneren Dämonen gequält. Verzweifelt versucht er, seinen Wert unter Beweis zu stellen und scheitert. Natürlich, offensichtlich hat er ja nie wirklich Einblick ins Geschäft gehabt, quasi nach dem Notabitur an die Ostfront.


    Aber auch Carl finde ich interessant. Man darf auch ihn nicht aus dem Blickwinkel von heute sehen - damals haben viele wirklich noch an die Idee des Sozialismus, an die Möglichkeit einer funktionierenden DDR geglaubt. Ich denke, er gehört dazu, auch wenn ihm die Fehler der DDR durchaus bewusst sind.


    Zum In-den-Westen-gehen: Neben der Tatsache, dass ein Pastor wohl seine Gemeinde nicht im Stich lässt, wenn er wirklich an das glaubt, was er predigt, ist es wohl auch gar nicht so leicht, einfach so zu gehen, quasi ins Ungewisse, alles zurückzulassen, was einem vertraut ist. Man steht ja nach einer Republikflucht (auch wenn sie damals noch etwas leichter war als später, zumindest in Berlin) vor dem Nichts. Gepäck ist nicht - fällt an der Grenze auf. Ohne Hab und Gut, ohne Möglichkeit zur Rückkehr, ohne Kontakt zu Familie und Freunden, die zurückbleiben - da muss der Leidensdruck schon sehr groß sein. Und Menschen neigen dazu, davon auszugehen, dass es schon nicht so schlimm wird. Sonst wären ja auch in den 30ern viel mehr Leute aus Deutschland geflohen.

    Ich hüpf hier mal mit rein, wenns recht ist.


    Mir gefällt das Buch ausnehmend gut, gerade der Wechsel auf Silvies Perspektive finde ich gelungen. Ganz viel von dem, was beschrieben wird, kommt mir aus den Erzählungen meiner Oma sehr bekannt vor.


    Oskars Verhalten verstehe ich eigentlich ziemlich gut. So eine Rückkehr aus der Hölle, ohne das irgendwas aufgearbeitet wird, quasi nahtlos zurück ins bürgerliche Leben - das kann ja nicht gut gehen, da muss es im Inneren ja brodeln. Dazu kommt das unsägliche Pervitin - hier mal ein Link, falls jemand mehr wissen will:


    Pervitin - Großvater des Crystal Meth


    Interessant könnte auch die Geschichte von Gregor und Hotte werden. Eigentlich ist es kaum noch vorstellbar, aber ich glaube, alle hier Mitschreibenden haben die Zeit noch erlebt, in der Homosexualität strafbar war (Paragraph 175 wurde ja erst deutlich nach der Wiedervereinigung abgeschafft).

    Sehe ich genau so - lass Nuri auf jeden Fall in Flensburg, aber bau Fatma häufiger ein.


    Johanna - das ist immer so das Problem mit guten Büchern. Auf der einen Seite will man unbedingt wissen, wie es ausgeht, auf der anderen Seite soll das Buch möglichst lange weitergehen. :lache

    Schnelllesen hat so seine Vorteile - allerdings freut man sich oft über Monate auf ein Buch und hat es dann an einem Abend durch. Aber solange es noch so viele gute Bücher und gut ausgestattete Buchhandlungen und Bibliotheken gibt.


    Dieser Krimi hat mir wieder unglaublich gut gefallen. Die gesamte Geschichte war stimmig, jede Figur hat für mich funktioniert, es gab neben Spannung auch interessante Denk- und Rechercheanregungen und humorvolle Einwürfe.


    Und ja, dazu gehört auch die Tatsache, dass zwar die aktuellen Verbrechen aufgeklärt sind, aber die wirklich bösen Jungs weitermachen.


    Mir persönlich ist die kriminelle Haupthandlung des Buches wichtiger; das beschaulich dahinschaukelnde Schifff, der kläffende Hund und der dieses Mal etwas aufmüpfige Simon machen aber daraus erst eine Geschichte.


    Es hat mir wieder sehr gut gefallen, wann geht´s weiter? :grin

    Sehr schön ausgedrückt. Eine gute Krimihandlung allein macht noch keinen guten Krimi aus - und eine gute Rahmengeschichte funktioniert nur, wenn auch der Fall interessant ist.


    Ich freue mich natürlich auch auf weitere Helene Christ Krimis - aber noch mehr hoffe ich ja auf den vor längerer Zeit mal auf einem Eulentreffen angelesenen, aber bisher nicht erschienenen Politthriller. Zugegeben, gehört nicht in diesen Strang.

    Eigentlich deutet alles auf Sten als Maulwurf hin, ansonsten kämen nur noch die zwei von der GZ infrage.


    Ein bisschen störte mich Simons Verhalten. Immerhin ist seine Helene Leiterin einer aktuellen Mordermittlung. Dafür, dass es da keine geregelten Arbeitszeiten gibt, sollte er als Unternehmensinhaber doch am meisten Verständnis haben.

    Keine geregelte Arbeitszeit - okay. Das Problem ist in meinen Augen aber eher, dass Helene nicht bereit ist, zu delegieren, ihren Kollegen auch mal zu vertrauen. Sie ist nicht die einzige Polizistin vor Ort.

    Und der Lehrer, der in der Pause liebevoll über den Kopf streichelt und jedem Schüler am Ende der Schulzeit einen persönlichen Brief schreibt? Ich will auf keinen Fall die Schläge rechtfertigen, aber auch auf die liebevolle Seite des Lehrers hinweisen.

    Ich gestehe zu, der Lehrer hat auch positive Seiten. Ich will ihm auch ganz sicher nicht vorwerfen, er würde seinen Job nicht ernst nehmen, im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass er das tut und eigentlich das Beste für seine Schüler will. Aber seine pädagogischen Fähigkeiten halte ich für zumindest hinterfragungswürdig.