Beiträge von Chroi

    Leider erfährt man nichts über die Schulungen oder um was sie sich wirklich kümmert. Sie muss ja wohl irgendwie mit den Ärzten kommunizieren.

    Mir ist auch noch nicht wirklich klar, was genau die Betreuer machen. Anscheinend kümmern sie sich darum, dass die Spender zu ihren Tests gehen und machen irgendwelchen Papierkram für sie. Wollen die "normalen" Krankenpfleger nichts mit den Spendern zu tun haben oder warum gibt es noch extra die Betreuer? Ich könnte mir auf der anderen Seite auch vorstellen, dass es die Aufgabe der Betreuer nur gibt, um die Spender auf ihre zukünftige Aufgabe vorzubereiten.

    Warum muss sie eigentlich ständig durchs Land fahren zu den einzelnen Zentren? Wäre doch viel praktischer, wenn sie in einem Zentrum bleiben würde und sich nur um die Spender dort kümmern würde.

    Das habe ich ich in der Tat auch gefragt. Die einzelnen Spender sind in diversen Zentren im ganzen Land verteilt und auch wenn Kathy sich ihre Spender aussuchen kann, scheint sie ja immer noch ziemlich viel unterwegs zu sein. Gefühlt ist jeder Spender in einem anderen Zentrum und Kathy scheint pro Tag mehrere zu besuchen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das wirklich effizient ist, dementsprechend muss irgendein anderes Konzept dahinterstecken. Ich habe mich auch schon gefragt, nach welchem Konzept die Spender auf die Zentren verteilt werden. Ob das etwas mit der Qualität ihrer Arbeit als Betreuer zu tun hat?


    Ich fand es ein bisschen seltsam, wie plötzlich Ruth verschwunden ist. Sie hatte im ganzen Roman bis hierhin eine so dominante Position inne, dass mir ihr Ende irgendwie ein bisschen zu schnell kam. Klar, sie ist nach ihrer Spende gesundheitlich sehr angeschlagen, trotzdem hatte ich mir irgendwie erhofft, dass sie am Ende noch einmal eine wichtige Rolle spielen wird. Immerhin hat sie es noch geschafft, den Weg für Tommy und Ruth zu ebnen, sodass die beiden zusammengefunden haben.

    Nun wollen die beiden also mit Madame sprechen und um einen Aufschub bitten. Da bin ich wirklich gespannt, was dabei herum kommt. Ob es den Aufschub wirklich gibt, oder ob es sich dabei bloß um ein Gerücht gehandelt hat. Ob Madame da wirklich der richtige Ansprechpartner ist?

    Warum wollten das alle aus der Nähe sehen? War das ein Symbol für irgendetwas?

    Da ich zuletzt viele Jane Austen Romane gelesen habe, musste ich bei der Stelle unwillkürlich an das Pittoreske denken (ob das Boot wirklich als pittoresk zu bezeichnen wäre, kann ich nicht beurteilen). Aber das wäre für mich noch einmal ein Zusammenhang zu der Kunst, die in Hailsham ja so wichtig war. Da frage ich mich ja auch immer noch, was es damit genau auf sich hat.

    Vielleicht ist Ruth ein besonders bemitleidenswertes Geschöpf, obwohl ich nicht sehen kann, warum sie es in irgendeiner Form schwerer haben sollte als die übrigen. Sie ist ja schon von Beginn an sehr ichbezogen, kompliziert und wankelmütig, aber gerade hab ich den Eindruck, dass sich diese Eigenschaften zuspitzen.

    Ich denke einfach, das sie auf ihre weise sensibler ist als die anderen Kollegiaten und eher mit ihrem Schicksal hadert. Es ist ihre Art und Weise sich auszudrücken. Leider verletzt sie dabei - vielleicht auch ohne es zu merken oder sich dessen bewusst zu sein - andere.

    An Kathys Stelle wäre mir das irgendwann zu viel geworden. Ruth macht ja immer wieder solche Sachen und nie beschwert sich einer der anderen. Da verstehe ich die Reaktion von Kathy und Tommy auch nicht so wirklich. Vielleicht hätte Ruth ja mal etwas an ihrem Verhalten geändert, wenn sie mal vernünftig darauf angesprochen worden wäre.

