Beiträge von little sparrow

    Lazarus - Lars Kepler




    Lazarus


    Psychothriller


    Bastei Lübbe Verlag


    Autor: Lars Kepler


    erschienen am 28. Februar 2019


    ISBN 978-3-785726501


    640 Seiten


    gebunden im Schutzumschlag


    auch als Hörbuch erhältlich


    Hörbuchsprecher: Wolfram Koch






    Lars Kepler - Lazarus


    Personen und Inhalt



    Joona Linna ist unser Protagonist dieser nunmehr 7 Bände umfassenden Reihe. Er ist Superintendent bei der Einheit für Nationale Ermittlungen, gerade auf Bewährung aus der Haft entlassen und wieder im Dienst. Seinem feinen Gespür und seiner Empathie zufolge ist ein gefährlicher Mensch wieder aufgetaucht, der bislang als tot und seine Leiche als verschollen galt: Jurek Walter.



    Diese Auffassung teilt seine Kollegin Saga Bauer jedoch nicht. Sie ist Superintendentin im Schwedischen Sicherheitsdienst und hat vor einigen Jahren Jurek Walter im Polizeieinsatz erschossen. Jurek Walter stürzte dabei in einen Fluss. Seine Leiche wurde nie gefunden. Und doch ist Saga Bauer der festen Überzeugung Jurek Walter getötet zu haben.





    Allerdings gibt es derzeit in Europa eine Serie von Morden. Als dann in der Wohnung eines Grabschänders der Kopf von Joona Linnas verstorbener Ehefrau auftaucht, ist Joona sich sicher, dass Jurek Walter zurück ist. Joona Linna warnt seine Kollegen und Freunde und hinterlässt ihnen wertvolle Informationen während er selbst alles in seiner Macht stehende tut, um das Leben seiner Tochter Lumi zu schützen. Denn sollte Jurek Walter wirklich "sozusagen von den Toten auferstanden sein", sind alle in Gefahr, die Joona lieb sind. Denn Jurek Walter tötet seine Opfer nicht: Jurek Walter zerstört seine Opfer. Er nimmt ihnen alles. Er nimmt sich aller Personen, die dem Opfer nahe stehen, an und überlässt es seinem Opfer, sich selbst zu töten.




    Meine Meinung



    Dieser Psychothriller hat es wirklich in sich. Der Schreibstil ist flüssig und die Aufteilung der Geschichte besticht mit kurzen, detaillierten Kapiteln, die mich beim Lesen kaum zu Atem kommen lassen. Obwohl dies der siebte Teil einer Reihe um den Ermittler Joona Linna ist und ich die Vorgängerromane nicht kenne, scheinen mir die Charaktere von Anfang an vertraut. Der Erzählstil wirkt lebendig und lebensnah, da auch die persönlichen Begebenheiten der Protagonisten und auch der weiteren, für die Handlung maßgeblichen, Charaktere erzählt werden.



    "Er war kaum wiederzuerkennen, der Diebstahl des Schädels seiner Ehefrau hatte ihn paranoid gemacht." - Seite 215 im eBook


    Um die Eigenschaften klar herauszustellen, ist manche Situation sicher übertrieben dargestellt, doch die Spannung und das Ergebnis stimmen mich - gemessen an der Übertreibung - gleich wieder milde.



    "Es ist eine Schande, dass die Jugend an Jugendliche verschwendet wird, brummelte Rinus." - Seite 443 im eBook



    Alles in allem fühlte ich mich mit diesem Werk sehr gut unterhalten und verfolgte nahezu gebannt das Geschehen in dieser Geschichte. Die Gewaltszenen sind teilweise sehr brutal und anschaulich beschrieben, so dass ich das Buch nicht als Schweden-Krimi bezeichnen würde. Die Bezeichnung erscheint mir - gemessen an der Art und Weise der Erzählung - zu seicht.



    Tatsächlich ist die Geschichte mit einem hohen Maß an Psychologie und Empathie gespickt und ich blicke in die Seelen der Charaktere in tiefe Abgründe hinein.



    Und das ist genau der Punkt: Joona Linna blickt ständig in die Abgründe der menschlichen Seele - und irgendwann blickt dieser Abgrund in einen - in Joona Linna - hinein.



    Und das ist genau das, was das Autorenteam von Lars Kepler schafft: ich beschäftige mich mit der Seele des Antagonisten. Die Seele des Protagonisten ist mir ja aus der Erzählung vertraut.




    Der Autor



    Lars Kepler. Den Klang des Namens an sich kann man schon erst einmal auf sich wirken lassen.


    Lars Kepler ist das Pseudonym des Autorenehepaars Ahndoril. Alexandra Coelho Ahndoril und Alexander Ahndoril, geb. Gustafsson. In einem Interview erzählen sie, dass sie sich 1992 auf einer Party kennengelernt haben. Beide haben grüne Augen und "es war Liebe auf den ersten Blick" sagen sie über ihre erste Begegnung. Und das ist nur eine von vielen Gemeinsamkeiten.


    Beide stammen aus Arbeiterfamilien. Beide sind Linkshänder. Und beide haben bei einer gemeinsamen Arbeit an einem Kinderbuch für ihren Nachwuchs festgestellt, dass das Schreiben zu zweit so nicht funktioniert.


    Daher entwickelten sie einen eigenständigen Autoren unter dem sie gemeinsam schreiben konnten: Lars Kepler.


    Die Entwicklung des Namens ist nachvollziehbar und stimmt mich froh: Denn "Lars" ist Stieg Larsson gewidmet. Dem leider bereits verstorbenen Autoren der Millennium-Trilogie um Lisbeth Salander, die erst postum veröffentlicht wurde. Kepler hingegen ist eine Hommage an den großen Wissenschaftler Johannes Kepler, bedeutender Naturphilosoph, Mathematiker und Astronom. Dass beide sich für diese Wissenschaften interessieren, spiegelt sich auch in ihren Erzählungen wieder.


    Das war für mich bei der Lektüre des Buches sehr spannend.




    Fazit



    Der siebte Band um den Ermittler Joona Linna lässt sich hervorragend ohne Vorkenntnisse der ersten sechs Bände lesen und nachvollziehen. Das Buch ist spannungsgeladen und meiner Meinung nach nichts für schwache Nerven, da die Morde teilweise sehr detailliert und in all ihrer Brutalität beschrieben werden. Die 640 Seiten merkt man der Geschichte bei dem rasanten Erzählstil nicht an.




    Hinweis



    Wer die Werke von Lars Kepler noch nicht kennt und zu Hause stehen hat: Der Bastei Lübbe Verlag bringt gerade die Vorgängerromane in einem einheitlichen neuen Look heraus.


