Beiträge von Ellemir

    Ja, solche Sachen finde ich ganz und gar nicht unwichtig. Ich glaube, über den von dir erwähnten Krimi hätte ich mich sogar ziemlich geärgert. Entweder ist das wichtig, dass die Ermittlerin noch stillt und dann müssen auch die Konsequenzen daraus passen, oder sie stillt halt nicht.


    Und doch - auch Romanfiguren müssen ab und zu aufs Klo. Kam ja sogar in diesem Buch vor. Herrliche Szene übrigens, ich habe mich über Chanis Sieg über ihre Schwiegermutter in spe echt gefreut.

    Wie heißt es so schön: Religion ist Opium für das Volk. Man kann bei Musik und Tänzen schon in Trance verfallen und findet nebenbei Gefallen an der Gemeinschaft. Absolut nachvollziehbar aber darin liegt auch die Gefahr.

    Oh, hier wollte ich doch auch noch einen Kommentar loswerden.


    Der Spruch ärgert mich manchmal. Vorab - ich glaube nicht, dass du das so meinst, aber bei vielen, die ihn verwenden, schwingt da eine gewisse Arroganz mit. Frei nach dem Motto - Religion ist nur etwas für Leute, die dumm genug, darauf reinzufallen, die sich einer sinnlosen Sucht hingeben.


    Wie gesagt, ich glaube nicht, dass du es so meinst - aber ich wollte einfach mal rückmelden, wie das bei anderen Menschen, gerade bei religiösen, ankommen kann. Und nicht jeder religiöse Mensch betrachtet Religion unkritisch, nicht einmal die eigene Gemeinschaft.

    Vielleicht gibt es einfach auch ein Zuviel an Freiheit für manche. Eine Religion mit einem Regelwerk kann auch Halt geben, Orientierungshilfe sein. Und da sehe ich erstmal nichts falsches dran, wenn man es für sich selbst entscheidet. Grausam wird es, wenn man z.B. Kindern die Religion aufzwingt und sie dann quasi verstößt, wenn sie sich anders entscheiden.


    Dazu kommt, dass es noch nie so viele Menschen gegeben hat, die allein sind, wie in der heutigen Zeit. Die Zahl der Singlehaushalte steigt, der Zusammenhalt der erweiterten Familien sinkt, teilweise auch einfach, weil sie über das gesamte Land verteilt wohnen (oder gar darüber hinaus). Früher war es ja der Normalfall, dass man dort geblieben ist, wo man geboren worden ist. Dann hat man natürlich ein ganz anderes soziales Umfeld. Heute muss man sich das häufig viel aktiver suchen (wenn man z.B. zum Studium in eine Stadt zieht, in der man keinen kennt, oder einen Job am anderen Ende von Deutschland annimmt). Da kann für manche eine Religionsgemeinschaft auch hilfreich sein.

    Hey, ohne mich nach London? Geht gar nicht. Ich bin auf jeden Fall dabei.


    Aber mal im Ernst - ich finde es gut, dass nicht nur ich so drauf bin und mir über solche Dinge Gedanken mache beim Lesen. Natürlich ist das Hauptthema ein ganz anderes, aber wenn man das Leben der Protagonisten wirklich verstehen will, gehört das doch auch dazu, finde ich.

    Ich bin auch durch - wirklich ein beeindruckendes Buch.


    Für Chani und Baruch habe ich mich auch gefreut. Traurig nur, dass Liebe manchmal nicht reicht und Chaim und die Rebbetzin keine Chance haben. Ich glaube nicht daran, dass es eine Chance gibt, dass Chaim sich ändert. Auch er kann nicht aus seiner Haut. Wo die Probleme liegen, ist ihm ja bewusst. Aber er kann halt nicht wirklich anders.


    Das "unsichtbar werden" der Rebbetzin kann ich schon nachvollziehen. Ich habe selbst gelegentlich Probleme, Leute wiederzuerkennen, wenn sie anders als sonst gekleidet sind oder ich sie an Orten treffe, wo ich sie nicht erwarte. Wenn dann noch der völlige Stilwechsel bei der Kleidung und die fehlende Perücke dazukommt - ich glaube, ich hätte sie auch nicht erkannt.

    Kirche ist halt auch immer das, was man daraus macht. Inzwischen bin ich auch kein regelmäßiger Kirchgänger mehr, aber als Jugendliche war ich sehr aktiv in der Jugendgruppe. Wir haben auch Gottesdienste mitgestaltet, die waren dann auch nicht angestaubt. ;)


    Ich kann schon verstehen, warum Rebecca sich nach dem Abend der Religion stärker zugewandt hat. Religion kann halt auch Sinn und Halt im Leben geben.