    Nachdem ich entdeckt hatte, das meine Onleihe den kleinen Prinzen hat, habe ich diese Gelegenheit direkt ergriffen, mir dieses Buch auch einmal näher anzuschauen.


    Inhalt:

    Der Erzähler der Geschichte beschreibt seine Bekanntschaft mit dem kleinen Prinzen und die Abenteuer, die dieser erlebt hat, bis es zu der Bekanntschaft mit dem Erzähler gekommen ist. Dabei hat der Prinz verschiedene Planeten und damit auch ganz unterschiedliche Personen kennen gelernt.


    Meinung:

    Vielleicht liegt es daran, dass dieses Buch immer wieder so hoch gelobt wird und ich bereits irgendwo gelesen habe, es sei nicht wirklich ein Kinderbuch, aber für mich konnte es die Erwartungen nicht erfüllen. Für mich ist es genau das: Ein Kinderbuch. Es mag sein, dass Kinder die Bedeutung der Geschichte noch nicht so greifen können, wie Erwachsene das vielleicht können, doch im Grunde ist und bleibt es für mich ein Kinderbuch. Vielleicht waren meine Erwartungen dadurch einfach völlig falsch.


    Ich will nicht sagen, dass das Buch absolut schlecht war, die Erzählung finde ich schon ganz nett und auch die Sprache war schön und angemessen, manche Ansichten vielleicht etwas antiquiert, aber nichts, was mich jetzt gravierend gestört hätte. Auf der anderen Seite gibt es jetzt allerdings auch nichts, was mich wirklich mitgerissen hätte. Eventuell hätte ich anders geurteilt, wenn ich nicht solche Erwartungen an das Buch gehabt hätte, vielleicht hätte es auch einfach gereicht, das Buch als Kind bereits schon einmal gelesen zu haben, denn als Kind sieht man das Ganze ja doch noch einmal ganz anders.


    So war es eine kurzweilige Unterhaltung für mich, die ich ganz gerne gelesen habe, die mich aber nicht großartig gefesselt oder mitgerissen hat.

    Ich arbeite noch an meinem Buch, damit habe ich nur noch ein Buch übrig. Da ich damit nicht mehr wirklich viele Bücher besitze, die ich zum Alt-Sub zählen würde, werde ich nächstes Jahr hier wohl aussetzen.

    Aber auch ich habe vor, das nächste Jahr massiv dazu zu nutzen, diverse begonnene Reihen zu beenden, auch dadurch wird der Sub hoffentlich ordentlich schrumpfen.

    Hallo zusammen, ich lebe auch noch :grin


    Hier ist es nach wie vor stressiger als geplant. Neben der Arbeit hatte ich ja letzte Woche noch Firmenkontaktmessen, die ziemlich interessant waren und auch ein paar interessante Kontakte geliefert haben. Diese Woche muss ich mich dann mal um ein paar Bewerbungen kümmern. Ich glaube zwar nicht, dass sich vor Weihnachten noch groß etwas tun wird, aber nichts tun ist halt auch keine Option. Mal schauen, ob ich mich nachher noch dazu aufraffen kann. Ich finde das Bewerbungenschreiben immer ganz schrecklich.


    Mit "Stolz und Vorurteil" komme ich momentan nur eher schleppend voran, was eigentlich ziemlich schade ist, da ich das Buch wirklich mag. Aber wenn ich im Bus fahre, ist es meist noch so dunkel, dass ich in einem Print-Buch nicht mehr vernünftig lesen kann. Also habe ich da momentan immer den Reader bei und lese "Stolz und Vorurteil" nur zu Hause. Immerhin habe ich es am Sonntag bis zu S. 148 geschafft.


    Bei meinem Leserunden-Buch "Alles, was wir geben mussten" bin ich dafür schon auf S. 203 und damit im vorletzten Abschnitt angelangt. Das Buch ist irgendwie ziemlich heftig, nicht so die passende Lektüre für Weihnachten. Ich hoffe, dass ich es diese Woche noch beenden kann.


    Als nebenbei-Buch auf dem Reader habe ich jetzt noch "Das Mätressen-Spiel" von Martha Sophie Marcus begonnen. So habe ich zumindest etwas zu lesen, falls ich unterwegs meinen Leserunden-Abschnitt schon beende. Ich bin noch nicht wirklich weit, aber der Anfang hat sich schon mal ganz gut gelesen. Außerdem habe ich gestern in der Badewanne noch mit "Vier Farben der Magie" von V.E. Schwab begonnen (die Jane Austen Bücher nehme ich ja wegen des Materials nicht gerne mit in die Wanne). Auch hier war der Anfang nicht schlecht, es konnte mich allerdings noch nicht richtig packen.


