Beiträge von little sparrow

    Das mit der Schriftgröße ist ganz lustig - das kommt teilweise unheimlich gut an (wird sehr oft explizit lobend erwähnt) und teilweise sorgt es für, sagen wir, Vergnügen ;) Ich bin persönlich zu dem Schluss gekommen, dass die Begeisterung für die große Schrift sich vermutlich umgekehrt proportional zur Sehstärke des Lesers verhält ;) Mir selbst sagt's auch zu ;)

    Vor ein paar Jahren hätte ich wohl auch noch gesagt, es wäre unnötig, solch ein großes Schriftbild zu wählen. Heute bin ich über solch eine Übersichtlichkeit überglücklich. :)

    Das steht auch noch auf meiner Wunschliste. :)

    Viel Spaß!

    little sparrow

    Ein plötzlicher Todesfall ... der Sprecher ist zwar super, aber ich bin nach noch nicht mal einem Viertel am Überlegen, es abzubrechen. Ein plötzlicher Todesfall und derzeit werden nur irgendwelche Leute aus seinem Umwelt vorgestellt und etwas über sie berichtet. Ich geb mir noch ne halbe Hörstunde ...

    Oh je. Klingt, als wäre das Umfeld nicht mal allzu interessant.

    Washington Black

    Roman

    Eichborn Verlag

    Autorin: Esi Edugyan

    ISBN 978-3-8479-0665-0

    510 Seiten

    erscheint am 30. August 2019








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    Inhalt und Personen



    Washington Black handelt von einem 11jährigen Jungen namens George Washington "Wash" Black. Bereits in Sklavenhaltung geboren, wird er von einer Sklavin namens Big Kit beschützt, die ihn mit immer widersprüchlichen Aussagen durch die ersten Jahre begleitet.


    1830 stirbt der Plantagenbesitzer und sein Neffe Erasmus Wilde übernimmt als neuer Master die Plantage auf Barbados. Seitdem sind tätliche Übergriffe auf die Sklaven an der Tagesordnung. Als Überleben und dabei unversehrt zu bleiben aussichtslos erscheint und auch eine Flucht unmöglich ist, beginnen die Sklaven sich selbst das Leben zu nehmen, in der Hoffnung, frei und in der Heimat wiedergeboren zu werden.




    Zu dieser Zeit trifft Erasmus jüngerer Bruder Christopher "Titch" Wilde auf der Plantage ein. Titch hält nichts von Sklaverei. Für ihn sind alle Menschen gleichwertig und gleichberechtigt. Er wird auf den 11jährigen Wash aufmerksam und bittet seinen Bruder, ihm den Jungen für seine wissenschaftlichen Studien als Assistent zur Verfügung zu stellen. Titch arbeitet gerade daran, einen Wolkenkutter erstmals in die Luft zu bringen.



    Mit diesem Wolkenkutter machen sich Titch und Wash auf zu einer Reise in die Freiheit.


    Und so beginnt für Wash eine Reise in eine nie auch nur zuvor erahnte Welt voller neuer Eindrücke.




    "Und so starben wir also nicht. Der kräftige Mann mit der Axt stellte sich als der Schiffskapitän heraus, ein in Deutschland geborener, zufällig zum Engländer gewordener Seefahrer namens Benedikt Kinast." - Seite 171








    Meine Meinung



    Esi Edugyan schreibt, was manche nur in Bildern auszudrücken vermögen. Sie findet Worte, die mit einer Liebe zum Detail angefüllt sind, dass das Geschehen vor meinem geistigen Auge zum Leben erwacht. Ich genieße die Beschreibungen und werde Teil dieser Geschichte. Während sich die Charaktere unterhalten, streiten, diskutieren und sich erklären, fühlt es sich fast so an, als könnte ich das Geschehen greifen.



    Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt und handelt von den verschiedenen Lebensabschnitten des jungen Wash. Dadurch sind die 510 Seiten sehr angenehm zu lesen. Jedes dieser Abschnitte ist zusätzlich in Kapitel unterteilt, die in der Länge variieren.



    Während des Lesens beschäftige ich mich immer mehr mit den Aussagen von Wash, die durch eine Vielzahl von geschilderten Wahrnehmungen unterstrichen werden. Da ist die Stimme, sein Schweigen, seine Blicke. Die Verbundenheit, die er sucht, wird beim Lesen spürbar.



    Wie fühlt man sich, wenn man plötzlich zu niemanden gehört und zuvor in Besitz von jemanden aufwächst? Das ist die Frage, die sich mir immer wieder stellt.



