Beiträge von Tom

    So, Staffel 10 von "Pastewka" zuendegeschaut. Nach dem wirklich krassen Durchhänger - nämlich Staffel 9 - war es relativ versöhnlich, überwiegend amüsant, meistens liebenswürdig und nur in erträglicher Dosierung zum Fremdschämen. Ich war am Ende sogar ein bisschen wehmütig, obwohl ich Sabine Vitua kaum noch ertragen konnte (habe ich das schon erwähnt?). Ein würdiger, relativ leiser Abschluss. Nun ist aber auch gut.

    Die letzten drei Staffeln sind ja bislang exklusiv auf "Amazon Prime" verstreamt worden, sollen aber wohl auch ins "Free TV" kommen.


    Sehr, sehr schön fand ich übrigens in der letzten Folge den Gastauftritt von Denis Scheck, der, ohne das Gesicht zu verziehen, den Anfangssatz von Pastewkas Afrikabuch, der da "Ich traf Anne in der Savanne." lautet, als literarische Meisterleistung über den Klee lobte. Jetzt glaube ich dem Mann überhaupt nichts mehr. ;)

    Die Moralität ist mit 2,5 Prozent schon etwas höher als bei der Grippe (der aber hierzulande mehr Menschen zum Opfer fallen als bislang in China an Corona gestorben sind), aber hiervon abgesehen sind Hysterie und Panikmache - oder gar absurde Ängste vor vermeintlich asiatischstämmigen Menschen - sinnfrei und überflüssig. Mir kommt es so vor, als würden die Medien ziemlich verantwortungsbewusst mit der Sache umgehen, was ich sehr gut finde. Ich bin nicht in Sorge. Nur ein bisschen um einen Kollegen, der aus Vietnam stammt und der sich aufgrund der AfD-Wahlerfolge sowieso derzeit nicht so wohl fühlt.

    Ja, Ellemir, heutzutage bevorzugt man das horizontale Erzählen, also Elemente und Entwicklungen, die sich durch mehrere Serienfolgen oder die gesamte Serie ziehen, während man früher episodischer - vertikaler - erzählt hat. Das lag vor allem daran, dass nicht so oft wiederholt wurde und man nicht aus zweiter Hand an frühere Folgen kam - man wollte die Gefahr meiden, dass sich Zuschauer ausklinkten, nur weil sie ein paar Folgen verpasst haben. Bei vielen Sitcoms - etwa "Friends" - etablierten sich dann Mischformen. Es gab zwar horizontale Elemente (etwa die Liebe zwischen Ross und Rachel), aber man konnte den Folgen auch folgen (<hüstel>), ohne alle Vorgeschichten zu kennen. Wenn ich mit der strikt horizontalen Erzählweise von Serien wie "Picard" oder "Fleabag" oder ähnlichen konfrontiert bin, kann ich kaum weiterschauen, ohne vollständig zu sein. Aber man kommt eben auch mit nur ein paar Klicks an die Konserven. Oder man bingt sowieso, schaut also ganze Serien am Stück. Es sind lange Filme, und eigentlich keine Serien mehr, bei denen dem selben Personal immer wieder etwas Neues passiert, das aber auch in derselben Folge wieder aufgelöst wird.

    Darf man die Nuschelschrammelmucke von Lindenberg eigentlich immer noch scheiße finden oder ist das seit dem Hype nicht mehr erlaubt? Ich war am Montag in Hamburg im "Docks" und bin auf dem Weg dorthin an diesem etwas bizarren Lindenberg-Erlebnis-Dings am Spielbudenplatz vorbeigelatscht. Ich meine, der Typ ist ja irre nett und alles. Aber ... ach, geschenkt. Immer machen lassen. 8) Musical, Film, Stadientouren, Erlebniszentren, Merchandising, Kosmetikserie und Designerhüte. Besser spät als nie. Aber in der Zeit, als man sich noch dafür verteidigen musste, Lindenberg gut zu finden, da war mir das deutlich sympathischer (aber auch da fand ich die Nuschelschrammelmucke schon scheiße, nichts für ungut).

