Beiträge von SiCollier

    Kulturen und ihre verschiedenen Probleme kommen und gehen, doch die Menschen bleiben Menschen. Sie haben Hoffnungen und Träume, Zufriedenheit, Lachen und Weinen, Liebe und Verlust, doch einen Willen zum Überleben und der Suche nach etwas Besserem.* (Seite VII, Vorwort)


    buechereule.de/attachment/39933/Meine gelesene Ausgabe:

    248 Seiten, 1 Stammbaum, gebunden mit Schutzumschlag

    Verlag: Doubleday, a division of Bantam Doubleday Dell Publishing Group New York/London/Toronto/Sydney/Auckland 1995

    ISBN-10: 0-385-47029-0

    ISBN-13: 978-0-385-47029-2


    Dies ist Band 23 der 29-bändigen Spanish-Bit-Saga, von der nur die ersten 4 Bände auf Deutsch erschienen sind.




    Zum Inhalt (eigene Angabe)


    Nach dem Tod ihres Mannes ist Running Dear in Schwermut und Bitterkeit versunken und erwartet nichts mehr vom Leben. Auf dem Weg zum Sommercamp kommen sie an einem Lager vorbei, dessen Bewohner offensichtlich alle an den Pocken gestorben sind. Alle, bis auf ein etwa fünfjähriges Mädchen. Running Deer entschließt sich, beim dem Kind zu bleiben, das anscheinend nur noch ein paar Tage zu leben hat, selbst oder vor allem auf die Gefahr hin, sich selbst anzustecken und zu sterben.

    Doch selbst, wenn man das Schicksal mit dem Todesgesang herausfordert bedeutet dies nicht, daß man diesen Kampf tatsächlich verliert. Jedenfalls nicht so schnell. Oder am Ende gar nicht?



    Über den Autor


    Don Coldsmith, geboren 1926, arbeitete bis 1988 in Kansas als Arzt. Mit seiner Frau Edna betrieb er zudem eine kleine Farm und Pferdezucht. Er schrieb insgesamt über 40 Bücher und starb am 25. Juni 2009.


    Informationen im Internet:

    - Der Wikipedia-Artikel zum Autor (in englischer Sprache)

    - Serienaufstellung der gesamten Serie




    Meine Meinung


    Eigentlich hätte ich es wissen können. Seit mehreren Monaten schon habe ich ein Lesetief und wenig bis keine Lust zum Lesen. Nicht mal Weihnachtsbücher konnten mich aus der Leselethargie herausziehen. Und dann fiel mir ein, daß ich schon länger keinen Band der Spanish-Bit-Serie gelesen hatte.


    Und das erste Mal seit langer Zeit habe ich mich in einem Buch (wieder) festgelesen. Denn Don Coldsmith ist es (wieder) sehr rasch gelungen, mich in die Welt des Volkes zu versetzen, zumal hier die tragischen Ereignisse des vorherigen Bandes "Track of the Bear" eine Fortsetzung finden, nicht unbedingt an Tragik, aber indem thematisiert wird, wie die Überlebenden mit den Folgen umgehen und zurecht kommen - oder nicht zurecht kommen.


    So bleibt es nicht aus, daß über gut einem Drittel des Buches eine eher melancholische, manchmal schon schwermütige, Stimmung liegt, da Running Deer nach dem Tod ihres Mannes etwa fünf Jahre zuvor noch immer nicht wieder zurück ins Leben gefunden hat. Sie wurde zur mürrischen, gemiedenen Außenseiterin, die mit dem Schicksal und ihrem Leben hadert. Und die lieber tot als lebendig wäre.


    Da greift das Schicksal ein.


    Auf dem Weg zum Sommercamp kommt der Stamm an dem verlassenen Lager eines unbekannten Stammes vorbei. Viele Totengestelle, alle Zelte leer - außer den Toten, die darin liegen gelassen wurden. Als ob die Überlebenden in Panik geflohen wären. Die Pocken haben fast den ganzen Stamm ausgerottet. Nur ein etwa fünfjähriges Mädchen namens Grey Mouse, dessen Eltern ebenfalls tot sind, wurde krank zum Sterben zurück gelassen.


    „Das Gras und der Himmel dauern ewig / Doch heute ist ein guter Tag zum Sterben.“ (S. 36)** Unwillkürlich kommt Running Deer das Todeslied in den Sinn und sie weiß, wie sie ihr Leben beenden wird - in Würde und mit einem Sinn. Sie nimmt sich des kranken Kindes an, um es bis zum Tod zu versorgen und dann selbst an den Pocken zu sterben. Vor unendlich langer Zeit war ihre eigene Tochter als kleines Kind gestorben, jetzt endlich, kurz vor ihrem Tod, wird ihr Wunsch nach einer Tochter erfüllt, so daß sie die Welt in innerer Ruhe verlassen kann.


    Aber wie das mit dem Schicksal so ist: man kann es zwar herausfordern, aber das heißt nicht, daß es am Ende so ausgeht, wie man selbst es geplant hat. In diesem Falle überleben die beiden. Das Kind überlebt. Running Deer steckt sich, wie zu erwarten war, an - und überlebt auch.


    Das Leben hat beide wieder - in Running Deer erwacht der Überlebenswille, zumal sie nun für ein Kind zu sorgen hat. Und das kurz vor dem Wintereinbruch. Man merkt auch hier, wie in all den vorigen Bänden, daß sich der Autor intensiv in seine Thematik eingearbeitet hat, denn auch wenn es sicher so manche glückliche Fügung gibt, ist der folgende Überlebenskampf mit seinen Härten gut nachvollziehbar beschrieben.


    Auch hier wird wieder deutlich, daß es nicht „die Indianer“ gibt, denn jeder Stamm hat seine eigenen Sitten, Gebräuche und Traditionen. Während beim Volk die Eule zwar nicht unbedingt ein heiliges Tier ist, jedoch nicht gejagt wird, weil sie als Bote der Geister gilt, ist sie beim Stamm des Kindes ein Unglücksbringer, der erlegt werden muß. Es ist dies, was Grey Mouse erstmals erkennen läßt, daß sie ein anderes Erbe hat als Running Deer (vgl. S. 138). Viel später im Buch kommt dieser Gegensatz nochmnals zur Sprache einschließlich der Akzeptanz und Toleranz, die es unter den Stämmen für die Sitten und Gebräuche anderer Stämme gibt - etwas, was ich in der heutigen Welt sehr vermisse. Und so manchen Konflikt deutlich entschärfen und das Zusammenleben erleichtern würde.


