Beiträge von DraperDoyle

    Batcat, daran denke ich zur Zeit auch öfters.
    Das Nachbargrundstück wird gerade beräumt, und die ganzen Büdchen, Schuppen und Lauben, die das Reich des Vorbesitzers waren, sind jetzt plötzlich nur noch lästiger Baumüll.


    Wie heißt's so schön: was vom Leben übrig bleibt kann alles weg.


    Das sollte einem eigentlich zu denken geben...

    Heike ist wieder bei ihren alten Besitzern :freude


    Sie war wohl schon drei Wochen verschwunden, und die Besitzer haben meine Fundmeldung erst nicht beachtet, weil ich von einer zierlichen Katze schrieb, und vor drei Wochen war sie wohl noch fett :lache


    Die Frau fing sofort an zu heulen, als ihr Heike entgegenspaziert kam und der Mann hörte gar nicht mehr auf, sich zu bedanken. Jetzt ist auch das Rätsel gelöst, warum die Katze auf den Namen Heike so schnell und zuverlässig reagierte: sie heißt in Wirklichkeit, wie originell, Tiger, natürlich englisch ausgesprochen...

    Heike wohnt immer noch bei uns :wow
    Und irgenwie ist das gar keine richtige Katze. Ich dachte immer, Katzen machen ihr eigenes Ding.


    Heike macht gar kein Ding, sondern latscht mir einfach ständig hinterher. Wenn ich im Garten arbeite: Heike muss mit, wenn ich aber wieder reingehe, kann sie auf gar keinen Fall alleine draußen bleiben. Nicht mal aufs Klo kann ich ohne Katze :cry

    Wir waren heute im Stasibunker Machern.
    Gruslig, welcher Aufriss betrieben wurde, um ein paar Dutzend Stasi-Fuzzis im Ernstfall in Sicherheit zu bringen.
    Noch grusliger die Vorstellung, dass wahrscheinlich in Deutschland überall genau solche Dinger für BND, MAD und die Hamburger Satdtverwaltung, sorry, Bundesregierung rumstehen..

    Zitat

    Original von Tilia Salix


    DAS prädestiniert dich allerdings zur Katzenhalterin - Katzen sind Sadisten. :grin


    nur dass ich keine Masochistin bin :pille


    Heike benimmt sich wie die Axt im Walde, räumt den Mülleimer aus, klettert im Küchenschrank rum und sitzt am liebsten auf dem Küchentisch. Und wenn sie dann rausfliegt, hockt sie stundenlang jammernd vor der Tür. :bonk
    Ich weiß gar nicht, wie die auf die Idee kommt, bei uns wohnen zu wollen, wir haben die ja nicht mal gefüttert ?(

    Ich glaube, ich habe jetzt eine Katze :yikes
    Ich hab die ja ab und zu schon im Garten gesehen, dachte aber. die gehört zu der wilden Horde, die da hinten haust. Neuerdings streicht sie mir aber um die Beine und kommt mit ins Haus, fläzt sich aufs Sofa und ist empört, wenn ich sie rausschmeiße. Gerade hockt sie unterm Küchenfenster und maunzt ganz erbärmlich. Sie heißt übrigens Heike.
    Argh, ich will keine Katze!

    Ach merkt ihr nicht, Voltaire spielt mal wieder Pilpul. An der logisch argumentativen Verteidigung seiner These („Die haben's versemmelt“) könnte er allerdings noch arbeiten (da gibt es zum Beispiel thematisch passendere Arbeiterkampflieder). Aber ich zieh mich, bevor üble Beschimpfungen auf mich niederprasseln, hier gleich wieder zurück. :schnellweg

    Ich habe von David Foster Wallace bisher noch nichts gelesen, und eigentlich war die gründlich in die Hose gegangene Kreuzfahrt meiner Eltern der einzige Grund, mir dieses Buch zuzulegen. Im Grunde, auch nach den Rezis hier bei den Eulen, habe ich einen Schenkelklopfer erwartet, der seinen Witz in erster Linie aus der Blödheit jener Touristen zieht, von denen auch im Klappentext die Rede ist und zu denen man selbst natürlich nie dazugehört.
    Gefunden habe ich ein überraschend intelligentes Buch über das menschliche Wesen im Allgemeinen und das der Amerikaner im Besonderen, über das Phänomen Luxus und den Zustand der Welt.