    Euch noch einen schönen Tag! :wave

    In diesem Abschnitt gab es wieder ein paar Szenen, die einem deutlich machen, wie erfolgreich die Gehirnwäsche in Hailsham wirklich war.

    Zum Beispiel sagt Ruth in Hinblick auf den Aufschub: "Wahrscheinlich wussten wir immer, dass wir nur in Hailsham Bescheid zu sagen brauchten, falls wir uns je dafür interessieren sollten..." (S.159, eBook). Allein schon dieser letzte Satzteil hat bei mir für einen Kloß im Hals gesorgt. Es zeigt, auch wenn Ruth anscheinend keine Ahnung hat, wie sorglos sie mit dem Thema umgehen. Als wäre ein solcher eine Nebensächlichkeit und nicht weiter von Bedeutung und nicht, als würde er dafür sorgen, dass sie noch ein paar Jahre länger zu leben haben.

    Oder als die Veteranen weggehen, um mit ihrer Ausbildung zu beginnen, wird beschrieben, dass sie dies mit einem "vergnügten Lächeln" tun. Sie laufen sehenden Auges auf ihr Ende zu und scheinen sich sogar noch darüber zu freuen. Das ist alles einfach nur falsch und krank.


    Auf S.188 wird auch noch einmal deutlich, wie sehr sich Hailsham in das allgemeine Denken eingeprägt hat. In der Szene zeigt Tommy Kathy gerade seine Fantasietiere und sie weiß nicht, was sie davon halten soll, da die Zeichnungen "so anders als alles, was (ihnen) die Aufseher in Hailsham beigebracht hatten" waren. Zwar wurden die Kinder also darin erzogen, kreativ zu sein, jedoch nur in festgelegten Bahnen. Tommy bricht mit seinen Tieren aus den Normen von Hailsham aus und versucht etwas neues, er ist wirklich kreativ, doch eben anders als sie es beigebracht bekommen haben und so kommt es eben auch zu Ruth Ausfall, den ich im Übrigen absolut schrecklich fand.

    Sie stellt ihn vor den anderen bloß, sie macht sich über ihn lustig - ich schätze sie ist mit ihm zusammen, weil sie nicht will, dass Kathy mit ihm zusammen kommt (was sie ja am Ende des Abschnitts auch nochmal deutlich macht) oder weil sie vielleicht diesen Aufschub erwirken will?

    Das Gespräch, in dem Ruth Kathy sagt, dass Tommy eh nichts von ihr wolle fand ich auch sehr seltsam. Irgendwie hatte ich dabei eher das Gefühl, Ruth wolle nur verhindern, dass Tommy und Kathy das Glück finden, das sie selbst nicht haben kann. Bei Ruth bin ich immer noch sehr zwiegespalten. Auf der einen Seite tut sie mir unendlich leid, da sie sich anscheinend nicht so sehr mit ihrer Situation abfinden kann, wie die anderen, auch wenn sie es immer wieder zu überspielen versucht. Andererseits agiert sie für mich einfach immer wieder unmöglich und macht dadurch das Leben und vielleicht auch das bisschen Glück, das andere zu finden versuchen kaputt.


    Der Glaube ihr "Möglichen" kämen aus "der Gosse" ist wohl auch wieder Teil der Gehirnwäsche und Methode zur Kontrolle der Spender. Das dämpft das Selbstwertgefühl.

    Das kann ich mir auch gut vorstellen, auch wenn ich so noch nicht darüber nachgedacht habe. Aber du hast natürlich recht. Wenn die Kinder wüssten, dass ihre Originale einflussreiche Personen wären, würden sie sich wahrscheinlich auch ganz anders geben und vielleicht eher einmal aufsässig werden.


    Ich bin jetzt gespannt wie es mit Kathy und ihrer Ausbildung zur Betreuerin weitergeht und wie sich die drei wiedertreffen.

    ob sie nach der ersten Spende überhaupt nochmal in die Welt entlassen werden oder an einem Ort untergebracht sind, damit sie vor der nächsten Spende nicht abhauen können.