    Die ist Band 23 der Serie; rund zweihundertvierzig Jahre sind vergangen, seit Juan Garcia, genannt Der-ohne-Kopf, zum Volk kam, das Pferd mitbrachte und die Welt des Volkes sich völlig veränderte. Eine lange Zeit ist seither verflossen, niemand weiß mehr etwas Genaues aus jenen Tagen, selbst Running Deer ist nicht bewußt, daß sie über viele Generationen hinweg mit Der-ohne-Kopf verwandt ist. Aber es gibt herausragende Gestalten und Ereignisse, die sich ins Gedächtnis eingegraben haben, und sei es nur als ein Mythos oder eine Legende. Medicine Rock, die legendäre Kriegerin Running Eagle - als Leser, der nicht mehr alle Details im Gedächtnis hat, mag es einem wie den Figuren ergehen, wenn man mit leichter Wehmut an jene glorreichen vergangenen Zeiten zurück denkt, die zur Zeit des Erlebens gar nicht so glorreich erschienen, sondern einfach als normaler Lauf der Welt. (Übrigens gilt auch hier, wie bei den meisten anderen Bänden der Reihe, daß der Roman auch für sich alleine verständlich ist, da die zum Verständnis der Handlung notwendigen früheren Geschehnisse an passender Stelle eingefügt werden.)


    In der Tat gibt es immer wieder Stellen, an denen die Gedanken zurück zu den Geschehnissen früherer Bände streifen. Dabei stellt man erstaunt fest, daß sich manches über die Zeiten nicht ändert, anderes aber schon, vieles davon bedingt durch die Ankunft der Europäer und deren zunehmende Inbesitznahme des Landes. Noch ist zwar für alle genug Raum vorhanden, aber man merkt deutlich das Näherrrücken der „Zivilisation“ (auch wenn es mir zunehmend schwer fällt, diesen Begriff zur Unterscheidung der nomadischen Lebensweise der Einheimischen zu gebrauchen). Die Veränderungen kommen auch im Buch selbst zum Ausdruck, so tauchen Bezeichnungen für andere Stämme auf - Arapaho, Comanche oder Crow werden beispielsweise erwähnt. Zu Beginn der Buchreihe, die in Zeiten spielt, von denen man von den indigenen Völkern nicht viel weiß, hat Coldsmith, wie er selbst schrieb, sein Volk als eine Mischung der Lebensweise und Gebräuche verschiedener Stämme „zusammenkomponiert“. Nun tauchen erste Unterschiede auf, auch ein Zeichen der Weiterentwicklung sowohl der Buchreihe wie der (mehr oder weniger) durchlaufenden Geschichte.


    Einstens werden die Nachkommen sich von Running Deer und Gray Mouse, dem Child of the Dead - dem Kind der Toten, wie es von manchen genannt wurde - erzählen, wie sie entgegen allen Erwartungen Pocken wie Winter überlebten und welchen Gefahren sie danach ausgesetzt waren. Etliche davon werden in diesem Buch noch beschrieben, sollen aber hier nicht erwähnt werden. Und manche davon dürften im nächsten Band „Bearer of the Pipe“ zur Sprache kommen.



    Mein Fazit


    Mit dem „weißen Mann“ kamen die Pocken nach Amerika und kosteten Abertausenden der ursprünglichen Bewohner des Landes das Leben; auch das Volk bleibt nicht verschont. In einem spannenden Roman beschreibt Coldsmith den Ausbruch der Krankheit und den dadurch bedingten Folgen. Die Zeiten beginnen sich für das Volk merklich zu verändern.




    Originaltexte


    * = Cultures and their diverse problems come and go, but people remain people. They have hopes an dreams, happiness , disappointment, laughter and tears, love and loss, but a will to survive and search for something better. (Seite VII, Vorwort)

    ** = The grass and the sky go on forever, / But today is a good day to die. (Seite 36)


    ASIN/ISBN: 03895470290

    Sie war zum Sterben an einen Ort heimgekehrt, der in ihrer Erinnerung etwas ganz anderes war als in der Realität, die sie vorfand. (Seite 305)



    Zum Inhalt (eigene Angabe)


    Die siebzehnjährige Angel kennt ihre Mutter, der sie anscheinend entstellende Narben im Gesicht zu verdanken hat, nicht. Nach einer Odyssee durch verschiedene Pflegefamilien kommt sie endlich zu ihrer Großmutter. Zusammen mit ihr und zwei weiteren Frauen brechen sie mit dem Kanu zu einer gefährlichen Reise in den Norden auf - um Angels Mutter zu finden.

    Doch weitaus dringender wird die Reise, um das Großprojekt eines Staudammes zu verhindern, der Indianergebiet in einem See versinken lassen soll und das gesamte Gleichgewicht der Natur zerstören wird. So wird die Reise zu einem „verzweifelten Kampf um das Land ihres Ursprungs und um ihre eigene Identität“. (Klappentext)



    Über die Autorin


    Linda Hogan wurde 1947 in Colorado als Tochter eines Chickasaw und einer weißen Frau geboren. Sie lehrte an der Universität von Colorado und war in verschiedenen Gremien tätig; 2007 wurde sie in die Chickasaw Hall of Fame aufgenommen. Sie erhielt mehrere Auszeichungen; ihr erster Roman „Mean Spirit“ war 1990 Finalist für den Pulitzer Preis.




    Meine Meinung


    Es ist nun schon einige Zeit her, daß ich dieses Buch ausgelesen habe; und noch immer fällt es mir nicht leicht, meine Gedanken dazu in Worte zu fassen. Über weite Teile war es jedenfalls völlig anders, als ich erwartet habe, weshalb ich in der ersten Hälfte des Buches, bis dann die Reise endlich begann, mich mit dem Lesen etwas schwer getan habe. Zumal ich mir immer wieder die Verwandtschaftsverhältnisse der Figuren klar machen mußte. Fünf Generationen, von denen vier den größten Teil der Handlung anwesend sind - da war der Durchblick nicht immer einfach. Es erforderte konzentriertes Lesen, um Figuren wie Handlung zu folgen. Woraus sich ergibt, daß dies kein Roman zum „nebenbei so weglesen“ ist. Dazu ist die Thematik auch viel zu ernst und zu aktuell - leider auch heute noch.