    In Washington Black geht es um Freiheit. Körperliche Freiheit.


    Und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten der persönlichen Freiheiten.



    Dieses Abenteuer, zu Überleben und in Freiheit zu gelangen, konnte ich an der Seite von Wash erleben. Ein zutiefst berührender Roman.








    Fazit



    Ein zutiefst berührender Roman. Washington Black ist für alle, die mit Wash das Abenteuer zu Überleben, die Gefahren der Freiheit und das Leben bestehen wollen.

    Klara und Max haben eigentlich nur zwei oder drei Sätze miteinander gewechselt und daraus - und aufgrund der blauen Augen - soll diese plötzliche romantische Liebe resultieren?

    Fritz stammt aus gutem Haus, ist Arzt aber in allen anderen Belangen ziemlich sprunghaft. Wie hat er denn gemerkt, dass Klara ihn nicht mehr heiraten will und warum ist ihm das wichtiger als das gesellschaftliche Ansehen und die Blamage seiner Familie? Innerhalb von Sekunden wechselt er auch seine Lebenspläne. Die Erfahrung in Berlin mag sicher traumatisch gewesen sein, aber nun so plötzlich nach Afrika zu entschwinden? Diese Sprunghaftigkeit verwunderte mich etwas und war aus meiner Sicht leider nicht so gut erzählt.


    Ich denke, man spürt es, wenn der richtige Mensch einem gegenüber steht. Eine Verbindung, die da ist. So schildert es Max ja auch Klara gegenüber. Und diese wird das wohl - neben den blauen Augen - auch bemerkt haben.

    Fritz hat sicher entgegen seiner eigentlichen Überzeugung gehandelt und ist überstürzt mit Klara nach Weimar abgereist - und zwar eher Klara zuliebe. Damit ihr nicht auch solch ein Schicksal wie Kiki blüht.

    Er wird mit seinem Freund gesprochen haben, denn er wusste ja ziemlich genau, das Max sich dort aufhält. Und von dem zarten Band hätte er sicherlich sonst nichts erfahren.

    Da sieht man mal, wie sehr Fritz gegen seine Überzeugung zurück nach Weimar gegangen ist: das Ansehen seines Elternhauses und auch die Praxis seines Vaters sind ihm überhaupt nicht wichtig. Wichtig wäre Klara gewesen.

    So jedenfalls, hab ich das empfunden.

    Amalientöchter

    Roman

    Aufbau Verlag

    Autorin: Joan Weng

    ISBN 978-3-7466-3508-8

    382 Seiten

    erschienen am 16. August 2019




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    Inhalt und Personen


    Klara Heinemann ist die Protagonistin dieser Geschichte und wartet nun - nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Abiturs - auf die Rückkehr ihres Freundes Fritz Faber. Dieser ist zu der Zeit noch in Berlin als Arzt tätig, wird aber bald zurück in Weimar erwartet. Offiziell verlobt sind die Beiden noch nicht, aber das sollte nur noch eine Formalität sein.


    Der erste Weltkrieg ist gerade vorbei und in Berlin wird jede helfende Hand gebraucht. So kommt Fritz nur nach Weimar zurück, um neu ausgestattet wieder nach Berlin zu reisen. Doch diesmal lässt Klara nicht zu, dass er sie in Weimar zurücklässt und so reist sie ihm einige Tage später nach.


    In Berlin ist der Umbruch durch die Ablösung der Monarchie deutlich spürbar. Ebenso die Emanzipation der Frauen. Klara hält nicht viel von den gesellschaftlichen Konventionen der Frauen, auch wenn sie danach erzogen wurde. So passt sie ihr Äußeres ihren inneren Idealen an, orientiert an Frauen, die ähnlich wie Herzogin Anna Amalia, eigene und ungewöhnliche Wege gehen.


    Meine Meinung

    Klara erlebe ich als eine aufgeweckte junge Frau, die neugierig und begeistert vom Umbruch und der Emanzipation der Frauen von Weimar in die große Stadt Berlin aufbricht. Dort findet sie schnell Gefallen an der Eigenständigkeit und will unabhängig sein. Eine selbstbewusste junge Frau, die für sich selbst sorgen kann und will. Das Wahlrecht hatten die Frauen sich gerade erkämpft, nun durfte es gern noch ein paar Schritte weitergehen.