    Am 28. Februar 2019 erscheint gemeinsam mit Lazarus der erste Teil Der Hypnotiseur. Am 31. Mai 2019 folgt dann Paganinis Fluch und am 30. August 2019 erscheint Flammenkinder.


    Dann hätten auf jeden Fall die ersten drei Bücher und der neueste Band ein einheitliches Erscheinungsbild, gehalten in schwarz-blau mit weißem Autorennamen. Die beste Gelegenheit also die Reihe von Anfang an zu entdecken.

    Darauf freue ich mich auch schon! Das steht ganz oben auf meiner Wunschliste.

    Bin schon total gespannt, wie es dir gefällt.

    Roter Rabe - Frank Goldammer


    Roter Rabe


    Krimi


    DAV - Der Audio Verlag


    Hörbuch


    erschienen am 21. Dezember 2018


    Autor: Frank Goldammer


    Sprecher: Heikko Deutschmann


    ISBN 978-3-7424-0643-9


    ungekürzte Lesung 1 mp3-CD


    Laufzeit ca. 11 h 15 min






    Roter Rabe ist der vierte Teil einer Krimiserie um den Oberkommissar Max Heller.


    Der Krimi spielt im Jahr 1951 in Dresden.


    Max Heller kommt gerade mit seiner Frau Karin und ihrer gemeinsamen Pflegetochter Anni aus dem Urlaub, als sein Leben buchstäblich auf den Kopf gestellt wird: Max Heller ermittelt in einem Fall, in dem es um den Schmuggel von Uranerz geht. Da werden zwei Zeugen Jehovas des Spionageverdachts wegen verhaftet. Beide findet man am nächsten Tag tot in ihren Zellen; Alles weist auf einen Selbstmord. Eigenartig ist nur, dass beide auf eben genau dieselbe Art und Weise tot in ihrer Zelle liegen.



    Zeitgleich taucht sein alter Freund Alexej Saizev wieder auf. Dieser arbeitet mittlerweile beim KGB. Sein Verhalten allerdings gibt Max Heller Rätsel auf.



    Max Heller weiß schon bald nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Auch privat geht es nicht wie gewohnt zu:


    Karin ist zu ihrem Sohn nach Köln gereist und Max muss sich um Anni kümmern. Und eigentlich sollte er sich auch um Frau Marquart kümmern, die sonst ein Auge auf Anni hat, denn diese kann sich in letzter Zeit an immer weniger Ereignisse aus jüngster Vergangenheit erinnern. Gut, dass plötzlich eine entfernte Verwandte von Frau Marquart auftaucht. Max Heller sieht das allerdings mit gemischten Gefühlen.




    Meine Meinung


    Anfangs lerne ich Max Heller kennen. Dabei bedarf es keiner großen Erklärungen oder Rückblenden, und dass, obwohl dieses schon der vierte Fall des Ermittlers ist - und mein erster.


    Einzig die genauen Familienverhältnisse und das Zusammenleben mit Frau Marquart musste ich nach und nach ergründen. - Das brachte aber der Stimmung beim Lesen keinen Abbruch.



    Ich kann also guten Gewissens behaupten, dass man auch mit diesem vierten Fall von Max Heller beginnen kann. Sinn macht aber - gerade wegen der persönlichen Entwicklung -, sich die Reihe von Anfang an zu Gemüte zu führen.



    Dabei geht es in diesem Krimi alles andere als gemütlich zu. Während ich anfangs noch die Charaktere kennenlerne und mit der Geschichte warm werde, spitzen sich die Ereignisse bereits zu und umso mehr ich von der Geschichte höre, umso weniger kann ich die Geschichte auf- bzw. anhalten. Ab einem gewissen Punkt will ich nur noch erfahren, wie all die fein gesponnenen Fäden zusammengeführt werden.




    Cornelia Fett und Heikko Deutschmann Lesung bei Leuenhagen und Paris mit Gard Sveen 2017



    Die Geschichte spielt im Jahr 1951 in der DDR. Für mich klingen die Umstände sehr stimmig. Auch die Charaktere und die beschriebenen Abläufe werden authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Eine gute Wahl ist zudem der Hörbuchsprecher: Heikko Deutschmann.


    In seiner Stimme finde ich alles, was zu diesem Kriminalfall meiner Meinung nach gehört. Die Klangfarbe ist dunkel und klingt warm an den Stellen im Buch, in dem Max Hellers Wohlbefinden ausgedrückt wird. Ohne die Stimme zu verstellen, wird die Klangfarbe geringfügig und doch hörbar höher, wenn die Spannung in der Geschichte zunimmt und ich als Hörer aufmerksam lauschen sollte.






    Sven Stricker und Cornelia Fett Lesung bei Leuenhagen und Paris 2017









    Sven Stricker hat bei diesem Hörbuch Regie geführt.


    Sven Stricker arbeitet seit 2001 als freier Wortregisseur und hat 10 Jahre später sein erstes selbst erdachtes Hörspiel herausgegeben. 2013 folgte sein erster Roman. Momentan befindet sich Sven Stricker mit Sörensen fängt Feuer auf Lesereise.










    Bleibt mir noch, den Autoren von Roter Rabe vorzustellen: Frank Goldammer lebt in Dresden und so sind seine Romane um Max Heller sozusagen ein "Heimspiel", denn in Dresden kennt er sich bestens aus. Vertraut ist er zudem mit der Geschichte der Stadt, und dass, obwohl er selbst noch gar nicht so lange lebt. Frank Goldammer ist 1975 geboren, kennt die Stadt Dresden aber von klein auf.


    Sein Autorenleben ist dafür nicht in der Berufswahl begründet: Frank Goldammer ist gelernter Maler- und Lackierermeister, begann aber beinahe zeitgleich zu schreiben und verlegte seinen ersten Roman im Eigenverlag.



    Mit seinem neu erscheinenden Werk Großes Sommertheater wird er zu Gast auf der Leipziger Buchmesse sein.

    Wünsch Dir Was - Wahrhaftigkeit

    Fantasy - Romantasy

    Verlag: Independently published

    Erscheinungsdatum: 6. Februar 2019

    Autor: Kirsten Storm

    ISBN: 978-1795188043

    580 Seiten



    Wünsch Dir Was - Wahrhaftigkeit ist der vierte Band einer Tetralogie, die in zwei Welten spielt. In unserer Welt und in einer Parallelwelt.

    Bei dieser auf vier Teile ausgelegten Reihe ist es sinnvoll, sie allesamt und in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da die Geschichte in den Folgebänden weitererzählt wird.