    Die Handlung ist in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt; die Ereignisse der Besetzung von Wounded Knee 1973 finden nebenbei als zeitliche Einordnung Erwähnung. Angel, die von ihrer Mutter mißhandelt wurde und bei verschiedenen Pflegefamilien aufwuchs, kann endlich nach Minnesota zu ihrer Großmutter Bush und ihrer Urgroßmutter Agnes. Dort erfährt sie erstmals so etwas wie Liebe und angenommen werden, so daß ihre Wunden langsam zu heilen beginnen. Immer wieder wird ein kurzes Schlaglicht auf die Herkunft Angels geworfen - was da langsam zutage kommt, ist sicher nichts Schönes. Fast schon ein Wunder, daß sie zu einer so „normalen“ jungen Frau heranwachsen konnte, auch wenn ihr indianisches Erbe mehr oder weniger totgeschwiegen wurde.


    Als Angel erfährt, wo ihre leibliche Mutter Hannah Wing jetzt lebt, will sie dorthin. Sie will endlich wissen, was in ihrer Kindheit geschah, woher sie die Narben im Gesicht hat, und warum sie von ihrer Mutter verlassen wurde. Zudem soll im Norden, ganz in der Nähe des Ortes, wo Angels Mutter lebt, ein Staudamm gebaut werden, in dessen Folge die Wohngebiete der hier wie dort ansässigen Menschen überflutet und das Gleichgewicht der Natur vollends aus der Bahn geworfen werden würde.


    So machen sich Angel, ihre Großmutter, ihre Urgroßmutter sowie deren alte Mutter Dora-Rouge, die im Norden geboren wurde und nun dorthin zum Sterben zurück will, per Kanu auf den weiten Weg nach Norden - um Hannah Wing zu finden und den Staudammbau zu verhindern. Die nicht ungefährliche Reise über Seen und Flüsse wird alle Beteiligten für immer verändern.


    Es ist diese Reise, die das Buch so lesenswert macht. Mit viel Sympathie und Verständnis für die ursprünglichen Bewohner des Landes geschrieben, tritt einmal mehr der Gegensatz zwischen „weißer“ und „roter“ Kultur und Denkweise zutage, wobei die „weiße“ nicht unbedingt als die bessere abschneidet. Man sieht die Erfolge des Staudammbaus, nicht aber die Folgen, die das für Natur und die Menschen im Einzugsgebiet haben wird. Will man auch nicht, denn es geht ja um Geld. Was zählen da schon ein paar Menschen, die ihre Heimat verlieren? Was zählen ein paar überflutete Gebiete (auch wenn die ziemlich groß sind)?


    Die Reise verändert die Figuren, und sie mag auch die Einstellung von so manchem Leser verändern, der (wenn auch nur im Geiste) die Mühen und Strapazen der Reise mit auf sich genommen hat, die Veränderungen sieht, und mehr als einmal dem Tod in die Augen geblickt hat. Um am Ende nichts so vorzufinden, wie ursprünglich erwartet wurde.


    Nicht nur während der Reise ist der Tod immer wieder ein Thema, und das in einer mentalen Intensität, wie ich sie bisher selten bis gar nicht gefunden habe. Auch, oder vielleicht gerade, weil die Autorin sein Kommen oft eher distanziert, wie von einem neutralen Beobachter aus wahrgenommen, beschreibt. Doch dadurch empfand ich diese Szenen als sehr berührend und hochemotional.


    In uns lebt etwas Wunderschönes. Du wirst es sehen. Glaub es einfach. Du wirst es sehen.“ (Seite 479) Mit diesen Worten endet das Buch. Ist man bis dahin gekommen, wird es einem vielleicht gelingen, dieses „Wunderschöne“ zu sehen. Alleine diese Hoffnung macht das Buch mehr als lesenswert.



    Mein Fazit


    Es dauerte eine Weile, bis ich in dem Buch „angekommen“ war, das Durchhalten hat sich aber mehr als gelohnt. Der Roman bietet viele Denkanstöße gerade auch für unsere Zeit und unseren Umgang mit Mensch und Natur.



    Mein gelesenes Exemplar:
    480 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

    Originaltitel: Solar Storms

    Aus dem Amerikanischen von Heike Brandt

    Verlag: Verlag Volk und Welt GmbH, Berlin 1997

    ISBN-10: 3-353-01074-2

    ISBN-13: 978-3-353-01074-2


    ASIN/ISBN: 3353010742

    Ich gebe dir recht, dass die verwendete Sprache die Entstehungszeit wiederspiegelt. Ich gebe dir aber nicht recht, dass bestimmte verwendete Wörter den Rassismus dieser Zeit wiederspielten. Denn: diese Wörter waren damals noch nicht rassistisch, diese Bedeutung haben sie erst später bekommen. Sprache ändert sich. Damals war das heute nicht mehr verwendete N-Wort Ausdruck für Menschen aus Afrika. Ohne Hintergedanken.

    :write Danke für diese Anmerkung! "Ohne Hintergedanken" - exakt so habe ich die früheren Jahrzehnte, denen man heute alles mögliche vorwirft, in Erinnerung behalten. Die Hintergedanken werden aus heutiger Sicht dazu erfunden.


    Zum Disput zwischen Tom und Breumel : Ich habe die Posts mehrfach gelesen, und selbst auf die Gefahr hin, daß ich mich nun (wieder mal) in die Nesseln setze: ich habe das genau so verstanden, wie Tom und hätte vermutlich ähnlich hart reagiert wie er.


    Ganz allgemein zum Thema: ich habe alle Beiträge, teils mehrfach, gelesen und darin viel zum Nachdenken gefunden. Weiter oben schrieb ich, daß ich die in dem von Breumel verlinkten Artikel aufgeführte Argumentation nachvollziehen kann. Nachvollziehen, aber nicht für richtig halten. Ich gehe mal davon aus, daß ein Autor sich etwas dabei denkt, wenn er ein Buch schreibt. Und er zudem die Sprache beherrscht, also Worte und Sätze bewußt wählt und verwendet. Werden diese verändert, verändert sich auch das Buch - vom Inhalt bis zur "Stimmung" (von der Aussage ganz zu schweigen).


