Beiträge von DraperDoyle

    Voltaire hat auch meine Zerrissenheit beim Lesen dieses Buches ziemlich genau auf den Punkt gebracht. Was die Film/Buch-Problematik angeht: es ist natürlich rein subjektiv, aber ich fand, der Film hat die Stimmung des Buches sehr genau tansportiert. Das scheint mir ein Merkmal der Isländer zu sein. Auch die Verfilmung des Buches "Engel des Universums" von Einar Mar Gudmundsson, ein sehr düsteres Werk, hat m. E. das gleiche Gefühl in mir ausgelöst, dass ich beim Lesen des Buches hatte. Noch deutlicher bei "Die Teufelsinsel" von Einar Karasson. Das tragisch-komische Element, dass mir beim Lesen so ungeheure Freude bereitet hat, war im Film genau so umgesetzt, wie ich es vielleicht getan hätte.
    Beim Schreiben fällt mir: mag es daran liegen, dass in vielen isländische Büchern (von so plumpen Krimis wie die von Stella Blomkvist mal abgesehen) dieses etwas eigentümliche isländische Lebensgefühl durch die Zeilen schwingt, wie geschaffen dafür, in Bilder umgesetzt zu werden? (ich spreche hier nicht von Elfen, Trollen und ähnliche Islandklischees)

    Nun, ich möchte heutzutage kein Buchhändler sein, aber, wie Elbereth schreibt, wäre meine ideale Buchhandlung eine, in der man was entdecken kann. In einer Fantasybuchhandlung wäre ich dann zwar falsch, dafür gäbe es jede Menge anderer Kunden, die was entdecken könnten.
    Diese hier war aber eben einfach nur ein etwas abgespeckter Hugendubel, mit dem kleinen Unterschied, dass dort niemand außer mir eingekauft hat.
    Noch 'ne Frage: Nehmen die Buchhandlungen die Bücher in Kommission oder müssen sie die kaufen?

    Da sich hier ja einige Buchändlerinnen zu tummeln scheinen und ich persönlich tatsächlich keine kenne, mal eine Frage:
    Heute hat's mich kalt erwischt, mein Kind beim musizieren abgegeben und, zu hülf, tatsächlich mein Buch zuhause liegen lassen. Nunja, nicht umsonst wohne ich in einer Buchstadt, also zur nächsten Einkaufsmeile gewandert, um mich mit Notlektüre einzudecken. Der Buchladen meiner Wahl, eher klein und zu keiner Kette gehörend, hat mich dann aber doch sehr enttäuscht. Ich habe ja einige Bücher auf der Wunschliste, wurde dort aber von absolutem Mainstream erschlagen. Tess Gerritsen und einige andere, die ich aus diversen Tauschbörsen als sehr nachgefragt in Erinnerung habe, standen oft in 2-5facher Ausführung im Regal, dazu Agatha Christie und Stephen King meterweise, aber ich kaum einen deutschen Krimi, hätte mir ja den Neuen von Chaplet, Ritzel oder Bottini zugelegt, aber nüscht. Nun ja, ein Versuch bei der Belletristik, hier nur Klassiker, die ich, so ich sie lesen will, längst besitze (die Manns, Kafka, Frisch), sonst nur "Frauenliteratur". Kein einziger Murakami, kein indischer Autor, den man hätte testen können, nicht mal Paasilinna. Da frage ich mich: Ist es nicht möglich, Käufer durch Vielfalt zu locken? Wenn ich genau weiß, was ich will, kann ich ja im Internet bestellen, aber Bücher herausnehmen, den Klappentext und vielleicht den Anfang lesen (oder, Asche auf mein Haupt, den Schluss), Cover betrachten, oder sich einfach von Foto und Vita des Autors zu einem Rückenmarkskauf verführen zu lassen, das geht nur in einer realen Buchhandlung. Rechnet sich das nicht, ein Buch zu führen, das seltener als einmal pro Monat verkauft wird? Würde den Bestsellern nicht so verschwenderisch Raum eingeräumt, könnten einige andere Bücher Platz finden. Oder werden Bücher nur verkauft, wenn sie fünfmal im Regal stehen und somit suggerieren, "wichtig" zu sein? Man könnte ja auch eins reinstellen, und, wenn es verkauft wird, durch ein neues ersetzen.
    Fragen über Fragen, und die entscheidende: bin ich überhaupt im richtigen Unterforum?