    Personen - und ein kurzer Überblick was bisher geschah



    Im Land Noriat wird eine neue Misaya gesucht. Das kann man nicht erlernen, man wird als Misaya geboren. Daher macht sich der erste Wächter, Aydem, auf die Suche. Das Mage-Vhe wird ihn dabei leiten, denn das ist die Verbindung, die stets zwischen einem ersten Wächter und einer Misaya besteht.

    Das Mage-Vhe führt Aydem auf die Erde. Dort begegnet er zwei jungen Damen. Bei einer der beiden regt sich sein Mage-Vhe: Romy.


    Romy Stern ist Schriftstellerin und die beste Freundin von Ella.

    Romy hat gerade ihr zehntes Buch zu Ende geschrieben und sich von ihrem Freund getrennt.

    Um die Fertigstellung des Buches zu feiern, gehen Ella und Romy aus. Bei dieser Gelegenheit trifft Romy das erste Mal auf Aydem.


    Aydem entführt Romy in das Land Noriat. Zunächst weiß Romy noch nicht, dass sie sich nicht mehr auf der Erde befindet. Doch als sie es realisiert und man ihr mitteilt, dass sie auserkoren sei das Land als Misaya zu regieren, lehnt sie dankend ab und flieht zunächst.


    Doch Aydem gelingt es, Romy zurück in die Welt Cupiditas und damit zurück nach Noriat zu bringen. In der Zwischenzeit wird eine weitere Misaya-Anwärterin von einem anderen Wächter entdeckt. Beide stehen nun vor den Prüfungen zur Misaya. Während Romy alles daran setzt, die Prüfungen nicht zu bestehen, kommt sie doch nicht gegen ihre natürlichen Kräfte an.


    Auch Aydem macht es ihr nicht leicht: er übt eine unendliche Anziehungskraft auf Romy aus. Und dann gibt er sich ihr gegenüber so unnahbar - denn eine Liebe kann und darf es zwischen einem erstem Wächter und einer Misaya nicht geben.


    Schließlich übernimmt Romy das Amt der Misaya. - Und gesteht Aydem ihre Liebe.


    Noch bevor sie in die Mysterien eingeweiht werden kann, ereilt sie ein unerwarteter Schicksalsschlag. Eine düstere Zeit bricht für Romy an, in der sie über ihre Grenzen hinauswachsen muss. Und eines wird ihr klar: nicht jeder ihrer Vertrauten ist ihr wohlgesonnen.


    Und Romy muss sehr vorsichtig mit ihren Wünschen sein. Denn was alle im Land Noriat für undenkbar hielten, geschieht, wenn Romy Wünsche formuliert: selbst die Wünsche, die nicht funktionieren dürften, gehen in Erfüllung. Schon bald wird klar, dass hier gottgleiche Mächte eingesetzt werden, wenn selbst die Zeit sich umzukehren scheint.




    Inhalt



    In diesem vierten Band befindet Romy sich wieder auf der Erde. Sie denkt an Aydem, an ihre Glückschimäre und die vielen anderen Charaktere aus dem Lande Noriat. Doch niemand, auch ihre Freundin Ella, hat je von Aydem oder einer Glückschimäre oder dem Land Noriat gehört. So befindet sich Romy in psychiatrischer Behandlung um diese "Wahn"Vorstellungen loszuwerden. Doch zu Hause zeichnet sie ihre vermeintlichen Freunde aus der anderen Welt. Als Romy - auf dem Weg der "Besserung" dann doch plötzlich ihre Glückschimäre wieder sieht und mit ihr spricht (für alle anderen ist die Chimäre ja unsichtbar), gerät ihr Leben wieder vollends aus den Fugen. - Bis sich ein Detail an das andere reiht.




    Meine Meinung



    Wünsch Dir Was - Wahrhaftigkeit ist der krönende Abschlussband der Tetralogie um die Chronik der Wünsche.


    Ich hatte beim Lesen viel Freude, den alten Bekannten aus den Vorgängerromanen wieder zu begegnen. Und trotzdem ist dieser vierte Band keine Wiederholung, sondern stellt ganz tolle Veränderungen vor, die mich dazu bringen, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen und die neue Welt mitzugestalten. Dabei erzählt Kirsten Storm sehr lebhaft und mit einer erfrischenden Leichtigkeit die Geschichte von Romy und wie sie ihrer Vergangenheit und ihrer Gegenwart begegnet. Der Humor kommt mal wieder nicht zu kurz und ich muss oftmals laut lachen.


    Vor allem die Passagen mit der Glückschimäre sind witzig und wirken echt und lebensnah. Also, wenn es das Land Noriat gibt, dann gibt es auf jeden Fall auch so eine Glückschimäre. Kirsten Storm schafft es, dieser Chimäre - allein durch ihre Worte - Leben einzuhauchen.




    Zitat


    "Aber irgendetwas hält mich hier fest. Und ich glaube, das bist du. Du hast so etwas Anziehendes an dir wie ein Haufen muffliger Socken, in dem man sich am liebsten wälzen würde." - Seite 74




    Fazit



    Wer abenteuerlustig ist und keine Angst vor Veränderungen hat, wird sich an Romys Seite sehr wohlfühlen und mit ihr die weiteren Abenteuer bestehen. Mit dem vierten Band Wünsch Dir Was - Wahrhaftigkeit findet die Tetralogie einen spannenden und völlig unerwarteten Abschluss. Ein absolutes Leseerlebnis, dass mit Spannung und einem spritzigen Charme voll Fröhlichkeit aufwartet, so wie seine Vorgängerromane auch.

    Die Art und Weise, wie Kirsten Storm erzählt, ist so lebendig, als wäre ich nur ein Seitenumblättern entfernt um selbst in der Geschichte zu landen.

    Das feine Fräulein

    Roman

    Autorin: Joan Weng

    dp Digital Publishers GmbH

    Erstausgabe Dezember 2018

    ISBN 978-3-96087-464-5

    117 Seiten




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    Die Geschichte um Das feine Fräulein spielt im Berlin der 20er Jahre. Unser Protagonist Bernhard - von Freunden und Familie auch Bambi genannt - arbeitet bei seiner Schwester Vicky in der Buchhandlung. Seine Schwester hat stets ein wachsames Auge auf ihn, da Bernhard nach seinem Kriegseinsatz zunächst in psychologischer Behandlung war. Ein Kriegsirrer.



    Und so geht Bernhard tagein tagaus seinem nun geregelten Leben nach: er lebt bei seiner Schwester und deren Mann, er arbeitet in ihrer Buchhandlung und geht die Gassi-Runden mit dem Hund. Dabei begegnet er Ruth. Ruth ist das Dienstmädchen des Fräulein Schienagel.