    Wenn man also meint, daß bestimmte Begriffe nicht mehr geläufig sind, kann man die durch eine Fußnote (oder ein Glossar) erklären. Und wenn es einem inhaltlich nicht paßt, wäre eine Möglichkeit, das Lesen dieses bestimmten Buches ganz sein zu lassen. Angesichts der riesigen Anzahl verfügbarer Bücher sollte eigentlich jeder die für sich geeigneten finden. Wenn man nur Bücher mit dem heutigen Zeitgeist bzw. heutigen Verständnis will sollte man vielleicht auch nur zu neuen Büchern greifen. Da kann man dann nichts falsch machen.

    Ich habe mal gegoogelt und einen Artikel darüber gefunden, den ich gut finde.

    Ich habe den Artikel gelesen und kann die dortige Argumentation, daß es um "heute nicht mehr verständliche Begriffe" geht, nachvollziehen. Ich meine mich zu entsinnen, daß mir der Begriff "Muhme" schon in meiner Kinderzeit (und die ist einige Jahrzehnte her) nicht geläufig war und ich mir den von meinen Eltern habe erklären lassen.


    Zu dem Thema gibt es dort übrigens auch einen Kommentar von Jaques Schuster .

    Jede Pop-Generation braucht schließlich ihren Exklusivbesitz, ihr Wir-Gefühl, ihre Credo, ihren Code. (Seite 82)


    350 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden

    Verlag: Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Ditzingen

    2. durchgesehene Auflage 2020

    ISBN-10: 3-15-011244-3

    ISBN-13: 978-3-15-011244-1



    Zum Inhalt (Verlagsangabe)


    Die 70er sind das innovationsfreudigste und folgenreichste Jahrzehnt der Popmusik. So unterschiedliche Genres wie Glam, Punk, Reggae und Metal feiern hier ihren Ursprung, nicht zu vergessen Krautrock, Elektropop, Disco, Prog und sogar Hip-Hop.

    Ernst Hofacker erzählt die Story dieses einzigartigen Jahrzehnts anhand von zehn exemplarischen Daten. Er entfaltet die popkulturelle Vielschichtigkeit, zeigt auf, wie Trends und ihre Gegenbewegungen entstanden, und verfolgt die gesellschaftlichen Hintergründe und ihr Fortwirken bis heute.



    Über den Autor


    Ernst Hofacker wurde 1957 geboren und hat Sozialpädagogik studiert. Nachdem er einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet hat, wurde er Journalist und arbeitete als Musikredaktuer für einen Radiosender und später für verschiedene Musikmagazine. Er hat mehrere Bücher geschrieben und lebt derzeit in Münster.


    Informationen im Internet:

    - Die Seite zum Buch beim Verlag (mit Leseprobe)

    - Der Wikipedia-Artikel zum Autor

    - Ein Interview mit dem Autor




    Meine Meinung


    Als ich das Buch zu lesen begann, war dies für mich eine Zeit des Umbruchs: des Endes meines beruflichen Lebens und des Beginns des letzten Abschnitts - dem Ruhestand. Oder, wie ich an anderer Stelle geschrieben habe, der letzte Zug ist bestiegen. Ich war also in einer etwas seltsamen Stimmung, habe einen Bogen geschlagen vom letzten Abschnitt des Lebens zurück zum ersten. Einen Großteil meiner musikalischen Erinnerungen verbinde ich mit den 70er Jahren, da kam mir dieses Buch gerade recht. Es erinnert mich an meine Jugend. Und irgendwie erzählt der Autor davon. Er ruft vieles ins Gedächtnis zurück, was lange in Schubladen der Erinnerung verschlossen war, er erzählt von Entwicklungen, die ich hätte mitbekommen können und, warum auch immer, nicht mitbekommen habe. Und er erweckt seltsamerweise Erinnerungen, die ich gar nicht haben kann. So seltsam, wie das klingt, war mir beim Lesen auch zumute.


    Ich ließ ich mich also vom Autor einige Jahrzehnte zurück versetzen in eine Zeit, da alles noch so klar vor mir zu liegen schien, bevor irgendwann die harte Realität des Lebens eingriff. Aus den Lautsprechern der Stereo-Anlage erklang die „vielleicht emotionalste und womöglich perfekteste weibliche Gesangsstimme ihrer Zeit.“ (Vgl. S. 44 - gemeint ist natürlich die vor vierzig Jahren tragisch verstorbene Karen Carpenter.) Ich freute mich auf rund dreihundert Seiten in Erinnerungen schwelgen und hoffte auf so manche Entdeckung in den hinteren Winkeln meines Gedächtnisses, die seit langem im Dunkel des Vergessens verborgen waren.


    Nur leider war die Freude nicht von Dauer. Denn je weiter der Autor voranschritt (im Buch wie gleichzeitig in den 70ern), je fremder wurde es mir. Mehr und mehr beschlich mich das Gefühl, daß ich in einem ganz anderen 70er Jahrzehnt groß geworden bin, als in dem, welches der Autor beschreibt. Denn mit Fortschreiten der Seiten wurden mir die Namen der Künstler und Bands immer unbekannter oder es kam ein „die mochte ich schon damals nicht“ hoch. Es sei zugegeben, daß ich schon immer eher ein Eigenbrödler denn ein Gemeinschaftsmensch war. Discotheken und einschlägige Clubs habe ich so gut wie gar nicht besucht und damit, wenn ich den Autor richtig verstehe, so ziemlich das meiste Relevante verpaßt (obwohl ich durchaus nicht das Gefühl habe, etwas verpaßt zu haben).


    Meine (musikalische) Welt war in jenen Jahren eher die der Hitparaden, wie sie wöchentlich in den Radiostationen liefen. WDR (seltsamerweise war der in meiner Heimatstadt noch auf UKW zu empfangen), HR, BR - und natürlich der AFN (für die jüngeren Eulen: American Forces Network, der amerikanische Soldatensender). Nachts heulte der legendäre Wolfman Jack durch den Äther und der Samstag gehörte den Country-Charts sowie den Billboard Hot 100. Die Erinnerungen, die ich daran und an die Zeit habe, tauchen im Buch eher wenig auf, von den meisten Bands, die Hofacker nennt, habe ich nie gehört oder sie waren schlicht nicht mein Geschmack.