    In der Tat könnte es sein, dass sie danach gar nicht mehr frei sind. Es wurde ja schon mal ein sogenanntes Erholungsheim angesprochen, in welches die Spender nach ihren Spenden kommen. Theoretisch kann man diese bestimmt auch als Verwahrungsorte sehen, an denen die Spender bleiben müssen, um sich zu erholen, sie aber eigentlich nur daran gehindert werden, doch noch zu entfliehen.



    Die Frage sollte und muss schon erlaubt sein, wie weit "das System" bereit ist, zu gehen. Ishiguros Gedankenspiele sind ja eine logische Folge eines immer größer werdenden Bedarfs an Organspenden, einer immer älter werdenden Gesellschaft, einer immer geringeren Bereitschaft, selbst zu spenden.

    Da habe ich irgendwann auch einen Bericht in der Zeitung gelesen, dass die Zahl der Organspender immer weiter zurück geht. Allerdings hatte ich ein Problem mit dem Artikel, da nur von gespendeten Organen die Rede war, aber nicht vom prozentualen Anteil. Direkt gesprochen sieht es ja nun so aus, dass es wenn es weniger Tote gibt, auch weniger Organspender gibt.

    So kann natürlich die absolute Zahl der Organspender gesunken sein, da es weniger Tote gab, die relative Zahl der Organspender allerdings gestiegen sein, da eben mehr Menschen einen Organspende-Ausweis hatten. Leider hat der Artikel darüber absolut keinen Aufschluss gegeben.

    Prinzipiell denke ich schon, dass das Thema Organspende mittlerweile mehr in den Fokus gerückt ist, als noch vor ein paar Jahren, allerdings sind wir sicherlich noch nicht da, wo man schon sein könnte.

    Ruth nervt mit ihrer Geltungssucht. Kann sie nicht mal zugeben, dass sie von irgendwas keine Ahnung hat. Von dem Gerücht mit dem Aufschub hat sie sicher noch nie etwas gehört, tut aber so, als wüsste sie etwas darüber.

    Ich kann mit ihr auch nichts wirklich anfangen. Ich kann sie schon insoweit verstehen, dass sie versucht, sich irgendwie Geltung zu verschaffen. Sie versucht in diesem System nicht unsichtbar zu sein und zumindest von den anderen Kollegiaten und Veteranen "gesehen" zu werden. Sie klammert sich an ihr Ansehen, ihre Stellung in der Gruppe, als könnte das irgendetwas an ihrer Zukunft ändern. Das stimmt mich schon irgendwie traurig und lässt mich, wenn ich darüber nachdenke schon Mitgefühl mit ihr haben, sympathisch wird sie mir dadurch allerdings keineswegs.

    Haben sie keinen Kontakt zu denen? Sagt ihnen keiner mal, dass es Menschenrechte gibt? Lesen sie keine Zeitungen und Bücher?

    Ich denke auch, dass es hier eine ganz klare Trennung gibt, eben auf der einen Seite die Menschen und auf der anderen Seite die Spender. Mich würde allerdings interessieren, wie diese beiden Gruppen sich weiterhin unterscheiden. Ich meine Miss Lucy war es, die auch schon erwähnt hat, dass Spender mit "normalen" Menschen Sex haben können, also scheint der Kontakt nicht eingeschränkt zu sein. Sie dürfen sich ja auch ganz normal in der Welt bewegen, wie zum Beispiel der Ausflug zeigt. Aber mich würde halt interessieren, ob es vielleicht ein äußerliches Merkmal gibt, das sie als Spender kennzeichnet, oder ob es einen anderen Hinderungsgrund gibt, sich als normale Menschen auszugeben, außer diesem:

    Wie kann es sein, dass sie weiterhin so weltfremd durchs Leben schlittern und ihrer "Bestimmung entgegengehen, ohne dass mal einer auf die Idee kommt, "nein" zu sagen und aus diesem System einfach auszusteigen?

    Hier scheint die ganze "Erziehung" von Hailsham und ähnlichen Orten zu greifen. Sie haben ja schon als Kinder nichts groß hinterfragt und scheinen so auch als Erwachsenen keine größere Motivation dazu zu haben. Sie nehmen alles hin, lassen alles mit sich machen, weil es "eben so gemacht wird".