    Bernhard ist allerdings viel zu schüchtern um Ruth anzusprechen.






    "Nicht das Bernhard an derartigen Hokuspokus glaubte, er war wahnsinnig, nicht bekloppt, aber schaden würde es schließlich auch nicht …" - Seite 39



    Dann jedoch wird bei Fräulein Schienagel eingebrochen und der vermeintliche Täter liegt tot auf der Straße. Ausgerechnet Bernhard findet ihn. Dass Tat und angeblicher Täter nicht ganz zusammenpassen wollen, lässt Bernhard auf eigene Faust ermitteln. Dabei kommt er nun auch Ruth endlich näher.






    "Er war wahnsinnig, das musste doch auch mal für etwas gut sein." - Seite 66


    Die Geschichte Das feine Fräulein ist sehr lebendig geschrieben. Genauso lebendig stelle ich mir das Berlin der 20er Jahre vor. Es muss herrlich zu der Zeit gewesen sein. Zu der Zeit, als es noch Tippfräuleins gab. Herrlich, aber auch gefährlich. So lässt es dieser romantische Kriminalroman anmuten. Die Charaktere in dem Buch sind zahlreich und vielschichtig, haben dabei aber sehr markante Merkmale, so dass ich sie sehr gut zuordnen kann.



    Wundervoll gelungen finde ich zudem die sprachliche Gestaltung. Es gibt Passagen in dem Buch, da hat das Hochdeutsch keine Chance und wird vom berlinerisch abgelöst. Dabei kann ich mir die Person, die mir in der Szene quasi gegenübersitzt, bildlich vorstellen.



    Die Geschichte hat mich von Anfang an mitgenommen. In Gedanken war ich mit den Charakteren in Berlin und bin dort durch die Straßen spaziert. Sehr umsichtig natürlich, wie es sich für einen Kriminalroman gehört.






    Fazit



    Das feine Fräulein ist für jeden, der eine romantische Ader hat, Kriminalromane mag und sich gern im Berlin der 20er Jahre wiederfindet. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und freue mich schon auf den nächsten Roman von Joan Weng: Die Frauen vom Savignyplatz.

    Die Wolkenfischerin

    Roman

    Autorin: Claudia Winter

    Goldmann Verlag

    Verlagsgruppe Random House

    ISBN 978-3-442-48573-4

    400 Seiten




    Die Wolkenfischerin - Claudia Winter


    Die Geschichte um Die Wolkenfischerin spielt teils in Berlin, teils in Paris und vor allem in Moguériec - in der Bretagne.



    Der Titel hat für mich schon etwas verträumtes, etwas aus meiner Kindheit. Wolkenfischerin. Das klingt nach Möglichkeiten, nach Chancen, die kaum greifbar - aber vorhanden sind.



    Schaue ich mir das Buchcover an, beginne ich von Urlaub zu träumen. Einer entrückten, abgelegenen Gegend, die die Nähe zu den Menschen im Ort möglich macht, ohne durch Nebensächlichkeiten abzulenken. Ein Traum!


    Auf der Rückseite des Buches macht ein persönlicher Text der Autorin an ihre Leser neugierig auf den Inhalt. Sonst entdecke ich bei anderen Werken auf dem Buchrücken Empfehlungen anderer Autoren, Blogger oder Zeitungen. Eine Vorstellung des Buches der Autorin selbst mit der Bitte um Rückmeldung finde ich daher bei diesem Buch zum ersten Mal und ich freue mich über diese Einladung.


    Personen und Inhalt


    In gespannter Erwartung auf die beiden Schwestern und die Bretagne sitze ich im Ablauf der Geschichte zunächst im Zug. Im Zug nach Paris mit Maman und den beiden Schwestern Gwenaelle und Maelys.


    Anfangs muss ich mich zurechtfinden. Eine für mich wohlklingende Aussprache der beiden Namen finden. Gwenaelle und Maelys. Außergewöhnliche Namen und dabei sehr hübsch.


    Doch das Kapitel 1 nach diesem anschaulichen Epilog beginnt mit Claire. Claire Durant.



    Claire Durant lebt in Berlin und arbeitet bei Genusto als Journalistin. Schaut man sich ihren Steckbrief und ihre Herkunft aus Paris an, fällt es leicht, positiv voreingenommen zu sein. Claire hat Jahre auf ihr Image hingearbeitet und will beruflich weiterkommen. Dabei steht ihr ausgerechnet ein Termin, den sie sich sehnlichst für sich herbeigewünscht hat, zum entsprechenden Zeitpunkt im Weg.


    Meine Meinung


    Auf den ersten rund 100 Seiten im Buch wechselt die Geschichte immer wieder zwischen dem Mädchen Gwenaelle und der jungen Dame Claire. Beide Erzählstränge sind äußerst liebevoll gestaltet. Und doch ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünsche, das mit einem dieser beiden wundervollen Charaktere nun die Geschichte weiter erzählt wird. Ich möchte bei einer von ihnen bleiben. Warum? - Weil beide es so sehr verdient haben.



    Wer - wie ich - äußerst ungeduldig ist, wird mit Nerven, angespannt wie Drahtseile, den Fortgang der Geschichte verfolgen. - Allerdings benötigt der Leser auch mein Durchhaltevermögen.


    Wem beides gelingt, der wird mit einer wundervollen Geschichte belohnt.


    Einer Geschichte, die witzig, charmant und äußerst kurzweilig erzählt wird. Charakteren, die so lebendig beschrieben sind, dass man meint, man trifft sie am nächsten Morgen, wenn man zur Türe hinausgeht. Und einem Ort, der es einem schwer macht zu gehen und zugleich schwer macht, zu bleiben.


    Unsere Protagonistin wird derart liebevoll charakterisiert, dass ich ungläubig staune, dass sie durchaus auch ein wenig kratzbürstig sein kann. Kratzbürstig auf eine wiederum sehr charmante Art und Weise.


    Jedenfalls ist der Erzählstil lebendig und auf eine bezaubernde Art und Weise greifbar.



    "Was hast du damit vor?" Gelassen deutete er mit der Zigarette auf den Schneebesen in ihrer erhobenen Hand. "Willst du den einzigen Postboten von Moguériec damit in die ewigen Jagdgründe rühren?" - Seite 134


    Mir gefällt der erfrischende Humor und der bretonisch-französische Akzent, mit dem zuweilen die Geschichte erzählt wird.


    Und doch gibt es auch Momente unendlicher Traurigkeit darin. Momente, die mich zum Nachdenken anregen. Momente, die mich - trotz Ernsthaftigkeit - zum Lachen bringen.