    So ließ mich das Buch etwas zwiegespalten in dem Bewußtsein zurück, daß ich wohl ein ganz eigenes Jahrzehnt erlebt habe. Eines, das so ganz anders war als der Sound, den Hofacker beschreibt. Inwieweit das Buch also „den“ Sound der 70er beschreibt, sei dahingestellt. Es beschreibt aber gewißlich „einen“ Sound der 70er und in der Hinsicht hat es dann doch zumindest teilweise die Erwartungen, die ich an das Buch hatte, erfüllt. Es bleibt die Erkenntnis, daß Erinnerungen und Leben doch sehr persönliche Dinge sind, die sich für die meisten Menschen nicht verallgemeinern lassen, sondern individuell im wahrsten Sinne des Wortes erlebt werden müssen. Vom Anfang bis zum Ende. Eigentlich ein tröstlicher Gedanke.



    Mein Fazit


    Eine (musikalische) Reise durch die 70er Jahre mit so ziemlich allen Entwicklungen, die sich irgendwo auf der Welt taten. Sehr umfassend, für mich aber zu viel von Künstlern und Bands, die mich weder damals noch heute interessieren und zu wenig von denen, die damals meine „Helden“ waren. Subjektiv für mich also nicht das richtige Buch.


    ASIN/ISBN: 3150112443

    So ein Buch habe ich noch nie gelesen, ...


    Nun ja, zum Einen hat Tom schon auf Jim Knopf und Pippi Langstrumpf hingewiesen, zum Anderen war genau dieses "Umschreiben" der Anlaß für mich, diesen Thread zu eröffnen. Weil es eben gerade passiert (mit Jim Knopf).


    Da ich es nicht besser formulieren kann, hier dieses Zitat:

    Es ist kein "Zensur"-Geschrei. Es ist ein Prozess, der kulturelles Erbe einer zeitgeistlichen Anpassung unterzieht, und es geht dabei um die Frage, was wichtiger ist - der Zeitgeist oder das kulturelle Erbe, (...)

    Das ist genau das, was ich eigentlich meine. Und wenn sich der Zeitgeist in einigen Jahren/Jahrzehnten wieder mal ändert, werden auch die Bücher wieder auf den dann herrschenden Zeitgeist umgeschrieben. Am Ende sind vom Originalwerk nur noch Autor und Titel übrig. Ist das wirklich so erstrebenswert?

    „Das ist das Vorrecht des Schicksals, daß es nach seinen eigenen Regeln spielt und unsere Pläne gerne mal über den Haufen wirft!“ (Seite 198)


    Meine Meinung


    Die Handlung setzt ein knappes Jahr ist nach den Ereignissen des Vorgängerbandes „Das Weihnachtsherz“ ein und schließt (fast) direkt daran an. Man muß diesen nicht gelesen haben, um hier alles zu verstehen, da notwendige Informationen in die Geschichte eingebaut werden, allerdings ist es durchaus von Vorteil, das „Weihnachtsherz“ gelesen zu haben. Ich las dieses direkt vor diesem Buch und so fühlte es sich wie die Rückkehr zu guten Bekannten an, wobei mir hier, das sei erwähnt, der Schreibstil deutlich besser gefiel.


    In diesem Roman steht nun die Geschichte von Lotte und Nicolas im Zentrum. Lotte hat sich gut im Elsass und auf dem Weingut eingelebt, zu Weihnachten soll ihre Freundin Katja mit der ganzen Familie zu Besuch kommen. Zufällig bekommt sie mit, daß Nicolas ihr bei der Gelegenheit einen Heiratsantrag machen möchte - und das ist der Punkt, da die Vergangenheit ins Spiel kommt und einen Strich durch die Rechnung zu machen droht. Ich habe mir schon auf Grund der Beschreibung auf dem Buchrückentext meine Gedanken, was das denn sein könnte, gemacht - im Verlauf des Buches stellte sich heraus, daß ich mit meiner Vermutung richtig lag. Diese (relativ) frühe Aufdeckung ihres Geheimnisses, das außer Lotte niemand sonst kennt, hat mich beim Lesen nicht sonderlich gestört, im Gegenteil. Eher hat mich interessiert, wie das die Handlung beeinflußt, wann es ans Licht kommt und wie die Autorin das am Ende auflösen will.


    All dies wurde sehr zufriedenstellend im weiteren Verlauf der Handlung beantwortet. Dabei hat die Autorin die Geschehnisse so lebendig beschrieben, daß ich mich mitten drin dabei gewähnt habe und am liebsten gleich ins Elsaß gefahren wäre und zu gucken, ob es dort wirklich so heimelig ist, wie im Buch erzählt.


    Mit diesem Roman ist der der Autorin jedenfalls prächtig gelungen, Weihnachtsstimmung heraufzubeschwören (ich habe das Buch um Weihnachten 2023 herum gelesen) und mir ein paar unbeschwerte Lesestunden zu bereiten. Besonders schön war dies, weil hier eine Wiederbegegnung mit den Figuren aus dem „Weihnachtsherz“ wie die Rückkehr zu alten Bekannten war. Schade nur, daß ich diese mit diesem Buch nun wohl endgültig verlassen muß. Aber wie ich die Autorin kenne, wird sie auch dieses (oder erst nächstes?) Jahr einen stimmungsvollen Weihnachtsroman veröffentlichen. Und darauf freue ich mich schon mal.



    Mein Fazit


    Dieser „Weihnachtsausflug“ ins Elsaß hat sich gelohnt und mir ein paar wundervolle Lesestunden bereitet.

    Worüber dann die ganze Aufregung?

    Ganz einfach: meine von Dir zitierte Bemerkung zielt auf neu veröffentlichte Bücher; also wenn z. B. Tom ein Manuskript an den Aufbau-Verlag schickt und Autor und Verlag sich dann an die Herausgabe des Buches machen. Dann wird das Buch ja so veröffentlicht, wie Autor und Verlag es am Ende beide "abgesegnet" haben (normalerweise jedenfalls).