    Meine Musthaves haben sich im Laufe der Zeit angesammelt und in der jeweiligen Lebensphase habe ich mir sie dann komplett besorgt:
    mit 15: Charlotte Bronte
    ab 18: Max Frisch und Roald Dahl
    später gesellten sich dann, unterhaltungsmäßig, Toni Hillerman,Jean-Claude Izzo und Vazquez Montalban dazu.
    Außerdem sammle ich jiddische und isländische Literatur, die wird unbesehen gekauft, auch wenn da wirkliche schlechte dabei sind.
    Und Wayne Johnston hab ich vergessen, aber von dem gibt's leider erst drei auf deutsch..

    Mir sind schon beim Schwarm einige sachliche Fehler aufgefallen, die ich mir dummerweise nicht notiert habe, weshalb ich die Schwarte wohl noch einmal werde lesen müssen. Das mag man einem Werbemenschen nachsehen, und bei einem Thriller muss man wohl nicht so kleinkariert sein. Allerdings wäre ich bei einem Sachbuch doch vorsichtig , wenn ich mich auf die Richtigkeit einer Information, sei sie auch noch so humorig verpackt, nicht verlassen kann.

    Und der letzte österreichische Kaiser (Karl) wurde wegen des feuchten Winters auf Madeira durch eine Bronchitis dahingerafft....
    Ein Auto zu mieten ist sicherlich sinnvoll, wir hatten drei Tage lange ein Motorad. Das war aber teilweise ganz schön heftig (Wasserfälle mitten im Tunnel, Bergpässe mit teilweise mehr als 30% Steigung bw. Gefälle) Da muss man schon ganz schön geübt sein, wenn das richtig Spaß machen soll.
    Wenn ihr nicht wandert, wird's schon etwas schwierig, Sandstrände gibt's da nämlich nicht, und viele beeindruckende Aussichten (Schluchten, Wasserfälle, Aussichtspunkte), erschließen sich erst nach zum Teil ganz schön anstrengenden Wanderungen. Und wir waren froh, dass wir die Kinder nicht mit hatten. Gerade mit der Kleinen wären mir viele Wanderungen wirklich zu gefährlich gewesen.

    Nun ja, da meine ja ununterbrochen redet, bin ich ziemlich genau darüber informiert, wer aus ihrer Klasse Tokio Hotel hört, und auch darüber, wer welchen dieser Burschis "Totaal süüß" findet. Da kommen schon einige zusammen.

    Da muss ich Oryx vehement widersprechen. Wir waren im Februar 10 Tage dort, die meiner Ansicht nach viel zu kurz waren. Es gibt dort so viele tolle Wanderwege (mit Tunnels!), dass man sich gar nicht entscheiden kann, eine landschaftliche Vielfalt, die einen erschlägt, ein phantastisches Meer, sehr nette Menschen, lecker Essen (Espada! Lorbeerspieße!), hübsche Städtchen, angenehmes Wetter...
    Wenn Du allerdings Massentourismus meiden willst, solltest Du Dich eher im Norden einquartiern, die Urlauberquartiere rund um Funchal sind ziemlich gruslig