    Ich glaube, die Beiden gibt es nicht wirklich. Sie sind bestimmt eine Legende, um noch einen letzten kleinen Hoffnungsschimmner aufrechtzuerhalten, dass es einen Ausweg gibt, das nicht allles schon feststeht.

    Genauso wie der Aufschub für 2-3 Jahre.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es Ruth Mögliche wirklich gibt. Beides erscheint mir eher als eine Art Wunschdenken. Allein schon die Möglichkeit, irgendwie aus dem System zu entkommen ist fantastisch. Da reicht auch ein völlig unspekakulärer Job, Hauptsache, man kann zumindest in Gedanken, dem Ganzen entfliehen. Im Zusammenhang mit dem Aufschub habe ich mich gefragt, ob Hailsham wirklich etwas besonderes unter den Erziehungsheimen war, oder ob das nur im Zusammenhang mit diesem Aufschub so gesagt wird. Wenn ja, was macht es wohl so besonders? Funktioniert hier einfach die Konditionierung am besten, so dass hier die besten Spender herkommen?


    Interessant fand ich im Zusammenhang mit den Möglichen auch die Wortwahl: Kathy spricht immer wieder von "Modellen" und meint damit eigentlich die Originale, von denen sie geklont wurden. Dem eigentlichen Wortsinn nach ist Modell das Abbild bzw. die Abstraktion eines Originals zu einem bestimmten Zweck. Damit würde diese Definition genau auf die Klone zutreffen. Sie allerdings verwendet den Begriff, um die Originale zu charakterisieren und zeigt damit eben schon, dass für sie sie selbst die Originale sind. Die Möglichen sind eher eine abstrakte Idee, die nichts wirkliches mit ihrer Realtität zu tun hat.

    Die Episode mit dem Lieblingslied auf der Kassette von Kathy und das kurze Ereignis, als sie das Lied für sich alleine hört, dabei an ein Baby denkt und dann sieht, dass diese Madame sie weinend beobachtete hat mich echt total getroffen.

    Das Lied an sich sagt ja auch schon viel aus. Never Let Me Go - Lass mich niemals gehen spricht irgendwie auch für die Situation der Kollegiaten. Sie sollen bleiben vielleicht einfach so bleiben wie sie sind, vielleicht zusammen bleiben, sodass sie weniger einfach auseinander zu reißen sind. Für mich hat das Lied an der Stelle einfach auch viel mehr ausgesagt, als das was ausgesagt wurde. Es spricht irgendwie von der Zukunft, die es nie geben wird. Vielleicht habe ich der Stelle auch besondere Wertschätzung gezollt, da der Titel des englischen Buches ja gerade Never Let Me Go ist.


    Ich habe mich hier übrigens gefragt, warum Madame genau weint. Weil sie Kathy mit ihrem Baby gesehen hat und weiß, dass sie von einer Zukunft träumt, die nie wahr wird? Oder weil sie selber Erinnerungen mit diesem Lied verbindet?

    Es war auf jeden Fall seltsam, dass die Kassette kurz darauf verschwunden ist. Ich vermute schon, dass Madame da ihre Finger im Spiel hatte. Vielleicht weil sie Kathy, auf ihre Art beschützen wollte.


    Ich fand es furchtbar, als Kathy sich verantwortlich gefühlt hat, als einer ihrer Spender gestorben ist. Nicht der Missbrauch des Körpers als Ersatzteillager oder die, die sich dieses System ausgedacht und am Leben halten, sind schuld, nein, das Vieh selbst.

    Das ist wirklich schrecklich. Nicht diejenigen, die die Menschen brutal gesprochen "ausschlachten" sind Schuld, sondern diejenigen, die sich um sie gekümmert haben. Ich kann mir noch nichts genaues unter einem Betreuer vorstellen, vermute aber, dass er sich um das seelische Befinden der Spender kümmert. Das stelle ich mir als unwahrscheinlich schwer und unkompliziert vor, da die Spender anscheinend keine andere Wahl haben und dazu gezwungen werden, zu spenden. Die seelischen Auswirkungen müssen gravierend sein. Durch die Arbeit als Betreuer können sich die zukünftigen Spender schon einmal mit der Situation auseinander setzen, um dann später einmal selber zu spenden. So kennen sie die Situation zumindest theoretisch schon. Einfach abartig.