    Meine Eingangsfrage bezieht sich jedoch auf Bücher, die vor (mehr oder weniger) vielen Jahren bereits veröffentlicht wurden (also i. d. R. damals im Einklang Autor - Verlag) und nun auf aktuelle Befindlichkeiten "umgeschrieben" werden sollen.


    Ganz provokativ könnte ich das auf die Spitze treiben: wem es nicht paßt, daß Bücher nicht den heutigen Vorstellungen entsprechen, sollte die nicht lesen, sondern sich auf solche beschränken, die eben diesen heutigen Vorstellungen entsprechen - also neu so veröffentlicht wurden. Und bevor der Kommentar kommt "dann tu das doch": ich richte meine Lesegewohnheiten seit Längerem weitestgehend danach. ich habe sogar mal bei einem großen Verlag, dessen Newsletter ich bekomme, angefragt, ob ein bestimmtes Buch, welches mich interessiert hat, gegendert ist oder nicht (das ging aus der Werbung für mich nicht eindeutig hervor und die Leseprobe konnte ich auf meinem PC nicht öffnen). Der Verlag hat freundlich geantwortet (und ich das Buch dann übrigens auch gelesen).



    Edit, Tippfehler berichtigt

    Vielleicht der Verlag, in dessen Namen etwas publiziert wird.

    Allerdings ist, wie xexos ja schon sagte, faktisch der Verlag, bei dem das Buch veröffentlicht wird, natürlich dazu berechtigt, sich gegen eine Veröffentlichung des Buches zu entscheiden oder diese mit bestimmten Änderungen zu verknüpfen.

    Na ja, es war schon immer so, daß ein Verlag entschieden hat, was er veröffentlicht und was nicht. Ein Verlag hat (normalerweise) auch bestimmte Grundsätze, die für sein Programm gelten. Was da nicht paßt, kann in diesem Verlag eben nicht veröffentlicht werden (etwas vereinfacht gesagt). Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Als Leser, der sich mit solchen Dingen wenig beschäftigt, merkt man das vielleicht dann, wenn man sich seine eigene Bibliothek anschaut. Und Bücher welcher Verlage da vertreten sind - und welche nicht (oder nur sehr wenig).



    Also liegt es eher am "zu viel" und was das ist, ergibt sich aus Verhandlungen.

    Verhandlungen, die zu Kompromissen führen, kommen aber, so will es mir scheinen, immer mehr aus der Mode.




    Um Gesellschaftliche Konzept und die Auswirkungen auf den allgemeinen Kulturbetrieb hab ich mir da weniger Gedanken gemacht, das war mir zu weit weg (Womit ich nicht sagen will, dass es nicht wichtig ist, sich auch darüber Gedanken zu machen)

    :write Ging mir ähnlich, ich habe mich eigentlich "nur" über die Veränderungen und Anpassungen von Büchern an den heutigen Zeitgeist geärgert (weil ich nun mal nicht das lesen will, was der heutige Zeitgeist vorschreibt, sondern was ein Autor geschrieben hat - wenn ich das lese, sogar das, mit dem ich nicht übereinstimme, damit ich mir eine eigene Meinung bilden kann), dies schon lange, und dachte, das wäre eigentlich ein Thema für ein Bücherforum. Was da noch mit dran hängt, ist mir auch erst im Verlauf der Diskussion bewußt geworden.

    also möglicherweise strittige Inhalte herauszuschneiden oder abzumildern, oder es in seinem ursprünglichen Zustand zu belassen,

    Womit sich die Frage ergibt: wer (Person / Institution) entscheidet nach welchen Vorgaben was ein "strittiger Inhalt" ist? Und woher nimmt diese Person/Institution das Recht (die Autorität) dazu?



    Was in der USA mit der dortigen Demokratie und Glaubensfreiheit passiert ist schon erschreckend. Und es wäre wirklich höchste Zeit, dass sie ihre Werte mal ernsthaft in Frage stellen. Aber so weit sind wir hier doch noch lange nicht!

    Die Betonung liegt für mich auf "noch" - denn erfahrungsgemäß schwappt so ziemlich alles mit zeitlicher Verzögerung auch zu uns herüber. Und vor so manchem, was da "schwappen" könnte graust es mir.

    Und vor welchen Traumata und Erfahrungshorizonten und Lebenswirklichkeiten und -situationen usw. usf. willst Du bitte wie ernsthaft durch "Triggerwarnungen" schützen? In der Konsequenz ginge das nur durch ein Verbot sämtlicher Produkte, die Gefährdungspotential haben, und auch dieser Gedanke liegt einigen nicht allzu fern.

    Genau diese Konsequenz ist es aber, die sich immer mehr breit macht: sobald irgendwo irgend eine auch nur mögliche Gefahr am Horizont erscheint, wird nach einem Verbot gerufen. (Ich weiß, das ist etwas (?) überspitzt.) Aufgewachsen in einer Zeit, da niemand daran dachte, Zäune um Seen zu errichten, anzunehmen, daß Menschen zu Rassisten werden, weil sie (wie damals so gut wie jeder andere auch) den Begriff "Neger" verwendeten oder KInder in fast schon gepanzert anmutenden Autos (nennt man wohl "SUVs") jeden Meter gefahren werden, und schon gar niemand auf die Idee kam, vor Inhalten von Büchern zu warnen. Aufgewachsen also in einer so furchtbaren Zeit frage ich mich manchmal, wie ich so alt werden konnte, daß in ein paar Wochen, wenn man Udo Jürgens glauben darf, das Leben für mich erst anfängt?


    Um nicht falsch verstanden zu werden: ich könnte in meiner Biographie auch so einige Dinge aufzählen, die Tom in seinen Beiträgen genannt hat, habe also durchaus Vorbelastungen. Und es gibt durchaus Dinge, über die ich eher nichts lesen (oder in Filmen sehen) möchte. Aber wie Tom früher schrieb, gibt es in Klappentexten Hinweise auf den Inhalt. Bisher ist es mir eigentlich immer gelungen, aus diesen Hinweisen herauszufiltern, ob ich besser die Finger von einem Buch lassen sollte oder nicht. Falls die Tendenz zu "nicht lesen" geht, sammle ich so lange Informationen, bis ich eine klare Meinung habe - und lese oder nicht. Es gibt, soweit ich mich erinnere, nur eine Ausnahme von dieser Regel, wo ich nicht erkannt habe, daß ich das Buch besser nicht lesen sollte. Und das war ausgerechnet noch eine LR hier im Forum. Allerdings habe ich auf die Folgebänden dann verzichtet.