    "Madame Odile hat sich geirrt. Deine Schuhe passen mir. Ich kann bloß nicht darin laufen." - Seite 267


    Schön herausgestellt sind auch allerlei bretonische Köstlichkeiten. Wer mag, findet am Ende des Buches die Rezepte dazu, um diese Leckereien selbst herzustellen.



    Mir ist das eine ums andere Mal bereits während des Lesens das Wasser im Mund zusammengelaufen.



    Fazit



    Dieses Buch ist für alle, die sich gern dem Zauber der Bretagne ergeben wollen. Für Leser, die vielschichtige Charaktere mögen. Für alle, die es aushalten, beim Lesen über bretonische Köstlichkeiten zu lesen. Ich habe mich köstlich amüsiert und herzlich gelacht aber auch genauso das eine oder andere Mal mit den Charakteren mitgelitten.

    Zwei Theaterstücke - Martin Schörle

    Zwei Theaterstücke


    Autor: Martin Schörle


    Engelsdorfer Verlag Leipzig


    ISBN 978-3-96008-408-2


    119 Seiten





    Das Buch Zwei Theaterstücke von Martin Schörle beinhaltet - wie der Titel verspricht - zwei Theaterstücke: Einmal Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten und als zweites die Einladung zum Klassentreffen.



    Für das erste der beiden Theaterstücke, Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten, stand der berufliche Alltag von Martin Schörle als Beamter Pate. Dabei hat er die Figur des Hans Fredenbek ins Leben gerufen. Hans Fredenbek erzählt dabei auf der Bühne über seinen Büroalltag und die Hürden, die es zu nehmen gilt. Dabei steht er regelmäßig zwischen Tragik und Komik, so dass ich gebannt "zuhöre" und auch schallend lachen muss, wenn Hans Fredenbek gar übertreibt. - Natürlich sieht er das nicht als Übertreibung. Das Theaterstück wird untermalt von gängigen Songs wie beispielsweise Je t´aime oder Highway to hell und geben damit den Stimmungen einen musikalischen Rahmen.



    Der Schreibstil des Stückes entspricht ganz dem Stil eines Hans Fredenbek. Die Sätze mal etwas ungelenk, verschachtelt, in Aufzählungen, aber stets nachvollziehbar. Und am Ende schlüssig. Dabei zieht er die gesamte Gefühlsbandbreite bei seinen Erzählungen mit ein.


    Sehr dienstbeflissen ist auch seine Meinung über Urlaub:



    "Überall entspannte, urlaubsgebräunte, gut gelaunte Menschen. Ich bitte Sie, das ist doch nicht lebensnah!" - Seite 16


    Auch mit Statistiken kennt Hans Fredenbek sich aus:



    "Wussten Sie, dass 53% der Deutschen nicht wissen, wie man "Grießbrei" schreibt? Und - vorsichtig geschätzt - 99,9%, dass das deutsche Wort mit den meisten Konsonanten in Folge "Angstschweiß" ist?" - Seite 22


    Nach Statistiken und Hochrechnungen gelangt Hans Fredenbek wieder zurück zur persönlichen Ebene und macht auch vor dem Chef und der Politik nicht Halt. Ein herrlich gelungenes Theaterstück.



    Während Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten ein Ein-Mann-Stück ist, benötigt das zweite Theaterstück, Einladung zum Klassentreffen, mehrere Personen auf der Bühne.



    Unsere Protagonisten sind Carsten Heymann und Marina Winkler sowie in einer Nebenrolle Marinas Exmann Holger Grahlmann.



    In diesem Stück bekommt Marina unerwartet einen Anruf von Carsten. Die beiden haben sich 20 Jahre nicht gesehen und nicht gehört. Doch nun steht ein Klassentreffen bevor und Carsten hat die ehrenvolle Aufgabe übernommen, seine ehemaligen Klassenkameraden "zusammenzutrommeln".



    Bei dem Telefonat zwischen Carsten und Marina flammt hin und wieder das altvertraute freundschaftliche, damals auch verliebte, Band wieder auf. Die Unterhaltung ist dabei so lebendig und lebensnah, dass ich mitfieber, wie es weitergeht. Ganz so, wie die Menschen im Zug, die das Gespräch auf Marinas Seite verfolgen und nicht vorhaben, auch nur eine einzige Silbe zu verpassen.



    Die Unterhaltung verläuft im Plauderton, hat umgangssprachliche Züge und ist mit einer Art prickenden Humors versehen. Es macht Spaß dem Gespräch zu folgen und ich bin bis zum Schluss gespannt, wie es ausgeht.



    Das Buch enthält zwei unterhaltsame Theaterstücke, wie sie das Leben schreibt oder zumindest schreiben könnte.


    Bei der Lektüre des Buches habe ich oft gelacht und mich noch öfter amüsiert.



    Hinweis: Wenn Sie, wie ich, das Buch in der Öffentlichkeit lesen, kann es passieren, dass Sie auf das Buch angesprochen werden, weil es Sie so gut unterhält und Sie sich so schön amüsieren. - Jedenfalls ist es mir so ergangen.



    Fazit


    Das Buch ist für jeden, der angenehm, lebensnah und höchst amüsant unterhalten werden möchte.

    Wow! Was für eine tolle Geschichte! Fesselnd, spannend und ein überraschendes und nachvollziehbares Ende. Vielen Dank, Lorenz, für diese tolle Gelegenheit das Buch zu lesen und sich mit dir darüber auszutauschen. Die Geschichte, die Hintergründe und die Charaktere sind nachhaltig in meinen Gedanken.

    Ein wenig werde ich die Geschichte sacken lassen, dann rezensiere ich gern dein Buch und stelle die Rezension ein. Hier, bei Lovelybooks, auf meinem Blog und bei Amazon, …

    Ich freue mich schon auf Band 3 und hoffe, dass wir uns dann auch zur Buchvorstellung wiedersehen.

    Vorher natürlich gern beim Eulentreffen im März oder auf einer der Buchmessen.

    Der Baron hängt nicht mit drin. Der Baron ist tot.

    Sehr sportlich!


    Sportlich, war ja sein Verhalten auf dem Nürburgring. Und sportlich ist nun auch sein Lebensende.

    An Tareks Stelle hätte ich wohl auch erst den Baron erschossen. - Obwohl der sicherlich schlechter (zu Fuß) flüchten kann. Meller hingegen hat nicht die nötigen Mittel sich nachhaltig zu verstecken und ist zweifelsfrei an die Schweigepflicht gebunden. Fluch und Segen!