    Zitat
    "Denn solche Frauen wären es, die aus einer weichen Auslegung des Gesetzes ihre wirtschaftlichen Vorteile zögen. Am Ende würden hier sogar unschuldige Männer verführt." - Seite 346



    Der Schreibstil ist dermaßen mitreißend, dass ich mich beim Lesen flink an Klaras Fersen heftete, um mitzukommen. Sie sprüht vor Leben und ist ein echter Wirbelwind. Damit hat sie mein Herz im Sturm erobert.


    Mir gefallen lebendige, starke Frauencharaktere und das verkörpert Klara. Und doch kann sie sich auch zurücknehmen, wenn Zurückhaltung gefragt ist und sie weiß, dass sie gerade nicht vernünftig punkten kann. Das macht die Geschichte um Klara auch immer wieder spannend.


    Die geschichtlichen Ereignisse um die gerade in den Anfängen befindliche Weimarer Republik sind toll eingebunden. Am Ende des Romans befindet sich neben eines Glossars auch noch ein Nachwort der Autorin Joan Weng, in dem sie erzählt, wie sie die historischen Ereignisse eingebunden und was sie frei erfunden hat. So hatte ich ganz nebenbei auch noch eine unterhaltsame Auffrischung in Geschichte.


    Auch die weiteren Charaktere sind sehr lebendig dargestellt. Vor allem die Freunde von Klara und ihrem Freund Fritz. Die Familie bleibt eher im Hintergrund, ist aber trotzdem stets präsent.



    Zitat
    "Lotti seufzte, Grete seufzte, und dann schlang sie ihre Arme um Klara, drückte sie fest, flüsterte leise: "Dann nimm wenigstens meinen guten Koffer, dass der auch mal was von der Welt sieht."" - Seite 57



    Es hat mir große Freude bereitet, Berlin und Weimar zu der Zeit von 1918/1919 zu erleben. So wurde für mich Geschichte wieder lebendig und Berlin war mir sehr nah.



    Zitat
    "Ich muss jestehen, ich hab mir dir jar nich so hübsch vorjestellt. Weil der Fritz immer nur so von deinem Charakter schwärmt, und normalerweise, also wenn ein Mann die Wahl hat, juter Charakter oder fesch in der Bluse, also da jehen die Ideal jern mal flöten." - Seite 67

    Fazit



    Ein Roman für alle, die gern mit einer fiktiven bezaubernden Protagonistin in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg zurückreisen und die Anfänge der Weimarer Republik und die Emanzipation der Frauen erleben wollen.


    ASIN/ISBN: 374663508X

    So liebe little sparrow muss mich bei Dir entschuldigen. Die halbe Nacht hab ich dran gedacht und war mir dann sicher, Du hast Recht. Soeben nochmal gegoogelt und es ist eben doch die Muße die man hat. Ist schon schlimm, wenn man denkt, es wird so geschrieben, aber dann im Nachdenken fällt es auf, ne, ist doch nicht so. Ich führe das dann vor ein inneres Auge und das sagte mir, hmmm hat sie nicht doch recht??? :rolleyes: Nun ja, ich hoffe, Du siehst es mir nach.

    Überhaupt kein Problem. Mir geht es auch immer so, wenn jemand anderer Meinung ist, hinterfrage ich meine nochmal. Lieben Dank für Deine Recherche und Deine Rückmeldung.

    Das ist so schön, dass Klara - trotzdem sie mit nach Weimar geht - doch für die Zeitung arbeiten und ihre eigenen Artikel schreiben kann. Perfekt, dass die Nationalversammlung in Weimar durchgeführt wird.

    Ich bin mit Klara immer noch in der stürmischen See versunken. Das hast Du herrlich ausgeheckt, Joan.

    Würdest Du nun einen Bildband mit alten Postkarten und den Reiseberichten von Kiki von Klassen herausbringen, ich würde ihn definitiv haben wollen. Gern mit all den unzensierten Geschichten.

    Vielleicht auch ein paar Zeichnungen von Max? - Ich würde es lieben.


    Regelrecht schockiert war ich gemeinsam mit Karla während Werners Rede.


    Zitat


    "Am Ende würden hier sogar unschuldige Männer verführt." - Seite 346


    Arme Klara. Zum Glück bricht sie hier nichts übers Knie und schnappt sie Fräulein Seidenmann. - Wunderbar, dass auch das Fräulein Seidenmann ihren eigenen Kopf hat. ;)


    Eine ganz wundervolle Geschichte, Joan. Vielen Dank! <3


    Unbedingt erwähnen muss ich auch noch Fritz.

