Beiträge von Ellemir

    Und das Schütteln geht weiter....


    In diesem Abschnitt hat Emma mich am meisten genervt. Diese Telegrammaktion geht gar nicht. Und mit über 20 sollte man gelernt haben, dass man sich aus der Beziehung seiner Eltern heraushält. An dem schlechten Verhältnis zwischen ihr und ihrer Mutter trägt sie durchaus Mitschuld und wenn sie erwachsen sein will, sollte sie mal anfangen, sich wie eine Erwachsene zu benehmen.


    Boy hat sich auch nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert - könnte er endlich mal für sich rausfinden, was er eigentlich will und dann auch entsprechend agieren? Und das lapidare "Es hat nicht sollen sein" gegenüber Emma? Was erwartet er denn, wenn er ständig Felice im Schlepptau hat?


    Adam ist auch irgendwie seltsam - ich finde schon, dass er spätestens am nächsten Tag eine Möglichkeit hätte finden müssen, im Hotel Bescheid zu sagen. Natürlich war das alles deutlich schwerer als heute mit Handy, aber ganz ehrlich - das Hotel hat Telefonanschluss und er hätte auf dem Festland sicher ein Telefon gefunden. Natürlich hätte Moiken auch Bescheid geben können/müssen - aber aus dem Krankenbett heraus hatte sie ja zunächst keine Möglichkeit.


    Moiken habe ich in diesem Abschnitt tatsächlich verstanden - ganz ehrlich, nach einem solchen Telegramm ist es doch normal, dass sie alles versucht, um zu Emma zu kommen. Sie kennt die Umstände in Berlin, weiß, dass Emma nicht wirklich ganz gesund ist und muss doch mit dem schlimmsten rechnen. Sie weiß, dass die Überquerung möglich ist, schließlich hat sie sie bereits einmal geschafft, und rechnet außerdem fest damit, die Männer mit dem Eisboot zu finden. Ja, kein Strandspaziergang - aber wenn man damit rechnet, dass eins der Kinder in Gefahr ist, durchaus nachvollziehbar.

    Ja, die Sturköpfigkeit von Boy und Moiken regt mich auch auf.


    Emma kann ich das noch am ehesten verzeihen - sie hat sich ein Stück Freiheit aufgebaut und hat Angst, das wieder herzugeben. Und sie will vielleicht einfach nicht riskieren, dass sie sich auf einen Kompromiss einlässt, um dann festzustellen, dass Moiken sie nicht wieder fortlässt. Ob in ein paar Wochen das Geld für ein Ticket von Sylt nach Berlin überhaupt reichen würde, gerade in einer Zeit der Hyperinflation?

    Ich finde schon, dass das stimmig ist - zum einen neigen Jugendliche noch sehr stark zur Selbstüberschätzung, zum anderen fragt man ja gerade als Jugendlicher auch lieber nicht, weil man nicht riskieren will, dass die Erwachsenen sich einmischen oder schlimmstenfalls etwas verbieten. ;-)

    Ich glaube, für mich wäre sie zu heftig, ich kann mich lebhaft an Ängste zu der Zeit erinnern, geschürt durch Deutschlehrer, die es für gut hielten, Lektüren von Gudrun Pausewang lesen zu lassen. Für Die Wolke habe ich sie wirklich lange gehasst.


    Also nein, Tschernobyl wird als Serie ohne mich auskommen müssen.

    Auch ich bin mit dem ersten Abschnitt durch.


    Das Leben wird nicht leichter für Moiken - aber vertraue da auf ihre Stärke. Für ihre Zeit ist sie sicher eine ungewöhnliche Frau. Das heißt aber auch, dass Beziehungen aller Art schwierig werden, weil sie sich einfach für eine Frau "unangemessen" verhält.


    Sehr gefreut habe ich mich, dass auch Emmas Schicksal in Berlin behandelt wird. Gerade dieser Mutter-Tochter-Konflikt, der ja noch zu schwelen scheint, hat mir in Band 1 gut gefallen. Und da ging es mir wie Johanna - ich hätte Moiken mehr als einmal schütteln wollen. Aber da habe ich mal wieder festgestellt, wie gut wir es doch heute haben - allein die Vorstellung, dass man über Wochen oder gar Monate nicht weiß, wie es einem geliebten Menschen in einer anderen Stadt geht, ist echt fürchterlich.

    Ich mochte besonders die an die besondere Lebenssituation angepassten Idiome und Sprichwörter der Menschen dieser Welt und die Besonderheiten im Alltag, die sich aus der Tatsache ergeben, dass die normale Fortbewegungsart Fliegen ist.


    Wie kommt ihr so mit den Namen zurecht? Mir hat das Konzept relativ gut gefallen, auch wenn es ungewohnt ist, dass man nur den Rufnamen hat, aus dem aber die Stammeszugehörigkeit und in einigen Fällen sogar die Eltern ablesen kann.