    Hmm, Radikalisierung finde ich hier ein wenig stark. Da schwingt für mich immer auch Gewaltbereitschaft mit, die ich bei Chaim nicht sehe.


    Ich kann auch verstehen, dass Rebecca nicht völlig zufrieden damit ist, dass Chaim sich dem Glauben so sehr zuwendet. Allerdings trifft sie ja die Entscheidung, den Weg mitzugehen, trotzdem selbst. Zugegeben, die Alternative wäre Trennung gewesen. Aber sie hatte die Wahl, oder?

    Ich finde es interessant, dass sie mit Avromi nun eine Figur eingeführt hat, die offensichtlich gegen die strengen Regeln rebelliert - sie allerdings anfänglich noch sehr stark verinnerlicht hat (z.B. as er seiner Kommilitonin nicht die Hand reichen will).


    Ich weiß nicht, wie die Regeln bei orthodoxen Juden hinsichtlich ehemaligen Gemeindemitgliedern sind. Die Amish sind da ja knallhart und ignorieren eine geächtete Person weitestgehend. Grausam in meinen Augen.


    Der Titel ist wirklich im Original besser - Verheiratung trifft es vielleicht, allerdings klingt das mir ein wenig zu stark nach Zwangsehe. Es ist zwar eine arrangierte Ehe, aber offensichtlich haben beide die Möglichkeit, ihre Meinung dazu kundzutun. Die Ehevermittlerin denkt ja darüber nach, dass Chani bereits mehrere potentielle Kandidaten abgelehnt hat und sie selbst auch mehrfach abgelehnt wurde.

    Ja, das mit den Schulden habe ich auch gelesen, ich meinte eher, dass bislang noch nichts direkt aus der Sicht eines Vaters geschrieben wurde. Aus männlicher Sicht kam ja bislang nur Baruch zu Wort und der ist ja noch nicht verheiratet.

    Es gab schon einen Abschnitt aus der Sicht von Chaim, der sich mit Schuldgefühlen quält, weil er auf die Fehlgeburt nicht richtig reagieren konnte und nicht weiß, wie er seine Ehe retten soll.


    Ich glaube eigentlich, die Männer haben es auch nicht wirklich leichter in einer solchen Gesellschaft. Die Forderungen an sie sind nur andere. Frei sind sie eigentlich auch nicht.


    Interessant fand ich den Einschub mit der Obdachlosen, an der Juden und Nichtjuden gleichermaßen vorbeigehen. Offensichtlich fühlt sich hier keiner verantwortlich. Die Juden nicht, weil sie keine der ihren ist, aber offensichtlich auch niemand anders.

    Ich will nur noch schnell klarstellen, dass ich dich weder für voreingenommen noch für unaufgeschlossen halte. Ich habe ja auch geschrieben, dass ich verstehe, dass du das Buch abbrichst.


    Und ich habe auch nicht gefordert, dass man diese Kultur neutral beurteilen muss - im Gegenteil, ich habe mir die Frage gestellt (und eigentlich auch für mich selbst mit Nein beantwortet), ob man das überhaupt kann.

    Hui, hier gehts ja schon richtig hoch her.


    Ich habe den Abschnitt erst gestern lesen können, vorgestern war ich auf einer Familienfeier.


    Ich fand das Buch bisher sehr interessant. Ich liebe Bücher, die mich in Welten führen, die mir sonst verschlossen bleiben. Diese Welt ist für uns natürlich fremdartig, wir sind in einer sehr freiheitlichen Kultur sozialisiert worden. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass das Konzept der arrangierten Ehe hier auch erst seit wenigen Generationen in Vergessenheit geraten ist. Man muss gar nicht bis zu den mittelalterlichen Königshäusern zurückgehen, auch in der Neuzeit war eine Ehe, deren Zweck es war, zwei benachbarte Höfe zu verbinden, völlig normal. Die Ehe aus Liebe zu einem selbst gewählten Partner ist ein noch sehr junges Konzept in der Geschichte der Menschheit.


    Ähnliches gilt für religiöse Regeln. Noch vor wenigen Generationen wurden auch hier die Regeln des Christentums noch sehr viel ernster genommen und als verpflichtend betrachtet.


    Natürlich halten wir es für den falschen Ansatz - aber das würden viele Angehörige von Gesellschaften, in denen es anders gehandhabt wird, von unserem Konzept ebenso denken. So etwas wichtiges wie eine Ehe, motiviert durch so etwas Flüchtiges und Unvernünftiges wie Verliebtheit?


    Missversteht mich nicht - ich bin froh, dass ich und vor allem meine Kinder in einer freiheitlichen Gesellschaft leben - in jeder Hinsicht. Aber ich frage mich, ob es eigentlich möglich ist, eine andere Kultur neutral zu beurteilen. Schwierig.