    Allerdings bin ich erschüttert über Ninas Verhalten. Zwar hatte sie keine Affäre, aber Gefühle für jemand anderen. Ich kann momentan gar nicht ordnen, wie sie das vereinbaren konnte. - wahrscheinlich auch gar nicht.


    Aber, dass sie mit Meller sozusagen Schluss macht und ihm dann einen Kuss auf den Mund gibt?! - Für mich ein absolutes Gefühlschaos.

    Damit muss ich erstmal klar kommen, aber bis zum nächsten Band habe ich ja noch ein bisschen Zeit. ;)


    Nun aber der Reihe nach:


    Lorenz, guckst du eigentlich auch Musicals? - Du nimmst ja ab und zu Bezug auf Filme. Und gerade zu Beginn des letzten Abschnitts, steht da dieser Satz:


    Zitat

    "Ich würde einem Mörder nicht die Hand reichen..." - Seite 271


    Tja, und "reich den Mördern die Hand..." ist zwar nicht die Verneinung, erinnert mich dann aber gleich an das Musical "Tanz der Vampire". Die Musik habe ich so oft gehört. - Da musste ich dann erst einmal das Lied Revue passieren lassen, bevor ich weiterlesen konnte. Ein echter "Tanz der Vampire - Musical" Liebhaber bin ich halt. - Und das Gehirn kann ja nachweislich mit dem Wort "nicht" nicht viel anfangen. ;)


    Dieser Schachzug mit der Brücke ist einfach genial! - Da ist es völlig egal, ob die Raffinerie nebenan stinkt oder das Wasser steigt. Soll es doch!

    Und jetzt bekomme ich auch noch bestätigt, warum mir dieser Löbig so ein Unsympath war. - Absolut irre, wie viel Geld er sich das hat kosten lassen nur auf den bloßen Verdacht hin. Und dann ist es auch noch egal, wer dabei zu Schaden kommt. Wegen Geld, dass er nicht benötigt. Nicht für sich. Nicht für seine Nachkommen. Nicht für soziale Engagements.


    Und dann diese Stelle im Buch:


    "Quid pro quo, Meller."- Seite 283


    A Little bit like "Das Schweigen der Lämmer".


    Ich finde es ja herrlich, wenn man sich gegenseitig so taxiert und gibt um des Nehmen willens. - Jedenfalls im Film/in der Geschichte an solchen Stellen. - Sonst ist mir das zu aufregend.


    Herzlich gelacht habe ich auch, als Meller zu Zollinger sagt:


    Zitat

    "Na ja, ich wollte wenigstens einmal vor Ihnen im Büro sein." - Seite 287


    Da habe ich schallend gelacht!

    Es wird manchmal für einen Anwalt gar nicht so einfach sein, vor seiner Dame im Büro zu erscheinen. ;)


    Total klasse fand ich den Treffpunkt mit Steinke gewählt: 500 Meter vom Polizeipräsidium. Der hat Nerven, dass auch noch zu durchdenken. Mir wäre es primär ja nur darum gegangen, dass beide sicher wieder verschwinden können.


    Diese Szene, um glaubhaft den Baron zu entlasten und der Mitwissenschaft auszuschließen, ist echt super gelungen. Das Gespräch zwischen Steinke und Meller über Löbig, Tarek und den Baron hat alles erklärt, warum ich den Baron eventuell zu Unrecht verdächtigt haben könnte. Na gut, nicht nur eventuell.


    Die nächste Überraschung war Reinicken. Der Typ war mir von Anfang an auch unsympathisch - Doch dass er Drahtzieher sein könnte und dann noch so skrupellos und doch erbarmungswürdig.

    "Noch nicht schießen. Ermorden Sie bitte erst alle, wenn ich nicht mehr da bin". - Zum Davonlaufen!

    Meine Sinne waren aber in alle Richtungen geschärft, als ich den Satz las:


    Zitat

    "Wir stiegen aus und gingen zur Haustür, die nur angelehnt war." - Seite 313


    Und ich fragte mich: Warum sollte Veronika das tun? Reinicken ist nicht ihr Mann, nicht ihr Geliebter und dazu in Begleitung von Meller. Dann trägt sie auch nur ihren Bademantel. Das passt ja nun gar nicht!


    Aber das Veronika so böse ist, hätte ich nicht vermutet. - Obwohl, wenn ich im Nachhinein darüber nachdenke, mit wem (Steinke) sie sich da zusammengetan hat, ist es weder erstaunlich noch undenkbar. Von mir aus können sie sie wegsperren.

    Auch in diesem Abschnitt ist wieder viel passiert. So langsam kristallisieren sich die wahren Charakterzüge hinter den hübschen Gesichtern heraus.


    Den Anfang machen hier gleich die Adligen, die "das eigene Wappen nicht selbst tragen". Wundervoll! Das werde ich mir merken, falls ich mal zu viel viel Geld kommen sollte: ein eigenes Wappen: Ja! - Werbung machen bitte alle anderen. - So soll es sein!


    Sag mal Lorenz, rauchst du? Zigarre? - Das mit dem ankokelten Deckblatt hätte ich nie im Leben gewusst. Spielt das eine Rolle? - Natürlich spielt das eine Rolle, Angekokeltes schmeckt eben nicht! - Irre, was man alles wissen muss!


    Schön finde ich auch immer deine Bezüge zu Filmen, wie auf Seite 185 zu Titanic.

    Es fühlte sich beinahe auch so an: gute Musik, Tanz, und eine unvorhergesehene Kollision mit dem Eisberg. Wie das eben so ist mit den Eisbergen: urplötzlich befindet sich einer vor einem.


    Sehr schön dargestellt ist auch die Gutgläubigkeit der Menschen, die Janina verkörpert. "Der Mensch glaubt, was er will" und nimmt auf Logik keine Rücksicht. Dass Tarek da ganz schön an sich halten muss, um nicht loszulachen, kann ich verstehen. Schlimm finde ich nur, dass er sie zu Schaden kommen lässt.

    Sie kann ja nun wirklich dazu.


    Warum sollten dann Beteiligte mit dem Leben davonkommen, wenn Personen wie Janina derart bestraft werden?


    Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Fotosession von Berlinghausen? Was hat er davon, einen Acker zu fotografieren? Die sehen doch letztlich ziemlich gleich aus. Egal welcher Kilometerstein. - Oder gibt es da eine Besonderheit auf den Fotos zu erkennen?


    Gut ist auch, dass ich von geschlossenen Immobilienfonds nichts halte. Das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn das so einfach sein sollte. Dann hätte schließlich jeder so einen gezeichnet.