    Anmerkung an mich: ich hätte nie gedacht, daß ich einmal dermaßen mit Toms Meinung übereinstimme, wie hier in diesem Thread. Keine Ahnung, wie ich das einschätzen soll. Ob ich tatsächlich noch lernfähig bin? ;-)

    Den ersten Band habe ich mir heute besorgt (also bestellt, da nicht vorrätig...) und habe ihn bis zum Beginn der LR gelesen.

    Besorgt habe ich mir den, aber bisher leider noch nicht gelesen. Es hat sich in der Zwischenzeit bei uns privat Einiges grundlegend geändert (was bei meinem ersten Post so nicht absehbar war); ich bin die letzten Wochen kaum zum Lesen gekommen, und das wird sich auch in den nächsten Wochen nicht ändern. Ich werde mir den zweiten Band sicher bald besorgen und auch lesen - nur wann ich zum Lesen komme, steht derzeit in den Sternen. Tut mir leid, das konnte ich so nicht voraussehen - euch eine schöne Runde! :wave

    Habt Ihr das mit "Die neue Häschenschule: Wie Fuchs und Hase Freunde wurden | Ein Bilderbuch von Anke Engelke" mitbekommen?

    Nein, habe ich nicht. Ich habe mir das durchgelesen, auch das Interview. Was ich davon halten soll, weiß ich nicht so recht. Anke Engelke lebt in Köln (lt. Wikipedia) - vielleicht ist das eine Erklärung? Nicht, weil ich etwas gegen Köln habe, sondern weil das eine Großstadt ist. Und in der Großstadt hat man vom Leben in der "Provinz" oder auf dem Lande meistens eher wenig Ahnung (ob sie wohl auch noch glaubt, daß Kühe lila sind?). Würde sie zum Beispiel hier in der Gegend leben, wäre die neue Häschenschule wohl nicht so entstanden. Hier ist nämlich Wolfsgebiet und ein Wolfsrudel im Kreis ansässig. 1/3 der Risse von Wölfen in ganz Hessen stammt aus unserem Landkreis und den beiden Nachbarkreisen (Quelle: Hersfelder Zeitung vom 06.02.2024 ). In dem verlinkten Artikel findet man u. a. ein Bild von einer ganzen durch den Wolf gerissenen Schafsherde. Man mag sich in der Großstadt zwar vorstellen, ein Wolf würde vegetarisch oder gar vegan leben, in der Praxis wird das aber nicht funktionieren. Ich bin zwar kein Biologe bzw. Zoologe, vermute aber stark, daß der Wolf ein solches "Futter" gar nicht verdauen könnte, weil er schlicht ein Fleischfresser ist. Wieso erzählt man heute Kinder solche "Märchen", die in der Praxis nicht mal als Symbol oder Beispiel, geschweige denn zur "Moral von der Geschicht" taugen, weil inhaltlich schlicht und ergreifend falsch?


    Danke für Deinen Hinweis, so langsam wundert mich, glaube ich, nichts mehr.

    Ich weiß gar nicht, ob es Autoren gibt, die heute noch leben und selbst ihre Werke noch mal überdenken und evtl. anpassen, ich habe zumindest noch von keinem gehört.

    Michael Ende lebt nicht mehr, Otfried Preußler auch nicht. Vor Jahren (also vielen Jahren) habe ich gelesen (wo, weiß ich nicht mehr), daß die Änderung von "China" auf "Mandala" von Ende stammt. Hat Preußler nicht kurz vor seinem Tod noch verschiedenen "Modernisierungen" seiner Bücher zugestimmt? Hat mich nicht interessiert, da wir die alten Originalfassungen besitzen.



    Meiner Meinung nach kommt es auf den Kontext an.

    Da fängt das Problem an. Kontext ist völlig außer Mode und Betrachtung geraten. Alles wird nur durch die heutige, einseitige und "woke" Brille betrachtet und an deren Maßstäben gemessen, denen sich alles gefälligst unterzuordnen hat. (Ich weiß, das ist überspitzt ausgedrückt. Aber nur wenig überspitzt.)



    Ich finde es ehrlich gesagt verstörend, dass in jeder Werbung, in jedem Film nun ums verrecken alle Kulturen mit eingebaut werden müssen, nur damit Deutschland als ach so tolerant dasteht.

    In arabischen Ländern würde doch auch niemand auf die Idee kommen die Frau durch eine deutsche Blonde zu ersetzen....

    :write Das ist etwas, was mich ungemein stört und mich so langsam, aber sicher beginnt davon abzuhalten, deutsche Filme anzusehen. Die Tendenz ist auch in amerikanischen Filmen seit zwei, drei Jahren zu beobachten, aber nicht so holzhammermäßig und aufdringlich wie in deutschen.



    Das ist ein Aufregerthema, und auch ich hätte mich vor vier, fünf Jahren noch tierisch aufgeregt, aber inzwischen frage ich mich, worüber man sich da eigentlich aufregt.

    Ich rege mich konkret darüber auf, daß andere mir ein Buch, das entsprechend deren Vorstellungen "redigiert" wurde, vorsetzen, so daß ich keine Möglichkeit habe, mich selbst mit dem Originaltext auseinanderzusetzen und mir eine eigene Meinung zu bilden.



    Das Problem bei dieser Vorgehensweise wäre allerdings, dass die notorisch Aufgeregten trotzdem gegen die "Classic"-Variante protestieren würden, was darauf verweist, dass die Aufregung eigentlich das Hauptproblem bei diesen ganzen Vorgängen ist, also der unbedingte Wunsch, ganz energisch und kompromissbefreit gegen etwas zu agitieren,

    Exakt. Die "notorisch Aufgeregten" sind immer und überall "notorisch aufgeregt" und vor allem zu Kompromissen (ganz allgemein verstanden) weder in der Lage noch überhaupt bereit. Alles hat nach deren Denke und Willen zu sein, eine abweichende Meinung wird weder geduldet noch erlaubt.


    aber das, was in "Jim Knopf" als rassistisch eingeschätzt wird, ist darin ja nicht rassistisch gewesen,

    Das geht auch aus dem von mir im Eingangspost zitierten Beitrag in der WELT am Sonntag hervor, aus urheberrechtlichen Gründen wollte ich nicht mehr als 3 Sätze zitieren (das ist mW die erlaubte Grenze). Es heißt dort u. a., daß Ende den Begriff "Neger" bewußt nur einer Figur in den Mund gelegt hat, um deren Einstellung ("fehlende Weltoffenheit") zu verdeutlichen. Und weiter, daß Kontext für Thienemann anscheinend keine Rolle spielt.