    Er hat doch sicher mit Jakob ein längeres Gespräch geführt. Max ist in Berlin, Karla.

    Und so hat Karla Fritz gleich zweimal gerettet, nicht wahr?!

    Wow. Klara geht gemeinsam mit Fritz zur Demo. - Ich bin mir nicht sicher, ob bei mir die Neugier oder die Angst überwiegen würde.

    Die Besetzung des Zeitungsviertels war ein herber Schlag. So, wie Kikis Verschwinden.

    Ich hätte nie gedacht, dass sich Martha auch in meinen Augen zu einem Schatz wandelt. Ganz großes Kino, Joan. Das ist unglaublich. Die Charaktere wachsen mir immer mehr und mehr ans Herz. - Auch Jakob und Max, das wilde Meer. - Da kommt gleich die Romantikerin in mir durch.

    Jetzt habe ich wieder so viel über Berlin gelesen, und muss nun mit Klara nach Weimar. - Dabei fühlte ich mich dort grad wohl. Ich bin sehr gespannt, wie es uns (Klara und mir) nun in Weimar ergehen wird. Teekränzchen am Nachmittag? Hochzeitsglocken? Bei Klara, habe ich das Gefühl, kann alles passieren.

    Wunderbar, dass Klara nun wohlbehalten in Berlin angekommen ist. Es war mir ein Fest, wie schnell sie sich anpasst - der gekürzte Rock, die kurzen Haare. Sehr mutig. Ich bin gespannt, wie Fritz reagiert, wenn er Klaras neue Frisur sieht.

    Auch der Krankenbesuch hat mir gut gefallen. Klara hat stets ein gesundes Mittelmaß an Zurückhaltung und angemessenen Bemerkungen. Wenn sie meint, etwas zum Thema sagen zu können, nimmt sie kein Blatt vor den Mund und das, obwohl sie zu Zurückhaltung erzogen wurde. Schön, dass sie sich davon nicht verbiegen lässt.

    Angesichts der schwankenden Buchstaben auf dem Schild wäre Alkoholkommando aber auch nachvollziehbar. ;)


    Wenn die Nennung der Schmunzelfehler in Ordnung ist, gebe ich sie weiterhin gern wieder. Sonst höre ich ab dem nächsten Abschnitt damit auf. Ein kurzer Hinweis genügt.


    Seite 81

    … Wohnung ihrer Mutter verlasen hatte, … - verlassen hatte


    Seite 101

    .. diese wirrköpfige Person solle am besten heiratete … - solle am besten heiraten


    Seite 130

    … verführerisch glänzender Haut. - verführerisch glänzenden Haut.


    Mir gefällt, dass in dem Buch auch sehr schön die Stellung der Frau in der Gesellschaft dargestellt wird. Einigen Männern scheint es nichts auszumachen, dass die Damenwelt sich in die "herr"lichen Themen einmischt, doch das Gros ist schlicht dagegen.

    Klara ist wirklich ein kleiner Derwisch. - Für die damalige Zeit zumindest. Gut für uns Frauen!

    Ihr Fritz ist da ein wenig zurückhaltender, lässt Klara aber ihren Willen.

    Ich bin gleich mitten im Geschehen, der Schreibstil ist so ungestüm wie Klara. Das ist unendlich stimmig.


    Schmunzelfehler sind mir auch noch aufgefallen.


    Seite 15

    … die gesamten Weißwäsche … - die gesamte Weißwäsche


    Seite 17

    Auf Zehenspitzten … - Auf Zehenspitzen


    Seite 20

    … - als Deserteuer, … - als Deserteur


    Entschuldige Joan, aber da musste ich echt lachen.


    Und schmunzeln musste ich auch bei der Beschreibung von Paul Rieger - das aber nur wegen seiner Charakterisierung:


    "Das war Paul Rieger, grünäugig, schwarzlockig und von flexibler Moral." - Seite 50


    Ganz herrlich! Ich bin schon sehr gespannt, wann bei Paul wieder Flexibilität verlangt wird. ;)


    Nun bin ich auf Berlin gespannt.

    Das hört sich ja klasse an. Und dann auch noch von Christian Berkel gelesen! Erzähl mir unbedingt anschließend, wie es Dir gefallen hat.