    Die Antwort jedoch von Löbig auf die Frage, warum "der Vorgänger" in Ungnade gefallen sei, war ein Volltreffer: "Er hat die falsche Frau gevögelt." - Seite 207

    - Wenn mich das auf eine falsche Fährte führen sollte, muss ich mich sehr wundern.

    Aber, wer weiß.


    Jedenfalls habe ich mich königlich amüsiert, als ich folgenden Satz gelesen habe:



    Zitat

    "Verstehe", erwiderte Rongen schnippisch. "Als er in Moskau festgenommen wurde, hat Steinke sich das Branchenbuch von Köln bringen lassen, oder wie?" - Seite 213


    Herrlich! Herzerfrischend! - Vor allem, wenn ich mir das bildlich vorstelle. Wunderbar!

    - Auf einem Silbertablett das Branchenbuch von Köln für den Inhaftierten -


    Genial ist auch das folgende Zitat:



    Zitat

    "Dass Justitia blind war, sah man an grünbraunen Bodenfliesen, die sich mit braunroten Teppichfliesen abwechselten." - Seite 250


    Man kann nicht immer alles entschuldigen, oder? :)


    Jedenfalls war ich mehr als beruhigt, dass Meller sich so offen gegen das Mandat von Löbig entschieden hat.

    Gut gemacht! Hoffentlich bleibt er dabei.

    Bei Meller läuft es gar nicht rund. Nina zieht aus, kann ich einerseits verstehen, aber es geht dann doch ziemlich schnell, so als ob sie nur auf einen guten Grund gewartet hätte. Dass sie von der Observierung nicht früher informiert wurde war schon ein großer Fehler von Meller, aber andererseits hat er es ja nur gut gemeint.

    Den Eindruck, dass Nina bereits auf einen Auszug vorbereitet war, hatte ich auch. Sie wusste ja auch gleich, wo sie hin kann und hat schnurstracks die Sachen gepackt und ist gegangen.

    Andererseits war es bei ihr ein langer Prozess. Sie hat sich dazu geäußert, aber Meller hat an "seinem" Plan für sie beide festgehalten ohne eine andere Sicht auf die Dinge zu akzeptieren.

    - So jedenfalls verstehe ich es.


    Dass er Nina nichts gesagt hat, ist schlimm. Sehr schlimm.

    Wenn ich mir vorstelle, ich stehe unter Beobachtung und mein Partner sagt mir nichts davon, auch nicht, als davon die Rede ist, was ich mache und mit wem ich mich treffe, ist das ein schwerer Vertrauensbruch.

    Entweder, er erzählt mir, dass wir überwacht werden. Und dann sollte er mir das auch gleich sagen.

    Oder aber, wir werden überwacht und es spielt keine Rolle, ob ich mich mit Lydia oder Thomas treffe.

    Was soll das? - Der Auftrag lautete: prüfen, ob wir beschattet werden. Und nicht: prüfen, ob wir uns mit anderen Menschen treffen.

    Mir würde das auch aufstoßen.

    Ob so etwas für einen Auszug reicht, hängt dann von den Begleitumständen ab.

    Dass Nicholas das Thema ständig anspricht, liegt in der Vergangenheit (also bevor das Buch beginnt.) - Bei der Frühstücksszene in Kapitel 2 wird das schon so gesagt: "das Thema hatten wir schon oft" ... So in der Art. Zuerst weicht Nina aus, als er sagt, dass er Hilfe braucht. Später wird Nina auch noch deutlicher. Ich wollte jetzt nicht den Leser damit nerven, dass sie ständig sagt, sie wolle nicht in seine Kanzlei.

    Aber auch die Kritik merke ich mir. Vielleicht kommt es nicht klar genug rüber.


    Bei "das Thema, bzw. die Diskussion, hatten wir schon", ging es doch eher um die Frage, warum Meller seine Kanzlei bereits jetzt "so groß aufgezogen" hat.

    Nina merkt man aber an, dass sie sich noch nicht fest entschlossen hat, in Mellers Kanzlei mitzuarbeiten.

    Es sträubt sich alles in ihr, das merkt man an ihren Entgegnungen Meller gegenüber.

    Sie agiert eher loyal gegenüber Meller, wenn es um die Mithilfe in der Kanzlei geht.


    Zitat

    "Zuerst das Examen. Dann sehen wir weiter." - Seite 13


    Und genau so habe ich Nina auch verstanden. Schließlich war ihr erstes Staatsexamen eher schlecht als recht.

    Ich kann Ninas anfängliche Reaktion auf den Benimm-Kurs total gut verstehen. Hab ich gelacht!


    "Falls Sie sich unsicher fühlen", äffte sie den Text nach. - Seite 90


    Herrlich! Ich hätte auch wenig Lust auf einen Benimm-Kurs. Ist mir zu anstrengend. Und man merkt eh "wenn man sich verstellt". Dann lieber natürlich ins Fettnäpfchen springen. Wen kümmert es, wenn ich zur falschen Gabel greife, mich sonst aber tadelsfrei verhalten kann? Und wen ich wie anzusprechen habe, lerne ich auch nicht so schnell, Herr Obergefreiter. - Auch mit diesen Rängen habe ich es leider nicht so. Da kommt mir ein Kaiser Friedrich gerade recht. :)


    Mein Gedanke bei solch einem hohen Preis für ein "nutzloses" Grundstück wäre Geldwäsche. Wie das dann aber letztlich funktionieren sollte, dafür fehlt mir die kriminelle Energie. - Auch das ist mir zu anstrengend.

    Was ich da alles bedenken müsste!!


    Ich musste ja echt schmunzeln, als Meller zugetragen wurde, dass Nina mit einem jungen, gutaussehenden, sportlichen Mann beim Frühstück gesehen worden ist. - Gleich eifersüchtig!

    Aber sich darüber freuen, dass er mit Franka zum Essen ausgehen "darf" und Nina ihm vertraut.

    Das muss allerdings schwer für Meller sein, da er selbst mit einem körperlichen Makel nicht aufwarten kann und der junge Mann selbst auch eine Behinderung hat. Ein eindeutiger Pluspunkt in Bezug auf Nina für den jungen Mann.

    Jedenfalls finde ich nichts dabei, dass Nina sich mit ihm trifft. Vielleicht ein Studienkollege? Vielleicht wollen sie zusammen eine eigene Kanzlei mit anderem Hintergrund eröffnen? - Oder ein weiterer Tätigkeitsschwerpunkt in Mellers Kanzlei, der noch ausgearbeitet werden muss, bevor sie ihn Meller vorstellen will?

    Spekulationen, Spekulationen.


    Meller!