    Dass ausgerechnet Wallace das Experiment dieser Reise unternimmt, ist schon ungewöhnlich genug. Denn er leidet nicht nur unter Agoraphobie und einer ausgeprägten Abneigung gegenüber Menschenmassen, sondern auch an einem tiefsitzenden Unbehagen gegenüber dem Meer, im speziellen gegen die Massen von Haifischen, die sich potentiell unter seiner Oberfläche tummeln.
    Dennoch wagt er eine siebentägige Fahrt mit der Zenith (die er sofort in Nadir umbenennt), deren Werbebroschüre ihm die Erfüllung sämtlicher Wünsche verspricht.
    Und tatsächlich verbringt er die ersten Tage nahezu eingeschüchtert in dieser fremden Welt der totalen Sorglosigkeit. Kaum eine Verpflichtung des Alltags, die einem hier nicht abgenommen wird, ein Heer überaus freundlicher Bediensteter lässt kein Bedürfnis unbefriedigt.
    Erst langsam dämmert ihm, was dieser hemmungslose Luxus mit den Menschen macht. Er weckt das kleine ningelige Kind in ihm, das es gewöhnt ist, alle Wünsche sofort erfüllt zubekommen, es weckt den Neider, der beim Anblick eines noch ein bisschen prächtigeren Schiffes plötzlich Haare in der eigenen Suppe findet.
    Und diese Erkenntnis führt dann dazu, dass er sich noch ein bisschen schlechter fühlt, nicht ohne freilich zu bemerken, dass er in die Falle der haltlosen Versprechungen der Kreuzfahrtindustrie getappt war.


    Doch er wechselt auch die Perspektive, stellt sich vor, wie hart arbeitendes, schlecht bezahltes Drittweltpersonal diese Horde verwöhnter Amerikaner in albernen Klamotten betrachten müssen, die sich über nicht akurat gefaltete Handtücher beschweren. Und er kommt zu dem ernüchternden Schluss, dass es ganz sicher nicht Respekt und schon gar nicht Bewunderung sein kann, die das Personal zu seiner nahezu perfekten Arbeit motiviert.


    Obwohl er sich ganz schön bissig über sich und seine Mitreisenden äußert, wird Wallace nie bösartig, auch wenn einige Passagiere und auch das eine oder andere Mitglied der Crew nicht sonderlich gut wegkommen. Denn im Gegensatz zu etwa Herbst oder Jaud, basiert der Humor von Wallace' Text nicht auf der gnadenlosen Belästerung der Spezies Touristen, zu denen der Autor natürlich nicht gehört, sondern in einer ziemlich amüsanten Analyse des Systems „Massentourismus“, von dem wohl schon jeder Urlauber einmal Bestandteil war. Dass das ganze natürlich auf einem amerikanischen Luxusdampfer stattfindet, mag für uns Europäer vielleicht noch einen zusätzlichen Reiz besitzen, aber das System als solches funktioniert in einer TUI-Hotelanlage auf Mallorca genauso, sowohl was die Erwartungen der Touristen, als auch die Versprechungen der Tourismuskonzerne angeht.


    Dieses Buch ist ein Vergnügen, aber eines, das nachdenklich stimmt. Ist bessere Unterhaltung vorstellbar?


    Edit will noch was zu den Fußnoten sagen. Wallace Text (Essay?) ist ausgesprochen literarisch und gekonnt komponiert. Die Fußnoten sind meines Erachtens Anekdoten, Beobachtungen, aus denen seine Gedanken und Schlussfolgerungen resultieren, die aber im eigentlich Text nichts zu suchen haben. Schön, dass er uns trotzdem daran teilhaben lässt, da lese ich gerne mal über zwei Seiten die Fußnote

    Zitat

    Original von Susannah


    Zwischen vollkommen überlastet und unterbeschäftigt ist schon eine enorme Spanne.


    hm, das war eigentlich ironisch gemeint.