    Im Februar gibt es auch was neues von Ralf Dorweiler


    61POpUJC41L._SX334_BO1,204,203,200_.jpg A.D. 1152: Als Zeidler streift Seyfried durch den Schwarzwald und erntet Honig und Wachs von wilden Bienenvölkern. Als seine Frau zum Tode verurteilt wird, bricht er auf der Suche nach Beistand zum Kloster Bingen auf. Er findet es in heller Aufregung vor, denn die gelehrte Äbtissin Hildegard hat sich mit ihrer direkten Art Feinde innerhalb und außerhalb der Klostermauern geschaffen. Sie knüpft ihre Hilfe an schier unerfüllbare Bedingungen, die Seyfried bis vor den frisch gekrönten König Friedrich I. führen.

    Die Frage ist nur, warum sie als Betreuerin ausgewählt worden ist.

    Und vor allem auch, warum sie so lange Betreuerin bleiben durfte. Ganz zu Anfang meinte sie ja schon, dass es nicht unbedingt etwas mit der Qualifikation zu tun hat, da auch gute Betreuer schon früh aufgehört haben und manche Unqualifizierte einige Jahre in dem "Job" gearbeitet haben.

    Eine große Frage, die sich mir stellt, ist, warum Kathy nicht weiß, wo Hailsham liegt. Wie hat sie die Einrichtung verlassen?

    Ich könnte mir vorstellen, dass sie mit Bussen mit getönten Scheiben wegtransportiert wurden. Bis jetzt hat man ja noch nicht einmal erfahren, was nach Hailsham kommt. Leben die "Kinder" in der Zeit danach normal weiter? Vielleicht auch mit den "normalen" Menschen zusammen? Oder sind sie irgendwie von diesen getrennt? Wenn sie zusammenleben, wie werden sie auseinandergehalten?


    Im Moment habe ich hier noch viele Fragen, auf die ich mir noch Antworten erhoffe und bin mal gespannt, ob sich alles klären wird.

    Den zweiten Abschnitt habe ich zwar gestern schon beendet, komme aber heute erst zum Schreiben. Ich tue mich zwischendurch etwas schwer mit der zeitlichen Einordnung, da dich Erzählung ja nicht chronologisch ist, sondern ein bisschen springt. Zwar wird damit schön deutlich gemacht, wie Kathys Gedanken springen, doch muss ich zum Teil erst einmal rätseln, was jetzt davor und was danach passiert ist.

    Obwohl genau das zu vermuten war, machen mich die offenen Worte der Aufseherin und die verhaltene Reaktion der Jugendlichen schon sprachlos.

    Das fand ich auch sehr bedrückend. Hier bekommen die Kinder offen gesagt, dass sie später spenden werden, doch keines der Kinder fragt mal offen nach, was es denn damit auf sich hat. Sie nehmen die Information einfach so hin, wie so vieles andere auch schon, als würde es sie gar nichts angehen. Miss Lucy versucht etwas daran zu ändern. Mich würde interessieren, ob die anderen Aufseher ihr Verhalten missbilligt haben und sie deshalb gehen musste, oder ob es einen anderen Grund für ihren Abgang gab. Auch ihr Verhalten Tommy gegenüber war ja sehr seltsam. Woher da wohl der plötzliche Sinneswandel kam?


    Dieser Abschnitt gibt uns auch schon ein paar Hintergrundinformationen. Im Ebook auf S. 85 heißt es: "... werdet ihr nach und nach eure lebenswichtigen Organe spenden. Dafür wurdet ihr geschaffen, ihr alle." Die Kinder scheinen also wirklich extra geklont/erzeugt worden zu sein, um anderen als Spender zu dienen. Miss Lucy sagt den Kindern das also wirklich sehr direkt, doch keinen scheint das wirklich zu stören. Hier trifft wohl wirklich der Satz "Sie wissen es, wissen es aber nicht." ins Schwarze.


    In Kathys Erzählungen in der Gegenwart beschreibt sie auch, dass einer ihrer Spender gestorben ist, das Wort welches sie dafür verwendet ist "abgeschlossen" hat. ("...mein Spender abgeschlossen hat.", S. 105 Ebook) Das hört sich auch sehr danach an, dass der Spender seine Aufgaben erledigt hat und jetzt nicht mehr weiter benötigt wird. Wie durch so kleine Worte die scheinbare Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber auch in den späteren Jahren noch ausgedrückt wird, finde ich einfach schrecklich.