    Einige ungelöste Rätsel, die sich ähnlich sicherlich vielen Eltern von Pubertierenden stellen:
    Wie kann es sein, dass sich mein eigentlich recht ansehnliches Mädel in orange-braun geringelte Polyester-Pullunder (!) quetscht, wo noch vor zwei Jahren der Ausruf "Iih, 80er!" das ultimative Schimpfwort für nicht zeitgemäße Kleidung, Frisuren o.ä. war?
    Wie kommt sie auf die Idee, dass es mich interessieren könnte, dass die Cousine der Freundin ihrer Freundin mit dem Marcel aus der 8.2 geht, dem blöden Arschloch?
    Wieso werden in den Hausaufgaben immer Dinge verlangt, die im Unterricht ganz sicher und überhaupt niemals besprochen wurden, aber mehrseitige Briefwechsel mit der Sitznachbarin darauf hinweisen, dass Marcel aus der 8.2 einfach das spannendere Thema ist. Und wie kann es sein, dass trotz dieser Schreibwut auf den Postkarten aus dem Ferienlager nur "Mir geht'gut, Wetter schön" steht?
    Und denoch habe ich noch Glück: statt mit Tokio Hotel werde ich mit Tom Waits beschallt, ihr Lieblingsfilm ist immer noch Harold und Maude, und manchmal spielt sie sogar noch mit ihrer kleinen Schwester...

    Das passt wohl nicht so ganz zu deiner Intention, Eselsohr, aber das Engelbild in Garcia Marquez' Erzählung "Ein sehr alter Herr mit riesengroßen Flügeln" kommt meinen Vorstellungen von Engeln schon sehr nahe.

    Gibt's hier auch Freunde schöner Dokumentationen? Ich glotze meist nur Tatort und Dokus, auch im Kino sehe ich mir gerne Dokumetationen an. Leider finden im echten Leben die meisten Leute diese Vorlieben eher skurril und können deshalb meine Horizont nicht wirklich erweitern. Meine Favoriten:


    - Die Blume der Hausfrau, fast schon schwäbische Poesie
    - Herr Schmidt und Herr Friedrich, habe ich in einem Anfall geistiger Umnachtung überspielt.
    - Die Kinder von Golzow von Winfried Junge. Bernd aus Golzow hat mein Mann in einem Anfall geistiger Umnachtung überspielt
    - Herr Wichmann von der CDU (von Andreas Dresen)
    - The other Final, eine etwas andere Fußballdoku: hier treten der letzte (Montserrat) gegen den vorletzten (Bhutan) der Fifa-Weltrangliste zeitgleich zum Finale der WM 2002 in Thimphu, der bhutanesischen Hauptstadt gegeneinander an. Schön und rührend...
    uvm

    Mich hat dieses Buch auch sehr beeindruckt, wobei meine erste Konfrontation damit eine Hörspielfassung des Deutschlandradios war (leider kann ich Hörspiele nie zu Ende hören, weil ich immer vorher einschlafe). Ja, das Buch ist traurig, was in den folgenden Bänden auch nicht besser wird, aber es hat in mir ein positiveres Marseille-Bild zurückgelassen. Diese Stadt kenne ich nur vom ganz-schnell-durchfahren (nicht mal den Emmaus haben wir dort gefunden), und nach dem Buch dachte ich, hier leben auch nur Menschen, wenn auch vielleicht unter erschwerten Bedingungen. Und was die Lebenssituation der maghrebinischen Einwanderer in Frankreich angeht, liefert es doch eine sehr realistische Einschätzung, weil eben doch nicht ganz so klar ist, wer gut ist und wer böse (wie einem Villepin das weismachen will).

    Mein Kindheitstrauma: Mama und Papa gehen abends aus, und ich traue mich zum ersten mal, unerlaubterweise fern zu gucken, "Tanz der Vampire". Es wurde dann die schlimmste Nacht meines Lebens, mein kleiner Bruder war mir auch keine Hilfe, draußen lag sogar Schnee, und ich hörte immer diesen letzten Satz, sinngemäß: Und so half Professor Ambrosius, das Böse in die Welt zu tragen...
    Und, ich finde den Film immer noch ausgesprochen gruselig :wow