    Die zweite Staffel "The Orville" hängt im Vergleich zur ersten ein bisschen durch, ist aber immer noch sehens- und liebenswert. Die Serie wechselt in Amerika ja von Fox zu einem Streaminganbieter (Hulu). Wie es dann bei uns weitergehen wird, ist noch offen.

    Wasserstand:


    Star Trek: Picard - I simply love it. <3 Das Herz des ST:TNG-Fans pocht warm, aber es ist nicht nur das. Tolle Bilder, sehr gute Dialoge, wohldosierte, aber exzellente Effekte, eher gemächlich erzählt, sehr episch und sehr persönlich. Das fühlt sich richtig gut an.


    Pastewka, (die finale) Staffel 10 (3 von 10 Folgen): Ich mag Bastian Pastewka, ich finde das Format großartig, ich habe von der ersten Staffel an den Mut bewundert, sich in eine Rolle zu begeben, die viele für eine Reflexion halten. Aber von Anfang an hat der Humor oft geschmerzt, war die Fremdschamgrenze bisweilen weit überschritten, grinsten einen aus der zweiten Darstellerreihe Leute an, die nicht in die Serie (oder überhaupt ins Fernsehen) passten (besonders schlimm: Sabine Vitua als Pastewkas Managerin Regine Holl). Die achte Staffel war okay, die neunte war schlicht grausam, die zehnte - soeben bei Amazon Prime zu streamen - beginnt ungewohnt leise, sehr entspannt, fast friedvoll, aber schon in der zweiten und dritten Folge gibt es wieder grenzwertigen Humor, vorhersehbar peinliche Situationen und ein humoreskes Treten auf der Stelle. Es wird wirklich Zeit für den Abschied.


    Modern Familiy, Staffel 5 (21. von 24 Folgen): Der Titel dieser Serie ist wirklich doof, und hierzulande wird sie ja auf "Comedy Central" versendet, aber ich mag sie. Ich mag sie wirklich. Spät entdeckt, haben wir uns in wenigen Wochen durch fast fünf Staffeln gekneistet, während die finale zehnte Staffel im "Free TV" läuft. Sehr, sehr witzig, schöne Dialoge, ein hinreißender Umgang mit Fragen der politischen Korrektheit, und Ed O'Neill in großer Schlussform. Genau das richtige zum Entspannen nach einem langen Tag. Am besten vier, fünf Folgen nacheinander. Sie sind ja nur 20 Minuten lang.


    The Marvelous Mrs. Maisel, Staffel 3 (0 von 8 Folgen): Wird ab dem kommenden Wochenende geschaut, weil die 3. Staffel jetzt endlich in deutscher Synchronisation zur Verfügung steht. Eine in jeder Hinsicht perfekte Serie, toll besetzt, toll gemacht, rund um eine faszinierende Figur und sehr wichtige Fragen unserer Zeit, von der Emanzipation bis zur künstlerischen Freiheit.


    This Is Us, Staffel 4 (0 von 10 Folgen): Meine Lieblingsserie der letzten Jahre (okay, "Picard" hat Chancen, den Rang zu übernehmen). Wir warten auf die deutsche Synchronisation der 4. Staffel, die demnächst fertiggestellt sein soll. Großartige Figuren, spektakulär erzählt, spannend, ergreifend, zum Heulen schön.

    WWM gestern? Solide gemacht, sehr gut besetzt, manchmal ziemlich überraschend, eine gelungene Milieustudie im Wortsinn. Das Whodunnit ging ein bisschen unter; viel spannender war, was sich zwischen Lübke und dem Jungen entwickelt hat. Angenehm zurückhaltende Hauptdarsteller, viele Zwischentöne - ein guter Krimiabend.