    Meine ersten Amtserfahrungen im Süddeutschland der 80er Jahre waren tatsächlich ernüchternd. Beim Landratsamt prangten an den Arbeitsplätzen Postkarten mit Sprüchen wie "Wir sind hier bei der Arbeit und nicht auf der Flucht" oder "Wer wartet gewinnt" und ein Auto anzumelden war eine langwierige und nervtötende Angelegenheit.
    Hier ist das jetzt entschieden angenehmer. Sämtliche Ämter (ob Zulassungsstelle, Denkmalbehörde oder eben Bürgeramt), mit denen ich so zu tun habe, arbeiten schnell und bürgerfreundlich.

    So, meine Eltern sind nun beide wieder im Alltag angekommen.
    Meinem Vater wurde auch von seiner Hausärztin attestiert, dass man eine solche Diagnose (Lungenembolie, eskalierter Zucker, Nierenversagen) eigentlich nicht überleben kann. Also offensichtlich haben die Leute in Island ein kleines Wunder vollbracht. :anbet
    Nun wollen wir ein kleines Dankeschön-Päckchen ins Krankenhaus schicken und meine Mutter (ganz Digital Nativ :lache) hat mit dem Handy das Stationsschild fotografiert. Ich hoffe ja, dass niemand dieses wunderbare Wort jemals benutzen muss, aber gjörgæsludeild (wörtlich "Totalüberwachungsabteilung") heißt Intensivstation.

    Zaunarbeiten? Ist das der Zaun, den die Bäume plattgemacht haben?
    Wir hätten da auch noch einen ziemlich morschen Zaun im Angebot, aber so lange der nicht zusammengebrochen ist, werde ich den ganz sicher nicht anrühren. Never change a running system, oder in unserem Fall never change a standing fence oder so :grin


    Mein Pflaster hat übrigens ziemlich genau so viel gekostet wie deine Treter :lache. Und da ich es selbst verlegen werde, könnte ich mir jede Menge neuer Schuhe kaufen ;-)

    Also mein Bürgeramt, immerhin auch in einer Großstadt, ist spitze.
    Wir neigen ja zur Unorganisiertheit und hatten mittlerweile vor mehreren größeren Reisen Probleme mit abgelaufenen Reisepässen. Jedesmal haben die freundlich, schnell und unbürokratisch geholfen. Hier ist es eine wahre Freude, mit Ämtern zu telefonieren. Also entweder sind die alle unterbeschäftigt und überbezahlt, oder die machen einfach ihren Job gerne :gruebel

    Ja, die Ossis haben es nun mal versemmelt. Und bis heute zahlen wir (Westdeutschen) die Zeche.
    Btw habe ich den Eindruck, dass sich bedeutend mehr Westdeutsche als Ostdeutsche die Mauer zurückwünschen :gruebel

    Inso, ich denke, die ganze Soli-Debatte ist einfach eine Neid-Debatte. Das westdeutsche Establishment wurde in seinen Grundfesten erschüttert, mit der DDR ist auch die alte BRD untergegangen.
    Das hat nur keiner so konkret gemerkt, nicht unmittelbar mit der Ehemaligen verbundenen Menschen schien alles beim Alten (was sich daran zeigt, dass ein großer Teil der Westdeutschen den Teil Deutschlands, der plötzlich zu ihrem Land hinzukam, noch nie besucht hat. Fragt sich, wie oft der Herr aus H. schon im schönen Osten war).
    Nun hat sich etwas geändert. Irgendwie war zwar früher alles besser, selbst dem härtesten Marktliberalen fällt aber auf, dass zur Zeit die Welt aus den Fugen gerät. Diese ganze Geschichte, der Markt, der uns über Jahrzehnte als einzig wahre Weltordnung verkauft wurde, funktioniert nicht mehr, selbst Staatsanleihen sind, aufgrund der Staatsverschuldung, keine sichere Bank mehr. Dass dies unmittelbar die Folge des Untergangs des Ostblocks, des ärgsten Feindes, ist, ist natürlich bitter. Da ist es leicht zu sagen, das die Milliarden, die im Osten landeten, Schuld an der ganze Misere sind. Dass dieses Geld freilich zum großen Teil in den Taschen privater westdeutscher Unternehmen landete, interessiert keinen.