    Meine erste Buchvorstellung: Als wir träumten von Clemens Meyer.
    Klappentext
    Sie träumen vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft, von einer richtigen Liebe und davon, dass irgendwo ein besseres Leben wartet. Rico, Mark, Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, in einem Viertel, dessen Mittelpunkt die Brauerei ist. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie randalieren, sie fliehen vor den Glatzen, ihren Eltern und der Zukunft. Sie kämpfen mit Fäusten um Anerkennung und schlagen die Zeit tot. Sie saufen, sie klauen, sind cool und fertig und träumen vom eigenen Leben. Alle ihre Fluchtversuche enden auf den Fluren des Polizeireviers Südost.
    Leidenschaftlich, wild und mutig verspielen sie ihr Leben in einer aussichtslosen Rebellion. Darum lassen einen die Bilder des nächtlichen Leipzig, die Boxkämpfe, die Hoffnungslosigkeit und die Hoffnung dieses Romans nicht mehr los.


    Der Autor
    Clemens Meyer, geb. 1977 in Halle/Saale, lebt in Leipzig. Nach dem Abitur arbeitete er als Bauhelfer, Möbelträger und Wachmann. Von 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2001 gewann er den MDR-Literaturwettbewerb, »Als wir träumten« war für den Preis der Leipziger Buchmesse 2006 nominiert und zum Klagenfurter Ingeborg Bachmann-Wettbewerb eingeladen.


    Mein Eindruck
    Dieses Buch ist für mich eindeutig das Buch des Jahres 2006. Es spielt kurz vor bzw. einige Zeit nach der Wende und lässt einen das Lebensgefühl der damaligen Zeit "nacherfahren". Die Helden sind nicht die der "Helden"stadt, sondern Menschen, bei denen schon zu DDR-Zeiten klar ist, dass sie die Verlierer auch im Sozialismus sind, und für die durch die Wende auch der letzte Halt in Form von einer gesicherten (auch sozialen) Grundexistenz verloren geht. Es sind tragische Gestalten, die einem dennoch sehr ans Herz wachsen und man möchte ihnen während des Lesens zurufen "Tu's nicht!", was im Großen und Ganzen relativ harmlose Dummejungenstreiche sind, die jedoch oft genug in der Katastrophe enden und die der eine oder andere auch mit dem Leben bezahlt. Aber gerade aus diesen sinnlosen Aktionen beziehen sie ihre Existenzberechtigung und spüren das Leben, welches nicht in die Vorstellungswelt des "Normalbürgers" passt.
    Nun mag meine Urteilskraft getrübt sein, da ich seit 1991 in eben dieser Ecke Leipzigs lebe, und, priviligiert als Wessi und Studentin, mit diesem Milieu nur in Kontakt gekommen bin, wenn mal wieder unser Auto geknackt worden war, oder irgendwelche besoffenen Jugendlichen uns in den Hauseingang gekotzt hatten. Aber weil dieses Buch das Leben nach der Wende in Leipzig fernab von Heldenstadt und Boomtown schildert, traurig und manchmal urkomisch, und außerdem so geschrieben ist, dass dieses Milieu auch rein sprachlich aufersteht (und das ohne peinliche Gossensprache), würde ich es jedem, der sich für die jüngere deutsch-deutsche Geschichte interessiert, ans Herz legen

    Guten Abend,
    ich bin mehrmals schon durch das googeln von verschiedenen Büchern/Autoren hier gelandet und habe mich nun endlich mal angemeldet.
    Bin mittlerweile hornalt (36), habe zwei Töchter (4&14), und, natürlich, lese gerne, vorallem isländisches und jiddisches (leider ncht im Original), zur Entspannung Krimis (nicht zu blutig) und Sachbücher (Kulturgeschichte bzw. naturwissenschaftliches, da Biologin). Ich glaube, mein Liebster kann lesen, er spricht nur nicht darüber, weshalb ich hoffe, hier auf anregende Diskussionen um alles, was mit dem Lesen zu tun hat, zu treffen.
    LG
    DraperD.