    Da bin ich bei Dir, magister wigbold. Toll geschnitten, exzellent inszeniert, beeindruckend gespielt. Und thematisch ebenfalls ein Volltreffer: Wie das Netzgeschnatter, vorauseilendes Sicherheitsdenken, Trittbrettfahrerei und andere Phänomene in der Welt der Polizei ankommen und wahrgenommen werden. Das war sehr spannend und kurzweilig. Und klug. So etwas hat man selten. Ich würde sogar noch ein Pünktchen mehr geben, vor allem im Vergleich mit dem lahmen und lähmenden Herumgetapse der Kölner Altherrenriege vorige Woche. Die alten Herren aus München zeigen, wie's gehen kann.

    Heute ist ein besonderer Tag für alle Star-Trek-Fans, vor allem derjenigen, die TNG besonders gemocht haben. Mit Folge 1 ist "Star Trek: Picard" hierzulande gestartet, aber nur für Abonnenten von "Prime Video". Ich hab's gerade gesehen. Unfassbar gemacht, unglaubliche Bilder. Aber der Hauptfigur angemessen beginnt die Dramaturgie eher gemächlich. Neben dem mit Jean-Luc gibt's in der ersten Folge ein Wiedersehen mit Data. Weitere Figuren aus TNG folgen, darunter Riker und Troi.


    Ich bin ein bisschen glücklich. :love:


    Ja. Und das gehörte zu den Elementen, die den Kernkonflikt, das aus den Fugen geratene Verhältnis zwischen Meister und Schüler, diese Welt aus Gier und Profit als Aspekte des männlichen Selbstbewusstseins, in den Hintergrund gedrängt hat. Es war aber einfach zu viel von allem, fand ich. Tolle Einzelszenen, aber insgesamt etwas missraten.

    Der Rostocker "Polizeiruf" ist ein Muss, Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau gehören meiner Meinung nach zu den besten Besetzungen bei deutschen Krimireihen. Aber das gestern fand ich über weite Strecken etwas zäh und überbemüht, zu gewollt schmutzig und brutal. Es gab tolle Szenen und Dialoge zum Niederknien, und die Darsteller haben sich mächtig ins Zeug gelegt - Katharina Behrens als Beate Hövermann allen voran. Trotzdem fand ich den Fall, der spannend anfing, mit der Zeit immer uninteressanter, und die Aufklärung und Motivlage schließlich lapidar. Schön aber, dass die horizontale Erzählweise weiter durchgehalten wird (allerdings etwas überdramatisiert).


    Ich gäbe höchstens sechs von zehn möglichen Punkten.

    Die Zahl ist absurd hoch. Meiner Kenntnis nach liegen die Honorare für die Drehbuchautoren zwischen 20.000 und 40.000 € je umgesetzte Folge.

    Was auch schon sehr, sehr viel ist, vergleicht man mit den Garantien/Vorschüssen, die gestandene Autoren für ganze Romane bekommen.


    Edit: Womit ich die Arbeit der Drehbuchautoren keineswegs schmälern will. Das ist eine sehr anstrengende Arbeit, umso mehr, wenn man für öffentlich-rechtliche Auftraggeber tätig ist, wo Kommissionen und Redakteure noch und nöcher reinreden, wo es mehrere Dutzend Drehbuchfassungen gibt und so weiter. Und die Drehbuchautoren sind meistens auch noch direkt beim Dreh dabei und müssen täglich Szenen umschreiben und ergänzen. Aber vierzig Riesen, dafür muss man schon Bestsellerautor sein, um das als Vorschuss für einen Roman einzustreichen.

    Wen meinst Du damit, Booklooker? Und wenn Dir Deine Lebenszeit dafür zu schade ist, dann mach doch einfach nicht mit. Ich finde es schön, über etwas Kulturelles, für das man eine gewisse Hassliebe empfindet, genauso beherzt zu lästern, wie Begeisterungsbekundungen abzugeben. Ich mache beides. Und ich freue mich darüber, das hier mit Gleichgesinnten tun zu können. Oder die reflexartigen Gegendarstellungen von Voltaire lesen zu dürfen. ;)