    Also, ich fand ja total sympathisch, dass er die Situation ausgenutzt hat, um seinen Aston Martin poliert zu bekommen - und natürlich den Parkplatz. Aber ich habe echt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als er dann auch noch sagte "Sie sind einem Betrüger aufgesessen." Herrlich! Hab ich gelacht! - Das nimmt mir ein wenig den Druck von der Spannung, die in dem Buch bislang gut gehalten wird. Manchmal muss ich auch mal durchatmen, und das gelingt mir an solchen Stellen.

    Genauso dreist und passend auch die Stelle im Buch "...gab mich als Journalist aus,..." - Seite 130

    Das passt zu ihm!


    Was mir allerdings aufgestoßen ist, ist die Sache mit "dem Zuhälter und seiner Nutte". Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass noch jemand anders diese Szene beobachtet, um zu sehen, ob Meller vielleicht überwacht wird. Das ist jedenfalls ein guter Trick, um eine mögliche Überwachung herauszufinden. Meller hat sich schließlich zweimal zu Michail umgedreht und ihn angesehen. Auch wenn Nina das nicht bemerkt hat; auffällig ist das für einen Beobachter schon.

    Ich bin gespannt, ob dies eine Schlüsselszene ist.


    Bei dem Wort Schlüsselszene komme ich dann auch gleich zum Wellness-Bereich. Herrlich! Und was man in diesen illustren Kreisen alles so erfährt! Eine Affäre mit Martin Steinke. Und schon kennen wir auch die junge Dame, die Herr Steinke unter Einsatz seines Lebens schützt. Nicht wahr?

    Das wird sicher noch sehr heikel.


    Martin Steinkes Flucht war ja spektakulär. Dass er das geschafft hat, unglaublich! Selbst Tarek hat gestaunt.

    Gut, dass Martin auf Kurt und Schoko getroffen ist. Und gut, dass Martin weiß, dass nach ihm gefahndet wird und auch warum. In seiner Haut möchte ich wirklich nicht stecken. Ich bin gespannt, was für Informationen sich auf dem Stick befinden, den er Meller hat zukommen lassen wollen.


    Auf Seite 145 habe ich meinen persönlichen Lieblingssatz gefunden!


    "Ein guter Gastgeber verdiente gute Gäste - und umgekehrt."


    Das kann ich nur unterstreichen. Ich freue mich persönlich auch immer, wenn sich meine Freunde, meine Gäste bei mir wohlfühlen. Und dafür richte ich auch immer alles liebevoll her.


    Werner Löbig und Reinicken sind mir - ebenso wie der Graf - nicht ganz geheuer. Was spaziert denn der Löbig da wie selbstverständlich mit Krawatte herum und macht sich unbeliebt? Und warum interessiert er sich für Mellers Fahrzeug? Will er das manipulieren? - Oh, ich glaube ich lese zu viele Krimis! :)

    Ich muss noch einmal zur Stelle zurück, an der Marco sein Ende findet.

    Marco bringt mit seinem Tod ja die Geschichte erst in Gang.


    Dieser Satz


    Zitat

    Dazu hatte er das Messer hervorgeholt. - Seite 10


    hat mich echt tief durchatmen lassen, zugleich meine Hoffnung geweckt, Marco hätte überleben können und sie gleichzeitig - mit Marcos Tod - wieder zunichte gemacht.

    Ich hab ungläubig den Kopf geschüttelt und bedauert, dass er gestorben ist, obwohl er hätte leben können. Ob mit Jenny und der teuren Küche oder auch ohne die beiden.


    Doch eine Stelle im Buch hat mich vorher stutzig gemacht:


    Zitat

    Ein Kampfmesser. - Seite 9


    Woher weiß Marco das?

    Bringt man euch Jungs so etwas bei?

    Und solange er damit nicht auf mich zukommt oder es bedrohlich in der Hand hält, will er sich vielleicht nur die Fingernägel säubern. Oder das Paket öffnen. Meine Pakete öffne ich immer mit einem Küchenmesser.


    Wahrscheinlich hätte ich überlebt.

    Dann würde es die Geschichte nicht geben.

    Gerade bin ich froh, dass ich lebe und auch noch die Geschichte lesen kann.

    Ich freue mich schon ewig auf das Buch und darüber, dass ich nun endlich die Gelegenheit habe, mich dem Buch zu widmen.

    Der erste Abschnitt hat mir sehr gefallen. Während ich in Gedanken noch mit Marco beim Pakete sortieren war (ich bekomme so gern Post!) wird der Paketbote auch schon überfallen. Und wie das so ist: der letzte Gedanke gilt der Beziehung und der teuren Küche. Da musste ich auch schon wieder schmunzeln, und dass, obwohl ich echt mitgelitten habe, als er seine zwei Finger... - oh man, ich mag gar nicht daran denken.


    Lorenz Stassen schrieb:

    Nun zu Marco. - Er hätte überlebt. Der Mörder (Tarek) ist ein Vollprofi. Er mordet nicht aus Spaß, nur aus gutem Grund, dann aber eiskalt und skrupellos. Möchtet ihr so jemandem mal begegnen?


    Lieber Lorenz,

    so einem möchte ich auf gar keinen Fall begegnen. Mir klingen allerdings seit Donnerstagabend deine Worte in den Ohren "viele Menschen, die wie Tarek eine Ausbildung zum Scharfschützen genossen haben, sind untergetaucht und leben jetzt in Hamburg". Super! Ich bin übernächste Woche in Hamburg und werde mich bestimmt immer mal wieder umsehen, wer so unmittelbar neben mir rumspaziert.



    Meller und Nina - für mich ein absolutes Dreamteam. Momentan ist die Beziehung jedoch lediglich einseitig angenehm; Nina ist noch sehr angespannt. Meller ist dafür fast tiefenentspannt. Gut, dass er Astrid Zollinger hat, die auch von sich aus recherchiert, um wen es sich beim Absender des Pakets bzw. eventuell zukünftigem Mandanten handelt.


    Der Baron allerdings gibt mir Rätsel auf. Vor allem seine Einladung mit Begleitung erschien mir sehr suspekt. Meller fühlt sich natürlich gebauchpinselt.




    Zitat

    Lorenz Stassen schrieb:


    Meine Intention bei diesem Buch war es, diesmal keinen gewöhnlichen Serienkiller zu erzählen. Das Wesen eines Psychopathen liegt darin, dass er sich tarnt und man ihn erst erkennt, wenn es meist schon zu spät ist.


    Das klingt für mich baronisch. - Aber warten wir mal ab.

    Der Herr Baron ist mir nicht geheuer. Da treffe ich mich doch eher mit Tarek auf ein Eis.