    Der Kinderflüsterer

    Roman

    Blanvalet Verlag

    Autor: Alex North

    ISBN 978-3-7645-0710-7

    444 Seiten

    Inhalt und Personen


    Als Rebecca plötzlich stirbt müssen ihr hinterbliebener Mann Tom und ihr kleiner Sohn Jake nicht nur den Verlust überwinden, sondern auch zueinander finden. Vater und Sohn sind sehr empfindsam und so fällt es beiden eher schwer, sich auf den anderen völlig einzulassen.

    Mit einem Umzug in ein neues Zuhause wollen sie sich die Zukunft neu gestalten. Ein altes Haus in dem kleinen Ort Featherbank weckt Jakes Interesse und da es bezahlbar ist und es Jake gefällt, lässt Tom sich darauf ein.

    Beide ahnen nicht, dass 20 Jahre zuvor in diesem Ort schon einmal kleine Jungs entführt und getötet wurden. Von einem fehlt bis heute jede Spur. Obwohl der Täter seinerzeit überführt wurde und noch einsitzt, ist jetzt wieder ein Junge verschwunden. Die Ermittlungen schließen auf einen Komplizen, denn die Umstände ähneln sehr den Taten von vor 20 Jahren.

    Einem Ermittler ist bis heute daran gelegen den fünften Jungen von damals zu finden: DI Pete Willis.




    Meine Meinung





    Alex North ist mit Der Kinderflüsterer ein ganz besonderer Roman gelungen. Der Kinderflüsterer ist spannend und tiefgründig. Als Leser werde ich langsam an das Geschehen herangeführt. Featherbank - der Name des Ortes, in dem das Grauen vor 20 Jahren einzog - weckt einen eigentümlichen Nachhall. Ich fühle mich beim Lesen wie auf einem schmalen Grat in einer Geschichte von Stephen King.


    Jake ist nicht der Erzähler, der in der Ich-Person agiert, für mich allerdings der Hauptcharakter. Ein ganz normaler Junge. Und doch verfügt er über eine scheinbar übernatürliche Gabe. Immer wieder unterhält er sich mit seiner imaginären Freundin. Einem Mädchen in seinem Alter, das ihm zur Seite steht. In Featherbank angekommen, ist die Stimme des Mädchens jedoch nicht mehr die einzige, die er hört. Vor seinem Fenster hört er ein Flüstern.


    Die Vater-Sohn Beziehung hingegen ist von eher gewöhnlichen Problemen geprägt. So empfindet der Vater seine Bemühungen im Hinblick auf seinen Sohn als unzulänglich. Stets denkt er daran, wie einfach es für Rebecca als Mutter war, mit Jake zusammen zu sein. Und dann wieder wird ihm gegenwärtig, wie schwer es für ihn ist, seinen eigenen Sohn zu verstehen. Vor allem dann, wenn Jake schweigt.


    Mit viel Feingefühl wird in Der Kinderflüsterer Spannung aufgebaut, die mich die Luft anhalten lässt. Entspannungsphasen zum Durchatmen erhalte ich durch die Perspektivwechsel der kurz getakteten Kapitel. Das eröffnet mir die Möglichkeit, das Geschehen von allen Seiten zu verfolgen.


    In der Ich-Person erzählt Jakes Vater, Tom Kennedy, sehr eindrücklich von seinem Bestreben, Jake näher sein zu wollen. Ich erlebe den Verlust seiner Frau Rebecca und durch Rückblenden seine Kindheit. Das lässt Tom Kennedy zu einem vielschichtigen Charakter werden.


    Über den Erzähler erfahre ich in den weiteren Kapiteln mehr über Jake, DI Pete, das Ermittlerteam und begleite den Täter. Zum Ende hin spitzen sich in allen Erzählsträngen die Ereignisse immer mehr zu und ich mag das Buch nicht mehr zur Seite legen. Beeindruckend und menschlich nachvollziehbar wird die Geschichte von allen Seiten erzählt, so dass sich die Handlungen echt anfühlen und noch Tage später präsent ist.


    Der Erzählstil ist eingängig, daneben oft geprägt von Erklärungen und Aufzählungen, um das Geschehen zu verdeutlichen. Tatsächlich habe ich immer ein sehr genaues Bild vor Augen und dennoch genügend Raum für eigene Interpretationen. Das macht es mir sehr leicht, der Geschichte zu folgen.


    Nervenaufreibend und nahezu unblutig erzählt Alex North die Geschichte vom Kinderflüsterer.


    Fazit

    Ein spannungsgeladener Roman, der mit viel Feingefühl für blankes Entsetzen sorgt.


    ASIN/ISBN: 3764507101