    Unterm Strich gibt es aber einfach keine unproblematische Lösung für dieses Problem - lässt man es drin, gehen die einen auf die Barrikaden, nimmt man es raus, rotieren die anderen. Würden sich alle ein bisschen entspannen, könnte man vielleicht auch noch über andere Lösungen für dieses Problem nachdenken, aber aufregen ist einfach die Lieblingsbeschäftigung der Gegenwart.

    :write Oder wie sagte es doch der Alte Fritz (König Friedrich II. von Preußen) sinngemäß: In meinem Königreich soll jeder nach seiner Fasson selig werden. Eine Einstellung, die heute völlig außer Mode gekommen ist.

    Selbst auf die Gefahr hin, hier eine Lawine loszutreten, will ich das Folgende nun doch schreiben, weil es mich vom Prinzipiellen her schon lange bewegt. Vor allem würde mich interessieren, was Autoren über diese Thematik denken, könnten sie (bzw. deren Werke) in einigen Jahren/Jahrzehnten doch von ebensolchen „Umschreibungen“ betroffen sein.


    Am 23. Februar fand sich in der hiesigen Tageszeitung ein Artikel mit der Überschrift Schluss mit „Rassismus in Lummerland“ (hier der Link zur Onlineversion, die von der Druckversion abweicht: Verlag streicht rassistische Passagen und Bilder aus „Jim Knopf“-Büchern – „ganz im Sinne von Michael Ende“ , hat andere Autorin als in der Druckausgabe).


    Die beiden Lummerland-Bücher zählten in meiner Kindheit zu meinen absoluten Lieblingsbüchern; keine Ahnung, wie oft ich die gelesen habe. Obwohl ich die ursprünglichen Ausgaben hatte (und noch immer besitze), bin ich seltsamerweise nicht zum Rassisten geworden. Obwohl es in der Schule in der Pause Brötchen gab, deren Namen ich heute nicht mehr ungestraft nennen darf, ohne einen „Shitstorm“ auszulösen. Niemand hat sich damals dabei (bei den Bezeichnungen) etwas gedacht. Und seltsamerweise wußte ich sogar, daß China heute (und schon damals in den 60er Jahren) keinen Kaiser mehr hat und man dort nicht mal Schnürsenkel unter den Reis mischte - obwohl das doch so genau so im Buch stand.


    Als meine Tochter in das Alter kam, holte ich meine alten, sehr zerlesenen Exemplare hervor und las sie ihr vor. Weil die doch sehr mitgenommen sind, wollte ich die durch neue ersetzen (auch, weil die Schrift in den 60er Jahren doch sehr klein und mühsam zu lesen war). Da stellte ich fest, daß in den erhältlichen Auflagen (Anfang der Nullerjahre) schon Änderungen waren - „Mandala“ statt „China“ etwa. Hä? Dachte ich - und blieb bei den alten Originalversionen.


    Nun sollen die Bücher (wie viele andere auch) also erneut an den herrschenden Zeitgeist angepaßt werden. Wohin soll das eigentlich noch führen? Provozierend gefragt: sollen/müssen jetzt alle Bücher früherer Zeiten, die eine andere Meinung als die aktuelle (bzw. was manche Kreise dafür halten) vertreten, umgeschrieben oder gar verboten werden? Muß alles bedingungslos dem heutigen Zeitgeist unterworfen und geopfert werden? Und wenn sich der Zeitgeist ändert (was ganz sicher eines Tages passieren wird): die Umschreibung aufs Neue auf den dann „gültigen“ Zeitgeist?


    Brauchen wir eine „Zensurbehörde“ (oder wie immer man eine solche Stelle nennen mag), die auf Unverträglichkeiten mit dem heutigen Zeitgeist achtet und alles entsprechend „gleichrichtet“ und umschreibt?


    Das war heute übrigens auch Thema im „Pro und Contra“ der „WELT am Sonntag“. Das Contra schloß mit den Sätzen:

    In welchem zeitlichen, räumlichen und persönlichen Kontext entstanden sie? Diese kritische Auseinandersetzung findet nicht statt, wenn man Texte so weit glättet, dass sie niemanden mehr kränken können. Wer anderen diese Auseinandersetzung nicht zumutet, kann das Lesen gleich ganz sein lassen.


    Ist man heute wirklich geistig so … beschränkt, daß man alles auf den heutigen Zeitgeist ausrichten und entsprechend verändern muß? Haben wir das Denken verlernt? Gilt nur noch eine einzige Meinung/Ansicht? Wie ist das mit der Freiheit der Künste/Literatur - oder gar der Meinungsfreiheit?


    Wenn ich nur noch Bücher lesen dürfte, die dem heutigen Zeitgeist entsprechen, würde ich das Lesen wohl wirklich aufgeben. Oder, wie ich mir schon mehrfach vorgenommen habe, mich nur noch auf das Lesen von Büchern, die vor 1900 erschienen sind, beschränken. Aber das kann die Lösung doch nicht sein, oder?

    Falls noch ein Platz frei ist, würde ich mich der Leserunde gerne anschließen. :wave


    Den ersten Band habe ich mir heute besorgt (also bestellt, da nicht vorrätig...) und habe ihn bis zum Beginn der LR gelesen. (Die seinerzeitige LR habe ich nicht mitgemacht, weil es terminlich äußerst ungünstig für mich war.) Es kann allerdings sein, daß ich zwei, drei Tage später einsteige, da der Leserundenbeginn an einem Freitag ist - und ich an Wochenenden normalerweise überhaupt nicht zum Lesen komme (Ausnahmen bestätigen diese Regel).