    Mir geht es auch so, dass ich die Menschen aus dem Westen mal bei der Hand nehmen und durch Leipzigs voordergründig sehr schönen Straßen führen möchte. Da sitzen keine alten Männer auf der Straße, aber hinter den Fassaden wohnen Leute, deren Welt sich vor über zwanzig Jahren komplett auf den Kopf gestellt hat. Alles wurde anders. Wo bekam die Oma jetzt ihre Rente her und wieviel? Was, wenn der Betrieb, für den man dreißig Jahre im Gefühl absoluter Beständigkeit gearbeitet hatte, plötzlich nicht mehr existiert? Wenn das Studiensystem von heute auf morgen ein komplett anderes ist?
    Die meisten dieser Menschen haben das ziemlich souverän gemeistert, aber dabei wirklich interessante Geschichten zu erzählen.


    Zu mir meinte einmal eine ältere Kollegin: "Wir mussten alles neu lernen, und die Wessis kapieren nicht mal, wie der grüne Pfeil funktioniert!" Das bringt's irgendwie auf den Punkt.

    Mich irritiert gerade ziemlich, beim Nachdenken über diese ganzen Ereignisse, dass ich damals tatsächlich keinerlei Emotionen zur Maueröffnung hatte.
    Und das, obwohl der Kerl, den ich als ersten (und einzigen :lache) Mann jemals heiraten wollte, in der DDR lebte. Wir waren fünf, und weil wir uns nicht einigen konnten, ob wir in der BRD oder der DDR leben wollten (und ob ich bei der Hochzeit Schleier oder Hut tragen würde), haben wir das Projekt aufgegeben.


    Nach der Maueröffnung habe ich spontan eine Tour de DDR gemacht, mit meinem alten Opel Kadett, und ihn als erstes besucht. Wir sind immer noch ziemlich gute Freunde, was wohl ohne das Ende der DDR nicht möglich gewesen wäre. Auch zu den meisten anderen Menschen, die ich damals besucht habe, habe ich bis heute Kontakt, auch der wäre sicherlich versandet. Aber das alles habe ich erst später gemerkt, zu DDR-Zeiten hatte ich keine Sehnsucht nach Wiedervereinigung, das war ganz eindeutig außerhalb meiner Vorstellung.

    Über Geld werde ich erstmal nicht reden, stimme Bo aber weitestgehend zu. Ich habe im Sommer 1990 in einer (West)Fabrik gejobbt und es war einfach der Hammer, wie dort der Laden brummte, um die Nachfrage im Osten zu decken. Die haben sich eine goldene Nase verdient.


    Zum Thema:
    Die Öffnung der ungarischen Grenze, Genscher auf dem Prager Balkon, all das habe ich zwar mitgekriegt, es hat mich aber nicht beeindruckt, wahrscheinlich, weil, sorry, die Ossihorden mir unsympathisch waren.
    Und die Wiedervereinigung, nun ja, ich kenne viele, denen das so auch nicht gepasst hat. Als die Montagsdemos noch eine eher bescheidene Veranstaltung waren, steckte in der Tat viel Idealismus dahinter. Aber in dem Augenblick, als die Sache zu einer Massenveranstaltung wurde, wurde sie zwangsläufig auch kommerzialisiert: "wird sind das Volk" wurde zu "wir sind ein Volk", und dann war der Ruf nach der D-Mark und schließlich nach der Wiedervereinigung nicht weit. Viele meiner Freunde sahen das mit Unbehagen, zumal zur gleichen Zeit Naonazis aggressiv hervortraten.


    Nun sind wir wiederveinigt, und für mich war das die Chance meines Lebens. Kurz nach der Wende rüberjemacht, durfte ich hier eine unglaublich spannende und aufregende Zeit erleben, ich habe großartige Freunde gewonnen (seltsamerweise fast ausschließlich Ossis) und meinen Horizont vielleicht mehr erweitert, als wenn ich nach Frankreich gegangen wäre.


    Natürlich kann man gegen die Wiedervereinigung sein, und man kann auch behaupten, dass über die Kosten geredet werden müsse. Man kann eine solche Meinung aber auch getrost ignorieren und sich darüber einfach nur freuen, wenn auch wie ich im Nachhinein.